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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, June 20, 1912, Image 2

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2.
4++++++40
I Aus Ruhland. I
5s •$•+*++**•$•+*•$*+++++•fr+++++4,40
111* fRftidlttlttd*
Unsere Leier in »'utUan
können den Ialircsl'elrag
für da? Platt foder Rudel unter ^uidiltifl der
Verlandlkoüen bei unteren Sorrcipcnbenten einzah
len, welche berertitiqt sind. Weiter hir uns au taiiiren.
tie gnrälilte Prämie wird ihnen bann vroiiivl zuqe
fonb't. yettelhmflrn auf oder Zahlungen für daS
Blatt sonnen jederzeit flcmaât werden, denn wir
nehmen Bestellungen jederzeit entfielen. Heute alio,
welcde ba-i Blatt in »iufüaitd bestellen wollen, möfien
sich fletroft an unsere Korrespondenten dort wenden.
Wir erlassen diese Ankündiqunq. um den Leuten dort
vie Sache wesentlich zu erleichtern.
i e e s s u n
Das Schicksal des Kvlonlstengesctlcs.
Einer Meldung nuv Pch'rvlmrg
zufolge lint der Minister deo vitnern
das 6iesetzprojekt, das gegen die deut
schen .Kolonisten im Wolhynischen,
Kij ewschen und Poloischen Gonverne
ment gerichtet war, zurückgezogen.
Die deutschen Kolonisten der genann
ten drei Gouvernements tonnen setzt
erleichtert ausathiueu, der erste An
schlag des unduldsamen Nationalis
mit* ist mißlungen. Stolvpiiis Po
litis war in den letzten Jahren seiner
Ministerpräsidentschaft ganz und gar
in das Fahrwasser derjenigen Schrei
er gerathen, die den Ruf ausgegeben:
„Rußland für die Russen." Jetzt hat
sich das Ministerium Kokowzews der
anlaßt gesehen, das vielumstritteue
Kolonistengesetz zurückzuziehen, also
gleichsam dem Stokipinschen Kurs
Zügel anzulegen. Das ist sehr bemer
kenswerth.
Wird niait aber in dieser That de?
Ministeriums Kokowzews einen wirk
lichen Umschwung in der Ansicht der
höheren Kreise über das deutsche Kolo-
nistenthuln erblicken dürfen? .?at sich
wirklich die Ansicht Palm gebrochen,
das der deutsche Kolonist ein ruhiger
staats- und kaisertreuer Bürger ist?
TaS läßt sich jetzt noch nicht bestimmt
behaupten. Täuschungen dürren wir
im* indessen nicht hingeben: wir wol
len, wie bisher, unsere Pflichten Kai
ser und Reich gegenüber gewissenhaft
üben und ruhig die Ereignisse abwar
ten. —z.
(5!saf?, den Mai 1012. Kr.
Odessa. Am 20. April gingen unsere
Schnltinder zu ersten hl. Kommunion
Tie acut verlief in schönsterOrdnuiig.
Um ungefähr halb acht Uhr venam
melten sich die Kinder in der Schule,
wo sie sich unter strenger Aufsicht der
Lehrer befanden. Gegen halb nenn
Uhr wurden fie mit Prozession in die
Kirche abgeholt, In der Schule wur
de ein fünfstimmiges „Veni Creator"
gesungen, irnd auf dem Wege zur
Kirche „^aßt die Kinder zu mir kom
men. In der Kirche angekommen, be
stieg P. .virsch den Altar und hielt
eine ergreifende Rede an die lieben
Kleinen. In seiner Rede deutete P.
Hirsch aus das hohe Glück, das den
Kindern zntheil wurde, hin, er er
mahnte sie, auch in spätern Leben ihre
Unschuld zu bewahren und dem
Glanben treu zu bleiben, renter rede
te er auch deu Eltern zu ihre Kinder
immer unter strenger Aufsicht zu,
halten und denselben gute Ermah
rningen zu geben. Nachdem dieses
geschehen war, betete P. Hirsch ein in
brünstiges Gebet, in dem er nm Se
gen Tür seine Erstkommunikanten bat
und verließ den Altar. Tie Kinder
sangen jetzt zwei deutsche Lieder, ohne
irgend einen Dehler zu macheu. da
rauf begann die hl. Messe, während
derselben die sünsslimmige „Missa
Brems" von Mittcrer aufgeführt
wurde. Kantate wurde „Mein Jesus
ist mein", Bartion Solo, später auch
Chor, mit Orgelbegleitung, gesungen.
