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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, May 02, 1912, Image 3

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1
Aus Aufzland
Spczial Äorrcspandenz.
Emmenthol, Bessarabien.
23 Februar.
Vor ein paar Tagen hab«, ich mei
ne »i.'ditfertiguiig und bit: Zurück
weisung des persönlichen. Angriffs,
welchen Herr Michael Groß in Nuiu
ntcr 29. des Blattes auf mich machte,
an den Staats-Anzeiger eingesandt,
ob sie Aufnahme finden, bleibt ab
zuwarten- (-oft bereits geschehen.—•
Red. Staats-Anzeiger.) Vieles ha
be ich im Laufe eines halben Jahres
für den Staats-Anzeiger geschrieben,
aber niemals ließ ich mich zu per
sönlichen Angriffen hinreißen, weil
ich weiß daß solche von der Redaktion
nicht bewillkomnrnet und vielleicht in
den Papierkorb geworfen werden.
Ich habe aber bemerkt, daß die Redak
tion auch manchmal eine Ausnahme
macht. (Wir glauben bereits in vori
ger Nummer darüber genügend ge
sagt zu haben, und der geehrte Herr
Einsender wird wohl mm zufrieden
fein, und uns auch fernerhin mit Kor
respondenzen beehren, die, wir gesteh
en es gerne, uns stets willkommen
sind. Ter Herr Äorresponden ist
ei gewandter Schreiber und es geht
ihm eben wie vielen solchen: er wird
entweder gar nicht, ader gar mißver
standen. Also, Herr Dirk, schreiben
Sie nur ruhig weiter. Wir werden
darauf sehen, daß Sie in jeder Hin
ficht gerechtfertigt werden.—Red.
Staats-Anzeiger.)
Heute, den23. Februar erhielt
ich auch einen Brief von meinen
Kindern Eduard und Eugenia Richter
in Morton County, Nord-Dakota,
worin sie mir berichten, daß fie auch
den Saats-Anzeiger lesen, was mich
sehr freut. Sie übersandten mir auch
Michael Groß.s unverschämten per
fönlichen Angriff auf meine Perfon.
Ich will meien Kindern aber initthei
len, daß ich die schon gelesen hatte,
lange ehe ich ihren Brief erhielt, und
auch will ich bemerken, daß ich des
halb der Redaktion des Staats-An
zeiger nicht bäse bin. Vielleicht hat
te der Redakteur seinen guten Grund
den Angriff anzunehmen' )Na/es
freut uns daß Sie uns die Geschich
te nicht nachtragen und so einsichts
voll urtheilen. Wir hatten aller
dings Gründe, Michael Großs Korre
spondenz aufzunehmen.und wiefenden
Herrn gleich in derselben gebührend
in die Schranken, aber
diese Gründe waren nicht pekunia
ercr Natur, und es ha jetzt keinen
Zweck, sie zu nennen ,aber sie waren
berechtigt—so viel sei bemerkt—
Red. Staats-Anzeiger.) Es frent
mich daß soviel meiner Vewandten
und Freunde den Staats-Anzeiger
lesen, denn alle diesewisfen, daß
Groß.sAngriff auf mich nicht gerecht
fertigt ist und auf Lügenberuht. Das
ist immerhin eine Genugthuung für
mich.
Neulich starb in Emmenthal Herr
Johannes Seifert- Er hinterließ
eine Wittwe mit fünf Kindern.
Tie Witterung if warum bei be
deckten: Himmel, sollte es sich bald
aufklaren und Südwind geben
können die Bauer« Emde des Mon
ats mit der Ausfat beginnen.
Gruß an meine Kinder und an alle
Freunde hüben und drüben, sowie
auch an die Redaktion und an den
Leserkreis.
Romuald Dirk.
Special Korrespondenz.
Emmenthal (Bessarabien.)
6. März.
In Nummer 30 des Staats-Anzei
gcr las ich zu meiner Freude auch
eine Korrespondenz meines lieben
Freundes Philipp Seifert, welcher
mich auffordert, immer mehr auf der
alten Heimath zu berichten. Nun.
ich denke ich habe das seither gethan
und es geschah gerne. Ich hoffe, daß
Herr Redakteur Brandt meine Recht
fertigung annimmt, und meit« so,
werde ich wieder korrespondiren und
mich nicht durch Ehrabschneider irre
machen lassen.
