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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, January 09, 1913, Image 2

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I Aus Rutzland. I
Ültf arfltllttsl' Uttftrc Kticr in fHufcUn
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töniittibtnaabrtebetrog
fit vas Blatt ($2.00 obst 4 iHubfl) unter Zuschlag der
Drrsaudtkonen bei unseren Rorretyonbenten einzah
le». meldn berechtigt finb, Gelder fhr un# zu kassiren.
Di« fltrodblle Prämie wird Ihnen dann prompt zuqe
Jsabt. BeiteUllnqen aus oder ^javlunqcn fiit bo$
Blatt sönnen jederzeit Rtmadit werden, benn wir
setimen ifrirriunflfn lederzeil eiil^eqen. Leute alio,
»Idit
bat
4*1 att in iHufilottb beitrllrn wollen, mögen
Ach flctrod an unsere itorreiPoubtnttn bort roenben.
Wr erlassen diese Ankündigung, um den Leuten dort
te Sacdc wesentlich zu erleichtern.
i e e s s u n
Spezial-Korrespondenz.
Werthe Redaktion!
Vom 5. bis 10. November d. I.
hielt has Siinferopoler Preisgericht
seine 2iümtn in (nipatoria, bei wel
cher drei Fälle von Zodtfcfilaii, verübt
von Teutschen, verhandelt wurden.
Bon zweien dieser habe ich seinerzeit
im Blatte berichtet. Erstens wnrde
gerichtet Aran Christian Kohler,
welche ihren Mann mit dem Beile
erschlagen und die Leiche heimlich im
Sdiiuniteftnlle vergraben hatte. Dao
Berdikl der (beschworenen lautete:
3d)nldni. Sie wurde zu drei ^.ah
reu ]uchtiHiiiv verurtbeilt. Zweitens
kam der Prozeß der Tochter des
(nnannel Herdt alls Vlgoi, welche ihr
außereheliches Kind vergiftet hatte,
zur Verhandlung, aber sie wurde
gänzlich freigesprochen. Trittens wnr
de gerichtet Samuel Hein ans Otesch,
der seinen ^ehntler Schmidt mit ev
ner Jagdflinte auf dem Dreschplätze
erschossen hatte. Hein wnrde schnldig
gesprochen imd zn 2 VI» fahren Arrest
anten Compagnie vernrtheilt. Der
Kormundschaft des Schmidt wnrde
ferner das Recht zugesprochen, vom
Vermögen des Samuel Hein Schaden
ersatz zu verlangen.
Wir haben dieses ^nhr schönenWin
tersanfang. Schnee hatten wir noch
nicht und die Witterung ist gelinde.
Da dieses valtr die Ernte schwach war,
herrscht bei vielen Lenten groste Noth,
(k- mangelt an Allem. Trotz der
schlechten Seiten aber sind die Land
preise hoch. Cc- wurden hier Käufe
abgeschlossen auf :»7r Rubel die Tess
jariii mid die Pachtpreiie sind bis 15
Rubel per Dest'jatin pro ^ahr. Unter
solchen Umstünden sollte man, will
man etwas erübrigen, stet* gute Crriv
te einheimsen nnd auch hohe Preise be
kommen, infolge des Balkankrieges
wurden die Fnichwreise ziemlich nie
dergedrückt. Weizen gilt DO Kopeken
bis zu einem Rubel das Pnd. (berste,
welche dieses vtilir nin gar nicht ge=
rathen ist, kostet 80 bis !)0 Kopeken
nnd Alachs 1 Rubel 50 Kopeken per
Pud.
Grus an die Redaktion des Blat
tes und an alle Leier desselben.
Hochachtungsvoll
Spezial-Korrespondenz
Karlsruhe im Kaukasus)
deu *20. Roveinber.