Die Gebete, welche die Kinder vor und
nach der hl Kommunion zu verrichten
hatten, wurden von einem der Erst
kommunikanten vorgebetet, alsdann
die übrigen Kinder dasselbe wieder
holteu. Tie glücklichen Kinder ver
richteten ihre Sache mit tiefer Andacht
und gläubiger Erkenntnis. Zum
Schlüsse wurde „Großer Gott" ge
sungen. Während dieser feierlich
feit herrschte bei uns die beste Ord
nung. Auf die Bitte des Herrn Pa
ters betrat niemand, weder Alte noch
Junge, den Schnlhof. Tie Kinder
befanden sich in der Kirche im Pres
byterinm, wo auch kein Gedränge ent
stehe» konnte.—.
Tiefer Tage hat es schon einige
mal geregnet, es ist jedoch jetzf ziem
lich frisch. Tie Reben wie auch die
Akazieubäilme sind dem Drösle erle
gen.—
Waldorf Molotfchna.) Tie Wit
terung war bei uns bisher leider noch
immer zu kalt, so daß das Wachsthum
mir langsam voran schreiten konnte.
Die Sommerfrucht steht jedoch besrie
bigend da auch die Winterfrucht ist
mittelmäßig. Am SO. April erhiel
ten wir Regen, obgleich der Boden
noch genug Feuchtigkeit enthielt. Hos
feutlich wird doch einmal dieTeinpera
tur steigen: man wartet bei nns mit
Sehnsucht auf wärmere Tage.
Schon oft wurde über Uu
der „Teutschen Rundschau" über Un
glücksfälle berichtet, die durch über
mäßigen Genuß von Alkohol, oder
Oticl) durch Unvorsichtigkeit hervorge
vWt'en wurdeu. Auch hier im Russen
borfe Nischnij Kurkulak, das an Wal
wenig vergnügt machen und jagte da
her in Windesschnelle über die auf
der Straße umherlaufenden Hnnde
hinweg. Nachdem einige Hunde un
ter die Räder gekommen waren, fchau
te er zurück, um sich an dein Schau
spiel zu ergötzen. Ta stthr das Auto
mobil gegen eine kleine Anhöhe und
fiel um. Die Insassen stürzten her
aus, wobei der Leiter plötzlich seinen
Tod fand, einer der Herren sich den
Arm brach und der dritte sich schwere
Verletzungen zuzog. Tas Antomo
bil wurde stark beschädigt. Man be
hauptet, daß die drei zuvor tüchtig
geschnapst hatten. Traurig, aber
wahr I. G. Erler.
Karlsruhe, Gouv. Cherson, den 4.
Mai. Gestern wurde auf dem einigen
hiesigen Wirthen gehörigen Landgute
Papenhutowka die Leiche ihres er
schlageuen Steppenreiters gefunden.
Ta dieser sein Pferd gewöhnlich am
Brunnen auf dem angrenzendenLand
stück des Alb. Geiß tränkte, kam auch
gestern zur Mittagszeit dasselbe an
den Brunnen, aber ohne Reiter und
blieb längere Seit dort stehen. Turch
das lange Ausbleiben des Steppen
reiters aufmerksam geworden, schickte
der Verwalter das Alb. Geiß seinen
Knecht mit dem Pferde zu dessen Hüt
te, neben welcher die Leiche des Er
schlagenen lag. Sosort wurde den
Eigenthümern des Landes und durch
diese der Polizei Anzeige gemacht.
Tie Eigenthümer wollen den Pristaw
ersuchen, den Polizeihund „Spitz"
aus Odessa kommen zu lassen.
—Tie Bauern sind heute wie um
gewandelt: überall sieht man freund
licht1 Gesichter, denn gestern ist hier
ein fruchtbarer Landregen niederge
gangen. Es war aber auch hohe Zeit,
die Saaten wollten infolge des kalten
Wetters, der stets rasenden Winde
!'n der Trockenheit gar nicht recht ins
Wachsthum somen. Heute athmet
a^les erleichtert auf. Ter Himmel
ist immer noch trübe. Vielleicht
bringen und die nächsten Tage noch so
eine sreudignasse Ueberraschung.
