OCR Interpretation


Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, March 28, 1912, Image 2

Image and text provided by State Historical Society of North Dakota

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn89074935/1912-03-28/ed-1/seq-2/

What is OCR?


Thumbnail for

Der j^taata-Anzeiger
ff. 8. Brandt Nedaltenr und Geschäftsführer
Donuerftag, 28. März 1912
AdonnementSpreiS:
Osteinifltf Staaten, pro Jahr.. $1.50
Nach dkttl Auslande $2.00
(Nur flffltn Vorausbezahlung.)
Um Aerzvqerung in Zusendung der Zei
tuny ^u vermeiden, bitten wir, bei Woh
nungSbeländerunqen oder Wechsel der
Postvffice immer den alten Wvhnplatz und
die Pvstoffice mit anzugeben.
Die Redaktion übernimmt für den Inhalt
der Korrespondenzen keine Verantwortung,
bemüht sich aber, alles Unpassende atidziv
merzen. Einsendungen ohne volle Namens
Unterschrift wandern in den Papierkorb.
Reisender Agent: Zohn Wacker
An die Leser.
Wir ersuchen unsere Leser, dem gelben
Zettel aus der Zeitung, oder auf dem Um
schlag, ihre Aufmerksamkeit zu schenken.
Auf demselben finden sie außer ihrem
Namen auch das Datum, bis zu welchem
das Platt bezahlt ist. Leser, die mit dem
Zeillingsgeld im Rückstände sind, sollten uns
mit Einsenden desselben erfreuen und auch,
wenn möglich, ein Jahr im Boraus bezahlen.
Adressirt alle Geldsendungen und Briefe:
e S a a s n z e i e
Devils Lake. N. D.
An die Leser
Der Staats-Anzeiger wird in
allcrimrfoftecr Zeit Von Devils Lake
nach Bismarck übersiedeln, woselbst
wir beut flutte wieder unsere flaute
Aufmerksamkeit schenken werden. Ter
Umzug ist nöthig, du wir seither nicht
im Stande waren, nennend Hülse zu
Bekum tu eil, da? Platt an (Prüfte und
Inhalt auf der früheren .viihc zu hal
ten. Wir bitten unsere Leser, sich nach
fnr.'c Zeit it gedulbeu. Wir werden
sie, sobald der Staats Anzeiger im
ttCKCtt cim in Bismarck, der Stats
l?f ityifuibt, sich eingerichtet hat, voll
auf entschädigen, da wir dann in der
Lage sind, wie früher, alles persönlich
zu leiten. Tic Leser wissen ans (?r=
fahrn,ig, baff wir stets unser Wort
halten. Ter Verzug des Blattes
nack« Devils Lake geschah gegen un
seren Willen, aber da wir derzeit nicht
nicht die volle Mtm trolle über das
Blatt Hutten, mnfttcu wir uns fügen.
Wir haben soeben Schritte gethan, die
mir die ausschließliche Kontrolle über
das Blatt geben. Tic Maschinerie in
Devils Lake, Presse ^alzmnschiue, und
so weiter, sind in solcher Verfassung,
dap der Druck des Blattes schrner zu
leiden hatte, und anch war knndige
Hülse nicht znr Hand. Das alles
wird anders. Wir werden iit Bis
marck neue Maschinen und Ausstat
tung beschaffen nnd geben den Lesern
die Versicherung, das» der Staats
Anzeiger in kurzer fteit wieder sau
ber genickt erscheint, nnd wir wer
den pert int (ich boraiif sehen. Sobald
wir int neuen Heim eingerichtet, wird
das Blatt eine zeitlang Inseitig er
scheinen, nm die Leser zn entschädi
gen.
A'le Briefe nnd Einseubuugen bitte
gleich ti'.m nuu nn zn adressiren: Der
Ttttttls Anzeiger, Bismarck, N. D.
Wir werden uns bemühen, anch wäh
rend des Umzugs das Blatt erscheinen
lassen, aber es wird ebeu an Grö
ße nnd Inhalt nicht sein wie wir es
gerne hätten. Also, wie eingangs
bemerkt, noch kurze Zeit (Geduld.
Wir bitten alle Leser, bei ihrem Be
suche der Staats-Hanptstabt den
Stints Anzeiger zu beinchen. Es
\»'f
nns rrciser, anch dort die Leser
ycrfifo'lich zn begrü'en.
