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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, May 04, 1911, Image 2

Image and text provided by State Historical Society of North Dakota

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Aufenthalt ausfindig zu machen.
Wie verlautet, foil Martens in
Wladiwostok oder in Ehaba
rowsk (Sibirien) bei einem ge
wissen Heinrich Crtiter sich aushalten,
demselben Herrn, der liter schon int
Handel fruntnte (Geschäfte machte
und Sachen bei Nacht über die Gren
ze schasste, nachdem Martens mehre
ren Fabrikanten die Waare abgenom
men und dieselbe durch Crtiter tun
Spottvreise verkaufen ließ. Aber
nicht allein durch Ortner. fondern
auch durch andere Männer, die hier
Ansehen genießen und eine große
Rolle spielen, wurden die Waaren
verschleudert. Tiefer Herr Ortner,
gewesener Wurstfabrikant, mußte
bei Nacht nnd Nebel flüchten, denn er
stand in dringendem Verdacht. Feuer,
welches bei ihm in der Fab risst übe
ausbrach, und welche ein.siojaf" ge
pachtet hatte, selbst gelegt '»it haben.
Ortner ist zweifelsohne in einer der
vorbenaitnten Städte und soll einen
Kolonialwaarenladen betreiben. Er
war anfangs in Wladiwostok, soll
aber seilten Wohnort nach Blago
weschtinsk oder Ehabarowsk verlegt
Haben, und es unterliegt keinem
Zweifel, daß Martens sich bei ihm
aufhält.
Ich wü I de den Staats Aii'»eiger
nicht bitten, dieses zn veröffentlichen,
wenn ich meiner Sache nicht sicher
wäre und wenn Heinrich Martens
nicht auch meine Schwäger Jakob
und Heinrich Siröter in Ealiforitieit
in den Ver. Staaten Nord-Amerikas
so gewissenlos betrogen hätte. Tiefe
armen Leute hat Martens bis auf's
Hemd ausgezogen. Ich werde mir
Mühe geben, Martens anszitftmd
ichaften und bitte auch, mir mit dein
Staats-Anzeiger zu helfen, den Merl
auszuspüren. Es sollte mich sehr
freuen wenn wir Martens festbekä
men. Ich habe auch drei Söhne und
Schwäger und Schwiegereltern in
Amerika. (Bitten um deren Namen
und Adressen Red. StaatS-Anzei
ger. Bitte also diesen Bericht im
Blatte zu veröffentlichen, welches
mir zum liehen Freunde geworden
ist und mir regelmäßig zugeht.
Vielleicht interessirt es die Leser,
auch etwas über die Witternngsver
Hältnisse in dieser Gegend zu erfah
ren. November bis Mitte Tezember
Hatten wir gelindes Wetter. In der
zweiten Hälfte des Tezentber beka
men wir etwas Frost mit wenig
Schnee, aber im Januar Hatten wir
21 bis 2: Grad (Reaumur) Kälte
und Schnee liegt bis zu einem hal
ben Arschin hoch. Auch der Februar
war sehr kalt, aber nun haben wir
Thauwetter. Wir haben noch sehr
viel Schnee. Tie Getreidepreise hier
find: Weizen 85 bis itt). Hafer i(
bis 50. Gerste 50 bis 55, Mais 40
bis 50 und Kartoffeln 45 bis 50
Kop. per Pud.
Gruß atl den gefammten Leser
kreis. Erd a n it ch a a f.
Spczial-Korrcfponden'».
sufle- frlt gehörig mit bCT
werben, benn roir VUtllt.
H'brvu'it ciitfli'ticn.
te"
tort
Spezial-Korrespondenz.
Geehrter Herr Redakteur Brandt!
In der Friedensstttnnte, Nr. 15,
lasen wir die Affaire von Heinrich
Martens, der, nachdem er mehreren
treuherzigen Seelen das Geld ahge
schwindelt Hat, nach einem anderen
Theile Rußlands foll durchgegangen
fein. Ter Schreiber dieser Seilen
bittet die Redaktion, seinen Aufent
haltsort im Staats Anzeiger zu
melden sollte dieser bekannt sein.
