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Der Staats=Anzeiger. (Rugby, N.D.) 1906-current, September 24, 1920, Image 4

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iF
«ft
oUNAKCK PWNriWOX
Erscheint jeden Dienstag und Freitag
Frank L. Brandt,
Redakteur und Geschäftsführer
Vereinigten Staaten, pro Jahr $3.00
Nach Canada, pro Jahr $3.50
Anderes Ausland, pro Jahr $8.60
(Nur gegen Vorauszahlung)
Um Verzögerung in Husendung der
Zeitung zu vermeiden, bitten wir, bei
Wohnungsverändernngen oder Wechsel
der Postofficc, immer die alte wie auch
die neue Postoffice mit anzugeben.
Die Redaktion übernimmt für den In
halt der Korrespondenzen keine Verant
wortung, bemüht sich aber, alles Unpas
sende auszumerzen. Einsendungen ohne
volle Namensunterschrift wandern in den
Papierkorb.
An die Leser
Wir ersuchen unsere Leser» dem gel
den Zettel auf der Zeitung, oder auf
dem Umschlag, ihre Aufmerksamkeit zu
schenken. Auf demi'clbcn finden sie aufeer
ihrem Namen auch das Datum, bis zu
welchem das Blatt bezahlt ist. Leser, die
mit dem Zeitunflyflelb im Rückstände
sind, sollten uns mit Einsenden desselben
erfreuen und auch, wenn möglich, ein
ahr im Voraus bezahlen.
Adressiert alle Geldsendungen und
•triefe:
e S a a S -A n z e i e
„Frankreichs wahre Beschwerde"
Unter der Überschrift „Frank
reichs wahre Beschwerde" ist dieser
Tage ein bedeutsamer Artikel in der
Londoner „Westminster Gazette" er
schienen, bedeutsam durch seinen In
halt wie seine Herkunft. Ter Ver
sasser ist nämlich Sir Thomas ttar
clan, die englische Völkerrechtsmito
vitiit iit Paris, ein Mann, in dem
viele nicht mit Unrecht den Vater der
„Entente Isorbiüle" erblicken.
5 Sir Thomas gibt zu, das die En
tente echt a n k ist, und er will
den Weg zur .Heilung anzeigen. Hin
tev allen den politischen Tifferenzen
zwischen England' und '•'.{yrtonf^ricl),
^die, kaum überkleistert, immer von
»'neuem wieder auftauchen, steckt nach
ihm die tiefe Ueberzeugung Frank
reichs, in der lebenswichtigen Frage
der Entschädigung von seinen Villi-:
ierten hereingelegt worden zu sein.
Frankreich ist der Meinung, das es
für die unmittelbare Erlangung des
sen, was es zur Herstellung der Her
wüsteten Gebiete bedarf, einen An
spruch nicht an das bankerotteTeutsch
laitd, sondern an das zahlungsfähige
England und Amerika hätte erhalten
sollen. Sie hätten Frankreich die
sen Teil der Kriegsentschädigung zur
Verfügung stellen und, wenn möglich,
sich später durch Teutschland bezahlt
machen solle», während sie int Ver
sa!
Her Vertrag diesen berechtigten
Anspruch, den Frankreich au sie hatte,
einfach auf Teutschland abschoben,
.ias ihn nicht befriedigen kann.
berechtigt erscheint den Franzosen
dieser Anspruch, weil die Engländer
und Amerikaner nach Frankreich ka
men, nicht nur und nicht häuptsäch
lich, ltut Frankreich zu verteidigen,
sondern weil sie französisches Gebiet
beuützteu, um ihre eigenen Schlach
ten zu schlagen und ihr eigenes Ge
biet zu verteidigen. Sir Thomas
verhehlt nicht, das der einzig wirklich
berechtigte Schadenersatzanspruch, den
1
die Alliierten nach Wilsons 11 Punk
ten gegen Teutschland haben, der für
den Schaden ist, der ihrer Zivilbevöl
kerung und deren Eigentum zugefügt
wurde, und ihn schätzt er, was Frank
reich betrifft, mit Keynes auf etwa
800 Millionen Pfund. Tas einzige
Heilmittel, das er Mr Frankreichs
„wahre Beschwerde" und damit für
die Schwindsucht der Entente weiß,
formuliert er, wie folgt:
„England und Amerika sollten den
Teil der deutschen Entschädigung, für
den Teutschland unter den Friedens
Präliminarien wirklich hastet, d. h.
