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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, October 10, 1912, Image 1

Image and text provided by State Historical Society of North Dakota

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7. Jahrgang
Wochen-Rundschau
UuSlanV.
Deutschland.
e i n 2 9 S e i e o s
^veröffentlicht heute einen sehr schar
•sen Artikel in der Panama-Kanal-
Frage aus der fetter des bekannten
Mi!itär-Schriftstellers General von
Bernhard!. „Obgleich England alles
Mögliche thut," heißt es in dem Ar
tikel, „um den Beistand Teutsch
lands in der Panania-Asfaire zu be
stimmen, sollte Teutschland einsehen,
daß es weder in seinem politischen,
noch wirthschaftlichen Interesse liegt,
diesen Beistand zu leisten. Wirth
schaftlich tu die amerikanische Ausle
gung des Hay-Paucefoote-Vertra
des vom deutschen Standpunkt aus
unantastbar: so lange Abgaben nur
an die den Küstenverkehr vermitteln
den Fahrzeuge zurückerstattet oder
von ihnen nicht erhoben werden, hat
Deutschland nichts einzuwenden.
Amerika hat in dieser Angelegenheit
mit uns kein Abkommen getroffen,
und was es mit England gethan
hat, geht uns nichts an. Vom poli
tischen Standpunkt aus liegt nicht die
mindeste Veranlassung für uns vor,
unsere traditionellen, nutzbringenden
Beziehungen zu den Vereinigten
Staaten zu gefährden, um für Eng
land die Kastanien aus dem Feuer
zu holen. Damit würde die englische
Freundschaft zu theuer erkauft. Zu
dem würde England wahrscheinlich,
wie gewöhnlich, nach Beseitigung der
gegenwärtigen Schwierigkeiten den
von uns geleisteten Beistand verges»
sen und aus selbstsüchtigen Motiven
wieder die alte antideutsche Politik
einschlagen. Wenn wir die Situation
fiilil betrachten, so können wir uns
her Einsicht nicht verschließen, daß
England eine moralische und politi
sche Niederlage erleiden wird." Zum
Schlüsse seines Artikels beglück
wünscht General Bernhardt den Theil
der amerikanischen Presse, die in der
Panamakanal Angelegenheit die
amerikanische Seite vertritt, ohne sich
um das von Seiten der Engländer er
hobene Geschrei zu kümmern.
e i n 2 9 S e i e e w a l
tiingsbehörden von Groß-Berlin ha
ben an die Regierung eine Petition
gerichtet, welche die Erleichterung der
Einfuhr von' Gefrierfleisch bezweckt.
Das Gesuch wird in ausführlicher
Weise begründet. Zugleich wird un
ter Hinweis auf die großeTheuerung,
welche die breiten Schichten der Be
völkerung schwer bedrücke, der Ar
Wartung
Ausdruck verliehe», daß ein
baldiger günstiger Bescheid erfolgen
möge. Es wird ferner betont, daß
leistungsfähige Firmen, welche die
Einfuhr übernehmen würden, sowie
Kühlhäuser und Kühlschiffe Iii reich
licher Zahl vorhanden seien.
e i n 2 9 S e E i n e o e
Auszeichnung bat Kaiser Wilhelm
dem Staatssekretär des Reichs
marine-Amts, Großadmiral V. Tir
oitz zutheil werden lassen. In einer
besonderen Kabinetts-Ordre hit der
Monarch, welcher jüngst die Parade
iber die Hochseeflotte auf d^r Höhe
ion Helgoland abgenommen, dem
Staatssekretär seine Anerkennung
nisgesprochen für die Schaffung der
üchtigen Flotte, die in erster Linie
•cm unermüdlichen zielbewußten
Virken des Großadmirals zu ber
anken sei.
e I i n 3 0 S e I i n i k
nf die Theuerungs Kalamität ma
ictt einen um so markanteren Ein
ruck die Mittheilungen, welche der
Präsident der Reichsbank, Wirkl.
