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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, July 04, 1912, Image 3

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z
Kurzgefaßter Bericht
Empfang der Delegaten am Bahnhof
—Anstrengende zweitägige Sitzung
-Allgemeine Begeisterung für die
gute
Sache offenkundig
Erster Tag
xsimi
i
f,
Hotel
nnd
in der Halle des Turnvereins
„Vorwärts"—Uebergang zur Ge
schäftsordnung.
Zu bor für die Tage des 14. it. 15.
Juni laut Aufrufs anberaumten vier
ten Jahresversammlung des Deutsch
Amerikanischen Centralbundes von
Nord-Dakota begannen schon am 13.
Juni einige der Beamten des Staats
Verbandes, Delegaten der Zweigver
bände und Gäste in Wahpeton, dem
diesjährigen Versammlungsorte, sich
einzufinden, im Einklänge mit dem
geflügelten Worte, das große Er
eigmsse ihre Schatten vorauszuwer
fen pflegen.
Gleich eingangs sei bemerkt, daß
die Mitglieder des Turnvereins
..Vorwärts" zu Wahpeton, welcher es
iibernommen hatte, die diesjährige
Jahresversammlung 311 beherbergen,
5ie denkbar umfassendsten Vorberei
tungen für dieselbe getroffen hatte
i:nd sich seiner Aufgabe vollkommen
i.'wachsen zeigte, eine Thatsache. wel-
.10
mich der Verlauf der Versamm
iung zur Evidenz bewies. Alle Ach
ng vor demTurnverein „Vorwärts"
i Wahpeton, einem Städtchen, wel
.' es ein Prächtiges und zahlreiches
dentschthnm birgt, aus dessen Elite
sich der Turnverein zusammensetzt.
Die Delegaten und Gäste zur Iah
lesversaminlnng, welcher aus beson
dere Einladung hin, mich Herr Ju
lius Mörsch, Präsident des Staatsver
bandes Minnesota, anwohnte, kamen
gegen 10 Uhr vormittags des 14.
im Versammlungslokal, der
Turnhalle des „Vorwärts." znsam
men, wo nach allgemeiner kurzer Be
grüftung und gegenseitiger Bekannt
uiachung die Jahresversammlung
durch Präsident W. H. Mann zur
Ordnung geruseü ttftd formell eröff
net wurde.
H. G. Albrecht, Präsident des
Turnvereins „Vorwärts," hieß in
schwungvoller Rede, welche sehr bei
fällig aufgenommen wurde, im Na
inen des Turnvereins alle Delegaten,
Beamten und Gäste herzlich willkom
men.
Der Namensaufruf der Beamten
Di*§ Central-Bnndes ergab, das alle
anwesend waren bis ans Schatzmeister
Wilhelm Hehfeld, wohnhaft zu New
Salem, der sich krank meldete und
brieflich um Entschuldigung einkam.
Der Sekretär verlas das Protokoll
der vorigen Jahresversammlung,
abgehalten zu New Salem. Auf An
trag wurde dasselbe angenommen wie
verlesen.
Präsident Mann ernannte einen
Ausschuß zur Prüfung der Mandate
der anwesenden Delegaten uud Vor
legung der Namen der Gäste. An die
sem Ausschuß fungirten: Georg Lip
pert aus Jamestown, Fred. Kehrer
aus McElusky und Paul Stöhr aus
Anamoose.
Während dieser Ausschuß sich zu
rückzog, um die nöthige Prüfung zu
machen, stellte Präsident Mann der
iVr Jahresversammlung Herrn Ju
lius Mörsch, Präsident des Staats
Verbandes Minnesota vor, welcher ei
neu kurzen Umriß der Gründung
dieses Staatsverbandes gab uud über
fiele Schwierigkeiten uud Mühen be
ichtete, welche auch derStaatsverband
Minnesota hatte, trotzdem dieser
Staat ja so große Städte wie St.
anl nndMinneapolis aufweist,welche
eide eine starke deutsche Bevölke
ung besitzen. Den Worten des Red
crs wurde mit außergewöhnlicher
ufmerksamkeit gelauscht, da auch in
'ord-Dakota die Gründung des
entralbnndes zuerst nur langsam
n sich ging und unsäglich viel Mühe
nd Arbeit erheischte.
