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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, October 23, 1913, Image 2

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1 Aus Rußland.
•••••••••++4-+++++++++++HM0
8** HeaAtuna!
Unif"i,,rr-
»u»i,n
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UN« jn faffittn.
r*.r"!i1'' Urämie wird ibnm bann prompt luflt
W Bfttfflnndfn auf obst .Höhlung« für bat
»»jnfii flfmnft rotrbtn, brnn mir
©fstftlnuqfn irbfr^rit
^pezial Korrespondenz.
Kraßna in Bessarabien
den 12. September.
ÄuuT flurf mol e Mensch Her was
sich in dr Welt nitt alles mache kann!
^ch hann immer gedenkt daß ntei (4c
frifeel mi Staat? Anzeiger vuii de
^eser ganz wenig oder garnitt aiige
auckt werd, awer wie ich siehn so laut
da? sian.t anuericht.
Tie Witch dotier Hann ich mm de
Wit höre murmle daß im Staats An
zeiger jetzt noch e Bauer schrei we dät
sich awer e bische anncridtf iinner
ichreiivr. Wie ich das gehört haun
dann hat mere gckriwelt im stobb iin
hin dann gleich ins Torr gan^ int
wollt doch mol horche was das for e
Bauer is im wie der sich aniierscht tut
nerschreiwt. Id) bin mut ecm zum
slnttre, haun do drvim hie und da was
fihört, awer kener hat den Artikel sel
wer nitt geles gehat. Weil ich awer
ueischierig war was do for euer usfge
stann soll fimi wo aach im Staats An
jeifler schreiwe thut, dann hin ich aach
in die Schenk gang, vleicht könnt mer
dort was gewisse? höre. Nichtig, wie
ich in die Schenk summ sinn dann
harnt grad etliche Manner das Blaut
vorgehatt un ha im gelacht daß der
zweite Zeitungschreiwer sich „aach e
Bauer" unnerschreiwe thut. Wie
awer ener tum dene Männer gefaat
hat: ..Der zwete reibt setz dem erfchte
die Nas. im wie der erfchte dann
dentin die Nas reime werd. das werd
jo noch nochkiinime in de aiinere Blät
ter." Wie ich dann das gehört ho im
dann hau n ichs bei no nimmt ausge
hall bis die Männer das Blaat wech
fielet gehat hann im Hann wieder ihr
Was Wein getrunk. dann hann ich
mer das Blatt gcimmmc im ha im dem
•^err „Aach e Bauer" fei Artikel
durchgeles un hann dann siehn kenne
dar, mei Artifle wo ich friehr geschrieb
hann denn „Aach e Bauer" dunner
weitrisch geärchert hann, doch woll
weilr ,ii arid) getroff war mit dr
Wahrheit. Ich hann awer dene Mann
doch mit Maine nitt genennt, wie kann
sich den» euer das was ich geschrieb
hann, so ärcherlich anziehn doch woll
weils wohr is. Id) hann gedenkt ich
will das was ich geschrieb hann so
schreiwe daß's nitt e seder wisse soll
wer im wo das war, awer wie ich
siehn kann, so gebt sich schun ener bstll
seltner raus, Id) denk wann der
Herr ..Aach e Bauer" noch e Artikel
schreibt dann kann hier ihm schun die
voderschte Buchstawe mut sein Name
un Familje sahn im wstiin er noch
ener schreibt dann schun de ganze Ra
me mi Familje. Ich wes nitt warum
der Herr ..Aach e Bauer" mei Ge
schreib? so arich hinnere thut, do hett
ich gar nitt dran gedenkt das das
ener binnert weil das bei uns Män
ner ichim ganz was altes is. Wann
mir Männer oweds so bei cm vor dr
Mauer leie dann werd so was viel
durchgesckxifft im dann hört mer tt
dem alte als immer noch was neies,
un endlich muß ich als mit mei in
•''Ochber wider Torswach gehn dann
stet mer im hört als mol wider was
un so häuft fichs zantntc bi?'s e Arti
kelche gebt im das schick ich dann an
de Staats Anzeiger, daß doch unser
alte .tfumerade sich vorstelln könne wie
mir sich do immer noch dr alt (Ge
wohnheit lerne, Id) wes nitt, soll
dann der „Aach e Bauer" nitt aach
schun oweds bei de Männer vor dr
-Waiter bei so was drbei gewehn sinn
Awer ich glaab nitt, siun'cht das Ge
sprach dät ihm nitt basic un dät dann
iahn: „die sinn all außen Narrehans
gesprnng." Guckt so, ihr liewe Wand*
leit in Amerika, gehts immer wies
frühr gang is, Nor sis wohr mer
Unit mit io Iva? manche Leit ärcherc,
die wos angeht, daß sc an dr Herz
liuinel angreift. Ter Herr „Aach e
Bauer" i? in ieitu Schreiwe nitt un
geschickt wannr in allem so gewitzt is
e Molodez. Wann e Bauer mol so
weit is daßr sei Artikle mit Reime
»ssschwänze thut dann stecht schun in
io ein Bäuerche was drimi. dann kann
er ball iahn: Herr was bin ich, Herr
was kann ich nitt noch luerre!—Do.
