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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, January 09, 1913, Image 1

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»eine Abweichung von diesen Raten
Wochen Rundschau
Ausland.
Teutschland.
S u a 8 0 e z A e
von Kiderleu-Wächter, deutscher
Staatssekretär des Äußeren, erlag
heute morgen plötzlich einem Herz
schlage. Er war auf Weihnachtsbe
such bei seiner Schwester, Baronin v.
Geniiningeu, nud erkrankte vor eini
gen Tagen. Sein Ende trat heute
Morgen um 7 Uhr ein, während er
sich allein befand.
e i n 3 1 e z A u s u i
kommt die Meldung von einem schwe
ren Unglück, daß sich bei dem Bau des
^Hauenstein-Tunnels durch das Jura
gebirge ereignet hat und vier Men
scheuleben kostete. Ii: dem Baracken
Jager der an den Tuuuelbauteu be
schäftigteu Arbeiter ist ein Erdrutsch
eingetreten. Eine aus vier Mitglie
dent bestehende Arbeiterfamilie ist
verschüttet worden und alle vier Per
sonen fanden unter den Erdmassen ei
nen elenden Tod.
e i n 1 a i K a i s e W i
helm sandte an die Schwester des
vom Tode abberufenen Staatssekre
lär des Aeuszeru, von Kiderlen
Wächter, Freifrau v. Gemmingen,
eine Tepesche, in welcher der Monarch
sein herzliches Beileid zum Ausdruck
brachte „anläßlich des Todes eines
der bedeutendsten Männer, von dessen
Diensten für das Reich noch viel zu er
hoffen blieb." Tie Frage der Nach
folge wird bereits in der eifrigsten
Weise erörtert. In erster Linie wird
Graf Bernslorff, der Botschafter in
Washington, genannt. Aber vielfach
wird die Ansicht geäußert, daß Graf
Bernstorff wahrscheinlich vorerst in
Washington bleiben werde, um die
zwischen Deutschland und den Ner.
Staaten schwebenden wichtigen Ange
lcgenlieiten zu erledigen, so nament
lich die Perhandlungen über den Ab
schluß eines regelrechten Handelsver
trage.
tt ch e n, 1. Ion. Ein ichine
lis Unglück, das auf der Stelle drei
Menschenleben kostete und wahrschein
lich noch ein viertes Opser fordern
wird, hat sich gestern in der Station
Bruckberg, bei Ausbach, Mittelfran
sen, ereignet. Als die Passagiere ei
lies in Bruckberg haltenden Personen
znges den Zug verließe» und sich über
die Geleise nach dem Bahnsteig bege
in-n wollten, brauste der Münchener
Schnellzug durch die Station und in
die Ausgestiegenen hinein, die nicht
ichuell genug aus dem Wege springen
konnten. Drei Personen wurden
furchtbar zermalmt und blieben todt
auf den Schienen, ein vierter Rei
fender wurde.so schwer verletzt, daß
mi seinem Aufkommen gezweifelt
wird.
I e i n 1 a n e u s s i s e
^Kriegsminister General der staoal
lerie W. A. Suchomlinow wohnte,
wie gemeldet, in Leipzig der Grimd
fteinlegung der Slirche bei, die dort
Mm Gedächtniß 5er in der Völker
schlacht von 1813 gefallenen russischen
Soldaten und Offiziere errichtet
itnrb. In einem Interview äußerte
sich der General in säst enthusiasts
scher Weise über die zwischen Deutsch
land und Rußland herrschenden
freundschaftlichen Beziehungen und er
versicherte, daß das herzliche. Einver
nehmen zwischen den beiden Mächten
durch die Balkankrisis in keiner Weise
gestört worden sei.
