OCR Interpretation


Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, May 11, 1911, Image 1

Image and text provided by State Historical Society of North Dakota

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn89074935/1911-05-11/ed-1/seq-1/

What is OCR?


Thumbnail for

Gebühren für Anzeigen:
20c per Zoll für jede Insertion
10c per Zeile für die erste Insertion
5c per Zeile für jede folgende Insertion
Bei Anzeige» von fiO Zoll und darüber be
rechnen wir 2ic per Zoll für die erste und ISc
für jede weitere nnverändcilc Insertion
Keine Abweichung von diesen Raten I
5. Jahrgang
Wochen-Rundschau
Anstand.
Teutschland.
e i n 1 a i I n a n z
Deutschland hat heute die Sozial
demokratie die Maifeier in einer de
monstrativeren Weise begangen, als
dies vielleicht je vorher geschehen ist.
Mit den zahllosen Kundgebungen, die
überall veranstaltet wurden, will die
Unisturzpartei nämlich die Kam
pagne für die im Spätherbst statt
findenden neuen Reichstagswahlen
einleiten, In Groß-Berlin wurden
allein über hundert Massenversamm
lungen abgehalten, in denen gegen
das wahnsinnige Wettrüsten mit
England, gegen den die Beschrän
fluni der Rüstungsausgaben nnd
die Schiedsgerichts-Idee bekämpfen
beu Reichskanzler v. Bethmann Holl
weg Protest erhoben und für den
Volkers rieden, Arbeitsfchntzgefetzge
bung und den Achtstiliidentag agitirt
wurden. Obgleich Unruhen nicht zu
befürchten standen, hatte die Polizei
hier nnd in anderen großen Städten
umfassende Vorbereitungeil getroffen
unl sofort einschreiten zu können,
wenn dies nothwendig werden soll
te. Straßendemonstrationen wur
de« nirgends geduldet. In Hamburg,
Kiel und anderen Städten hatten die
Arbeitgeberverbände allen ihren Miv
gestellten, die sich an der Feier be
theiligteil, Aussperrung bis zum 11.
Mai angedroht.
e i n, 1. Mai. Was die Ma
rocco-Frage anbelangt, so bildet sie
andauernd ein Moment der Venn
ruhiguug. Aber im allgemeinen be
dieneil sich die Blätter, welche die aus
gedehnte militätische Aktion Frank
reichs im nordafrikanifchen Scherifat
erörtern, einer maßvollen Sprache.
Die einzige Ausnahme machen die
Zeitungen altdeutscher Observanz.
Sie dringen in die Negierung, ihr
Veto gegen das weitere Nordringen
der Franzosen in Maroceo einzule
gen, und möchten lieber heute als
morgen die ttriegsfurie entfesselt se
hen. Aber ihre Ausfälle werden von
dem besonneneren Theil der Presse
mit Entschiedenheit zurückgewiesen
und als politisch unklug verurtheilt.
e i n, 1. Mai. Mit einer
Ueberraschnng wartet heute die
„Norddeutsche Allgemeine Zeitung"
aus. Das offiziöse Organ der Ne
gierung macht die Mittheilung, dar,
Krollprinz Wilhelm nnd Sironprin
Zessin Cecilie um die Mitte dieses
Monats nach St. Petersburg fah
reu werden, um dem Kaiser Niko
laus zu feinem aus den 10. Mai fal
lenden (Geburtstag ihre (Miitfwmv
sehe zu überbringen. Zugleich gilt
es, Dank zu sagen für die Einladung
an den Kronprinzen, den Czarenhos
aus der Rückkehr von der fernöstli
chen Reise über Sibirien zu besuchen,
ein Plan, dessen Ausführung durch
den plötzlichen Abbruch der Fahrt
des Kaiferfohnes infolge der Pestge
fahr verhindert wurde. An der beab
fichtigten Visite des Kroupriuzenpaa
reS am Czarenhos wird allgemein
ein bündiger Beweis für die engen
Beziehungen zwischen den beiden
Herrscherhäusern und das wiederher
gestellte freundliche Einvernehmen
zwischen der deutschen und der ruffi
scheu Negierung erblickt.
e i n, 2. Mai. Kaiser Wil
helm wird sich am Morgen des 21.
