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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, October 16, 1913, Image 2

Image and text provided by State Historical Society of North Dakota

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•n ttlenfn diese tlnriinbigang, um de» Leuten bort
•I* Seche tos if ntlirtj zu erleichtern,
Sie »e 1d4ft«f
Spezial-Korrespondeez.
Lieber Staats Anzeiger!
Von der Stunde an in welcher mein
Mann als Verwalter nach dem nörd
lichen befsarabien berufen wurde leg
te sich Trauer und Minimier in mein
Herz, welche auch eine ernste Krank
heit nach sich zogen, sodas ich fast welt
liche Freude nicht mehr kannte. Als
aber mein Mann nach zweiinonatli
Hem Treuste mir und den Sündern ei
«tri Besuch abstattete, freute ich mich
Worüber so, dos ich kam» glaube, je im
Leben eine größere Freude gehabt zu
haben. Eine ähnlich große Freude
Wurde dieser Tage mir zu Theil, als
Mir mein Mann üiummer 5 des
Staats Anzeiger zusandte und ich in
demselben die Korrespondenz meines
Bruders OJeorg Maslio aus Wathena
ill .Kansas erblickte. Tie Worte des
Berichts fesselten mich derart, das ich
den kurzen Artikel einige Male durch
Ie§ und dabei heiße Tliränen vergoß.
Ja, lieber Bruder, du hättest mir kei
tie größer Freude inachen können als
diese, wenn du mir auch etwas über
deinen Familienkreis berichtet hättest,
aber ich habe einen Bruder in der
Welt und weis bis in meinem 48. Le
bensjahre nicht wo er sich seine ^raii
genommen, was siir eine geborene sie
ist, oder wie große seine Familie ist.
Ich weiß nur. daß ich dich, lieber Bru
der, als kleinen Mit oben im väterlichen
Hause verlassen habe. Seit der ^rit
hörte ich zum ersten Male wieder von
dir im vergangenen ^.ahre. nämlich
durch den Staats Anzeiger, und daß
du im Staate Mania« wohnst. Mein
Mann war -mich bestrebt, durch den
Staats-Anzeiger mehr von dir zu er
fahren, aber es scheint mein Bruder
Georg bleibt still. Mein Mann sand
te mir die Nummer 5 des Blattes ein
fach zu. aber nichts weiter brieflich.
Sicher ist, daß auch er sich gefreut hat.
von seinem Schwager ein Vebenzeidien
zu bekommen, denn ich weiß er hat
große Neigung zu allen meinen Ge
schwistern, aber es scheint satt als
theile fein» derselben meines Mannes
Zuneigung. Auch mein Bruder Ja
fob in Teras kann, wie es scheint, kal
ten Blutes die Korrespondenzen mei
nes Mannes durchlesen wenn er Le
set des Staats-Anzeiger ist ohne sich
zu mucksen. (Xsl Sie das Postamt
nicht angeben,, wissen wir nicht, ist er
Leser oder nicht. Red. Staats-An
zeiger.)Das, liebe Brüder, ist hart von
euch und es thut mir sehr wehe. Tu
mußt verzeihen, lieber Bruder, daß
id) schwache Schreiberin dies im Blat
te berichte und doch nicht im Stande
bin meine Schwesterliebe zu beschrei
den.
Zum 1. Oktober wird mein Mann
seinen zweiten Besuch hier machen und
dann kann ich unter seiner .viilfe mehr
berichten. Zch harre auf weitere Mit
theilungen »on Bruder Georg in Kan
sas.
Herzlichen (Hruß an meine Kinder
in Morton (Soiintn Nord-Dakota im
ihnen zur Nachricht, daß ich wieder
ganz gesund bin.