e i n 1 a n Die gefähr
KÜche Lage der Deutschen in Liberia
|()üt die Regierung zu weiteren Maß
nahmen zum Schutz ihrer Landeskin
ber veranlaßt, nachdem die Kanonen
leote „Panther" und „Eber" nach
Sestos bezw. der Hauptstadt Monro
üa beordert worden sind. Der kleine
Kreuzer „Bremen" von der amerika
Nischen Station (der im Sommer das
Deutsche Geschwader bei seinem Besuch
iarf) New York begleitet hat) hat
Weisung erhalten, den beiden Kano
lenbooten zu helfen.
e i n 1 a n u a i e n
hener Zeitungen behaupten heute,
»aß im Zustande des Königs Otto
•ine Verschlimmerung eingetreten ist
lnd die Aerzte das Ende des irrsin
»igen Monarchen nahe glauben. Zu
nen sonstigen Leiden des unglückliche»
Herrschers ist eine hartnäckige und
I
lösartige Hautentzündung getreten,
I
welche der ärztlichen Kunst nicht wei
chen will und trotz aller angewandten
Nittel und der für den Kranken ver
ordneten strengen Diät weiter um sich
ireift.
e i n 3 a n I n e U
legend von Stuttgart und auf der
"schwäbischen Alb sind leichte Erd-
Erschütterungen vorgekommen, welche
icht geringen Schrecken unter den
Bewohnern verursacht haben. Soweit
es sich hat feststellen lassen, ist nir
gends Eigenthumsschaden angerichtet
worden.
Oesterreich-Ungarn.
W i e n, 31. Dezember. Das Ab
geordnetenhaus des Reichsraths hat,
nach 17 ständiger Sitzung, das Bud
getprovisorium endgültig angenom
men. Der gemeinsame Finanzmini
ster Dr. v. Biliusfi nahm zur Tages
ordnung Gelegenheit zu einer aus
führlichen Besprechung des schädi
genden Einflusses des Balkankriegs
auf die volkswirtschaftliche Lage
Oesterreichs. Ritter v. Biliusfi führte
aus, daß alle Jndustriekreise schwer in
Mitleidenschaft gezogen seien, beson
ders aber die Textilindustrie zu den
am schwersten betroffenen Zweigen ge
hörte. Die ganze Erwerbs- und Pro
duktiousthätigkeit leide unter der
allgemeinen Unsicherheit. Die ärgste
(Gefahr liege in der stars übertriebe
nen Kündigung der Kredite und der
stürmischen Einziehung der Sparen:
lagen aus Sparkassen und Banken.
Der Minister milderte jedoch die
trübe Schilderung, indem er fort
fuhr: „Gegenwärtig sind glücklicher
weise tröstende Lichtblicke vorhanden.
Das Aergste scheint vorüber zu sein.
Zahlreiche günstige Symptome bie
ten Gewähr für eine Rückbildung der
unerfreulichen Erscheinungen. Wir
dürfen zuversichtlich in die Zukunft
'.'tiefen."
W i e n 1 I o n V o n e i n e e
fährlichen Schadenfeuer, bei dem die
Löschmannschaften in schwerer Le
bensgeiolu' schwebten, wird aus Graz,
Steiermarf, gemeldet. Die große
Papierfabrik Merry Milli ist zum
Rand eines Brandes geworden, der
mit riesiger Geschwindigkeit um sich
griff und der Anstrengungen der
Feuerwehr spottete. Mit Todesver
achtung drangen die wackeren Mann
schafteu in den Flammenofen, in dem
sie nochArbeiter vermutheten, als Plötz
lich ein Theil des Gemäuers zusam
menstiirzte. Neunundzwanzig Feuer
Wehrleute wurden dabei, zum Glück
nur leicht, verletzt. Der Schaden des
Brandes ist sehr bedeutend.
W i e u, 3. Jan. Gegenüber der
zu Hetzzwecken verbreiteten BeHauP
tiuig der Presse des Dreiverbandes,
daß Oesterreich Ungarn die Türkei
zur Fortsetzung des Krieges zu be
wegen strebe, stellt die hiesige „Allge
meine Zeitung" in einer offiziösen
Kundgebung fest, daß derlei Angaben
gänzlich unbegründet seien. Das
Blatt erklärt, daß sämmtliche Groß
inächte bei der Pforte wiederholt auf
das nachdrücklichste vorstellig gewor
den seien, um sie zum Einlenken zu
veranlassen, damit der Friede geschlos
sen werden könne. Die Regierung
der Doppelmonarchie habe dabei keine
Ausnahme gemacht, vielmehr ein
dringlich einzuwirken gesucht.