Dieser Bericht in der fünfte, welche
ich in rascher Folge dein Blatte zit=
seude.. v,it der Leitung habe ich noch
feinen derselben gelesen und wahr
scheinlich gingen welche der Briefe ver
ioren, denn hier in Towsunskoe
berrscht eine böie Wirthichast und
wenn mau die Briefe nicht selbst nach
Sotnjkof bringt, geben die meisten
verloren. Ab nnd zu vermisse ich auch
den Staats Anzeiger. Nummer 12,
zum Beispiel, ging mir verloren, n.
es sollte nich nicht wundern, wenn ge
rade diese Nummer einen meiner Be
richte enthielt. (Wir haben noch alle
v$re Korrespondenzen im Blatte zum
Abdruck gebracht. Tie fehlende Num
mer 12 werden wir ^hnen nochmals
zusenden.—Red. Staats-Anzeiger.)
Dann auch bemerke ich, dsn viele der
Lerer des liebenBlattes viel zu schreib
faul geworden find. Nur immer stei
niger torrespondiren. liebe Brüder
und Schwestern, und immer mehr
Leser für den Staats-Anzeiger wer
ben, denn es ist das bene Blatt von
allen nnd wer ein ^ahr im Voraus
zahlt, erhält noch dazu schöne Prä
mien. unter diesen auch die grossen
Wandkarten, ^ch selbst habe zwar
noch keine gesehen, aber sie müssen
hübsch sein. (ui Anbetracht öftrer
emsigen Thätigkeit als Mitarbeiter
dieses Blattes, werden wir ^hnen die
Wandkarten als Geschenk übersenden,
dann mögen Sie selbst über deren
Werth urtheilen--Rei). Staats-An
u'igcr.) Also, nochmals, ihr früheren
Kankascr. deren ja viele dieses Blatt
lesen, wie zum Beispiel meine Freunde
Otto Bommerscheiit, Andreas Schmidt
Adam Stroh, nnd so weiter, schreibt
mehr und öfter. Der Mensch muß
nicht immer schlafen.
Auch will ich berichten, das am 12.
November die Herren Christian Diede
nnd Johannes Art von hier auf Be
such nach Nord-Dakota abmltren. Sie
werden sich in Heaton uud McClusky
bei freunden aufhalten und wahr
scheinlich den Winter dort verleben,
wo sie auch einige Tausend Dollars zu
kassireu haben, ^ch wünsche ihnen
glückliche Reise und viel Vergnügen.
(Da also die beiden Herren so nahe
kommen, hoffen wir zuversichtlich anch
auf einen Besuch ihrerseits, denn sie
find keine 200 Meilen von Bismarck
entfernt mtd sicherlich sollten sie der
ftriM und auch dem
Staats Anzeiger einen Besuch abstat
ten. Hoffentlich werden anch ihre
Freunde in McClusky und Heaton
ihnen dazu rathen.—Red. Staats-An
Zeiger.)
Bon unseren 18 Wehrpflichtigen
wurden drei zum Dienst eingereiht,
nämlich David Treit, Heinrich Schatz
und ein gewisser Hahn. Die Wehr
Pflichtigen werden bei uns mit jedem
Jahre weniger, denn alle kratzen ans
nach Amerika.
^ch betreibe hier einen steinen
Bücher- nnd Kalenderhandel, aber es
ist wirklich zu bedauern, das die Leute
sich hier so wenig für guten Lesestoff
interessiren. Ein Spiel Karten ist
hier manchen: lieber als ein gutes (be
schichten- oder sonst ein nützliches unj
belehrendes Buch. Diese Leute wis
sen weiter nichts zu erzählen als von
guten Pferden undKettenhunden. Will
man ihnen etwas ans der Zeitung
oder aus eiuem Buche vorlesen oder
•".-zählen, dünn wittern sie gleich, d:ir
alles erlogen sein soll. (Tic kleinen
Einlagen werden wir auch von
zum Abdruck bringen. Besten Dank.
Reo* Staats-Anzeiger.)
Zum Schluß herzliche Grüne an
meine freunde, Herrn Redakteur
Brandt, die .Korrespondenten Herren
Weininger und Joseph Weiser an der
Malotschna. Herrn Romuald Dirk,
und au alle freunde und Bekannte
des Blattes überhaupt.
Achtungsvoll
Jakob Sommerfeld.
Spezial-Korrespondenz.