In Nummer 30 schreibt wieder
derselbe Korrespondent (es wird wohl
kein anderer sein), der mich Person
lieh angriff. eineOieichichte über einen
Mann, welcher in Emmenthal eine
Wittwe geheirathet habe, welche
eine Lassa befaß. Ter Mann, der
diese Wittwe vor sieben Iahren hei
rathete, ist Joseph Reiß, und der ge
fühllose Korrespondent, welcher die
sandte, und über Joseph Reiß schrieb
der ein Barver und ehrbarer MJtrnn
ist, schämte sich nicht, anstatt einen
eigenen Namen, den des Joseph Reiß
unter die Korrespondenz zu setzen.
(Tos aber könnten wir unmöglich
mitten denn der Name des Mannes
welcher dieWittwe ehelichte, war nicht
genannt und da Herr Joseph Reiß
must Leser des Blattes iit nahmen wir
inatürlicki an. er habe die Korrespon
denz gefdhrieben. Was anders sonn
(ten wir denken? Natürlich, ein
jMensch, der Korrespondenzen ein
Sfendet. ?fimriff auf andere Leute
jfmntfit, und dann den 9?nmpn eines
.andern Mannes unterzeichnet, 'tat!
seinen eigenen ist ein er
zärmlicher Wicht.—Red. Staats
Anzeiger') Es thut mir
reii
wegen
Herren Reiß, daß die Korrespondenz
erschien. (Jawohl, auch uns.—Red.
Staats-Anzeiger) Ich habe schon
früher bemerkt: Wer keineScham. hat
auch keine Ehre.
Gruß allerseits von
Romuald Tirk.
Spczial Korrespandenz.
Baden (Eherson)
25. Februar.
Ich denke die Reihe des Korrespon
diren ist wohl wieder an mir.
Bergangene Woche erhielt ich den
Besuch des Herrn Jakob Huber aus
Linton Nord Takota. Ja. das Herz
im Leibe lacht, wenn man wieder
einmal mit Jemanden sprechen kann,
der ans dem freien Lande Amerka
kommt, wo auch ich etwa drei Jahre
lang verweilte- Nun, wir verlebten
einige recht fröhlike Stunden mitf
einander. Auch Herrn Huber,s
Schwager, Herr Mathias Wicken
Häuser, war unter uns. Herr Wicken
Häuser ist ein sehr bescheidener Mann,
und er stellte natürlich gleich
inehrereFragen an uns wegen Amer
ika. Also holte ich sogleich die schönen
Landkarten welche der Staats-Anzei
ger seinen Lesern als Prämie ver
ehrt und diese leistete uns vortreff
liche Tienfte, denn ich weiß noch im
mer wo dieser oder jener von unseren
Badenern wohnt. So zeigte auch Herr
Huber seinem Schwager ganz genau
auf der Karte die Gegend in welcher
Herr Peter Wickenhäufer, Bruder des
Mathias, wohnt uud wir verlebten
gar genußreiche Stunden in angereg
ten Gesprächen. Natürlich wurde
auch vom Staats-Anzeiger gesprochen
denn das ist ja unsere Liebbiatt,und
Herr Huber versprach, seiuem Schwa
ger den Staats-Anzeiger zusenden zu
lassen sobald er wieder zu Hause an
klangt ist, Herr Huber verabschie
dete sich schließlin von mir, um {ich
an anderen Morgen wieder nach Pon
jatowka zu begeben, seines Vaters
Heimath. Herr Huber theilte mir
mit, daß er am !. März gedenkt die
Reise mich Amerka wieder anzutreten,
menu sich das Befinden seines Vaters,
•er krank ist, bessert. Sollte sin.
sei» Zustand ober verschlimmern,
so werde er noch länger in Rußland
bleiben. Ich wünsche Herrn Huber
glücklike Reise.