(Ist uns leider nicht möglich, denn
Herr Martens ist nicht Leser des
Blattes. Möglich wäre es vielleicht,
durch dasselbe seinen Aufenthalts
ort zu ermittln und, im Falle die Le
ser ihn kennen, bitten wir tint nähere
Auskunft darüber. Red. Staats
A »zeiget'. Tie amerikanische Re
gieriing zahlt loo Tollar, Martens
an
zeichnet
Ter Märzmonat ist ja, wie all
gemein bekannt, überhaupt ein ziem
lich rauher (Geselle, so schlimm je
doch wie heuer, hat er sich bei uns
lange nicht geberdet. Anfangs Re
gen dann fast ununterbrochen starke
Nachtfröste, von rauhen Winden be
gleitet, stehen an der Tagesordnung,
und zwar ohne auf den Protest der
Bauern gegell solch unliebsame Ord
nnng zu hören. Deshalb eben kann
auch mit dem Bestellen der Sommer
saaten nicht begonnen werden, so
gerne man dies thun möchte, da die
Friihfaateu besser ausfallen wie die
fpäter gemachten.
Man nimmt an, daß die Winter
saaten durch die häufigen Nachtfröste
stark gelitten haben und daß stellen
weise dieselben sogar gänzlich ver
nichtet wurden. Ten noch nicht völ
lig erstorbenen Wintersaaten dürfte
^s jchwer iverdmt, sich iwrch die ent
V
standeue und sehr harte Erdkruste sen des Herrn Korrespondenten int
durchzuarbeiten, und man wird sich, iner sehr deutlich und korrekt gc
uin derell Wachsthum zu fördern, da^ schrieben sind, und leid thut es uuS
her wohl endlich einmal bequemen deshalb, weil wir diesen Bericht sehr
müssen, zu dem zwar sehr gepriefe-1 genie gebracht hätten, denn er wäre
neu aber immer noch zu wenig be- sicher. wie alle, sehr interessant für
achlcwn Mittel jii nmfen, 6ic Saa-ibm i.'c|crfrcte flcnwfcn. AIs», fleets
Egge
tanb:. ^fitclliiiitifii auf obrr -ialjluiiflcn fur öq« hiicrFnrh miirfmlhm Weh ^tontä-
ZU bCOr* ICf .SXIT ^tClii: ÖlCSHlstl I|t ÖCt*
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l'cutc also, vnrrn \flfo6 Sommersell itl iAmciacr
firf) nnroit an unsere Muncifoiibenten bort wenden. 0W1UNStoe (.Stfllltfltllv) dClNfl1 ich! 4.L1Q) NUN zUl" ^ClchC. ,LCr ^.ezeNl-
rit.il
innigst für die Anfmunternng in bennonat war, mit Ausnahme des
$ie ©efdiäftsftihrunq. j^r. Ii:» des Blattes, weiter für den letzten Viertels, gelinde. Aber vom
taats-Anzeiger zu wirken. Werde it. Januar an hatten wir einen gan
mich befleißigen, Ihrem Wunsche zen Monat lang sibirische Kälte: bei
nachzukommen soweit in meinen Tag 10 bis 12, bei deicht 20 bis
Kräften steht und die Umstände mir 25 Wrciö (Reaumur) Kälte. Tas
ertauben. Auch IHrctt ferneren will für uns in Südnißlaud schon
Wunsch, lieber Jakob, die freund- etwas heißen! .Tctbet hatten wir am
schart, Treue und Ausrichtigkeit auf- !!1., 10. nnd 11. Januar ein Schnee
recht zn erhalten, erfülle ich herzlich! gestöber, daß man nicht gerne die
gerne. Es freut mich sehr, mittels -vunde hinaustreiben mochte. Am
meiner bescheidenen seilen im Blatte 12., es war Mittwoch, brachte man
mir Ihre werthe Frenudfchast erwor- acht Personen ins Krankenhaus, von
ben zu habeu. Möge dieselbe für denen sechs mit abgefroreilen Glied
iminer besteben? Sie fragen, ob maßen davonkamen, wahrend zwei
ich aus Monheim stamme uud bemer- ins bessere jenseit hinüberzogen,
ken, daß Ihnen wein Name bekannt Vom 5. Februar au hatten wir ge
sei. Letzteres mag wohl sein, jedoch lindes Wetter, sodaß die gewaltigen
stamme ich nicht ans Kostheim, son- Schneemassen im Verlause einer Wo
dent aus Mariaheim, das dem Kost-che verschwanden und Thäler nnd
hei iner Kirchspiel beigezählt ist, und Wassergräben in wilde Sturzbäche
wolme gegenwärtig in Melitopol, verwandelt wurden. So war der
Habe aber in Kostheim nahe Ver- Februar bis anfs letzte Viertel: dann
wandte gleichnamiger Familie. Ta fing es wieder zn frieren an nnd in
Mariaheim eine Nachbarskolonie den ersten Märztagen gab es wieder
Kronfelds ist, wo ich seinerzeit öfters Schneegestöber nnd es blieb kalt bis
verkehrte, find mir die Kronsfelder zum IM. Am 15). aber Hat man
alle wohlbekannt, Ihre Geschwister- Hier die erste Ackerprobe gemacht, nnd
kinder Leiter werde ich von Ihnen somit ist der Frühling auch bei uns,
grüßen sobald sich mir (Gelegenheit wenn auch verspätet, doch eingezo
bietet. Es freut mich auch, Ihnen! gen.