kh. Rath Rudolf Havenstein, soeben
I einer Sitzung des Zentralkomitee
es Finanzinstituts gemacht hat.
räsident Havenstein hebt den gütt
igen Stand der Reichsbank hervor,
ieser sei wesentlich besser als um
e gleiche Zeit des Vorjahrs. Ob
ohl Deutschland's Wirthschaftsleben
if der Höhe der Konjunktur stehe
td nur wenige ausländische Gelder
Deutschland vorhanden seien, sei
ne Erhöhung des Diskontsatzes un
ithig, so stark seien die Mittel der
ans Die Erklärung des Reichs
nk-Präsidenten ist nicht mir in
umztellen, sondern auch in politi»
cn Kreisen mit größter Besriedi
iig aufgenommen worden. Es
rd daraus gefolgert, daß hin ret
ire Mittel selbst für hochgesteigerte
tforderungen zur Verfügung steh
und eventuell auch bei ernsterer
ftoltung der internationalen Lage
ncrlei Besorgmß nach der finan
llen Richtung hin bestehen könne.
er Iin, 30. Sept. Die Situa.
t.mtf dem Balkan erregt hier, wie
allen anderen europäischen Haupt
ten, weiter die größte Besorgmß.
e dem „Tageblatt" heute aus
Athen gemeldet wird, hat auch Grie
chenlaitd mit der Mobilisirung begon
nen. Das seit Langem drohende Un
wetter mag daher jederzeit losbreche».
e i n 1 O k i e e i s
regimmg hat mit den Zugeständnis
sen, zu denen sie sich nach langem
Zögern zur Beschwichtigung der Er
regung infolge der Fleischnoth ent
schloß, nur Oel in's Feuer gegossen.
Staat daß die Agitation zur Erzwin
gung der vollständigen Oesfnung der
Grenzen für die Einfuhr von Fleisch
und anderen Lebensmitteln gestaut
worden ist, wurde sie noch mehr an
gefacht. Die gestern offiziell ange
kündigten Maßregeln, die auf den
ersten Blick wenigstens eine theil
weise Linderung der Rothlage zu
versprechen schienen, erweisen sich
nämlich bei nähererPrüfung als voll
ständig unzureichend Sie sind
schwer kontroUirbare, komplizirte
Mittelchen, mit denen nichts erreicht
wird. Die Presse bezeichnet sie fast
einstimmig als „Tropfen auf einen
heißen Stein" und der Ruf nach bil
ligerem Fleisch und Brod gellt lauter
durch das Reich, als je zuvor.
e i n 2 O k Z n i a u i
Regierungsbezirk Königsberg hat ein
Posten nächtlicher Weile einen Kamps
mit drei Einbrechern erfolgreich be
standen. Den einen, Namens Knoske,
erschoß der Soldat. Den zweiten
nahm er fest, doch der dritte entkam.
Das Trio hatte den Versuch gemacht,
die Festungsbaukasse zu bestehlen.
n ch e n, 2. Okt. In Berch
tesgaden ist der Beichtvater desPrinz
Regenten Luitpold von Banern,
Stiftspropst Türk, aus dem Leben
geschieden.
e i n 3 Okt. Der deutsche
Staatssekretär des Auswärtigen, v.
Kiderlen-Wächter, erklärte heute in
einem Interview über die Balkan
läge: „Die Situation ist vom mili
tärischen Gesichtspunkte aus so ge
fährlich, daß jederzeit Feindselichkei
ten ausbrechen können. Die Groß
mächte sind jedoch entschlossen, keine
Veränderungen in der territorialen
Lage am Balkan zu gestatten. Die
Balkanstaaten können deshalb, falls
sie einen Krieg anfangen, nur Ruhm
gewinnen, aber kein Land. Diese
Gewißheit mag noch im letztenAugen
blick eine abkühlende Wirkung haben.'
