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Ohio. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1873-1874, August 07, 1873, Image 6

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Eine Nacht wandllerin. Samstag früh,
fo erzählt die „Detroit Abendpost", sand cm
Bürger Namens Birch, der an Division Str.
wohnt, dap aus seinem Schranke die Summe
Von $390 verschwunden war, die er am Tage
vorher
erhalten und in eincmKacht des Schrankcs
deponirt hatte. Die Art und Weise deö stattg«'
Ijabten Diebstahls war vollständig unerklärlich,
da sämmtliche Thören und Fenster des Hauses
wohl Verschlossen waren und nirgends eine
andere Spur von dagewesenen Dieben zu sehen
var, als eben das Fehlen des Geldes. Im Hause
selbst wie draußen herum wurde vergeblich «ach
Spuren gesucht. Als Birch bei seinem ©Alchen
durch die hinter dem Hause gelegene Weinlaube
schritt, sah er ein Tttch an» Boden liegen,
welches seine fünfzehnjährige Tochter am Abend
vorher beim Schlafengehen um den Hals gehabt
hatte, da diese leidend war. An das Tuch war
ein Stück Speck gewickelt, das besonders heilsam
wirken sollte. Er bückte jid), um das Tnch auf
zuHeben und bemerkte dabei, daß die Erde auf
der Stelle, wo das Tuch lag, locker mx. Das
fiel ihm auf, er forschte daher der Ursache mit
seiner Hand nach und fand dicht unter der Ober«
stäche $390, wohl verschlossen tu der blechernen
Büchse, in der sie sich im Schranke befunden
hatten. Wie war der Schatz dahingekommen?
Das Räthsel sollte sich bald lösen. Die Tochter
liuttc gleich nach deinEintrefsen der bedeutenden
Geldsumme großeAngst vor Dieben geäußert und
war auch spät mit dieser Furcht im Gemüth zur
Mich gegangen. Das erwähnte Halstuch hatte
sie da fest um. Als Birch sic aber jetzt weckte, da
war das Halstuch fort, sie wußte nicht, wo sie es
gelassen, und ihre Finger waren dick mit schon
angetrockneter Erde beklebt. Es unterliegt somit
feinem Zweifel, daßsieRachts, unter dem'Drucke
ihrer Angst vor Dieben, schlafwandelnd auf
gestanden, daß sie das Geld aus dem verschösse
nenSchranke genommen und unter derWeinlau-
be verscharrt h(it,joobci ihr dasTuch herabgefal
len ist, ohne daß sie es gemerkt hat. Sie wußte
und weiß auch heute noch von Alledem nicht das
Mindeste, und wenn sie nicht das Tuch verloren
hätte, so wäre die gelockerte Stellein der Laube
bald von unachtsamen Füßen festgetreten
worden und das Geld vielleicht erst nach langer
Seit durch einen andern Zufall zun» Vorschein
getommen. Bisher hat das Mädchen noch nie
Spuren von Somnambulismus wahrnehmen
lassen, und die drei seitdem verflossenen Nächte
sind ungestört geblieben.
Wer°Mft?
Mir war's schon oft im Leben
Vor Sorge bunt und kraus.
Ich sprach: Was wird das geben?
-Wer hilft dir da heraus?
Wer bringt dein Schiffchen weiter,
^Wer macht es wieder flott?
Auf einmal sprachlich Heitel:
Das thnt der liebe Gott!
Und kaum, daß ich es dachte
Da merkt' ich schon dio Hand
Von oben die da machte/
Daß alle Sorge schwand.
Und was auch jetzt mag kommen.
Ich denk', trotz. Hohn und Spott:
Wenn gar nichts mehr Witt frommen,
Da hilft „der alte Gott"!
!-0-
E
i
n ch ttr. a erikani
scher W i tz. Ein engliches Blatt meint,
daß er die'Professoren Wise und Donald
so
it,
die bekannten pennsylvanischen Aerö
ltauten, welche bekanntlich per Luftballon
eine Reise nach Europa unternehmen
wollen, stark im Verdacht habe, daß es
ihre Absicht., sei, jbos Publikum zu be
schwindeln. Die Herren Luftsegler, meint
das beregte Blatt, werdeu nämlich Mos
einfach in die Höhe steigen und oben war
tett, bis die UmdrMng der Erdkugel
Europa unter sie gebracht habe, dann zur
Erde niederfallen, und behaupten, sie
seien mit ihtim Ballmi von Amerika
nach Europa hinüber geflogen.