gelegentlich mittheilen zu können, daß Aus dem altschwedischen Gebiet,
Ihtv Verwandten in Kronsfeld treff- und zwar ans tlosterdori, machen
Ii che Landwirthe find: besonders darf sich acht Fainilieii auf die Reise nach
dies von Herrn Christoph Reiter ge- der neuen Welt, nach (ietnada. Tort
sagt werden, der es trefflich versteht, bei Regina in Saskatchewan find
eine musterhafte Wirthschaft zu titlv schon viele Klosterdörfer angesiedelt,
reit. Ueberhaupt wird in Krousfeld denen es dort gut geht, nnd die iIn
der Ackerban sehr rationell betrieben, mer mehr von ihren Freunden und
sodaß die Kolonie in dieser Hinsicht Verwandten in der alten Heimath
manch anderen zum Muster dienen veranlassen, nach dort auszuwandern,
kann. Was in dieser Kolonie beson- —(Wins aus die Reise!
ders itt die Angen fällt, nnd zugleich Der Pfarrer von Klosterdorf ist
den Beschauer sehr angenehm be- seit dem 5. des Monats trankheits
riihrt. ist die Reinlichkeit nnd Crd halber in Eherfon in ärztlicher Be
ttung, die bei diesen Kenten anzutref- handlung. Ter hohe Herr ist beHaf
fen ist, und zwar überall: angefan- tet mit Nierenleiden und auch mit
gen von der Torfstraße, durch Hof, Magenkatarrh. Hoffen wir, daß
Treschplatz. (karten, und so weiter, der Herr Pfarrer bald gestutd in
bis hinaus auf's Feld. Allen voran feine verwaiste Pfarrei einziehen
ist aber Herr Vit dm
ig Okuliert, dem möge?
in dieser Beziehung keiner gleich- (Besten Tank für den übermitte!
kommt. Ans dessen Hofraum ist teil Betrag. Tie Sprnngfederfcheere
beim besten Willen nicht die gering- wird Jhrer geehrten Ft an in einigen
fte Unreinlichfeit anzutreffen. Wie Tagen prompt angehen. Red.
er dies mir fertig bringt, darüber Staats-Anzeiger.»
zerbrechen sich viele Leute die Köpfe (^estent, den 20., nntrde der regel
ttitd sagen dann: ..Ordnung regiert mäßige Verkehr ans dem Tnjvr
die Welt, und prügelt den Men- zwischen Eherjou und Kachawka er
scheu!" Na, ob nun das Prj'tgeln eröffnet.
mich zur Ordnung gehört, weiß ich Mit Ol
ruß an die Redaktion und
nicht und, da ich eben kein Freund an den Leserkreis, zeichnet
desselben bin, so möchte ich ans die
Prügelfrage auch nicht näher einge
hen. Taß jedoch eine rationell ge
führte Wirthschaft auch Reinlichkeit
und Ordnung in allen Stücken be
dingt. ist feinem .Zweifel unterwor
feit. Und daß außerdem Ordnung Mannheim, (CHerson)
in allen Stücken auch zum Wohl- den 22. März,
stände führt, beweist uns trefflichst Aus dem gelben Settel auf dem
die blühende Kolonie Bronsfeld att Umschlage der Reitling bemerke ich,
der Molotfchitn. Tie Bewohner der- daß mein Abonnement mit dem 18.
selben find, mit nur wenigen Aus- Februar abgelaufen ist, also bis
nahmen, sehr wohlhabende Leute. fetzt nicht erneuert wurde. Ich bitte
Bedauere sehr, Herr Sommerfeld, deshalb den Herrn Redakteur diese
daß Sie mit der Lösung meines Rät- Korrespondenz aufnehmen zu wollen,
fels kein Glück hatten. Freilich ist. denn ich glaube Herr Valentin Main
line Sie sagen, die Seligkeit besser beitz wird den Betrag auf ein Jahr
als die Welt sammt allem Geld: dü'- einsenden und durch das Blatt wird
ie ist aber auch schon mit eiitgefchlof- es ihm sicher zu Augen kommen, daß
seit. Tie Lösung ist: Besser wär's, meine ]eit abgelaufen ist. Ich habe
wir alle hätten das, statt nur einer, bis jetzt noch immer das Blatt erhol*
Mit herzlichem Gruß an Sie und ten, wofür ich der Geschäftsführung
alle Leser des Staats-Auzeiger, sehr dankbar bin, denn ich möchte
nicht ohne das Blatt fein. (Tie .in
ienditng wurde aber bei Ablauf ein
gestellt sodaß das Blatt seitdem nicht
mehr an deu Herrn Korrespondenten
gesandt wurde—Red. Staats-Anzei
ger.)