N a s i e a e e i
Schluß meines Berichts erhielt ich ei
nen Brief von meinem Manne aus
Makarofka, daß auch er gesund ist,
aber seine Rückkehr nicht bestimmen
kann wegen Arbeitsüberbäusimg. Ich
habe seither an den Staate-Anzeiger
keine Berichte gesandt und werde mich
auch damit nicht besassen, aber dies
mal trieb mich Heimweh und Herzweh
dazu, einmal mein (Gemüth zu erleich
tern. Hoffentlich lassen meine Brü
der und Minder mehr von sich hören.
Nochmals herzlichen Gruß an alle
und auch an alle Mitleier des Blattes.
Franziska Dirk,
Rrmi von Romuald.
Aus Rumänien.
Die Gründe, weshalb ich schon
längere Zeit nichts mehr für den
Staats-Anzeiger berichtete, sind fol
gende: Erstens war ich im Juni
monat gegen 20 Tage auf Besuch in
Südrußland, und, zweitens, als ich
nach Hause zurückgekehrt und gerade
drei Tage hier war. begann bei uns
in Rumänien die Mobilisirung der
Armee und alle Contiiigente von
1W0 bis 1 f) 13 mußten zu den Fah
nen. Das betraf auch mich mit, denn
ich gehöre zum Contingent 1902.
Nun, liebe Mitleser, ist es fast nicht
möglich, den Jammer zu beschreiben,
ivelchen diese Munde hervorries, als
die Glocken nachts läuteten und wir
noch in derselben Nacht ausrücken
mußten. Hier in Karainurat hat das
75 Teutsche betroffen. Bon diesen
75 Mann sind 2 gestorben, nämlich
Martin Bolihky von Joseph, ledig. 22
Jahre alt, nnd weiter auch Peter
Gedak von Mathias, verheirathet.
hinterlaßt |*rau und ein Kind. Wir
anderen kamen alle glücklich nach sie
bentuöchentlicher Abwesenheit wieder
nach Hause, wo unsere Frauen in der
Zwischenzeit schon fast die Drescharbei
ten geendigt hatten.
Verhei rathet hat sich Joseph A.
3öbn mit der Wittwe Angela Bach
meier, Tochter des.Valentin Herr
schaft in Mraßna Südrußland. Wir
sind unser drei Alarmmirater aus dem
Handstreich gewesen in Mraßna bei
Herrn Peter Leint}. Wir waren sehr
luftig, mir der Schnaps war uns et
was zu Kops gestiegen und da wurden
wir drei Rumänien von einem alten
Manne gefragt, ob wir nicht wüßten,
an welchem Ende man die Wurst an
schneide. Wir wußten es nicht.
für bet
WH gemacht werden, denn mit
WTPetiuutn
8'flfOenflfn ieder,eil eolaegen. Ütntt also,
StldK tel Blatt IN
Theodor Nitfche und Johannes
Götz sichren mit ihren Pferden an's
Meer, um sie hineinzustellen, weil sie
steif waren, aber die zwei armen Teu
fel kamen nicht fo weit, denn sie fnh
reti bis nach Schikrafchi an die Schen
ke und blieben dort bis abends. Als
sie licitn kamen waren die beiden ar
men Schlucker noch krummer und stei
fer als ihre Pferde.
(sin Mann namens M. 3., bei uns
in Maramurat hatte neulich eine
schlaflose Nacht, wie es ja bei jedem
Menschen vorkommen mag. Er glaub
te, es seien Flöhe, die ihn so plag
ten. Also holte mein guter Schwa
ger sich die Lampe, um der Sache auf
den Grund kommen. Seine Frau
schlief ruhig den Schlaf der Gerech
ten. Bald sah er auch richtig einen
Floh heruiufpringen. ober als er in
seinem Eifer und in seiner Wuth ihn
packen wollte, warf er die Lanche um
und setzte dadurch das Bettzeug in
Brand. Er und seine Frau, welche
erschrocken aus dem Schlafe erwachte,
hatten ihre liebe Noth, das Feuer
zu löschen und der Mann hat schlimme
Brandwunden an den Händen erlit
ten. So geht es manchmal auf der
Welt, kleine Ursachen, große Wir
kungen!
