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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, July 17, 1917, Image 2

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Von L. Stfegeiter, flricaoferrcip.
Von der Sefiiroiit, 2. viuni.
Als die franzoien am R. Mai nod)
9 Uhr uoniiiltag* hen Absdiiiitt bri
bcrfcitv bi'v Notiere ferine amiriffen,
War mm ftcu Gräben, die mit hem
Eheinin iK'v Dames etwa gleid)lan
fend hinter der Mammlmic loiu'tt,
nicht mehr viel iil'viii. Da' tage
lange irontinelfetirr hatte iittbew
bere die iVuiidimengeroehrmiteritimbe
des srcr liegenden :l?etiimnitv
9?rmtben(wr«er, dabei ichr viele Ver
litter vollia zugedeckt und die
Stolle« der Unterftäitbe verschüttet.
i?iilhv"t mart'Ii die Aiiiberfliiie zer
ftonu'Tt. Sie luilen de» in od» did)
ten bellen über den Voilln liiidfii
anrennenden franzojett mit jo weni
ger Aufenthalt, als diese hinter der
Wand von rNandi und 5 to'ilflmib.
weldier die Höhenlinie fronte, mill
kommene Tecfiing gegen 3icht fan
den ittolil iniiiteit IHM den idmnWit
^nfiinterietriuuix' die xf idjt-M'ianalo
hoch, welche 3vvmciier anforderten,
aber erst als im schnellen Anions die
dritte Welle beraiiiiebrodit ivar, 'duib
sich die fciteriiHttid innerer .'lililleric
zwi'che» sie »nd ihre ^adiiolger und
»zwang hie weiteren fhwrlffswllett
zu Vöde».
S'ei dein starken ftriifteeiniafe der
»vraiuofen war r* nicht zu uermnn
dem, das sie über den Tameniueti
IiimiH'ii zwei Mrnbeiiliiiien iiberroii»
ten »nd sich im ersten Anlauf in ?en
V^siU der La dotiere serine seilten,
die oiii der kmimtlinic liegt, »nd
schljeszlidi audi die 2t. Berthe Kernte
überrannten, meldie 70 üVeter nörd
lich hev Ininettmeacv ans einem ge
stett forden alnallenden Vorsprung
liegt. SVäbrettK hier der Regiments
kunimanfienr den (findriiiitliihu'n
Halt gebot, indent er alles, iihk- er
jnjcinineiiriitfen sonnte, bem feiitb
eittpefleiiivorf und an dt ei nute iiri'uf
gehaltene .l,'aschineiigewe!'re in den
Kamps brachte, iahen iidi die Unter
stützungen der in erster Linie rechten
den Bataillone urplötzlich in zwei
.Willen eiiiiietdilnne», welche sich we
nige lmndert schritt voneiiiander
etttieriit unter der Monere -ferine bitt'
.liehen. v,n der westliche» S^hle hatte
der koninnwdeiir dec- 1. Bataillon*
Teile desselben 311m Gegeintoü be
reit geholten, in der östlichen waren
zwei ihnmiajuileti des Butailhmv
Hilter RiihnlWii der Veiitnantv Man
ser nnb Piedendorf eingeschlossen
worden.
9lnc- dent Toben des Trommel
feuere- ertönte plötzlich der 3 ieges
jiibcl der fmiuo'e», die in •dieXriim
itter der Monere ferine eingedrungen
waren und sofort den Versuch mach
ten, de» (i'iiiflnttfl in beide Böhlen
erzwingen. ^it diesem Zwecke nah
men sie den Eingang des Stollen, die
htmiiitorfiibrten, tinter Masdiiiien
gewehrfeuer. andere Iriiyy* schlen
derten .vaiidii'vinaten in die liefen
Lnftschächle. die sie ausfindig gcmadit
höhen. An einen lintsatj der jdimer
bedrängten vöhlenbeiauniuzeil von
rückwärts war nidit zn denken, und
eme Befreiititti, miv der jdnuicriaeii
i'öNt inar an* eigener ft rast nur von
iiineiV heraus möglich. Ter Ba
taiUonökominandenr. säuberte nun
jiimidist mit eigener Hand den Gin
gang zu der iveitlidien Höhle, indem
er iinlerstübt im» seinem Adintauie»,
acht Arait.^o'en, 'tiie fid) schon in den
tvingaitiivitolleit hineinsie.'.wängt hat
ten, mit der Pistole niedetschos
Wleid):,citifl Hatten im öitlidien
Stollen die beiden Cfti.vcre imvaiiö
geinenge den Vliivanng ans ihrem
Ünslnchl-Mirt erzwungen. Tnrch eine»
THsiiu'» Meldegänger imirde nun die
,»ct../1ra»:.'vbi»iiiing zwischen beiden Teilen
4 4 ^^ieginiento hergestellt und die
Jtenarbeit zwisdien ihnen ant
^uefte verabredet. Aus das
:'l'r
(Ii
abgeschossene Vichts».
'1Vit die beiden -^öhlenbeia
ihrem Schlnpswinle!
