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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, October 13, 1910, Image 2

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2.
0
1 Aus Rußland.
nehmen
I
O ++++4mH,"5,,{,++,+++4"H'40
1*1 Us iBCddltllltd!
Unsere ^eier in Runland
n können den IahreSbelrag
für da? Blatt oder 4 Rubel» unter der
.SBcristiittfotten bei unseren Korrespondenten einziiti
le n, welche bercchtiqt sind, (MvlBvr fitr uns zu taiTiren.
Tie aeivätiUr Präniie wird ihnen dann prvmrl zu^e
tnnbf. ^cttelluuflcn auf oder Zahlnnfle» fur 61x8
Blatt sönnen
jederzeit
gemilcht werde»,
BestelUni^e»
denn
mir
jederzeit entqe^en.
welche das Blatt
Vrute
in )hifilaiib
also,
bniclivu molk'it,
möflen
sich getrost an unsere »orrcivondenten dort wenden.
Wir erlassen diese AnküiidiPinn, um den Leuten dort
btc Sache lucicutlidi 41t erleichtern.
i e e s s u n
Spezial ttvrrespondenz.
Baden, (Gouv. Cherson)
bcii !0. August.
^ch bitte die Redaktion mein Ge
schreibst etwas verbessern
31t
ititb dann im Blatte
wollen
311
veröffentli­
chen.
Den Staats-Anzeiger erhalte ich
rcflclmnftifl nnd jede Nummer macht
uns tv*vie ^rende, denn sie dringt
uns Wochrid)t auo der iienen Welt
von vielen Bekannten, Freunden und
Penvandten.
Die Dresch'eit ist bei uns nun völ
lich beendet nnd nun warten wir mit
Selm sucht ans Regen, denn eo ist sehr
trocken nnd e* wäre .jeit die Winter
saateii 311 bestellen. Der Wind bläst
Vom Osten nnd wirbelt so dichte
Staubwolken ans, das sich gegen
Abend die Sonne verfinstert. Da
miter solchen Umständen nicht gesäet
werden kann, werden unsere Bauern
bald mit der Maioernte beginnen,
welche auch verspricht recht gut aus
zufallen.
Die Weingärten aber stehen
schlecht da, denn die Reben sind ohne
Xtaul). Obgleich die Weinernte an
fänglich so viel versprach, wird sicher
nicht viel Gutes beranokommen,
denn die Reben wurden vom Melil
thau befallen. An Essig werden wir
voraussichtlich keinen Mangel halu'ii.
Der C'U'stmdheitv^iistand wäre bei
im§ befriedigend. Bor kitner $cit
grassirte bei uns die Halsbräune un
ter deu Bindern, aber zur ^eit ist
diese gefürchtete Krankheit verschwnn
den. Nicht mehr als (55 Werst von
uns entfernt aber herrscht in Odessa
die libolern und auch die sibirische
Pest fordert dort viele Opfer.
Bor acht Tagen kehrte auch bei
mir der Mlapperftorch ein und hinter
lies uns eine Tochter.
Bielleicht könnte mir dieser oder
jener Leser des Blattes die Adresse
des Herrn Johann (»raus, Sohlt des
Jyreiidentlmler Ansiedlers Wilhelm
Grans, übermitteln. Er wanderte
bereits vor fünf fahren nach Ame
rika aus, hat aber nie von sich hören
lassen. Seine Eltern sind deshalb
tief betrübt und wären Gedern dank
bar, der die Adresse durch das Blatt
übermittelt.
Griis'.e an meine Brüder Joseph
und Franziskus, sowie an die Redak
tion nnd an alle Leser des Blattes.
a n I a
Vermischte Nachrichten.
lAuS der Deutschen Rundschau für den StaatS-Ailzei
qer znsainmenqestellt.?
A n
S
e
IN
Ii 11 ch
11
141 a
11.
Wer hat nicht schon von Selz, dem
Zentrum der .Untschurganer Kolo
nien, gehörtV Wewii ein jeder, von
dem der „Staats Anzeiger" ge
halten nnd auch gelesen wird. Zwei
felsohne ist auch schon mancher der
geehrten Leier ein- oder das andere
mal dort gewesen und hat sich den re
gen Berkehr und das dnntbewegte
Leben, das sich dort abspielt, gese
hen. Wenn ich daher in meinen Ans
führniigei! Selz in ein etwas helle
res Licht rücke, so brauche ich keine
Gesahr 311 laufen, von irgend einer
Seite ans Widerspruch 31t stosten oder
star absichtlicher Uebertreibung 6e
schnldigt zu werden. Ja, ein eigen
thiunliches Dors ist Selz, gar nicht so
beschaffen, wie sonst die deutschen
Dörfer in anderen Gegenden. Und
nicht nur Selz allein, sondern auch
die übrigen 5kutschurganer Kolonien,
unter denen es, wie schon gesagt, die
hervorragendste Stelle einnimmt.
