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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, December 22, 1910, Image 2

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2.
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I
"Aus Rußland.
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I
«tut SWrtdttlttta' liniere Vcfer in iWiifilaitb
O»** tuitucu ben ^abn'clictian
fur da: Blatt ($•.'.1*1 ober I :)iuVcl unter .'{ujctiUiii bev
Prriaublkvsikn bei iiiisercu .vurivivoiibcntcii viu^il)
leit, welche IctedihiV finb, (Helber fitr uns in tunireu.
®ie flettiälUie ^irtiiiii-Hiirb iliiien baun prvuipt tuiU'
ianbt. ttU'iielliiiiitiT. jus ober ,'}iil'luuflcii für bii8
Blatt könne» icöfrjcit
ui'uuidü
werben, beim mir
nehmen lOevelhiiineu leöer^eit eiitiu'iU'ii. üente alio,
welche da-- Blali 4iits laiit Veuvllen wollen, mosten
iicti flctiofi an ninc'c «one'vovbeiiten bort weubeii.
ittMr erlaiirn birr thhiubuimtfl, um best Vcutcn bort
die Sache iueienilut zu erleiclittiu.
3pc,}in!«.\lorrc!pü)ibc!t,v
In meiner uoriiu'i: Mon-oipoitbctt^
derichtete ich, das Hvmi Aubrea*
.yoffeirt vier Pferde und Smu'ii iu'
itnhlctt wurden. Nun tviil ich niol
den, das', mau den rieb ans telegra
phischem Wege im Städtchen Vere
foffa aitrfnnd, und Herrn A&offeirt
Pferde nnd Wagen luiedef zugestellt
wurden.
Meine Schwägerin Veronika
Zeichner, gel' Miltner, verlieiratliete
sich mit Antun Hilsendegcr aiiv Ba
den. Ter Bräntigain ist 17 und die
Braut 2 Satire alt. Wünsche Dem
Paare viel (Gliiit' in die Che.
Wir hal'en diese?
xnln'
hier
schwere Seiten. Nicht allein hier,
Hindern auch in Elsas Ztraßvurg,
Baden, Selz nnd Mandel,, denn über
all müssen die alten Rückstände be
zahlt werde»«, (.Oieriilu'v würbe be
reite in imriger Viuiüuut berichtet.
Red. Staalv Vlu^eiger.) Wer fein
(^eld bot, dem inns der Schulde die
Sachen verlaufen, und wenn cv dav
Missen unter dem Mtipfe tostet. li* ist
sehr schlimm für viele Verne, aber
leider nicht zu ändern, denn der
Vnndvunt bat den alten Schlendrian
satt bekommen nnd gebt streng vor.
Pater Reichert ist an Ii
i
las abge
reist und bat die Reitling einer Schu
le übernommen.
xljt
bat Elsas ei­
nen anderen Seelsorger, nämlich
Herr Hirsch, gebürtig au* der Molo
nie Selz, betommen. Da^ ist anch
ein braver Mann. In Mannheim
haben sie ihn mit großen (Ihren beim
Zefan abgeholt.
Christian Merk au* Elsas ist anch
heute beerdigt worden, friede seiner
'Asche. Ten Hinterbliebenen spreche
ich das herzlichste Beileid aus.
©rufe an alle Leser de^ Blattes
und besonder* an meine freunde
und an meine Minder.
o a n n e s n e
von Heinrich.
Spezial-Kvrrcspondeuz.
Zu Ansang des Sevtemberiiionats
hatten wir trockene Witterung, wie
sie für die Nachzügler beim Dreschen
nicht erwünschter sein konnte. Da
died jedoch gerade die U'it ist, zu
welcher die Wintersaaten bestellt
werden, so machte sich der Regenman
gel bei de» meisten Vanümirthen
sehr unangenehm fühlbar. Dessen
ungeachtet jedoch wurde fleis ig da
rauslos gesäet in die trockene Erde.