Juni nach Kiel begeben, um persön
lich das Kommando über die deutsche
Hochfeeflotte zu übernehmen, die dem
zum Besuch in deutschen Gewässern
eintresfenden amerikanischen ^chlacht
schiss-Geschwader den Willkommen
grüß entbieten soll. Ter Monarch
hat außerdem angeordnet, daß das
Geschwader der Vereinigten Staate»:
in unmittelbarer Nähe der kaiser
lichen Jacht „Hohenzollern" vor An
ker gehen soll. Während des zchntö
gigen Aufenthalts der amerikani
schen Schlachtschiffe in Kiel wird der
Kaiser auf feiner Jacht bleiben.
K i e 3 a i a s e i s
Marineamt plant eine Uebung der
gefamMten Hochflotte vor den
amerikanischen Gästen, wenn das
aus den Schlachtschissen „Louisi
ana," „Kansas," „New Hampshire"
und „Sollth Carolina" bestehende
Besuchs-Geschwader in der Zeit vom
21. bis zum 30. Juni im Kieler Ha
fen weilt. Das letzte Mal, da eine
solche Uebung vor Amerikanern statt
fand, manöverirten die vier Linien
ftfjiffe der Brandenburg-Klasse, von
Venen zwei an die Türkei oerkaust
worden sind.
e i n 4 E i n e a u s
fallende Erscheinung, welche in allen
interessirten Kreisen auf das lebhas
teste besprochen wird, bildet der be
deutende. Rückgang, welchen die
Schiffahrts-Werthe neuerdings aus
weisen. Als die Hanpttirfache des
Weichens der Werthe wird das Nach
lassen des Auswanderiings-Gefchäfts
angeführt, welches sich seit Beginn
des Jahres geltend gemacht hat und
durch das alle Schiffahrts-Gesell
fchaften in Mitleidenschaft gezogen
werden. Vertreter der Schiffahrts
Gesellschaften erklären, daß die Ab
nähme der Auswanderung eine Fol
ge der unbefriedigenden wirthschaft
lichen Verhältnisse in den Ver. Staa
ten sei.
W i e s a e n 4. Mai. Hier
wird in den nächsten Tagen die Aus
stellung der Entwürfe für das Bis
marck-Nationaldenkinal auf der Ei
fellhöhe bei Bingerbrück eröffnet
werden. Die Ausstellung findet im
Pavillonfchlößchen statt. Der Kunst
ausfchuß, welchem die endgültige
Entscheidung über den zur Aussüh
rung gelangenden Entuwrf obliegt,
wird zu gleicher Zeit hier tagen.
Voraussichtlich wird ein neuer Wett
betoerb veranstaltet werden.
e i z i 4. Mai. Hier wurde
gestern eine Autographensammlung
versteigert. Eilt Brief Luthers an
.Siaifer Karl den fünften wurde von
einem Händler ans Florenz, der an
geblich im Auftrage I. Morgans
kaufte, für $25,500 erstanden. Der
Brief ist im Jahn* 1521 in lateini
scher Sprache geschrieben. Ein Brief
der Gattin Luthers, die bekanntlich
Katharina v. Bora hieß und eine
Nonne war, brachte $1,500.
Ii IT, 5. Mai. Aussehen er­
regt die Rede, welche der Prorektor
der Universität Heidelberg, der nam
hafte Archäologe Professor Friedrich
v. Dithit, bei der Immatrikulation
gehalten hat. Der Gelehrte richtete
eindringliche Worte der Ermahnung
an die neuen akademischen Bürger
der „Riwerto-Carola." Pros. v.
Duhn legte den Studenten dringend
ans Herz, nicht erklusiv auszutreten
und nicht aus Namen, Geld und
Stellung zu pochen. Der Prorektor
kam im Verlauf feiner Ausführun
gen auch auf das Wesen der akade
mischen Vereinigungen zu sprechen.