Ergeben st
K. Brandt,
Redakteur und Geschäftsführer
LaFollette siegt in Nord-Dakota
Bei bett Präsidenten-Vorwahlen,
welch? in Nord-Dakota am 19. März
sw.'si'Wim LaFollette den
3tay'i: vi v- Roosevelt gewaltig auf's
Haupt. XLaFollette'S Pluralität über
Roosevelt und Taft tieträgt über
100,000 Stimmen, obwohl das Re
sultat genau noch nicht bekannt, und
die Pluralität wahrscheinlich sogar
12,000 bis 15,000 Stimmen betra
gen dürfte. Die südwestlichen Coun
tieS des Staates, immer starke Festen
der Stalwart-Republikaner, und in
denen Roosevelt persönlich gut be
kannt, gaben ihm kleine Mehrheiten,
aber es hat sich eben gezeigt, daß
selbst dort Roosevelt's Stärke weit
übe^ckätzt worden war. Wir können
roimich nicht begreifen, weshalb
SWtwart-Republikaner stir Roosevelt
stimmten, da sie zugleichbehaupten,
das dieser ein progressiver (wer lacht
da?) Republikaner sei. Thatsache ist,
die Stalwarts glaubten das Volk
Nord-Dakotas irre führen zu können,
aber der Ausfall der Wahlen zeigt,
das das arbeitende Volk diesmal we
nigstens seinen Hiriifa]tcit etwas an
stieg te. und den professionellen Poli
tikern einen dicken Strich durch die
Rechnung zog. Roosevelt's Nimbus
ist rasch im Schwinden. Kein Wunder
auch darüber, denn er hat in den ver
gangenen zwei Monaten allerlei
Schildbürgerstreiche verübt. Wenn
nun der Osten gewahr wird, das der
vergötterte „RcmHreitcr" tin Nord
osten itnl Westen an Beliebtheit ver
liert, wird cv mitRoosevelt's „Ruhm"
bald Matthai am letzten sein, denn
gerade im Nordwesten und Westen
des Landes vermuthete der Osten
Roosevelt's große Stärke. Diese
Rechnung also stimmt nicht mehr.
Einige der Mundstücke der Stal
warts in diesem Staate, znm Beispiel
Leitungen vom Kaliber des Fargo
Forum, Bismarck Tribune, usw.,
zetern jetzt zwar schrecklich, und be
haupten, die „bösen Demos raten" hät
ten für LaFollette gestimmt und da
durch sei Roosevelt so verhauen wor
den, aber dies ist eine faule Ausrede,
geradezu eine Unwahrheit, denn die
Berichte ziegen das (Gegentheil, und es
geht ans ihnen hervor, das die Demo
traten ruhig bei ihrer Partei blieben
und für (Gouverneur Btirfe als Prä
sidentschaftskandidat stimmten. Da
aber der Kampf unter den Demokra
ten gleich Null mar—es war nur ein
Kandidat im Felde—betheiligten sich
diese nicht sehr an den Vorwahlen.
So liegen die Dinge.
LaFollette wird in Wisconsin,
Minnesota, Süd-Dakota, Montana,
Jbccho. und vielleicht in einigen an
deren nördlichen und westlichen Staa
ten des Landes große Särke entwick
ein, ob gleichgroß wie in Nord-Da
kota, bleibt abzuwarten. Sollte aber
LaFollette auch in den mittleren
Staaten großen Anhang zeigen, dann
bat er gute Aussichten, die Nomina
tion zu erhalten. Roosevelt trat
nur in die politische Arena ein auf
Drängen oder gar Befehl der Groß
kavitalislen nnd Jnduslriefürsteu,
beim sie glaubten, das Roosevelt mit
seiner angeblichen Beliebtheit im Nor
den und Weilen des Landes, den La
Folltti'-- „Biibut" mit Stumpf und
Stiel ausrotten würde. Darin also,
haben sich die Herren verrechnet.