Das war zwar etwas schwierig, da
besonders das unzubereitete Vmid,
wegen seiner Härte, ungemein schnu-r
zu tearlvitcit war. Aber mit dem
Säen zurückzuhalten, bis es regnen
würde, wäre ein sehr groher Dehler
gewesen, wie sich auch alsbald er
lvies, denn faum war man mit dem
Bestellen der Wintersaaten fertig, so
wurden anch dieselben alsbald durch
einen milden Landregen zum Mei
men und, nicht lange darnach, zum
Ausgeben gebracht. Darauffolgende
warme Tage, unterbrochen durch
weitere Vnndregeu, trugen dazu bei,
das nun die Wintersaaten im besten
Wachsthum begriffen sind und die
bestellten Felder im üppigste»! (Griiit
prangen, wie zur Frühlingszeit.
Mein Wunder auch, denn heute, den
!!. November, herrscht noch immer die
schönste Witterung. Ein derartiger
Saatenstand zu dieser ,'icit garantirt,
wie allgemein mtgenommen lvird,
die Hälfte einer guten Ernte für'*
nächste Jahr.
Ein trockenes Einwintern, bezie
hungsweise trockenes (Gefrieren des
Bodens wirft oft sehr zerstörend auf
die Wintersaaten. Besonders ist die*
der ^aU. wenn es zur Nachtzeit ge
friert und tagsüber thaut. Dadurch
wird die Erdfruste abwechselnd mehr
ober weniger gedehnt und zusammen
gezogen und die darin sich befindli
chen Saateinvurzelu gereckt und wohl
mich abgerissen. Eine gehörige
Schneedecke, welche die Wintersaaten
vor den Unbilden der Witterung
schützt, würde deni Vauimtmute sicher
sehr erwünscht sein. Jammerschade,
daß derartige Decken nicht auf Be
stellung verobfolgt werden sönnen.
Dies umsouiehr, als mit derselben
zugleich eine schöne Schlittenbahn
verbunden wäre. Wer jedoch unbe
dingt eine solche Decke haben möchte,
wende sich an den Verfertiger dersel
ben an den lieben (Gott!
Ein Saatenstand, wie er Heuer vor
Augen steht, habt das (Gemüth des
Landmannes zu freudiger Stim
mung. Zufrieden mit sich selbst, ohne
große Sorgen für das nächste Jahr,
ist er nun in der beneidenswerthen
Lage, die bevorstehenden langen
Winterabende zu seinem eigenen Nu
tzen und Wohlergehen, sowie zum ei­
genen Vergnügen,, nach Belieben ver
wenden zu sönnen, was ihm nach
langer, schwerer Arbeit gewiß auch
zu gönnen ist. beider wird jedoch
in dieser freien Zeit nicht immer das
Schöne mit dem Nützlichen verbun
den und nur zu oft wählt sich der
Mensch zu seinem Vergnügen eilten
lluterbciltuugsgegenitnnd, der weder
für ihn selbst, für feine Familie, oder
auch für Andere von Nutzen ist, son
dern auf Viele, sowohl in geistiger
als anch materieller Hinsicht, einen
schädlichen Einfluß ausübt. A»"tr ei
nes der gefährlichsten und besonders
eines deutschen Mannes und aci
litiliennater* unwürdigen Vergnügen
heilte ich das lcibcnfchnftliche Marten
spiel. denn es unterliegt ja gar fei
nem Zweifel, daß der Spielteufel, so
bald er einmal sein Opfer mit schar
fen M»allen gefaßt hat, es nicht wie
der losläßt, bis er aus einem anstän
digen Manne, einem von seiner Fa
milie geliebten Vater und wohlhaben
den Wirth, einen Vuntven gemacht
hat, der sich die Liebe seiner Familie,
die Achtung seiner Mitbürger, und
außerdem noch teilten Wohlstand ver
scherzt. Dies passirte schon manchen
mir bekannten Männern, die da
glaubten, ohne (Gefahr ein unschuldi
ges Spielchen machen zu dürfen.
Dies eine Mal würde ja freilich nicht
geschadet haben, aber leider blieb es
nicht bei diesem einen Male, sondern
es wurde zum zweiten und dritten
Male gespielt und man fand schließ
lich solchen Gefallen daran, daß das
Spiel zur Leidenschaft wurde. Das
erste unschuldige Spielchen hatte da
her sehr viel von seiner Unschuld ein
gebüßt, und war thatsächlich nur der
Anfang eines traurigen Endes.