Das zur Prüfung der Mandate er
rnnte Comite berichtete, daß alle
iwesende'n Delegaten der Zweigver
inde zu Sitz und Stimme berechtigt
ten. Auf Antrag wurde der Be
cht einstimmig angenommen.
Hierauf folgte Vertagung bis 2
ir nachmittags, zu welcher Zeit die
'rsammlung wieder pünktlich von
^äsident Mann zur Ordnung ge-
Ten wurde.
Präsident Mann ernannte hieraus
gende Ausschüsse mit der Weisung
bald als thunlich zu berichten:
eutsche Schulen: Wm. Klimmeck
Zargosi GeorgeElhard aus Gackle
list Moeses aus Wishek Karl Bau-
Des Deutsch Amerikanischen Central -Bundes
von Nord Dakota
Abgehalten zu Wahpeton am 14, und 15 Inn» 1912
man aus Venturia und O. H. Schulz
aus Wahpeton.
ftiir Propaganda: R. H. Hamm
aus Jamestown: Bernhard Drasch
aus New Leipzig und E. V. Simo
nitsch aus Jamestown.
Für legislatives Gebiet: I.
Kehrer aus McClnsky, Wm. Laist aus
Bismarck, H. G. Albrecht aus Wahpe
ton Ehrist Geißler ans Gackle und
Ernst Möckel aus Wishek.
Für Bücher-Revision: O. H.
Schulz aus Wahpeton T. I. Hint
gen aus Wahpeton Fr. Herbold
aus Venturia: Fr. Bärwald aus
Egeland und Christ. Geißler aus
Gackle.
Für Danknbstattnng: Ernst Mö
ckel ans Wishes F. I. Kehrer aus
McElusky und Paul Stöher aus
Anamoose.
Herr W. H. Mann, Präsident des
Eentral-Bnndes Nord-Dakota, unter
breitete seinen Jahresbericht wie
folgt:
Jahresbericht des Präsidenten:
An die Beamten und Delegaten
des Deutsch-Amerikanischen Eentral
Bundes von Nord-Dakota.
Werthe Herren und Gesinnungs
genossen!
Den Statuten geinäß erlaube mir,
Ihnen folgenden Bericht zu unter
breiten: Wie in den vorhergebenden
Jahren, hat sich auch im vergange
nen die ^abl der Glieder dieses Bnn
des verdoppelt und wir sollten eigent
lich mit dem gemachten Fortschritt
zufrieden sein, aber es sind noch Tan
sende Deutsche, welche müßig am
Wege stehen, und diese für die gute
Sache zu gewinnen ist eine der großen
Aufgaben, die von dieser Jahresver
saminlung angestrebt werden müssen.
Es ist die Zeit gekommen, daß alle
Deutschen Nord-Dakotas sich zusam
menraffen und einen energischen Ver
such machen, dem Wirken hirnver
brannter Mucker uud sogenannter Re
formhelden entgegenzutreten und das
kann das deutsche Element nicht er
folgreicher thun als durch Anschluß
an den Eentral-Bund.' Diese Wasser
simpel und Mucker wollen andere
Leute bekehren uud predige» nicht
allein Mäßigkeit, sondern Prohibi
tion. Dabei kennen sie selbst weder
Maß noch Ziel und zum Theil sind sie
ganz gewöhnliche heimliche Schnaps
säufer. Diese, zusammen mit einer
Schaar weiblicher „Apostel" möchten
die Welt verbessern, sieht man aber
in die häuslichen Verhältnisse der
letzteren, so findet man, daß diese
blauftrümpfig angehauchte Weiblich
keit die ihem von Gott auferlegten
Pflichten gänzlich mir gröblichst ver
nachlässigen, daß sie ein Familienle
ben, auf welches wir Deutsche so stolz
find, lvar nicht kennen und auch kein
Verständniß für dasselbe haben.