.fönten, nach Weiten tntb
:getib, die zwischen ihnen
kierf-ivcrme wie mit einer
AVv .Wampf mit Wewehrkol
Handgranaten miirüe» die
eunzoseit an* dem of geworfen, sie
fefscii 11) Gefangene und:i schnell
seiienitnsketen .viriirf. Tie #"\ann
und ihre nächste Uinaebnng blieben
fest in der Hand der kleinen, kantn
-1 :$(I0 Mann utiilfitbcn Schar, obwohl
das gegenüberliegende 171. franzö
sische ^nfanterie'Rfgimenr im Vmitc
des 5. und ß. noch drei weitere An
flrtfic unternahm. Nach Aussage der
Gefangenen diejeS Pelforter iKegt«
liieutf-, das sich gut schlug, verlangte
der flnflriffS6efeliI der Brigade, das
die Noyere-Serme »ieöetgtttommen
werden müsse, koste é8, es wolle.
Mit dem wachftich«» Gesiiltl der
Ueberlegenheit die Branden
linrger aber nun iWßMt» zum An
griff vor.
Unter
nateit tlogett gleidneilig in das Eid
lod) dann ijiraiigeii die .'I»greiser
ans einen zweiten Piisf nach und
räumten ans. 9«iin kam der nädifte
Trichter an die Weihe. Viingn nmr
das 171. französische Xiijanterieregi
ineiit durch die 1.
v\äfier
aligelöfi
liuirheit, die letzten befangene» von
dein tapferen Regiment wußte« über
jein Schidial zu berichten: ^'otr#
regiment est perdu".
Mad) einem legten ^lngriji der
ger ans die Wonere Jverme ain •'». Mai
ginfleit in »»ierein Maschinengewehr
und VliliUeiieieiier and) die Reste des
viigerbatnilloiis, nach 100
Mann, in dicken Hansen .zurück.
^n der Nacht '.tun 7. kam ein Ser
geant mit N'Mann zu nniereiit tapfe
ren ran den 11 ger :)i
eg i 1 neu in der
Senne an. 12 hotte die 3chlndit in
einem Unterstand der vordersten
Vi nie zugebracht, 'dessen beide Ein
gänge idiot! ant Voniiittags einge
trommelt morden waren.
v
Xn zwei
lägiger -'lrbeit hatte er sich heraus
geiduiiiselt und sonnte berichte», da^
die früheren Stellungen völlig ein
geebnet irren und das ganze Gelände
mit den Veidien der 171er und \ti
ger iiberbedt sei.
Am gleichen Tage geschah bei St.
Berte-,rmp, deren Wiedererodernng
erst adit Tage später gelang, ein be
merkenswertes Heldenstück.
Hier halten ^ssiziere iiitid Mann
schallen der Virtilleric bewiese», das
sie im Punkte der Selbstaufopferung
den Vergleich mit den tapferen Ber
linern nicht zu scheuen brauchten,
lern sähen, ersten liinbriidi der
Franzosen waren audi zwei Sturm
obinehrgeidiiitzp zum Cpfer gefallen,
die ant Steilhang nörblid) des Padit
hoses stehen geblieben waren. Schon
betrachteten die Aran\oien die sinnt
inen M'iicridiliinde als Trophäe, la
gen sie bodt hart vor ihrer Weiedits
iiiiie aber sie konnten ihre Beute
nidit bergen. Tos sollte in ber Vi acht
vom Ti. zum gcidiclien. Da machte
ihnen der Bntteriefiihrer im letzten
VlnciPiiblirf einen Strich diirdi die
:Vpdininifl. robolb es dnitfel gewor
den mar, idilidien er selbst, ein Lssi
zieriiellvei treter und ein (befreiter
„wie die .stauen" heran. Tonn war
icn die drei Männer beide (^esdiiitze
den Steilhang hiitimtcr ans die
Skrasze, die nadi ssiiain führt, v»
der Tnnfelhcit herangeiührle (tie*
spanne brachten sie in Sicherheit.
Wicht übersehen werben soll enb
lid), dan die Baiikoinpagnie des Re
giments sich bis zum letzten Mann
wie eine ttanipfkompagnie gesdilagen
und zum (inderfolg der beiden
uaimiitage beigetragen hat.
Wicht ohne schwere Verluste hatte
das tapfere Regiment die Nonere
,"ymttc mit'dergeiuimmen und bchanp
let. Unter den niizähltgen Helden
taten ber Brandenburger auf allen
Schauuläten bes Krieges wird man
den xiampf »in die :Uonere-ivcrmc mit
an erster Stelle nennen müssen.
Das deutscht Annexiun-pregramm
Tie Spannung, mit der das euro
päische nnb a»s$ereiIr0päiidie'l'arterre
einer .stanzlerrebe entgegen blickte, ist
zwar enttäuscht worden: dennodz aber
hat die Situation, wenn auch unter
höchst eigenartigen Umständen, eine
Mlärmig erfahrt'», die ioivohl auf die
inneren denticheit Verhältnisse wie
ans dieStriegvlage ziirüdivirken liuis
Herr von Betbinanii Hollweg hat in
iiititiiiwersiänblidien Worten verkün
det. das? Teiitidilnnd an einen frie
den ohne ^lnnerionen nicht denke, das',
der „status quo" für das Neid) ein
lach »»annehmbar sei. Ans ba im
perialistische Programm der (inteilte
folgeii im» alio in aller !orm die
deiitsdu'» Wegenaitwriidie, nidit wie
die der (Gegenseite detailliert, sondern
ganz offenbar ans den Cpportnni
tätssiaiidpnnkt ziigesdinitten. Wir
können den Worten des .Kanzlers kei
ne andere Teiitiing geben, als dasz
Teiitsdilaiib seilte Cndredinnng bett
militärischen ^anstpsäiidern an anpas
sen gedenkt, die es bei Schills des
Krieges nodi hält, sowie dem Mas
der Cpfer, die es z» ihrer Behaiip
tmtg aufzuwenden hatte.