Csch muß endlich doch wieder einmal
zur Feder zu greifen und meinen lie
ben freunden auch etwas aus der al
ten Heimath mittheilen.
Die Witterung ist prächtig bei uus,
sodass das Vieh noch nicht im Stalle
gefuttert zu werden braucht uud sich
selbst Nahrung im freien suchen
kann. Dies ist namentlich für arme
Leute sehr gut.
Meinen freunden in Amerika diene
zur Nachricht, das wir nun in Lan
dau anch ein Telegraphenamt haben
und von Landau ans telegraphiren
können wohin wir wollen. Anch die
Eisenbahnstation ist etwas näher als
sie vor sechs fahren noch war.
Weiter sei berichtet, das am 11.
November morgens S Uhr Anton
Gray, Geineindeschreiber zu Karls
ruhe, plötzlich am Friihstnck5tifäi ei
nem Herzschlag erlag. Er fiel seiner
Fran in die Arme nnd war fast an-'
geublict'lich todt. Er hinterliess sei
ne Gattin mit zehn unversorgten Kin
dern. Nicht lauge vorher war sein
Brnder Sebastian ihm in die Ewigkeit
vorangegangen nnd anch dessen Frau
und Minder standen am Grabe und be
weinten den Verblichenen. Anton
(brav war 15 ^ahre und zwei Monate
als Schreiber in Karlsruhe thätig
imd hat treu gedient, bis ihn Gott
plötzlich abries.
Am 17. November verstarb David
Sailer alt im hohen Alter von 81
v,obren, 8 Monaten nnd 1 Tagen.
Ain 24. November verstarb, gleich
falls im hohen Alter von 81 fahren
7 Monaten nnd 1 Tag, Herr ^akob
Friedrich Zimmermann, mid am sei
ben Tage segnete auch das Zeitliche
Fron Karolina Tvroiiim, Gattin des
Christian Fromm, int Alter von 48
fahren.
vch
wünsche allen den ewigen ftrte
den.
Eins geht hier,
Das andere dort
In die ewige Heimath fort.
Endlich kommt es leise,
Nimmt nns bei der Hand,
Tviifirt uns von der Reise
Heim in's Vaterland.
Dann ist's ansgernngen.
Ach. dann sind wir da
Wo vJmt wird gesungen
Steins Hallelujah.
Herzliche (brüste au alle Freunde
und Bekannte hüben und drüben uud
an alle Leser des Staats-Anzeiger.
Wunsche allen glückliches Neujahr.
Spezial-Korrespondenz.
Gott zum Grus lieber Staats-An
zeiger vich kauu deiner nicht ver
gessen nnd nuls wieder einmal einen
Bericht einsenden.
v,it Nnntitter 15 las ich anch eine
Korrespondenz von meinem Bruder
Joseph in Canada, und ich freue mich
immer, vou ihm zu hören, aber er
schreibt zu selten und nicht genug.
Deshalb will ich das Gegentheil thun
und fleis ig schreiben.
v,ch berichtete das vorige Mal von
beständigem Regenwetter und so ist's
bis heute noch. Die Leute sind noch
nicht fertig mit Dreschen und der
Bobschoi ist nod) auf dem Gielde und
der eingebrachte verfault zu Hause
Unlängst war ich in meiner alten Hei
math Krastna, aber dort sind die
Leute fertig mit Dreschen und auch
meistens mit dem Bobschoi, denn dort
reist das Getreide früher, sodaß sie
vor Eintritt des Regenwetters alles
endigen konnten.
Nun will ich auch eine kleine Ge-
Der Staats Anzeiger, Bismarck, N. D., den 9. Januar.
schichte zum Besten geben, welche sich
in einem deutschen Dorfe nahe bei
Tarutiuo abspielte. Dort kamen
zwei Männer in der Schenke zusam
men. Ich könnte sie ja beim Namen
neimett, doch will ich den einen als
Küster bezeichnen und den anderen
als den Ungarn, der im Dorfe eine
Lafka betrieb. Die beiden sprachen
über dies uud jenes und kamen
schließlich anch auf seinen Zucker zu
sprechen. Bekanntlich lobt jeder
Kaufmann seine Waare und so anch
hier. Der Ungar behauptete, sein
Zucker sei besser als der in der ande
reu Laska beimSenifri verkaufte, und
der Küster behauptete das Gegentheil.