Gestorben ist neuerdings in Kara
iniirat die Frau Anna Kopp. Ehefrau
des Jakob Kopp.
Gruß an alle Leser dieses Blattes,
besonders an Blasius Müller und
meine zwei Schwager Ignatz Martin
und Michael Müller in Estevan, Ca
nada. und auch au Valentin Nitz in
Kraßna Südrußland und an Peter
Leintz. Wie kommt es, daß man von
diesen beiden Herren garnichts im
Blatte hört. Sind sie wirklich-j» sehr
mit Arbeit vernommen
Achtungsvoll
Nomanns Bogolorskn.
vermischt- Rachrichte«
lim* let S#ttffben Umoblcheu tur bee ®teetU«4f I
«r zulammenqeitellt.l
Sulz, den 31. August.—Gestern
brach auf der Dreschtenne des hiefv
gen Ansiedlers Jakob Sägmüller
Feuer aus und vernichtete alles Fut
ter und Brennmaterial, nur ein klei
nes Häuschen Heu und die Spreu
konnten gerettet »verden. Zum Glück
war der Nachbarshos leer, wohin der
starke Wind die Flammen hinwehte.
Ungefähr eine Woche vorher brann
te es beim Schmiedemeister Joseph
Heid. Der Schaden war hier nicht
groß. Gegenwärtig wird hier fleißig
geackert und gesät. Ein tüchtiger Re
gen wäre uns hcytich willkommen
Beträgt 6o« Ant»« Jochim
EAevan, Sask., Cankl^a.
Turch nichts HätteGott seine intend
liche Macht jffarer an den Tag legen
können als durch die wunderbare
Schöpfung Himmels und der Erden
Dieses Wunderwerk, hervorgerufen
durch den unbegreiflich Dreieinigen,
ist wirklich so ftmuienerregenb. daß
darüber nicht zur die Menschen, son
i5crn Himmel und Erde staunen min
fen. Von Ewigkeit bis zur Schöp
rung war, außer Gott, nichts als ein
bloße:- Nichts. Wer von »ns Men
scheu vermag aus nichts auch nur das
geringste zu schaffen? Ties also form
te im? kann nur Gott, der Allmächti
ge, und bewies es durch den liiiermeß
lichen Weltenboii.
AIs es Gott gefiel, die Schöpfung
zu beginnen, sagt Gottes hl. Schrift:
„vn, Anfang schuf Gott Himmel und
Erde." (1. Mose, 1, 1) £, welch
wunderbares, unbegreifliches Wort!
Von Ewigkeit war nichts und jetzt
standen im Augenblicke Himmel und
Erde vor Gott da. Ja, im Anfange
schuf Gott Himmel und Erde. Diese
beiden waren so sehr getrennt, daß
sich kein Mensch ihre Entfernung aus
denken kann. Zwischen ihnen war
nichts als Wasser, das Hunderttauseu
Meilen über der Erde stand, denn
die Wasser reichten bis an das Firma
nuuit, an den Himmel. Dies Wasser,
das über dem Firmamente war, son
derte der Schöpfer am zweiten Tage
von dem. was unter dem Firmamente
war. So wurden also diese drei zu
erst geschaffen: Himmel, Erde und
der Abgrund, oder die Wasser, die
den Raum vom Himmel bis zur Erde
ausfüllten, aus denen das Firmament
am zweiten Tage, und am vierten
Tage die Sterne geschaffen wurden.
Die Erde ist eine große Kugel,
welche 5400 Meilen im Umfang mißt.