A iit Montag dieserWoche wurde bei
uns das Land verstorbenen Martin
Staus auf ein Jahr vermiethet. Es
find im ganzen 24 Tessjatin, welche
um die nette Summe von 708 Ru
bel vermiethet wurden. Ta kann
man sehen, wie der arme Bauer
bei uits beste»lt ist, wenn er 29 Ru
bel
r.o
Kopeken für eine Dessjatin
zahlen muß.
Gestern de« 24. Februar, wurde
hier ei« Handel abgeschlossen, indem
Franz Joseph Schlosser jung feine
iegeifabrik an Herrn Philipp
Fischer Sohn des verstorbenen Ma
thias Fischer, für 10 Rubel verkauf
te. Viel Glück Philipp.
Roman Hauer kaufte sich zwei
Pferde für 447 Rubel und somit
können die Amerikaner sehen, daß
auch in Rußland die Pferde theuer
sind.
Unser Badener Bauerverein kaufte
eilte neue Häckselmaschine, welke be
reits in vollem Gange ist. Auch hat
die Semstwo dem Verein einen glicht
lutgit gestellt. Terr Portheil der
Mitglieder des Verein iit der. daß
ei Mitglied nur 75 Kopeken für jede
Stute zahlt, während Nichtmitglieder
einen Rubel zahlen müssen. Für
Gebrauch der Häckselmaschine zahlt
ein Mitglied 50 Kopeken auf den
Tag. Nichtmitglieder zahlen dafür
drei Rubel.
Gruß an alle meine Freunde und
Bekannten.
Nikolaus Leopoldus.
Nachtschrist: Ich hatte gerade
den Brief geendigt und war tief im
Lesen eines Buches versunken, als ich
auf einmal den Zuruf vernahm.
„Hallo, Nif." Ganz verwundert
schaute ich mich um und dachte bei
mir: du bist doch nicht in Amerika?
Hier hört man doch nicht das wohl
lingende Hallo? Ich hatte mich auch
nicht betäuscht, denn ich hatte wirk
lich einen Amerikaner vor mir, aber
der Herr war mir unbekannt. Ich
frug also den jungen Mann nach sei
nem Namen wo er her kommt, und
was sein Besuch bei mir bedeuten
soll. Tie Antwort kam: Mein Nome
iit Franz Klein, besuchshalber seit
August in Rußlond. Er erzählte
mir von Aberdeen Süd-Takota, wo
er wohnhaft war. und übermittelte
mir auch herzlich Gruß von Herrn
Brozel aus Aberdeen, Süd-Takota.
wofür ich Herrn Klein sehr dankbar
bin. Na, gleich daraus klangen un
sere Gläser, gefüllt mit weißen Wein,
zusammen auf das Wohl des Herrn
Brozel. Später erzählte mir Herr
Klein daß er in Amerika feine Frau
durch den Tod verlor. Er kam nach
Rußland, sich liier eine Lebensge
fährten tu wählen und war darin
auch erfolgreich. Herr Klein lud
mirii ein, die Rene nach Amerika mit
zumachen. Ich hätte es gerne ge*
Der Staats-Anzeiger. Bismarck. 9?r D'. bett 2. Mai.
than, aber der Krankheit meiner lie
ben Mutter wegen mußte ich ab
schlagen. Ich theilte Herrn Klein
aber mia daß Herr Huber am G.März
die Reise nach Amerika zu machen
gedenke und Herr Klein theilte mir
mit, daß sie, wenn möglich zusam
inen reisen würden. Mit einem fröh
lichen ..Good night" (Gutenacht)
reichten wir und die Hände zum
Abschied.
Ta ich dem Brief doch nicht am
obengenannten Tatnin schließen
konnte will ich noch zum Schluß noch
bemerken, daß heute den 27.Februar,
Eilsabeth Mafsini, Freut des 'Joseph
Massini alt, das Zeitliche segnete.
Spczial Korrespandenz.