—3.
ytciifrimcntijaf, Gouv. Eherson.
Heute am (. Mai hatten wir wieder
einen recht schönen Regen. An ^ench
tigkeit wäre bei uns noch kein Mangel
gewesen allein die Sonne arbeitet
nicht. Tagtäglich trübe, stürmisch,
kalt und unfreundlich. So war der
April und, wie es scheint, will der
Mai auch so fortmachen.
Es war aber auch noch nicht ein
einziger Tag, der schön warm gewesen
wäre, so daß man sich hätte erwärmen
können. Pelzmütze, Pelz und Paletot
sind immer noch unsere steten Beglei
ter. Ja wer recht verweichlicht ist,
schleppt manchmal noch sogar die Fliz
ftiefel mit. Ach, wenn es doch einmal
schön warm werden möchte. Tas sind
die täglichen Stoßgebete von Alt und
Jung! Trotzdem sieht das Getreide
bis jetzt noch gut aus. Auch die Bäu
ine stehen in voller Blüthe da, und
wenn es nicht nochmal ^rost gibt,
so können mir noch recht viel Obst be
kommen! CH. Moser, Lehrer.
dors grenzt, ereignete sich am 30. und dieses Jahr ebensoviel, macht im
April ein solcher ^all. Tret Herren
Mawlsutowka, Kreis Tscheljabinsk.
Am 7. Februar erhielten wir von un
serem Aufseher über Krcuisländereicn,
Tichiuitljat'or Bezirk, ein Rundschrei
ben, welches lautete, daß alle Pachter,
welche auf Krouslaud fitzen und von
der Mißernte getroffen sind, auf all'
ihr Ackerland Saat von der Regierung
erhalten, und gleich nach Erhaltung
des Schreibens muß dem obeitgenaitn
ten Herrn die Liste zugestellt werden,
wie viel Weizen- und Haferland sich in
jeder Pachtkolonie befindet. Ilm nicht
die letzten zu sein, stellten wir dem
Herrn Aufseher unsere Liste vor: auf
120 Tessjatinen Schwarzbrache und
150 Teffj. zu Hafer, also Weizen 840
Pud Weizen und 1050 Pud Hafer.
Auch ein Gemeindespruch wurde beige
fügt, dabinlautend, daß der Herr das
Recht bat, schlechten Zahlern das Ge»
treibe zu beschlagnahmen. Alles wur
de gut und pünklich gemacht, und alle
waren der guten Hoffnung, Saat zu
erhalten. Richtig, am 18. April er
hielten wir ein zweites Schreiben von
demselben Herrn, wir sollen spätestens
bis zum 10. und 20. April das Ge
treide vom BahnhofTschumljak abho
len. Ein jeder solle mit Säcken ein
finden: da wurde gleich am 10. ange
spannt, mancher spannte bis zwei Wti
gen an, d. h. wer viel Land befitzt, um
das Getreide alles laden zu können.
Ta es aber sehr regnete und der Weg
immer schlechter wurde, kamen unsere
Pächter mit ihren sehr schlechten Pfer
den erst am 21. um Uhr morgens
am obengenannten Bahnhos an. Ter
Herr schlief noch in süßer Ruhe. Als
er aufstand, ging es au die.Verthei
lung des Getreides. Aber o Wunder!
was gab es da für Augen! Ter größte
Pächter bekam 7 Pud Weizen und
ebensoviel Hafer während sich die Ge
fingeren mit 7 und auch mit Pud
begnügen mußten. Im ganzen wurde
anstatt 840 Pud nur 120 Pud Weizen
und statt 1050 Pnd Hafer nur 81Pud
gegeben. Was sollen jetzt die armen
Pächter anfangen? Vom Jahre 1011
sind sie die Pacht noch schuldig
nämlich eine Summe von 012 Rbl,
i
ganzei^ohne Prozente 1821 Rbl. und
aus Neu Grüntal, Kreis Iekaterino-^ keine «aat, auch kein Brot haben sie!
slow, fuhren auf einem Auto durch! Tas Prischiber Gebiet, in dein mir! Getreide, die Viehiveide, Reb- und
das genannte Russendorf. Ter Lei-! einst gehörten, erbarmt sich unser aber Obstgärten stehen heute noch ziemlich
tcr des Automobils wollte sich entricht, obwohl es eine reiche Landlosen-j schwach da. Von Trauben und Zmch-
fasse hat. Was soll man dazu sagen.