Seine Worte bezogen sich besonders
auf die Mitglider von Eorps. Diese,
betonte Prof. v. Duhn, sollten allein
die Waffen des Geistes respektiren.
e
S
e n, 5. Mai. Dne „In­
ternationale Hygiene Ausstellung,"
welche morgen unter entsprechenden
Feierlichkeiten eröffnet werde» soll,
ist heute einer offiziellen Vorbefichti
guiig unterworfen worden. Sie ver
spricht Glänzendem. Zimt ersten Male
wird in großem Maßstabe versucht,
die einzelnen industriellen Ausfiel
lungsgruppen in engster Verbindung
mit wissenschaftlichen Lehrabtheilun
gen vorzuführen, Jede der Gruppen
erhält ihren eigenen Palast, so daß
in einem einzigen Raum die ganze
Spezial-Materie, Theorie nnd^Praris
vereint, zur Darstellung gelangt.
Von allen Kulturländern sind allein
die Ver. Staaten nicht vertreten.
England ist soeben noch beigetreten
und errichtet einen Pavillon. Der
amerikanische Generalkonsul in Dres
den, Herr Gaffney, befindet sich in
folge des Versäumnisses des ^ongref
fes, die nachgesuchte Bewilligung von
$50,000 für die angemessene Ver
tretung der Ver. Staateil auf der
Ausstellung zu machen, in äußerst
peinlicher Lage. Die amerikanischen
Städte und Behörden entsenden Ver
treter, welche Entgegenkommen ver
langen, während von ihren maßge
bendeu Faktoren selbst kein solches be
wiesen worden ist.
Z w i ck a u, 5. Mai. In der Ge
meinde Arnoldsgrün in der Kreis
Hauptmanuschast Zwickau erregt ein
Doppelselbstmord, der sich dort am
Dienstag ereignet hat, großes Auf
sehen. Die 27jährige Tochter eines
Gutsbesitzers unterhielt mit einem
jungen Manne aus dem Dorse ein
Liebesverhältniß, das nicht ohne Fol
gen blieb. Am Mittag des zweiten
Osterseiertages machte der Vater sei
ner Tochter wegen ihres Lebenswan
dels heftige Vorwürfe, die sich das
Mädchen so zu Herzen nahm, daß es
sich am nächsten Tage im Ritterguts
teich ertränkte. Der Vater glaubte
durch seine Vorwürfe am Tode der
Tochter schuld zu fein, und stürzte
sich bald danach selbst in den Teich,
wo er den Tod sand. Die beiden
Leichen wurden geborgen.
e i n 6 a i ö e s A u s
sehen erregt eine cms die Stellung
Deutschlands zu den neuerlichen Mo
rocco Wirren bezügliche Berliner
Korrespondenz, welche in der „Wie
ner Allgemeinen
Zeitung"
veröffent­
licht ist. Sie findet um so ernstere
Beachtung, als sie höchst wahrschein
lich infpirirt ist, somit die Ansicht der
maßgebenden Gewalten widerspie
gelt. Der ganze Ton verräth den
Oesterreich-Ungarn.
W i e n 1 a i E n u n e n
über das Treiben des New sorter
Eillwauderullgs Kommissärs Wik
licmis haben hier großes Aussehen er
regt und werden von den Leitungen
in langen Artikeln besprochen. Man
fragt verwundert, wie es bei der
brutalen Durchführung der Eiuwan
derungs Gesetze möglich ist. daß die
Einfuhr voll „weißen Sklavinnen"
nicht verhindert wird. Daß der Mäd
chenhandel nach Amerika noch immer
blüht, ist durch Verhaftung mehre
rer Mitglieder einer Bande bewiesen
worden, die an der galizüch russischen
Grenze feit Jahren ein Geschäft da
raus gemacht hat, russische politische
Flüchtlinge abzufangen und sie ge
gen Bezahlung den Schergen desZa=
ren auszuliefern. Die Untersuchung
hat ergeben, daß die Bande in den
letzten fünf Iahren dreihundert Mäd
chen über Canada nach New ?Jork
verkaufte, und mit Händlern auf
der New Yorker Oftfeite in Geschäfts
verkehr stand. Weitere Verhaftun
gen find zu erwarten.