Ich meine hier Strasburg, Standes,
Baden, Elsaß und Mannheim. Ei
flenthüinlich ist auch das Bölkchen,
das die soeben genannten Dörfer be
wohnt. „Eigenthümlich, wird da
der Leser sagen, worin besteht denn
diese Eigenthümlichkeit?" (Hanz
einfach, sie besteht darin, das die
SUttichitrijQiier, darunter auch die
Selzer, so ganz verschieden von ande
ren Deutschen im Süden Rußlands
sind. Man wird sich darüber erst
recht klar, wenn man andere Gegen
den besticht und da genaue Umschau
hält. Hier meistentheils noch
alte Zustände, oder im günstigsten
Falle der erste Ansang, das erste Aus
wachen zu einem rüstigen Borwärts
schreiten auf allen Wirthschaftsgebie
ten und den damit zusammenhängen
den Formen und Neugestaltungen,
dort ein allgemeiner Fortschritt
in allen diesen und ähnlichen Fragen,
die überhaupt direkten Bezug haben
auf die materielle Besserstellung un
seres deutschen Bolkes auf dem Lan
de. So wurde im Lintschnrgan erst
vor kurzem in feierlichster Weise und
mit einem großartigen Pompe das
hundertjährige Jubiläum des Beste
Heus der dortigen Kolonien gefeiert.
Hierin gab der Kutschurgan dem
Beresan und der Molotschna, wo es
mit dieser Sache nicht recht vorwärts
gehen will, einen deutlichen, nicht
mistzuverstehenden Wink und somit
auch den besten Beweis ihrer geisti
gen Überlegenheit. Früh entwickelte
und bethätigte sich auch im Mitschur
gern Sinn nnd Verständnis für Auf
richtung hübscher Kirchen und Schu
len, die in Hinsicht ihrer Einrichtung
nnd inneren Schmuckes nichts an sich
zu wünschen übrig lassen. Was
endlich andere öffentliche und ge
meinniitzige Institutionen betrifft, so
nimmt Selz nicht nur unter den
Kntschnrganer, sondern auch unter
den übrigen deutschen Dörfern den
ersten Platz ein. Da ist vor allem
das Waisenhaus und die Waisen
sparkasse zu nennen. Welcher Vor
theil armen Waisenkindern und auch
anderen Personen daraus erwachsen
ist, leuchtet einein jeden ein. weshalb
ich mich darüber auch nicht weiter
verbreiten will. Ferner eriftircii in
Selz ein Handwerkerverein, ein Kon-!
stnnladen und eine Leihsparkasse, die
alle bis jetzt die schönsten Früchte ge- i
zeitigt und die besten Erfolge aufzu
weifen haben. Letztere beabsichtigt
in nächster Zukunft ein neues Ge-1
bände mit einem geräumigen Saale
für Theateraufführungen aufzurich
ten. In Selz befindet sich außerdem
eine Postabtbeilimg mit einer un
längst eingerichteten Telegrapben
statiou, jetzt ist man sogar an der Ar
beit, einen täglichen Postverkehr her
zustellen. Nicht vergessen darf ich
auch das vierklassige Knabenprogym
nasinm des Herrn Lehrers G.
Schmidt, die von der Regierung ge
baute nnd schon viele Jahre sungi
rende Wasserleitung und das Projekt
eines neuen Wolostgebäiides, fitr
dessen Errichtung die Gemeinde zehn
tausend Rubel assignirt hat. Endlich
komme ich aus die am '20. Juni I. J.
gegründete gegenseitige Kreditgesell
schast zu sprechen. Wenn man be
rücksichtigt. daß die Bevölkerung von
Selz größtenteils aus Handwer
kern besteht, die auf ihrer Hände
Arbeit angewiesen sind, so ist diese
Institution für sie von nicht zu berech
Heilder
Bedeutung. Und in der
That, vor Gründung besagter Kredit
gesellschast waren die Handwerker
gezwungen, das Geld zur Anschaf
fung des Arbeitmatertals von Selzer
Kapitalisten für ungeheuer hohe Pro
zente zn lehnen. Der Handwerker
wurde von dem Reichen gleichsam ge
miethet nnd mußte für ihn die Waare
herstellen, die schlecht bezahlt wurde
nnd somit ihren Werth für den
Handwerker fast gänzlich verlor.