Elsaß (Eherson)
27. Februar.
Ta ich doch auch ein Leser des
Blattes bin, fühle ich mich verpflicht
et. auch einmal eilten Bericht .in den
Staats-Anzeiger zu senden' Ich
lese dieses Blatt schon seit dre'. oder
vier Jahre, und werde es weiter lesen
so lange Gott will. Im Falle es mei
ne Verwandten Joseph Welter und
Ehristian Merk in Sask' Ear.ito für
mich es nicht mehr bezahlen, bitte ich
die geehrte Redaktion, das Blatt
ohne Abriß weiter an mich zu senden,
denn in diesem Falle werde ich das
Geld, vier Rubel, selbst einsenden.
(Schon gut. Es wird in der Zusen
dung also feine Unterbrechung statt
finden.—Red. Staats Anzeiger.)
Vor allem möchte ich meinen lie
ben Verwandten und Bekannten zu
wiseu geben daß meine Frau Melonia
geb. Kistner, schwer krank war, so
daß bereits jegliche Hoffnung aus
gegeben hatte, Zur Einweihung der
neuen Orgel am 17. Tezeinber kam
en auch meine Freunde Martin
Streife! Feltr Engel und Adam Laut
aus Straßburg nach Elsaß' Wir alle
freuten uns des Wiedersehen und,
las sie auch nach der Base Melon
in erkundigten, sagte ich ihnen, daß
sie schwer krank darniederliege. Sie
gingen gleich mit mir nach Hause und
sahen daß eS wirklich schlimm mit ihr
stand. Sie riethen mir dringend, so
bald wie möglich eilten Arzt zu Rathe
zu ziehen. Später begaben sie sich
in die Schule in welcherAdant Laufs
Neffe
cils Lehrer thätig ist und da
trafen sie zu allen Glück den Selzer
Toktor S. TickotSky, der hier die
kranke Lehrer iit Fr. K. Stein be
suchte. Sie schickten ihn nach mei
nem Hait'e. Er fand den Körver
meiner Frau ganz geschwollen, und
erklärte, daß Wassersucht vor der
Thuere stehe, versprach aber„ihr
gute Medizine zu sänken, welche sie
von dem Leiden befreien werde. Und
so kam es wirklich. Nach mehrmali
gem regelmäßigen Verbrauche der
Arzenei verspriichte de Besserung, b's
sie endlich ganz von der demLcideit
befeit war. Ta bin ich natürlich
meinen Freunden und auch deinHerrn
Toktor viel Tank schuldig.
Heute verging vonOberschnlzen Ni
ckiael Schneider in Mannheim der
Befehl, daß von nun au vor den
Mauern einec- jeden Hauses Bäume
gepflanzt werden müssen, und man
sieht jetzt fleißges Graben die ganze
Straße hindurch. Tas ist sicher eine
gute Verfügung, auf welche ich schon
zwanzig Jahr lang gemästet habe.
Nim möchte ich auch etwas von
unserer neuen Orgel erwähnen. Sie
bestellt ans zwei Manualen mit 24
Registern und Trucksiiopfeit, ohne die
verschiedenen Koppeln. Im Ganzen
hat sie 1525 Pfeifen ist das Werk der
Orgelbauer Bach und Sckmat in Ode'
so. Ter Preis beträgt 5100 Rubel.
Zur Erheiterung der Leier möchte
ich zum Schluß eine Begebenheit be
richten, welche sich iit unserer Geaend
zugetragen haben soll. Acht Werst
von hier, in der russischen Kolonie
Kolontnijekwa wollte vor drei Jah
ren ein Russe nach dein Bazar in Sel'
fahren. Er be'an frrei Wagen von
denen aber zwei schlecht und untaug
lich geworden waren, und deshalb
wollte er den neuen benutzen. Als
zog, bemerkte er. daß eine Truthenne
auf demselben Eier ausbrüten wollte.
Nun war guter Rath theuer. Er
wollte mit dem Wagen mch dein Bit
zur fuhren aber auch die Eier nicht
zugrunde gehlassen' Ta nun bei
den Russen e5 mode ist. daß auch
ihre Weiber immer mit fahren, so
nahm er die Trulhenn.' I ..ütvr, und
feine Frau mußte sich auf diu ier
setzen. Nun ging es K- «Vi dem
Bamr. Tort angekommen, lmtfstv
natürlich die Frau aus den Eiern
sitzen bleiben, denn sonst gingen sie
ja zugrunde, während der Mann
fortging feine Einkäufe zu besorgen.