e i n 3 O k E i n e e n s e z i e
Blutthat wird aus München gemel
det. Im Wahnsinn schnitt dort der
Staatsanwalt Plöhner seinem eige
nen vierjährigen Söhnchen mit einem
Rasirmesser die Kehle von Ohr zn
Ohr durch, so daß der Tod des Kna
ben fast augenblicklich eintrat.
e i n 8 O k i e a u n
Rumäniens bildet hier vielfach den
Gegenstand der Spekulation. In
militärischen Kreisen meint man,
falls Rumänien türkenfreundlich sei,
könne ès, indem es bewaffnete Neu
tralität bewahre und ben Haupttheil
der bulgarischen Kräfte fessele, nützen.
Inzwischen möge die Türkei die Grie
then und Serben abfertigen. Tann
würden die Bulgaren wesentlich. al
lein stehen. Der Zeitpunkt zum Ein
greifen der Mächte wäre da und der
Friedensschluß würde auch nicht lange
anf sich warten lassen.
e i n 4 O k o e W i e i e
in Metz erscheinende katholische „Loth
ringer Volksstimme" meldet, ist die
Auswahl des Nachfolgers für den
kürzlich verstorbenen Erzbischos von
Köln, Kardinal Fischer, so gut wie
getroffen. Dem Blatt zufolge ist der
Abt Fidelis der Benediktiner Abtei
zu Maria. Laach, Baden, für die
Besetzung des Erzbischosssitzes aus
ersehen.
Frankreich.
a i s 4 O k i e o n u n
auf Erhaltung des Friedens am
Balkan wurde heute durch die Ver
sicherung Oesterreich-Ungarns ge
stärkt, daß es bereit sei, die anderen
Großmächte in ihren Bemühungen,
das Balkanproblem auf friedliche
Weife zu lösen, zu unterstützen. Die
Haltung Oesterreichs war bisher
nicht ganz klar und der Beistand der
Monarchie wird in diplomatischen
Kreisen für eilten mächtigen Faktor
in der Abwendung eines Krieges ge
halten.
Oesterreich-Ungare».
W i e n 1 O k K ö n i N i k o a u s
von Montenegro hat heute die Mobi
lisirung feiner Armee angeordnet,
wie eine hier aus Cettinje eingelau
fene Nachricht besagt.
W i e n 1 O k e E z e z o g
Thronfolger Franz Ferdinand hat
für feine drei Kinder, die 11 Jahre
alte Fürstin Sophie, den 10 Jahre
alten Fürsten Maximilian, der heute
seilten Geburtstag feiert, und den 8
Jahre alten Prinzen Ernst, den Prä
festen Stanovsky des Jungbunz-
laner Diözesan-Konvikts bestellt.
Der Prüfest ist ein Erztscheche, und
dieser Umstand hat in allen deutschen
Kreisen des Habsburgerreichs die
größte Erregung hervorgerufen.
Man sieht in der Wahl dieser Per
sönlichkeit den Einfluß der Herzogin
von Hohenberg, der morganatischen
Gemahlin des Thronfolgers ihr
wird die Schuld zugeschoben.
W i e n 3 O k i e e s e i n e
höchst pessimistische Stimmung. Der
Allsbruch eines Krieges gilt als un
vermeidlich, trotz aller Bemühungen
der Mächte. Es finden eifrige Kon
ferenzen der Minister statt. Der Chef
des Generalstabs, Feldmarschall
leutenant Schemna, hielt dem .Kaiser
Franz Joseph abermals Vortrag
über die Lage. Die „Reichspost",
welche dem Erzherzog-Thronfolger
Franz Ferdinand nahe steht, bespricht
die russische Probe Mobilisirung in
der abfälligsten Weise. Das Blatt
erklärt, Oesterreich Ungarn könne
nicht eingeschüchert werden. Es wolle
den Frieden, dulde aber kein Gefähr
den seiner Lebensinteressen auf dem
Balkan und sei auf alle Eventuali
täten gefaßt.