Tiefe deutsdie Bei'lautbarung ist
nadi der psnchologische» wie nach der
plmiisdH'ii Seite hin von stärffiem
Interesse. S/weit mir die Berliner
Politik in den .Üriegsjslhrett verfol
gen konnten, hat sie die ^eftiegnng
ans ein bestimmtes riebe itspro
grnmnt stets abgelehnt »nd zwar ein
mal über das andere »Itter Berufung
ans das ftriegsglüd, dessen letzte
Wort noch nicht gesprodien sei. Man
vermied es in Berlin, das Jvell eines
Bären aufzuteilen, der nod) nicht er
legt war. und handelte in dieser Be
ziehung entschieden weiser al* die
Entente, die mit der Verwirklichung
ihrer (froberitngsnnipriiche einmal
über das andere scheiterte. Wenn die
ReichSregiemiig heute ihre Pläne de
maskiert. mns sie es nicht mir als
sicher betrachten, das «das seinblidx
Schwert die Kriegslage nicht mehr
umzustoszen vermag, sondern sie muf]
sick) and) 'beiseit gernifz sein, daft fei
no der anderen von der Entente gé
führten Waftett, nicht die Hunger
blockade, nicht der Wirtsdiaflskriest
Deutschland zwingen kann, die Wach'
ficht seiner Heinde aitziirnfen statt
ihnen Bedingungen vorzuschreiben
jbt sich dabei gleichjZiltig, ob
des
Offizierstellvertreters, Saite, eines
Roritmaniie» «an
QKVL
genommen »m
(Stcitettfl ^ach
Bei dieser
Itter ehw GruHè
eine? smnzöftHch,
inen. Tie
sich von drei
Trichter faiicritboi
ein
lwwbe ein
Granattrichkr nach do* andern
weg
Wichen
tcT
Ii
iitidilaiib an die Vliiiterioii emo
päiidien oder kolonialen (Gebietes
Oenft die Sinnesart der Entente
geilt flipp nnb klar dahin, Deutsch
land weder das eine noch das andere
zu zugestehen. Wenn die :UeZ)e des
britischen Ministerpräsidenten in
Glasgow ein Wühler war, den die Al
liierten ausstreckten, so dürfen wir
nach ihm «die Bereitschaft der Entente
zu .ingeständiiissen nicht über die
Wiederherstellung des „ftatn' atto"
hinan? oerfndiett, und selbst dabei
wurde offenbar noch die Bedingung
eines Plebiscits ist Elsasz-Lothringeil
feilgehalten.
Tie Bedeutnini des Eanzlenvvrtes
für das Ausland wird kaum 'dadurch
abgeichmädit, das es nicht in öifeilt
Iidier Sitzung an* der ^eidivlagstri
biine, ionberit im engeren Nahmen
des Budgetausschnsses fiel und viel
leidit nur dttrdi einen Pxrtraueiis
briidi in die Ceffentlidifeit gelangte.
Tie Berliner Nachrichten über die
.'lusichufzlagnng der vergangenen
Woche liehen erkennen, da) die Ans»
fläriiitgen der iHcgiermtgsvertreter
vertraulich abgegeben wurden, v«
diesem "alle ist jedem Teilnehmer
der Tagungen eine Weitergabe von
tterliaiiMmigsberiditeii an die .Et
tlingen untersagt. Aber schon am
letzten Sonnabend hiev, es, das Si
liiiiigsgchcimnis sei nidit geivalirt
worden, imd der Charakter des Ber
incr Vofalatizcigers, der die Aeiifze
rung des Kanzlers veröffentlicht, als
eines pro nimerioniftiidien Blattes
legt den Berdadil nahe, daf die an»
nerioniitisdien Mrciie önrdi die öf
sentlidie ^estnagelnng der Regierung
den Nückzug von ihrem Annerions
Programm versperren wollten.
Wad) niiBen hin wird fid) durch
diese Tvntasfiermifl der denlsdieit
»triegsziele sannt viel ändern. Beide
Parteien sind derart in einander ver
bissen. das der Mrieg heute mir noch
mit der einwandfreien Niederlage
der einen enden kamt. Tie Alliier
ten können zur Abwehr deutscher An
nerionsalisiditeii feinen größeren mo
ralischen iini) plmiisdien trasieinsatz
aufwenden als sie bei der Berfolgnng
ihrer eigenen inu'erialiiiiidienPläne
zur Pvriiigmifl hatten Teiitidilnnd
aber hätte, wenn der Verlust Elias
Lothringens, Posen Wesipreuszens
und seiner Molnnien einzutreten
drohte, sidier noch seine bisherigen
Anstrengungen übertreffen imd wä
re erst nach völligem Weist.bluten ein
Cpfer der Alliierten geworden.
Wohl aber iniif des Kanzlers Pro
gramm die (Gegensätze in Tentidilanb
Viin Biegen ober Brechen bringen.