Als er zurückkam, brachte er ihr ei
nen Schkalik Schnaps, aber die Frau
war damit nicht zufrieden fondern
verlanate auch noch einen Kalatich,
das firiH Weißbrot. Ter Mann war
schon tüchtig angeheitert und mim
dann auch fort, um der lieben „Hen
ne" eilten Kalatich zu kaufen. Un
terdessen trank dieFrau denS-5mamps
und als d-mn der Mann dasWeißbrot
brachte, ließ iie es sich out munden.
Nun sollte es her Hcvvntfi •Mt,p%n
und. „selig" wie sie waren fuhren
sie von Selz weg. Unterwegs ober
schlief die Frau, von dem Geiste des
Alkohols stark angegriffen ein,
und—zerdrückte die Eier. Ta er
grimmte der Mann und warf die noch
ganz waren Eier der Fron auf den
Buckel. Tann warf er die „neuarti
ge Truthenne" auf dem Wagen mtd
band sie am Hintertheile desselben
fest, da sollte fie Buße thun und den
Weg zu Fuß machen. Als sie nach
Elsaß kamen machte der Russe hier
Halt, ging fort und besorgte feine
Gefchäfte. Währenddeffen aber band
itch die Frau loS uud ging ihrer Hei
math Kolonknijewka zu. Wie es
dem Russen noch ergangen ist, kann
ich nicht fagen.
Ich möchte auch noch bemerken,
daß hier eine neue Schulzenwahl
vorgenommen wurde. Ter alte
Schulze hat abgedankt und an feine
Stelle trat Konrod Schnell.
Vergangene Ostern mar Karl Wel
ter ans Teutschland bei mir auf Be
such, und ich habe mich entschlossen, in
meinen alten Tagen auch noch eine
Reise nach dem Auslande zu machen.
Ich persönlis habe diesen Bericht
nicht geschrieben, denn ich bin schon
ziemlich alt, sehe schlecht und bin
in Schreiben wenig geübt. Ich bitte
Herrn Redakteur Bradt diesen mei
nen ersten Bericht nicht in den Pa
pierkorb wandern zu lassen. Freund
lichen Gruß on ihn, an meine zwei
Schwestern. Tochtertitoim Welter und
Enkel Ehristion Werk und on olle
Bekannte und Leser dieses Blattes'
Peter F. Ebertz
Spczial Korrespondenz.
Ekmanski (Eherson)
28. Februar.
Zwar ist es heute sehr n'blig Ur
zum Schreiben kann ich doch genügend
sehen.
•sunt ersten freundlichen Gruß art
Herrn Redakteur Brandt, und ich
möchte wiffen, ob mein Sohn das
Blatt für mich bezahlt hat. denn ich
habe im Blatte nicht darüber gele
sen. (Nein, Ihr .5err Sohn hat
das Blatt noch nicht bezahlt- Tos
Abonnement lief bereits ab und wir
'verden Ihren Nanten streichen iniis
ü'it, wenn der Solm es nicht wieder
bestell'—Red. Stoots-Anzeger.)
Ter Schnee ist bei uns verschwun
den, und wir hoben schon seit zehn
Togen Nebel. Sobald wir aber ein
paar Tage Sonnenschein bekommen
far,it diè Aussaat beginnen. Wir
hatten viel Schnee und einen milden
Winter, nur iit der ersten Holste deo
Kalinor waren die Feiv'ter gefroren.
Mit den Brunnen find wir fertig
Tent Uebernehnier haben wir sein
Geld gegeben, nur Fuschers Antheil
in Mannheim haben wir abgerechnet.
Ter Brunnen kostet uns 105 Rubel.
Es ist schon etwas Wasser darin, aber
da das Wafier sehr hell, sieht man
bis auf den Boden.