W i e n, 3. Mai. Die österreichi
sche Regierung ist mit der unga
rischen zu vollem Einverftändniß ge
langt bezüglich der letzten noch os
fen gewesenen Frage in Verbindung
mit der Wehrreform. Die Bespre
chnngen zwischen den maßgebenden
Faktoren nach Ostern drehten sich
ausschließlich um die Behandlung der
Sprache im künftigen Militärftraf»
Prozeß. Nach den erzielten Verein
barungen gesteht Oesterreich den Ge
brauch der ungarischen Sprache im
militärstrasgerichtlichen Verfahren
zu. Ausgenommen sind jedoch beim
ungarischen Militär die Siebenbür
Sachsen. Bei den in Oesterreich ste
henden Regimentern muß ausschließ
lich die deutsche Sprache gebraucht
werden. Es wird ziemlich allgemein
erwartet, daß sich gegen diese Ver
einbarungen starke Opposition gel
tend machen wird.
W i e n, 3. Mai. Mit schwerem
Verluste arbeitete im eben abgelan
seneil Geschäftsjahr die österreichische
Petroleum Industrie. Trotz aus
giebiger Staatshülse hat die Petro
leum Gesellschaft in Schobrica,
Gatizien, eine Unterbilanz von 114
Million Kronen zu verzeichnen. Fast
die gleiche Höhe betragen die Ver
luste, welche die Gesellschaften in
Pardubitz, ginnte, in den galizifchcn
Karpathen, sowie allenthalben in Ga
lizien und jftrien erlitten haben.
Wenn nicht in den nächsten Wochen
ein Kartell ermöglicht wird, gilt die
österreichische Petroleum Industrie
als verloren und Rockefeller ist
Alleinbeherrscher anf dem Petro
leummarkt.
u a e s 5 a i K a i s e r
König Franz Joseph ist hier einge
troffen nnd von der Bevölkerung
unter stürmischen Kundgebungen des
Jubels begrüßt worden. Der Mo
uarch verbleibt drei Tage in der
Osener Königsburg, um die vorlie
genden Staatsgeschäste zu erledigen.
Daraus begiebt sich der Herrscher
nach dem fünfundzwanzig Kilometer
nordöstlich von hier gelegenen Lust
schloß Gödöllö und später nach Ischl.
W i e n 5 a i i n z o a i
Albrecht von Preußen, durch dessen
Automobil in der Nähe von Eger in
Böhmen ein zwölf Jahre altes Mäd
chen getödtet wurde, trögt an. dem
Der ttmner.
Rugby, Nord-Dakota, Donnerstag den 11. Mai 1911
amtlichen Ursprung. In der Kor
refpondenz wird erklärt, Deutschland
betrachte die Marocco-Frage als
schwierig. Es hindere die Entsatz
Erpedition nach Fez nicht, oppouire
aber auf das Kräftigste dem dorti
gen Verweilen der Franzosen über
eine angemessen Frist hinaus, die zum
Ausruhen und zur Einleitung des
Rücktransports ansässiger Franzosen
zuzugestehen sei. Ein längerer Auf
enthalt würde einen Bruch der Alge
ciras-Akte bedeuten. Deutschland, so
heißt es weiter, würde daraus seine
Konsequenzen ziehen. Es behalte sich
seine Aktion vor. Jedenfalls werde
Deutschland nicht einer neuen Kon
ferenz über das Schicksal der Alge
ciraS-Akte zustimmen. Dadurch wür
de deren Wertlosigkeit erwiesen wer
den. Deutschland verlange eine that
sächliche, nicht eine scheinbare Sou
veränität des Sultans Mnlai-Hafid.