„für den Schaden, der der Zivilbe
völkerung zugefügt wurde", den eiu
zigen Teil, bezüglich dessen es nicht
Zwang vorschützen kann, uns sich neh
mejt, Frankreich den ihm zustehenden
Anteil zahlen und an seiner Stelle
.K
Anzeiger
W* .%lf
•"«,•..
i
Deutschlands Gläubiger werden.
Diese Summe würde Frankreich in
stand setzen, seine Städte wieder auf
zubaue«, den groben Ä^il seiner Ar
ntcc, den eö noch immer nicht zu de
mobilisieren wagt, zu bbsclKftigen,
seilten Kredit wiederherzustellen und
die Valutaschwierigkeiten zu heben,'
die heute wie eine Blockade gegen es
wirkt. Das Gefühl erlittenen litt*
rechts durchdringt immer mehr ganz
Frankreich, und es steht zu befürch
ten) daß es in Europa keinen wirkli
djetv Frieden geben wird, solange
Nordfrankreich' nicht wieder arbeitet
und Deutschland, dafür von den Ko
sten der Besetzung befreit, die Zah
lltttg einer Entschädigung anfangen
kann, für die seine angelsächsischen
Gläubiger ihm viel eher Zeit lassen
können, «16 sein gleich ruinierter
Nachbar."
Wer die Stimmung in England u.
Amerika kennte wird überzeugt sei«
müsse«, daß auch uicht die ge
i n st e A n ssicht besteht, 'daß
diese beiden Länder dem Rate von
Sir Thomas Barclay folgen werden,
und wer mit ihm anerkennt, daß
Frankreichs „wahre Beschwerde"
nicht ohne Berechtigung ist, wird ihm
doch auch darin zustimmen, daß sich
Frankreich durch seine blinde Räch
sucht die Grube selbst gegraben hat,
in die es gefallen ist. Indem Frank
reich die ganze Verantwortlichkeit für
deu Krieg einzig und allein Teutsch*
laud in die Schuhe schob, ermöglichte
es England und Amerika, ihm zu
sagen, für den Ersatz seines erlittenen
Schadens müsse es sich an Teutsch
laud wendest, das ja, wenn auch miter
Zwang, im Vertrage seine einzige
Verantwortlichkeit zugestanden habe.
In ernsten englischen Kreisen be
ginnt man sogar immer mehr zu der
Ansicht zu gelangen, daß es reiner
Wahnsinn wäre, dem französischen
Volke irgendwelche finanzielle Hilfe,
sei es private oder öffentliche, zÜkom
men zu lasset!- so lange sich die fi
nanzielle und die auswärtige Politik
seiner jetzt rettungslos-dem Milita
rismns und Imperialismus verfal
lenen Regierung nicht von Grund
ans geändert haben.
Zum Bomben-Attentat itt New Aork
Eins der scheußlichsten Verbrechen
unserer Zeit, das Bomben-Attentat
vor der Morganscheu Bank in New
Aork! Daß hier ein Werk der „Pro
paganda der Tat" vorliegt, dürfte
schon jetzt feststehen, ehe überhaupt
die Untersuchung ein solches festge
stellt hat. Derartige Verbrechen find
in der ganzen Menschheitsgeschichte
aus derselben Quelle geflossen, dem
Leitgedanken eines verbrecherischen
Fanatismus, eine Schreckensherr,
schort über die Welt zu begründen
durch Meuchelmord und jedes Ver
brechen, das mir die wahnwitzigste
Einbildungskraft erfinden kann.