M. Gottselig.
Gottland, Mariupoler Kreis, den
20. April. Todesfälle sind, wenn
der Tod natürlich ist, ein zu alltäg
Itches Vorkommnis, als daß sie in der
Zeitung besprochen werden könnten.
Hat der Verstorbene nichts Bedeuten
des in seinem Leben geleistet, so wird
wohl selten seiner in der Zeitung ge
dacht. Am 27. April segnete in Gött
land Peter Malinowski, 07 Jahre alt,
das Seitliche, ein Mann, der schein
bar nichts Auffälliges tut Leben zeigte.
Er schwamm ganz gewöhnlich den
Strom des LehenS, ohne Wellen zu
rückzulassen. Wenn man ihn, der an
Asthma von seinen ersten Ehejahren
litt, betrachtete, dessen Leiden ihm oft
auf den Gesichtszügen zu lesen waren,
so vermuthete man nicht, welche heroi
fche Seele sich in seinem Körper barg.
Er klagte wohl, aber er bewies dabei
eine seltene Geduld: er ertrug den
fürchterlichsten Hustenanfall, ohne das
geringste Zeichen von Mißmuth oder
Unzufriedenheit zu äußern. Nach sol
chen Anfällen, in Schweiß gebadet,
vermochte er durch seilte launigen, hu
morvollen Einfälle ein ganze Gesell
schast zu erheitern, so daß niemand,
auch nicht die nächsten Angehörigen
vermutheten, daß der Tod ihm so nahe
war. Nur er selber sah seine Stunde
näherrücken und starb wohl versehen
mit den hl. Sterbsakramenten voller
Ergebung in Gottes Willen. Infolge
seiner schwächlichen Gesundheit hat der
Verstorbene nie ein wichtigeres, össeut
Itches Amt bekleidet, doch stand er in
der Gemeinde da als Ehrenmann.
Sein gesundes tiefblickendes Urtheil
riß oft die ganze Gemeinde mit sich,
daß oft nachher derjenige, der seine
Worte, sein Urtheil aufgefangen oder
feinen Rath befolgt hatte, als Held
der Meinung galt. Oft stillte er
Parteihaß durch seine witzigen, scharf
sinnigen Bemerkungen in ganz ititauf
fälliger Weise. Dabei war er wohl
thätig gegen dieArmeu, hilfreich gegen
die Nachbarn, freundlich und gefällig
gegen jedermann und voller Hoch
achtung gegen geistliche und weltliche
Obrigkeit. Wahrheit und Gerechtig
feit waren sein Wahlspruch, weshalb
seine Sache vor Gericht nie zu kurz
kam. Seine Vaterpflichten nahm er
ernst. Er sorgte nicht nur für das
leibliche, sondern auch für das geistige
Wohl seiner Kinder, was der Umstand
beweist, daß er seinen einzigen Sohn
dem Berufe folgen ließ, so daß dieser
Priester wurde, so gerne auch der
Vater in ihm einen Bauern gesehen
haben würde. In Anbetracht dessen
war es da nicht wunderlich, daß sich
zur Bestattung der irdischen lieber
reste des so allgemein geschätzten Man
nes so viel Menschen eingefunden hat
ten. Seine Leiche wurde in die Kirche
getragen. Tort hielt Hochw. P.
Hopfauf eine rührende Rede, die kein
Auge trocken ließ. Tas Motto der
Ansprache war: „Sterben ist besser als
Leben." Wie trostreich strömten da
die Worte ans des Predigers Munde.
Wahrlich, der hochwürdige Herr Red
ner hätte kein passenderesThema wäh
len können. Aus der Kirche wurde die
Leiche nach dem letzten Ruheplatze von
je vier und vier Männern abwechselnd
getragen, unter den ergreifenden Tön
en der vierstimmig gesungenen „Te
prosundis" und in Begleitung einer
außergewöhnlich großen Menge Vol
kes. Aus dem Kirchhose angelangt,
wurde die Leiche in das Grab versenkt.