Wirft man einen Blick in das Fami
lienleben unserer Deutschen, wie wohl
thuend wirkt ein solcher. Nach voll
brachten: Tagewerk unterhalten sich
Vater und Mutter im Familieuzim
mer, dem Heiligthum deutscher Fami
lien, mit den Kindern. Man er
zählt ihnen von einst und jetzt, vom
Großvater und der Großmutter und
weiteren Vorfahren, von ihrem Wir
ken, Streben uud Erfolgen, welche
naturgemäß auch anspornend auf das
kindliche Gemüth einwirken. Es
wird den Kindern klar gemacht, daß
Worte allein nicht genügen, sondern
daß Thaten verlangt werden von
Menschen, die ihren Platz im Leben
voll und ganz ausfüllen wollen.—
So sieht's in einer deutschen Fami
lie aus.—Lüfte« wir nun einmal den
Vorhang und betrachten wir uns nun
einmal, wie es in einer Familie aus
siehtt, wenn die Mutter, die die Er
ziehen« der Kinder sein soll, sich in
der Welt herumtreibt, um ihre Welt
verbessernden Ideen zu predigen.
Kommt in solchen der Gatte und
Vater abends ermüdet zu Hause, um
das für ihn und die Kinder warm oder
kalt gestellte—oder auch vielleicht noch
gar nicht zubereitete—Abendmahl zu
verzehren, welchen Eindruck gewinnt
da der Besucher? Gewiß c^nen recht
schlechten, denn überall starrt ihm
Oede, Leerheit oder Wüstenei entge
gen. Was wird unter solchen Ver
Hältnissen aus den heranwachsenden
Kindern? Sie gehen entweder nach
genossenemAbendbrote zur Ruhe, oder
treiben sich, wie in vielen Fällen, auf
den Straßen herum, Unfug oder gar
Schlimmeres zu verüben. Vater und
Mutter wissen nicht ihren Aufenthalt
sie kümmern sich um nichts: ein Fa
inilienleben existirt nicht. Was für
Geschlechter werden in solchen Fa
milien herangezogen? Gewiß nicht
solche, die der Nachwelt zum Segen
gereichen können, sondern selbstsüchti
ge, keines edlen Triebes fähige nur
dem Gewinn und dem Gelde nachja
gende Menschen. Das Edle, Wahre
und Reine im Gemüth kennen so he
ranwachsende Kinder nicht, denn wenn
wirklich ein Fuuken dieser Eigen
schaften in ihnen schlummerte, wurde
er schon im zarten Kindesalter ge
löscht, gemordet. Das Gemüth so
heranwachsender Jugend ist ja für
solch gute Eigenschaften gar nicht em
pfänglich. kann dafür nicht empfäng
lich sein, weil in ihrer Kindheit die
sen keine Beachtung geschenkt wurde.
Wie aber kann ein Blinder die Pracht
der Farben beurtheilen, oder
Und so wollen auch wir, als Glie
der des Deutsch-Amerikanischen Een
tral-Bundes von Nord
Verhandlungen der 4. Jahres-ConventiSU
ein -Lau»
Die Pflege, Erhaltung und Weiter
Verbreitung deutscher Sprache, Sit
ten und Gebräuche sind unsere vor
nehmsten Ausgaben und wir dürfen
nicht Arbeit noch Mühe scheuen, diese
kostbaren Güter unseren Kindern
und Kinderskindern zu erhalten. Die
deutsche Sprache ist das Sinnbild al
les Edlen, Gilten und Heiligen. Es
ist die Sprache, in der die Mutter uns
das Wiegenlied sang: es ist dieselbe,
her sich am Wohllaute des Gesanges Lienen Delegaten und Gästen. Die mei
ergötzen? In der Brust so heran- üen machten eine weite Reise, dieser
wachsender Jugend herrscht nur die
Sucht nach Wollust, nach Geld und
kalter Stolz und Eigennutz.
in welcher die Mutier uns das erste ligiöse Richtungen beiseite gesetzt lver
Gebet lehrte es ist dieselbe, in der
mis der Vater beim Abschied aus der
Heimath seinen Segen ertheilte und
in der er uus sagte: „Mein Junge,
sei und bleibe brav." Es ist auch die
selbe Sprache, in welcher einst ein
Bismarck zum Kampfe aufforderte,
um ein einiges, mächtiges Deutsch
land—unser Vaterland—zu schaffen.