Träger dieses scheußlichen Gedankens
ist in der neueren Zeit seit Jahrzehn
ten der Anarchismus. Der ist aber
keine Erfindung der Neuzeit, Blät
tern tpir zurück im Bjuch dér Weltge
schichte,! sii sehen wir öald.diè grauen
haften Vorgänger und Vorbilder der
neuöten Erscheinung' auf dem Gebiete
der Entmenschtheit. Das granenhaf
teste dieser Vorbilder, ja so recht ei
geistlich d(if Vorbild des Anarchis
mus ist die alte Mördersekte der
Affassinen, die vom Ende des 11. bis
Ende des 13. Jahrhunderts die mit
Hammedanische und christliche Welt
des Morgenlandes im Banne ihres:
blutigen Dolches hielt und iir den
Strcuzzitgen eine unheimliche Rolle
spielte.,, Auf die merkwürdige Aehiv
lichkcit des Waltens dieser Mörder
feste iiiiD der anarchistischen Lehre
von der Propaganda der Tat hat die
Geschichtsforschung der neueren Zeit
schon wiederholt hingewiesen. Die
ZlUptfc beider sind ganz dieselbe»,
dieselben auch die Mittel, deren sie
sich bedienen: Meuchelmord und je
des nur mögliche Verbrechen gerade
zn auffallend auch, wie gut sich bet
beiden wildeste Ziigellosigkeit mid
Verachtung jedes sittlichen Gefühls
mit blindem Gehorsam gegen die
Oberen verträgt, einem Gehorsam,
der das eigene Leben in die Schanze
schlägt, mit ein befohlenes Verbre
chen auszuführen: eigentümlich auch,
daß die ausführenden Kräfte der Be
wegnngen, die handelnden Mordge
seilen, ihre Herren und Oberen gar
nicht keimen ud blindlings das aus
führen, was ihnen ans geheimen
Wegen befohlen wird.
Wir haben es also hier mit einem
Verbrecherwefcn zu tun. das unHeim
lieh" im Verborgenen west und webt,
das ohne Warnung unversehens sei
ne Schläge führt und die almungs
losen Opfer plötzlich trifft, dessen gei
stige Leitung aber nicht zu fassen
ist, weil niemand sie keimt. Da-ha
ben wir auch b'ei* Fortschritt des un
heimlichen Gedankens über die Ver
gmtgenheit hinaus, den Unterschied
zwischen Anarchisten und Assassinen.
DaS Haupt oder dte Häupter der
Anarchisten ist an keinem bestimmten
Sitz zu fasse«: der Hochsitz der Assas
(ittcit war eine Briig ttt den Felsen
vergen südlich vom Kaspischen Meer.
Dort konnte sie der Schlag der Ver
nichtung treffen, deu der Moitgo
lenherrscher Hulagu Ende des drei
zehnten Jahrhunderts füllte. Das
Wespennest Alamnt ging in Flam
V.
i-Q*
i.
i
men aus und die AfsßssineN wurden
Mann für Mann jiiedergslnetzelt.
Leider kann mau dem Anarchis
mus nicht auf diesè Weise beikommen,
weil er keinen festen'Sitz hat. Be
straft kann »immer nur der einzelne
Täter werden, die andern Mitglieder
und vor allem die Führer deckt das
Geheimnis. Und das unheimlichste
bei der Sache ist der böse Geist, der
im Verborgenen waltet.
Und nicht nur dieser böse Geist,
«ei», auch eilt anderer Geist, der so
fort nach jeder anarchistischen Hchand
tat auftaucht und im Geiste jenesGei
stes wirkt: der Geist der Gehässig
kett, der sich seilte Opfer sucht, au die
er sonst nicht herankommen konnte.
Die Anarchisten kennt man ja nicht,
außer wenn sie sich selbst verrieten,
aber man kennt die Leute, denen
man gern etwas am Zeuge flicken
möchte, an die man möchte. Da setzt
die Vcrläuntdung ein und die Hätz
beginnt. Alles, was den rückschritt
lichen Bestrebungen im Wege ist. was
den Sondergelüsten von Parteien it.
Kasten unbequem werden könnte,
was aus diesen oder jenen Gründen
politisch oder gesellschaftlich nicht
gcrit gesehen wird, aus das deutet
man jetzt mit dem Finger und ruft:
das sind die Verbrecher! So wird es
auch diesmal kommen! Der Rassen
haß wird wieder das Haupt erheben
und das Land wird zum Schauplatz
gemeinster Verdächtigungen, häßlich
ster Verfolgungen werden. Das ha
ben wir ja noch nicht lange zurück
schaudernd erlebt. Wir erheben
deshalb jetzt schon die Stimme der
Warnung, möge sie nicht die Stimme
des Predigers in der Wüste sein! Volk
von Amerika nimm dich zusammen
und wirf nicht (steine auf Unschul
dige, dulde auch nicht, daß es ans
Gehässigkeit geschehe. Der innere
Friede des Landes darf nicht gefähr
bet werden. Aber mit allen Mitteln
müssen die Schuldigen aufgespürt
und der verdienten Strafe überant
wortet werden. Diese Strafe muß
der Zod' sein. Umsomehr muß febe
unbewiesene und unbeweisbare Ver
dächtigung schweigen, da6 erheischt
das Wohl des Landes. Gerechtig
feit muß allein walten, denn auf Ge
rechtigkeit ist unser Staatswesen be
gründet. Ob es gelingen wird, die
Täter ihrer verdienten Strafe zuzu
führen, wer kann das jetzt schon wis
sen! Versucht muß es werden, mit
allen Mitteln, die den Behörden zu
Gebote stehen, aber der innere Frie
de muß uns allen heilig sein.