Tnrch die Pergnickung der Friedens
frage mit den angeitrebten liberalen
Neionnen habe» die Berliner Per
luiltnisie fiel) zweifelsohne ebenso stark
erhitzt wie sie an Uebersicht!ichkeit
verloren. Es wird damit zu redinen
sei», das die Sozialdemokraten 'das
iiiditiirt) zwischen sich und der Plegie
riuig zerjdmeiden, iiadidemBethmann
voll weg ihrer Ariedensformcl eine
.'lbiage erteilt hat indessen ist das
eine Maßnahme, bereit Monsemieiv,
nidit über die Mauern des Neidis
tagsgcbäii'des hinaiisreidit, sofern die
Partei nidit soviel Sncciits erhält,
um eilte Majorität ans bie Beine
bringen zu können. Tas Auftreten
Mathias Erzberger's schien ihr diesen
iiuairv verheizen und damit dem
stau zier das Wrab graben zn wollen,
denn angesichts der heutigen libera
len Strömling wäre es ansgeidilos
sen, das der Kaiser einen Kanzler ge
gen den Willen der Neichstagsmehr
heit im Amte beliefje. Es wäre sehr
wahrscheinlich gewesen, das in die
sem Tvalle Biilom die Erbschast Beth
tnaim's angetreten hätte, der bei al
le» fönferuatiue
11Pri»zipieit verbind
lich genug z» vermitteln versteht, mit
audi den Uebergang zur neuen libe
rale» A era leite» zn können, und der
daneben »in feiner diplomatischen
Vitalitäten willen bc( Mann der
Stunde wäre.
VI ber der Mann ans Pottenhausen
Hat nur einen seiner bekannten Sei
lensprnnge getan und ist von derzeit
trmnspartei desavouiert worden, «die
Sozialdemokraten blieben isoliert 11.
Ii ad) allen .'1 n zeichen sieht hinter bem
kaiizlerprograniiit gemässigter An
nerionen eine Reidistagsniehrheit
uo» riinb 2SD ans üi7 Stimme».
Tie Alliierten wie Amerika werden
fid) nicht der Hoffnung hingeben dür
fen. das dieser in den pariamcitiari
scheu Wrenzen zutage gewesene ^wist
ins Land hinaiisivirken und die
Sdilagfraft Tentsdilands schwadien
föitiite. Tos wird vor allem dann
nidit der Jvnll sein, wenn die Negie
rung die WobIfreisgeometric ver
schönert nnb die nötigen Einflüsse
für die Temofratifieriiitg des pren
fiiidien Wahlredites ausübt, ^ii dem
Verlangen danach stehen allerdings
von den SoziaIdeinofraten bis zum
^entrinn und den Wationalliberaleii
alle Parteien ziiianmie», von den
^lonieriiatinen selbst beginnen wenig
stens die iiitelleftnellen Porfäntpfer
abzubröckeln, »nd es samt fein Zwei
fel daran beliehen, das biete bemofnv
tischen Forderungen mit rasdien
Schritten da iltoioitkltdiung zueilen.
KU. Stzg.
Abonniert ans bett Staats Anzei
ger, die tonangehende deutsche Zei
tung Word-Takota's.
V
Ziaais-Anzelger, MKmar?, N. tf. 5!en»ta„"den 17. )»sj.
Mt» Hanptinann. der sieben Tage
eilt Bataillon führte, schrieb unter der
Erde in einem stalkloch kurze Ans
zeidjmimK», aus denen IM jotguN
Äes entnehmen:
Abiöiiing in der Nacht vom -21.
zum l'l' September ging unter en
ormen Sckivierigkeite« vor sich, fuh
ren Mitlernacht ob. Strafte tiach
S. lag fortdauernd unter Getier. Ein
(^ronatenlodi war neben dem ande
ren. Bergan fuhren »vir Schritt,
sonn schneite? Trab nnd salopp.
Nach nnbertfwlb Stunden kamen mir
in S. an, das unter schwerpm Leiter
lag. Meldung beim komiiioitbeiir,
der ih Erdstollen liegt. S. völlig zn
iaimiieiigeichofien.
M'eine Ausgabe ist,!?), zn besetzen
und unter allen Umständen zn hal
te». Stellung 'dort ein' Dreieck,
rechts und links schon nom ^finb tun
gangen. vcder erhält Konserve»
Soiinabenb. Jveitib donnert tut
onfhörlich weiter, Himmel und Erde
in Aufruhr, Boden zittert. Habe
Verbindung mit Regiment dnrd)
Signale aus f). Mittags trifft Ver
bindungsofsizier von der Division
ein. Unifc fieberhaft arbeiten, trotz
fiird)terlid)eni Jveiter wird Treibt
hindernis gezogen. Maude bie Stel
Ixtig jetzt so in Hand zn haben, das
ich sie mit allen Umständen holte»
sann, falls mir nidit die linse ftlanfc
eingedrückt. Kann nichts essen, star
fe Koptidiiiterzcn, Schüttelfrost. Ver
luste bei dem wilden ^ener verhält
nisntär.ig gering. Abends 8 Uhr er
reicht unausgesetztes Trommelfeuer
den Höhepunkt des ganzen Tages.
Ilm 8 Uhr 20 steigen rote Leuchtku
geln als Zeichen des Angriffs. Ter
ganze Himmel ist schwarz von
Aanch, unsere Artillerie schient wü
tend aus den Jteind. Wir weisen
Angriff ab. Halb 8 Uhr Hifjt Trom
melfeuer nadi. vd) idi
icke zum lin
sen Wegiiiieiit, wie es stünde. Drei
viertel N schwillt das Jvetier abermals
an. And) weiterer Angriss erstickt in
unserem Reiter, idilittinte Wacht. 5
Uhr früh taumelt Vcntmmt in den
Unterstand, der in die Wolke einer
Gasgranate geraten er hustet, er
bricht sich nnb wird tvohler.