Die Multimillionäre, Induftriefür
fteit, Trusts undMonopole dieses Lan
des, sind gerade jetzt in einer fchlim
men Lage, nnd sie begreifen dieselbe,
wie immer, vollständig. LaFollette
ist ihr grimmigster Gegner, nnd den
wollen sie eben mit aller Gewalt und
um jeden Preis „feilt stellen. "Das
Unterhaus unseres Congresses ist
demokratisch, Im Senat geben die
progressiven Republikaner und Demo
kraten zusammen denAusichlag, wenn
sie vereint handeln-—und das haben
sie neuerdings recht oft gethan. Kein
Wunder, daß den Trusts nnd Mono
polen der Angstschweiß auf der
Stinte steht, denn sie sehen das Zei
chen an der Wand und wissen, daß das
Vols des Landes erwacht und nicht ge
sonnen ist, sich länger durch Raubzoll
aussaugen zn lassen. Um diese Zeit
müssen diese Herren alles aufbieten,
mit die Wahl eines progressiven Re
publikaners, oder eines Demokraten,
zum Präsidenten des Landes, zu ver
hindern, denn in diesem Falle würde
eine Zollrevision, diesmal aber „nach
nuten," stattfinden, nnd die Herren
Ranbziilliier würden nicht länger im
Stande fein, sich aus Kosten des ar
beitenden Volkes nnd der Farmer zu
bereichern. Dies alles sind Thatsa
chen, die sich nicht erfolgreich bestreiten
lassen.
Wir glauben sicher, daß Herr Roo
sevelt. wenn auch in letzter Stunde, zu
Gunsten Herrn Tast's zurücktritt, um
auf alle Fälle diesem die Nomination
zu sichern, und wir glauben ferner
ganz sicher, daß Roosevelt neuerdings
von den Geldfürfteu nur als Katzen
Pfote benutzt wird, um LaFollette's
Einfluß miter dem Volke zu brechen.
Wir glauben nicht, daß Herr LaFol
lette die Nomination bekommt, doch
mögen wir nns irren. Wir hoffen es.
Wir glauben aber sicher, daß die de
mokratische Partei dieses Landes ei
nen guten Mann als Kandidat für
Präsident nominirt, und daß in die
sein Falle die Wahl eines demokrati
schen Präsident so gut wie beschlos
fette Sache ist.
Speziell auf Nord-Dakota zurück
zukommen—wir schweiften etwas auf
national-politischem Gebtete—ist es
geradezu erstaunlich, wie wenig Stim
men Herr Taft erhielt. Es scheint die
Stalwarts hatten ihren Liebling ganz
und gar vergessen, und sie haben dazu
gar keine Ursache, denn Herr Tast hat
ihnen treu gedient. Fast bewährt sich
hier das Spruchwort von den Ratten
und dem sinkenden Schiff.—Ein
erbärmlich schlechter Charakterzug.—
Demokratischerseits war der Kampf
um den Posten des National-Comite
mannes mächtig entbannt, denn um
denselben rangen nicht weniger als
sieben Bewerber—alles einwandfreie
Demokraten bis auf einen, und dieser
wurde auch richtig weit hinter den an
deren zurückgelassen. Als Sieger
ging Herr John Brnegger, wohnhaft
in Williston, aus dem Ringen hervor,
obwohl dieser Herr erst sozusagen in
letzter Stunde auf Drängen seiner
Freunde sich nm dasAmt bewarb. Wie
bereits bemerkt, waren sechs der De
mokraten, die für denPosten auftraten
gänzlich tüchtige und gesinnnngs
treue Männer, und unter solchen Um
ständen ist es eben schwer zu wählen
und es wäre sich auch gleich geblieben,
welcher der sechs Herren mit diesem
Ehrnposten bedacht wurde. Herr
Bruegger, der Sieger, ist cht braver
Deutscher, mehr Geschäftsmann als
Politiker, wie alle unsere Landsleitte.
Die Thatsache, daß er nur kurz vor
der Wahl als Kandidat in's Feld trat,
und doch die höchste Stimmenzahl er
hielt, spricht lauter für Herrn Brueg
ger's Beliebtheit, als wir es thun kön
nen. Wir sind sicher, er wird diesem
Vertrauensposten und dem Deutsch
thnm Nord-Dakotas alle Ehre machen
Somit nun hätten wir ans politi
schen Gebiete etwas Ruhe, denn die
anderen Vorwahlen sinden erst im
Juni statt, abr diese dürste nur kurz
sein, denn der bevorstehende Wahl
kampf verspricht der erbittertste zu
werden, der je in Nord-Dakota ausge
sochten wurde.— Also werden wir
unsere Scheide blank halten, um vor
bereitet zu sein.
Aus Süd-Dakota.
Edmunds Eonuty.
Ipswich, 2. März.