Und worauf, meinst du denn, daß
Der LtaatS-Anzeiger, IliiMiil, R. D. Im 16, Cftebtr.
diese Erdkugel ruht? Dieser unge
heuere Erdball ruht nicht auf Pfei
lern, auf keinem Fundamente, son
dern schwebt in der Luft ohne Grund
seste, denn Wolken. Luft und Himmel
sind rings um die Erde. Ast es nicht
eine wunderbare Allmacht, die eine fo
unbegreiflich schwere Last ohne eine
und alle Grundlage in Luft schweben
machen kann? Gott hat die Erde
fest in der Luft gegründet, daß alle
Gewalten der Sturmwinde und Ge
inäifer sie nicht einen zollbreit von der
Stelle rücken können, denn, würde die
Erde auch mir ein wenig gerückt, wür
den auch alle Elemente und Sterne
in ihrer Ordnung gestört werden.
Infolge der Anziehungskraft der
Erde strebt alles nach ihr alle Tinge
streben naturgemäß dahin und fin
den keine Ruhe, bis sie dort find, es
sei denn, daß sie auf andere Weise
davon abgehalten werden. Teshalb,
wenn eine große Ccffmmg durch die
Erde ginge, und ein Mensch in dieses
Loch fiele, er nicht weiter als bis in
die Mitte der Erde käme und dort
in der Luft hängen bliebe. Denn,
fiele er weiter, fo fiele er nicht hin
ab, sondern hinaus, und käme bei den
Leuten, die gerade unter der Erde
wohnen, wieder heraus, was aber
wider alle Natur wäre und nicht durch
Fallen, sondern durch Klimmen ge
schehen müßte. Und gerade so. wenn
ein Mensch, der unter "unseren Füßen
wohnt, also unsere Gegensüßler, in
diese Cefftmng fiele, so würde er
nicht hinunter, sondern hinaus fallen
wenn er bis über die Mitte der Erde
fiele, und käme oben bei uns heraus.
Ferner ist die Erdkugel nicht dicht,
wie viele Menschen meinen, sondern,
wie der menschliche Leib, innen hohl
und besitzt gleichsam auch Gebeine,
Rippen, Eingeweide und ist auch mit
Adern durchzogen. Diese Gebeine
nnd Rippen der Erde, von denen ich
Hier schreibe, sind die Gebirge und
Felsen um die Erde zusammenzuhal
ten, damit sie nicht von den gewalti
gen Winden, Wasserwogen. Ungewit
tern nnd Erdbeben erschüttert und
zerstört werde. Daher nimmt man
wahr, daß die Gebirge zusammen
hängen und sich oft 50 und noch mehr
Meilen weit erstrecken. Die Adern
sind kleine und große Kanäle, oder
unterirdische Gänge, deren die Erde
voll ist und besonders auf dem Mee
resgrunde. und durch welche das Was
ier aus einem Meere in das andere
fließt. Auch sind in der Erde gar
viele Höhlen und Klüfte, deren einige
mit Wasser, andere mit Luft oder
Feuer angefüllt sind. Durch das
Feuer unter der Erde werde» die
Wasser, die durch die Erde fließen,
erwärmt, damit sie flüssig bleiben und
nicht gefrieren, und durch die unter
irdische Luft werden die Wasser in
Bewegung gesetzt, daß sie emporstei
gen.
Nach der Erde setzte Gott das Was
ier, das zugleich mit der Erde eine
Kugel bildet, aber weit mehr Raum
einnimmt als das Festland. Das
Meer ist stellenweise von ungeheurer
Tiere, durchschnittlich drei deutsche
Meilen, aber an vielen Stellen ist die
Tiefe einfach unergründlich. Im
Meere giebt es Thäler und Berge
Gewächse, und so weiter. Bringt man
aber diese Gewächse über die Fläche
des Meeres, werden sie zu Stein. Im
Meere giebt es auch allerlei Thier
gattungen als: Seehunde, allerhand
Fische und so weiter.