A,
W.P.
I Aus Rumänien I
Benarabie«
Originalbericht
Mäiiukbejewka. Bess.,
beit (i Julij 1920.
Werter StaatS-Anzeiger!
Ich bin nun wieder in der Lage,
einige Mitteilungen aus Bvssara
bleti zu geben und zweifelsohne find
diese für manche Bessarabier interes
sant.
.Zunächst etwas über diè politische
Lage.. Es.wurde ein netteH runtäni
sches Kabinett gegründet iiitd zwar:
Gogo als Kultusminister. Argeti
tiinmt hat das Ministerium des In
nern übernommen, Take Jonescu ist
Minister des Auswärtigen, und Ge
neral Averescn ist Ministerpräsident
tut Finanzministerium. Die politi
sche Lage für uns Deutsche in Bes
sarabien ist eine laue, denn bis jetzt
ist noch kein einziger Deutsche ins
Parlament von Bessarabien hineinge
kommen und es ist auch eine große
Frage, ob ein Deutscher von Befsara
bien überhaupt das Glück haben
wird noch erwählt zu werden, trotz
dem noch einige.Stichwahlen statt
finden.
In unserer Kolonie kam der (5hes
der Gensdarmerie und hat uns
Teutschen sogar das Sprechen in der
Muttersprache verboten also eine
herrliche Zukunft für uns!
Man Hat von den Bessarabent
schon mobilisiert und wird noch mehr
uidbilisieren. Nicht genug, daß man
schon sechs Jahre mobil gemacht hat,
und so manche arme Frau und Mut
tcr ihrem Manne und Sohne unter
herzzerreißenden Tränen nachschauen
mußte, heißt es jötzt in allen Zeituit
gen: Friede in Europa: aber hier er
schallt wieder das Wort „mobilisie
ren." Ersichtlich haben wir Deut
schen aus dem ganzen Erdenrund ein
schweres Los zu trogen, aber es geht
ja offensichtlich dem Ende zu, und da
müssen wir wachen und beten, daß
wir nichjt tu Anfechtung fallen.
Die BukyresterZeitung „L'Orient"
(zu deutsch Per Osten—Red.) bringt
eine recht interessante und treffende
Schilderung über die in unserem
gewohnte Achtung vor Gesetz und
Recht, und sie ist wert, hier im Aus
zuge wiedergegeben zn werden:
„Wir Rumänen sind fest davon
überzeugt, -daß foir ein zivilisiert^
Volk sind und eher zu deu Völkern
des Westens/als zu denen des Ostens
gehoben. .Wenn man zu Jemanden
sagt, daß «er ein Orientale sei, so gilt
das als schwele Beleidigung, denn
man Witt ihm damit sagen? daß er

&
7
1
jfc:V'^^! *i
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#|*-s -.ü: f. v-t -i
?zMzW" ÄMâM^ißWDiilââ z, .tztchâg, ienv24. Septcmbe^l
W.11",
nicht zivilisiert ist, daß er der euro
päische» tilltur fernsteht, hinter' ihr
zurückgebliwcn ist, und daß mithin'
auch seine Mrenhaftigkdit in Zweifel
gesetzt werdèk könnte. Also, wir rech
ttett uns „allHu" zu den zivilisierten
Völkern Westeuropas. :?lter fchtm die
geographische Hage rechtfertigt bis zu
einem gewissen Ctoobc den gegen den
einen oder anderqi von uns. manch
mal aber auch gegen das ganze Land
gerichteten Vorwurf, orientalisch zu
sein. Und doch yaben wir ein An
recht Öprouf. lui» zn den Völker» des
Westens. zu jehlett, und zwar aus
dem einfachen Grunde, weil uns die
A ch tu ntybor ,$cttt Gesetze fehlt, die
das ganz^'private Leben im Westen
kennzeichnet. Roch eyimal: wir ha
ben keine Achtung vor dem Gesetz!