Während ich diese Zeilen zu Papier
bringe, Haben wir einen gelinden
Schneesturm, aber es ist nicht t'ihr
kalt. Die armen Leute werden gewiß
alle erleichtert anfathmen, wenn trst
der Winter Abschied nimmt.
Seit dem 10. Jini: i°l 1, also etwa
acht Monate, bin ich in.it auch in
Amerika aber bis jetzt kann ich nicht
sogen, daß es mir bc'ovji'rs gefältl
v'!) bin u-tch schon 4. ii't alt '-nd
soll nun noch die englische Sprache
lernen, aber ich denke bis ich ev jo
weilt binge legen die Kauen Eier. In
Rußland hatte ich ein Haus und etwas
Land und habe in Ausübung meines
Handwerks meinen Lebensunterhalt
gefunden. Jetzt aber have ich nichts
mehr, denn meine Mittel hat die Reise
verschluckt. Zu Hause schaffte ich
mit Säge, Beil und Hobel und war
mein eigener Herr, und hier muß ich
mit Schanfel und Hacke arbeiten für
andere Leute. Mancher Leser wird
vielleicht sagen: Na, weitn es dir hier
nicht paßt, gehe wieder zurück nach
Rußland. Leichter gesagt wie gethan,
wenn man ohne Mittel ist. Es ist
schon so wie es gemeinhin heißt: der
Vogel tut Käfig will hinaus, und der
Vogel draußen mochte hinein. Wer
es gut hat, will es noch besser haben.
Das ist so der Welt laus. Wird mein
Schreiben aufgenommen, ist es mir
lieb, wenn nicht, kann ich mir das
Schreiben in Zukunft späten.(Na, hof
fentlich wird es Ihnen mit der Zeit
aber doch besser hier gefallen.—Red
Staats-Anzeiger.)
vsch habe eine Bitte an den Staats
Anzeiger und an die Leser desselben,
nämlich daß sie mir mittheilen, wo
Franz und Michael Haber lach sich
aushalten. In Nord-Datotci wohnen
sie. aber ich weis nicht wo. Beide
sind aus Kandel Südrußland gebür
tig. Ihr Vater heißt Joseph Haber
lach. Weiter sollte ich wissen, wo in
Nord-Dakota Georg Eisenzimmer sich
aushält. Bitte die Leser, mir, wenn
möglich, Auskunft zu geben.
Gruß tut meine Schwiegereltern
Valentine Gatter, Vetter Joseph Ha
berlach, Nikolaus Schmidt und Wen
delin Tascher in Baden, sowie auch an
Herrn Redakteur Brandt und an alle
Leser des Staats-Anzeiger.
Roscoe, 12. März.
Der liebe Frühling soll bald seinen
Einzug halten, aber bis setzt haben
wir noch immer recht kaltes Wetter.
Arn 20. Februar reiste Herr Johan
nes Hoffart nach Bismarck,in Nord
Dakota, nm sich knriren zn lassen. Er
war schon zwei Jahre krank, hielt sich
aber immer aus den Beinen. Am
Samstag, den 9. März, kam Herr
Hoffart wieder in Aberdeen S
kota an, wo ihn der Tod von seinem
Leiden erlöste. Der Verstorbene er
richte ein Alter von 40 Iahren und
hinterließ Frau und sechs kleine Kin
der. Gewiß ein schwerer Schlag für
die arme Frau. Er stammt aus
Mannheim Südrnßland und war
schon 12 Jahre in Amerika.
Grits an meinen Kameraden Lam
bert Latnrmns in Canada. Möchte
gerne wissen, was er treibt, was man
dort im Tagelohn verdient, und ob
man dort noch Land ausnehmen kann.
Hier in Süd-Dakota ist nichts mehr
zu haben und auch mit dem Verdienst
ist es schlecht, denn infolge schlechter
Zeiten kann man hier kaum sein Le
ben fristen. Die Farmer sind infolge
schlechter Ernten schlimm daran. Al
so, wenn dort noch Land zu haben ist,
bitte mir zu schreiben, dann komme
ich zum Spätjahr auch nach Canada.
Gruß auch an Johannes Hornstein
und an Eduard LaturmuS, sowie an
alle Leser des Staats-Anzeiger, hü
ben und drüben.
Konard Menzia.
Roseoe, 16. März.