Man suchte wohl auch schon
früher
diesem Uebel abzuhelfen, wobei sich
insbesondere Herr Greulich durch
Gründung der Selzer Leihsparkasse
viele Verdienste erwarb und etwas
geregeltere Verhältnisse in dieses
System brachte. In höherem Maße!
ist dies aber möglich geworden durch
die Operationen der in Rede stehen-j
den Kreditgesellschaft, die nicht beru-!
fett ist, die Leihsparkasse zu verdräit-!
gen und zu untergraben, sondern sich I
enge an letztere anschließt, dieselbe
gleichsam vervollkommnet,die gleichen
Ziele verfolgt nnd überhaupt Hand
in Hand mit derselben den Interessen
der geiammten Bevölkerung eiitge-:
gen kommen will, ^er Handwerker
bekommt nämlich von der Kreditive-:
sell schast für geringe Entschädigung
Geld vorgestreckt, mit dem er nach
Belieben schalten und walten kann
somit ist er in die Lage gesetzt, mehr
selbstständig zu arbeiten und den Se
gen seiner Arbeit allein zu genießen,
Es nimmt einem daher gar nicht
Wunder zu sehen, wie, dieses löbliche
Unternehmen, die Kreditgesellschaft!
nämlich, sich immer mehr entwickelt!
und vervollkommnet und sich bereits
hi weiten Kreisen eine große Siimpa
thie erworben hat. Zu verwundern!
ist es aber und tief zu bedanern ist
der Umstand, daß es in Selz und i
auch in dessen Umgebung Personen
giebt, die, obwohl an der Spitze ste-!
hend, diesem Unternehmen nicht nur!
nicht freundlich gegenüberstehen,
sondern auch noch bemüht sind, das-j
selbe in den Augen der Leser herab-!
zusetzen. lächerlich zu machen und auf I
jeden Fall in Mißkredit zu bringen,
Eine solche Handlungsweise sindet
nach meiner Meinung ihre Erklä
rung darin, daß derlei Hetzer durch:
die Thätigkeit der Kreditgesellschaft!
in ihren Umtrieben und Spekula-1
tionen lahm gelegt sind und sich da-1
für in höchst verwerflicher Weise zu
rächen suchen. Ich will hier für die
Kreditgesellschaften keine Lanze bre
chen, sie hat es eben nicht nothwen-1
dig. Wie ein jedes gute Werk spricht
auch sie für sich selber. Die Ersah
rung hat es gezeigt, und die Zukunft!
wird das in noch größerem Umsange
rechtfertigen. Eine ähnliche An
stalt will man auch im Beresan, und
zwar in Karlsruhe ins Leben rufen.
Ein löbliches Unternehmen! Die!
Sache will aber hier nicht recht gelin
gen, sei es ans Mangel an Sinn uud
Verständniß bei den Leuten für diese
Institution, oder sei es wegen eines
verfehlten und mißglückten Vorgehns
von seilen des Initiators in der Ber
wirklichnng dieser Idee, oder sei es!
aus anderen Gründen und Ursachen.
Wie dem auch sei, dieses Fiasko
war vorauszusehen es ist ja eben
rein nicht möglich, daß eine Kredit
gesellschaft innerhalb eines Torfes,
wie Karlsruhe es ist, sich zu bethäti­
get: imstande wäre. Da hätte man
ein Beispiel an Selz nehmen und
eine Wolost-Kreditgesellschaft grün
den sollen. Die Sache hätte dann
reelleren Boden unter den Füßen ge
habt und wäre leichter zu verwirkli
chen gewesen. Bin von meinem
Thema etwas abgeschweift, wofür
man mich gütigst entschuldigen wol
le. Um die Aufmerksamkeit des Le
fers nicht noch länger in Anspruch zu
nehmen, eile ich zum Schlüsse. Selz
hat sich in der Geschichte unserer Ko
lonien einen ehrenhaften Platz er
obert uud zur Entwickelung dersel
bett ctit ansehnliches Stück beigetra
gen. In letzter Zeit hat es sich be
deutend gehoben und sogar einen
mehr oder weniger städtischen An
strich bekommen. Dort werden einem
eben fast alle Annehmlichkeiten gebo
ten, wie sie nur die Stadt aufzuwei
sen hat. Der große vielbesuchte Ba
zar, der alle 14 Tage dortselbst ab
gehalten wird, verschiedene Buden
und Niederlagen, Arzt, Zahnarzt,
Apotheke, Veterinär, Feldschere,
Photographen usw. alles das ist der
beste Beweis dafür. Wenn mait mtit
noch die Freundlichkeit der Leute, bei
denen noch die alte Gastfreundschaft
als Regel gilt, uud die billige Le
bensweise, die man in Selz führen
kamt, in Betracht zieht, so wird man
vollends dasiir ciitgettomcmit. Selz
soll uud wird aber nicht aus dieser
Stufe der Entwickelung und des
Fortschritts stehen bleiben. Es hat
eben alle Voraussetzungen und Vor
bedingungen zu einer großen und
glücklichen Zukunft. Ich als glii
Heilder Verehrer von Selz wünsche
ihm das von ganzem Herzen!