Was ist denn aber auch schönes oder
anmuthiges an einem solchen Ver
gnügen? Oder ist es überhaupt ein
Vergnügen? Jch für meine Person
sage nein! Ein Spielhaus widert
mich schon von Weitem an und zwar
weil es ans den Nichtspieler, nähert
er sich demselben, einen abstoßenden
Eindruck ausübt. Wodurch läßt sich
dies erklären? Schauen mir uns
ein Spielhaus nur etwas näher an
und die Antwort ergiebt sich ganz
von selbst. Schon aus der Aerite
hört man dort ungewöhnlich lautes
(Gespräch- -gleichfalls als schreie ein
Jeder auf den Anderen ein, ohne von
Jemand gehört zu werden. Die eine
solche überlaute Unterhaltung füh
ren sind eilte Masse Spieler, die meh
rere Tische beietit haben. Vor jedem
Spieler liegt auf dem Tische etwas
hield aufgehäuft. Es wird mit gro
ßem Eifer gespielt und. wie das ge
wöhnlich schon die Umstände mit sich
bringen, dabei ziemlich stark der
Weinbowle zugesprochen und derart
geraucht, daß sich das Shunter ver
dunkelt. Mein Wunder also, wenn
die (Gemüther sich so erregen, daß
Männer einander anbellen, als wäre
der größte Streit unter ihnen. Also
eine Unterhaltung, au welcher nicht
Jedermann (Gefallen finden kann.
Es sei hierbei bemerkt, daß ich mit
dieser Morrewondenz seiner einzel
neu Perion zu nahe treten möchte
und nur das gewohnheitsmäßige
Spiel im allgemeinen im Auge habe.
Auch hege ich durchaus feine Hoff
nung. einen leidenschaftlichen Spie
ler dadurch zu bekehren, denn dies
halte ich für ein Ding der Unmög
lichkeit. Daher ist auch der Zweck
dieser seilen nur der, vor dem Laster
des Spielteufels zu warnen. Sollte
mir dies auch nur im allergeringsten
Maße gelingen, io würde ich mich
für reichlich belohnt halten.—
Es giebt ja außer dem Martenipiel
noch so viele andere Arten Unterhai
tiuigen, welche angenehmer, anstän
diger, schöner und auch nützlicher
sind. So zum Beispiel werden in
manchen Moloitien neuerdings die
Stunden der langen Winterabende
verwendet, biibiche, dem (Geschmacke
des örtlichen Publikums angepaßte
Theaterstücke einzuüben, die dann zu
passender Zeit aufgeführt werden.
Auch werden Muftfabende veranstal
tet, (Gesangvereine gegründet, und
drgl. tu. Man braucht da nur zu
wählen und sich nach Belieben anzu
schließen. Derartige Unterhaltungen
find nicht nur nicht schädlich, sondern,
im (Gegentheil, sehr von Nutzen, denn
sie wecken den Sinn für alles Schone
(Sehr richtig.—Red. Staats Anzei
ger.) und Nützliche in der vom lieben
(Gott dem Menschen geschenkte») Na
tur. Sie heben das (Gemüth zu wei
terem Deusen, fühlen und Wollen,
erfüllen die Brust mit leichter, froher
Stimmung.—Wir dürfen freilich
nicht außer Acht lassen, daß an ergö
tzenden Vergnügungen, rauschender
Mlifts u. drgl. nicht Jedermann
(Geschmack findet. Besonders dürste
dies bei älticheu Personen der ^all
sein, da ja das Alter überhaupt mehr
zur stillen Unterhaltung neigt. Sol
che aber finden »vir in guter Lektüre,
die gewiß jederzeit dem Kartenspiel
vorzuziehen ist.
Mit (Gruß an alle Leser dieses
Blattes zeichnet
Ergebenst
$ i e i W e i i i n
Wer Land zu verkaufen hat oder
solches kaufen will, wende sich an den
Staats-Auzeiger. Landgeschäfte aller
Art werden schnell und billig besorgt.
Sprecht vor oder schreibt an den
StaatS-Auzeiger, Rugby, N. D.
Spezial-Äorrespondenz.