Min soll nicht zu vereilig sein—
Am 4. Februar bekam ich Nochricht
von der Post, dort 5 Rubel 70 Kope
feit Geld zu empfangen, welchen dort
viir mich angekommen war. Also
sichren ich und mein Tochtermann am
Samstag zur Post nach Rosdelnajo
aber wir bekamen zu spät. Tie Post
mar geschlossen und wir erhielten da-:
Geld nicht. 'Ich war der Meinung
daß dieses Geld mir meine jüngste
im Spätjahr an Georg Schitrinonn.
in E a na da verheivot(iete, und sie da 5
Geld sandte, damit ihre Geschwister
sich einen kleinen Schmaus hier Uta
che« können, weil ne ja nicht mr
Hochzeitsfeier kommen konnten. Nim
da mir das Geld nicht bekommen war
guter Roth theuer. Morgen, dach
ten wir. ist Sonntag und Fastnacht.
Also mußten wir doch etwas gutes
zu trinken und zu esfen haben und
mitnehmen. Gedacht, gethan. Gleich
auf dem Heimwege wurden mein
Sohn und zwei Tochtermänner an'
Montag zil dem Schmaus eingeladen
denn das Nöthige hatten wir ja ein
gekauft. Alfo hoben mir *M'oiitag
abend mit der Hochzeitsfeier begon
nen, welche bis 3 Uhr TienStagmor
gen dauerte, und wir verlebten bei
Gesang und Tanz gor fröhliche Stun
den. Um 10 Uhr morgens am Diens
tag war ich schon nur der Past aber—
dos Geld hatte schon ein anderer er
holten, nämlich Benedikt Mutier von
Kaichor, und ich heiße doch Wendelin
Mayer. Tos Geld und noch mehr
dazu, wurde bei mir verzehrt. Dar
um nun bitte ich meineBekannten und
Freunde, wie auch die des Benedicts
Mayer, in der Leitung Mannt zu
neben, wer dos Geld sandte dornst
wir wissen wie wir daran sind. Ich
aber will mir diesen Vorfall zur
Warnung dienen lassen, und in Zu
kunft nicht dos Geld verzehren, ehe
ich es in der To sehe Hobe.
Iofevli Grün stein er beschäftigt sich
mit Viehhüten und arbeitet auch mit
unter im Tonefosm. So begob es
'ich ho er in Kleinnendorf eine Heer
de übernommen hatte, bei einem
^?o»ne Frucht^meitfen musste
n stein er fr "trat die Stühe, nm
9*Vfer 1" trinken, -r bemerkte eine
Kofre, weiche iiif fcpi* k lVjii. v,ih
auch Pfeffer Wachtel welche auf dem
dnvn Fenster To o^'ode nie
in der Stube war. streute er
der Kotze etwas von dem Pfeffer un
ter den Schwanz und ging dann ruhig
an fein Arbeit Schließlich kam der
Mann nach Hause, und hörte die
Katze jämmerlik miau, miau, schreien.
Ter Mhitn öffnete ihr die Thnere,
ober statt hinauf zu gehen, sprang die
Katze an der Wand in die Höhe' To
bet sah sich die Kotze im Spiegel,
sprang gegen denselben, der Spiegel
fiel herunter, und 28 Rubel waren
hin. Ter Mann rannte schließlich
aus dem Hanse und machte Lärm,
denn er wußte nicht wos der Kotze
fehlte. Es kanten 20 bis 30 Mann
ait. Tic Kotze sprang auf das Bett,
und der Mann griff zur Flinte und
fchoß durch das Fenster die Kotze
todt. Also mußte mit Wasser gelöscht
werden. Solche Kunststücke macht
I
Grünsteiner.
Jetzt kommt wieder das Graben
und Baumsetzen an die Reihe, worii
berich früher schon berichtet habe. Wir
mußten dieses Frühjahr für jedes
Pferd vier Fuhren Lehm und Sand
zum Bauen führen. Für dieses Jahr
aber müssen wir uitseheit Herrn Ba
ron lieben weil er uns nun ohne An
spruch Geld leiht. Wir hotten uns be
klagt, daß uns viel Viehweide liegen
bleibt, die uns nichts einträgt. So
mit schrieb er, dos er jeden soviel
ld als er Vieh {w ulv für
Weide, leiht, und zwat zu einem Ru
bel Zinsen auf's Hundert. Tos ist
gewiß gut für die Leute.
