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Ohio. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1873-1874, November 20, 1873, Image 1

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Die Ohio«
.Herausgegeben zu», Besten eincS Waisenhauses
für die Diözese ColumbuS, O.
Die Ohio erscheint jeden Donnerstag.
Preis für ein 'Jahr $1.50.
Wochenschau.
(Inland.)
Einem Brief aus Havana zufolge, hat der
spanische Consul zu Kingston am 30. Oct. den
(Gouverneur zu Santiago de Cuba benachrich.
tigt, daß sich der „Virginius" in der Nähe der
Morrant-Bai befinde.
An demselben Morgen war gerade der spa.
uische Kriegsdampfer „Tornado" zu Santiago
de Cuba angekommen und 4 Stunden nachdem
der Gouverneur die Nachricht aus Kingston tr
halten hatte, stach der Kriegödampfer in See,
um den „Virginiuö" aufzusuchen.. Am folgen
den Tage bekam daS Kriegsschiff den verfolgten
Dampfer in Sicht und da der „Virginius" die
scs, welches unter Segeln und mit nur wenig
Dampf ging, wahrscheinlich für ein Segelschiff
hielt, so änderte eö seineu Cours nicht. Um
zwei Uhr Nachmittags wnrde auf dein „Torna
do" die volle Dampfkraft in Anwendung ge
bracht und das Schiff nach dem „Virginius"
gerichtet, welchem dasselbe bei einer Schnellig
feit Ii
on 14 Knoten langsam näher kam. Der
„Virginius" hatte indessen seinen Cours eilige«
halten änderte diesen jedoch und steuerte auf
Jamaica zu als er die feindliche Absicht des
„Tornado" merkte. Da ihm die Kohlen aus
gegangen waren, fing er an, die Maschine mit
Pckroleum, Fett und anderen brennbaren Stos
sen zu heizen.
Ald die Nacht hereinbrach waren die beiden
FahrzeiiLe noch immer in derselben Stellung
zu einander, wobei der „Tornado"iedoch immer
Vorsprung gewann.
Sobald er in Schußweite gelangt war, feuerte
der „Tornado" eine Kanone ab und bald dar
auf warf er drei Bomben. Der „Virginius"
legte hierauf bei, und zwei bewaffnete Boote des
„Tornado" kamen seitlängs, nahmen Besitz von
dem Schiffe, und machten alle an Bord Befind
lidjeit zu Gefangenen.
Der „Virginius" führte die amerikanische
Flagge, jedoch wurde diese von den spanischen
Offizieren heruntergerissen und an ihrer Stelle
die spanische aufgehißt, obwohl die in gehöriger
Förmausgestellten amerikanifchenSchifsspapiere
vorgezeigt wurden.
Während der nächsten zwei Stunden wurden
einige von den Gefangenen nach dem „Tornado"
hinüber gebracht nnd dem „Virginius" eine
Prisenbemanuung gegeben. Um Mitternacht
gingen die beiden Fahrzeuge nach Santiago de
Cuba unter Segel, wo sie am anderen Tage
Nachmittag um fünf Uhr ankamen, nachdem der
spanische Dampfer „Cantabra" nnter Weges
zu ihnen gestoßen war.
Nach der Ankunft im Hafen verbreitete sich
die Nachricht wie Lauffeuer und zog eine uuge
heure Volksmenge herbei. Der Negierungspa
last und andere öffentliche Gebäude wurden
illnminirt und alle Militär und Civilbehörden
begaben sich zum Gouverneur Burrel, um ihn
zu' beglückwünschen. Dieser gab am Abende
einen glänzende» Empfang. Die Schiffe wur
den in dec Bai von einer Anzahl von Booten
umringt, welche mit Mnsilbandeu gefüllt Ware»
und von denen aus Hochrufe auf die Volontäre
ertönten. Die Festlichkeiten dauerten bis spät
in die Nacht.
Am folgenden Tage wurde am Bord bed
.„Tornado" ein Kriegsgericht gehalten dessen
Sitzung um 9 Uhr begann und um 4 Uhr schloß.