Dagegen sind die Lanbvermeffer
hier feit schon sechs Wochen emsig au
ber Arbeit alles Land mtszuuteffeu
und die (Grenzen festzulegen. Von
Landtheilung auf einen» Platze aber
ist bis jetzt noch nicht wieder die
Nebe gewesen —das kommt wohl fpä
ter. Schon lange beißt es, baß bie
(Grndeniuer weit über unserer
(Grenze sind nnd daß wir viel Land
von ihnen zugemessen befummelt
würde»». Da dense»» nun viele Leute,
daß diesmal die (Grenze in Nichtig
feit foutineu wird, aber es dürfte sich
ereignen, daß alles beim Alten bleibt.
Jn frühere»» 'Zeiten soll die (Grenze
einmal recht schon gerade gewesen
sein, während sie jetzt krumm ist.
Es hieß auch einmal, daß »vir nahe
am Dorfe Selz »»och etwas mehr
Viehweide bestimmen, aber es blieb
alles wie es war. Und so wird wei
ter vermessen und festgestellt, »vic viel
Land sich in unserer (Gemeinde befin
det. Die Viehtrift wurde auch ver
messen und das ganze Dorf, was in
Anbetracht der Thatsache, daß biefes
gar viele Ecken uitb Win fei hat, eine
schwere Arbeit ist. Auch bie Höfe
werben abgemessen, beim es muß al
les flar berechnet sein, weil mir
Dessjatin Vcinb haben sollen. Ob es
»virflich so hemnsfommt, ob mehr
ober weniger Lanb hier ist, bleibt ab
znwarten. Was aber wirb uns biese
Vermesserei gutes bringen, was wirb
sie unteren Leuten nutzen Es föiutte
vielleicht sogar noch soweit kommen,
baß uns ber Lima»» (Niestet-) verlo
sen geht, weil er nicht auf beut
Plane steht. Am Ei»be foiuiut es
noch so weit, baß bie Mrone bensei
bei» einzieht? Seither hoben wir
jahrein jahraus immer schönes (Gelb
für bie (Gemeiitbe ans beut Lima»»
gelöst, nämlich burch ^ischpacht,
Noht', und bergleicheir mehr. Für
diesmal will ich lieber nichts mehr
über die Landmesserei schreiben.
Auf den 1. Oftober fairt die Frau
meines Bruders Joseph aus Sibirien
(Titrgai) bei uns zum Besuch an,
uns eine große Freude bereitcitb,
beim seit schon sieben Jahren weilen
sie bort iiitb wir haben ei »tauber in
bieser langen Zeit nicht wiebergese
heu. Sie berichtet, baß sie bort nicht
mehr als vier bis fünf ^ub Frucht
von ber Dessjatin ernteten unb baß
bie Armuth bort so groß ist, beiß viele
Noth leiben, ja fast verhungern, denn
es giebt mich nichts zu verdienen.
Sie berichtete, daß es nicht überall in
Sibirien so schlecht ist und daß stel
lenweise auch die Frucht gut gerathen
ist, aber das ist weit von ihnen ent
fernt. Jn ihrer (Gegend haben sie
ein rundes Jahr lang feinen Regen
gehabt. Am 9. September fuhr sie
von zu Hause sort und war somit 21
Tage unterwegs, Zu der Zeit war
es dort auch schon ziemlich feilt und
Regen fiel mit Schnee vermischt. Bis
zum 12. November wird sie wieder
die Heimreise antreten.
(Gestorben sind hier in rascher Fol
ge Wittwe Barbarei Ei?cniiteitger,
geb. Roth, im Alter von TM Jahren,
sowie Wittwe Veronika Roth, geb.
Hamann. Diese zwei Frauen waren
lange 'jeit kraus und bettlägerig.
