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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, February 19, 1914, Image 2

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WIflttroft
an unlrrt RorrtlconOtnltn bett wenden.
trlafitn bitlt Vlnfunbiaun«, um de» L'enttn bort
ktf Eacht rorlrntli* ,u trltlAttrn.
lit Heldidltlfiibrnng.
Spezial-Korrespondenz.
.Vlrajjno, Bessarabien,
den 5. Januar.
Zwar sind seit Einsendung meiner
vorigen Korrespondenz an das Blatt
erst einige Tage verstrichen und ich
hatte mir auch vorgenommen, die
Feder einige Tage ruhen zu lassen,
aber da ich und Frau einer Einla
iwg des Herr» Mathias Müller und
Frau in Emincnthal auf Neujahr
Folge leisteten, traf ich mit vielen
Freunden und Bekannten zusammen,
welche mich mit Fragen über Aufen
thalt ihres Bruders, Schwagers, und
so weiter in Amerika bestürmten und
ob der Staats Anzeiger denn nicht
wußte wo sie alle sind. Eine Ange
legenheit ergab die andere und man
ist hier der Ansicht, das der Staats
Anzeiger weis Ivo alle Leute wohnen.
(Mit Adressengesuchen machen mir
Schluß, ausgenommen es wird uns
für jedes (Much der verlangte Be
trag gleich mitgesandt. Man lese
den Briefkasten. Adressengesnche und
Grüße haben so überhand genommen,
daß wir energisch Halt gebieten müs
se», denn das sind nicht Tinge von
allgemeinem Interesse.—Ned.Staats
Anzeiger.) Ich habe den Leuten ver
sprochcn, mich mit der Bitte um Hülse
an den Staats-Anzeiger zu wenden
und hoffe, die Redaktion wird uns
den Gefallen thu». Da ist zuerst
Barbara Groß geborene Plodkn. die
ihren Bruder Johannes Plovky sucht
welcher i» Allan, Sa*f„ Canada
wohnhast sein soll. Wenn er nicht
Leser des Blattes ist, sind vielleicht
Mitleser dort so freundlich ihn auf
diese Zeilen aufmerksam zu machen.
Die jetzige Frau Jakob Groß, deren
erster Mann der verstorbene Michael
Mäßner ane Beresina in Bessara
dien war. wünscht ihre Kinder in der
neuen Welt zu benachrichtigen, daß
ihr väterliches vermögen in der
Klöslizer Waisenkasse liegt. Tic
Kinder der Frau sind Michael Mäß
ner, der in Mulm N. D. wohnhaft
sein soll' Gottlieb Mahner wohnt in
Argentinien Südamerika. 11. die Ad
resse d. anderen èölmvFrtrbrich Mah
ner und Jakob Mäßner ist der Mut
tcr nicht bekannt. Sie bittet alio
ihre .Sünder, das Vermögen von der
Waisenkasse zu heben, wo es schon
jahrelang liegt, nnd auch bittet sie
um Briefe direkt an sie oder um
Nachricht durch den Staats-Anzeiger.
Briefe sind zu adressiren an Jakob
Groß. Emmenthal, Post jiainari,
Kreis Bender in Bessarabien. Biel
leicht ist sogar einer der W'rrvii Mäß
ner Leser des Blattes, und wenn nicht,
wird es Zeit, sich der Staats-Anzei
ger Familie anzuschließen, der auf
dem ganzen Erdenrunde gelesen wird.
Bei dieser Neujahrsseier bei Herrn
Mathias Müller wurde viel von dein
Staats Anzeiger gebrochen, von dein
ich gerade ein Exemplar zur Hand
hatte, welches von allen gelesen nntr
de. Za wurde auch in Nr. 21 die
Korrespondenz des Herrn Ludwig
Schmaltz in Beiseker Alta. Canada
gelesen, in welcher er meldet, daß
Herrn Karl Ternes die Sprungseder
scheere als Prämie verloren ging.
Karl Ternes ist der Vetter von Ma
thias und Klara Müller in Emmen
thai und der Bruder von Ludwig
Ternes. des Vaters der Frau Ma
thias Müller. Iin Kreise der Gesell
schalt wurde ans das Wohl der Her
ren Ludwig Schmaltz und Karl Ter
nes und deren Frauen getrunken und
ihnen viele Glücfnmm'che dargebracht.