Nun komme ich von der Erde in
die Lust, in welcher wir viele wunder
bare Dinge finden. Wann und wie
Gott die Luft erschassen hat. sagt
zwar die Schrist nicht ausdrücklich,
ist aber daraus leicht ersaßlich. denn,
nachdem Gott am ersten Tage der
Erschaffung Himmel und Erde und
Wasser geschaffen hatte, sagte er: „Es
werde Licht!" Da entstand alsbald
ein hellglänzender Stern, der das
Wasser erwärmte und in feinen Dunst
auslöste. Dieser wurde mit der Zeit
immer seiner und dünner, bis er end
lich in Lust umgewandelt wurde. Die
Luft ist gleichsam wie ein feiner, sehr
dünner Dunst des Wassers. Die
Lust wird in drei Schichten getheilt,
nämlich die oberste, mittlere und un
terste. Die unterste Luftschicht ist
nicht viel höher als die hoben Berge
und ist von Natur weder kalt noch
warm, sondern wird abwechselnd
warm oder kalt gemacht. In dieser
unteren Schicht schweben die Nebel
und auch ungesunde Dünste, die aus
sumpfigen Orten durch die Sonnen
Hitze aufgezogen werden. Die mitt
lere Luftschicht ist im Winter und
Sommer kalt und je höher man steigt,
desto kälter ist sie wegen des steten
Windes der in der Luft weht. Diese
Schicht ist 12 bis 13 deutsche Meilen
hoch. Die oberste Schicht reicht bis
zum Monde und ist so dünn und fein,
daß man darin kaum athmen kann.
Ich muß noch hinzufügen, daß in der
mittleren Luftschicht viele wunder
bare Dinge sind, als Wind. Regen,
Schnee, Hagel. Donner und Blitz.
Der Wind ist ein dunstiger Athem,
der aus der Erde und dem Meere
durch das im Innern der Erde sich
befindliche Feuer herausgetrieben
wird. Um dies besser zu verstehen,
wisse man. daß in den Felsen der Erde
viele große Klüfte und, die mit Feuer
angefüllt sind, was wir auch an den
feuerspeienden Bergen wahrnehmen
können, welche bisweilen schreckliche
Feuerströme auswerfen. Dieses
Feuer ist nie müßig, sondern durch
streift fortwährend die Adern der
Erde, welche alle Stoffe durchziehen.
So treibt das Feuer aus diesen Stof
fen viele Dünste durch die Adern der
Erde heraus, welche dann Meer und
Lust unruhig machen. Auch der
Mond, die Sonne und Sterne ziehen
Dünste aus der Erde, welche, wenn
sie steigen, Wolken bilden und oft gro
ße,, Wind verursachen. Der Wind
kommt vornehmlich ans der Erde und
nicht aus der Luft, wie viele Leute
unrichtig denken.
Gruß an die HetMion und an
den Leserkreis.
Da sich gerade kein besonderer
Stoss mir bietet, möchte ich den Le
sern des Blattes auch einmal ein
Märchen. „Ein Wettstreit in der
Kirche," erzählen.
Es war ungefähr zwölf Uhr nacht?
in einer einsamen Kirche, in welcher
kein Mensch zur Anbetung Gottes
kniete, denn es mar keine solche, in
welchen auch zur Nachtzeit die Gläu
bigen zur Andacht sich versammeln.
Die Mirchenthiiren waren verschlos
sen und auch kein Wachskerzchen er
leuchtete die große Halle des Gottes
Hauses. Alles stand still und stumm
und auch die große und weite Gottes
natiir war im tiefen Schlafe. Und
doch war in der rothen Ampel des
Ewigen Lichtes ein kleines winziges
Fünftein vor dem Hochaltar, welches
aussah, als hätte ein Engel eine blu
tige Thräne geweint, weil man den
Heiland so viele Stunden allein ließ
im Dunfel der langen Nacht im Ta
bernafcl, und hinten im Thurme hör
te man bei der Todteiistille deutlich die
große Uhr ticken, und das riesengroße
Pendel leise ächzend hin- und her
schwingen in seinem langsamen,
sckMerfälligen Gang.