Weiter segnete auch Anna Maria
Heiz das Zeitliche, die einem Schlag
aitfalle erlag, während ihr Mann
schon einige Tage vorher schwer
krank wurde. Deshalb auch hatten
sich eines Abends ihre Minder bei ih
nen versammelt, um den Vater zu be
suchen. Nachdem die Familie eine
zeitlang zusammen gesessen hatte,
wurde die Mutter anscheinend schläs
rig und die Minder meinten, sie möch
te eine Weile sich schlafen legen und
dann wieder aufstehen. Darauf
reichte Frau Heinz ihrem krausen
Manne noch ein (Glas Wasser unb
legte sich bann auf's Sopha. So ver
ging bie 'jeit bis gegen i/o8 Uhr
abettbs, als sie bie Mutter röcheln
hörten. Als sie hinzutraten um sie
zu wecken, fanben sie bieselbe be
wußtlos. Es würben Reibungen
vorgenommen und nach einer halben
Stunde gab sie wieder schwache Le
benszeichen von sich, aber reden sonn
te sie nicht mehr. Es wurde der
Priester und Arzt geholt, aber es
war alles vergebens, Fran Heinz
sonnte nicht mehr sprechen und nur
die letzte Oelung' empfangen. Am
dritten Tage, einem Freitag, war sie
eitie Leiche. Die Verstorbene war
eine geborene Heisel und aus Franz
selb gebürtig. Jhr Mann befinbet
sich in ber Besserung.
Bei ber Refrutenctusbebititg finb
in unseren» Dorfe 13 Soldat gewor
ben unb zwei iit's Hospital verschrie
ben würben. (Große'Nummern hel
fen nicht mehr, beim bie britte Ver
günstigung wurde gänzlich zugenoln
men, ja sogar einige mit zweiter Ver
günstigung.
Johannes 5wnz läßt seinen alten
Manterabeit Joseph Schmalz (von
Raphael) grüßen und ihn bitten,
doch auch einmal zu schreiben.
Der Staats-Anzeiger, Rugby, N. D., de« 22. Dezember 19l0.
Durch langanhaltende Trockenheit
»vurden mir an Bestellung ber Win
tersaaten verhindert. Am 2. Okto
ber erhielten »vir den ersten Regen
»lnd auch die folgenden acht Tage hat*
ten mir regnerisches Wetter. Erst
dann wurde mit Säen begonnen,
aber es wird wenig bestellt, weil es
schon zu spät ist.
Gruß an die Redaktion und an
alle Leser bes Blattes.
u w i S o
Spezial-Korrespondenz.
Hier kann man noch immer be
quem ohne Winterkleiber imb Pelz
umherlaufen, betin bie Witterung ist
warnt. Das Vieh läuft auch tags
über noch auf ber Weibe. Seit beut
i: Oftober haben »vir fast bcftiiitbtg
Regen, ober regnerisches Wetter. Da
wir int September sehr unter Tro
ckenheit zu leiben hatten, sonnten bie
Wintersaaten erst spät bestellt wer
den unb besbalb fiitb bie Ausfichten
hier nicht gerabe rosig.
Jn» Dezeutbenimiiat "fitiben bei
uns im Mannheimer Wolost bie
Wahlen statt. Es finb zu wählen:
Oberschttl^ unb Wolostrichter. Das
Wolostgericht ist auch bas einzige
(Gericht, welches von ims Deutschen
geleitet wirb. Wer aus ben Wahlen
als Sieger hervorgeht, bas werde ich
später auch berichten.
Seit meinem vorigen Berichte
find gestorben: Sofina Hoffart, Ehe
frau des Bernhard Hoffart. Die
Verstorbene erreichte ein Alter von
TO Jahren. Das Ebepaqr hat nur
einen Sohn, welcher indessen vor
Jahren schon nach Canada auswan
derte, und sich bei Meno aufhalten
soll. Auch die Wittfrai: Walburga
Hornstein segnete das 'Zeitliche. Wei
ter verschied gestern ganz unerwartet
Andreas Fortntcicr, Kl Jahre alt,
Sohn des Joseph Fortmeier. Der
junge Mensch starb infolge einer hef
tigen Erkältung, welche er sich beim
tanzen auf einer Hochzeit zuzog.
Ein recht trauriger Fall!
(Gruß au die Redaktion und an
alle Leser des geschätzten Blattes.
o I i a S i
3tJczial=Morrcionbcnz.
Zuerst »vi 11 ich berichten, daß ich
liteiiteiit Schwager Stefan Sahli in
Portland Oregon herzlich daufbar
bin, daß er mir den Staats-Anzeiger
auf ein Jahr verschreiben ließ. Er
hätte mir feilte größere Freude ma
chen sönnen, denn ich lese das Blatt
mit großem Vergnügen und (Genuß
und werde auch allen meinen Freun
den hier rathen, sich das Blatt kom
meit zu lassen.