Italien.
o m, 3. Okt. Der Leibarzt des
Papstes, Dr. Giuseppe Petacci, ist ge
storben. Den Papst bat die Nach
richt vom Hinscheiden seines Arztes
sehr mitgenommen.
Schweiz.
e n s 8 0 S e e e i e
Schlußsitzung des Internationalen
Friedenskongresses war. wie schon
frühere Sitzungen, ebenfalls von
stürmischen Auftritten begleitet. An
laß zu dem Tumult gab wiederum
eine Rede des Präsidenten des Inter
nationalen Friedensbureaus, Dr.
Gobat, der die italienischen Flieger,
die während des Krieges in Tripolis
thätig waren, als „Briganten der
Luft" bezeichnete. Von verschiedenen
Seiten der Versammlung erhoben sich
laute Protestrufe, und der Redner
mußte eine Pause von mehreren Mi
nuten machen. Ter Kongreß beschloß
im nächsten Jahre im Haag und 191 4
in Marienbad zusammenzutreten.
e n 3 0 S e e e i e
Gewährung- völliger Autonomie in
Elsaß Lothringen, das heißt die
Umwandlung in einen vollberechtig
ten deutschen Bundesstaat, würde
nach Ansicht der deutschen und sran
zöslschen Delegaten zur internatio
nalen Friedenskonserenz ein entschie
dener Schritt im Sinne besserer Be
ziehungen zwischen Frankreich und
Deutschland sein. Die deutschen und
französischen Delegaten haben eine
diesbezügliche Resolution- beantragt
und diese wurde vom Kongreß per
Akklamation angenommene
Türkei.
51 o n st a n i n o e l, 29. Sept.
Nach Urtheil des türkischen Ministers
des Äußern liegt der Schwerpunkt
der kriegerischen Erregung auf dem
Balkan in der bulgarischen Haupt
stadt Sofia. Der Minister sagte, er
bezweifle nicht die friedlichen Absich
ten des bulgarischen Kabinetts, und
solange Bulgarien sich friedlich ver
halte, würden auch die übrigen Bai
kan-Staaten ruhig bleiben. Sollte
aber die Agitation in Bulgarien der
Regierung über den Kopf wachsen, so
werde die Türkei im Stande sein,
ihren Besitzstand und ihre Unabhän
gigkeit zu vertheidigen. Der Minister
giebt weiter die Versicherung, daß die
Psorte entschlossen sei, Reformen in
allen Theilen des Reiches einzufiih
reu. Ausländer würden als Beiräthe
herangezogen werden, um die Orga
nisation der Zentral- und Provinzial
Verwaltungen durchführen zu helfen.
K o Ii st a it i n o e I, 1. Okt.
Habt Pascha, der Chef des türkischen
Generalstabes, machte heute Abend
bekannt, daß die Regierung die Mo
bilmachung der Armee beschlossen
habe. Im übrigen hat die Mobilisi
rung der bulgarischen und serbischen
Armee hier wenig Eindruck gemacht
Die „Neni Gazette" ist die einzige
einflußreiche Zeitung, die offiziell
von der Sache Notiz genommen hat.
„Wir glauben nicht an die Wahr
scheinlichkeit eines Krieges," heißt es
in einem Leitartikel. „Sollte der
Krieg aber doch ausbrechen, so trägt
Bulgarien die Verantwortung. Die_
Türkei wird ihre Ehre zu vertheidi
gen wissen."
K o n s a n i n O e 4. Okt.
Das türkische Kabinett beschloß ge
stern, die neuesten Friedensbedin
gungen Italiens anzunehmen. Die
Nachricht stammt aus gutunterrichte
ter Quelle. Die Präliminarverein
barungen sollen sofort nach der An
kunft eines türkischen Spezialbot
schafters in Ouchy unterzeichnet wer
den. Der Spezialbotschaster reifte
Bismarck, Nord-Dakota, Donnerstag, de« 10. Oktober 1912«
1
gciteru sofort nach der Kabinetts
sitzuug von Konstantinopel nach der
Schweiz ab.