Hochachtungsvoll
i e i ch W e i it i tt e r.
Spezial-Äorrespondenz.
Be res law, (Eherson) jch auch eine .Korrespondenz von Ja
den 21. März. !kob Müller, in welcher er mich er
Nun aber ist es hohe ieit, daß sucht, ihm die Adresse feines Schwa
sch wieder etwas tum mir hören las- gets Ludwig Schwab zu übersenden,
se. (Jawohl: wir haben schon lau- Somit will ich die Adresse ihm durch
ge mit Schmerzen auf weitere Kor- das Blatt übermitteln, nämlich:
respondenzen von Ihrer liehen Ahitolinskoi Oblost, Kaschndawskoi
Hand gewartet! Red. Staats-An- Uesda, Aleksandrowskoi, Wolost,
zeiger.) Selettie Stefelowt'a. Weiter sei
Seit meinem vorigen Bericht vom Herrn Müller mitgetheilt, daß seine
2: November v. I. war ich lange Schwägerin Katharina bereits an
U'it krank nnd konnte deshalb nicht fangs März von hier abfuhr und nun
schreiben. Ist der Staats-Anzeiger, wol)! bereits in Canada eingetroffen
schon jederzeit ein hochwillkommener ist.
Gast, fo erweist sich das Blatt beson-! In derselben Nummer des Blat
e
Pll-
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|U)lttOtg. «/ILO. s^IQuI--
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Achtungsvoll
(S I) i st i a n S e i n.
Spezial-Klorrcspondeitz.
In Nummer :!:i des Blattes las
rlas
.Ts in solchen Fällen als ein große tes ich auch eine Korrespondenz
wohlthat! Ja, man konnte gerade- unterschrieben von Johannes Hof
zu verrückt werden, wenn mau bei farth von Joseph, in welcher er
Bett- und Stubenarrest nichts zu le- schreibt, daß in Rußland die Knechte
feit hätte. und Mägde sehr wenig verdienen.
In obengenanntem Berichte nun Tas ober ist entschieden nicht richtig.
habe ich unter anderem auch über die Nur arbeitsscheue Knechte und Mäg
goldene Hochzeit des allbekannten de können damit gemeint fein, ein
Mi 11 ionärpaares Nikolaus und Mar- fache Taugenichtse, denn ein ordentli
goretba Schardt aus Nikolajew be- eher Knecht bekommt bei uns in Ruß
berichtet, aber der allzeit gefräßige land auch 140 bis 150 Rubel auf's
Papierkorb hatte fein biifes Spiel Jahr und Mägde von lOU bis zu
dabei. Hoffentlich wird er diesmal.110 Rubel jährlich. Die zur Rich
Gnade für Recht ergehen lassen' und tigstellnng.
meinen kurzen Bericht nicht verschütt-1 Ter Schnee ist nun fast gefchmol
gen, bis er im Staats-Anzeiger.! zen und, weint wir noch zwei oder
schwarz auf weiß, festgebannt ist.
(In'drei
v
Tage gutes Wetter bekommen.
sere früheren Mannheimer in Ameri
ka und Canada auffordern, mehr von
stch hören zu lassen. Herr Ignatz
Schiele fordert mich auf, mehr zu
schreiben, aber, Freund Ignatz, wa
nun nur schreibst du selbst nichts?
Gruß an alle Leser des Blattes
und au die Redaktion.
i a e ö i
Spezial-Äorrcspondenz.
diesem Falle aber trifft den viel be- können wir mit der Aussaat begin
schuldigten und geschmähten Papierenen. Freilich, dieses Jahr ist's fpä
korb keine Schuld, denn der Bericht I ter als sonst.
des Herrn Korrespondenten gelangte Heute starb die bejahrte Regina
gar nicht in unsere Hände.. Es ist Bucfctiteier nach langen, schweren
unbegreiflich und thut uns leid.— ^Leiden, an der Wassersucht. irichts im Kamm'chiner Kreise 40,- Uche gute Erziehung zu geben. Ich
Unbegreifhch insofern, als die Adref. Zum Schlüsse möchte ich noch un-1500 Rubel jährlich bewilligt, aber i meine das Progymnasium des Hrn.