Qt würde Herrn Mathias Müller
sehr freuen, von seinem Vetter Karl
Ternes noch einmal zu hören, ehe er
Rußland verläßt. Herr Müller ist
nämlich reisefertig und reist am 15.
Februar von Emmenthal ab nach
Canada, um sich ein neues Heim zu
gründen.
Also, wie gesagt, ich habe den Leu
ten versprochen, dies alles dem
Staats-Anzeiger zu übermitteln.
Schon seit Jahre» hatten mir nicht
einen so schneereickx'n Winter wie
diesen. Im Vorwinter wollte es we
der regnen noch schneien. So ver
ging die Zeit bis gegen Weihnachten,
und da erhielten wir Schlittenbahn.
Heute aber, den 5. Januar, tobt ein
Schneesturm, daß man das Haus
nicht verlassen tars und staunen muß.
wie die Schneewehen im Hose sich
aufthiirmen und wie es morgen wer
den wird bleibt abzuwarten. E
kann fein, daß dieser Bericht verspätet
auf die Post kommt. Jch fürchte
sehr, daß man in ein paar Tage»
schlimme Nachrichten erhalten wird
über den Schade» welchen der Sturm
ivrunacWc. Hoffen wir, daß er
fi'in' Menschenleben fordert.
^eitern erhielt ich auf der Post
winari Nr. *22 und 23 des Staat?
Anzeiger, welche uns wieder viele
willkommene Nachrichten aus der
i'.v.ien
Welt brachten und Berichte
über Weihnachten und Neujahrs
feiern. Besonderen Eindruck machen
aus mich immer die Abhandlungen
meines werthen Herrn Kollegen An
ton Jochim. Schade, alter Kollege,
daß Jhr Wunsch, mir persönlich Glück
wünschen zu können, nicht in Erfiil
lung gehen konnte. Doch wollen wir
»och nicht alle Hoffnung auf ein Wie
dersehc» in dieser Welt aufgeben,
denn so lange wir leben ist noch im
mer eine solche Möglichkeit vorhan
den. Wenn ich so viele Tollars
hätte wie schon Ihr Name und der
des Staats-Anzeiger in Gesellschaft
genannt wurde, wäre es längst schon
mir möglich gewesen, der neuen Welt
einen Besuch zu machen. Wir wollen
das beste hoffen und zufriedenen Her
zens in die Zukunft schauen. Ich
habe ja Kinder in Nord-Takota. und
wenn ich erst einmal so viele Söhne
dort habe wie Töchter, dann kann ich
doch vielleicht noch dem ungerechten
Nußland Lebewohl sagen. Unge
rechtigkeiten mögen überall herrschen,
doch wohl nur in geringerem Maße.
Schaut man in Rußland nur die Un
Gerechtigkeiten in Gerichtssachen an,
ist man fast versucht zu glauben es
gebe feinen Gott im Himmel mehr.
Wenn aber das Maß der Itngerccfytig
feit voll ist, greift ein allmächtiger
und gerechter Richter ein und spricht
sein Urtheil. Ueber dieses Thema
wäre unendlich viel zu schreiben.
Herzlich freute es mich auch, in der
Weihnachtsnummer des Blattes
Herrn Peter Gabriel im Bilde sen
nen zu lernen. Recht so, Herr Ga
briel. Wenn alle .Korrespondenten
unserem Beispiele folgten, könnte sich
bald ein schönes Gruppenbild zusam
menstellen lassen.
Gruß an meine Kinder in Morton
County Nord-Dakota und an alle
Leser des Blattes.
Romuald Xirf.
Nachschrif t.—Ach, wie er
schrickt man doch, wenn der Staats
Anzeiger in seinen Spalten aus der
neuen Welt unerwartete Berichte
über Unglücks- undTodenfälle bringt.