liewer «uinerad, helfe die Reime nicks
do beschts so: wann mer oweds bei de
Männer vor dr Mauer ou?gemait hat
dann gat titer hentitt bei? Weib im lat
sich fdilofc, im dann kenne fe in der
Zeitung schreiwe so viel wie se welle,
das binnert ein dann garnitt. Folgt
mol meint Roth. liewer Kumerad
..Aach Bauer," ihr werd stehlt
'swerd besser.
sdjeiter Gruß an all mei Kume
adn in Amerika un an de Leserkreis.
(5 Bauer.
«vczial Korrespondenz.
Vanbei Gouv. Chenon,
bett 12. September.
Lieber Staats Anzeiger!
Hohe Zeit ist es wohl, daß id) wie-
her einmal ein paar Zeilen für das
Matt schreibe, und gerade heute bie
tet sich mir eine gute Gelegenheit,
den» wir hatten ritten tüchtigen ?He
gen, der das Erdreich so durchweichte,
haß mir Bauern doch bald unsere
Wintersaat mache» können. Jeder
freut sich nun, denn viele ticutc hat
teil schon Angst, das sie dieses Spät
[^«eion'.n'w^uni'^Ä iahr nur wenig würden einsäen fön
»orr'l»onVfnVfVVo"rt"mfii'ifii'
WtCUafltn btejf flnrunbiqiitifl, um ten l'fflttn bort
'•If tu rr[fibtfm.
I i W A e i e
nett infolge der großen Trockenheit.
Das sdjeint sich nun zu ändern.
Das diesjährige Ernteergebnis', ist
bei unseren Leuten sehr verschieden,
denn einige haben 100 bis zu 150
Pud Winterweizen von der Dessjatin
geerntet und andere wieder nur fiO
bi? HO Pud. Derselbe Unterschied ist
auch im Ertrag der Gerste, nämlich
von 10 bis zu 100 Pud. Mit Som
merweizen sieht es so schlimm aus,
daß manche Leute es werden gar nickst
glauben wollen, wenn ich schreibe, daß
von 20 bis 80 Pud per Dessjatin ge
droschen wurden. Aber auch die
Preise sind sehr verschieden und so
zahlt man in Odessa von 88 bis 98
Mopefeit fürs Pud Winterweizen.
Gerste gilt 08 bis 70, undUlka, Som
merweizen. 80 bis 85 Kopeken das
Pud. So kommt es denn, daß dieses
Jahr manche Leute sehr glücklich und
wieder andere sehr unglücklich sind.
Das Brummen der Dreschmaschinen
hat erst vorige Woche geendigt, ob
illeid) 5 bis Maschinen in unserem
Dorfe arbeiteten. Neue Dreschmo
wren wurden in Kandel drei Stück
gekauft. Nämlich Franz Stroh ei
nett, v. Morqiistrt und andere Ka
meraden eine, und die Gebrüder
Adam und Jakob Roth mit anderen
Männern eine.
lieber die Schule will ich berichte»,
daß die Aufnahme der Schulkinder
am 2. und it. September stattfand,
und zwar zuerst oben in der âchen
schule und dann in derSentski Sd)ttle.
Vit der Semski Schule hatten wir
seither mir eine illasse, aber jetzt ha
be» wir zwei. Auch wird bald in un
serciit neuen oder im alten Schul
Hause die bestimmte Elementarschule
eröffnet werden. Bis zur Fertig
stellung des neuen Schulgebäudes,
»velches zum Andenken an das drei
hundertjährige Jubiläum des Haufes
Romanow bestätigt worden ist, ver
langte die Schulkontiniffioii von der
Gemeinde Mandel ein Zimmer für
Unterrichts,zwerfe. Das Gebäude
wird zwischen Selz und Kandel er
richtet. Somit also wird es mit der
neuen Elementarschule vorwärts ge
hen.