Endlich kam es so weit, das sie eine
Wette nm fünf Rubel eingingen, wel
che jeder gleich beim Schenker hinter
legen ninstte, .und es wurde ein Bote
abgeschickt, um beide Sorten Zucker
zur Stelle zu briugen. Die Leute
warteten ungeduldig aus Rückkehr
des Boten und als dieser endlich ein
trat, hies es: Wohlaus, Brüder, seid
lustig. Scheuker, schenke ein vom
theuersten Wein, die zehn Rubel
müssen versoffen sein.
Jetzt, wurde der Zucker auf den
Tisch gebracht. Der Ungar sagte, sein
Zncker sei besser und der Küster be
hanptete, dem Senifri feiner sei bes
ser. Aber hier hatte die Mehrzahl zu
entscheiden und diese stand ans der
Seite des Küsters, sodas der Ungar
schwer zn kämpfen hatte. Man
wandte schließlich List an und ver
tauschte den Zucker des Ungarn mit
dem des Senifri und stellte diesen den
Ungarn vor, der da glaubte, er babe
Seuifri's Zucker vor sich nnd von die
sem sagte er, das er nicht so gut sei
wie seiner, während er aber seinen
eigenen Zncker vor sich hatte. Nim
ging das Händeklatschen aber los nitd
es wnrde geschrieen: Verspielt, ver
spielt! Jetzt nur mehr Wein her nnd
Gesundheit getrimfcit. Sie tranken
und asten nnd hielten sich lustig bis
au den hellen Morgen. Dann ging es
nach Hanse aber, wie man sich leicht
denken kann, nicht eben gerade.
Ter Ungar schrie seiner_ in Ver
zweiflung wartenden Frau schon von
Weitem zn: Sei getrost, liebe Frmt,
ich habe 5 Rubel gewonnen!
Ter Küster kam nach Hause imd
sagte seiner Fran dasselbe, sah aber
so kläglich ans. das seine Magd
Clementina vor Schrecken krank wnr
de und einige Tage das Bett hüten
mnstte.— Schnaps uud Wein machen
den Menschen zum Schwein nnd rich
ten obendrein noch viel Schaden an..
To
die beiden Herren nahe beiein­
ander wohnen, kamen anch bald die
Franen zustimmen und jede behaupte
te, ihr Mann habe vom anderen 5
Rubel gewonnen. Wie die Herren
mit ihren Kranen Übereins gekom
ijien sind, kann ich nicht sagen, aber
der Küster sang am folgenden Tage
mit so heller Stimme in der Kirche
wie nie znvor, sodas sich die Leiste
die Köpfe zerbrachen, was er wohl ge
trmifen habe mochte. Doch, nichts
für uugut!
)amit aber nicht etwa jemand sa
gen möge, ich sollte lieber nicht an
dere Törfer anschwärzen und lieber
aus meinem eigenen erzählen, will ich
auch aus Emmenthal etwas berichten,
denn die Leute hier sind anch keines
wegs alle Engel—es giebt böse und
gute, wie überall. Bei uns waren
dieses Spätjahr einige Hochzeiten
und wenn ein Mann Hochzeit ausrich
tet, muß natürlich immer gehörig für
Essen und Trinken gesorgt sein für die
Gäste. Aber manche Kranen sind nicht
„ufricöeit mit dem was ihnen vorge
stellt wird, sondern sie nehmen heim
lich eine Flasche Schnaps vom Tische
und verstecken ihn unter der Schürze,
mit auch uach der Hochzeit noch etwas
zn trinken haben. Tas halten sie nicht
jiir Diebstahl. Spielt dann die Mnsik
zum Tanze alls, könuen solche freilich
nicht tanzen, denn sie müssen doch die
chnapsflasche unter der Schürze
festhalten. Um sich aber die Zeit zu
vertreiben, keifen und klatschen si
dann über die Tauzenden, über Män
ner die mit anderen als den eigenen
Franen tanzen, und versuchen, ihnen
Ruf und Ehre abzuschneiden. Wie
glauben solche sich je vor Gottes
Thron verantworten zu können?