Rumänien.
u k a e st, 3. Jan Die Re
serveoffiziere des rumänischen Heeres
sind benachrichtigt worden, sich bereit
zu halten, daß sie im Falle einer Mo
bilmachung sofort zu den Fahnen eilen
können.
o n o n 1 a n i e i e
densbevollmächtigten der Balkanstaa
ten und der Türkei in London began
nen das neue Jahr damit, daß sie
heute Nachmittag eine ersprießliche
Sitzung abhielten. Bevor sich die
Türken jedoch auf die Erledigung
von Geschäften einließen, mußte Mi
chael Madjaroff, einer der bulgari
scheu Delegaten, eine deutliche Spra
che führen. Als die Vertreter des
ottomanischen Reiches begannen, die
gleichen Friedensbedingungen, wie
in der letzten Sitzung, wieder vorzu
legen, wurde Madjaroff grob und
verließ die Bildergalerie im St. Ja
mes Palast, um dem britischen Aus
wärtigen Amte mitzutheilen, daß die
Balkanverbündeten die Feindseligkei
ten wieder aufnehmen würden. Als
Madjaroff den Saal verließ kamen
die Verhandlungen natürlich zum so
fortigen Stillstand. Es wurde eine
Pause angekündigt und gewartet, bis
Madjaroff zurückkehrte. Der bul
garische Bevollmächtigte, dessen Zorn
sich inzwischen etwas abgekühlt hatte,
ließ denn auch nicht lange auf sich
warten. Als die Verhandlungen wie
der ausgenommen worden waren,
reichten die Türken neue Friedens
vorschläge in schriftlicher Form ein.
Die neuen Vorschläge lauten für die
Balkanverbündeten bedeutend gün
stiger, als die ersten. Die Türkei ist
jetzt bereit, Mazedonien und (Spirits
mit Saloniki bedingungslos abzutre
ten. Ferner erklärten sich die otto
manischen Delegaten bereit, über das
Schicksal der Festung Adrianopel
uud die künftige Grenze zwischen der
Türkei und Bulgarien in der Pro-
7. Jahrgang Bismarck, Rord-Datota, Donnerstag, den ». Januar 1913.
viitz Thrazien zu verhandeln. Die
Inseln im Aegäischen Meer wollen
die Türkei jedoch nickt an Griechen
land abtreten. Die Frage über das
unabhänigige Albanien und das
Schicksal der Insel Kreta soll den
europäischen Großmächten zur Eut
scheidillig vorgelegt werden. Die Heu
tige Konferenz dauerte drei uud eine
halbe Stunde uud die Delegaten ver
tagten sich sodamt bis Freitag.
o n o n 2 a n S a
uern, Chef der bulgarischen Delega
tion, erklärte heute, das die Friedens
unterhandlungen der Baikauverbün
deten mit den Türken abgebrochen
werden würden, falls die am Freitag
von de« türkischen Unterhändlern zu
unterbreitenden Friedensbedingun
gcii zur Festsetzung der künftigen
Grenze zwischen Bulgarien uud der
Türkei nicht in den Rahmen der von
den Verbündeten niedergelegten Be
dingungen paßten. Der türkische
Vertreter, Rechad Pascha,erwiderte
darauf, daß Adrianopels.ttapitulation
und Abtretung an Bulgarien nicht
gewährt werdeu tonnten. Dr. Deinem
fügte hinzu, daß sich die Situation
liitr
unwesentlich verändert habe. Die
Türkei sei von Anfang an willig und
bereit gewesen, Konzessionen in Maze
donicit und Epirus und theilweise in
der Provinz von Thrazien zu machen.