Unsere Gärten stehen nun schon im
vierten Monat unter Wasser und alle
Bäume und (Gewächse find dahin,
denn die Wurzelü uVi Bäume und
RebeiV' find verfault und zeigen nur
da? dürre Holz, ^ch meine, alle Gär
ten init dem Niestet werden in einen
großen Limatt verwandelt.
Herr Johannes Roth von Kandel
zahlte bei mir 4 Rubel für den
Staats Anzeiger ein, welche ich per
Postanweisung übermittele. (Ist
nod) nicht angekommen, wird aber
wohl in den nächsten Tagen uns zu
Hände» kommen. Besten Dank?
Red. Siaats-Anzeiger.)
Herr» Paul Zahn's Bitte will ich
erfüllen und feine Frage beantwor
ten. daß sein Sdiwagcr Lorenz Moßer
noch am Leben ist mit den Seinigen
Lorenz beklagte sich, weil er keine
Adresse von Paul Zahn hat und
somit weder ihm noch der Mutter
schreiben kann. Lorenz übermittelt
hcnlidjen Grtiß.
Zimt Schluß grüße ich alle meine
Sdiwagcr in Amerika und meine
Schwestern und Sdm'ägerinnen zu
sammen mit allen Freunden und Be
kannten und den ganzen Leserkreis.
Ludwig Stroh.
Vermischte Nachricht««
Selz, Od. Kreis. Die Einste!
lung des Schmidtschen Progyrnna
siiinis war ein harter und unerwarte
ter Sd)lag für die Schüler und deren
Eltern. Die Schüler des eingegan
genett Progtinasiums zerstreuen sick)
nun in der ganzen Umgegend. Da
in den meisten Schulen die Ausnahme
der Schüler schon beendet war, und
der Unterricht begonnen hatte, als die
Aufhebung der Schule bekannt gege
ben wurde, so werden viele abgewie
sen. Andere treten als Lehrbitschen
ins Handwerk oder als Ladendiener
in Handelsgesdmfte ein. Zu bebau
et» sind die ärmere», die, wettn die
Sdnile fortbestanden hätte, ihre Stu
dien hätten beenden und sich dann ei
nen Beruf wählen können, so aber
dem Sd)icksale anheimgestellt sind.
—Der Selzer Konsumverein wird
den»täd)st wieder einen neuen Steuer
wann, wollte sagen, einen neuen
Buchhalter bekommen. Die Führer
des Konsums haben ein Höchstgehalt
ausgesetzt, das je ein Sterblicher in
der Gestalt eines Konsumbudihalters
bekommen hat. Hoffentlich wird dann
alle? gut gehen, da der neuangestell
te Buchhalter schon ein eigenes Ge
sdhäft leitete und durch die erzielten
Erfolge seine Sachkcnntniß und Ge
schäftstüchtigkeit bewiesen hat.
Ein Mitglied.
Renliebenthal, Kreis Tiraspol. Bei
uns ist mein bald mit der Bestellung
der Wintersaaten zu Ende. Das Wct-
SCT èt-«t».«»zeiser, Vi»M«n?, O ben W Cftetrr.
tcr war günstig, anfangs etwas tro
(fen. jetzt aber hatten wir einen durch,
weidjendett Regen. Die Feldmesser
können zu keinem Ende kommen. Vor
I! Monaten schon haben sie zu arbeiten
begonnen, und jetzt sind die einzelnen
Laiümürfer sie werben noch der
neuen Landreform bemessen noch
nicht abgetheilt.
Landau, Goit. Eherfon. Vor eini
gen Tagen wurde in Kikolajew das
Gerücht verbreitet, daß in der Lan
dauer Mädchenschule der Unterricht
von der Sd)ulobrigkeit auf einige
Tage eingestellt worden sei, während
in Landau niemand davon etwas
weiß. Auch bekommt man in Niko
la jew Vermuthungen zu hören, die et
löst so lauten: ..Wahrscheinlich wird
dies das letzte
xVit)r
sein, daß die Lan­
dauer Mädck)en schule eriftirt." Ich
weiß nicht, was zu solchen Bermn
thuugeit und Prophezeiungen Beran
lassung giebt. Wer weiß im voraus,
was im nächsten Jahre sein oder nicht
sein wird? Ich als Landauer weiß,
daß die Mädchenschule nicht rückwärts
sondern vorwärts geht. Das bewei
sen folgende Thatsachen: Im Inter
nat find jetzt id)im mehr Schülerinnen
als im vorigen Jahre (von Landau
selbst aber sind weniger Kinder), in
diesem Jahre wurde eine nette Klasse
eröffnet. Lehrer sind mehr als im
verflossenen Jahre, bis jetzt war int
Internat immer nur eine Erzieherin
thätig, in diesem Jahre aber werden
die Kinder von zwei Erzieherinnen,
von einer Russin und einer Deutschen,
beaufsichtigt, die ediulräutne wurden
bedeutend vergrößert. Bis jetzt hat
die Sd)ule keinen Grund, trüben
Blickes in die Zukunft zu schatten.