Thrämen stürzten aus allerAugen, als
der Sohn des Verstorbenen Hw. P.
Iofef Malinowski dem verblichenen
Vater mit den Worten: „Te terra sor
ntastt etc." den letzten Liebesdienst er
wies und eine Schaufel voll Erde auf
den Sarg wars. Bald war das
Grab zugeschüttet. Nur ein Hügel
kennzeichnet noch den Ort, wo Vater
Malinowski der Auferstehung entge
gensieht. Er ruhe in frieden.
—Ein Leidtragender.
Landau, Gouv. Cherson. Ter Sul
zer Ansiedler Gabriel hat sich ein Au
tomobil gekauft, womit er zwischen
Landau, Sulz und Nikolajew regel
mäßige Passagierfahrten unternehmen
wird. Abfahrt von Landau täglich
7 morgens. Preis für eine Strecke
2 Rbl. 50 Kop.
Neukrouenthal, Gouv. Cherson. 0.
Mai 1012. Heute war einmal Wet
ter, wie es sich für den Maimonat
schickt. Schöner Sonnenschein, kein
Sturm und recht angenehm warm.
Es that dem Leder ordentlich wohl,
als die lieben Sonnenstrahlen durch
die Kleidung drangen. Weitn es so
kommt, dann wird es besser. Möge
doch die Wärme anhalten, damit es
mit dem Getreide rasch vorwärts geht.
Hier ist noch kein Welschkorn, Bäsch
tan und Kartoffel aufgegangen. Die
Akazienbäume haben noch gar keine
Blätter. Tie Obstbäume stehen in
voller Blüthe da. Also brauchen wir
jetzt warmes Wetter. Versagt uns das
der liebe Gott nicht, so kann noch alles
gut werden an Gottes Segen ist halt
doch alles gelegen. —M..
Aus dem .KutschitrgaiL Zu Pfing
sten hatten wir einen reichlicheuRegeit,
der grade zur rechten Zeit kam, denn
mit dem Wachsthum wollte noch
nie recht vorwärts gehen: das junge
•iL MKWMt
ten hoffen wir keine gute Ernte mehr:
das Getreide kann noch besser werden.
—Ant 0. Mai feierte der Selzer
Pfarrer J. Nold unter zahlreicher Be
theiligung der Nachbargeistlichen und
des Volkes sein füitfundzwanzigjähri
ges Priefterjubiläurn. Die Feier ver
lies in bester Ordnung. —d.
Strasburg, Od. Kreis. Die starken
Nachtfröste, welche mancherorts sehr
geschadet haben, haben sich bis jetzt
nicht wiederholt. Vernichtend haben
sie damals gewirkt: die Aprikosen-,
Kirschen- und Birnbäume sind theil
weise, manche sogar ganz vernichtet:
unsere Akazienbäume, die Zierde des
Torfes, sangen jetzt erst an zu treiben,
ivo sie früher tun diese Zeit schon in
voller Blüthe standen. Tie Obsthänd
hörig hereingefallen, da sie Obst
bäume, die erst zu blühen ansingen,
zusammenkauften und vieles Geld
(das sogenannte Handgeld) im voraus
zahlten und jetzt, nachdem alles ver
froren ist, leer dastehen. —Die Wo
chen bereits arbeitet man hier an dem
Ban einer Steinbrennereifabrik. Was
diesen Herrn dazu bewog, eine solche
Fabrik hier auszurichten, ist mir un
klar, denn an einen großen Absatz
solcher Steine ist nicht zu denken
Hänser werden keine gebaut, höchstens
Oesen. Uebrtgeits eristiren im Kut
schnrgan zwei Ziegelfabriken mit zwei
Abtheilungen.—iWederum hat esGott
gefallen, ein Glied aus unserer Mitte
zu sich zil rufen. Vor einem Monat
fuhr der hiesige Einwohner Anton
Thomas nach dem Auslande, Wöris
Hofen, mit seine zerrüttete Gesundheit
wieder herzustellen. Aber für
den Tod ist kein Kraut gewachsen. Am
0. Mai kam er vom Auslande zurück
und heute den 18. ist er sonst tmHerru
entschlafen. Ruhe seiner Asche!