Wir hatten die vergangenen Tage,
namentlich den 24., wieder Schnee- gesagt ist, die Schulen in den deut
fall. Ausgangs Februar hatten wir schen Törfern würden durch örtliche
schönes, gelindes Wetter und die Mittel unterhalten werden, und was
Bauern gedachten anfangs März die l:i nengegründeteu Laitdautts
in die Saat zu gehen, aber das er-- schulen anbelangt, so will die Regie
wies sich als eine trügerische Hoff» i rung erst wissen, in welcher Sprache
nuitg. Wir mußten warten bis zum vorgetragen würde. Habe schon ge-i
18. und 19. März ehe wir mit der sagt, daß für uns Teutsche diese
Aussaat beginnen konnten. Anfangs'Verfügung nichts erfreuliches cut-1
März wurde es wieder kalt, und am hält. Unsere deutsche Sprache kann',
zweiten, vierten und sechsten hatten unmöglich als Grund dieser 'jurück
wir große Schneegestöber. Ein altes: setznng betrachtet werden, besonders
Sprichwort sagt, daß Märzenschnee' da ja nirgends faktisch in der deut- i
dem Ban er Bauchweh verursacht, und
1
sogar
nur für die russischen Dörfer. Tas
Geld ist bestimmt zum Unterhalte
der Lehrer mit der Bedingung, daß I
das Landamt, das bisher zum Un
terhalt der Lehrer verausgabte Geld
jetzt zum Bau neuer Schulen in rus
stichelt Dörfern und zur Bestreitung
des wirthschaftlichen Theiles itt den
russischen Schulen verwende. In den
deutschen Dörfern fand die Regie
rung es für nothwendig, die Ein
führilug des allgemeinen Unterrichts'
noch zu verschieben, da im Erlaß des
Ministerrates von 1907 über den.
Unterricht in der deutschen Sprache
scheu Sprache vorgetragen werden
das stimmt auch. Am 2ii. hatten wir darf, denn das würde zweifelsohne^
bis mittags Regenwetter, und am dem Lehrer verhäitguißvoll werden,'
24. hatten wir wieder starken Schnee- der dieses wageil würde. Tie Be-!
sali, der zwei Werschock Schnee brach- schlüsse der Landamtsversammlung
te. Tiefem folgte wieder ein zwei- in Bezug auf das Lehrergehalt habe
stündiger Regen, der den Schnee weg- ich nicht recht verstanden. Tic Ver
fraß. Somit werden mir dieses Jahr fammlung hat, wie aus dem ortli
fpäte Aussaat haben. cheti Zeitungsbericht verlautet, be-
Nitti finde ich im Briefkasten der schlossen, den Lehrern als grundle
Nummer eine Anfrage von Le- gendes Gehalt Rbl. zu zahlen!
fern, ob ich vielleicht berichten könnte, und alle 5 Jahre einen Ansatz von
ob solche Personen, die vor der Lo- 00 Rbl. beizufügen. Sollte das auch
fttug nach Attierifa oder Canada aus- n it für die Lehrer in den rufst
wanderten, bei Rückkehr in die alte scheu Törfern gelten, dann wäre das
Hei math Soldat werden müssen, für die Herren Lehrer in den deut
Ganz gewiß, liebe Leser. Aus solche scheu Törfern eine beispiellose und
Männer wird streng gefahndet: sie unverdiente '{uritckfetzitug, gegen
werden sosort in den Soldatenrock die unsere Lehrerschaft mit vollem
gesteckt, wettn sie nur halbwegs taug- Rechte protestireii müßte, besonders
iich sind und können von Glück sa- da die fünfjährige Anlage aus den
gen, weil
it tie nicht noch obendrein i Landanitsuiitteln bestritten werden
bestraft werden. Vermögen, oder soll. In Erwägung dessen wäre es
nicht, sie müssen dienen, denn es ist gut, wettn nits Herr Siebenhaar ge
ibre heilige Pflicht, dem Kaiser im- notiere Auskunft geben würde. Be