Es ist so. Heun man bei uns ein
Gesetz schafft, sq denkt man gar nicht
daran, daß alle*das Gesetz zu achten
und zu befolgen kibben. Im Gegen
teil, man gibt sich die größte Mühe,
das Gesetz unwirksam zu machen. So
sind zum mindesten unsere politischen
Gesetze. Die Zivilgesetze sind durch
„übermäßige" Achtung vor der Frei
heit des Einzelnen gekennzeichnet,
dadurch eigentlich jede Gesetzgebung
unnütz wird. Der Grund für diese
Lage liegt darin, daß wir int Westen
eine Zivilisation „entlehnt" haben,
die sich aber bei uns nicht entwickelt
hat, und von der kein Mensch durch
druitgett ist! Und was ist die Folge
davon? Durch unsere Atttze Gesetz
gebung, durch unsere ganze Zivili
sation, flirrt bey Säbel! Ter Krieg
konnte daran nichts ändern, sondern
hat im Gegenteil die Lage nur
verschlimmert. Wir wissen, daß die
furchtbare Geißelnder Menschheit, die
man Krieg nennt, der S e k u I a
i o it die Wege geebnet hat, iptd daß
unsere Regierung, wenigstens etwas,
dagegen eingeschritten ist. Aber auf
welche Weise? Durch Gesetze?! Das
konnte eben nichts nützen, denn Ge
setze werden bei itttS nicht befolgt.
Und das Ergebnis war ein A it
wachs e n e S e k u a i o n,
eine Verteuerung tys Lebensiinter
Halts, die sogar iitc\ gesellschaftliche
Ordnung zu gefährdet» droht. (Ter
Versasser dieses entschieden tief durch
dachten Artikels schildert, ganz unab
sichtlicher, unbewußter Weise, auch die
Lage der Tingeln Amerika. Red.
Staats-Anzeiger.) Tie neugeschaf
fetten Kontrollkinder haben keine Ver
änderttug hervorgebracht, denn die
Verwaltung läßt, wie man weiß, vom
Standpunkte der.. Moral aus, sehr
viel zu wünschen übrig. Weil die
Sachen so,liegen, hat Geiteral Ave
rescu zu militärischer Kontrolle seine
Zuflucht 'g'enontmeit' und hat seine
Ueberwachungs,bunten aus dem
Stande der höhetenOffiziere gewählt,
da sie ihm bessere Garantieen für
Ehrenhaftigkeik.boten. Tagegen aber
empörten sich die Händler und Spe
kulanten, das Großkapital, und als
die Offiziere ihres Amtes walten
wollten, da schlössen sie ihnen ihre
Buden vor der Nqfe, denn ihr Wahl
spruch heißt: „Freiheit." i e Frei
heit ttämlich,' das' Volk unter dem
Deckmantel des freien Handels a it s
beute n itjib a it s 1 it it e it zu
können. (Wie sehr ti'ifft dieser Arti
fei zu! auf die Zustände iiU diesen«
Lernte, und besonders auf den Staat
Nord-Dakota, wo der Farmerbnnd
(Bauerltbiutd) und die jetzige Staats
retiimmg sich bemüht, fast verbreche
rischer Spekulation itüd Ansplünöe
rung ein Ende zu /machen tticK
Staats Anzeiger:) Die Spekulan
ten aber lehnen sich einfach dagegen
auf (Gerade wie liier!—Red. Staate
Anzeiger.) daß man ihnen laut Gesetz
an den Leib rückt, und üben weiter
ihr sauberes Handwerk! Die.Ach
tiiitg vor dein Gesetze läßt sich natür
lieh nicht von heute auf morgen ein
flößen oder erzwingen. Wir müssen
aber darauf aufmerksam machen, daß
diese Mißachtung verhängnisvolle
Folgen haben muß: den Bolschewis
mus. Wer Ohren hat zu hören, der
höre!" Soweit der Artikel.
Ueber die wirtschaftliche Lage un
serer deutschen Bauern werde ich
nächstens berichten. Die Teuerung
ist noch wie sie war.
Grüße alle meine Freunde, Be
kannten und Verwandten und beson
ders den Herrn Frank L. Brandt, den
Redakteur des Staats- Anzeigers
(Ihr Wunsch soll gleich erfüllt wer
den iiitd Adresse wurde geändert.
s
Unter Leitung der Begabtesten erfahrendsten u.
fortschrittlichsten ScH'rer des Landes. Tausende
fsühexc Studenten dieser Anstalt Maimer,
fttatiett, nttd Mädchen zählen jetzt, dank der
hier genossenen Ausbildung, zu den erfolgreich
sten Geschäftsleuten in den Ver. Staaten upd
Canada.