—Unsere Straßburger Diebe geben
den Odessaern nicht viel nach, sowohl
an Geschicklichkeit, als auch an Frech
heit. In der Nacht auf den 11. Mai
wurde bei dem hiesigen Einwohner
A. S. und bei einem Juden eingebro
chen man stahl Kleider, Paletots,
fleisch usw. Tie iTebe erbrachen
Thüre und Fenster und gelangten
durch das Schlafzimmer auf den
Speicher, wo sie nach ihrer Art wirth
schafteten. Traurig. Mada.
VTF*
&r
Marin und
$axtc?Tv
-APn
Sanitäre Milchhäuser.
Die Ersahrungen der Mtlcherei
Besitzer haben gezeigt, daß der Erfolg
ihres Geschäfts zum großen Teil von
der Beschaffenheit der Einrichtungen
ihres Betriebes abhängt und daß es
hauptsächlich darauf ankommt. Zeit
ersparnis mit möglichst großer Er
tragsähigkeit zu verbinden. Wenn man
die Milch im Stalle siebt und längere
Zeit stehen läßt, so läuft man Gefahr,
daß sie durch schädliche Keime infiziert
wird oder die Stallgerüche annimmt.
Es ist daher zu empfehlen, die Milch
direkt von der Kuh in das Milchhaus
zu bringen und sofort dem nötigen
Kühlungsprozeß zu unterziehen. Wie
ein solches Milchhaus beschaffen sein
sollte, mag im Folgenden erklärt wer
den.
Zunächst ist es notwendig, daß es
bequem gelegen ist, d. h., daß der Weg
vom Stall zum Milchhaus nicht zu
weit ist. In zweiter Linie sollten
irgend welche ansteckenden Einflüsse
Cin einfaches sanitäres Milzaus.
Perfpektiv Ansicht.
ausgeschlossen sein. Ed sollte nicht so
nahe beim Stall sein, daß es durch
dessen Gerüche ttnd Ausdünstungen
afsiziert wird, und außerdem sollte die
Prämierung so beschaffen sein, daß
der Wasserabfluß möglich weit vom
Gebäude weg liegt. Wenn möglich,
sollte das Terrain vom Milchhause
nach dem Stalle zu abfallen, anstatt
umgekehrt.
Der Hauptpunkt beim Bau eines
Milchhauses ist, kurz gesagt, der, daß
die Behandlung der Milch an einem
Orte geschieht, der von allen anderen
Handhabungen und Arbeiten getrennt
ist. Deshalb sollte das Haus so einge
richtet fein, daß die Geschirre nicht in
demselben Raum gewaschen und aus
gespült werden, in welchem die Milch
bebandelt wird. Größte Sorgfalt ist
auf Reinlichkeit zu verwenden, und
deshalb ist es verwerflich, innerhalb
des Gebäudes Unebenheiten und rauhe
Stellen zu haben, die nicht leicht und
rasch gereinigt werden können. Durch
Ventilatoren sollte für die Ableitung
der infizierten, und Zuleitung frifcher
Luft gesorgt werden, ebenso für Ab
leitung des Dampfes aus dem Spül
haus. Von großer Wichtigkeit ist das
Vorhandensein von genügend Fen
stem, um Luft und Licht herein zu
lassen. Diese Fenster sollten im Som
mer mit Drahtgittern oder Fliegen
nefoen versehen sein, um Meegen und
andere Insekten lern zir Wien, ^tt
genügender Vorrat von kühlem, fite*
ßendem Wasser ist für ein Milchhaus
ein unentbehrliches Erfordernis.
Für die Sterilisierung der Geräte
und Behälter ist eine reichliche Menge
heißen Wassers oder Dampf notwen
dig. Ein Eimer oder eine Kanne mag
dem Auge vollkommen rein erscheinen
und doch mit zahlreichen Keimen be
haftet sein, welche die Milch rasch
sauer machen, der Butter oder dem
Käse einen unangenehmen Geschmack
geben oder Krankheit verbreiten. Des
halb sollten diese Geräte, nachdem sie
gereinigt sind, mit kochendem Wasser
oder Dampf ausgebrüht werden.
Das Milchhaus sollte so gebaut
werden, daß die Arbeit möglichst ver
einfacht und alle unnötigen Schritte
vermieden werden. Die beifolq-nde
Querschnitt durch das Milchhaus.