Es ziehe in Ueberlegung, ob es einer
Verlängerung des französischen und
des spanischen Polizei-Mandats in
den maroccanifchen Häfen zustimmen
solle. Daß die Marocco-Frage wie
derum in ein akutes Stadium ge
treten ist, erhellt auch aus der heuti
gen Haltung der Börse. Diese war
flau, und mit wenigen Ausnahmen
waren alle Werthe gedrückt, eine Er
fcheinung, welche in kundigen Krei
sen ausdrücklich auf die heikle Eilt
Wickelung der Dinge im nordafrikani
fchen Scherifat zurückgeführt wurde.
Unglück nicht die geringste Schuld.
Das Mädchen wollte in den Kraftwa
gen, der sich in voller Fahrt befand,
hineinspringen, gerieth unter die Rä
der und wurde zermalmt. Der Prinz
hatte voll Marienbad aus, wo er zur
$ur weilt, die Fahrt unternommen.
Rußland.
S e e s u 3 a i
Zum Bau der Amurbahn werden
8000 Gefangene nach Oftasien ge
fandt. Zur Begleitung werden 2000
Soldaten aufgeboten. Ein derartiger
enormer Gefangenentransport ist
ohne Beispiel in der Geschichte Ruß
lands.
S t. e e S it g, 5. Mai.
In Odessa sand der Prozeß gegen
den Grasen Szibar Marchotzki statt,
der angeklagt war, seine Frau, das
ehemalige Stubenmädchen seiner
Mutter, ermordet zu haben. Der Au
geklagte gab als Grund des Verbre
chens politische Motive cm. Er sei
konservativ, seine Gattin Demofratin
gewesen. Das Gericht vet urtheilte
den Grafen zu dreiundeinhalb Jah
ren Zwangsarbeit und erliist aller
hjirgerlicken Ehrenrechte.
(England.
o n o i 4 a i i e o n o
atnTifanifchen Archäologen, die in
Jerusalem und nächster Umgebung
mit Erlaubniß der türkischen Regie
rung Ausgrabungen vornahmen, sich
aber hierbei durch ihren „Wissens
durst und -drang" so weit hinrei
ßen ließen, daß sie, ,wie von türki
scher Seile behauptet wird, einen
Tunnel unter die berühmte Omar
Moichei* gruben und aus dem In
nern derselben die wertvollsten Re
liquien wegschleppten, haben sich, wie
ans Jerusalem gemeldet wird, schleu
nigst aus dem Staube gemacht, um
rer Rache der wüthenden Muselmän
ner zu eingehen. Die Angelegenheit
ist aber damit nicht erledigt, denn
die türkische Regierung roßte die
Sache sehr ernst auf und sah sich
durch die öfentliche Meinung ge
zwungen eine genaue Untersuchung
einzuleiten. Eine für diesen Zweck
ernannte Regiernugs-Monmiifsion be
findet sich bereits auf dem Wege nach
Jerusalem, um an Ort und Stelle
Erhebungen vorzunehmen. Die Af
faire wird ohne Zweifel zum Gegen
stand hochinteressanter diplomatischer
Unterhandlungen zwischen Großbrit
taimieit und der Hohen Pforte ge
macht werden. Es wird von Seiten
der türkischen Behörden betont daß
der materielle Verlust, so groß er
auch sein mag, nicht so schwer em
pfunden werde, als die durch die
Schändung einer geheiligten Moschee
angethane Schmach. Worin die ab
handen gekommenen Reliquien be
stehen, ist zur Zeit noch nicht genau
in Erfahrung zu bringen es sollen
indessen Schätze fein, welche die jn
den vor den Römern versteckt hatten,
als diese im Jahre 70 vor Christi Ge
burt unter Titus die Stadt eroberten
und plünderten. Unter diesen Schät
zen soll sich auch die Krone Salontos
befunden haben.
Anland.
Mehr Poftsparbauken eingerichtet.