Heute muß ich gleich zu Ansang
über drei Sterbefälle berichten. Jo
Hannes Hoff art, schon zwei Jahre
lang krank, fuhr vergangenen Monat
nach Bismarck in Nord-Dakota um
sich heilen zu lassen. Am 9. Marz
kam er nach Aberdeen, starb aber dort
im Hospital. Am Montag, denn 11.
März, fuhren Frau Hoffart, Peter
Heisler und Andreas Wolf dorthin.
Sie brachten den Leichnam hierher,
wo er zur letzten Ruhe gebettet wurde.
Eilt trauriger Fall.
Am 11. März erhielt Michael Ga
briel ein Telegramm, welches ihm
meldete, daß seine Frau Mararetha,
die besuchsweise bei ihren Eltern in
Venturta in Nord-Dakota weilte,
gestorben sei. Sie hinterläßt ihren
tiefgebeugten Mann und drei kleine
Kinder. Ob Frau Gabriel dort be
graben wurde, kann ich nicht sagen.
Gestern, den 15. März, fand man
Paul Betz todt in schient Bette liegend
vor. Am Abend vorher war der Ver
storbene noch gesund und munter.
Das Wetter ist heute etwas gelin
der und der Schnee wird immer weni
ger. Es ist aber mich hohe Zeit, denn
das Heit ist bald alle.
Gruß an den Leserkreis von
Sylvester Glatt.
Ipswich, 12. März.
Anfangs Februar hatten wir Thau
wetter, sodas der Schnee fast aller
verschwand, aber seither hatten wir
öfters Schneegestöber vitd strenge
Kälte. Wir Farmer sehen gerne dem
Frühjahr entgegen, denn Futter ist
knapp. Die Tonne (2000Pfd.) Heu
kostet jetzt $14, Futterwelschkorn 8
Cents und Saatwelschkorn gar von
$2 bis $4.50 das Büschel, das Heißt
50 Pfund. Vor etwa 10 Iahren
wurde in dieser Gegend so viel wie
kein Welschkont gebraut, aber ich den
ke dieses Jahr wird 10 Prozent des
Landes mit solchen bepflanzt werden.
Für Sauienweizen müssen wir Far
mer hier $1.25 das Büschel zahlen.
Gerste kostet von $1 bis $1.25 das
Büschel, Hafer von 50 bis 05 Cents
und Kartoffeln von $1 bis zn $1.25
das Büschel. Da ich gerade von Kar
totfelpreis berichte, sei bemerkt daß
ich vor einiger Zeit im Staats-Ai.zei
ger schrieb, daß die Kartoffeln im
Spätherbst zu 45 Cents das Büschel
verkauft wurden. Infolge des stren
gen Winters aber sind taufende Bü
schel Karloiftln erfroren, und des
halb sind sie io hoch in Preist' gestio
gen. Ein Korrespondent cus Auswich
er nob sich dagegen und meinte, ich
habe Unsinn geschrieben. Der Korre
spondent uutvnvivhm1 sich „Igna''.
Kostelfreiucr von Geordi". Natür
lich giebt es so einen Namen hier
nicht, und es ist wieder so (in Fall Ivo
ein Feigl'n! etwas Unheil auflisten
möchte, 11)::ut er es fertig bringen
könnte. W.'i.i nun ein folcher^Vichl
wirklich sein Li»! wilt im Staats
Anzeiger leu.!)* :t laisen, sollte er sich
iwlit hintv dein Schnapskrug ner
stecken. Nur immer schön den richti
gen Namen unterschreiben, sonst hat
die Korrespondenz gar keinen Werth.
Wenn Herr Redakteur Brandt mir
das Geschreibsel des Herrn zusenden
würde, glaube ich im Staudt zu sein
festzustellen, wer sich hinter dem
„Ignatz Kastel kr emer von Gregori"
versteckt. (Ist uns nicht möglich, so
gerne wir es thäten, denn die Korre
spondenz wurde längst schon vernich
tet.—Red. Staats-Anzeiger.)
Mariana, Tochter von Anton
Maier, reiste nach Nebraska, um die
Normalschitle zu besuchen. Es freut
mich immer, wenn ich sehe, daß unsere
Deutsch-Rußländer ihren Kindern
eine gute Erziehung geben. Dies ist
eine große Hauptsache.
Herr Joseph Schumacher hat eine
Geschästsreise nach Bristol, S. D.
gemacht, um einen Zuchtstier für sein
Rassevieh zu holcit.