Seit dem 1. September findet in der
Mädchenschule und in der Zentral
schule regelmäßiger Unterricht statt.
Auch in den zwei Genieindeschulen be
stattn am 1. der Unterricht, mußte
aber unterbrochen werden, da die
chulzimmier remontirt werden.(,'l:
Wieder fitter durchgebrannt.
Wieder einmal mußten Deutsche ihr
sauer verdientes Geld einem jüdischen
Getreidemakler zu einer Reise nach
Amerika hergeben. Dieser „ehrlick)e
Makler" mit Nsttitctt Hersch kaufte in
Iofcfsdorf und dem benachbarten
Bttlgarendorfe Getreide auf. Er Hat
tc den Betrug schon vorher beschlossen.
Denn er wußte genau, wie man die
Bauern sangen kann. Jeder trachtet
eben danach, sein Getreide so vortheil
hast wie möglich zu verkaufen. Eben
dieses nützte der Schwindler aus, in
dem er 5—6 Kop. am Pud mehr zahl
te als andere Händler. Auf die Fra
ge, warum er mehr zahle als andere,
antwortete er, daß die andern Händ
lcr Schwindler seien, die nicht den
vollen Preis zahlen. Man glaubte
ihm und verkaufte ihm gerne sein Ge
treide. Der gute Hersch kaufte, so
lauge ihm da? Geld reichte, und als
dies alle war, borgte er noch dazu.
Doch zahlte er niemand ganz aus. son
dern gab jedem nur etwas Handgeld
liefe das Getreide aber gleich auf die
Bahn fahren. Dort verkaufte er das
Getreide zu 81 tfop. das Pud. mäh
rend er selbst bis 90 flop zahlte, steck
te da? Geld in die Iaid)e, fuhr davon
und ließ die Betrogenen warten. Mit
Vor
Dfhonfoi, Gouv. Zaurien.
fahren ging es mir so. wie es heute ^l'.lmiuckt wartete man iit ^oscfsdorf
vielen Vätern geht: ^ch wollte mei
mV
ucn «ohn schufen lassen, und wußte
md)t, mo. Bald dachte ich an ein
städtisches Gymnasium, bald an das
Karlsruher, und immer fiel mir die
Wahl schwer. Heute sehe ich nun ein,
daß id) mich umsonst abgemüht habe,
'"id heute würde id) ohne Bedenken
da? Alarlvfiihct: Progymnasium wäh
le», umso mehr, da es jetzt noch einen
Klttisciizinchiiß erhalten soll. ^ch
"^schloß mich, gottlob, auch damals
fnr diese Anstalt und kann mich heute
nur freuen: mein Sohn hat die
Sckiule schön beendigt und ist darauf
ohne Hinderniß in die 5. Klasse eine?
städtischen Gymnasiums attfgcnotn'
tuen worden. Zch habe somit Geld
gespart und meinem Jungen eine all
'citigc Bildung zutheil werden lassen,
denn Deutsch. Religion und Erzie
hung wären in der Stadt nicht so
trefflich geleitet worden, wie dies im
Karlsruher Progmniiafiiim gethan
worden ist. Also, ihr Eltern, macht
euch kein Kopfzerbrechen bei der Wahl
einer Schule, und schickt eure Kinder
getrost in deutsche Anstalten.
ftcn
Kandel, Odessaer Kreis. Mit
schwerem Herzen habe ich gelesen, daß
Selz über den Kutschurganer Lintern
eitte Brücke schlage» will. Dadurch
würde man uns Wandlern einige Tau
sender lmfercr jährlichen Gemeinde
einnahmen wegschnappen. Das wäre
ein bitterer Lohn für die Nachricht,
die unsere Gemeinde gegenüber dem
Pächter der Brücke. H. A. Boiko, übt.