Sonnlag. Jriih 8 Uhr iebt wie
ber stärkstes Trommelfeuer ein al
les in Rauch und fetter gehüllt,
Schlamm nnd Steine U'rilien unaus
hörlidi umher, wüstes Krachen. Pfei
fen. Henlen. Sausen. Man miift
überlaut fdireieti, um verständlich zu
ntadien. Mein Bataillon gefechtsbe
reit. Lasse (Gasmasken aufsein
und vier Kompagnien Hohlweg be
setzen. Links Engländer eingedrun
gen. aber sofort im Olrabcttfampf
wieder geworfen. 9 Uhr vormittags
MelSer vom Regiment. Schwerstes
IVeuer bnrch ganzen Tag Englisckies
Paiizeranto vor ihrer Steklnng.BoN
tniicF uerttichtet, *«i#, w«
ten sechs Maschinengewehre. Halb
schwerer Schns gerade vor Ein
gang meines Stollens, alle Lichter
ativlöidrit, enger liaum voll Rauch,
linkes Chr völlig taub. Werve» mist
höchste iieuwmt. 8 Uhr Leutnant
auf .{ritbsthn hereingetragen. (*rn
natfpsitter in Lnnge, stirbt bei mir.
Es trommelt, trommelt weiter, vor
allem bei ?)., ganze Wacht hiitbttrch.
Es fehlt vor allem an Wasser, ^ch
lebe von Brot nnd Kasse. Kann aber
kaum noch essen, nur Dnrst, ganz
schlimm.
Montag. Der vierte Tag in.dieser
Hölle. Bon 11 Uhr ab Unterstand
schwer Ivschossen, immer wk'ber geht
Vicht aus. bin setzt auf bviden Ohren
ganz taub, Kalk spritzt von Wänden
der tiöble. I Uhr l." steigert sich das
Trommelfeuer zn mahiifimtigem
Lärm nnd 1 Uhr '»o dichte feindiiche
Liim-ii vorbrechen, Kernte zum An
griff. \it fünf Äimiteit hingemäht.
Wenige Lebt'n-de fliiditen in Wriiben
zurück, 2 Uhr 05 neue Welle ebenso
»ud drei Seltersflaschen. {mei Uhr
nachts gehen wir vor, ztmädiit ich mit! leidit und schnell abgeschlagen. Habe
einem Offizier und zwei Führern.
Ueberau singen (tlratmten ein. es ist
vi 11 Höllenlärm. Erst eilt Stück
Sdilangenweg, dann iilier Leidien
von Tiere» an leleplionlcitimg her,
eine Stunde über offenes von ^ra
»ateinichlägen dnrdigepflngtes Add.
Ab und zn fallen oder springen wir
in io ei» Vodi, tun Teckung zn iiichen,
bin mit krufte von Sdilaintn dick be
deckt imd auf bas olleräiiv,erste ange
ipaiint. Stalillielm brückt. Führer
verlieren Weg. Wir müssen im
Zickzack lange fitchett, Telephonlei
lung wiederzufinden. Wadi zwei
itiinbigem Marsch durch schweres
Sperrfeuer zwischen 3. tntb $. an
gekommen, Balmdainni, treffen bort
dritte, vierte xfoittiuifliiie vorgebend.
turz vor ?). starkes Schrapnellfeuer,
werfen uns in verlassenen Kraben,
drücken uns ans bie Erbe, der Mann
vor mir schwer verwundet. Wad)
Bierteliinnöe bffelile „Marfd),
marsch!", aUp§ springt ans tmb läuft
nach redits, wo ohne Perlufte hinter
Tamm komme. Wach kurzer Atem
pause noch 800 Meter über freies
Tveld »nd mir find in innerer Stel
lung. (Gräben NO bis 200 Meter
vom Jvcitibe entfernt, durch schweres
Reiter so eingesdiossen, das idi da
rin nicht gehen sann. Mich aber, lint
mich zn melden, wieder rückwärts
hinaus über freies I\eld in Hohlweg
laufen, mo Bataillonsstand in xinlf'
iieinfiollen. Ans diesem Vod) kommt
mir Major W. entgegen, «den ich ab
löste. ES ist r» Uhr morgens, klappe
ziinädift säst zusammen von nngplipii
er niisirengendem Maridi in schwer
stein /"veiier. ^ott sei Tauf, ba« we
nigstens in Stellung bitt und Mög
lichkeit auch zu kämpfen habe.
Freitag, v« einem Erdloch ttttr
ein nasses Brett zum Schlafen, Si
tze», Eisen, Schreiben. Betäubender
l'örin hört ans int Morgengranen.
steigert sich bis 11 Uhr vormittags
zum Trommelfeuer. Halb 2 lVhr
greifen ,^tanzofen links Höhen ne
be» serine an. liniere Artillerie
legt Sperrfeuer dorthin. Vage fri
tisch, da meine linke Ixlanfe liedroht,
gebe deshalb vier Kompagnien zur
Unterstützung Wachbarbataillons ab.
Ties Regiment soll (^egenstos ma
dien. Reserven werben herangezo
gen, während der JVeinb ununterbro
chen schwerstes Sperrfeuer ans bett
Hang legt, in welchem sie sich ein
graben. Webe Betebl für *ie Wacht.
gute Beobachtung vom Eingange
i»oI)lwegs, obgleich stark unter Getier
liege. Erde, Eisfhitiipeti, Steine
fliegen, (^ewehrgranaten tmdMafchi
neiiliigeln pfeifen, alles in Tinift
nnd erstickendem Rauch. Unsere Ar
tillerie gut aus feinblidieni Stand.