Aber das Problem, was aus Adriano
pel werden soll, bliebe immer noch un
gelöst. „Die Zukunft Adrianopels ist
einer der wichtigsten Punkte in den
Fnedeusunterbandlungen," sagte Dr.
Dcinew, „und soweit ich sehen kann,
ist keine Besserung der Lage in Sicht.
Falls wir bei der morgigen Konfe
renz finden daß uns die türkischen
Bedingungen nicht zufrieden stellen,
werden die Unterhandlungen abge.
brocheu."
o n o n 3. Jan. In der Heu
tigcti Sitzung der Friedensbevoll
ulächtigteu protestirteu die Türken
weiter gegen die Abtretung Adrian im
pels, während die Vertreter der Bai
kauliga rinn auf ihrem Standpunkt
beharrten. Auch auf die Abtretung
der Insel im Aegäischen Meer wol
len sich die Türken unter keinen Um
ständen einlassen. Sie erklärten sich
einverstanden, in Bezug auf die künf
tige Grenze zwischen Bulgarien und
dem ottomanischen Reich in Thrazien
geringe Zugeständnisse zu machen, in
dem sie den Bulgarien die Stadt
.trnithi dreingaben. Die Verbünde
ten drohten mit Abbruch der Verhand
lungen, falls die Türken nicht Adria
nopel und die Insel Kreta abträten.
Sie sagten, sie würden den ottomani
scheu Bevollmächtigten bis Montag
Zeit geben, zu einer Entscheidung zu
kommen. Die Türken erwiderten, sie
würden ihre Antwort schon morgen
bereit haben.
o n o n 3. Jan. Die Balkan
bevollmächtigten haben heute die Bot
schafter von Deutschland, Frankreich.
Rußland. Oesterreich und Italien er
sucht, über das Schicksal der Festung
Adrianopel zu entscheiden. Die Bot
schafter werden morgen eine Sitzung
abhalten, um über die Aufforderung
Beschluß zu fassen. Sollten die Bot
schafter willens sein zu entscheiden, ob
die Türkei oder Bulgarien die fünf
tige Besitzerin der Festung sein soll,
so wird dadurch die letzte Schwierig
seit, die dem Friedensschluß im Wege
steht, beseitigt. Die Botschafter mö
gen im Stande sein, das Problem in
einer Weise zn lösen, daß weder die
Bulgaren itoch die Türken vor den
Kopf gestoßen werden und daß beide
Länder die Entscheidung mit ihrer
Würde vereinbaren können.
o n o n 3 a n i e s e i s e n
Friedensbevollmächtigten haben Heu
te telegraphische Nachrichten erhalten,
nach denen die Lage Adrianopels
desperat ist. Die Kapitulation der
vollständig ausgehungerten Garnison
soll stündlich bevorstehen. An der Pa
riser Börse ging heute sogar bereits
das Gerücht, daß Adrianopel den Be
Iagerern iit die Hände gefallen sei.
Rußland.
S e e s u 2 a n
Wie hier mitgetheilt wird, beruht die
Absicht der Regierung, die jetzigen Ta
ristütze, sowie die Art des Verfahrens
bei Zulassung von Amerikanern, ein
schließlich amerikanischer Inden, auch
nach dem heute um Mitternacht er
folgenden Ablauf des formellen rns
sisch-amerikanischen Handelsvertrages
beizubehalten, auf einem in Washing
ton arremgirten informellen Modus
viveudi. Auf diese Weise wird' der
Vertrag, soweit die Interessen der bei
den Parteien in Betracht kommen, im
Gruude genommen unverändert wei
terbestehen, ob schon er seitens des
amerikanischen Kongresses wegen der
Haltung Rußlands in der Paßfrage
aufgehoben wurde. Durch die ameri
kanische Kündigung des Abkommens
von 1832 sind die übrigen russisch-
amerifaniichett Verträge nicht be
riihrt.
S t. o e s n g. 3. Jan.