Jn Nr. 15 des Blatte* nun
schreibt Herr Monrad Schiff aus
Mannheim: „Mit ber Eholera
Epibentie in Riißtaiib geht es zu
Ettbe. Die Deutschen in Riißlanb
haben feilte Furcht vor ber Cholera.
Sie lassen sich nicht so leicht in s
Bockshorn jagen, beim sie wisse»»,
baß biese Berichte nur von beit rus
sischen Aerzten ausgesprengt werben.
er Mtalhvagen wirb unbenutzt ste
hen bleiben. Die Mehrheit ber rus
sischen Aerzte besteht aus Jiibeiu Die
Ebolerci ist nur jübische Politik."
en beutschen Moloiiisten in Rußlaub
ist es zu verzeihen, baß sie bie Eho
lera nicht fürchten, beim ber Mensch
sann eben nur bann eine Sache rich
tig beurtheilen, wenn er sie kennt.
Weitn Herr Schiss bit* schreckliche
Mrmtfbeit kennen gelernt hätte,
würbe er gewiß nicht nach Ainerita
schreiben: mir fürchten bie Ebolerrt
nicht. Weitn er 'jettge gewesen wäre,
wie bei uns in Otscheifof zwei Mo
nate laug täglich fünf bis zehn Men
scheu bcibiitgerciift würben, wenn er
im Dorfe Arschiasfi gewesen wäre,
wo von 500 Menschen 11)0 starben,
ober im Dorfe (Goßa, wo 1)0 Men
schen ber Seuche erlagen: wenn er
wüßte, wie viel Trauer, Herzeleib
unb Mummer biese schreckliche Mrank
heit in ihrem (Gefolge hat, wie viele
Eltern ohne Mi über, ober Mitiber
ohne Eltern, ja baß ganze Familien
ausgestorben finb, dann würde er
sicher so etwas nicht berichtet haben.
Es ist Herrn Schiff zu verzeihen,
denn er ist noch jung, hatte keine (Ge
legenheit, das Wüthen dieser Seuche
zu beobachten. Doch, ich will es damit
gut sein lassen. Hätte Herr Schiff
geschrieben wie matt Martoffeln
fährt oder den Weinberg reinigt, und
so weiter, so hätte er ein Thema be
rührt, auf dem er sich auskennt, aber
Von itfr Ebuteraepideinie und der
Politik russischer oder iiibifcher Aerz
te versteht er gewiß nichts. Alte
Leute werben sich jedenfalls noch da
ran erinnern, daß bor Zeiten die
Cholera auch einmal in Mannheim
hauste und ich denke daß dort noch
heute Leute wohueu, die nicht sagen:
wir haben feine Furcht vor der Cho
lera.—Doch lassen wir das.
Jch will lieber im allgemeinen
von bett intellektuellen Verhältnissen
der deutschen Molonisten in Rußland
sprechen. Der gewöhnliche Molonist
samt feine Menutniß von ber Ehole
raepibeittte haben, bettn er hat fast
gar keine Bildung genossen und viele
können weder lesen noch schreiben.
So kommt es auch, daß die deutsch
russischen Molonisteu weit zurück sind.
Wie es ihnen an Schulbildung fehlt,
fehlt es ihnen auch an modernen Me
thoden in der Latibwirthschaft. (Jch
spreche hier nicht von allen, bettn es
giebt Ausnahmen, aber im allgemei
itcit benfe ich recht zu haben.) Der
Durchfchnitts-Kolonist will nur recht
viel (Getreibe seien, wie bas geschieht,
wie ber Bobcn bearbeitet, ist ihnen
schon Nebensache—weitn e* nur ein
gekratzt ist. Jnt Uebrigen verlassen
sie sich auf beit lieben (Gott.
Daß mir russischen Kolonisten
nicht besser geschult fiitb, haben wir
unseren Eltern, (Großeltern uttb so
weiter zu nerbcmfen. Wer erinnert
sich nicht ber Zeit als bie russische Re
gierung tuts russische Lehrer an
stellte. Was herrschte bei für (Ge
jammer! Da hieß es: sie wollen
Russen aus uns machen, wollen uns
unseren (Glauben rauben, uttb so wei
ter. Jetzt finb wohl 1)0 Prozent ber
russischen Sprache nicht mächtig, so
baß die Mehrheit der Leute, woim
nter sie hinfntitutett, in Rußland ei
nen Manu brauchen der russisch
spricht, um ihre Sachen zu ordnen.