W a i n o it, 2. Mai. Ge
neral-Postmeister Hitchcock kündigte
heute an, die bisher ctoblirtcn Post
iparbanten in den verschiedenen Thei
len der Ver. Staaten feien so von
Erfolg begleitet gewesen, daß er be
schlössen habe, von jetzt an ieden Mo
nat fünfzig bis hundert neue Post
ivarbaiiken zu eröffnen und damit so
lange fortzufahren, bis jedes Post
amt in den Ver. Staaten, das ein
Money Order Departement hat,
mit einer Postsparbank versehen ist.
(Heftern wurden in 45 Staaten je
eine weitere Postsparbank eröffnet
und es geht ans den bisher einge
laufenen telegraphischen Berichten
hervor, daß in den 24 Stunden be
reits 400 Conti eröffnet und $10,
000 deponirt wurden.
Die Revolution in Mexiko.
El a o, Ter. 2. Mai. Zu
nerlöffigeit Nachrichten zufolge find
setzt vier Staaten in Mcrifo im un
bestrittenen Besitz der JnsurrectoS.
Sie Haben dort Gouverneure einge
setzt und Jefe politico ernannt, erhe
ben Steuern und vergeben Ge
rechtfame. Sechs weitere Staaten,
einschließlich Sonora und EHiHuaHua
find von ihnen theilweife befetzt und
in fünf weiteren operireit sie mit ab
wechselndem Glück. Welche Fort
schritte die Revolution in den letzten
5 bis Wochen gemacht hat, geht
daraus hervor, daß die Jnstirrectos
schon mit dem Gedanken umgehen.
Guadalajara, die zweitgrößte Stadt
Merikos, anzugreifen. Die Behör
den find.einer Verschwörung aus die
Spur gekommen, wodurch die Stadt
den Jnstirrectov überliefert werden
sollte. Eine große Quantität Dyna
mit und eine Anzahl Bomben wur
den gefunden und 18 Verhaftungen
vorgenommen. Unter den Verhafte
ten befinden sich drei der angesehen
steil Geschäftsleute in der Stadt.
Keine Straffreiheit.
o s A u e e s E a 3 a i
Distriktsauwalt Fredericks machte
heute bekannt, daß in dem Prozesse
von John und James McNatnora
das angebliche Geständnis Ortie Mc
Manigal's überhaupt nicht verwen
det werden würde. Fredericks sagte,
daß McManigal weder Straffreiheit
zugesichert morden fei, noch daß das
geschehen würde. Der ^tnat bedür
fe feiner Aussagen nicht, um die Ge
brüder McNainara der Zerstörung
des Times-Gebäudes zu übersühren
und McManigal werde wegen der
von ihm selbst begangenen Verbre
chen der Prozeß gemacht werden.
Ein Schichmaschiii entrust „entdeckt."
W a Ii i n o Ii, 3. Mai. Vor
dem Finanzcomite des Bundessenats,
welches bekanntlich ein öffentliches
Verhör in Sachen des kanadischen
Reciprozitäts Abkommens anbe
raumt hat, erschienen mehrere Ver
treter der Schuhindustrie aus dem
mittleren Westen, um ihre Beschwer
den vorzubringen. Jnt Laufe des
Verhörs stellte es sich heraus, daß die
Schuhindustrie des Landes sich in den
Händen eines Trustes befinde. Meh
rere Fabrikanten aus dem mittleren
Westen erklärten, sie feien der United
Shoe Machinery Eo. in Boston auf
Gnade oder Ungnade verfallen. Der
Wortführer der Schuhfabrikanten
vor dem Eomite war Wut. DTench
von der Gieseke, D'Oench Shoe Eo.
in St. Louis. In feiner Begleitung
befanden sich weitere Schuhsahrikan
ten aus St. Louis, Ehicago und
Grand Rapids, Mich. Herr D'Oench
erklärte im Laufe des Verhörs, daß
der Trust es den Fabrikanten unmög
lich mache, Meifingdrobt, der zur Fa
brikation voil Schuhen gebraucht
werde, auswärts zu kaufen, „Warum
kaufen die Fabrikanten nicht die
ganze Maschinerie vom Auslande?"
frug Senator Simmons. „Weil
ein Zoll von 45 Prozent darauf
ruht," erwiderte Herr D'Oench.