Oben schlug plötzlich der große
Hammer mit dumpfen Schlägen auf
den Glockenrand nieder, zwölfmal
hintereinander, denn es war 12 Uhr
Mitternacht.—Da sing es auf einmal
in der Mirche leise zu flüstern an und
die leblosen Gegenstände erhielten
von Demjenigen, der im Tabernakel
Seine Wohnung hat, eine kurze Zeit
den Gebrauch der menschlichen Spra
che und alle konnten miteinander
sprechen und verkehren. Aber, sie
redeten nur von ihren Vorzügen die
sie besaßen und jedes dünkte sich ein
wenig mehr als das andere.
Ant' der großen Empore (Chor
oder Orgelbühne» übertönte die große
Orgel das Geflüster der sprechen den
Gegenstände mit den Worten: „Hört
mich nun einmal an, ihr Wesen! Bin
ich nicht die Königin der Instrumente
und lobe ich Gott nicht am lautesten
und trage ich denn nicht die Stimme
des Ruses zur Andacht weit hinaus
in alle Welt? Sagt mir, wer von
euch allen, die ihr hier seid, und auch
meine majestätischen Töne, die bis in
die Wolken erschallen, kann sich glei
chen Vorzugs rühmen? Gewiß nur
ich," sagte schließlich die Orgel. Die
Orgel schwieg und schaute mit Stolz
in der Kirche herum, in der Annahme,
daß alle Beifall klatschen und keine
Verneinung wagen würden.
Aber sie hatte sich weit geirrt, denn
die Kanzel erhob in ihrer großen Be
redtsamfeit ihre Stimme und rief:
„Geliebte Zuhörer! Was die Orgel
verdient, beneide ich nicht, aber ver
gesset nicht, daß ich die Verkünden»
des lebendigen Wortes Gottes bin.
Ich warne vor der Sünde, bahne den
Weg zum Himmel und zertrümmere
das Reich der Lüge. Kann oder muß
ich hinter der Orgel zurückstehen,
oder mein Haupt beugen?"—Alles
erhob sich unten durch die Rethen der
Kirchenbänke. und es schien, als woll
ten alle der Kanzel den Ehrenplatz
vor der Orgel geben.
Der mit rothem Sammet gepolster
te und mit reicher Schnitzerei ge
schmückte Betstuhl des Herrn Grasen
aber stimmte nicht in das lautgewor
dene Lob ein und sprach: „Ihr ver
gesset mich und euch! Derjenige, dem
ich zu eigen bin. ist der erste Mann in
der Gemeinde, und daher mache ich
wohlberechtigt Anspruch auf den er
fren Platz in der Kirche. Wenn ihr
euch unter meine Herrschast beuget,
wäre das geziemend. Wer an mir
vorübergeht, macht eine tiefe Verben
gung." Ta schwiegen die übrigen
Kirchenbänke und zollten dem Stuhle
des Kirchenpatrons ihre Anerken
nung.
Kaum aber waren sie ruhig gewor
den, da rückte der Beichtstuhl in das
silberne Mondlicht und sprach: „O,
ihr wankelmüthigen Bänke des Vol
kes, die ihr bald den einen und bald
den anderen lobt und gleich wieder
verachtet, höret mich an, ich muß et
was sagen: „Die Vorzüge, die der
Grafenstuhl sich anmaßt, gebühren
doch nicht ihm, sondern demjenigen,
der seinen Fuß auf ihn setzt und auf
ihm kniet. Ich berge in meinem
Schooße die ganze Fülle der göttlichen
Barmherzigkeit. Nur der Allwissen
de weiß, wie viele Verirrte ich wieder
auf den rechten Weg brachte, wie viele
tiefe Wunden ich geheilt habe. Ich
bin, es, der unter den Füßen vieler
die Abgründe der Hölle überbrückt
und sie vor dem ewigen Untergange
bewahrt hat." Jetzt entstand große
Stille und Niemand wagte ein Wort
zu sprechen und man glaubte,, dyfi
(Schluß auf Seite 6.)