Das Leiden mit der Mehrzahl der
deutschen Molonisteu ist, beiß sie nichts
weiter verstehen als essen, arbeiten,
schlafen, ober vielleicht Weitt zu trin
ken. Dieselben Mißstättbe wie aus
geistigem, herrschen auch aus sanitä
rem (Gebiete. (Grünbliche Waschun
gen finb ein fast uiibefattntcr Luxus,
beult nur in wenigen Dörfern hat
man Babehäufer, ober Flüsse, in be
neu gebabet werben könnte. (Na, bie
ser Reiutguugsprozeß kann boch auch
zu Hause tu ber Babcwaititc vorge
nommen liitb nicht bringenb genug
empfohlen werben?—Red. Staate
Anzeiger.) Der beutfche Bauer in
Rußland hält nicht viel auf sich. Die
Hauptsache für ihn ist, recht viel zu
säen.
So steht es im allgemeinen mit
uns Deutschen in Rußland. Jn je
dem deutschen Dorfe sind vielleicht
vier ober fünf Männer, welche bie
anbeten Bewohner führen wie ber
Hirt feine Heerbe. Die Leute finb
gleichgültig unb seltnen meber ihre
Pflichten noch ihre Rechte, machen
auch feine großen Anstrengungen et
was berartiges zu lernen. Sie fol
gen blinbliugs ihren Führern in al
lem, auch tm Bezahlen. Als ich, bei
spielsweise, in ben Jahren 1900 und
1901 noch in Mannheim wohnhaft
war, mußte ich auf ber Kauzlei *10
Rubel Abgaben zahlen, hatte aber
seilt Laub, fein Haus, feilt Pferb,
feilte Kuh, Schweine, ja noch nicht
Nene Prämie!
Nützliches Werkzeug
für unsere Farmer
Wir erhielten soeben eine Senbnng dieser unvergleichlichen
Ahle (Pfriemen), bie für Farmer namentlich unentbehrlich ist.
btommt herein unb beseht sie.
Unsere ein Jahr norauszahlettbett Leser erhalten bieses nützli
che Werkzeug gegen Nachzahlung von nur 30 Cents, zusammen mit
ber Zeitung also $1.80. Der Ladenpreis besselben ist $1.50. Das
Patent ist bttrchaus neu uttb wir bitten, diese Pfrieme nicht etwa mit
solchen zu vergleichen, wie sie schon längere Zeit auf dem Markte
find. Dies ist etwas ganz Nenes.
Die Ausstattung besteht aus brei gcrabcit und einer krummen
Nadel, ferner aus zwei Ahlen, einer seinen unb einer groben, mit
welchen man auch Schnallenlöcher iit's Geschirr und so weiter ma
chen kamt, uitb ferner einer Spule mit Pechbraht im Innern des
(Griff*. Ein gerabezu unentbehrliches Haubwerkzeug für Repara
turen cm (Geschirr, Riemen, Schuhen, Säcken, unb so weiter. Erfah
rung nicht nöthig. Kann von allen Leuten gebraucht werden. Prak
tisch in jeber Hinficht. Wir wissen, daß jeder Farmer sich den
Pfriemen anschaffen wirb, sobalb er ihn sieht.
Leser bes Staats-Auzeiger, die uns $1.80 (also $1.50 Voraus
zahlung für bie Zeitung unb 30 Cents Nachzahlung) einsenben, kön
nett bett Pfriemen bei uns erhalten, oder wir senden ihn postsrei
it eich allen Theilen ber Ver. Staaten.
x^
Der Staats Anzeiger [o
Ikugvy, ft. Dak.
in Bottineau County, R. D.
yi A Of if 4*1* ausgezeichneten Landes, fünf Meilen südöstlich von Sou
"•*V ris gelegen, etwa 425 Acker unter itultur, 45 Acker Heu
land, 60 Acker Viehweide, und etwa 125 Acker eingezäunt. Gebäude: Wohnhaus
26 bei 30 bei 16 und Altbau 14 bei 16 bei 10, Tainpfheizung, Wasserbehälter im
Keller, ausgemauert, angestrichen, in erftfloffifom Zustande. Stallung: 84 bei 86
bei 16 und 26 bei J4 bei «, starke Fußboden und Stunde, alles in bestem Zustande.