Es ist dieselbe die die Deutschen rief,
den Rhein zu vertheidigen, damit der
selbe ewig deutsch sei und bleibe, wie
der Dichter singt:
Sie sollen ihn nicht haben,
Den treuen, deutscheu Rhein,
Und wenn sie, wie die Raben,
Sich heiser darnach schrein.
Sie sollen ihn nicht haben.
Den treuen, deutscheu Rhein,
Bis seine Fluth begraben
Des letzten Manns Gebein.
Dakota, fi'vr
deutsche Sprache, deutsche Sitten uud
Gebräuche treu einstehen und käm
pfen, bis auf der Prairie dieses, un
seres Adoptiv-Vaterlandes, dem Lan
de unserer freien Wahl, die Gebeine
des letzten Deutschen verbleicht sind.—
Neben Ausbildung des Geistes und
des Gemüths aber erklären wir uns
für Einführung praktischen Turnun
terrichts in den öffentliche Schulen
diefes Landes, damit auch der Kör
per mit der Entwickelung des Geistes
Schritt halten kann, denn nur in ei
nem gesunden Körper kann ein ge
sunder Geist wohnen. Woimmer sich
in Städten des Landes oder in deut
scheu Ansiedelungen dies bezüglich
Schwierigkeiten geltend machen, da ist
es die Pflicht der Zweige dieses Een
tralbundes, einzugreifen, damit die
ses Ziel erreicht werde. In unserer
schnellebigen Zeit ist es von höchster
Wichtigkeit, daß Körper und Geist
gleich stark entwickelt werden, denn
wir wollen, daß die gesunde und kräf
tige germanische Rasse unserem Adop
tiv-Vaterlande Amerika erhalten
bleibt.
Enger auf unseren Heimathstaat,
Nord-Dakota, eingehend, erklären wir
uns, wie schon früher, wieder für In
itiative und Referendum, aber nur zu
Gunsten einer Maßnahme, welche auch
die Verfassung des Staates einbe
greift, sodaß das Volk imstande ist die
Verfassung zu ändern wie es ihm
beliebt. Wir wollen nicht allein das
Recht haben, an den bestehenden Ge
setzen herumzudoktern, sondern wir
wollen die Macht haben, bestehende
verfassungsmäßige Gesetze abzuschaf
fen, sollte die Mehrheit des Volkes es
wünschen. Der Volkeswille soll die
höchste Instanz sein. Wir bezeichnen
es als Schmach und Schande, daß
eine Handvoll Mucker in allen Poli
tischen Parteien das Ruder führen
soll und so verhindern, daß dem Volke
unliebsame Gesetze zur Abstimmung
unterbreitet werden können. Beson
ders auf das'in unserem Staate be
stehende Prohibitionsgesetz Bezug
nehmend, sei konstatirt, daß dies die
Entwickelung Nord-Dakotas hemmt
und die Ansiedelung hindert, denn
gute deutsche Farmer im Osten
besinnen sich mehr als einmal, sich
hier niederzulassen, weil ihnen dieses
^»wangsgesetz ein Dorn im Auge und
sie es unter ihrer Würde halten, die
Schnapsflasche in der Tasche herum
zuschleppen. Solche Leute too'&'rt öf
fentlich ein Glas Bier oder Weyt trin
ken können uud nicht im Geheimen
sausen, wie es die Mucker thun.