Ein lithakischer Stier
bänöiger.
Ein wohlhabender Gutsbesitzer im oft
preußischen Lithauen, der sich besonders
auf Züchtung schöner Pferde und Pracht
vollen Rindviehs verlegte, hatte vor eini
gen Jahren einen sehr schönen Stier auf
gezogen. Der Stier gehörte der Schwei
zer-Race an. Er war groß kräftig ge
baut, mit kleinem Kopfe und zierlichen
Hörnern. Die benachbarten Gutsbesitzer
und sonstiger Kenner hielten diesen Stier
für ein Prachtexemplar und ohne Zweifel
töäre derselbe eine Zierde jeder Thieraus
stcllyng gewesen, tuen« es in der Mög
lichkeit gelegen hatte, das Thier zu trans
Portiren.' Seine Wildheit und Bös
artigkeit machten selbst seinem Wärter
viel zu schaffen, welcher dem Sthiere nur
mit der größten Vorsicht nahen durfte.
Für einen Fremden war jede Annöhe
rung höchst gefährlich.
Der Besitzer bot vergebens alle Mittel
aus, den nur vier Jahre alten Stier zn
zähmen. Endlich kam er auf deu Ge
danken, einen angemessenen Preis für die
Bändigung desselben auszusetzen. Roß
kämme und Thierärzte wie auch sonstige
Personen, welche mit Vieh umzugehen
verstehen, meldeten sich, besahen sich den
Stier aber keiner wagte es de» Preis
zu erringen. Nach einer Zeit von etwa
sechs Wochen meldete sich ein neuer Be
werber: eine kleine zierlich gebaute, aber
kräftige Figur. Es war der Schneider aus
einem nicht sehr entfernt gelegenen Dorse.
Der Gutsbesitzer maß den Schneider von
oben bis unten und schüttelte bedenklich
den Kops, stellte es jedoch dem Bewerber
anHeim, das zu bekämpfende Thier in
Augenschein zu nehmen und das Terrain
zu prüfen. Nach Verlauf von einer'hal-
ben Stunde erschien der Schneider vor
dem Gutsherrn und erklärte zum Erstau
nen aller Anwesenden: den Stier an dem
urd dem Tag bändigen zu wollen, ver
langte dabei kaum die Hülste des ausge
setzten Preises, die Herbeischaffung eini
ger neuer Peitschen und die Einrichtung
des Hofraumes, in welchem die Bändi
gung Statt finden sollte, nach seiner Vor
schrift.
Der Tag des Kampfes erschien und
sowohl der Besitzer als die benachbarten
Gutsherrn zweifelten an dem günstigen
Erfolge, ja selbst daran, daß der Schnei
der erscheinen würde. Man irrte sich. Der
Schneider erschien zur festgesetzten Zeit,
prüfte die ihm dargebotenen Peitschen,
befestigte an eiper von derselben eine von
ihm selbst construirte spitzlaufende, ziem
lich starke Schnur und änderte die vor
gezogene recht haltbare Barriere des
Kampfplatzes dadurch ab, daß er zwei
Oefsnungen anbrachte, die bequem ihn,
aber nicht den Stier, durchließen.
Der Gutsherr hatte überdem einige
Vorsichtsmaßregeln getroffen, um den
Schneider möglicherweise bei eintretender
Gefahr zu schützen.
Nachdem sämmtliche Vorbereitungen
zur allseitigen Zufriedenheit beendigt
waren, ergriff der Schneider die stärkste
der ihm vorgelegten staneitscher Peitschen
(die sich beiläufig auch außerhalb Ost
Preußens eines guten Rufs erfreuen), und
legte sich die andere an einen leicht zu
erreichenden Ort zurecht nun stellte er sich
mitten auf den Platz und gab das Zei
chen zur Loslassung des im nahen Stalle
angeketteten Stiers. Nach einer Stille
von wenigen Secunden Klatschte der
Schneider mit der Peitsche und sofort
hörte man das Schnaufen, dem San
seit eines Sturmes gleich, ein Stampfen
und ein Wuthgebrülle. Der Stier hatte
nit einem Bogensatze die Schwelle des
Stalles übevsprungeit, stantz einen Au
genblick still, senkte leicht den zierlichen
Kspf und rannte in .kurzen Sätzen auf
Bett Schneider zu. DiW' war wie fort-
geblasen. Er war durch die kleine Oeff?
ntmg der Barriere geschlüpft und der
Stier schoß vorbei. Im Moment hatte
der Schneider durch einen unbegreiflichen
Sprung den Stier am Schwanz«. gepackt.