So brachte Nr. 21 uns die Nachricht
durch Herrn Joseph Tumbach, daß
Herrn Kilian Ibach's Frau gestorben
sei. Gewiß ein harter Schlag für
Herrn Ibach! Und gewiß erschra
cken alle seine Freunde wie wir, daß
eine Frau in den besten Jahren so
plötzlich hinweggerasst wird. Doch,
unser aller Leben steht in des Höchsten
Hand. Empfangen Sie also. Herr
Kilian, unsere innigen Beileidsaus
drücke. Und nun auch, Herr Kilian,
wie kommt es, daß Sie im Blatte
nichts von sich hören lassen? Auch
viele andere Kraßnaer lassen nur
wunderselten sich hören, und doch sind
unter diesen viele sedergewandte
Männer! Ist es möglich, daß sie das
Blatt nicht lese»? Ich glaube, wer
einmal den Staats-Anzeiger gelesen
hat, läßt nicht wieder von ihm, denn
es ist die einzige deutsche Zeitung die
uns Nachrichten übermittelt, die uns
direkt interesiiren. Wohl, liebe Freun
de in Canada, lese auch ich die West
Canada, aber sie bietet nicht an
nähernd was man durch den Staats
Anzeiger erfährt. Was nutzt viel Pa
pier und eine große billige Zeitung,
die nichts enthält was uns fesselt und
angeht? Herrn Tumbach habe ich
zu bitten in seinen Berichten mir an
zugeben wer in Canada ihm aus
Kraßna und Bessarabien überhaupt
bekannt ist, und welche von ihnen gute
.^eitungsleser sind. Ich lese nun den
Staats-Anzeiger das dritte Jahr und
fand, daß von 100 ausgewanderten
Familien lange nicht alle das Blatt
lesen noch korrespondiren. Tie mei
sten davon gingen nach Canada.
(Tas erklärt sich wohl theilweise da
raus. daß oft von zwei bis sechs Fa
milie» zusammen das Blatt lesen und
somit nur immer ein Mann einge
schriebener Leser ist. Uebrigens möch
ten wir nun wissen, ob Sie noch nicht
unsere Geschenke erhielten. Wir hof
fen doch nicht, daß sie znm zweiten
Male verloren gingen? Red.
Staats-Anzeiger.) Ich hoffe, die
Bessarabier raffen sich auf, um nicht
zu den letzten gezählt zu werden.
Ich erwähnte bereits, daß wir am
5. Januar gewaltigen Schneesturm
hatten, und heute wüthet er schon zum
dritten Tage weiter. Am ß. wurde
es etwas still, sodaß ich glaubte mei
ne Einsendung auf die Post bringen
zu können. Ich machte mich nachmit
tags um 4 Uhr auf den Weg. hatte
aber saunt eine Werst zurückgelegt,
als ich umfehren mußte, denn es
war einfach nicht vor Schnee durchzn
fommen. Ich miittfe die Fahrt auf
den 7. verschieben, aber selbst am 7.
tobte noch der Schneesturm weiter,
Wundern soll es mich nicht, weitn
man in ein paar Tagen Berichte lesen
muß, daß Menschen und Vieh dem
Unwetter zum Opfer fielen.
(Mit Rätliielaufgaben haben wir
längst Schluß gemacht, weil wir
mußten. Nehmen wir eine Ausgabe
ans, kommen gleich Hunderte und, da
wir alle Einsender gleich behandeln
müssen, wäre schließlich kein Platz
mehr im Blatte für Berichte übrig.
—Red. Staats Anzeiger.)
Tas Blatt hat sich in den vergan
genen zwei Jahren auch in Bessara
bien sehr Weit verbreitet u»d wird al
lenthalben mit Sehnsucht erwartet.
Nochmal' iut'lichen Gruß aller
Kits von Romuald Dirk.
Spezial-Korrespo»5e»z.
Elsaß, Gouv. Cherson.
den 4. Januar.
Zum ersten Male im neuen Jahre
lasse ich meine Gedanken in die neue
Welt schweifen, begrüße alle Freunde
dort und alle Leser des lieben Blat
tes, wie auch Herrn Redakteur
Brandt, und wünschen allen viel
Glück auf 1914.
Das Wetter ist bei uns seit Mitte
Dezember des verflossenen Jahres
bis heute noch anhaltend fait, der
Boden deckt Schnee und wir können
bestätigen, daß der Winter' seinen
Einzug gehalten hat.
Tie Feiertage verliefen bet tuts wie
gewöhnlich—theils in der Kirche,
theils bei der Branntweinflasche. Ist
letzteres etwas Löbliches oder nicht?
Ich habe mir vorgenommen, heute
etwas über das Heirathen zu schrei
bett, und zwar über das zu frühe
Heirathen. Habe ich unrecht, wenn
ich bemerke, daß sich folgendes reimt?
„Tes reichen Mannes Kind nnd des
armen Mannes Rind sind immer
fehl." Jch urtheile nämlich so: Wenn
der reiche Mann Kinder hat, beson
ders Mädchen, so sind auch bald
Kuppler da, die sich bemühen, dem
„Kinde" einen richtigen Bräutigam
oder richtige Braut zu verschaffen.