Der Reichsrath hat ein Gesetz ange
nommen, durch das die letzten Spii
reit der Leibeigenschaft in Rußland
getilgt lverden. Als der Besreiungs
Ufas im Jahre 18(11 veröffentlicht
wurde, war der Kaukasus ausgenom
men worden, weil dort besondere Ver
Hältnisse herrschten. Vorübergehende
Maßnahmen wurden getroffen, aber
die Annahme der geeigentsten Form,
den Leibeigenen dort die Freiheit zn
geben, blieb unerledigt. Jetzt, nach
einem halben Jahrhundert, ist diese
provisorische Maßnahme zu einer
endgültigen verwandelt worden, trotz
dem sich noch Gegner der Aushebung
fanden.
Inland.
ßittricü Hon Ochse« im Jahre 1912
um 281,298 kleiner als 1911.
i a o 3 0 e z N a
den veröffentlichten Ausweisen wur
den in diesem Jahre um 281,298
Stück Rindvieh weniger als im Jahre
1911 in die Schlachthäuser von Chi
cago eingeliefert. Trotzdem wurden
im Jahre 1912 um $3,282,735 mehr
als im Vorjahre für Ochsen bezahlt.
Insgesammt wurden in diesem Jahre
für Schlachtvieh $183,188,909 ans
bezahlt.
Post und Eisenbahn.
W a s i it o n, 31. Dezember.
Generalpostmeister Hitchock richtete
ein Schreiben an das Hauskomite
für Postämter und Postrouten, worin
er sagt, durch die Einführung des
Systems der Packetpost werde vor
aussichtlich das Gewicht der von den
Eisenbahn zu befördernden Post
sachen bedeutend erhöht werden.
Nach dem bestehenden Gesetz dürfe
aber für den Transport nur auf
Grund einer Verwiegung der Post
sachen ein Mehrbetrag bezahlt wer
den und eine anderweitige gesetzliche
Regnlirimg dieser Angelegenheit er
scheine daher dringend geboten. Vor
einem Jahre hatte Herr Hitchock em
pfohlen, die Gebühren der Enenbah
nen für die Beförderung der Post
sachen nach Maßgabe des Raumes
und nicht nach Maßgabe des Gewich
tes zu berechnen. Auf solche Weise
würde sich fehl* leicht und ohne Zeit
verlust berechnen lassen, wie hoch sich
die Forderungen der Eisenbahnen für
die Beförderung der Postpackete
belaufen.
Eipriano Castro kehrt freiwillig nach
Europa zurück.
N e w A o k 3 1 e z E i i a n o
Castro, Ex-Präsident von Venezuela,
wurde heute an der Quarantäne
Station von dem französischen Dam
pfer „La Touraine" genommen und
nach Ellis Island gebracht. Er reiste
unter dem Namen Rniz. wurde aber
von den Einwandernngsbeamten so
fort erkannt und mitgenommen. Nach
einem vorläufigen Verhör, das heute
Nachmittag auf Ellis Island statt
fand, theilte Castro dem Einwände
rnngskommissär Williams mit, daß
er auf dem nächsten Dampfer nach
Europa zurückzukehren gedenke. Und
zwar will Castro für die Rückreise ei
nen deutschen Dampfer benutzen, der
in Hamburg anlegt. Die Lahres
wende muß der schwerreiche Er Prä
sident auf Ellis Island verbringen.
Sekretär Charles Nagel sagte heute
in Washington, daß die Bundesregie
rung nicht das geringste dagegen
habe, wenn Castro sofort nach Eu
ropa zurückfehre.
In» Zuchthaus angelaugt.
o e a v e u w o K a n
sas, 1. Jan. Frans M. Ryan, Prä
sident der Eisenarbeiter -Union Her
bert S. Hockin, ehemaliger Sekretär
der Union, und 31 andere Arbeiter
führer, die sich an den bekannten Dy
namitverschwörungen betheiligten, be
gannen heute das neue Jahr mit ihrer
Einlicferiutg in das Bundeszucht
haus, wo sie Freiheitsstrafen von ei
nem bis zu sieben Jahren verbüßen
müssen. Jeder Arbeiterführer erhielt
seine Sträflingsnummer, wurde ein
gekleidet und dann mit je einem Ka
meraden in Zellen untergebracht.