Steht durchs ganze Jahr offen!
'?WMMW
Râd. Staats Anzeiger.) Meine^ Vcr
chandten in New f)6rf jund Holyoke
sollten doch auch etwas'von sich hö
ren lassen brieflich meine ich.
Mit treudeutschetn Gruß zeichnet
W. WUholm Bretz,
.s/l' Küsterlehrer.
Orisi«albericht
Largo, Bess., Iß. Juli.
WerterStaats-Anzetger!
Möchte, dem lieben Blatte auch
einmal einen kurzen Bericht einsen
den, denn wir haben bereits einige
Nummern desselben erhalten. Das
war aber eine große Freizde. Viele
Nummern gehen wohl verloren in
folge des schlechten Postverkehrs. Ich
möchte aber doch gerne wissen, wer
denn der liebe Freund ist. der mir
den Staats-Anzeiger bezahlte. (An
ton Kraft in Tunbridge. N. D. Das
wurde im Briefkasten der ersten Jh
nett zugehenden Nummer berichtet,
aber es ist möglich, daß Sie diese zur
zeit Ihres Schreibens nicht erhalten
haben. Schließlich aber werden wohl
alle Nummern dort ankommen.
Red.) Vor der Hand also kann ich
also nur unbekannterweise herzlichst
danken!
Hätte erhielten wir auch mit gro
tier Freude eilten Brief vom Schwa
ger Jakob Schwahn vom 29. Mai,
aus dem wir sahen« daß bei ihm alles
noch gesund ist. Wir bitten aber um
deine Adresse, 'Schwager, denn wir
können nicht antworten. Er lind
Schwägerin Magdalena sollen uns
die Adresse deutlich schreiben. Oder
tyitii der Staats-Anzeiger sie uns
melden? (Adresse lautet: Jakob
Schwalm, Bertolds,. Nord-Dakota,
Nord Amerika. Red.)
Bei uns geht es feit dem Weltkrieg
sehr betrübt. Schon seit Kriegsalt
sang sind wir Teutschen in Rußland
schwer bedrückt. Wenn die Russen
hörten, daß man auch nur ein deut
sches Wort sagte, wurde man ein
gesperrt und bestraft. Am 18. Mai
des Jahres 1916 mußte unser ältester
Sohlt Joseph, im 19. Jahre, zum
Militär und im Spätjahr, int Sep
tentber, habe auch ich fortgemußt. Es
war traurig. Die Frauen und vie
len Kinder waren ganz allein. Gott
sei Tank sind wir gesund wieder nach
hause gekommen. Weiteres kann ich
Verwandten mir brieflich schreiben,
denn die Zeitung kann sich nicht mit
Privatsache» besassen. Sie tut mehr
denn genug, wenn sie uns wieder zu
saniinenbringt und Adressen meldet
Also bitten ich und Familie alle Ver
wandte und Freunde, uns zu schrei
ben Und in keinem Falle zu vergessen,
ihre Adresse mitzuschicken, da wir
sonst nicht brieflich antworten können.
Mit der Ernte kommen wir heute
zu Ende. Die Frucht ist gut. aber
es wurde nur wenig gesät, weil man
für Geld keilt Land mehr bekommt.
Tie Edelmänner sind nicht mehr.
Tas Land wurde ihneü weHgrnont
»ten. Die Regierung hält das Land.
Wir haben im ganzen 11 THßjätin
und selbst das war nur. mit größter
Mühe zu bekommen.!
[email protected] wir ^nmänische UMrtanen
sind, hat'sich ^did Lage um etwas ge
bessert.
Viele Grüße an den Zeitungsmann
und an die Leser dieses Blattes..
i' If ft. â»
Originalbericht
Werte Redaktion!
Obschon ich erst vor etlichen Togen
einen Bericht einsandte, fühle ich mich
gedrungen, wieder zu schreiben und
zu melden, daß meinem alten Vater
die Nummern jetzt regelmäßig zu
kommen und wir freuen tmS herzlich,
tiefer des Blattes geworden zu-sein.