Er baumelte wie ein Troddel an einer
altmodischen Husarenmütze und mochte
der Stier in langen oder kiirzercttBogen
sätzen fein Appendix los zu werden suche»,
immer tanzte das Schneiderlein, den
Schwänz das Thieres festhaltend, auf sei
nen Füßen und bearbeitete iuis Fell des
Bullen unablässig mit neuen Streichen der
gewichtigen Peitsche. Staub" und Koch
verhüllten zuweilen die Kampfer. Das
Gebrüll des Stiers, das zu Anfange
demjenigen' eines-Löwen ähnelte' und nur
Wuth athmete, wurde nach nnd nach im
mer schwächer, und als'der Stier mit fei
nem Anhängsel derjenigen Stelle vorbei
rannte, wo der Schneider sich die zweite
Peitsche zurecht gelegt hatte, warf der
Peiniger die erstere weg und nahm das
neue Instrument zur Hand. Mochte die
erste Peitsche Striemen, und Geschwulst
hervorgebracht haben, die zweite zeigte sich
ungleich wirksamer, denn jeder Hieb zeich
nete einen kleinen Blutstreifen. Das
Gebrüll des Stiers ging in Schmerzens
laute über da erst ließ der Schneider den
Schwanz fahren und peitschte nun mit
beiden Händen auf den Bullen los. Nur
wenige Minuten dauerte der letztere Act.
Der Schneider senkte seine Peitsche und
blieb mitten anfdemHofranme stehen.Deiv
Stier rannte noch einige Mal im Kampf
umher und fuhr bei jedem Peit
nall des Schneider? zusammen.
Nun wurde der Stall geöffnet und der
Stier fand' mit der.größten Leichtigkeit
sein Lager, das er in frühren Zeiten nur
vermittels anstrengender Experiwente
Seitens des Wärters aufzufinden ge
neigt war.
Der Stier lag stöhnend auf dem La
ger. Nicht der mindeste Ausdruck frühe
rer Wildheit und Bosheit war ihm ge
blieben. Willig ließ er sich mit kal
tem Wasser begießen und nahm nach ei
niger Zeit sein Futter und Trinkwasser'
so an, wie jedes andere gezähmte Stück
Vieh. Einige Jahre sind darüber ver
flössen, aber feine Spur von Wildheit
und Bosheit ist dem radical Geheilten
geblieben, und zahlreiche geduldige Nach
kommen desselben gereichen auch jetzt noch
jenem Gute zur Zierde.
Was denSchneider anbetrtfft, so wusch
er sich nach Beendigung des siegreich für.
ihn ausgefallenen Kampfes die Glied
maßen mitBrandwein und war in einer
halben Stunde ganz munter und guter
Dinge.
Es versteht sich von selbst, daß ihm der
ausgesetzte Preis bezahlt und ihm auch
sonst Speise Und Trank im Ueberfluß ge
reicht wurde. Was aus dem Helden
weiter geworden, darüber schweigt die
Fama.
Ob wohl Madrids Annalen einen
ähnlichen Stierkampf aufzuweisen ha
ben?
•_
i e e s e i n i u n e i n e s W e i e n
als Strafe für die Ermordung eines India»
ner« faud kürzlich in Idaho statt, nachdem der
Genral'Bnndes.Anwalt einen Pardon für
unstatthaft erklärt hatte. Im August 1872 er
schlug der Bergwerker Pickett mit einerHaue ein
indianisches Weib. Mit zermettertem Schädel
sank die Frau tobt zu Boden. Pickett wurde
processirt, schuldig befunden «nd zum Tade am
Galgen verurtheilt.
9
a s a n e i s e V o k i e s i n E a s
Hadam^ Conn. Das Durchschnittsalter der in
den letzten 25 Jahren auf dem Friedhof dieses
gefegeneten Ortes Begrabenen ist 51 Jahre.
Die Zahl der achtzigjährigen in einem einzigen
Distrikte Hadams ist größer als die Zahl der
Achtzigjährigen in Rew Haben zusammen
genommen. v,.