Hockin, der den Angeber gespielt ha
ben soll, erhielt eine Zelle für sich.
Der Extrazug langte um 7.30 Uhr
Morgens in Fort Leaveiiworth an
und ihr Mittagsmahl nahmen die
Verurteilten schon mit den übrigen
1200 Sträflingen ein. Morgen wer
den die Arbeiterführer ihre Wünsche
aussprechen dürfen, welcher Beschäf
tigimg sie im Zuchthaus nachgehen
wollen. Da die meisten von ihnen
Eisenarbeiter sind, so glaubt man,
daß sie im Freien an neuen Gebäu
den, die aus dem Zuchthausgrundstück
errichtet werden, werden arbeiten
dürfen.
timncr.
Vertrag erloschen.
W a fit it o it, 1. Januar. Der
russische Vertrag von 1832 ist mit
dem 31. Dezember nniMitternacht er
loschen. Wie erinnerlich, ward der
selbe vor Jahresfrist gekündigt, weil
die russische Regierung sich beharrlich
geweigert hatte. Pässe amerikanischer
Israeliten in gleicher Weise anzner
kennen, wie Pässe von Amerikanern
anderer Religion. Man versprach
sich, oder gab wenigstens vor zu glau
ben, daß diese Vertragskündigung
die russische Regierung veranlassen
würde, Artikel 2 des Vertrages, wel
cher vom Rechte des Aufenthaltes »md
des Reifens amerikanischer Bürger im
russischen Reiche handelte, in libera
lerer Weise zu konstruiren als bis
her daß eventuell ein neuer Vertrag
abgeschlossen werden würde, welcher
de» Israeliten die nämlichen Rechte
zugestünde wie anderen amerikani
schen Bürgern. Nichts dergleichen ist
erfolgt. In St. Petersburg hat man
einfach die Sache gehen lassen. Ver
schiedene Vorschläge für neue Ver
träge wurden gemacht, aber es wa
reit dabei feine Bestimmungen zur
Abänderung der bisherigen Haltung
der russischen Regierung der Juden
frage gegenüber vorgesehen. Jetzt
wird es also ohne Vertrag in dersel
ben Weise weiter gehen wie zuvor un
ter dem Bestellen de? Vertrags.
Senator Bailey's Abschiedsrede.
W a s i n o u, 2. Jan. Se
nator Joseph W. Bailey von Teras,
einer der besten Sprecher im Kon
greß, hielt heute vor vollbesetztem
Hause seine Abschiedsrede als Mit
glied des Senats. In einem oder
zwei. Tagen wird seine Resignation
dem Senat zugehen uud Gouver
iieitr Colguit von Teras mitgetheilt
werden. Bailey erwartet, daß R. M.
Johnston von Houston zu seinem
Nachfolger ernannt werden wird.