Nun will ich auch noch bemerken,
dos ich vom 50. bis zum 70. Le
benfpahre ohne Brille nicht schrei
ben och lesen konnte, aber seit schon
zwei Iahren brauche ich keine Brille
mehr.
Gruß an meine Kinder Anton
Malier und Familie, Franz Kirchae
'flor und Familie in Aberdeen. Eüd
Takoto, Joseph Mayer und Familie
in Eohlenz, Sask. Eonodo Georg
und Eli'abetHo Schnrntonn in Ten
zil, Sask', Canada, an Binder Peter
in Schoolimade, Nord-Tafnta, an
Schwager ikolaus Riehl und Familie
in Blackstown, an Ludwin Vöth und
Familie, an Schwager Anton Roth
und Schwester Theresia, an nffr
Wandler tu Amerika, und an alle Le
ier des Staats-Aineiaer.
Weiideliit Mäher.
1
5"
I VlIIlP ifti."
Cushion Schuhe
sind äußerst bequem
Mayer „pernio Cufsjton"
Sc u e s i n e i n e W o a
empfindliche Füße, die schnell
schmerzen, brennen uud ermü
den. Tie biegsame, ^epolsteriâ
Sohle ist so gesamt, daß iic sich
rcr Fußsohle anschmiegt, sie
hemmt die tmrd, Gehen verur
sachte Erschütterung und Hält
Feuchtigkeit fern, so daß der
ftuß im Sommer kühl und im
Linter warm ist.
Ö ChoQ Co.
Mllwaukee.VVis.
k
für Männer t*»t Frauen
in einer rcicfjOaliigcit Auswa',!
modischer g-.ormcu elegant,
kleidsam iv.iö bequem.
Achten Sie a: tie Mayrr
Bi!)ithmnric in der Sohle.
2lcun... Händler sie nicht
führt, schreiben Sie uns. Wir
fabrizieren ferner Mayer „Ho
luu'bilt" Schufte für Männer,
Avaitcn und Kinder, barunivv
»lchiktt
©ieaufbie
ediiiémarfc
In
der Sohle
3.
pom Rückgang der Bienenzucht
uuD Dctfcii 5!l,sahen.
Die Bienenzucht befindet sich heute
auf einer ipoge, auf tier sie fr ich er nie
l'taiti), denn 'Heute ist 'der Imker in
der Lage, jeden abständig geworde
nen Teil eines Volkes, sei es der Bau,
sei es die Königin, sei es der ÜHiitwt,
zu ersetzen. Ein Bienenvolk in 5er
HanO eines tüchtigen Züchters ist
da.«er sicher vor Tod und Verderben.
Trotzdem nun 'die Bienenzucht auf
dieser Höhe steht, gâ)t sie zurück.
Zeugnis davon geben -bie vielen klei
nen Bienenstände auf dein Lande.
Früher, vor etaua 15 bis 20 Jah
ren. war. das anders da stand die
Bienenzucht in hoher Blüte, auch wo
in Sti'ohkörben geimkert wurde.
Jahr für Jahr gab's, namentlich im
Herbst, wenn die Kor'bvölker geschnit
ten wurden, Honig in Menge und zu
billigen Preisen. Uno deshalb Hielt
sich fast jeder, der den nötigen Platz
Hatte und nicht allzusehr den Stachel
der Biene scheute, gern einige Korb
stocke, die ihm 'den Bedarf an Honig
lieferten. Ter Anfang touröe ge
wöhnlich mit einem Borschwarm ge
macht, der nicht nur seinen Winterbe
borf eintrug, sondern noch so viel
Honig o»bgab, daß die Ausgaben für
Korb und Schwärm gedeckt waren.
Fshljcchre gab's feilen, da WalÄ und
Feld den Bienen Nahrung in Ueber
fluß boten. Man erntete damals mit
den billigen Strobkörben mehr Ho
nig als heute mit 'den teueren Kastm,
weshalb denn auch 'der Korb bei der
Lanldbevölkerung allgemein als die
beste Bienenwohnung galt. Er war
billig. Ter Betrieb erforderte wenige
Geräte und nicht viel Zeit. Dem
MobÜli.infer, der sich eingebender mit
der Bienenzucht befaßte, brachten fei
ne Völker meistens so viel ein, daß et
gut davon leben konnte.