Zwei Getreide-Magazine, 14 bei 16 bei 8, Bretterdach, 16 bei 24 bei 10, Schindel
dach. Hühnerhaus 16 bei 24 bei 12, Schindeldach. Brunnen, gutes Wasser, klei
ner Teich in der Viehweide. Preis $35 per Acker. Ties ist eine der besten Far
men im County. Ein Bargain!
einmal einen Hund! Fragen bars
utmi da gar nicht lange. Zahlt man
nicht, wirb man eingesperrt, ober
ber Schulz kommt uttb versteigert ei
nem bas Bett, bie Kissen, ober gar
bie Kleiber. So war's zu ieiter Zeit.
Hoffentlich ist es inzwischen besser ge
worden. Wenn aber Herr Schiff
schreibt, daß sie bort bie Cholera
nicht fürchten, bann haben sie in ber
That schon viel gelernt feit ich Mann
heim verließ.
A AH ausgezeichnetes Land, vier Meilen nordwestlich von
Souris, 300 Acker unter Kultur. Gebäude kosten $2,500.
Ties ist eine prachtvoll eingerichtete Farm. Preis $32 per Acker. Beseht each
diese Farm!
vortreffliches Land, 2% Meilen von Land«. 250 Acker
unter Kultur, gute Gebäude ant Platze. Preis $82 pet
Acker. Besseres Land ist nicht zu finden.
Wir haben den Verkauf dieser Farmen auf kurze Zeit nur übernommen und
garantiren, daß das Land ausgezeichnet ist. Wegen näherer Einzelheiten wende
man sich an
Jetzt will ich zum Schluß auch noch
ipaßhalber berichten, wie man in
Mannheim Häsensleifch theilt. Neu
lich waren Lubwig tutb Leopold Der»
hei
liter und Andreas Fröhlich auch
auf ber Haseujagb zusammen. Leo
Po lb hatte bas (Glück zwei Hafen z»
schießen—^inen alten unb einen jun
gen—. Als sie abettbs nach Haufe
kamen, sollte bie Theilung vor sich
gehen, welche Leopolb unternahm,
Anbrcas verlangte als fein Theil
ben kleinen Hasen, um ben großen
ben bei ben Brübent, Dcrhcinter zu
überlassen. (Gut, sagte Leopolb, du
sollst den kleinen Hasen bekommen,
aber nicht in beit* Kessel. Damit
schlug er bent Anbrcas ben kleinen
Hasen mit ben Kopf, bis nichts mehr
vom Hasen übrig war als bie Hin
terfüße. Andreas wurde klagbar,
weil Leopold nicht rechtlich getheilt
hatte, bettn er wollte nun auch fein
Theil vom großen Hasen haben. An
brcas machte bieselbe Erfahrung
schon einmal vorher, auch mit einem
Leopolb Dcrbcintcr, der, wie ich höre,
bei Jamestown iit Norb-Dakota jetzt
wohnt, nur baß es in biefeiit Falle
eine (Gans war. Der Anbrcas hat
eben keiir (Glück auf ber Jagb und
bei der Hasentheilung kommt er im
mer schlecht weg.
Der Staats-NnzeLger
Mugv«
Herzliche (Grüße an meine Freunde
in Amerika, deren ich dort gar viele
habe, sowie an alle Leser des Blat
tes.
o a n n e s e
von Eustachius.
Henry B. Senn
Deutscher Advokat
Office: Securitl) Bankqebäude, Rugby,
N.D
Rath und Hülfe ertheilt in Rschtsangelegen
Helten.—Besucht mich.

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d) st t«f ii l) u Ii st.
Wt a i! Ii i in, (Cherson)
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den .'I. November.
Mandel, (Cherson)
den 5. November.
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beif 8. November.*
O s ch a o f. (Eberiou)
den 12. November.
Land-Bargains

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