Eine weitere Unsitte, um nicht ei
nen strengeren Ausdruck zu gebrau
cheit, ist auch bei vielen Frauen einge
rissen, indem sie im Falle eines To
des im Tranerhanse, wie auf einer
Hochzeit biet trinken und laut lachen
und jauchzen. Ich halte das für sehr
traurig und taktlos.
Nun, zum Schiltst, noch ein paar
kurze Gedichtchen.
i e e u
Warum reint sich aus Geduld
Doch so gut das Wörtchen Huld?—
Weil, wer wirket in Geduld,
Sich erwirbt des Himmels Huld.
Schweres wird ihm leicht gelingen,
Großes wird er bald vollbringen.
Denn auf allen seinen Pfaden
Folgt ihm Gott mit seinen Gnaden.
i e u e
Der schönste Nam im Erdenrund,
Das schönste Wort im Menschenmund
Ist Mutter
Ja, keines ist so tief und weich,.
So innig und gedankenreich.
Als Mutter!
Und, hat es wohl so tiefe Macht,
Weil es von Kinderlippen lacht:
Die Mutter!
Weil es aus Kmderaugen winkt.
Weil es im Kin
der herzen singt:
Die Mutter?
ja, wem anch dieses Wort erklang.
Hat hohe Würde lebenslang:
Als Mutter!
Und die's besessen und entbehrt.
Der ist das Erdenglück verwehrt,
Der Mutter!
Nun möchte ich zum Schluß noch
gerne wissen, wo denn der eifrige
Leser Philipp Seifert mit seinen Be
richten bleibt. Auch habe ich an Peter
Krenzel Brief und Porträt gesandt,
aber Antwort nicht bekommen. Er
ist doch anch Leser des Blattes und
sollte etwas berichten.
Weiter hat für mich Jemand die
West Canada bestellt. Wer es ist, möge
sich im Staats-Anzeiger melden, da
mit ich ihm wenigstens danken samt.
(Die Probennntmern an die perschie
denen Herren werden prompt gesandt.
Hoffentlich gelingt es, einige als Le
ser zu gemimten.—Red. Staats-An
zeiger.)
Herzlichen Weihnachts- und Neu
jahrsgrus an die Redaktion und an
alle lieben Mitleser dieser Zeitung
und besonders an meine liebe alte
Mutter und meine Brüder in Canada.
Vermischte Nachrichten aus Rußland.
K e i n i e e n a l, den 23.
November 1912. Vor einigen Jah
ren wnrde hier ein Armenhans er
öffnet, in dem die Armen, Siechen u.
f. w. der vier katholischen Gemeinden
des Grostliebenthaler Gebiets unter
gebracht und versorgt werden sollen.
Die Zahl der Pfleglinge dieses Hau
st's, das den schönen Namen „Maria
heim" trägt, schwankt gewöhnlich zwi
schen 12—15 Personen beiderlei Ge
schlechts. Und wie werden diese ver
sorgt? Es ist traurig aber wahr, sa
gen zu müssen —sehr schlecht, ganz
besonders seitens der Gemeinden Ma
rienthal. Josessthal nnd Franzfeld,
die soviel wie gar nichts thun, die
Freistellen aber immer besetzt haben.
Vor eimgeit Tagen mnstte eine Haus
follefte zum Beste« des Armenhauses
veranstaltet werden, wobei die Ge
meinde Marienthal 70 Kop., schreibe
und sprich: siebenzig Kop. zusammen
brachte. Eine groste Gemeinde von
über 200 Familien, darunter viele
wohlhabende nitd reiche, bringt zum
Unterhalt eines Armenhauses iu wel
chem sie 2—3 Freistellen besetzt hat,
ganze 70 Kop. zusammen!! Eine Lei
slnng, die verdient, in die Öffentlich
feit gebracht zu werden. Mit den
zwei anderen Gemeinden steht es nicht
besser, doch darüber ein anders Mal.