—Tannhäuser.
Z u 1 0 0 i e n e s e
e u e e e s a n e e u t
scheu K 0 I 011 i n.—Endlich kann
in diesem Blatt, wo schon so viel über
unser Jubiläum geschrieben wurde,
der Tag, an dem die Hauptfeier statt
finden wird, bestimmt angegeben
werden. In seiner letzten Sitzung v.
5. September in Landau einigte sich
das Bollzitgskoiitite aus den iiÖ. Sep
tember, Donnerstag. Es könnte viel
leicht manchen, der der Versammlung
am 29. August beiwohnte, befrem
den, daß man am 27. Sept. nicht
festgehalten. Daher soll auch hier in
Kürze der Grund des Aufschubs an
gegeben werden. Gleich nach jener
Versammlung hatte Herr L. Reichert
in Odessa mit dem Dumaabgeordne
ten L. G, Lutz eine Unterredung in
betreff der bevorstehenden Jttbi
läuntsfeier der Beresaner Kolonien.
H. L. Reichert legte H. Lutz nahe, es
wäre sehr erwünscht und würde szcher
alle Beresaner aufrichtig freuen,
wenn er der Feier beiwohnte. H.
Lutz erwiderte, er sei gar nicht abge
neigt, sei aber am 27. Sept. mit wich
tigen Arbeiten in Ielisawetgrad ver
nommen, so daß es ihm unmöglich
sein würde, am genannten Tag nach
Landau zu kommen. Bon dieser
Unterredung setzte H. L. Reichert das
Vollzugskomite in Kenntnis welche
nun den 30. September bestimmte,
so daß es Herrn L. G. Lutz möglich
gemacht ist, der Feier beizuwohnen.
Das Vollzugskomite entfaltet be
reits eine rege Thätigkeit, was ange
ficht? der spärlich bemest'eren Zeit
auch durchaus nöthig ist, weitn die
nicht geringe Arbeit rechtzeitig 'itt
Angriff genommen und gewissenhaft
zu Ende geführt werden soll.
—m.
Sornnt erwende a it der
0 0 ts ch n a. Der liebe Som
mer geht allmählich zur Neige und
räumt den Herrscherplatz seinem
Nachfolger, deut trüben Herbst ein.
Dieser ist mit der Politik seines Vor
gängers unzufrieden, schlägt lang
sam einen anderen Kurs ein und ver
nichtet nach nnd nach fast alles, was
fein Vorgänger schuf. Die Sonne
scheint ihm zu warm, und er wandert
mit unserem Planeten weiter fort
von ihr. Die Tage sind ihm zn lang,
die Nächte zu kurz, und indem er die
Sonne früher zur Ruhe schickt, macht
er erstere kürzer, letztere länger.
Das grüne Kleid der Bäume ist ihm
ein Dorn im Auge, er giebt ihm ei
neu gelbeu Anstrich, nimmt es ihnen
aber bald weg und läßt sie nackt ste
hen. Die maimigfarbigen Blumen
gefallen ihm auch nicht er läßt sie
alle braun werden, denn diese Farbe
entspricht ant meisten seinem Ge
schmacke. Selbst der Gesang der uu
schuldigen Vögel ist ihm zuwider
durch Kälte und Regen treibt er sie
von Feld und Flur, aus Wald und
Gärten. Schaarenweise flüchten sie
nach dem Süden, wo der Herbst nicht
so grob ist. Voraus der Anführer,
der schon öfters die Strapazen dieser
Flucht mitgemacht, hinter ihm her
in zwei langen Kettelt die anderen.