Man liest ja im Staats Anzeiger Be
richte au* aller Welt, aber Neider ha
ben wir noch nichts von unseren Ver
wandten und Freunden gehört. Die
scheinen zu schlafen, ober nichts zu
berichten zu hoben. Wir hoben in
der neuen Welt so viele Verwandte
und Freunde, daß ich sicher bin, daß
viele Leser dieses Blattes.sind. Also
wachet einmal auf!
Das Jack) der russischen Regierung
hoben wir abgeschüttelt und Jeder
mann weiß wohl bereits, daß Bessa-
4,
rabien nun zu Rumänien gehört. Ich
glaube das tft ein Glück für uns,
wie auch für bic' Rumänen und Rus
sen. Jv^tzt scheint man doch wenig
stens seines Lebens und seiner Habe
sicher zu sein. Vieles aber- könnte
noch besser seilt mitbezug auf die Re
gierungsmaßiKlitnen und so kommt
es, daß unser Leute sich mir ungern
der rumänifc e» Regierung fügten
und fügen. £s wurde nämlich gar
mancher uttfd uldig schlecht behandelt
und verfolgt Ich selbst kann ein
Lied davon si igem Im Monat Juni
vorigen Iah es- kamen eines Tages
zwei rutnöiii che Soldaten in unser
Dörflein int verlangten von iinse
i ein Dorfriinar Horobetz zwei
Fuhren, die ihnen auch zusagte. Ei
schickte zwei Gehilfen aus, sie sollten
die zwei Fuhren aufbieten, aber die
beiden Mmitilr weigerten sich zu fah
ren. Wutentbrannt rannten die Sol
daten auf me betreffenden' Höfe,
fanden aber tie Türen verschlossen,
dagegen die Wagenspur durch den
Garten führend. Die beiden hatten
augenscheinlich il»?e Fuhren in Sicher
heit gebracht,! oder waren ausgeris
sen. Zur selben Zeit beschäftigte
sich gerade unsere Nachbarin im Gar
ten mit ihrem Kartoffeln. Wütend
rannte der eine Soldat auf sie- los
und versetzte ior einen Schlag an den
Kops, daß sie «ist zu Boden sank. Er
packte sie baitie am Arm und brüllte
sie an, denn k wollte wohl wissen,
wo jl)r Mann' hin war. Die Frau
natürlich wär Szitnt Tode erschrocken
und halb bewußtlos uyb verstand den
(Soldaten imtwlich auch nicht. Auch
wußte sie nichts von der Ftihrenge
schichte. Der. Soldat beutete nur
immer auf big Wagenspuren und
mißhandelte die Freut. Das ging
mir nahe, und^ ich beschloß, übel oder
wohl, ihr zuhjlfc zu kommen. Mein
Vater warnte) mich, weil auch ich
nicht rumänisch kann, und sagte: was
dich nicht bräunt,. blase nicht. Ich
aber stürzte fort. Als die Soldaten
mich komme«? solicit, fiejjeu sie die
Frau los und stürzten sich beide gleich
aus mich, wahrscheinlich mit Fluch
Worten. Ich nehme an, sie befahlen
ntir, heimzugehen und anzuspannen,
ober da ich ihre Rede nicht verstand
antwortete ich nur in russisch: Wir
wollen zum Primär gehen. Wenn er
mich anweist zu fahren, ist es gut
Weil ich nicht gleich ging, erfaßte der
eine Soldat sein Gewehr, mit mir
eins zu versetzen, ober ich verhinderte
iiiit daran, indent ich dos Gewehr er
griff. Jetzt holte aber der andere
zum Stich aus, und so blieb mir
nichts übrig als zu fliehen. Dies tat
ich, so rasch meine Füße mich tragen
wollten. Der eine gab auch Feuer
auf mich, aber er schoß fehl. Die El
tern, Geschwister und Nachbarn eil
ten herzu und mögen wohl gedacht
haben, man habe mich tot geschossen.
schneide' aiid' und
klebe auf Vorder
seite einer Postkar
te oder auf Brief
Umschlag die ne
benstehende Adresse
Name
State
en von Taufenden feiner erfolgreichen Studenten
'jav
tf w-,
t'*
*&*\->t- P- i
-iy
s
y
-W
Inzwischen a|efc|ette ich mich aufs
Feld geschafft vÄ doxt versteckt bis
zum Abcnjb. Solche Fälle könnte ich
hunderte schszä^n-, wo unschuldige
Männer unytxnichlich behandelt wur
den, aber. eF.^wohl unnötig, beim
die Lese»' Miixn sich die Zustände
e i o u s
Als hnrJfcijgcipteeute, ttt 1897 u.