2 Uhr 25 wird «"veuer ruhiger und
zieht sich nach?). Irimiitter. i«nbli-,
che Flieger freifen tief über meiner
Stellung zur Beobachtung, ob
sturmreif. Uhr 10 Wodiricht, bah
rediter ^liigel und fiorf angegrif
feit. Welmen Regiment kann fid itidit
halten, flutet zurück, n Uhr meldet
Führer linkem Wachbar-âtaillou,
das er Befehl erhielt, zu räumen.
TnOiirdi mein weiteres Ausharren
zwecklos, verabrede mit ihm, 10 IHir
abends ans 'W. Stellung ziirückzu
gehen. Sehr grosse Sorgen »nd Be
denken, da keinen Befehl vom Regi
ment, itmv, ans eigene Verantiror
tmtg handeln, ^tn Lichte von (^ra
natfeuer stolpern quer durch taufend
Granat!öcher, ankommen W. Stel
lung halb 11 Uhr nachts, bleich zei
lig :i. »nd I. Kompagnie, während
I. nnb 2. nadi S. Reserve fdiickte. da
etwas erholen soll, :$ Uhr nadito gro
he t^reube, Befehl ci halten, der
Verhalten billigt 11 rod mich zum Koni
mandenr der W. Stellung ernennt,
unter allen Umständen halten.
Dienstag. Wie ftph bin ich über
Befehl letzter Wacht und das fein ein
ziger Mann lebend in Händen dieser
Engländer gelassen habe! Schlimm
l'te ist, das fei 11 Wasser da ist. Wach
mittags slllerftärfiies Sperrfeuer
zwischen mir nnd meinem Regiment
iii S. Halb 7 ftarfeii französischen
Angriff glänzend und glatt abgewie
sen. Witr linsen Flügel in Schliidit
einige Leute abgesprengt nnd getan
gen,. Wieder Paiizeranto der seind
iidien Jvront, sdilng tint, verbrannte.
Sammle Versprengte. Abends Ver
itärfiing von SO Mann. Wachts
müssen wieder alle Schanzen »itd
Drnhlhinderniiie bauen. \m Unter
staub Mordsbetrieb von Ordonnan
zen nnd Betehlsholertt. 10 Uhr nadi
S., Versprengte holen und rediten
Aliigel einznieve». Verlnste nachts
normal. Tyriili Uhr Selters, so
das jeder Mann trinfen fmm.
Mittiuodi. Links bei R. liegt
sdiweres ^ener, bei uns augenblick
Iidi mähig, aber Sperrfeuer nach hin
ten. Bin ziejnlich am Ende meiner
Kräfte, aber Tienftgefiihl hält auf
recht. Kriege Post ho» überall, zu
Hanfe Krankheit, Liebesgaben, Ziga
retten nitb Rinn. Wrtdimittslgs star
kes Trommelfeuer, da» halb Uhr
wilder plötzlicher Handgranatenan
griff. Warfen Wefliter raid) zurück.
Unteroffizier stürmt mit Sturm
grnppe vor, erbeutet Majchinenge
wehr. 8 Uhr abends Wefabr vor
über, aber links veinö f00 Meter
eingedrungen, fliegender Hast Be
fehle. braven Ordonnanzen laufen
durch dickstes Jvener. Vor meiner
Stellung 00 französische Leichen. Bis
jetzt alles allein geschasst 1 Halb 8
links Wegeitftoh- Es schiebt wie ivilb.
.Tonnerstag, Statte feinblidje
("Vliegertätigfeit so tief, das sie mir
Leute im (traben mit Majchinenge
mehren abzitsdiieszen brolien. Eben
bringt meine Ordonnanz ans zer
jdjoijeitem S. Hattitmll prachtvoller
Rosen mit, wie greift freundlichfeit
ans Herz. Wildes Trommel fetter
bis 8 Uhr abends, seit Mittag etwa
HO,000 Granaten auf meinen Ab
schnitt von etwa 800 Metern. Halb
7 Uhr Ablöfuugsbefehl. Nachts ein
Uhr beginnt Ablösung, sann erst
Uhr fort, da feuer zu stark. Pech
dunkle Wacht, rennen durch erste
feuerst recke, klettern von Wratiaten
loch zu W raitaten
loch, liegen in Lö
cherit nnd verlassenen Stollen bmmt,
ritui-5 krachend einschlagen Granaten.
freitag. Nennen durch Sperr
feuer bei £., tvo halb 8 Uhr ttom
mandenr Ablösung meldet. Dann
zwei Stunden im Regen bis Geone
rent, wo Regiment sammelt. Be
schwerlicher Weg. Dann Lastauto?
hinter front. £v
...I I i'jfaiy*.».«
Druckarbelten itier Uri^ieWh«
und englischer Sprache, od« im bei
den, liefert prompt und Pr^»o0rdt«
die Druckerei de» Cfttttf4fotelott.