Allein die Trachwerhältnisse ver
schlechterten sich allmählich. In den
Wäldern wurden die Heideflächen
aufgeforstet, die Haselnüsse urid Sal
weiden ausgehalten, ans dem Felde
Treschläikder nwd Brachen unter den
Pflug genommen, Raps. Weißklee,
Inkarnat, Esparsette immer weniger
angebaut. Hederich nnd andere Un
kräuter ausgerottet. An Stelle des
Weißklees trat der Notklee, der von
den Bienen nicht beilegen wird, weil
feine Bliitbenröbren zu lang sind.
So entstanden immer größere Tracht
pausen, die Bienen schränkten in Fol
ge dessen die 'Bniteneiigung ein und
gingen in der Stärke sehr zurück.
Trat dann gute Tracht ein, so waren
die Völker nicht stark genug, fie gehö
rig auszunutzen, mtd das Resultat im
Herbste war: viele Völker, aber wenig
Honig! Ta man aber Honig ernten
wollte, so ging's ans Ausstößen, oft
in solchem Umfange, daß aiir ein
paar Völker bestelln blieben, und da
diese in der Folge auch zu wenig ein
brachten, so gab man die Bienenzucht
ganz auf. Viele Mobilimker machten
eS ebenso. Sie fütterten zwar an
fangs in Trachtbansen, mußten ab.'r
bald einsehen, daß der Ertrag zu der
aufgewandten Mühe nnd dem Futter
in feinem Verhältnis mehr stand.
Zudem gingen in jedem Winter viele
Vöilker an der Ruhr zugrunde.
Zum Zweiten ist an dem Rück
gange der Bienen die Tatsache schul'd,
daß es der Fälschungskunft gelungen
ist, künstlichen Honig herzustellen,
der chemisch nicht von reinem Bienen
honig zu unterscheiden ist. In seinem
rohen Zustande ist der Kunsthonig
febr leicht durch den G?fchmack yt er
kennen. Aber dieser Unterschied im
Geschmack wird verldeckt durch Beimi
schnng von geringwertigen Honigen.
Dieser Kunsthonig wird mit der größ
ten 'Dreistigkeit unter jeder Garantie
als echter Bienenhonig zu Preisen
angeboten, zu denen überhaupt kein
echter Honig geliefert werden kann.
S e n n a a e i k a n i s e
Rezept zu bereiten. Man neh
me u2 Pnlitd gestoßenen Senfsamen
und 2 Urnen Zucker nnd feuchte bei
des. zusammengemischt mit etwas
kochendem Eisig, an, reibe es eine
ftasfie Stunde mit einem hölzernen
Löffel, lasse es hierauf bis utm völli
gen Anquellen eine Stande lang
stehen, rühre dann 'o'nel Enia hinut,
als notwendig ist und bewahre den
Senf in einem fest vT'tfiloffevpn
Mase oder steinernem Tovfe. Ge
mahlener Ohrdomon mid Nelken
sonnen als Gewürz hinzugesetzt wer»
Wie kommt es,
daß so viele Krankheiten, welche augenscheinlich der Geschicklichkeit 6ev
ruhmter Aerzte getrotzt haben, dem beruhigenden Einfluß
eines
fachen Hausmittel weichen, wie
W
Weil er direkt an die Wurzel des Uebels, die Unreinigkeit im
Blut. geht. Er nt aus reinen, Gesundheit bringenden Wurzeln uttb
Krautern hergestellt, und ist über ein Jahrhundert lang im Gebrauch
gewesen, lange genug, um seinen Werth gründlich zu prüfen.
Er ist nicht, tote andere Medizinen, in Apotbe'-n zu haben, sondern
den Leuten direkt geliefert durch die alleinigen Fabrikanten und Eigenthümer.
ein«
toitb

Nikolaus Leopoldus.
Merit ,!)itl e
und Malier
„Martha Wash
ington Corns
fort" Schuh?.
E. M&ycr Boot
DR. PETER FAHRNEY & SONS CO.,
19-25 So. Hoyne Ave.. CHICAGO, ILL.

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