Neue Prämien!
Wir offen ren als Prämien allen neuen und alten Lesern, welche
den Staats-Anzeiger ein Jahr vorauszahlen:
Regensburger Marien-Kalender
Deutscher Kaiser-Kalender
Sprungfeder «cheeren
Râh-Beftecke 142 Stücke»
Pfrieme» (Schnellnäher)
Alte oder neue Leser, welche das Blatt ein Jahr vorauszahlen,
können als Prämie entweder die berühmte «prnngfcderscheere, oder
einen der obengenannten Kalender wählen. Diese Prämien werden
solchen Lesern ohne Nachzahlung und postfrei geliefert.
Unseren Lesern in Canada diene zur Nachricht, daß sowohl die
Sprungsederscheere. wie auch das Nähbesteck und der Pfriemen, ver
zollt werden müssen. Tie Zollgebühren hat der Leser selbst zu
zahlen, und zwar an das betreffende Zollamt. Der Zoll aus die
Scheere beträgt 40 Cents. Wie hoch Nähbesteck oder Pfriemen
verzollbar sind, haben wir noch nicht in Erfahrung bringen können.
Unseren Lesern sowohl im Auslande wie im Jnlande rathen wir.
alle Prämien, nur die Kalender ausgenommen, auf der Post ver
sichern zu lassen, da es öfters passirt, das solche verloren gehen, und
wir für richtige 2I6Iiefe»ung keine Verantwortung übernehmen kön
nen. Wer Prämien durch die Post versichert gesandt haben will,
muß uns dafür 10 Cents extra einsenden und in diesem Falle über
nehmen wir alle Verantwortung.
Prämien gegen Nachzahlung:
Da» Nâhbesteck—142 nützliche Gegenstände für die Hausfrau. Ent
hält 126 Näh-, Stopf-, Stick- und Handarbeits
Nadeln aller Größen, zusammen mit allen Utensilien
für Handarbeiten aller Art. Postfrei zu haben bei
einjähriger Vorauszahlung und 25 Cents Nachzah
lung. Ein großartiges Geschenk!
Der Pfrie«e (Schnellnäher)—ein unentbehrliches Handwerkszeug
für Farmer und Hausväter. Enthält Nadeln für
jedwede Arbeit und ist fertig zum Gebrauch. Ma
schinennadeln jeder Art können mit dem Pfriemen
gebraucht werden. Diese Pfriemen kosten minde
stens $1 das Stück. Postfrei zu haben bei einjähri
ger Vorauszahlung und nur 30 Cents NachzaAwg.
Unsere liberalen Clnb-Offerten:
In Clubs bee zwei vorauszahlenden Lesern, also bei Einsendung
von $3 (ein alter und ein e«er genügen) bekommt jeder eine Scheere
und der Einsender des neuen Lesers noch einen Kalender daz».
In Clnbs bee drei vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung von
$4.50^(ein alter zusammen mit zwei neuen genügen) bekommt jeder
eine Scheere und der Einsender der zwei neuen Leser noch das Räh»
besteck dazu als Geschenk. Dieses Nähbesteck kostet $1.00
In Clubs boit bitt vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung von
$6 (ein alter zusammen mit drei neue« genügen) bekommt jeder eine
Scheere und der Einsender der drei neuen Leser für seine Mühe de»
Pfriemen dazu als Geschenk. Der Pfriemen kostet mindestens $1.
3it Clubs von fünf vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung von
$7.50 (ein alter ^zusammen mit bitr neuen, genügen) bekommt jeder
neue Leser eine Scheere und der Einsender der vier neuen Leser für
feine Mühe das Rähbesteck und den Pfrieme« (aber keine Scheere) als
Geschenk.