Hätte sie schon lange energisd) einge
rissen. so könnte die zerstörte Brücke
schon längst wieder hergestellt oder
doch im Bau begriffen sein. Es per
breiten sich zwar Gerüchte, als wollten
die interessirten Russendörfer keinen
neuen Pertrag eingehen doch klingt
dies io unwahrscheinlich, daß matt
nicht weiß, was man dazu sagen soll.
Es ist noch Zeit bringen wir die
Sache ins reine, ehe es zu spät ist.
Das Wehklcgen über die Selzer, die
..alles heit", wird später nichts mehr
helfen. Ob die höhere Bolksschule
noch in diesem Jahre eröffnet werden
soll, ist ungewiß. Dod) glaubt man,
daß sie jedenfalls nicht im alten Kaiid
ü'i' ouMuiii'luiiiue untergebracht wür
de, da in Selz die Räume des nnt^M
schlossencit Progymnasiums leer sie
ben und den 'Bedürfnissen einer Mit
telschule eher angepaßt sind als das
Kandier Gebäude, in dem ehemals
die'Kirchenfchule war. —g.
war dock, ein Bankier
min vor der Thüre, zu welchem jeder
das Geld benöthigte. Aber der Hersch
kant nicht und ist bis heute noch nicht
gekommen. Schwei ist es für die
~eilte diesen Perlust zu verwinden,
brt doch im vorigen Jahre der Hagel
die ganze Ernte in I. vernichtet und
and) dieses Jahr war die Ernte nur
mittelmäßig. Mandx'r verkaufte beut
Hersch seine ganze Ernte und hat so
mit wieder eine Mißernte. Bon den
Deutschen in J. hat dieser „Ehren
mann" über 5000 R. und von den
Bulgaren in Alcrejemfa 2000 R. mit
genommen. Dem Hersch folgte der
Mildijiide aus I und nahm auch et
liche Hundert Rubel mit. —Od. Ztg.
Sulz, Odessaer Kreis. Unser Kon
sumvcrcin nimmt, wie es scheint, ei
neu neue» Aund)unmg seine Thätig
keit während des letzten Jahres läßt
wenigstens daraus schließen. Es wiir
de sid)er noch besser gehen, wenn unse
re Leute mehr Gemeinsinn hätten und
sich nicht von den Haitdelsjndeit ein
garnett ließen. Aber gerade hier liegt
der Hund begraben. Viele au? int
serer Mitte sind eben zu kurzfidjttg,
als daß sie sich durch schlechte Erfai)
r» «gen klug machen ließen. Traurig
aber wahr! —Z
Landau, Odeffaer Krci?. Die
Landauer Mädchenschule hat ohne
Verspätung ihre Befd)äftiguni be
gönnen. Bis jetzt wird die Schule von
(i5 Schülerinnen besucht. Demnächst
werden aber noch einige Mädchen ein
treffen. Im Internat sind jetzt 55
Mädchen. Im Sommer wurde die
Sd)ulc durch einen Anbau bedeutend
vergrößert. Wir haben jetzt in der
Schule einen Erholungssaal, der sei
nesgleid)en sucht. Als Lehrkräfte sind
in der Schule thätig: Mine. Mala
schcwskajst, Mine. Stcutkun, Herr
Peter Heint, Herr I. Schindler und
Pater Zyriak Reichert: also ein durch
aus leistungsfähiges Lehrpersonal.
—r.
Katharinenthal, Odessaer Kreis.
Die Drcsdiarbciten sind beendigt» der
Winter steht vor der Thüre. In der
Sd)ule herrscht wieder reges Leben.
Das wäre nun alles gut und schön,
übet ei was vermissen wir mit
Schmerz: wir hoben keinen Seelsor
ger. Seitdem unser früherer Pfar
rer v. Patter dem Ruf des Bifd)ofs
nach Sstratow gefolgt ist, sind wir
verwaist und müssen uns in der Noth
nach Karlsruhe tuenden. Wie wir ver
nehmen, soll unsere Pfarrei ein gan
zes Jahr ohne Priester bleiben wir
hoffen aber, daß dies nur leere Ge
rüchte seien. Vielleicht bekommen wir
bald einen Priester. —h,
Telz, Kreis Odessa. Eine Ge
meindeversammlung vom 11. d. M.
beschloß, Selz mit Nesawerdailowka
durch eine Brücke über den Dniester
lintslit zu verbinden. Dieses Unter
nehmen kann nur begrüßt werden, da
die Brücke in den Mittelpunkt von
Selz münden soll, was besonders dem
Basar großen Portheil bieten wird.