Im Walde, wo es im Sommer so
lebhaft hergeht, ist es jetzt unheimlich
ruhig. Die Raben, deren Logis im
Friihsommer der Wald ist, uud die
darin eine ohrenbetäubende Musik
vollführen, haben sich zu einem gro
ßen Schwärm vereinigt und kreisen
träge in dem unermeßlichen Lnftreich
herum. Lassen sich von Zeit zu Zeit
rauschend herunter, den Hunger zu
stillen, um sich dann krächzend wieder
zu erheben. Entblößt liegt das weite
Feld vor unsern Blicken, über das sich
einige Pslüger verloren haben. Ge
pflügt und gesäet wurde bis jetzt noch
Der StaatS-A»zeiger, Rugby, N. D., de« 13. Oktober 1910.
wenig, da die meisten noch nicht lange
mit Dreschen fertig wurden. Un»
glücksfälle gab's während der
Dreschzeit in unsern Kolonien fast
täglich. Dort hat einem das Roß
werk den Arm oder einen Fuß ge
brochen, anderswo fiel einer von dex
Fuhre uud wurde überfahren usw.
Meistentheils sind es Kinder bis zu
15 Jahren. Solchen sollte man da
her während der Arbeit bei der
Dreschmaschine sowie auch auf der
Fuhre immer und immer wieder
Vorsicht anempfehlen. Zurzeit
herrscht hier ein furchtbarer Sturm.
Diesem ungehobelten Gesellen darf
matt nicht ins Gesicht schauen wer
sich aber erfrecht uud die Augen auf
hebt, dem streut er gleich eiue Por
tion Staub in die Augen. Wcih
mir im Juli so gar oft Regen hatten,
regnete es im August gar nicht. Und
das wäre jetzt sehr nöthig.
—A. K.
e s a a i e n 6 S e 1 9 1 0
Der Herbst ist da mit Dreschen find
die meisten Bauern endlich fertig die
Maisernte, die im Durchschnitt gut
ausfällt, da die Dessjatiue vou 100
—180 Pud ergiebt uud die Trau
benlese haben meistenorts begonnen
und hier, und wo es geregnet hat, be
gcitttt man auch schon mit dent Be
stellen der Wintersaaten, doch hat
man diese Arbeit wieder unterbro
chen, da es zu trocken ist, uud man
Regen erwartet, statt dessen aber Tag
für Tag, Sturm und Wind hat, der
gewaltige Staubwolken vor sich hin
treibt und den Verkehr der Schisse
zwischen Odessa und Akkerman oft
unmöglich macht. Die Weinernte
fällt im Kreise, wo schwarzer Boden
ist, durchweg schlecht aus, denn was
die Reblaus noch wachsen ließ, hat
der Mehlthau (Mtldtoit) vollends
zerstört. Besser ist es bei Akkerman
und Schabo im Sandboden, doch lau
ge nicht glänzend. Trauben und
neuer Wein sind daher doppelt so
theuer als bei guten Weinjahren, er
stere 1 Rbl. 30 1 Rbl. (50 Kop.
das Pud uiti) letzterer 1 Rbl. 50
1 Rbl 00 Kop. das Wedro. Auch in
dieser Gegend hat der Mehlthau gro
ßen Schaden angerichtet obwohl man
fleißig mit Kupfervitriollöfuug
(Blaitftein) besprengte. In Taru
tiito hat ant 1. d. M. die vierte land
wirtschaftliche Ausstellung begon
nen, die am 17. ihren Abschluß fin
det: sie soll ziemlich stark besucht seilt,
doch der Aussteller und Ausstellungs
Gegenstände sind, dem Vernehmen
nach, nicht besonders viel, was wohl
damit zu erklären ist, das sich die
meisten Firmen auf dem Ausstellun
gen in Odessa und Iekaterinoslaw
betheiligen, daher für die kleine Aus
stellung in Tarutino nur wenig oder
nichts übrig haben. Am 8. Sept.
wird die Ordentliche Akkermaiter
Kreisfemstwo-Versammlung eröffnet,
die in den letzten Jahren meist 5
8 Tage währte, diesmal aber wahr
scheinlich ihren Abschluß schon in 4
Tagen sindet, denn der Anträge sind
nicht viel, etwa 50, und auch die nicht
von besonderer Wichtigkeit, zudem
erscheint vom Adel, der Unheil wit
tert und dessen Kampsesmuth etwas
abgekühlt ist, wahrscheinlich nur eine
geringer Anzahl und wird sich dnckeit.
Selbst der in der Dmna zu so trau
riger Berühmtheit gelangte W. M.