Der Amtstermin Bailey's läuft am
1. März ab. Senator Bailee's Rede
war ein Angriff ans die Initiative
und das Referendum, weil sie, falls
angenommen, das gegenwärtige Re
gienmgsfy'tem der Vereinigten Staa
ten abschaffen würde. Er sagte. Ini
tiative und Referendum hätten ihren
Ursprung in dem Bestreben von Po
litikern. der Verantwortlichkeit für
die Entscheidung unwichtiger Fragen
zu entgehen. Als Rogieningsinstitu
tionen würden diese Werkzeuge für
direkte Gesetzgebung durch das Volk
die Vereinigten Staaten von einer
Republik in eine Demosratie verwan
dein und die Kontrolle in die Hände
der Ungeübten, der Müßiggänger
und der Lasterhaften legen. Int Ver
laufe seiner Rede machte Bailey einen
Angriff auf William R. Hearst, den
er einen „elenden Hund" nannte. Se
nator Ashurst von Arizona sprang so
fort auf, um zu entgegnen, wurde
aber von Bailey mit den Worten ab
gefertigt, er sönne seine Erwiderung
draußen machen. Später hielt jedoch
Senator Ashurst eine Rede, in der er
das System der direkten Volksregie
rung vertheidigte uud Hearst als ei
nem loyalen amerikanischen Bürger
Tribut zollte. Die Gallerien waren
bis aus den letzten Platz besetzt und
viele Menschen warteten in den Kor
ridoren aus ein Gelegenheit, den
Schwanenge'ang des teranischen Se
nator* zu hören. Etwa 75 Mitglie
der des Repräsentantenhauses hatten
sich eingefunden. Jedermann hörte
Bailey aufmerksam zu und Applaus
von den Gallerien wurde hörbar, als
er geendet hatte. Der stellvertretende
Senatspräsident Gallinger unter
drückte die Beifallsäußerungen jedoch
cuts der Stelle. Der erwählte Prä
sident Wilson empfing nur Lob von
Bailey, obwohl der terauische Sena
tor sagte, er habe ber Auswahl Wil
son's unter den demokratischen Prä
sidentschaftskandidaten nicht zuge
stimmt. „Wenn der Mann, den wir
zum Präsidenten der Vereinigte«
Staaten gewählt haben, dem Lande
eine vernünftige und zufriedenstellen
de Administration giebt," rief Bailey,
„so wird die republikanische Partei
niemals wieder einenPräsidentschafts
kandidaten ausstellen. Sie haben nur
in zwei Staaten gewonnen," suhr
Bailey an die republikanischen Sena
toren gewandt fort. „Und das waren
die beiden kleinsten Staaten. Der
Kamps bei der nächsten Wahl in vier
Jahren liegt zwischen uns und den
Anhängern Roosevelt's. Roosevelt
wird uns noch mehr Stimmen neh
men, aber, Gott sei Dank, sie werden
von der Art sein, über deren Verlust
wir nicht klagen."
Pujo-Komite weiß fich nicht zu helfe».
W a s i n o n 2 a n i e
Mitglieder des Geldtrust Unter
fuchungsfomites des Repräsentanten
hauses schlugen heute viele alte, stau
bige Bücher nach, um sich darüber klar
Abonnements-Preise:
$.150 das Jahr in den Ber. Staaten
Nach dem Auslande
12.00 das Jahr nach Canada
$2.UU (9Ji. 8) nach Tvutfd)Innb
$2.01) (M'l. 4) nach Russland
(Nur gegen Vorausbezahlung)
No. 24
zu werden, wie sie William Rockefel
ler zwingen könnten, vor dem Konnte
zu erscheinen und Aussagen zu ma
chen. Der Sergaut at Arms des Re
präsentantenhanses Riddell Hat seit
Juni vergeblich versucht, dem Mil
lionär die Vorladung zuzustellen. Er
Hat mit einer steinen Armee von Ge
Hülfeii das Haus des Oelmagnateii
in New Dort' umstellt und das Ex
periment kostet der Bundesregierung
täglich ungefähr $1,000.
Neuer Handelsvertrag?
W a s i n o n 3 a n I n
hiesigen amtlichen Kreisen haben An
deutuugcit aus deutschen Quellen,
daß bald nach den bevorstehenden
Veränderungen in der amerikani
scheu Regierung Unterhandlungen
für einen neuen Handelsvertrag
zwischen Amerika und Deutschland
angeknüpft werden sollen, Verwun
derung hervorgerufen. Es wird
darauf hingewiesen, daß außer den
..Marimal- und Minimal" Bestini
mutigen des gegenwärtigen Tarifs
für ein solches Vorgehen keine gesetz
liche Basis vorhanden sei. Es ver
lautet, die Tarif Sachverständigen
hätten keinerlei Anhalt für die An
nähme gefunden, daß die neue denw
kiatische Administration spezielle
Handelsverträge begünstige, sondern
sich vielmehr einer allgemeinen Ta
rif Gesetzgebung zuneige.