Es ist das eine Schande für Christen
gemeinden, ganz besonders aber für
diejenigen Herren der Gemeinde, die
die Ehre haben, zur Verwaltung des
Armenhauses zu gehören. Zeigt es
doch, wie wenig Sinn erstere für Ar
menpflege hat, letztere aber so wenig
Energie und Eiitflust in der Gemein
de besitzen.—Ihr Marienthaler, Jo
st'fstbaler und Franzfelder habt Ihr
nod.} nie gehört, was unser göttlicher
Heiland gesagt hat? Gewiß habt
Jhr's schon oft gehört, nämlich: „Was
ihr an einem dieser Armen gethan
habt, habt ihr an mir gethan." Also
so wie Ihr die Armen in Eurem Ar
menhanse versorgt und pflegt, so wer
det Ihr auch einstmals im Jenseits
von unserem göttlichen Erlöser ver
sorgt und gepflegt werden. Die
Stttnde der Abrechnung hat noch nicht
geschlagen uud Ihr könnt noch gut
machen, was Ihr verschuldet habt.
„Mariaheiln".
S e i e den 14. November 1912
(Eine alte Geschichte in neuem Ge
wände). Vor mehr als zwanzig Iah
ren verbreitete sich wie eilt Lauffeuer
eines Tages in Spei er das schreckliche
Gerücht, das man den Leichnam des
Speierer Ansiedlers G. D. in einem
Brut men aufgefunden habe. Wie er
dahin gekommen, blieb bis hellte den
meisten ein Räthsel an dessen Lösung
bis Heute auch niemand dachte. Der
Leichnam des D. war bis auf die Un
terkleider entkleidet und sas im Brun
nen auf einem Balken. Wunderlich!
Nicht wahr? Seine übrigen Kleider
und Sachen lagen bei einem Stroh
schober in seinem Hofe, der sich neben
dem Brunnen befindet. Einige mein
ten nun, er habe sich selbst das Leben
genommen andere—er sei erwürgt
worden, aber niemand konnte seine
Meinung festhalten und behaupten:
die abek, die es wußten, schwiegen.
Sei es, wie es wolle, I. D. war todt.
Der damalige Pfarrer versagte ihm
das kirchliche Begräbnis. Als aber
die Untersuchung zu Ende war, wurde
er doch kirchlich beerdigt: was die Un
tersuchung für ein Resultat ergab,
will ich, weil nicht ganz sicher, über
gehen. Diese traurige Geschichte kam,
wie alles andere, in Vergessenheit und
zwar in gänzliche Vergessenheit. In
letzter Zeit aber verbreitete die Wit
we des bor zwei Jahren verstorbenen
K. I., M. H., daß ihr Gatte ihr auf
dem Sterbebette (er starb vor zwei
Jahren) mitgetheilt und sie gebeten
habe, nach seinem Tode Anzeige zu
machen, das D. erwürgt und dann in
den Brunnen geworfen worden sei
und zwar von ihm. Er sei zn diesem
Zwecke von deu Speierer Ansiedlern
G. R. und I. B. dazu gedungen wor
den.—Lange konnte sich die M. H.
nicht dazu entschließen, die mörderische
That ihres verstorbeneu Mannes zu
offenbaren. Endlich aber, als ihr das
Gewissen keine Ruhe mehr ließ, gab
sie nach nnd offenbarte alles. Es
klingt, zwar etwas unglaublich, kaun
aber doch wahr sein. Mit solcher Ver
leumdung, wie R. die Aussage der H.
nennt, nicht zufrieden, gab er eine
Klageschrift wegen Verleumdung an
das Gericht ein. Was dabei heraus
kommt, muß man abwarten.
—PP.
S i o u v e s o n e n 1 8
November. (Nachahmungswerth). Un
längst bildete sich in Speier ein Mnsik
Orchester, ans 15 Mann bestehend. Ein
jedes Mitglied trug 30 Rubi, zur Be
schaffnng der nöthigen Instrumente
bei. Es sollen gute Instrumente ge
kauft werde«. Die Leitung nnd Ans
bildnng der Sohne der Frau Musica
übernahm gegen ein kleines Honorar
der Speierer Küster Nikodemus Mar
taller. ES verdient nachgeahmt zu
werden! Giebt es Schöneres und Er
habeneres auf dieser weiten Erdenrun
rc, als eilte schöne Musik? Wünsche
den Herren Musikern recht viel Glück!