Darum wollen wir dahin wirken,
daß deutsche Männer sich um Sitze in
der Legislatur bewerben, darum wol
leu wir Deutsche iu unseren Staats
ämtern wissen, damit wir so engher
zigen und unsinnigen Gesetzen früher
oder später den Garaus machen kön
neu. Das Dentschthnm Nord-Dako
tas ist so mächtig, daß es in allen po
litischen Fragen den Ausschlag zu
geben vermag, nur muß es einig uud
zeilbewußt sein. Wir verlangen eine
ehrliche Volksabstimmung—weiter
nichts.
Die deutsche Bevölkerung Nord
Dakotas muß bestrebt sein, als lench
ten des Vorbild zu gelten und der Welt
Zeigen, daß es wahre Mäßigkeit zu
würdigen versteht, gesetzliebend ist,
aber Zwang nicht ertrügt. Haltet
hoch deutsche Ehre und Treue, deut
scheu Fleiß, deutsche Geselligkeit und
deutsche Ausdauer und Energie.—
Ich danke aufrichtig allen erschie-
Jahresversammlung beiwohnen zu
können und mitzuhelfen an dein Wei
terbrni der guten Sache. Ich danke
Ihnen ans Herzensgrund, daß Sie
bereit sind, Ihre kostbare Zeit ans! lichte dem Schaviueister übersandt:
dem Altar des Geineindiuohls zu
innern. Möge der uneigennützige
Geist, der so von Ihnen ausgebt, noch
viele unserer deutschen Brüder an
spornen. Hand an's Werk zn legen
ans daß das deutsche Element Nord
Dakotas sich zusainmenschliare unter
dem Banner des Eentral-Bnndes
mögen politische Neigungen und re-
den und aufgehen in den drei Worten:
„Ein einiges Dentschthnm."—
Unserem unermüdlich für diese Sa
che thätigen Sekretär des Eentral
u.indes, VH'mt F. L. Brandt möchte
ich hiermit den uäunstcii Dank aiis
h'tvä.en für seine nnnmehr schon drei
jährige p^lichtgeiiene Dienstzeit,
'i'tl' 'ein T. eil vi«:iüber Eharafrer,
'eine unentwegte Anhänglichkeit an
die Muttersprache, an deutsche Sit
ten und Gebräuche vermochten tun
auf diesem schwierigen Posten zu ha!
ten, denn nicht um schnöden Lo'.m,
sondern ohne jedwede Vergütung, hui
er sein schweres Amt zu seiner und
der Ehre des gesanunten Deutsch
thums verwaltet.
Auch unserem Schatzmeister, Herrn
Wm. Lehseld, sei in Dankbarkeit ge
dacht für treue Verwaltung der Kasse
und ihm anvertrauten Gelder. Auch
er dient ohne jegliche Vergütung.
Auch wollen wir unseren Hülfssekre
tiir, Herrn E. B. Heinemever, nicht
vergessen, der nun das erste Jahr
seiner Thätigkeit als solcher hinter
sich hat und der fleißig zum Gelingen
des großen Werkes beiträgt.—
Auch der deutschen Presse Nord
Dakotas, die uns stets so wohlwol
lend unterstützte und noch treu zu uns
steht, sei nicht vergessen, denn gerade
ihr verdanken wir in nicht gerin
gem Maße unseren seitherigen Erfolg,
und ich hoffe, daß die Deutschen Nord
Dakotas die in diesen: Staate cq'tfiei
nenden deutschen Zeitungen frcirtigst
unterstützen und daß jeder Deutsche
mindestens eine solche Zeitung liest—
besser wäre es, sie unterstützten alle.