.Würde die Streichung des Zolles
die Schuhe billiger machen?"—„Si
cher. doch kann ich nicht angeben, um
wie viel," lautete die Antwort des
Fabrikanten. Der Schnhinaschi
neutruft verpachtet die Maschinen an
die Fabrikanten, aber die zu zahlen
de Pacht ist so hoch, daß man mit dein
Gelde
die ganze Maschinerie saufen
könnte, wenn der hohe Zoll nicht
märe. Da man aber nicht alle zur
Schuhfabrikation erforderlichen Ma
schinell im Auslande kaufen könne, so
fei man gezwungen, alles vom Schuh
limfchinentriift zu nehmen.
Frieden in Sicht.
E a s o e 4 a i i e
Friedensuitterhandlungeii zwischen
der merit'aniicheit Regierung und
den jnstli rectos, resp, zwischen deren
Eommiffären, Richter Earbajal und
Dr. Gomez, find heute ernstlich in
Angriff genommen worden und es
wird beiderseits die Erwartung aus
gesprochen, daß ein beide Theile be
friedigende Vereinbarung innerhalb
48 Stunden zu Stande kommen
werde. Die Unterhandlungen wer
den auf einem freien Platz zwischen
Juarez und deut Jnfiirrectolciger ge
führt. Dieser Plat wurde durch
Pfähle und Stricke abgeschlossen und
es erhält kein Unberufener Erlaub
niß, ihn zu betreten.
Unter formeller Anklage.
o s A Ii e I e s, Eal., 5. Mai.
Die 10 neuen Anklagen, welche ge
stern von der Los Angeles County
Grand-jury gegen John I. Mc
Nainara und James B. McNainara
erhoben worden waren, wurden heute
im Superiorgericht hinterlegt. Die
beiden Brüder werden itt diesen An
klagen der Dynamit-Verschwörung,
speziell der Zerstörung des Tiines
Gebäudes. sowie des Mordes beschul
digt, da bei der Erplosion in besag
tem Gebäude 21 Menschen ihr Leben
einbüßten. I. I. McNainara, der
Sekretär und Schatzmeister der „Ju=
teruatioual Bridge & Structural
Jron Workers Association," und fein
Bruder James B. McNantara wur
den heute Abend dem Richter Bor
deivell vorgeführt, bei dem mehrere
Stunden vorher die Anklagen der
Großgeschworenen Hinterlegt worden
waren. Sie befanden sich in Beglei
tung ihres Vertheidigers, des Au
ma
Its Rappaport, der nach Verle
sung der Allklage den Antrag stell
te, daß seinen beiden Klienten 30
Abonnements-Preise:
$2.00 das Jahr in den Ber. Staaten
Nach dem AnSlande
$2.50 das Jahr nach Canada
$2.50 (M. 10) nach Teutschland
$2.50 (Rbl. 5) nach Rußland
(Rur
l'.L
gegen Vorausbezahlung)
42
Tage Zeit ^imt Plaidiren gegeben
werde.
Der SchnHinaschinen Co. soll es an
den Kragen gehen.
W a s i n o Ii, 5. Mai. Ange
regt durch die Aussagen westlicher
Schnhfabrikanten vor dem Finanz
Comite des Senats, wonach die
Schuhfabriken des Landes der Gnade
oder Ungnade der „United Shoe
Machinery Eo." in Boston ver
fallen feien, Hat heute Repräsentant
Peters von Massachusetts int Reprä
sentantenhaus eine Bill eingereicht,
welche darauf hinzielt, der besagten
Corporation das Lebenslicht auszu
blasen.