Wendelin und Frau Kessled reisten
nach Aberdeen. Ihr sieben Monte
altes Kind wird sich dort im Hospital
einer Operation unterziehen. Es
leidet an einem Wasserkops.
Bei Adam Fischer hat sich die Fa
milie um eine Haushälterin vermehrt.
Nach der Enthbindung mußte sich Fau
Fischer einer Operation unterziehen,
die aber glücklich verlies.
Bei Johannes Schumacher hinter
ließ Freund Langbein auch eine Haus
hälterin und bei Ludwig Kremer einen
Stammhalter.
(Wir bestetigen dankend den Em
pfang von $3.30. Betrag wurde gut
geschrieben und alles besorgt.—Red.
StaatsAnzeiger.)
Sebastian und Frau Baer traten
eine Reise nach Roscoe an, woselbst
sie Frunde und Bekannte besuchen
werden.
Gruß an alle Korrespondenten und
Leser des Staats-Anzeiger.
Dampf Lacher.
Ipswich, 16. März
Mit betrübtem Herzen las ich im
Staats-Anzeiger vom 14. März die
Korrespondenz der Herrn Christian
Schwab und Joseph Braunagel aus
Wolkof in Südrußland, in welcher
Tod meines lieben Bruders Lorenz ge
meldet wurde. Noch kurz vor Weih
nachten habe ich an ihn geschrieben,
bekam aber keine Antwort, und weiß
nicht, ob überhaupt der Brief ihm
noch zu Händen gekommen ist. Da
Trauerkunde that mir unendlich weh,
aber ich hin meinen Freunden Schwab
und Brauuagel herzlich dankbar, daß
sie den Bericht dem Staats-Anzeiger
einsandten. Wieder kann man hier
sehen, wie werthvoll, ja unbezahlbar
der Staats-Anzeiger für uns ist, da
wir durch denselben über alles unter
richtet werden. In meinem Hause ist
nur bleibt der Staats-Anzeiger ein
lieber und willkommener Gast für
alles Zeiten. Zu meiner Freude habe
ich auch in derselben Nuimner gelsen,
daß Herr Redakteur F. L. Brandt, der
den Staats-Anzeiger durch schwereAr
bett zu dem machte, was er jetzt ist,
das Blatt nach Bismarck, Nord-Dako
ta vedlegen wird, wo er persönlich
wieder das Geschäft leiten wird. Ich
habe noch keinen Mann getroffen, der
nicht Herrn Brandt aufrichtig lobt.
Wir alle haben unbedingtes Vertrau
en in ihn und wir alle wissen, daß der
Staats-Anzeiger unter seiner persön
lichen Leitung weiter blühen und ge
deihen wird. Doch, dies itttr nebenbei.
Obwohl der Bruder schon jahrelang
krank, traf uns doch diese Trauerbot
schaft ganz unerwartet. Der Bruder
war sogar in Deutschland in der
Kneippkur, aber, wie es scheint, ohne
Erfolg. Der Bruder hat in diesem
Jammerthale überhaupt viel zn dok
tern gehabt. Seine erste Fran, mit
der er 12 Jahre glücklich lebte, war
viel krank und starb schliezlich, ihm
vier Kinder hinterlassend Später
verbeirathete er sich wieder mit einem
jungen Mädchen, aber ich weis nicht,
ob dieser Ehe Kinder entsprossen. So
wurden die Kinder in ihrem eigenen
Hanse zu Stiefkindern. Hoffentlich
wurden sie gut behandelt. Vor 19
Iahren waren wir noch alle sieben
Geschwister in Wolkof und anch die
Mutter war noch bei uns. Jetzt wolh
neu mir noch zwei in Wolkof— ein
Bruder nnd eine Schwester. Die an
deren wohnen weit auseinander und
suchen nach Reichthum und zeitlichem
Glück. Aber, unser aller Ende ist der
Tod.—Möge die Erde dem lieben
Bruder seicht sei—
Ich wäre int Voraus tuctitcuFrcim
dett in Wolkof sehr dankbar, wenn sie
mir Näh res über meinen verstorbenen
Bruder Lorenz mittheilen wollten,
entweder direkt brieflich, oder auch
durch den Staats-Anzeiger. Zwar
habe ich dort noch, wie gesagt, Bru
der und Schwester, aber sie schreiben
nicht. Wenigstens kann ich mich nicht
erinnern, je von ihnen brieflich ge
hört zu hoben. Ich habe doch noch
gute Freunde dort, wie znm Beispiel
Andreas und Johannes Wolf, die bei
de gute schreiber find. Doch nun muß
ich endigen, denn ich nehme zu viel
kostbaren Baum im Blatte in An
spruch.