Bisher bestand in Kandel eilte Brücke,
die aber vom letzten Hochwasser weg
geschwemmt und nicht mehr ausgebaut
wurde. Selz will also die günstige
Gelegenheit nicht verschlasen. tun sei
nen vielen öffentlichen Anstalten, die
ihm den Neid der Nadjbarsdörfcr zu
gezogen haben, nun noch ein erträg
liches Unternehmen anzureihen. Die
Gemeindeversammlung hat eiticKom
mission beauftragt, in dieser Angele
genheit die ersten Schritte zu thun,
was die gewählten Herren hoffentlich
zu unserer vollen Zufriedenheit aus
führen werden. —R. u.M.
Selz. Odessaer Kreis. Am 8. die
ses Monats hat hier eilte Theatervor
stellung stattgefunden. Das Unter
nehmen war in den Händen einer rus
sischen Spielcrtnippe aus dem Nach
barftädtd)cn Majaki die Selzer Spie
lertruppe gab bloß ihren Senf dazu.
vas mit dem ..Postgeheimnis auch
sehr gut gelungen ist. Der Abend war
schleck)t besucht, und der Reingewinn
dürfte !!0 Rbl. nicht übersteigen. Die
Begeisterung für Theaterabende Hat
eben schon ziemlich abgeflaut, um so
mehr da nichts Neues mehr geboten
wird. Das wirthschaftliche Leben
ist sehr eintönig. Der Handel stockt,
woran die Ueberfchweininitngen des
Limans schuld sind, das Bestellen der
Wintersaaten will auch nicht vorwärts
gehen, da das Wetter wenig geeignet
ist. Die Handwerker sind mit ihrer
Waare übet daran. Für das Wagen
gestell will man nicht mehr als 20
25 Rbl. zahlen, die Gabeln und Re
dien harren auch guter Käufer. Jeder
Handwerker ist eben auf sich selbst an
gewiesen, ein gut organisirter Verein
würde manchen Helsen. —a.
Druckarbeiten aller 9Cr*4it dnitscher
und englischer Sprache, oder in bei
den, liefert prompt und preiswürdig
die Druckerei des Staats-Anzeiger.
Auch Bestellungen von auswärts »er
ben prompt ausgeführt.
Fortschritt.
Die Signatur des Ra
jtiona.dund-Konv.nts.
St. Louis, Mo., 6. Oft. Im
Planters Hotel wurde heute vor mit
tag 20 Minuten nach 9 Uhr der si
bente Nntioiiültonbtnt des Dtutich
amerifniiischctt Wativtialbimbts eröff
net. Der Staatspräsident von Mis
souri, Dr. Chas. H. Weinsberg, hielt
die Begrüßungsaniprache und stellte
Mayor Henry W. Kiel vor, der ve
dauerte, daß seine aus T-eutschiand
gebürtigen Altern seine dvulid)e Er
ziehung derart vernachlässig! yällen.
daß er außer Stande wäre, die Her
ren und Damen bti Konvents in
deutscher Sprache zu begrüßen. (Sr
erklärte, daß jeder Bürger von St
Louis stolz auf seine Gstadt wäre,
die das beste Schul- sowie das beste
Park- und Boulevard System in
Amerika besitze. Der Festschmud der
Stadt sei Beweis dafür, wie hoch ihre
Bürgerschaft den Besuch einschütte
Dèn Besuchern so viele angenehme
Stunden wie möglich zu bereiten uno
wertvolle Erinnerungen mit auf öit
Heimfahrt zu geben, sei das Bestre
ben eines jeden Bewohners der Stadt.
Dr. (5. I. Hexamer, der Präsident
des Bundes, dankte für die herzlichen
Worte und gab dem Mayor die Ber
sicherung, daß ein jeder die glänzende
Dekoration der Stadt und die groß^
artige Gastfreundschaft nicht vergessen
werde.
Dann kam eine ganz unerwartete
Ueberraschung. Dr. Weinsberg stellte
den offiziellen Vertreter des Deutschen
Reiches bei der Feier, General-Konsul
Alfred Geißler von Chicago, vor.
Es ist das erste Mal in der Ge
schichte des Nationalbundes, daß das
Deutsche Reich offiziell von ihm No
tiz nimmt und ein Repräsentant des
selben zum Konvent erscheint. Gene
ralkonsul Geißler. der schon lange
Zeit in verschiedenen Stellungen in
Amerika weilt, stellte in seiner kur
zen, mit großem Beifall aufgenomme
nen Ansprache den Deutschen hierzu
lande das Zeugnis aus, daß sie im
mer größere Fortschritte machten.