In Clubs ban sechs vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung von
$9 (ein alter zusammen mit fünf neuen genügen) bekommt jeder
neue, wie auch der alte Leser, die Scheere und der Einsender der fünf
neuen Leser für feine Mühe das NSHbesteck und de« Pfrieme» als
Geschenk.
Geldpreise und Prämien:
I» ElubS vo« siebte vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung von
$10.50 (ein alter zusammen mit sechs »e*e«) bekommt jeder der
Leser die Scheere und der Einsender für seine Mühe noch $1.80 t«
Baargeld dazu.
I« ClebS bon zehn vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung von
$15 (tie alter zusammen mit neu» «nie«) bekommt jeder der Leser'
die Scheere und der Einsender für feine Mühe noch $3.00 ie (tar*:
geld, sowie das Nahbtsttck als weiteres Geschenk.
Je Clubs bon füafzth« vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung
von $22.50 (tin alter zusammen mit bitrzthn nt«te) bekommt jeder
der Leser die Scheere und der Einsender für seine Mühe $4.50 ie
Baargtld, sowie Rähbesteck und Pfriem te als weiteres Geschenk.
In ClebS boe fünfundzwanzig vorauszahlenden Lesern, bei Ein-'
sendung von $37.50 (ein alter zusammen mit vitrnedzwanzig nente)
bekommt jeder der Leser die Scheere und der Einsender für seine
Mühe $7.50 ie Baargtld, sowie Kalender, Nähbesteck nnd Pfrieme»
als weiteres Geschenk.
Je ClebS boe füefzig vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung
von $75.00 (ei« alter zusammen mit eenneedvierzig nentn) be
kommt jeder der Leser die Scheere und der Einsender für feine Mühe
$15.00 ie Baargeld, sowie alle boe ens offtrirttn Prämien als
weiteres Geschenk, oder $17.50 in Baargeld, falls er keine Prämien
wünscht.
An ClebS boe heedert vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung
von $150.00, (rie alter zusammen mit nrnnendneunzig neuen) be
kommt jeder der Leser die Scheere und der Einsender siir seine Mühe
$35.00 in Baargeld, sowie auch alle bon uns offtrirttn Prämien als
weiteres Geschenk, oder $37.50 in Baargeld, falls er keine Prämien
wünscht.
Alle Vorauszahlungen müssen ein volles ^ahr betragen.
Leset aefmerksam die obigen Bedingungen, denn sie find brnfonb
und Abweichungen werden nicht gestattet.
Der Staats-Anzeiger kostet nur $1.60 quf'S Jahr und ist
Anbetracht der ^ülle und Güte de« Lesestoffes bei weitem die tiep.
und billigste deutsche Zeitung in den Dakota«, und unsere Prämien*
Offerten sind zu gleicher Zeii die librrnlstm. Werbet neue Leser jetzt!'
Die Schee ren und Nähbestecke sind treffliche Geschenke für Rrauen'
und Mädchen und der Pfriemen ist ein Werkzeug, welches für jeden
Aarmer und Hausvater geradezu unentbehrlich ist.
8« «eachteng: Wir haben noch einige Hunderte Wandkarten.^
sowohl solche mit der Karte von Rußland, als auch sotcke mit der'
von Deutschland auf den, fünften Bogen. Um sie loszuschlagen'
geben wir diese Karten, so lange sie ausreichen, als Prämie «»e
«achzahleng allen Lesern, alten oder neuen, welche den @tS
Anzeiger ein Jahr vorauszahlen. (Seither verlangten wir 25
Emil Nachzahlung sllr diese Karten.) Wer also noch Wmtfofarien
haben will, mich sich beeilen, denn sie werden nicht lange mehr vor.
halte», und neue können wir auf das fommende Jahr nicht bekvm»
men.
vldresslrt alle Geldsendungen und Brief« yj
Der Staat».««,etger, Bismarck, NN.

Taraklia Befsarabien,
den 6. Sept.
Maramnrat. 18. Sept.

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