Serbien.
e a 2 9 S e i e
kische Regierung hat die für den
Transport von Kriegsmaterial für
Serbien durch türkischesGebiet früher
gegebene Erlaubniß zurückgezogen.
Dies wird damit begründet, daß die
Türkei nur unzureichende Auskunft
betreffs der Haltung Serbiens be
kommen habe. In Saloniki sind 51
Bahnwagen mit Munition für Ser-
bieu aufgehalten, in Uskup 20 und
20 in Stumanouc.
e a 3 0 S e i e
Ordre für die Mobilmachung des
serbischen Heeres wurde heute unter
zeichnet. Die Sknpschtina ist auf
Donnerstag in außerordentlicher
Sitzung einberufen worden.
Bulgarien.
S o i a 3 0 S e i e o i
machung des bulgarischen Heeres ist
heute von der Regierung angeordnet
worden. Man entschloß sich zur An
Ordnung infolge der alictrniirenben
Nachricht, daß die Türkei Truppen
in der Nachbarschaft von Adrianopel
und an der bulgarischen Grenze zu
sammenziehe.
o n o n 3 0 S e i e a i y
Mail" veröffentlicht eine Depesche
aus iUmstcmtinopel, nach der die tür
fische Regierung große Truppenmas
sen »ach allen Grenzen wirft und alle
Reserven einberufen hat.
o n o n 1 O k e russische
Minister des Auswärtigen Sergius
Sasonoff hat in Sofia dringend zur
Aufrechterhaltung' des Friedens ge
rathen. Auch Frankreich und Groß
britannien, die beiden anderen Mit
glieder der Tripel-Entente, thun ihr
Bestes, um Feindseligkeiten am Bal
kan zn verhindern und der aus
Deutschland, Oesterreich und Italien
beiulxMiöe Dreibund ist ebenfalls fest
entschlossen, im europäischen Wetter»
Winkel keinen Krieg aufkommen zu
lassen. Die Großmächte haben der
Türkei wiederum in freundlicher
Weife zu verstehen gegeben, daß Re
formet! in Macedonien unumgänglich
und sofort nothwendig sind.
o n o n 2 O k a i n e n
neuerlichen englisch-russischen Konfe
renzen die Theilung Persiens vorge
schlagen worden sei, ist heute im bri
tischen Auswärtigen Amt in Abrede
gestellt worden. Die betreffende Mit
theilung wirft aber kein Licht auf die
Pläne der beiden Regierungen. Sie
lautet: „Es ist feine neue politische
Vereinbarung, die Persieu berührt,
erörtert worden. Keine der Mächte
hat den Wunsch oder die Absicht, Per
sten zu theilen. Um die Zitrückzie»
huitg ausländischer Truppen aus
Persien zu erleichtern, haben beide
Regierungen sorgfältig erwogen, wie
sie ant besten zur Stärkung der per
sischen Regierung beitragen können,
um es ihr zu erleichtern, die Ord
nung wiederherzustellen und die
Sicherheit der Handelswege
n?.rtger.
schnitten.
31t
Ich
er­
reichen."
London, 3. ykt. Oer dem
nächstige Rücktritt des ans der „Ti
tanic"-Katastrophe geretteten Präfi
deuten der International Mercantile
Marine Company, I. Bruce Is,nan,
ist unter Erwägung. Laut Mitthei
lung ans gut informirten Schiff
fahrskreisen find Verhandlungen im
Gange, die auf Herrn ISmay's Rück
tritt und Uebertragung aller Schiffe
der Gesellschaft auf das amerikani
sche Schiffsregister abzielen.