Es bereite ihm eine große Freude,
die Festtage hier zu verbringen, die so
erinnerungsreich nicht allein für die
Heimat, sondern für die Deutschen
überall in der Welt seien. Er habe
den Eindruck gewonnen, und im
Laufe der Jahre habe sich derselbe
verstärkt, das das amerikanische
Deutschtum wackere Fortschritte ma
che und eine immer größere Roue
im öffentlichen Leben des Landes
spiele. DaS sei vor allem das Ver
dienst des Deutschamerikanischen
Nationalbundes unter der fähigen
und begeisternden Führung Dr. He
xamers. Er wünsche sehnlichst, daß
der Bund die Prinzipien, die er ver
folge, auch ferner hochhalte und fort
fahre, das Interesse für deutsche
Ideale und Kulturerrungenschaften
zu verbreiten.
Dr. Hexamer dankte dem General
konsul und gab ihm die Versicherung,
daß der Deutschamerikanische Natio
nalbund nach wie vor bestrebt sein
werde, die alten Beziehungen zwischen
dem neuen und dem alten Vaterland?
zu festigen und auszubauen. Er er
nannte den Vertreter des Deutschen
Reichs zumEhrendelegaten de3 Kon
vents. Dr. Hexamer verlas alsdann
seinen mit vielem Beifall aufgenom
weiten Bericht, der in der Hauvtlâ
folgenden Wortlaut hat:
Bericht des Präsidciiteu
Dr. IL I. HkMicr.
»Heil dem.
der Gutes tut
f'c« um den
Buten
willen.
eignen
Hcrzen»drang tu
stillen I"
fingt Bodenstedt: und ein Wihblatt
meint: „3» große Gutmütigkeit ist
ein Herz fehl er. ynd das Heilpflaster
sind Erfahrungen."
Weld)cr von beutfchnmerifam
schern Geiste Enthusiasmierte hot b'e
Wahrheit beider Aussprüche wohl
Nicht au sich selbst erprobt? Bio« um
dot eigenen Herzensdrmig zu stil
I^1, hat mau vom deutschen Stamm
stets das Gute des Guten willen ge»
tan. Daß dieses schließlich im Laufe
bet Seit sich zu unserem Herzfehler
o,!ts,ebauscht hatte, gereicht uns iuk
anscheinend zum Schaden, deitzt in
unserem großen Narionalbiind hg
den wir den Volksgenossen gezeigt,
sap wir in ihm natürlich waren
«rä auch die Erfahrungen ein aus
Gezeichnetes Heilpflaster immer t.t
der Hausapotheke bei der Hand ha
den.
Jahre 1911 beim Konvent.'
in Washington hat sich die Ueber
Fügung unter unseren Mitgliedern
durchgerungen, daß wir durch un
eimüdliche zehnjährige erfahrungs
reiche Arbeit auf eine achtunggedi
tend»' Stellung
bliese»
konnten und
daß das große Deutschamerikaner
tum, zum Bewußtsein seiner
patrio­
tischen straft gekommen, diese nicht
titehr aus zu großer Gutmütigkeit
man mag es auch ftleid)mut nen
nen brad) liegen lassen würbe
xti den seither verflossenen am«**
Jahren galt es, ans festem Huuda»
mfrttte aus- und aufzubauen, kom
mender Tätigkeit auf den vieleiy
Gebieten, auf denen sie ucn imS etjf
heischt wird, den rechten, echten Un»
tergrund für stetiges Wachsen uitfK
permanentes regelmäßiges Blühen A
neben den laufenden Aufgaben tunf
dem Perfolgen unserer Ziele zu ge
ben. Daß dieses gelungen ist, fmt.L
ich Ihnen heute frohen Herzens be
stätigen.
Was die umfassenden Arbeiten
mtb Themen anbetrifft, die dem Na
tionalbnnd vorlagen und die U*
tcrverbände beschäftigen, so sei mir
eine allgemeine Uebersicht gestattet.