So treten oft Mädchen mit 17 bis 18
Jahren in den Ehestand einzig und
allein weil sie reich sind und einen
Bräutigam ..glücklich" machen fön
nen. Die Kuppler haben es fertig
gebracht.—Wenn der arme Mann ein
Rind hat, so sind auch gleich die
Schlächter da und kansen es ihm ab.
weil der arme Mann Geld braucht.
Kind und Rind—das reimt sich fein,
und doch sind die Begriffe grundver
schieden. Ersteres ist ein menschliches,
vernunftbegabtes Wesen, letzeres ein
Thier. Heutzutage, sage ich, hei
rathen oft Mädchen und Knaben mit
17 bis 18 Jahren und sind im Alter
von 38 bis 39 Jahren bereits „Groß
mutter" oder „Großvater." Ist aber
so etwas nicht traurig? Könnte
man sich in dieser Hinsicht nicht ein
Beispiel an den Deutschländern neh
men, zu denen doch auch wir uns rech
nen, und die nicht in so jungen Jah
ren heirathen, sondern warten bis sie
24 oder 25 Jahre alt sind? In die
sem Alter hat doch wenigstens der
Durchschnittsmensch den Vollbesitz
geistiger und körperlicher Kräfte und
kann eine feste Balm für einFamilien
leben legen. Wären die unsinnig
zeitigen Heirathen unter „Kindern"
nicht, wären auch nicht so viele Nach
kömmlinge, und das Leben wäre
ganz anders. Das ist ein wichtiger
Punkt. Vielleicht viel wichtiger als
man sich denkt!
Die größten Dummheiten aber im
menschlichen Leben sind Heirathen
der .Krüppel, und besonders noch
wenn beide arm sind. Ist es nicht
schon vorgekommen, daß man solche
zur Trauung zur Kirche tragen
mußte? Was ist das für ein Ehe
leben. wenn der Mann nicht sich selbst,
geschweige denn Frau und zu erwar
tende Kinder ernähren kann? Haben
solche Ehen Zweck und Ziel? 'Ja:
daraus entsteht ein Bettelwesen. Was
rindet man zumeist unter Frauen von
Krüppeln? Nichtsnutzige Dirnen,
die nichts von Arbeit wissen wollen
und ihr Lebelang als Bettler um
herziehen und Bettler in die Welt
setzen.—Solche Ehen sollten nicht zu
gelassen werden, ja: sie sollten straf
bar sein!
Ich muß leider berichten, daß ich
mich nach Ablauf meines Abonne
ments eilte zeitlang dem Blatte ent
sagen muß und will hiermit den Le
sern des mir lieben Blattes auf eine
zeitlang Lebewohl zurufen, sjhr
Abonnement läuft ab am 26. Marz
1014 und dann wird die Zusendung
eingestellt. Besten Dank für uns
seither bewiesenes Wohlwollen!—
Red. Staats Anzeiger.)
Als Oberschulz wurde in Mann
heim Johannes Müller gewählt. Bei
uns ist Johannes Germann Schulz
geworden, und auch einen neuen
Schreiber haben wir, nämlich Herrn
Engel aus Baden.
Nach längerem inneren Leiden
starb heute Morgen Johannes
Denims (?—Red. Staats-Anzeiger.)
Gruß an meinen Tochtermann Jo
seph Weiter nird Familie und an mei
nen Enkel Christian Merf, wie auch
an die Redaktion und an alle Leser
des Blattes. Peter EbeH.
Spezial-Korrespondenz. 5.
Dowsunsfoe im Kaukasus
den 2. Januar.
Lieber Staats-Anzeiger!
Wieder ist ein Jahr verflossen und
ein neues beginnt. Alles wird von
Neuem angefangen und so müssen
auch wir Korrespondenten von Neu
em unserem Freunde, dem Redakteur
dieses Blattes, schwere Gedanken und
Arbeiten anshalsen. die er immer mit
großer Geduld und Nachsicht erledigt.