—t.
5
o 1 i e e n a l, Odessaer
Kreis. Laut Beschluß der letzten Ge
nteindeversaininlnng wird nun Groß
liebenthal elektrisch beleuchtet werden.
Das Mitglied der ersten Reichsdunta
I. Th. Münch verpflichtete sich, die
Energie zur Beleuchtung des Gebäu
des uud des Gehöftes der Dorfverwal
tling im Verlaufe von 15 Jahren ohne
Vergütung zn liefern. Das ist der
erste Fall, daß in einem Dorfe des
Odessaer Kreises elektrische Belench
tung eingeführt wird. •—r.
K a n a e n 2 5 N o v e e I
stellte mir schon oft die Frage: Wozu
sind denn nur unsere sog. „Dessjatski"
und „Sotski" gewählt? und antworte
te mir jedesmal: mit die Ordnung im
Dorfe aufrecht zu halten. Ich glaube,
das wird mir ein teder bejahen und
die Herreit „Dessjatski" uud „Sotski"
werden hoffentlich auch unserer Mei
nung seilt. Aber handeln sie anch da
nach? Das ist eine andere Fraiu1.
Unsere Buben stellen abends an, was
in ihrer Macht steht. Die Straßen
werden beschmutzt, die Sänlen der
Mauern umgeworfen, und das alles
unter solchem Geschrei und Gejohl,
das einem manchmal unwillkürlich
9"
der Gedanken kommt, der Oberteufel
hätte alle seine Mitbrüder freigebt
feit. Dabei kommen nicht selten
Schlägereien vor, die inanchmal ein
sehr trauriges Ende nehmen. Warum
greift hier die Polizei nicht ein?
„Wir wollen uns nicht verfeinden",
werden die meisten sagen. Ja, Ihr
Herrchen, in diesem Falle thun Sie
besser, die Aemter überhaupt nicht an
zutreten! Wer ein Amt übernimmt,
verpflichtet sich damit auch zugleich,
alles, was es mit sich bringt, geduldig
hinzunehmen. Einer oder der andere
meinen es schon gewissenhaft, aber ein
Soldat kann halt keinen Krieg füll
reit. Daß es in dieser Hinsicht bald
besser werden wird, wünscht
ein alter „Dessjatski."'
K a n k 1 i n, Gouv. Jekaterlno-*
slaw, (Selbstmord). Am 10. Notiern«
ber machte Jakob Geiger. Ansiedler
der lutherischen Kolonie Listowka Nr.
4. seinem Leben durch Selbstmord ein
Ende. I. Geiger war bereits 94
Jahre alt. Er erhängte sich im Roß
ftalL Höchstwahrscheinlich war der
Mann nicht zurechnungsfähig, als er
die schaurige That vollbrachte.
Zur Beachtung
Neue Prämien d. Staats-Anzeiger
Wir machen unsere Leser aus die neue« Prämien aufmerksam, welche
wir dieses Jahr für sie ausgesucht haben, uud zu welchen nur alte
oder neue Leser berechtigt sind, welche ein volles Jahr vorauszahle«.
Die neuen Wandkarten umfassen fünf Bogen sind durch
aus neu und bis zum 1. September dieses Jahres verbessert. Der
Staats-Anzeiger kostet nur $1.50 auf's Jahr. Leser, welche diese
Wandkarten wünschen, bitten wir die diesbezügliche große Anzeige au
anderer Stelle des Blattes aufmerksam zu lesen, und sofort ihre Be
stelluug zu machen. Wir haben vor der Hand Kontrakt für Liefe»
rung 2,000 dieser Karten abgeschlossen, da dies? aber vielleicht nicht
ausreichen werden, ist es gut, zeitig den Betrag einzusenden, denn
wir sind nicht sicher, ob weitere Lieferungen gefüllt werden können.