Gine KatechismuHstnnde.
Es existirt schon seit einiger Zeit eilte
chinesische Wäscherei an der Sechsten
Straße in Cincinnati, die sehr gute Gte*
schäfte macht. Die Söhne des „himmli
schen Reiches" arbeiten fleißig darauf lös
nnd ihre Kundenzahl scheint sich stets z»
mehren. Vor einiger Zeit holte unser
„John Chinaman", wie wir den Ge
schäftsführer der Laundry Firma kurz
weg nennen wollen,' ein Dutzend fchmu
tziger Hemden ans dem Hause einer re
spectablen Familie. Die Frau, eine ehr
würdige Matrone und eifriges Mitglied
der presbytxrianischen Kirche, hatte in ih
rem Leben wohl keinen heidnischen Chi
tiefen gesehen und wie sie sich nun zum
ersten Male einem solchem Individuum
von Angesicht zn Angesicht gegenüber
fand, wurde sie von Missionseifer erfüllt
und sie dachte, die Gelegenheit zu benu
tzen, mit ihm über Religion zn sprechen
und wo möglich ihn zu bekehren.
Nachdem sie ihn zum Sitzen eingeladen
•hatte, fing die eh^viirdige Dame an mit
ihm in.folgender(Weife zu reden:
„Nun John, gehen Sie gern in die
Kirche?"
Der Chinese antwortete in gebrochenem
Englisch:
„Ja wohl,.Madame, ich mag es gerne
sehen, wenn die Pferde im Kreise herum
laufen. Im Gallop, o das ist ansgezeich
»et, famos."
„Nein, nein, John, Sie mißverstehen
mich", sagte die würdige Frau, „fühlten
Sie jemals den gesegneten« Trost der Re
ligiott in Ihren Geschäftsstunden und in
Ihrem Kämmerlein, wenn das Tagewerk
vollbracht ist?"
„O ja, Madame, ich verstehe? Ein
Dollar für ein Dutzend wenn sie sehr
schmutzig sind, ein Dollar fünfzig Cents.
Ja wohl, Madame, heiji tschow,"
Die Dame verzweifelte beinahe an dem
Sohne des himmlischen Reiches, aber
durchdrungen von dem Eiser für' das
Seelenheil desselben, wagte sie mit Thrä
nen in den Augen noch eilte Frage:
„Sagen Sie mir, John, find Sie noch
ein Heide oder.kennen Sie den heiligen
Erlöser?"
John's Augen leuchteten vor Freude,
weil er glaubte, er könnte. diesesMal recht
antworten:
„O ja, Madame, jawohl, Majbonie, ich
kenne ihn. Gr ist ein guter Mann, ein
guter Mann."
„Wirklich?" sagte die Dame freudig er
staunt.
„Ich kenne ihn^sehr gut. Ich pasche
bereits länger als drei Monate für Hit.
Er ist ein famoser Kerl. Heiji!"
Die würdige Dame gab ihre Bekeh
rungsversuche hoffnungslos auf, aber
John's Gesicht nahm den Ausdruck des
naiven Lächelns an, der den Chinesen ei
g'enthümlich ist, und indem er mit der
Wäsche unter dem Arm hinausging,
brummte er in den Bart: „Zu viel Ge
schwätz für ein Dutzend Wäsche. Heiji,
tschow!"
u e n s e i 1 0 u i e e z e r
meister Heinrich Wilhelm Geher erhielt am 7. d.
folgendes Schreiben aus der Privatkanzlei deS
Kaisers und Königs: „Seine Majestät der
Kaiser und König wollen die erbetene Pathen
stelle.bei Ihrem sechszehnten Sohne an
nehmenuud gestatten, das Allerhöchst Ihr Name
iu dem Kirchenbuch ausgeführt werde. Die bei
folgenden drei Ducaten sind zum Ankaufe eines
Geschenkes für den Täufling-bestimmt."
A e a n K ö n i i n i s n e
sich im Schießen. Sein Freund Hcn-ry Hirnes
erbot sich, sein Taschenbuch als Zielscheibe in die
Höhe zn werfen. Das geschah und seitdem hat
sich die Nationalschuld um Einiges verringert,
denn Harry war- nicht mehr im Stande, den
Inhalt seines Taschenbuchs, das in Urstoff
theilchen nach allen Himmelsrichtungen hinflog^
zusammenzulesen.

Die Ohio.

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