tertbnn zu fein. Bezüglich der wei- kanntlich bekommen unsere Lehrer
teren Frage, warum die nach dein nur :00 Rubel. Unsere Törfcr ha
Auslande ausgewanderten Leute ihr ben bisher bei Eröffnung von Land
hier zurückgelassenes Vermögen nicht amtsfchtilen immer die Bedingung
bekommen können, habe ich schon ein- beigefügt, daß die deutsche Sprache
mal berichtet. Es ist einfach vom nicht verdrängt werde: ja manche
Senat fo bestimmt, daß Answande- Törser haben sich bisher gesträubt
rcr ihres Vermögens verlustig geben und sträuben sich immer noch, solche
und daß nur solche Glieder der Fa-, Schulen zu eröffnen, weil sie glnu
ntilie es bekommen, die noch hier ben, daß in diesen Schulen die deut
find. Im Falle lediger und unmün-! sehe Sprache nicht vorgetragen wer
diger Ausgewanderten, wird ihr Wer- de. Tas ist nur zu loben! Weitn
mögen von Jahr zu Jahr versteigert wir auch in Zukunft unsere Schul
und der Betrag in die Waifenkaffc häufer selbst bauen und die Kosten
eingezahlt, bis sie wieder zurückkoin- dafür tragen müssen, so brauchen wir
tuen und es beanspruchen. Theilen doch keine Angst zu haben, daß uns
sich aber, beispielsweise, mehrere die Russen überslügeln werde», ob
Brüder tu das Vermögen, und gleich ihnen die Schulen ohne ihre
kommt nur einer zurück, bekommt er Mithülfe in ihre Törser gebaut und
nur seinen Theil, das Heißt, wenn alle Kostenanslagen vom Lattdamt
er hier bleibt. Ter Rest bleibt ruhig gedeckt werden. Jetzt wissen wir doch
In der Waisenkasse, denn in's Aus- wenigstens, woran wir sind. Tiefe
fand wird fein Vermögen mehr ge- Klärung der Sachlage mag uns
fondt—höchstens als Geschenk, aber wohl die Landaintsver sant tn!nng
von Gesetzeslvegen kann kein Ver- vom 5. März mit unzweideutiger
mögen als solches eingezogen werden. Deutlichkeit gebracht haben.
Wir hatten erst ant 29. März wieder —Reginald,
einen solchen Fall, als die Brüder Sarotow. Tie. Welt wird alt
Franz und Balthasar Reinbold aus- und wird wieder jung, doch der
wanderten, weil sie das Soldateule- Mensch hofft immer Verbesserung,
ben fürchten, und ihr väterliches Ver- Bald, bald liegt er hinter uns der
mögen hinterließen. Tasselbe ober rauhe, kalte Winter! Wohl sticht er
geht ihnen nicht verloren. Sie können noch sein Recht zu behaupten, doch
es fordern, wenn sie zurückkehren und bald nr gegen den Himmel blickt,
hier bleiben anders aber nicht! sinkt all sein Muth. Denn lievko
Ich hoffe, die Leser werden nun klar send sendet die Lichtspenderin ihre
sehen in dieser Sache. erwärmenden Strahlen zur Erde
Seit dem 15. März find wir auch hernieder, und alle Welt erwacht zum
ohne Genieiitdefchreiber. Der Schrei- neuen Leben. Und was für ein
ber, der schon 10 Jahre lang diesen Meer von Hoffnungen erwecken nicht
Dienst versorgte, gab denselben auf ihre Strahlen in unseren Henen.
und wir haben jetzt noch feilten an Und wie wäre es anders möglich!
seiner Stelle nur einen Gehülfen. Ueberall fühlt man das Herannahen
In Nr. 34 las ich auch eine lum- des langersehnten Frühlings und
pige Geschichte, angeblich gesandt mit ihm neues Leben, neue Hoffnung,
von oi'im P. Deibert ans Kandel. »Und was die initereStintme spricht,
Ein .jeno P. Deibert aber ist in Kau« Das täuscht die hoffende Seele nicht."