o n o n 4 O k i e e s
heute eine bedeutend hoffnungsvol
lere Stimmung in Bezug auf dieBal
kaulage. Die europäischen Diploma
ten, die den Frieden zu erhalten hof
fen, find, wie es heißt, der Lösung
des Problems näher gekommen. Es
wird berichtet, daß die Großmächte
ein vollständiges Einvernehmen er
zielt haben. Zugleich kamen jedoch
Nachrichten von Scharmützeln au den
Grenzen von Bulgarien und Ser
bien. V
o v e 4 O k a s i i s e
Unterseeboot B-2 wurde heute von
dem Hapagdampfer „Amerika" nie
dergerannt und in Stücke geschnitten.
Das Boot sank wie ein Stein und ein
Offizier und dreizehn Matrosen wur
de« mit in die Tiefe gerissen und er
tranken. Der einzige Ueberlebende
ist Leutnant Richard I. Pnlleyne,
der wieder an die Oberfläche kam und
nach langem Kampfe mit den Wogen
von einem britischen Torpedoboote
gesichtet ltttd gerettet wurde. Als er
aus dem Wasser gezogen wurde
stammelte er die Worte: „Das Un
terseeboot ist in der Mitte durchge-
bin eine Meile tief ge­
sunken." Dann fiel er vor Erschö
pfung in Ohnmacht.
Inland.
Große Demonstration in Lawrence.
a w e n e a s s 2 9 S e
Die Polizei und Weberarbeiter, die
an einem Umzüge theilnahmen,
kämpften heute mit Messern und
Knüppeln. Zwei Polizisten erhielten
Stichwunden, eine Anzahl von den
Umzüglern wurden mit Knüppeln
niedergeschlagen und ein Führer der
Industrial Workers of the World
wurde nach hartem Kampfe gefangen
genommen und dann wieder freige
lassen. Nur zwei Verhaftungen sind
zu verzeichnen. Aus den Reihen der
Arbeiter wurde ein einziger Schuß
abgegeben.
$50,000-fteuer in Sedgivick.
W i ch i a, Kas.. 29. Sept. Feuer
in Sedgwick legte heute das Opern
Haus, ein zweistöckiges Gebäude, in
Asche und beschädigte das Postamt
schwer. Der Schaden beläuft sich auf
$50,000 und ist zur Hälfte durch
Versicherung gedeckt.
Bier oder kein Bier?
i s u a 2 9 S e
..Bier oder kein Bier", das ist die
Frage, welche die Mitglieder der
deutschen evangelisch lutherischen
St. Peters- Gemeinde in zwei feind
liche Lager gespalten hat. Der bei
Weitem größte Theil der Gemeinde
stellt sich anf die Seite des Pastors
Heinrich Fuchs, der den Ausschank
und Verkauf von Bier auf Kirchen
Picnics nicht wünscht, während der
andere dieser Ansicht auf das Ener
gischste opponirt. Die Tierfreunde
hatten aus heute eine Versammlung
einberufen, um die Angelegenheit zu
besprechen und allenfalls unter For
mulirung von Beschuldigungen die
Resignation des Pastors zu verlan
gen. Da sich jedoch der Bericht, daß
Ret». Fuchs per Telephon die County
Tetektivs nach dem kürzlich abgehal
tenen Picnic berufen, um den Ver
kauf von Bier zu verhindern, als
falsch herausgestellt, wurde kein der
artiger Beschluß gefaßt. Rev. Fuchs
erklärt, daß er durchaus nicht gegen
den mäßigen Genuß von Bier oder
anderen herzstärkenden Getränken ist,
er sei jedoch von den Mitgliedern des
Frauen Unterstützungsvereins der
Gemeinde ersucht worden, dem Aus
schänk von Bier auf den Picnics der
Gemeinde Einhalt zn thun.
Der Ettor Giovanuitti Prozeß
begonnen.