4898 gebgroji, Sur ersten Besichti
gung fahren âßtx, hoben wir uns
aye sehr gväiWtigt, weil keine ru
ittgnifch verstandn. Wir von 1897
sind zuhause gctftfcbcn, somit katm ich
persönlich niWts inciter erzählen,
aber mein Mathias Volk,
gehören 1898, halte* einrücken müs
sen. Sie ließen sich sehr ungern in
den rumänischen^!Aoldateitdienst ste
cken, denn sie verstanden die Sprache
nicht ujtd fürchteten übles*: Indessen
lauten die von ihnen kommenden
Nachrichten nicht gerade schlecht. Alle
haben auch Urlaub bekommen auf ei
nen Monat, nämlich vom 25. Juli
bis 25. August. Ich habe mündlich
mit meinem Kameraden gesprochvit.
»diitc Erzählung ist kurj so: Soldat
ist eben Soldat. Die rnjiiänifcheu
Offiziere sind besser als die v^ssischen.
Und das wäre hoch ctwas^^'erfreuli
ches. Die 18if9tfi%bi)retten müssen
auch gehen. Das trifft quch meinen
Bruder Bernhard. Sie sind^bereits
besichtigt und registriert worden! 3jer
Bruder möchte natürlich nicht Soldat
werden, aber wer wird da gefragt,
oder wer ginge freiwillig? Aber es
muß sein. Wer ginge auch gerne
20(1 bis (iOO Meilen bont eltcrltchcu
Hause fort, wo sich Mcnfchcitbrüber
in blinder Wist abwürgen nior
den?
Fiir dieses Mql gönug. Mruß an
alle Verwandte und Freunde Md alle
Leser des Blattes. i
Edward T. Surfte
Rechtsanwatt
Rat und Hilfe in Rechtssache»
Yttbnne Wwt IliSweti, R. D.
Ehret enere lieben
Verstorbenen und setzt
ihnen eines der eiset»
nen Grabkreuze, wel
che »vir in gropcrAus
wähl und zierlichen
Mustern fabrizieren
und zji sehr mätziaen
Preisen liefern. Ka
tdlofl wird auf Ver
langen frei zugesandt.
Gegen die „schwarze Schmach"
i Kiel winde im Staats-Anzeiger schon berichtet über die Greueltaten
französischer Neigertruppcn in den besetzten Gebieten Teutschlands, die sich
dort wie Bestien aufführen. Bis jetzt ist wenig geschehen, diesen barbari
icf)cit, unmenschlichen
Zuständen
wir direkt dagegen protestieren.
ein Ende zu machen und es ist Zeit, dâtz
Wer protestiere» will, folge der nachstehenden Anweisung
Wh
:1
W.
Joseph Fâ
Sohn von Wendeliu.
(Fortsetzung auf Seite &.)
-I
Man unterschrei
b?4as untenslehen
:de »v o u a r,
schneide es aus
und klèbè es auf
Rückseite der Post
karte oder schicke
es int adressierten
Brief,,»,schlag mit
aufgeklebter Zwei
cent-Äiarke.
(Staats-Anzeiger, Bismarck, N. D.)
Keine andere Anstalt ist besser eingerichtet.
Wir haben die fähigsten Lchret. Die Graduier
"tot dieser Schule befriedigen gleich von Anfailg
an selbst den wählerischsten Geschäftsnmnn, der
Buchführer oder Kurzschreiher (Stenographen)
braucht. Schreibt um volle Einzelheiten: G. M.
Langum, Bismarck, R« D.
Besucher stets wikkomme«
.mi
'.

Published Tuesdays and Fridays, at
118 Sixth Su, Bismarck, N. D.
*'Subscription Price $3.00 tier Annum
Entered as second-class matter, May
1, 1912, at the post office at Bismarck,
N. D„ under the Act of March 3,1879.
Freitag, den 24. September 1920
A o n n e e n s e i
Bismarck. R. D.
Largo. Bess., 15. Aug.
Street Number or Rural Route
City or Post Offlcë
BISMARCK
-rs
Badger Dire lMd
1114 Cleveland Ave.
Milwaukee. Sit.
Little Geifert
West Brooksville
Maine
I. the undersigned, an American Citizen, hereby join in the protest
against the presence of uncivilized colored soldiers of the French Republic
in the occupied districts of Germany. ..

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