Sämmtliche Gefangene wurden als Seeräuber
prozefsirt und die Urtheil deS Gerichtes wurden
dem General-Cäpitän und dem Admiral in
einem versiegelten Packete zugesandt. Nachdem
sich das Kriegsgericht seiner Aufgabe Entledigt
'hatte, wurden alle Gefangenen mit Ausnahme
von Beinbeta, Jesus de Sol, General Ryan uud
Pedro Cespedes, unter Escorte von 100 Volon
tären und einer Anzahl von Marinesoldaten
nach dem städtischen Gefängniß gebracht. Ge
neral Bnrriel, heißt es, habe kaltblütig gefordert,
daß alle Gefangenen, mit Ausnahme des Capi
laus und der Bemannung des. „Virginius",
welche nach Havana zur Disposition des com
»nandirenden Generals Demarinals gesandt
werden sollten, ihm übergeben werden, und er- frieden sein wird."
klärte, sie würden binnen 24 Stunden alle pro»
zessirt und hingerichtet sein um alle Berwick
hinge» und Intervention von außerhalb zu ver
weiden. Er hielt auch eine Depesche zurück, i»
welcher der dortige Ver. Staate» Consul in
Kingston die Fortnahme deS „Virginius" meldete
und über dessen Llattonalität Erkundigungen
anstellte.
Die Papiere des „Virginius" waren in Ord
Illing und lauteten für eine Reise nach Colen.
Alle Passagiere waren als Arbeiter eingetragen,
welche an einer Eisenbahn arbeiten sollten, die
dort gebaut wird. Alle Angaben in Bezug auf
die Stellung des „Virginius" zur Zeit als er
genommen wurde widersprechen einander. Eine
Angabe lautet, er fei in einer Entfernung von
20 Meilen von Jamaica genommen worden.
Der Befehlshaber des „Tornado" erklärte
öffentlich in Santiago, daß sich drr „Virginius"
eine Stunde später hätte in einen Hasen von
Jamaica retten können.
Am 4. Nov. wurden vier Personen von
den auf beut „Virginius" gefangenen Mann
schaften in Santiago de Cuba erschossen.
Am 7. Nov. wurden der Capitän deS „Virgi
nius" nebst 36 Leuten seiner Mannschaft und
am folgenden Tage noch zwölf der auf dem
Schiffe gefangenen Cnbaner, unter denen sich
Franchi Alfaro befand, erschossen.
Am 9. Nov. sind sämmtliche Ueberbliebenen
der an Bord des „Virginius" gefangen genom
menen Passagiere und Seeleute, 110 an der
Zahl, außerhalb des Schlachthauses von San
tiago de Cuba erschossen worden Die Ge
sangenen wurden, wie der Bericht angibt, zum
Schlachtplatze geführt und in Abtheilungen von
je zehu Manu erschossen.
a v a n a 1 4 N o v i e o z e s s e e e n
alle Personen welche auf dem Dampfer „Vir
giiiius" gefangen wurden, sind jetzt beendet und
nur 18 Personen werden dein Tode entgehen.
Von diesen sind mehrere Ingenieure oder Heizer,
welche über die Bestimmung der Erpedition in
Unkenntniß waren. Vier bis fünf von ihnen
werden die Freiheit erhalten, die anderen wer
den wahi-fcheinlich zur Galeere verurtheilt wer
den.
N e w N o k 1 4 N o v W a e S u a
welcher sagt, er habe allen Grund zu glauben,
sein Bruder Oberst G. C. Stuart, befinde sich
unter den Opfern des „Virginius", bietet eine
liberale Belohnung für jede Nachricht in Bezug
auf das Schicksal desselben, und macht den
kubanischen Patrioten in der hiesigen Stadt
folgenden Vorschlag: Er will jeden $150,000,
welche diese ausbringen, noch $50,000 hinzufü
gen, er will sich ferner verpflichten tausend im
Kriegsdienste erfahrene Leute mit tüchtigen Os
fiziren anzuwerben, uud dieselben an Bord eines
Schiffes bringen, welches die Cnbaner gut aus
gerüstet und proviantirt, an einem von ihm zu
bestimmenden Punkte der Küste bereit halten
sollen. Als Garantie daß er seinen Verspre
chungen nachkommen wird will er $100,000
deponiren, welche im andern Falle zum Besten
derer verwendet werden sollen, welche durch die
spanische Schlächterei ihre Beschützer verloren
haben.