Das Wetter hier ist gegenwärtig
sehr veränderlich uud die Wege find
rauh und fast unbefahrbar.
Samenmais (Welschkorn) ist hier
sehr theuer. Man bezahlt $3.50 bis
$5 das Büschel. Heu ist rar und kost
et $12 die Tonne (2000Pfd.), und
man muß es oft bis zu 25 Meilen
weit holen.
Gruß art alle Leser und an die Re
daktion des Blattes, und besonders an
Freunde in Wolkof Südrnßland.
Wir hatten soweit diesen Monat
recht mildes Wetter und der Schnee
ist ziemlich zerschmolzen. Oesters
schon hat es auch geregnet ittid somit
vergessen wir die schrecklichen Schnee
sturm und die grimmige Kälte des
gehabten Winters und blicken frohen
Herzens in die Zukunft, auf eine
reiche Ernte in 1912 hofsend.
Da die Nothund Mangel an Saat
getreide anch dieses Jahr hier wieder
groß, liefert das County wieder Saat
getreide, und zwar bis zum Werthe
von $65 auf den Mann. Wer mehr
braucht, kann bis zu $100 bekommen,
doch muß ein solcher Mann die $35
gleich bezahlen. Die übrigen $65 sind
zahlbar bis zum 20 Oktober 1912, zu
7 Prozent Zinsen. Giebt es aber
wieder keine Ernte, wird der Betrag
zu den ©teuern geschlagen, gerade wie
voriges Jahr auch.
Ich ersah auch im Blatte, daß sich
die Herren Kasmir Reiß und Anton
Mangold etwas in dieHaare geriethen
über de» Staats-Anzeiger. Nun, der
Staats-Anzeiger ist für uns alle eine
gute, lehrreiche Zeitung, und ein war
mer Freund, so viel steht nun einmal
fest. Eine ausschließlich katholische
Zeitung ist der Staats-Anzeiger nicht,
wie ja Herr Redakteur F. L. Brandt
schon oft deutlich genug gesagt hat,
aber der Staats-Anzeiger enthält auch
nichts wogegen Leute dieser oder jener
Konfession sich auflehnen könnten. Es
ist, kurz gesagt, eine treffliche Zeitung
für jede deutsche Familie, ohne Unter
schied des Glaubensbekenntnisses.
Noch nie hat der Staats-Anzeiger et
was schlechtes gebracht, wohl aber im
mer sehr lehrreichen und nützlichen
Stoff. Wer Zettungen ausschließlich
katholischer Tendenz lesen will, kann
es ja thun. Dasselbe gilt von Leuten,
die sich zu andererKonscssion bekennen.
Ich selbst lese neben dem Staats-An
zeiger eine Zeitung ausschließlich für
Kaththoliken geschrieben. Die beiden
Herren können es ja auch so machen,
und brauchen sich nicht gegenseitig et
was vorzuwerfen. Bei mir ist und
bleibt aber der Staats-Anzeiger ein
lieber Gast, den ich unter feinen Um
ständen entbehren möchte. Gar viel
wichtige und lehrreiche Nachrrichten
habe ich schon in demselben gelesen
und, ich kann es frei gestehen, der
Staats-Anzeiger wird voti mir be
vorzugt vor allen anderen Zeitungen.
Mit Gruß an die Leser allerseits,
und an die Redaktion, schließt für
diesmal
Ignatz Giesinger.
Date, 26. Februar.
Ich bin bis jetzt zwar noch nicht als
Leser des Blattes eingeschrieben, aber
dshalb lese ich den Staats-Anzeiger
doch und, sobald ich erst aus meinem
Platze festsitze, schicke ich den Betrag
aus ein Jahr und meine Adresse ein.
(Schon gut.—Red. Staats-Anzeiger.)
Ein gewandter Schreiber bin ich auch
nicht, aber wenn Herr Redakteur
Brandt etwas nachhilft, wird es schon
gehen.
Die Witterung ist hier so gut, daß
wir hoffen, die Prairie bald grün zu
sehen.