Sn erschöpfender Weife dieses zu.
tun, würden Tage nicht genügen
Diq Beziehungen zum alten Ba
terlande, zwischen Deutschland und
Amerika sind niemals engere und
bessere- gewesen, dazu haben tote
vom Matiiiualbunde sicher ein ganz
bedeutendes Scherflein beigetragen
mit unseren Bemühungen, ein ans
Achtung beruhendes gegenseitiges
Berstehen zu fördern. Und ein
rechtes Verständnis der Verhältnisse
jedes Landes, jieitutnis und Er
kenntnis der beim Wettbewerb tin
kulturellen Wertaiistausche zu be
rücksichtigenden und maßgebenden
Faktoren kann die bestehenden guten
Beziehungen nicht nur festigen, son
dern auch auf anderen Gebieten,
beiden Völkern zum (Äiücke un
Ruhme gereichen. Der beste ameri
kanische Eharaktcrzug „Fair Play"
laßt sich sehr schön mit den deutschen
Idealen (^emiitstiese und Gemüt?
traft verbinden. In diesem erzie
hcrisdien Sinne umfaßt der Na
tionalbuub nicht allein alle Deutsch,
amerikancr, sondern auch jeden, der
hier für die deutsche Kultur zu ge
winnen ist.
Schon Plutarch sagt über Er
Ziehung: „Die Quelle und Aur
zel aller Trefflichkeit ist eine wohl
geordnete Erziehung." Darin dient
uns Deutschland zum Vorbild unt
mit Recht, weil uns durd) dieses
Vorbild der Wert gründlid)en Wis
sens und das Streben, überall und
in allem das Beste zu erproben,
zu verwerten und zu assimilieren,
bewiesen worden-ist und wird.
Erziehung und Bildung begin
nen mit dem Kindergarten und en
den erst mit dem Tode, wenigstens
für den, der im Woethescheii Sinne
stets aktive Selbstzucht übt. Ein
bekannter deutscher Pädagoge de
merkte: „Freiheit im Schulwesen
ist eitte der wichtigsten Forderun
gen für die Blüte des Schulwe
sens," aber ferner: „Die übertrie
bene Freiheit führt dazu, daß da*
Ptivatfchulwcfcn in einer unheim
lichen Weise sich entwickelt, und weil
es häusig genug nicht Bildungs
zwecke, sondern Erwerbszwecke ver
folgt, kann es dem Gesamtorganis
mus des Staates recht nachteilig
werden."
Bei uns in Amerika besteht selbst
für unsere Freischulen diese Ge
fallt!
Zur Bildung und gewiß zur Nor»
bildung für manche Professionen.
Fächer, Gewerbe, Kunst und Hau
del oder manche Industrien gehört
heutzutage Kenntnis fremder Spra
chen. Deshalb treten wir gegen die
and fanties" in unseren
Elementar- und Hochschulen, aber
für die Einführung des Deutsch
unterridits ein. Nicht weil wir bu'
Erlernung irgend einer anderen
Sprache, sagen wir Spanisck) oder
Französisch, Sdiwcdisch, Italienisch,
etc. etr. verachten. Gerade das Ge
genteil ist der Fall. Wenn wir un
seren beutfdiamerifanifdhen Eltern
zurufen: Erhaltet euren Kindern
die zweite Sprache im Haufe, so
tun wir dieses den Eltern aller an
deren Nationalitäten gegenüber be
züglich ihrer Mittersprache, wettn
irgend möglich. Englisch als Lau
dcvurad)e und adoptierte Mutter
sprache, Teutsch als Kultursprache
und auf ihrer Seite noch eine drit
te, ihre Eltern spräche, die sie als
Kinder mühelos sich erhalten kön
nen, kann der Bildung der grohett
Masse unserer jugendlichen Volks
einheiten nur zum Vorteil erwach
sen.
Ich habe auf dem Penttsylvania
St.mtvkouvent auf einen von der
Public Education Association in
Philadelphia herausgegebenen Be
richt aufmerksam gemadit, der »ort
dem amerikanischen Konsul in Er
furt, Herrn Ralph Ausser, einem
Abkömmling eines Pennsylvania
Deutschen aus ?Jork, Pa., für das
Staatsdepartement in Washington
verfaßt wurde: „The Onnau
System of Industrial Schooling"
und in vorzüglicher Weise für sich
und dafür spricht, daß Deutschland
uns hierin vorbildlich fein sollte,
und was „Die Deutsdie Sprache"
betrifft, so sagt Professor Owen,
der bekannte amerikanische Gelchrte
von Chicago:
„Die deutsche Sprache un
schätzbar ist mir ihre Kenntnis ge
wesen, auch geistig anregend in mei
nen Studien. Ich kann tatsächlich
sagen, daß ich eher auf die englische
Sprache verzichten kann als aus die
deutsdie. Es gab Zeiten in meinem
Leben, wo ich meine Studien mir
mittels der deutschen Sprache be
treibe» es Ime «urii-

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