P'.iiischkewitsch will nicht kommen.
Dafür ist dieser Tage bei uns ein an
derer Gast erschienen die Pest.
Schon sind 2 Fälle von Pesterkran
kungen festgestellt, doch gestorben da
ran ist noch niemand. Vielleicht tritt
sie mich so gelinde bei uus auf, wie
die Cholera von der matt nichts mehr
hört in Akkerman, nur noch im Nord
osten des Kreises bei den unreinlichen
Moldauern von Tolmasi und Olo
neschke hält sie sich noch.—Die Land
pachtpreise sind sehr gestiegen, man
zahlt von 1(—22 Rbl. für die Dess
jatine. Da muß es eine gute Ernte
geben, daß dem Pächter für seine Ar
beit noch etwas bleibt. Die Ge
treidepreise sind tit Akkerman sehr
stark gesunken: Winterweizen mitt
lerer Güte erzielt 88 und Gerste 52
Kop., selten zwei Kop. mehr am Pud.
Die Zusuhr hat deshalb etwas nach
gelassen, doch der kleine Bauer muß
eben verkaufen, und wohl auch mau
cher Großbauer. Jeder weiß wohl
ant besten, wo ihn der Schuh drückt!
Mancher hat etwas Geld erübrigt,
nun geht es ans Lcmdkanfen uud
überall in den Kolonien stößt man
auf Landmakler 'und Landspekulan
ten: Juden, Deutsche, Bulgaren, alt
und juug, gelehrte uud uugelehrte,
auf all nur keine ehrlichen. Sie
find zur Landplage geworden und
laufen einem Bauern, wo sie Geld
wittern fast die Thürenschwelle weg.
Natürlich: 100 Dessjatinen verkauft,
50, 100 Rbl. verdient, wohl auch
mehr, was gleich vom Handgeld
abgezogen wird. Nette Kerle, diese
Menschenfreunde, alias Geschmeiß
und Bauernfänger!
—I. F. Str.
N e u k o n e n a e n 3 0
August 1910. Vor einigen Tagen
ging hier die Dreschzeit zu Ende.
Wer zuletzt lacht, lacht am besten!
So hieß es bei den Nachzüglern im
Dreschen denn es war drei Wochen
lang herrliches Wetter. Es gab eine
Unmenge Spreu, das Stroh wurde
rein nnd die Körner waren trocken.
Es giebt Zeiten, wo unsere Deutschen
»fleißig sind. Als das große Ofi-
genwetter im Juli war, wollte man
durchaus dreschen. Wer in jener
Zeit gedroschett hat, ist heute nicht
froh darum denn man wußte nicht
mehr, wo gus wo ein mit dem nassen
Getreide. Schließlich war man ge
zwuugeu, dasselbe ins Freie zu briu
gen uud zu trocknen. Gegenwärtig
herrscht hier die Maul- und Klauen
tcnchc. Besonders stark werden die
Milchhälter mitgenommen, von de
nett schon ziemlich viel viel krepirt
sind. Jedoch gehen auch größere
Stücke zu Grunde. Es wurden sogar
die Schweine von dieser Krankheit
heit befallen. Vor zwei Tagen ging
hier ein ungemein starker Regen nie
der. Jetzt ist man fleißig am Rog
gensäen.
Falsche Anklage.
Eines Sonntagmorgens erschien
bei einem Herrn N. N., als er in
Rußland dem Lehrer- und Organi
steudieuste vorstand, ein reitender
Postknecht, der dem Herrn ein
Schreiben, besserer Anstellung wegen,
von einer kirchlichen Behörde über
reichte. Nachdem N. N. den frohen
Inhalt des Schreibens gelesen, sollte
er aber auch ohne Verzug bei der
kirchlichen Instanz erscheinen, und so
entschloß er sich, eine Fuhre zu suchen
und, weil er auf Sonntag bei den
dortigen Katholiken, die am Sonn
tage keine Pferde einspannen, eine
solche nicht finden konnte, was er
wohl wußte, begab er sich in das
nächstliegende Russendorf um dort
eine Fuhre sich zu besorgen.