Am 11. Mai dieses Jahres, dem
50. Geburtstage unseres hochgeehrten
Präsidenten des National-Bundes,
Herrn Dr. Heramer, übermittelte ich
ihm namens des Dentsch-Amerikani
schen Eentral-Bnnd von NordDakota
auf telegraphischem Wege die herzlich
steil Glückwünsche. Möge beständige
Gesundheit und Energie ihm erhalten
bleiben zwecks Erreichung der Lebens
anfgabe, welche Dr. Heramer sich ge
stellt, nämlich die Einigung des ge
sanunten deutschen Elementes in den
Ver. Staaten. Möge der National
bnnd immer mehr an Gliederzahl er
starken, damit wir nächstes Jahr nicht
3. sondern 5 Millionen, Mitglieder
zählen.—
Der Jahres-Konvention des Na
tional-Bundes, welche im Oktober
1911 zu Washington im Distrikt Co
lnmbia stattfand, habe ich als Vertre
ter unseres Central-Bundes beige
wohnt und den Staat Nord-Dakota
so gut als in meinen Kräften stand,
vertreten.^ In dieser Convention
wurde beschlossen, nächstes Jahr nn
ter den Mitgliedern eine Fahrt nach
der alten Heimath zn veranstalten
und zwar gelegentlich der Einwei
hung des großartigen Völkerschlacht
Denkmals auf dem denkwürdigen
Schlachtfelde bei Leipzig, in Erinner
ung an den hundertsten Jahrestag
der dort gelieferten, dreitägigen Völ
kerschlacht, damit auch bei dieser erhe
benden Feier der National-Bund ver-
:s
treten sei. Nähere Einzelheiten über
die Fahrt und die Kosten derselben
sind noch nicht bekannt, noch ist bis
jetzt ein feststehendes Programm aus
gearbeitet worden, weil es eben noch
etwas früh au der Zeit ist uud uns
noch ein volles Jahr verbleibt. Wem
immer es möglich, sollte an dieser
Fahrt sich betheüigeu und das herr
lichste, gewaltigste aller Denkmäler
schauen, das je zu Ehren des Deutsch
thums errichtet wurde. Es wird und
muß das Herz jeden deutschen Man
nes, jeder deutschen Frau, mit berech
tigtem Stolze erfüllen, zu wissen,
daß auch sie ein Reis dieses großen
und mächtigen Stammes sind.
Meine HerrenDelegaten und Gäste,
ich danke Ihnen.
W. H. Mann,
Präsident.
Stürmischer Beifall belohnte den
Herrn Präsidenten fiir seinen treffli
chen Bericht und feine zündende Rede
und allgemein wurde der Wunsch
geäußert, daß es dem Eentralbnnde
beschieden sein möge, Herrn Mann's
ersprießliche Thätigkeit noch recht
lange in Anspruch nehmen zn kön
nen. Alle gemachten Empfehlungen
wurden aus Antrag gut geheißen und
der Bericht des Herrn Präsidenten in
Bausch und Bogen angenommen und
den Akten einverleibt.
__ Herr F. Xf. Brandt, Sekretär des
Eentralbundes, unterbreitete seinen
BiTicht wie folgt:
Bericht des Sekretärs.
An^die Vierte Jahresversammlung.
Seit meinem vorigen Jabresbe-
enticher Verein. Venturia, $
.^iiiegerverein, New Salem
Deutscher Verein, llpbam
Bund Logan 11. McJittosh
Eounties
Teutscher Verein,
Deimchcr
Teutscher
wood
Deutscher
Deutscher
Gackle
Kulm
Verein,
Bund,
Lidger-
Bttitd, Vinton
Verein, Krem
Deutscher Verein, Garrison
Lokalverband, Egeland
Lokalverband Heil
Lokalbnnd. New Leipzig
Liederkran',, Anamoose
Männerchor, Bismarck
Lokalverein, Willa
Prin', Hei nr. Loge Nr. 4.
-ter Gescllschastsabend—Rede
Präsidenten Julius Mörsch
Staatsverband Minnesota.
Summa $105.00
Ergebenstuiiterbieitet,
F. L. Brandt,
Sekretär.
Der Bericht des Sekretärs wurde
aus Antrag mit Dank entgegengenom
men und angenommen wie verlesen
und den Akten einverleibt.
Unter Abwickelung dieser Geschäfte
war es Zeit geworden zur Vertagung
bis nach dem Abendessen.