del nicht zu finden, denn dieser Mögen diese Worte auch an uns
Mattn ist schon feit 18 Jahren tobt Sarcttower Katholiken wahr wer
Das Eingesandt beabsichtigt nur, ge- den. Auch wir hoffen. Ja, wie Um
wisse Personen zu Mainirett. Es ist ge hoffen wir schon auf eine tüchti
eine Schande, daß gewissenlose Leu- ge Schule! Wie viel wurde schon
te solche Korrespondenzen einsenden, darüber gesprochen. Es werden auch
an denen kein wahres Wort ist. T".-- jetzt noch viele aufrichtige und wohl
halb auch scheuen sie sich, ihren Na- meinende Worte darüber verloren
tuen zu unterzeichnen und verwesen aber nur Worte. Wir fitzen noch
hinter fremden, in diesem Falle
hinter dem eines längst Verstorben'',!. Frau im Effigkruge. Sind wir denn
Pfui, Schande. wirklich fo schwerfällig, daß wir
Am 27. März hatten wir den gan- nichts Solides zu Wege bringen km:
zeit Tag hindurch Regen. neu V Einmal schien es in der That
Ant 28. März verstarb die bejahe- w. Bei der Kirche wurde ein neues
te Wittwe Philippina Biy, geb. (in- Schulgebäude errichtet, und freude»
gelbard, und am 29. wurde sie oe- strahlend sahen die Gemeindeglieder
graben. auf das graue Hans. Endlich ein
Gruß an den Leserkreis. mal eine ordentliche Schule! hieß es,
u w i S o und dankbar legte mancher eine grö
ßere oder kleinere Gabe auf den Op
58ermischte Nachrichten ans Rußland, ferteller. Aber ein Jahr verging,
das neue kam und der obere Stock
A u s e K a y s i n e i e e e N u e W i n i u
Kreis. Am 5. März fand in Ka-! Fenster- und Thüröffnungen an den
myfchtm eine außergewöhnliche-Land- kahlen Wänden entlang. Nur der
amtsverfammlung 'statt.
Berathen
wurde hauptsächlich die Schulsrage. schule errichtet. Und der obere blieb
Unser Landamt arbeitet schon länge- leer. Wozu soll er dienen, wofür
,'jeit daran, den allgemeinen Schul- verwendet werden?! Das Schnlco
uuterricht in deut Kamnfchiuer Krei- mite zerbricht sich darüber den Kopf
se einzuführen. Viele Pläne wttr- und kommt zu keinem Entschlüsse,
den schon entworfen, Beschlüsse gi'=. Und Doch wäre die Sache leicht zu
faßt und Deputationen nach Peters- erledigen. Unweit der Kirche be
bn rg geschickt. Jetzt haben wir nach findet sich eine Schule, deren Leiter
all den Projekten auch einmal eine bedeutende Summe für das Lo
weittt auch für uns Deutsche keinen kal zu zahlen Hat. Die Schule ej. i=
besonders erfreulichen—Erfolg ans- stirt bereits drei Jahre, hat ein cut
zuweisen: Die Regierung hat zur sprechendes Lehrerperfonal und ist
Einführung des allgemeinen Unter- bemüht unseren Kindern eine chrift
richt? im Kautqfchitter Kreise 40,- liehe gute Erziehung zn geben.
wie vor, wie der Mann und die
untere Rannt wurde für die Kirchen-
Pr. Fleck. Wäre es nicht recht uud
billig, die beiden Schulen zu verei
licit? Die Gemeinde brauchte sich
daun nicht in zwei Lager zu theilen,
und Pr. Fleck, als Leiter der Schule,
wäre gewiß im Stande, etwas tüch
tiges zu leisten. Ich glaube, hier
sollte Seine Er. der Hw. Herr Bi
fchof eilt entscheidendes Wort sagen,
der doch stets das Wohl unserer Kin
der im Auge hat. Tas beweist schon
die Anstellung solch thatkräftiger Hr.
Professoren am Seminar, deren wir
uns rühmen können. Und die Ge
meinde würde immer bereit fein, eine
ordentliche Schule zu unterstützen.
Es würde mehr Einigkeit in der Ge
meinde geben. Und nichts geht über
die Einigkeit. Hoffen wir das beste!
Möge der nächste Frühling uns bei
rüstiger Arbeit begrüßen!
—Em Schul- und Kinderfreund.
A i e e e s a i E s
ist besannt, daß die Beresaner Ecu
tralfchule feit ihrem Bestehen in Lan
dau nie die volle Schülerzahl errei
chen sonnte. Als Grund dieser Er
fchciuuitg muß der Mangel au einem
Internat für die auswärtigen Zög
linge genannt werden. Es ist näm
lich für Landein sehr schwierig, die
auswärtigen Schüler in Privathäu
sern unterzubringen uud infolge die
sem können sich viele Eltern ans den
umliegenden Törfern Sulz, Karls
ruhe, Katharinenthal, Speier, usw.