In dem Dorfe angelangt, kehrte
er zuerst bei dem Dorffchreiber vor,
denn das war ein intimer Freund
von ihm, in der Hoffnung, eine Fuh
re haben zu können, traf jedoch den
Schreiber nicht zu Hause au. Die
Frau des Schreibers rieth dem Su
chenden in die Kneipe zu gehen, weil
ihr Maitit sich, so viel sie wußte, mit
dem Dorfschulzen dort befinden
mochte. In der Schenke aber war
keiner der beiden Herren. Nun wan
derte Herr N. N. in die zweite Knei
pe, in welcher aber nur drei betagte
Greise mit schimmerndem Silberhaar
sammt dem Schankwirth bei einer
Flasche Feuerwasser vergnügt zechend
saßen. Auf die ait den Schankwirth
gestellte Frage, ob er nicht wisse, wo
eine Fuhre zu finden sei, glotzte dieser
N. N. mit gehässigen Blicken an, don
iicrte dabei in russischen Schimpf
und Fluchworten gegen das Deutsch
thiiin los, was N. N. sehr ausregte.
Der Wirth bediente sich der absehen
lichstctt Redensarten und meinte
zum Ende: „Besäße ich des Zaren
Macht, so würde Rußland binnen
zehn Iah
rett von dem verfluchten
Dentschenvolk gesäubert sein." Herr
N. N. ließ sich alles gesallen uud sag
le beim Verlassen der Schenke: „Ja,
wenn der Zar so verrückt wäre wie
du, könnte es noch eher geschehen."
Auf diese Worte hin schrie der Wirth
auf: „Er lästert deu Kaiser, den
Glauben und unsere russische Kir
che!" Die drei Greise waren der
gleichen Ansicht, der Lehrer aber ging
seines Wegs ohne an etwas Arges zu
denken.
Der Lehrer wanderte heimwärts,
ohne die gesuchte Fuhre gesunden zu
haben. Er brachte eine schlaflose
Nacht zu, denn er war sehr aufgeregt,
konnte sich aber nicht erklären wes
halb der Schlaf seine Augen sloh.
Kantn tagte der Morgen, erschien
auch schon ein Polizist, um den Leh
rer dem Urjadnik (Polizeibeamter)
zu überliefern. Den Lehrer überfiel
Furcht und Schrecken, die Erde
wankte unter seinen Füßen, seine
Knie zitterten uud er konnte kaum
eiu Wort hervorbringen, als der Po
lizist erklärte was der Grund zu sei
ner Auslieferung sei. Auch das
ganze Russenvolk im Dorfe war auf
rührerisch und lauschte und spitzte die
Ohren, wie es wohl dem Herrn N. N.
gehen werde.
Beim Betreten der Amtsstube be
merkte der Lehrer gleich die drei im
Zimmer sitzenden Greise und den
Schankwirth. Der Herr llrjadnik
lächelte den Lehrer freundlich an, je
doch konnte dieser nicht begreifen,
was das Lächeln zu bedeuten hatte.
Der Beamte wies dem Lehrer einen
Stuhl an uud sprach immer in
freundlichem Tone. Der Lehrer
wurde nun aufgefordert, den gestri
gen Vorgang zu erklären, was auch
geschah. Der Polizeibeamte forderte
dann die Russen auf, die Wahrheit
nach ihrem Gewissen zu sagen, diese
aber betheuerten, der Lehrer lästerte
den Kaiser, den Glaube« und die
Kirche. Er solle nach den Staatsge
setzen gerichtet werden, denn sie seien
bereit alles zu beschwören. Der An
geklagte wurde zur Selbstvertheidi
gung aufgefordert, konnte aber nichts
ausrichten, deqn die Russen hatten
sich verschworen und schrien immer:
„Er hat den Kaiser und die Kirche
gelästert!"
Nun erhob sich der Polizeibeamte
(der kein Richter ist und nur zu pro
tokollireit hat) und, nachdem er eine
lange Rede zu des Lehrers Verthei
digung gehalten und den Alten tief
in's Gewissen geredet hatte, hieß er
sie auf einige Minuten das Zimmer
zu verlassen, den Lehrer jedoch hieß
er bleiben. Er sagte ihm, daß er
alle Kräfte auf bieten werde, ihn los
zubekommen, sollte aber alles Reden
Warum
1
der
Bradley Schuh
am besten hält
Bradley- Schuhe sind mit der rich
tigen Zugabe Leder am Ballen deS
Fußes gemacht und brauchen nicht ge
streckt zu werden.
Schuhe, die gestreckt werden müssen,
halten nie lange, weil das Oberleder
abreißt. Bei Bradley-Schuhen ist das
nicht nöthig.
Kosten mehr %u machen.
Natürlich kostet es mehr, das 'beste
Leder zu verwenden, wie es Bradley
& Metcalf thun, aber die Schuhe
kosten Ihnen nicht mehr als die ge
«ähnlichen, und die Fabrikanten sin
den ihre Rechnung in der Zunahme
des Verkaufs ihrer Schuhe.