Salem. Mass., 80 Sept. Mit
Handschellen aneinander gefesselt
wurden die Arbeiterführer Joseph
I. Ettor, Artnro Giovanuitti und
Joseph Caruso heute Morgen aus
dem Gefängniß nach dem Gerichts
saal geführt, wo sie ihrer Promsi
ruitfl wegen Aufreizung und Bei
hülfe zum Morde entgegensehen
350 Männer waren zum Geichnwc
ucndieitst herangezogen. Tie Aus
wahl der Juri) dürfte mehrere Taae
in Anspruch nehmen. Man glaubt
allgemein, daß es dem Diitriktsan
walt nicht gelingen wird, die Ange
klagten zn überführen.
Blutvergießen bei Proteststreik in
Lawrence'
a w e n e a s s 3 0 S e
Mit Blut wurde hier heute Geschichte
der orgaiiisirten Arbeiterschaft ge
schrieben. Zum ersten Male kam es
in den Vereinigten Staaten zu einem
Proteststreik gegen die Einkerkerung
von Arbeiterführern und, obwohl der
Ausstand nicht den Umfang annahm,
den die Industrial Workers of the
World prophezeit hatten, waren die
Folgen schlimm genug, da mindestens
fünfzehn Personen verletzt wurden.
Tie Polizei in Lawrence behauptet,
daß nicht mehr als 7000 Textilar
beiter dem Befehle gehorchten, die
Arbeit als Protest gegen die Einker
kerung und Prozessirung von Joseph
J. Ettor und Artnro Giovanuitti auf
24 Stunden niederzulegen. Viele von
diesen 7000 Menschen waren aber
entschlossen, ihre Mitarbeiter, die
nicht freiwillig seiern wollten, von
ihren Arbeitsstätten zurückzuhalten,
und daraus ergaben sich naturgemäß
Aufläufe, Körperverletzungen und
Unruhen, die die Polizei m»r mit
Mühe unterdrücken konnte.
Korrespondenz zwischen Roosevelt
und Harri
in mi vorgelegt.
W a s i n o n 3 0 S e i e
ganze Korrespondenz zwischen Theo
dore Roosevelt und dem verstorbenen
Eisenbahnkönig Edward H. Harri
man, die von Roosevelt's Amtsan
tritt im Jahre 1901 bis zu dem
'hto"c:i1
Socfe^
Avonnements-Prr»,,:
$.150 das Jahr in den Ber. Staatey
Stach de« «»»lande
$2.00 das Jahr nach Canada
$2.00 (M. 8) nach Teutsckiland
$2.00 (L1s. 4) nach Rußland
(Nur
gegen Vorausbezahlung)
No. 11
Bruche zwischen den beiden Männern
im Jahre 1900 datirt, wurde heute
dem Senatskomite, das die Kant»
pagnebeiträge den letzten beiden
und der gegenwärtigen Nationalwahl
untersucht, vorgelegt. Ans den vie
len Briefen, die von den verschieden
sten Dingen von der Ausstellung von
Iitdianerbildern bis zur Ernennung
von Bundesrichtern und Territorial
Gouverneuren in Arizona handelten,
ging wenig Nettes über die heißum
strittene Frage hervor, ob Präsident
Roosevelt Herrn Harriman int Jahre
1901 speziell ersuchte, einen Kam
pagnefonds von $210,000 aufzubrin»
gen, oder nicht.
Griff tief in die Tasche.
W a s i n o n 1 O k W i
liam Flitttt, der Vorkämpfer der pro
gressiven Partei in Peimsylvanien,
und Elvon H. Hooker aus Nero Hork,
Schatzmeister des progressiven Natio
nalkoinites, gaben heute dem Se
natsausschuß, der mit der Untersu
chung der finanziellen Seite der letz
ten Präsidentschaftskampagnen be
auftragt wurde, Auskunft über die
Kosten der diesjährigen Roosevelt'
scheu Nationalkampagne. Flirrn
sagte nicht nur über seine Beisteuer
ZU
Roosevelt's Kampgnefonds
aus,
sondern erwiderte auch auf die von
Senator Penrose int August erha
bne Beschuldigung, daß er, Flittn,
im Jahre 190 Penrose und Israel
W. Durham, einem einflußreichen re
vnblikanischen Politiker, $1,000,000
angeboten habe, falls sie ihm zu ei
nem Sitz im Bnndessenat als Nach
folger des verstorbenen Senators M.