nicht entschließen, ihre Kinder unter
die 'jahl der Zöglinge der Central
schule aufnehmen zu lassen. Selbst je
ne Eltern, denen es gelingt, ihren
Sohn bei Bekannten oder Verwand
ten in Landau einzuguartireu, ha
beii oft Ursache, Klagen zu führen,
weil eben der Sohlt nicht gut ver
sorgt oder am Lernen verhindert
wird. Tiesetn Uebelstand wird nun
abgeholfen werden, denn in Landau
steht man bereits int Begriffe, ein
Internat für die Zöglinge auswärts
tiger Eltern zu errichten: weitn feine
Hindernisse mehr in den Weg tre
ten sollten, fo werden die auswärti
gen Schüler schon im künftigen Jah
re im neuen Internat Aufnahme fin
den. Wie verlautet, will Herr Vin
cetiz Taiteithauer in Nikolajew die
zur Errichtung des Internats nöthi
ge Summe—oder wenigstens den
größten Theil derselben aus sei
ner Tasche spenden. Tann nur frifch
drauf los gebaut, die reicheren Be
resaner Gutsbesitzer, die sich schon fo
oft als Helfer in der Noth erwiesen
haben, werdeil, so hoffen wir, auch'
bei diesem guten Werfe in der vor
dersten Reihe stehen und zeigen, daß
sie ein so eminent wichtiges Unter
nehmen gebührend einzuschätzen wis
sen. Auch an alle jene Beresaner,
weiche vor Jahren für die llcbcrfiilv
rung der Beresaner Eeittrnlfchnle
nach Landau eingetreten find und
Spenden für dett Bau gegeben ha
ben, ergeht jetzt der Ruf: Helfet mit,
daß wir mal etwas ganzes, vottkom
1
neues bekommen! Ohne Jiiteriuit
wird die Eentmlfchule, bzw. die
künftige Stadtschule nicht ganz ge
deihen, denn es wird uns stets an
der nöthigen Schülerzahl fehlen, oh
ne welche die Schule nicht jenen Se
gen verbreiten kann, den sie unter
besseren Umständen unseren Eolonien
spenden konnte. Es wäre überaus
löblich weitn wir in unserem Jubel
jähre noch dieses }iel erreichten uud
vom nächsten Herbst an die projektiv
te Stadtschule und das neue Eouvikt
eröffnen könnten. Wie ich aus gut
iufonuirten Kreisen erfahre, fand
das Gesuch der Umwandlung der Be
resaner Ecntralichitlc in eine Schule
mit dem Programm der Stadtfchu-
ch
I
nebst pädagogische» Kursen bei
der Schnlobrigfeit gute Aufnahme.
Ter Tirektor Bjelt) versprach, das
Gesuch nicht nur weiter zit befördern,
sondern es auch persönlich zu unter
stützen, und er wird sicher Wort hal
ten, sodaß das Gesuch anfangs Juli
schon vom Ministerium der Volks
Aufklärung bestätigt feilt dürfte.
Wird mint bis dahin den Bau des
projeftirten Internats schon begoit
neu haben, fo wird im künftigen
Herbst hoffentlich etwas Höhenluft
über unsere Kolonien wehen, lieber
den Nutzen, welchen die künftige
Schule uns bieten wird, will ich hier
nichts mehr sagen, da ja schon früher
die Vortheile dieses Unternehmens
in dieser Settling ins richtige Licht
gerückt wurden. Es könnte hier je
inand einwenden: Aber die Eottcur
reitz! Wird die Landauer Schule
mit dem neuen Eouvikt dem Karls
ruher Progmnnafitiin nicht eilte ge
fährliche Eoitcurrenz aufzwingen?—
Tarauf antworte ich mit einem ent
fchiedettett Nein. Tas Progi)innafi
um tu Karlsruhe wird sich dank fei
iter fachkundigen Leitung auch dann
noch üben den Wassern halten fön
nett. Es hatte bisher stets Ueber
fluß an Zöglingen, konnte daher
nicht alle Kandidaten aufnehmen,
und daraus kann mau schließen, daß
ihm fein Abbruch droht, denn der
Bildnngsdrang wächst mit jedem
Tage, sodaß es gut gclcitenteit Schu
len feine Sorge machen dürfte, wo
sie die nöthige Schülerzahl aitftrei
ben könnten.—In Karlsruhe steht
man im Begriff, eilte Gegenseitige
Kleinkreditanstalt zu eröffnen, die
Erlaubniß des Finanzministeriums
ist bereits erfolgt. Taß das ein zeit
gemäßes Unternehmen ist, braucht
nicht mehr bewiesen zu werben. Ich
habe schon früher cut dieser Stelle
aufmerksam gemacht. Auch

tovlriic nv Blair in Mutilans t'vilcllcn wollen, möflfn 'x V111 t. xSV,\ yv,m,",,\.u
W e I i k o k n i a s ch e s k o e,
(Kaukasus) den 17. März.
e i o o Z u n e n
den 20. März.
Der StaatS-Anzeiger, Rugby, N. D., den 4. Mai 1911.
K a n e l, (Eherson)
den 29. März

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