*11* Lestellunge» ten aulwârt» »er
hm prsippt oufcifM, .-A-•4^6»
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Erlebnifie ii riet* dentfcheN tikfee*
nmewlflfltr
Die in einem mbdentidien Gesa«
geitentotier erlialtenenEindrücke schil
dert ein Mitglied einer schweizer (tic*
jell sadist wie folgt:
\it der Wälie von Darmstadt, bei
(tireisheim, in der weilen, sandigen
Ebene, ist eines der größten Kriegs
gefangenenlager Süddentsdilands,
ein frais,osenlager, das für 18,000
Mann berechnet ist. aber zurzeit mir
etwa .riOOO bis UUK) beherbergt, da
die andern 12,0f)0 bio 1:5,000 alle in
Arbeitertrupps über das Land zer
streut sind. Es war uns Schweizern
vergönnt, eines Wachmittags von
franffitrt a. M. a»s dieses Lager
11 titer der sündigen führung seines
früheren Befehlshabers, des (Gene
rals (Sofaf, zu Iviiditigeii. Allerdings
wurde diese Vergünstigung nur den
Herren und nidit auch den Tanten zu
teil, die unterdessen in franffitrt
Spitäler »ndWohltäÜgfeitsansialten
beinchten.
Mit ber Eisenbahn fuhren mir
nach Tarniitadt, wo uns am neiu'it
schönen Bahnhofe vier oder fünf Mi
litiirfnhrroerfe, ioizenannte Krümper
wage», abholte» und über eine ne»
gepflasterte, ungewöhnlich breite Mi
Ittärftrahe dnrdi niedriges föhrett*
iiehölz nnd «11 einem »enen jVolii'
triebhoie oorlx'i nach dem Truppen
iibungsplay (tiriec-beim brachten, wo
lid) an das Kasemendörsche» das Ge
fangenen-Barackenlager anschlieftt.
Ans dc'r Strasje begegnen uns zmvei
leu kleinere und gröbere Arbeiterfo
loimeii tum krieggesaiigeneit, die
unter führuug von Viiiihhiirmioldo
teil über Land inarfdiierten, »nd in
der Wälie des jiUilbiriebhofes war ei
ne Abteilung franzojen mit Holz
fällen beschäftigt. Tie roten Hosen
leuchteten aus dem Halbdunkel her
vor, inttf eben idling eine gefällte
föhre ztrijdien den Wnchbarstämmen
kradienö auf bie Erde hin.
Bei der Einfahrt znni Lager prä
sentieren die Schildwachen mit ans ge
pflanztem Bajonett nnd vor der
Ji'achtHitbe trat die Mannschaft unter
Gewehr. Ter neue LfgerTonintan
dslttt, ein behäbiger Oberstleutnant
mit gratimelierteniSchnnrrbait, fant
mit einigen anderen Offizieren, eben
falls meist älteren Herren, von der
.'iommaiidantnr her zur 'Begriis itng
de» Generals limd seiner (tiiiiie.
Wad, fnrzer Vorstellung der offi
ziellen Persönlichkeiten, führte man
»Iis zunächst dnrdi das Lazarett. Ein
180 Meter langer gedeckter Gang
tmrdiichneibet bie fast unübersehbare
•Meilie der Krankenbaracken nnd teilt
sie genau in zwei Hälften. Ant bei
den Seiten standen die Türen offen,
und man iah die Kranken in ihrem
blmi-meift gestreiften Hauskleider»
vor den Betten sieben.
x\eder
iane dieses (tiefsliigenenfpttals erhält
nämlich bei innern Eintritt neben sa
ldier i&ifdie tiiid) ein eigenes Hans
kleid. vit der Mehrzahl schien es sich
da um leichtere Erfraitknugen zn
handeln. Wur in einem Saale tra
fen wir eine gfl'here Anzahl Bettlä
geriger. Ueberall herrichte peinlich
ste èanberfeit die Bettnuiidie jchnee
weis nnd der fus bodeu wie ausge
blasen. Dieselbe imnterhnfte £rd
»nng nnd Neinlidikeit ist uns übri
gens audi int eigentliche» Lager, in
den wracke» nnb ans den Vorplätzen
überall angenehm aufgefallen.
Unsere schweizer Aerzte rühmten
and) ben Cpemtionsmnm, der selbst
riir schwierigere fälle tadellos einge
richtet sei. jtfir kanten darin noch in
die Kiiche des Lazaretts, wo cineBrv
gade von französiidien Ködieit tmb
Wiidienjungen ihres Amtes waltete.
TieTageskarle stand an einer sdiwar
ze» Wandtafel: „Stippe, gekochtes
^inbfleisch mit Kraut tntb Kartof
feln."
Durch einen weiten Toreingang
iinischeit «Jen Baracken sitr Post nnd
Telephon vorbei, gelangten wir dann
in das eigentliche Lager, das nach
Bataillonen in verfchiebene. ganz
gleiche Abteilungen eingeteilt ist.
t\ede
Abteilung hat ihre eigenen Ba
racken, Werkstätten, Vorratsräimte,
.uiidu* usw. Sdilas' und Arbeits
riiimtc siud heizbar. Die Pritsdzen in
den Zchlafbarackeii, die wir iahen,
hatten drei Lagerstätten übereinan
der. vit fett Arbeitssälen sanden mir
Schuster. Schneider. Tischler. Klemp
ner usw. in vollster Tätigkeit. Man
zeigte uns da audi ganz hübsches Pa
pieriU'l'd, sogenanntes Lagergelb, mit
dem die Arbeiter entlohnt werden,
das aber mir im Lager selbst zum
Einkauf vou Tabak. Tee. .{infer »nd
ähnlichen Dingen Knrs hat. (Ts find
zierliche blatte nnd braune Papier
dien von 5. 10 nnd 20 Pfennig. Ge
wöhnliches Geld dürfen die Kriegsge
rangetten nicht besitzen—wohl wegen
der Eiitrtieidimigvgefohr. vhre Hab
seligkeiten nnd Kleider, soiveit ^ieGe
fottgeitcn ihrer nicht bedürfen, find in
eigenen Magazinen ansgestapelt, je
des Bündel mit dem Namen des
Eigentümers. Da lag atuti ein Han
sen Posipackete mit Kleidern und
Sdittlx'n, alle mit Anhängeadressen
und zum Versandt bereit für die
Arbeilerfolonneti, die draußen ans
dem Lande arbeiten.