S. Quay verhelfen würden. Bei
Fliitn's Verhör stellte sich auch her
aus, daß Flinn in diesem Jahre für
die Roosevelt Kantpange und für
die progressive Kampagne in Pemt«
sylvanien die kolossale Summe von
$114,308.29 beisteuerte. Eloit H.
Hooker, der vor Flinn vernommen
wurde, prodiizirte Toknmente, um zu
beweisen, daß das Roosevelt Natio
ncilfomite in der ganzen nationalen
Primärwahlkampgne vor der Chica
goerKoiivention $111,075.44 verauS
gabte. Ueber $52,000 von diesem
Betrage wurde in dem in Massachu
setts tobenden Primärwahlenkanipfe
verwendet. In der New Aork Pri
märwahlenkampagne gaben die Roo»
sevelt-Streitkräfte itachHooker's Aus
sagen $52,00(5.52 aus. Es stellte sich
heraus, daß der Trustmagnat George
W. Perkins $15,000 für die New
Yorker und $22,500 für die nationale
Kampagne 'beisteuerte. Frank A.
Munset) gab $15,000 für die New
Dorker und 19,000 für die nationale
Kampagne, und T. R. Hanna $25,
000 für die nationale Kampagne.
$99,384.18 klassifizirte Flinn in
seinem diesjährigen Rechenschaftsbe
richt als ..Rooievelt Ausgaben". Ei
nige zusätzliche Beträge für die WM
von Telegaten brachte seine ..Roose
velt Kontribution" auf $102,000.
Flinn gab zu, daß er neunzig Pro
zent von dent Gelde beisteuerte das
benutzt wurde, um den Staat Penn
sylvanien in den Primärwahlen für
Roosevelt zn gewinnen. Er fügte
hinzu, nach seiner Ar siebt sei das
Endziel, nämlich eine Veränderung
der Zustände in Vennhilvcirrien,
nicht zu theuer erkauft worden.
Archbold, M'Wflott, Flick und Gould
halsen Roosevelt.
W a s i n o n 2 O k i e
Kontributionen von je $100,000mor
den im Jahre 1904 von John D.
Archbold, dem Standard Oel-Mag
naten, J. P. Morcian & Company,
H. C. Fries
und
zum republikanischen Kampagnefonds
beigesteuert, wie George R. Sheldon,
der Schatzmeister des republikanischen
Nationalskomites von 1908, beute
vor dem Untersnchnngskomite des Se
nats aussagte. Die Beiträge tun reit
in den Büchern des inzwischen verdor
benen Cornelius N. BÜß verzeichnet
und die Bücher gingen durch die
Hände Sheldon's. Sheldon sagte,
daß Bliß ihm eine detaillirte Liste der
Kontribuenten von 1904 vorlegte,
daß ihm die vier oben genannten Be
träge wegen ihrer Größe besonders
auffielen und daß er keine Eintra
gung sah, aus der die Rückgabe von
Archbold's $100,000 Beitrag hervor
ging.
Neger im Zuäjthause von Sträf
lingen gelyncht.
a w i n s W y o 2 O k E i n
Haufen Sträflinge im Staatszucht
hause von Wyoming lynchten heute
den Neger Frank Wigfall, einen ehe
maligen Sträfling, der ein scheuß
liches Verbrechen an der 78 Jahre
alten Frau Esther Huggins begangen
hatte und vom Conntygefängniß in
die Strafanstalt eingeliefert worden
(Schluß auf Seite 8.)

England.
George J. Gould

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