Wir haben noch immer keinen
Schnee, trockene Witterung bei leich
ten Frösten. Schwache Hoffnung
aufs neue Jahr, aber die Menschen
leben in Saus und Braus. Da wird
getrunken und gejohlt und geprügelt
und gestochen. Z» Weihnachte» hat
ten etliche junge Männer sich betrun
ken, bekamen Streit miteinander
lind bearbeiteten sich mir Flaschen
und Messern. Johann Erdstein er
hielt fünf Messerstiche und piird
schwerlich mit dem Leben davonkom
men. Auch Heinrich Widerspohn
wurde schwer verwundet. Eine
Schande was nicht alles hier vor
kommt!
In Rashir, einem Russendorfe, er
eignete sich ein geradezu grausiger
Vorfall. Auf einer Hodbzeitsfeier be
zechten sich die Gäste bis zur Besin
»uiigslongkeit. Dann wurden zwei
Pelze unigedreht und ein Mann als
Bär aiissiaffirt. Man legte ihm ei
ne Kette um den Hals und ein Schloß
davor. Dann wurde der Wagen ein
gespannt und Herr ..Petz" mußte aus
sitzen mit einigen anderen Männern.
Dann gings fort nach der Monopol
«Branntwein-) Bude. Hier wurde
stillgehalten, der „Petz" mit der Kette
am Wagen befestigt, und ihm die
Zügel übergeben mit den Worten:
boderfchi Waska Loschadei a mi Wotke
nabirom (halte die Pferde, wir wer
den Branntwein saufen.) So hielt
der Waska die Pferde und machte da
bei seine Bärentänze, als aus einmal
die Pferde scheute» und durchbrann
ten. Der „Biir" stürzte vom Wagen
und wurde nachgeschleift, als ober die
rasenden Pferde um eine Ecke bogen,
blieb der „Bär" an einem Eckpfosten
hängen. Die Kette riß ihm den
Kops buchstäblich vom Rumpfe, wel
cher ein paar Schritte fortflog. Eine
grausige Vorstellung!
Ich muß auch berichten, daß wir
jetzt keinen Lehrer haben. Es wurde
ein Gemeindebeschliiß abgefaßt wegen
unserer vier Schulhäuser, welche der
Semstwo übergeben wurden, aber mit
der Bedingung, daß wir Sonntags
und an Feiertagen Gottesdienst dort
halten dürfen. Gott allein aber mag
wissen, ob es genehmigt wird. Vom
i. September art wird die Semstwo
die Lehrer uns. stellen, auch die
Schulhäuser remottliren und alle Bü
cher und Hefte stellen welche die Schii
ler gebrauchen. Auch die Semsker
Post wird jetzt von der Semstwo ge
miethet. Was wir dann vom Land
werden zahlen müssen, wird wohl
nicht wenig sein. Für unsere Dorf
fott zahlen wir 031 Rubel. Da
muß ein Federwagen sein mit zwei
Pferden und zwei Sattelpferde die
Briefe abzubringen und zu holen,
und drei Pferde bei der Feuerspritze.
Habe auch zu berichten, daß An
dreas Schild das Zeitliche segnete.
Er erreichte das Alter vo» 49 Jahren
und hinterläßt Frau und sechs Kin
der.—Friede seiner Asche!
Und nun, ihr lieben früheren
Kaiikaser, wie kommt es denn, daß
ihr nicht mehr Korrespondenzen für
den Staats-Anzeiger schreibt? Jch
bemühe mich doch immer um enret
willen, auf daß ihr immer etwas
Neues aus der alten Heimath erfahrt,
aber ihr seid wirklich zu träge! Ich
schreibe immer interessante Berichte
so gut ich kann, aber von euch höre
ich wenig. Belohnt ihr so meine
Mühe und Arbeit? Nichts für ungut,
liebe Freunde, aber leset fleißiger den
Staats-Anzeiger und korrespondirt
doch wenigstens etwas mehr.
Lieber Schwager Otto Sommer
schein in Nord-Dakota, ich hätte eine
Bitte an dich, nämlich daß du mir
eine» Pfriemen zuschickst, wie sie der
Staats Anzeiger vorauszahlenden
Lesern bei 30 Cents Nachzahlung
schenkt. Ich habe auf diesen Winter
nämlich viel Pferdegeschirr zu machen
und glaube der Pfriemen käme mir
zu passen. (Wir werden, lieber
Freund, selbst Ihnen den Pfrieme»
zusenden, sodaß der Herr Schwager
weiter keine Auslagen hat. Wir wis
sen, daß auch Herr Bommerschein
Ihre Bitte erfüllen würde, aber wir
wollen ihn davon entbinden und Jh
nen gern das Geschenk machen.—
Red. Staats-Anzeiger.)