â.
sident
ta
dem
und Gästen einen Einblick
W
de
I tagte
hing
aus Antrag beschlossen worden war,
die
zu
tons und der Umgegend, nebst Frau
en und Kindern zu derselben einzula
den. und den Abend als einen Gefell
schaftsabeiid zu feien und von Ab
wickelung der Amtsgeschäfte abzu
sehen. Somit wurde die nächste Ge
schäftssitzung aus den 15. Juni, um
9 Uhr vormittags anberaumt.
Es war kurz vor neun Uhr, als
Herr H. G. Albrecht, Präsident des
Turnvereins „Vorwärts," den Vor
sitz übernahm, in kurzen, aber wohl
gewählten Worten auf das abendliche
Programm hinwies, und auch dem
Deutschthum Wahpetons und Umge
gend Herrn Mann, den Präsidenten
des Eentral-Bnndes von Nord-Dako
ta, vorstellte.
Herr Mann gab in kurzen Worten
seiner Befriedigung Ausdruck, so
viele deutsche Männer und Damen
versammelt zu sehen, hieß alle herzlich
willkommen, und führte schließlich im
Verlaufe einer kurzen Ansprache, in
welcher er auf die Verdienste des
Hauptredners des Abends, Herrn
Präsidenten Julius Morsch aus Min
neapolis, Minnesota, hinwies, diesen
selbst unter lebhaftem Begrüßungs
applaus den Anwesenden vor.
Herr Julius Mörsch, entschieden
einer der begabtesten Redner des
Nordwestens, der zugleich dieEhre hat,
Präsident des Staatsverbandes Min
nesota zu sein— und dieser ehrte in
der Wahl sich selbst—kam nach einigen
einleitenden Worten direkt auf des
Pudels Kern. Seine Ansprache, eine
der gediegendften, die je ein deutsches
Publikum vernahm, folgt hier fast
wörtlich:
Rede des
Herr« Präsident?» JnliuS
Mörsch.
Verehrte Stammesgenossen von Nord
Dakota, mein Damen und Her
ren:—
Gestatten Sie mir zuerst der Exeku
tive des Staatsverbandes von Nord
Dakota meinen herzlichen Dank aus
zusprechen für die freundliche Einla
dung zur Theilnahme an dieser Jah
resversammlung. Ich danke Ihnen
nicht nur für mich persönlich, sondern
auch im Namen des Staatsverbandes
von Minnesota, dessen Präsident zu
sein ich die Ehre habe. Ich halte es
für recht, weise und wohlangebracht,
daß die Leiter nachbarlicher Staats
verbände gebotene Gelegenheiten
wahrnehmen, um sich näher kennen zu
lernen und bei solchen Zusammen
künften gemeinsame Interessen zu be
sprechen. Wir, ich meine Sie hier
in Nord-Dakota, und wir in Minue
sota, haben doch so manch gemeinsame
Interessen, zu deren Förderung ein
gemeinsames Handeln nur helfend
wirken kann.
Daß^die Interessen der Nordwest
lichen Staaten nicht immer mit den
jenigen der östlichen Staaten gleich
laufend find, erhellt schon daraus,
daß wir im Nordwesten in Bezug auf
Einwanderung doch ganz anderer
Ansicht sind als man es im Osten ist.
Wir wünschen eine lebhafte Einwan
derung, die wir aber auch behalten
möchten, im Osten dagegen ist man
ans Einwanderung welche sich dort
seßhaft machen mochte, nicht sonder
lich begierig.
In Bezug auf die deutsche Bevöl
kerung der Vereinigten Staaten läßt
sich zudem auch sagen, daß ihr Kern
vnnkt heute nicht mehr im Osten liegt,
sondern daß er sich im Venire der Jah
re nordwettwärts verschoben hat. Ich
bin auch der Ansicht, daß die Deut
schen des Nordwestens ein besseres,
reineres Deutsch reden, als dieses im
Osten der Fall ist: dieses kommt wohl
daher, weil des Dentschthnm desNord
Westens weniger lang im Xtandj ist
als dasjenige des Ostens und sich da
her auch feine Muttersprache reiner
erhalten hat: Ausnahmen von gro
ßeii Städten, wie New .Pork, Phila
delphia, Jndianavolis, Cincinnati
11. a. gelten allerdings mich hier.