Skizze veranschaulicht ein den Anfor
derungen einer Milchwirtschaft von
durchschnittlicher Ausdehnung entfpre
chendes Gebäude, dessen Dimensionen
je nach Bedürfnis vergrößert werden
können. Wie es hier skizziert ist. ist es
20 Fuß lang, 10 Fuß breit, vorne
81/ und hinten 6V_ Fuß hoch, mit
schrägem Dach versehen. Die Außen
wände können mit Baupapier und
Schindeln oder Brettern verkleidet
werden. Die Innenwände müssen
jedoch gut bearbeitet und vollständig
glatt gehobelt sein, damit sie möglichst
wenig Staub und Schmutz ansetzen.
Der Fußboden sollte aus Konkret her
gestellt und durch Glockenventile drä
niert werden. Die inneren Seitenwän
de müssen bis zur Höhe der Fenster
mit Zementmörtel beworfen oder mit
Metallplatten bedeckt werden, während
tier., übrige Teil der Wände und die
Decke aus Fugenbrettern hergestellt
werden kann. Diese müssen dann mit
einer Emailfarbe angestrichen werden,
die sich leicht reinigen läßt. Durch das
Dach sollten Ventilationsröhren ge
führt, und die Fenster so eingesetzt
werden, daß sie, wenn geschlossen, mit
der Innenwand eine Fläche bilden.
Die Ausrüstung besteht aus einem
senkrechten Dampfkessel von
iy2
bis
2 Pferdekraft, der den Dampf für den
Waschbehälter (sink) liefert ferner
einem Wafchbehälter aus galvanisier
tem Eisen, einem Kannengestell, einer
Babcock-Probiermaschine. einem Kühl
bottich ans Konkret, einem Milckkiih
Ier und mehreren Milchwaagen. Auch
kann, wenn nötig, in der Mitte des
Milchzimmers ein Separator ange
bracht werden.
Die Arbeit im Milchhause hat un
gefähr wie folgt zu verlaufen: Nach
dem eine Kuh gemolken ist, wird der
Eimer Milch sofort in den Milchraum
getragen, gewogen, eingetragen und
die Milch auf ihren Gehalt untersucht
dann läßt man die Milch über den
Kühlapparat laufen, indem man für
die erste Abkühlung kaltes laufendes
Wasser benutzt. Wenn eine Kanne vom
Kühler aus gefüllt ist, wird sie in den
Zementbottich gestellt, der so weit mit
Eis. und Wasser gefüllt fein muß, daß
der Hals der Kanne davon erreicht
wird. Der Inhalt der Kanne sollte
häufig mit einem sauberen Rührer
umgerührt werben, bis die Milch
durch und durch gekühlt ist. Man
mische niemals warme und kalte
Milch ober Rahm zusammen und
halte die Kanne gut bedeckt, um den
Inhalt gegen Staub, Insekten etc.
zu schützen. Die Türen des Milch
Hauses sollten so viel wie möglich ge
schlossen gehalten werden.
Ist alle Milch gekühlt, so werden
die Geräte, Kühler, Siebe, Eimer
etc., in den Spülraum gebracht, zu
erst mit kaltem Wasser ausgespült
itttd dann mit heißem Wasser und
Waschpulver gescheuert. Dann wer
den sie auf bas Abflußbrett gestellt,
abgespült und mit Dampf gebrüht.
Zu diesem Zweck können zwei
*KALTg$ WASsa ^Lj DA«
Wass-r- und DampsleitungS-Röhren.
Dampfröhren benutzt werden, von
denen bie eine das kalte Wasser, die
andere den Dampf zuführt (siehe Ab
btldung). Man kann btese mit bet
Hanb oder mit Fußhebeln kontrolliè
ten. Nach bem Ausbrühen sollten die
Geräte umgekehrt auf dem Ttocken
gcriist aufgestellt werden.
Zwischen dem Milchraum und
Spülraum kann, von beiden zugäng
Itch, ein kleiner Schrank angebracht
werden, in welchem Flaschen mit
Milchproben von jeder Kuh gehalten
werden.
Raupen an Kohlgewächsen.