Zum Schluß seid alle Verwandte
und Freunde herzlichst gegrüßt, wie
auch namentlich meine Rußländer
Freunde Friedrich Weininger, von
dem ich gerne erführe wie es meutert
Halbbrüdern in Kronsfeld ergeht,
wenn sie noch leben an Joseph Zei
ser und Romuald Dirk. Herr Dirk,
für Ihre Kinder wäre es gut im
Kaukasus, denn es fehlt an Schmie
den Und Schustern. So lange ich
noch schmieden konnte hatte ich im
mer Geld wie ein Jude. Jch habe
eine leere Hosstelle, die ich Ihnen
gerne unentgeltlich ans zehn Jahre
überlasse! 'Ferner auch herzlichen
Gruß an Freund Andreas Bischke
und an alle Glieder der Staats-Art
Mgerfamilie.
Achtungsvoll
Jakob Sommerfeld.
Spezial-Korrespondeuz.
Mannheim, Gouv. Cherson,
den 8. Januar.
Nun die Feiertage vorüber, steht
es mit der Gesundheit auch etwas
besser, denn hier grassirten nament
lich unter den Kindern Schailachsie
ber und Halsbräune so schlimm, daß
viele den Krankheiten erliegen muß
ten. Die Witterung, seither warm
und feucht, schlug am .r. 'Januar um
und wir hatten schweren Schneefall,
der uns sehr gelegen kommt.
Freundliche Grüße an Bruder
Egidi Groß und Familie in Ana«
(Fortsetzung auf Seite 6.)
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Neue Prämien!
Wir offeriren als Prämien allen neuen und alte» Lesern, welche
den Staats-Anzeiger ein Jahr vorauszahlen:
Regensburger Marien-Kalender
Lahrer .Sinkende Bote Kalender
Sprungfeder-scheeren
Näh Bestecke (142 Stücke)
Pfriemen (Schnellnäher)
Alte oder neue Leser, welche das Blatt ein Jahr vorauszahlen,
können als Prämie entweder die berühmte Sprungsederscheere, oder
einen der obengenannten Kalender wählen. Diese Prämien werden
solchen Lesern ohne Nachzahlung und postfrei geliefert.
Unseren Lesern in Canada diene zur Nachricht, daß sowohl die
Sprungsederscheere, wie auch das Nähbesteck und der Pfriemen, ver
zollt werden müssen. Die Zollgebühren hat der Leser selbst zu
zahlen, und zwar an das betreffende Zollamt. Der Zoll auf die
Scheere beträgt 40 Cents. Wie hoch Nähbesteck oder Pfriemen
verzollbar sind, haben wir noch nicht in Erfahrung bringen können.
Unseren Lesern sowohl im Auslande wie im Jnlande rathen wir,
alle Prämien, nur die Kalender ausgenommen, auf der Post ver
sichern zu lassen, da es öfters fassirt, daß solche verloren gehen, und
wir für richtige Abliefeuuttg keine Verantwortung übernehmen kön
nen. Wer Prämien durch die Post versichert gesandt haben will,
muß uns dafür 10 Cents extra einsenden und in diesem Falle über
nehmen wir alle Verantwortung.
Prämien gegen Rachzahlung:
Das Nähbesteck—142 nützliche Gegenstände für die Hausfrau. Ent
hält 126 Näh-, Stopf-, Stick- und Handarbeits
Nadeln aller Größen, zusammen mit allen Utensilien
für Handarbeiten aller Art. Postfrei zu haben bei
einjähriger Vorauszahlung und 25 Cents Nachzah
lung. Ein großartiges Geschenk!
Ter Pfrieme« (Schnellnäher)—ein unentbehrliches Handwerkszeug
für Farmer und Hausväter. Enthält Nadeln für
jedwede Arbeit und ist fertig zum Gebrauch. Mci
schinennadeln jeder Art können mit dem Pfriemen
gebraucht werden. Diese Pfriemen kosten minie
stens $1 das Stück. Postfrei zu haben bei einjähri
ger Vorauszahlung und nur 30 Cents Nachzahlung.
Unsere liberalen Club-Offerten:
(Nach dem Auslande kostet das Blatt $2 jährlich, also 50 Cents
mehr als nachstehend berechnet.)