Die Leser sind gebeten, $1.75 einzusenden, nämlich $1.50 für den
Staats-Anzeiger auf ein Jahr und 25 Cents für Berpackuugs- und
Bersandtkosten der Karten. Leser, welche im Rückstände sind, mögen
diesen berichtigen und $1.75 dazu zahlen, dann können auch diese die
schönen Wandkarten bekommen, die mindestens $7 bis $8 werth sind.
Wir berechnen die extra 25 Cents lediglich zur Deckung der Verpack
uugs- und Versandtkosten. Llser, welche die Karten, bei uns in der
Office abholen können oder wollen, brauchen nur $1.50 zu zahlen.
Die Karten kosten uns zuviel Geld und die Berpacknngs- nnd Ver
sandtkosten (die Karten wiegen zwei Pfund) sind zn gr^ß, n(3 daß
wir sie tragen könnten. Die Prämie ist sonst absolut frei, und ist das
werthvollste Geschenk das irgend eine deutsche Wochcnzeitnng in die
sem Landestheile ihren Lesern macht. Wir bitten also, sich zu be
eilen. Man lese auch die große Anzeige an anderer Stelle, welche
eine volle Beschreibung giebt.
An Gratisprämien liefern wir dieses Jahr welker auch Kalender
für das Jahr 1913, welche fertig sind. Diese Kalender schenken wir
allen Lesern des Blattes, nenen oder alten, welche ein Jahr voraus
zahlen. An diesen ist keine Nachzahlung, da die Berpackungs- und
Bersandtkosten an Kalendern nicht erheblich sind. Wir haben die
schönsten importirten Kalender ausgesucht und wer einen solchen ho
ben will, braucht nur das Blatt ein. Jahr im Borans zu zahlen. Der
Preis ist nur $1.50 und dafür senden wir den gewünschten Kalen
der postfrei den Lesern zu.
Wir bitten ferner unsere geehrte» Leser, ihre Nachbar«, von
denen vielleicht manche den Staats-Anzeiger noch nicht halten» auf
diese Prämien aufmerksam zu machen, und ihnen eine Nummer des
Blattes zur Durchsicht zu überlassen. Auf Wunsch senden, wir gerne
Probenummern des Staats-Anzeiger.
Wir bitten, namentlich bei Bestellung der Wandkarten sich te
eilen zu wollen und nicht die Sache zn lange aufzuschieben.
Hochachtungsvoll
Der Staats-Anzeiger
Vismarck, Nord-Dakota
G. Kellermann.
Eingesandt von Jakob Sommerfeld,
Karlsruhe im Kaukasus.
„Dem Gerechten mufi das Licht immer
wieder aufgeben und Freude deu
frommen Herzen." Pf. 97,11
(Fortsetzung nnd Schluß)
„Als die Stunde der Ablösung
kam, trat ich schüchtern und verlegen
in das Gemach der Königin. Sehr
gütig uud theilnehmend erkundigte sie
sich nach meinem Schicksal, und als sie
alles erfahren, sprach sie: ,Jch selbst
kann nichts für dich thun, mein Salm
aber werde bei Sr. Majestät dem Kö
itisie, meinem Herrn nnd Gemahl, da
für Sorge tragen, daß du morgen
Mittag tum 11 bis 12 Uhr nochmals
hier Posten steht dann singst du mit
guter Stimme ans dem Liede „Wer
nur den lieben Gott läßt walten".
Sr. Majestät Lieblingslied, einen
Vers, welchen du willst, und ich werde
dann sehen, was ich weiter für dich
thun kann.'
„Hierauf war ich entlassen, und als
ich draußen war, .traf ich das Frau
lein wieder, welches mir zurief:
,Muth, Muth, mein Fremtb, es wird
alles gut gehen.'
tSchluß auf Seite 6.)
F. L. Brandt, Geschäftsführer,
4

Zurafd) in der Krim,
den 20. November.
Johann Haag.
Johannesthal, (Cherson)
den 21. November.
Christian Maier.
Emn en th a l. essa rabi en,
den 25. November.
Zachäns Kopp
von Martin.
Ans der 3cit Friedrich Wilhelm l.

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