Die mit Raupen besetzten Kohl
pslanzen wenden mit Kalkstaub be
streut oder mit Salzwasser (1 Pfund
auf 2Yo Gallonen Wasser) bespritzt
oder man überstreut alle Pflanzen
mit feinem Kochsalz. Der Tau über
»»acht löst oas Salz auf und die
Raupen gehen zu Grunde. Wenn die
•.\tè
Mittel schon zu der Zeit ange
foenbet wirb, wo erst ber Kohlweiß
ling, bet kleine, weiße Schmetterling,
bie Kohlpflanzen befliegt, um seine
Eier abzulegen, so ist es umso besser,
inbem bie Tiere bann bas Kohlselb
verlassen.
Düngung von Ziersträuchern.
Alljährlich schmücken sich bie Zier
sträucher unserer Gärten mit der
Fülle ihrer Blüten, und wenn der
Herbst naht, prangen viele abermals
im bescheideneren Schmucke ihrer
buntfarbigen Früchte. Alljährlich be
tauben wir sie aber auch manchen
Vlütenstraußes und gehen ihnen mit
Schere und Messet zu Leibe, um sie
mit mehr oder weniger Sachkenntnis
zu beschneiden. Nur sehr wenige
Gartenfreunde gibt es, die daran
denken, daß auch unsere Ziersträucher
dem Boden Nahrung entziehen, daß
jeder Blumenstrauß, den uns bet
Syringenstranch schenkt, ihm auch
Kraft entzieht, baß jeder Zweig, den
wir abschnitten, erst aus den Stof
sen aufgebaut wurde, welche die flei
feige Arbeit der Wurzeln dem Boden
entzog. Das gilt für die Ziersträu
cher aller Art, gilt aber ebenso oder
noch viel mehr für die Ztet- und
Schutzhecken unserer Gärten. Denn
diese werden vielfach geschnitten im
vollen Blätterschmuck, und gerade die
kräftigsten Triebe mit den gesünde
sten Blättern, die den größten Wert
für die Lebensvorgänge des Pflan
zenorganismus besitzen, fallen notge
trungen unter ber Heckenschere.
Darum sollten Gartenbesitzer unb
Gartenpfleger nicht vergessen, auch
Ziersträucher und Herfen zu düngen!
Denn leider wird ihnen ja fast über
all sogar das Dürrlaub, anstatt es
an Ort und Stelle unterzugraben,
entzogen, also gerade das, was dem
Boden einen Teil der Mineralstoffe,
bie ihm entnommen wurden, wieder
geben könnte. Da ist es denn kein
Wunder, wenn häufig genug der
Wuchs der Sträucher zu wünschen
übrig läßt, wenn ihre Blütenfülle von
Jahr zu Iaht nachläßt, wenn die
Hecken, die immer und immer wieder
ihrer Blätter und Zweige beraubt
werden, kahle Stellen bekommen und
weder Schutz, noch einen schönen An
blick bieten. Hecken unb Sträucher
nehmen mit allein vorlieb, was man
ihnen an Dungstoffen bietet. Wo es
angängig ist, kann man ihnen einen
kräftigen Jaucheguß geben wo bas
nicht geht, des Duftes wegen, genügt
eine schwache Stalldüngung. Wo
auch diese nicht zu beschaffen ist, lasse
man den Gehölzgruppen und Hecken
wenigstens ihr eigene» Dürrlaub, in
dem man es alljährlich untergräbt,
und gebe aye zwei Iahte im zeitigen
Frühjahr eine Mineraldüngung.
Selbstverständlich ist dafür zu sot
gen, daß bie Dungstoffe auch wirk
lich an bie Saugwurzeln gelangen,
bie allein fähig sind, sie aufzuneh
men also nicht allein ins Innere
der Strauchgruppen und Hecken, son
dem auch ringsherum ober zu beiden
Seiten ber Hecken ist ber Dünger zu
geben. Dann wird man an dem ge
sunden Wuchs seiner Hecken und an
der reichen Blüte der Ziersträucher
seine Freude haben.
e e i s vo n a i e
Carraramarmor kann bei großen
Blocken von tadelloser Beschaffenheit
bis auf 1700 Mark pro Kubikmeter
steigen.
Aha!
4,
Schmierendirektor (dec
seine Bühne in der Scheune eines
Bauern ausschlägt): „Auf dem Thea
terzettel wird natürlich angekündigt,
daß das Rauchen verboten ist!"
Bauer: „Unsinn, dos braucht'S
net"
s"""
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