In Clubs von zwei vorauszahlenden Lesern, also bei Einsendung
von $3 (ein alter und ein neuer genügen) bekommt jeder eine Scheere
und der Einsender des neuen Lesers noch einen Kalender dazu.
In Clubs von drei vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung von
$4.50 (ein alter zusammen mit zwei neuen genügen) bekommt jeder
eine Scheere und der Einsender der zwei neuen Leser noch das Näh
besteck dazu als Geschenk. Dieses Nähbesteck kostet $1.00
In Clubs von vier vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung von
$6 (ein alter zusammen mit drei neuen genügen) bekommt jeder eine
Scheere und der Einsender der drei neuen Leser für seine Mühe den
Pfriemen dazu als Geschenk. Der Pfriemen kostet mindestens $1.
In Clubs von fünf vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung von
$7.50 (ein alter zusammen mit vier neuen, genügen) bekommt jeder
neue Leser eine Scheere und der Einsender der vier neuen Leser für
seine Mühe das Rähbesteck und de» Pfrieme» (ober keine Scheere) als
Geschenk.
In Clubs von sechs vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung von
$9 (ein alter zusammen mit fünf neuen genügen) bekommt jeder
neue, wie auch der alte Leser, die Scheere und der Einsender der fünf
neuen Leser für feme Mühe da» Nähbesteck und de» Pfrieme» als
Geschenk.
Geldpreise
nnd
Prämien:
In Clubs von sieben vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung von
$10.50 (ein alter zusammen mit sechs neuen) bekommt jeder der
Leser die Scheere und der Einsender für feine Mühe noch $1.50 i»
Baargeld dazu.
In Clubs von zehn vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung von
$15 (ein alter zusammen mit neun neuen) bekommt jeder der Leser
die Scheere und der Einsender für seine Mühe noch $3.00 i» Baar
geld, sowie das Rähbesteck als weiteres Geschenk.
Ja Clubs von fünfzehn vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung
von $22.50 (ein alter zusammen mit vierzehn neuen) bekommt jeder
der Leser die Scheere und der Einsender für feine Mühe $4.50 i»
Baargeld, sowie Nähbesteck und Pfriemen als weiteres Geschenk.
Ja Clubs von fünfundzwanzig vorauszahlenden Lesern, bei Ein
sendung von $37.50 (ein alter zusammen mit viernadzwanzig neuen)
bekommt jeder der Leser die Scheere und der Einsender für seine
Mühe $7.50 in Baargeld, sowie Kalender, Rähbesteck und Pfrieme»
als weiteres Geschenk.
In ClnbS von fünfzig vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung
von $75.00 (ein alter zusammen mit nennundvierzig neuen) be
kommt jeder der Leser die Scheere und der Einsender für feine Mühe
$15.00 in Baargeld, sowie alle von uns osserirten Prämien als
weiteres Geschenk, oder $17.50 i» Baargeld, fall» er keine Prämien
wünscht.
In Cl»iS vo» Ändert vorauszahlenden Lesern, bei Einsendung
von $150.00, (ein alter zusammen mit neunundneunzig neuen) be
kommt jeder der Leser die Scheere und der Einsender für seine Mühe
$35.00 in Baargeld, sowie auch alle von nnS offerirten Prämien als
weiteres Geschenk, ober $37.50 in Baargeld, falls er feine Prämien
wünscht.
Alle Vorauszahlungen müssen ein volle« Jahr betragen.
Leset aufmerksam die obigen Bedingungen, denn sie find bindend
und Abweichungen werden nicht gestattet.
Der Staats-Anzeiger kostet nur $1.50- auf» Jahr und ist in
Anbetracht der Fülle und Güte des Lesestoffes Lei weitem die beste
und billigste deutsche Zeitung in den Dakotas, und unsere Prämien
Offerten sind z» gleicher Zeit die liberalsten. Werbet neue Leser jetzt!
Die Scheeren und Nähbestecke sind treffliche Geschenke für Frauen
und Mädchen und der Pfriemen ist ein Werkzeug, welche» für jeden
Formet und Haiistmter geradezu unentbehrlich ist.
Adressirt alle Geldsendungen und Briefe
Der Staats-Anjeiger,
•kl
Bismarck, N.D.
oooooooooooooooooooon^^ WMwmom joqooqp

Der StaatS-Auzeiger, Bismarck, R. D., k» 19. Febr»ar.

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