Im Staate Ohio erlebte ich letzten
Winter eine kleine Ueber rafchu:-^
Ich war in einer kleinen Stadt, deren
Geschäftshäuser in der Mehrzahl deut-
r,
Da Herr Julius Mörsch, der Prä- !,1C •ianiei1 tilgen und daraus schloß
1 l4l .. ..
dent des Staatsverbandes Minneso- 141 ^uch auf ein verhältnißmä-»'_-A.I*'f—
i, als Redner für diesen Abend auf MN.'larkes Deutschthum. Allein ich
.'in Programm stand, um Delegaten ""ch. Eine deutsche Vereini-
miitg gab es in dci tadt nicht
ie Abendsitzung als eine öffentliche! ^iil iei ":eiii Schluß war iedoch ir«
Ii halten und alle Deutschen Wahpe-
f-'
öcn" ö.cr
des
vom
Nach genossenem Abendessen, und
in denkbar gehobenster Stimmung,
begannen Delegaten und Gäste schon
um acht Uhr abends sich in der Halle
der Turnvereins „Vorwärts" einzu
finden. Auch das Deutschthum Wah
petons hatte sich trotz strömenden Re
gens zahlreich eingefunden, der An
spräche des eminenten Redners, Herrn
Julius Mörsch, zu lauscheu.
Pfarrer de" .(H-*?,
che zur Ohio e umse gehörte, sagte
mir, daß er nur englisch predige und.
daß die Gemeinde, obwohl dem N
men nach deutsch, keine Schule habe.
Der Pfarrer jener Kirche aber, welche
e i s s o u i S y n o e e i n e i
te mir, daß er außer der Stadtge
meinde auch noch zwei Landgemein
den bediene, aber nur in einerGemein
de die Gottesdienste in deutsche
Sprache abgehalten würden urth
Schulen, deutsche Schulen, hätten sie
erst recht nicht.
Heute Morgen nun wurde mir me
andere, ich muß sagen recht freudige
Ueberraschung, als ich die Herren
Delegaten kennen lernte, welche weit
aus dem Norden ihres Staates hier
her kamen, um als die Vertreter
deutsch-russischer Vereinigungen an
dieser Konvention teilzunehmen.
Sie, die Nachkommen jener Würtem
berger, welche vor zwei Jahrlmnder
ten von Würtemberg nach Bessarabien
Eherson und Wohlrinien auswander
ten und welche dann selbst innerhalb
der letzten zivci_ Jahrzehnte Rußland
verließen und sich in diesem Staate,
Nord-Takota, niederließen, sie haben
sich die Svrache ihrer Altvordern, die
deutsche Sprache, erhalten und wre
chen sie rein und mit schwäbischem
Dialekt. Besonderes aber impouirt
mir an ihnen, daß sie sich deutsche
Ideale, deutsches Wesen und Denkart
mit der Muttersprache erhalten haben.
Sie stehen da, ein leuchtendes Er
empel, eine Mahnung denjenigen
Teutschen, welche, direkt aus der
Hei math hier einwandernd, sich nun
ängstlich bemühen, schnell alles das
(Fortsetzung aus Seite 4)
i
ifttl

Vergrüßnng im Merchants
Für Resolutionen: George Lip
Pert aus Jamestown Paul Stöhr
ans Anamoose Ehrist. Geißler aus
(gackle: Fr. Bärwald aus Egeland
und Wm. Klimmeck aus Fargo.
Fiir Nominationen: -George Ehl
hard aus Gackle: Johann Ran ans
Venturia George Lippert ansJames
town: H, G. Albrecht ans Wahpeton
und Wm. Laist ans Bismarck.
Ter Staais-Anzeiger. Bismarck, R. £., den 4. Juli
9.10
2.00
4.20
21.00
10.00
5.70 I
(.20
4.00
3.00
0.10
o.TO
3.80
(UO
3.00
2.00
4.20
New Salem.
Schillerloge,' Anamoose
8.00
2.00

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