Siege der Arbeiterführer im Bundes
appellatiousgericht.
i a o, 3. Jatt. Bürgschaft
im Gesammtbetrage von $1,100,000
muß gestellt werden, wenn 32 von
den 33 wegen Dyuamitverschwörung
oeriirtheilteii Arbeiterführern ans
der heute vom Bundesappellations
gericht bewilligten ..Supersedeas"
Verfügung Vortheil ziehen wollen.
Ob Bürgschaft in diesem gewaltigen
Betrage aufgebracht werden saun, ist,
wie die Vertheidiger der Arbeiterfüh
rer zugaben, sehr zweifelhaft. Die
Anwälte gaben jedoch der Ueberzeu
gütig Ausdruck, daß wenigstens ein
Theil der Summe aufgebracht werden
würde, genug, um Frank M. Ryan.,
dem zn sieben Jahren Zuchthaus Der
urtheilten Präsidenten der Eisenar
beiter llnioiu und einigen anderen
Arbeiterführern die Freiheit wieder
zugeben, bis die Appellation entschie
den. für deren Vorbereitung das Be
richt den Anwälten der Vertheidi
gung sechzig Tage Zeit gewährte.
Durch die Entscheidung des Bundes
oiipeslationsgeridits werden nur 32
Arbeiterführer betroffen. Herbert
S. Hockin, der dreiunddreißigste, der
von seinen früheren Kollegen als
Angeber bezeichnet wird, hat sich ent
schlosse«, nicht zu appellireti. Die
Richter Baker und Senian hörten die
Argumente der Anwählte und die
Entscheidung wurde mündlich von
Richter Baker verkündet. Richter Ba
ker nahm die Gelegenheit wahr, die
ungebührlich- zu kritisiren, mit
der matt di" Angeklagten von In
dianavolis aus nach dein Zudithai»#
gesandt habe.
Zustellung der Vorladung arrangirt.
N e w o k. 3. Jan. Wie heute
Abend in der Oftice von Samuel Un
termyer. dem Anmalt des Geldtrust
Untersiichnngskomites. bekannt gege
ben wurde, ist Wiliam Rockefeiler
willens, sich sehte Zeugenr ^abung
für den 13. Jatt. zustellen zi 'iffett.
Rockefeller ist nach einer Konsul "tion
mit seinem Anwälte. John A. or
ver, tu diesem Entschlüsse gelangt.
Herr Unterimicr hat' das Anerbieten
im Namen des Comites und im Ein
klang mit einer Entscheidung des
Vorsitzenden Vtiio angekommen.
Iii der Erklärung des Anwalt*
Utttennyer war jedoch keine Andeu
tung über Rockefellers Aufenthalt
enthalten. Auf Grund der Verein
betrung wurde der Sergant at-arnis
des Repräsentantenhauses instrnirt.
seine Bemühungen. Rockefeller die
Zeugenvorladung zu überreichen, ein
zustellen. Gleichzeitig machte An
walt Garver die Mittheilung, daß
Rockefellers Gesundheit sehr zu wnn
scheu übrig lasse und daß er deshalb
weder in Washington als Zeuge auf
treten noch in seiner Wohnung ver
nommen werden könne.
Noch der alte schlaue Castro.
N e w o k 3 a n u a a s
Bundesgericht gewährte heute Nach
mitton ei" hon Anwalt George Gor
don Battle eingeleitetes Habeas Cot
vtis Verfahren zwecks Freilassung^
des auf der Einwanderungsinsel de
tinirten (Mpriono Castro. In der
Klaaeschrist wird behauptet, daß der
frühere Präsident von Venezuela
ohne Gesetzesautorität auf Pitts
Island festgehalten wird im* Üab
ihm das Recht verweigert temrV. ri»
(Schluß auf Seite 8

England.

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