Bei meinem Bruder Ignatz brachte
der Klapperstorch Familienzuwachs
—eilten Stammhalter, am 4.Januar.
Am 2o Februar fuhren mein Bru
der Ignatz und mein Geschwisterkind
Johannes, abends in die Maiftub,
trotzdem meines Brndes Frau bat,
sie möchten doch lieber zu Hanfe blei
ben. Nun, die beiden fuhren ab. Ge
gen 11
Uhr nachts traten sie den Heim-
weg an. Unterwegs aber sahen sie et
was vor sich im Wege hernmfprtitgen.
Sie konnten nicht erkennen was es
war und geriethen schließlich in argen
Schrecken, denn sie glaubten sicher, es
ging nicht mit rechten Dingen zu.
Weil sie so arg fiel) ängstigen, beschlos
sen sie lieber umzukehren, aber das
mibefonntc etwas machte auch Kehrt
und sprang vor ihnen her. Nun
aber war die Noth groß und beide
-riefen laut um Hilfe, denn sie konn
ten sich die Sache nicht erklären, und
deichten sicher, daß sie diesmal ihr Le
be it lassen müßten. Wie bitter bereu
ten nun die beiden, nicht auf des Bru
ders gehört zu haben. Inzwischen war
die Frau meines Bruders Ignatz hin
aus gegangen, um zu horchen, ob sie
das Fuhrwerk nicht kommen hören
konnte. Da vernahm sie denn das
Hilferufen. In ihrer Äugst wußte
die arme Freut nicht was anzufangen
mir beschloß endlich zu mir kommen
und mich zu wecken und zu beuachrich
tigen. Also stand ich auf, zuendete die
Latente an und ging hinaus. Gleich
hörte auch ich lautes Geschrei und so
mit machten wir beide uns auf den
Weg. um zu sehen was in Gottes Na
men da los sei. Zur Sicherheit nahm
ich noch meine geladene Flinte mit
mir. Kaum näherten wir uns der
Stelle, hörte ich anch Ignatz laut ru
fen: Bruder, bist du es? Jawohl,'
sagte ich, das bin ich und deine Frau.
Na, brüllte Ignatz, Gott sei Lob und
Dank, das ihr kommt. Endlich bei
ihnen angekommen, frug ich, was
denn los sei. Ja, sagten beide, seht
ihr es denn nicht da vorne herum«
springen? Das paßt uns nicht und hat
uns zu Tobe geängstigt. Ich konnte
wirklich nichts entdecken, aber als ich
genau mit der Laterne hinleuchtete,
sah ich die Beschccrnitg: es war näm
lich die Katze des Johannes, die bei
den gefolgt war und vor ihnen her
sprang und vor dieser hatten sich die
beiden säst zu Tode geängstigt. Wir
traten nun den Heimweg an, aber die
beiden warn so verirrt, daß sie nicht
mehr wußten was Nord oder Süd ist.
Ignatz war der Schrecken dermaßen
in die (Glieder gefahren, daß er ziem
lich krank würd, aber jetzt ist er wie
der besser. Ich hätte über diesen Vor
fall noch ausführlicher geschrieben,
aber die beiden haben mich gebeten,
doch ja nicht alles zu schreiben, itttd
haben versprochen, mir ein ganzes
Faß Bier zu kaufen, wenn ich nur die
Hauptsache berichte. Na also, um ein
Faß Bier kann ich ja auch theilweise
schweigen, denn was ich berichtete ist
ja ohnehin genug' für die Leser und
Ignatz und Johannes werden sicher
für den Spott nicht zu sorgen brau
chen.
Gruß an meinen Schwager Joseph
Lesmeister, sowie an Heinrich Schiele.
Mein Freund Johannes „prust"
bis zum 25. März sein Land auf und
dann zieht er wieder nach Milbauf
zurück, wohin auch ich mich begeben
werde.
Nun, Ignatz und Johannes, nichts
für ungut. Das Faß Bier soll mir
gut munden.
Gruß an die Redaftion und an den
ganzen Leserkreis des Blattes.
Lukas Giefiinger.

German- American Publishing Co.
Herausgeber.
Entered as second-class matter
December 7, 1911. at the post
office at Devils Lake, North Da
kota, under tbe Act of March 3,
1S75
Issued Thursday of each Week.
Wendeliu Schmidt.
Jakob Adler.
Perkins County.
Date, 15. Februar.

xml | txt