Der Tietz-Prozeß.
a y w a W i s 6 a i a s
Verhör der Belastungszeugen im
Prozeß gegen John F. Dietz wegen
Ermordung des Hülsssheriffs Oscar
Harp wird heute geschlossen. Es sind
mir noch wenige Zeugen zu verneh
men, nachdem die gestrigen ausge
sagt haben, Dietz habe die Annahme
von gerichtlichen Vorladungen mit
Gewalt verweigert. Als letzter Be
laftungszeuge wird heute Nachmittag
Fred. Thorbahu, der den Angriff auf
die Dietz'fche Heimstätte leitete, ver
nommen. Die Vertheidigung hat 15
Zeugen vorgeladen.
Briefkasten der Redaktion.
A it r. i I. S ch in i t, Ro
maiiowsk, Sibirien Rußland.—Ihr
Bruder Andreas bei New Honte in
Nord-Dakota übersendet Jhiteit das
Blatt für ein Jahr und übermittelt
herzlichen Gruß. Die Spnmgfeder
icheere geht Jbnen als weiteres Ge
schenk zu. Der Bruder läßt Sie
bitten, auch für diese Zeitung zukor
reftiondtren.
o a n n e s e s ch it r,
Mannheim, Südrußland. Ihr
Sohn Johannes, bei Portland in
Oregon bezahlte das Blatt für Sie
auf ein weiteres Jahr und läßt herz
lichst grüßen. Die Spningfederfchee
re geht als eingeschriebene Postsache
an Sie ab.
A i o I i V ö e S a u
Südnißland.—Ihr Sohn Johannes
bei Balfour in Nord Dakota bezahlte
das Blatt für Sie auf ein weiteres
Jahr. Er läßt vielmals grüßen und
als weiteres Geschenk geht Ihnen
auch die Scheere eingeschrieben zu.
A a a ii in ft a f, Ponja
tomfa Südnißland.—Johannes Gol
dadi* bei Straßburg in Nord-Dakota
übersendet Jbnen das Blatt auf ein
Jahr und läßt grüßen. Die Sprung
fedencheere
ging als eingeschriebene
Postsache hier cut Sie ab. Sie möch
ten doch auch für den Staats-Anzei
ger Korrespondenzen schreiben.
a o K i e a o i i n
Rumänien.—Heinrich Tuchscherer bei
Hapmiland in Canada bezahlte das
Blatt für 2ie aus ein Jahr und über
sendet herzlichen Gruß. Als weite
res Geschenk werden Jbnen, sobald
fertig, auch die Landkarten zugehen.
K o i i e i A n a o o s e
Nord-Dakota.—Die seither ait Jo
seph Kraft nach Elsaß in Südruß
land gehende Zeitung wird fortan
an Michael Fettig in Straßburg
Südnißland gesandt. Hossen, daß
nun alles in Ordnung ist.
A n o it it e r, Lehrer iit
sUeinliebcnthcil Südrußland.—Post
karte erhalten. Besten Dank für
freundliche Oftergrüße. Wünschen
Jbnen vergnügte Pfingftfeiertage
und bitten, uns weiter mit Korre
spondenzen beehren zu wollen.
e o i tz, Rasdelnafct, Süd
rußlaitd. Abonnement läuft ab
mit dem Juni d. I. Bei Ueber
fenduitg R. geht Ihnen Blatt auf
weiteres Jahr zu, zusammen mit bei
den Prämien (Scheere und Pfrie
men) als eingeschriebene Postsache.
Freundliche Grüße!
Unsere Leser sollten bei Bestelln«
flcn der neuen Wandkarten nicht ver
gesicn, 25 Cents mehr, also $2.25
einzusenden. Die 25 Cents werden
nicht für die Landkarten berechnet,
sondern für Berpacknngs- und Ber
sandtkosten, die mir diesmal nicht
tragen können, weil die Karten fünf
Bogen nmfäffen. Die Karten haben
einen Werth von mindestens $7.00
bis $8.00. Leser, welche die Karten
bei uns abholen können, brauchen die
25 Cents nicht zu zahlen, da wir in
diesem Falle Verpackungs- und Ber»
sandtkoften sparen.

xml | txt