vn ten Vorratc-trläiinien sal, es
chcht. Mch -l
aus. Auch dos frifdigebmfene
Schwarzbrot, dos man uns zn softe«
gab, und'über das iidi die an ihr gu
te* 5Seif brot gewöhnten franzojen
jo sehr beidrroereit, schmeckte zwar et
was säuerlich, aber gar nidit 11
mm*
geuelmi. Die Gefangenen, soweit
wir sie befragten, bcfUigteu sich den«
and) itiifct iibrr Verpflegung ober Be«
Ijanblimg, wohl aber zumteil da
rüber, das sie ihre Briese ans' der
Heimat nicht oder nicht zeitig genug
erhielte«..
„Tas ist die alte klage", erklärte
intv einer ber Cffizieix:,, die Leute,
die natürlich grofee Ähtijiidit nack)
ihren fcmiiiiett hoben, erwarte» je
de» Tag Briefe ans der Heimat, und
bilden sich, weif der Himmel, was
ei», wenn die Briefe nicht eintreffen.
An unserer Posteiwrichtnng fehlt e*.
wahrhaftig nicht, und auch dte
Schweiz liefert ja afie Bttefsackend
fort an »ns ab."
Es m»v, and) nnerfaiint werden^
das 'die Gefangene» im allgemeinen
sauber und durchaus »idit etwa un
terernährt nnb abgezehrt aussehe«.
Audi ihre Stimmung schien uns
dttrdiwegs nicht schlecht zn, sein. Ans
einem weiten Platz vergnügte sich ei*'
iie Abteilung beim fnj bal!ipiele.
Atibere arbeitete» »iiter Aufsicht ei
nes französischen Cbergärtners Mt
Blumenbeeten rings 11
in die Bara
cken.
Vit einem anderen Teile des La*
ger* hatten wir and) einen jungen
französischen Bildhauer iiamenK
Legall. Schüler der Er nie des Beaur
Art*, getroffen, der in einer eigcAb
dafür errichteten Hütte an einem
grohen Grabdenkmal für die im La
ger gestorbenen »nd im Waldfried
hose beigesetzten franzoien arbeitete.
Die prächtige ^'eliefarbeit aus einem
grosse» Wuiidries war schon naliezn
vollendet, desgleichen die Anschrift:
„A Wos Morls".
Besdieidenen Herzens nnd nach
denklichen Siivtes verliehen mir das
(tiriangciieiiiagcr. Wir hatten audi
hinter den Trahtzäime» de» Men
jdicn gesucht nnd eingesehen lischt
mir eine Horde llebermiinCeiier, die
man einsperrt, »in sie »ii'chädlich
machen ben Mensdien, ber für sein
Land leidet imd die herbste Entbeh
rung duldet: bie verlorene frei
heft.
Vor bicfcmLeib und Tiildertiim nah
men wir in (Jansen 'tief den Hut
ab. Andererseits allerdings hatten
wir den Eindruck, das audi die Lei
ter dieses Lagers, und besonders Ge
nerös Eosak, der als viiipeftor deS
.krieg^esangeneiiweseits in't Bezirk
bes 18. Armeekorps gegenwärtig et
wa achtzig Tausend Kriegsgefangene,
nuwon "•,()(in i» Arbeitsgruppen n.
Kolonnen, unter (idi hat, ihre Pflicht
in Immanent Sinne erfüllen nnd mich
für die ieeliithen Lerden ihrer Unter
gebenen Gefühl nnd Verständnis ha
ben. Als gelegentlich die Rede ans
die Entnieidiiingcn kam »nd idi den
General fragte, ob fliiditvetiiiche im
mer noch iiottontnieii, antwortete er:
"Gernis kommen sie vor, »nd zwar
ziemlidi häufig, besonders bei den
über bas Laub zerstreuten Arbeiter
foloimett. Sie müssen eben beben
sc», wie lange ber Krieg nnd bie Ge
jangentdiaft der meisten dieser Leute
jdioit datiern. Alle sehnen iidi nadi
der Heimat, nadi der freiheit. Da*
ist oft närfer, als alle Verminst, und
zwingt iie, das schier Unmögliche 31t
wagen. Die meisten der Entwichenen
werden ja alsbald wieder aiitgegrif«
sc Ii. und wenn seine schweren Verge
hen vorgehen, möglichst milde be
straft."
Tit­
Freise & Sohk
«e»tsch-
An»Age«ach Maatz
«ewige» «Kl KAr»,«
um Nepâratur
•8t Itbrit gut und fdinrllftm# ge»»cht
zu mäfjigfii greifen
Beste««Ge» Mi «»w«rt» erbeten.
Sendet Kleider zum Ausbessern per
Expreß oder Packetpost. Alle»
wird
prompt desorgt nnd zurückgeschickt.
Sit vierte Ute. Teleptz»»Wß
SilMtf, «. t.
loooeooooooooooooooooocw»
Veten* ««chs»lWt»tz V
hatte« ein
volles Lager bester
Srscerie»
Deutsche
erbeten
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Am CT
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Tage i» der Hike
Schneider
Negent Schneider

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