Bradley & Metcalf machen gute
Schuhe seit 1843. Wir führen ein
volles Lager derselben für Männer,
Frauen und Kinder zu Preisen, welche
Ihnen Geld ersparen.
Bradley Schuhe sind
nach den
neuesten Moden gemacht.
Für Männer $3.50 bis $5.
Zu haben bei
Chas. Turk, Rugby, N. D.
nichts helfen, so müsse er ihn gefes
selt dem Gerichte überliefern. Das
Herz des Lehrers war gebrochen vor
Schmerz und Traner.
Nun wurden die falschen Ankläger
nochmals vorgerufen und die zweite
Rede des Urjadnik's verhalf dem ar
men unschuldig verklagten Lehrer
zur Freiheit, denn jeder der drei
Greise, weil sie doch noch religiöses
Gefühl und gutes Gewissen hatten,
erklärten, der Wirth habe sie überre
det, falsches Zeugniß zu rede» und sie
seien von ihm dazu verleitet worden.
Auf die Frage des Beamten, ob sie
den Lehrer kennen, erwiderten sie
einstimmig: „O ja wir kennen ihn
als braven uud rechtschaffenen
Mann, von dem wir noch nie etwas
übles hörten!" Als der Schankwirth
gefragt wurde, was er noch weiter zu
sagen habe, schwieg dieser still, als
habe er von der ganzen Anklage
nichts gewußt.
Der Beamte wollte nun den
Schankwirth Protokolliren wegen fal
scher Anklage uud Verleitung ande
rer zn falscher Zeugnißaussage, was
auch zu unterschreiben sich die Greise
bereit erklärten. Der Lehrer jedoch
bat den Beamten, kein Protokoll zu
machen und so nahm die Sache ein
Ende.
Des Lehrer's Glück war also der
Polizeibeamte, der ein polnischer Ka
tholik war. Seid daher vorsichtig,
turnt ihr vielleicht wieder nach Ruß
land zurückkehrt, in der Kneipe das
Wort Zar zngebrauchen, damit es
euch nicht so schlimm wie diesem Leh
rer, oder vielleicht noch schlimmer, er
gehen möge. Hütet euch in russischer
Gesellschaft eueren Glaubeu zu loben,
bettn die Russen verstehen darunter
gerne eine Verspottung und Schmä
hung ihrer Orthodoxie!
Anton Jochim.
Sendet Verwandten oder Freunde»
im alten Baterlande den Staats-An
zeiger auf ein Jahr. Der Preis des
Blattes in's Ausland beträgt nur 82.00
jährlich, ganz abgesehen von der hiib
schcn Prämie, welche mir verschenken
nnd der Freude, welche dadurch Ber
wandten und Freunden bereitet wird.
Was Männer wissen
sollen,
Ist in
cinfndien,Vlimn nub
etirlitiKn Morien,
foltfit
in auSfiihi lichkr Wetie tu einem Buche beschrieben.
Der He ran gelier, Herr
bevtj,
Doctor (»tiftov fi. $*»
luiuiW inneren Lesern milznll',eilen, daß
für
kurze Zeit da« ennätjnle Werk koueiifret abgegeben
wird. Ii* ist seit Iatiien bekann», da«, Dr.
in feinem erwähnten Sveiinlfad) Meister ist nud von
seinen Coiieaen ali höchst erfolgreicher Nervenarzt
anerkannt wird.
Wobt lein anderer Arzt solch
unbegrenzte»
Vertraue» unter den Teutschen dieses Landes. Und
baö mit !)Iet1)f.
Wer daher bis ehrliche Wahrheit über seinen Zu
stand erfüllen will, wer von «Meroenfdtroäche und ge«
brimeii 2chväche-Zu'ä»den geheilt sein will, wer
seine volle Manneskraft »nieder erlangen will, dtr
muß diese» überaus lehrreiche Buch lesen.
Senden Sie daher scfllci* Ilnen Na inen und
Adresse an den Verfasser und schneiden Sie diese Ofc
ferte uu» oder erwähnen Sie den StaatS-Anzeiqer.
Das Buch ivird Ihnen dann fofort ftei iuU tict*
siegelt
per Post
gesandt.
Dr. G. H. Bobertz,
Aboimjrt aus
den
Staats-Anzeiger.

604 Wo-dckari»«»«., Detroit. Mlchiga».

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