W a s i n o n 1 4 N o v i e e u i e
Cabinetssitzung dauerte über zwei Stunden,
und war die wichtigste, die noch je während der
Administration des Präsidenten Grant stattge
funden hat. Die Fortnahme des „Virginius"
und die schauderhaften Greuelthateu, welche die
spanischen Behörden zu Santiago de Cuba ver
übten, bildeten den Gegenstand der ernsten Be
rathungen. Es wurden endgültige Beschlüsse
in Bezug auf die Wahrung der Würde der Ver.
Staaten in den bestehenden Verwickelungen ge
faßt. Obwohl nun sämmtliche EabinetSmit
glieder äußerst zurückhaltend über die Natur der
Beschlüsse sind, zu denen man heute gelangt ist,
so darf man doch sagen, daß die Administration
in vollständiger Ucbereiustiinmuug mit den Ge
fühlen des Volkes ist, nnd daß das Verfahren
der Regierung die Billigung derselben erhalten
wird. Eiu Cabinetsmitglied, welches über die
Natur der heute gefaßten Beschlüsse befragt
wurde, sagte: „Ich kann nichts sagen, aber ihr
dürft Euch versichert halten daß das Volk zu«
Ein Familienblatt für Wahrheit und Recht zur Belehrung und Unterhaltung.
Jahr I. Pomeroy, D. de» 2«. November 1873» No. SO.
o o k y n 1 4 N o v e V e S a a e n
Dampfer „Kansas", welcher gestern Abend Be
fehl erhielt abzusegeln, -stach heute Vormittag
um halb 11 Uhr nach Santiago de Cuba in See.
Derselbe ist vollständig für den Dienst cuisge
rüstet und führt drei Geschütze schweren Kalibers.
o s o u N 1 4 N o v A u
Befehl des MariuedepartementS wurden alle
Matrosen welche sich an Bord des Reserve
fchiffes ans dieser Station befanden, heute
Morgen nach New Jork gesandt, um für den
Dienst auf den Ver. Staaten Schiffen in den
albanischen Gewässern verwandt zu werden.
o st o n 14. Nov. Im hiesigen Schiffs
bauhose ist Befehl eingetroffen die Fregatte
„Brooklyn" auszurüsten, so daß sie am 15. Dec.
in See stechen kann. Es wird berichtet, daß
auch der „Franklin" seetüchtig gemacht werden
soll. Zweihundert Matrosen von dem Reserve
schiffe „Ohio" gehen morgen nach dem Schiffs
bauhofe in Brooklyn ab.
i a e i a a 1 6 N o v e u e
arbeiteten 700 Arbeiter an der Ausrüstung der
Monitore „Manhattan", „Ajex", und „Canan
daigna", von denen der erstere morgen in See
stechen wird.
Wochenschau.
(Ausland.)
K ö n 2 9 O e i e e s e n
stattgehabten Wahl der Wahlmänner für
die demnächstige Wahl zumAbgeordneten
Hause wurden 152 der von der Centrums
Partei und 339 der von den „vereinigten
liberalen Parteien" aufgestellten Wahl
manner gewählt. Bei der Abgeordneten
wähl vor drei Jahren brachten die Candi
daten der vereinigten Fortschritts- und
National-liberalen Partei es auf 347, die
der Centrumspartei auf 99 von 446
Stimmen. Die Centrumspartei hat so
mit gegen die letzte Wahl vor drei Jahren
ein Plus von 50 Prozent aufzuweisen,
ein Resultat, mit dem wir bei einem Wahl
system, welches der Beeinflussung einen
so weiten Spielraum bietet und dem Ver
mögensbesitzein so horrendes Privilegium
gewährt, durchaus zufrieden sein können.
Horrend muß es in Wahrheit genannt
werden, wenn, wie man es gestern wieder
beobachten konnte, das Votum von 3, 4, 5
Männern die Stimmen von Hunderten
von Bürgern aufwiegt, in deren Mitte
sehr häufig noch dazu ein ungleich größe
res Maß von Intelligenz sich findet
ein sehr ansehnlicher Procentsatz der sog.
gelehrten Stünde gehört der dritten
Wählerklasse an als in jener durch
Glücksgüter bevorzugten erstenAbtheilung.
Ganz anders wie durch dies aus Grund
der Drei-Klassen-Wahl zu Stande ge
kommene Resultat gestaltet sich für unsere
Stccht das Bild der Situation wenn
man die Gesammtzahl der gestern über
Haupt abgegebenen Stimmen betrachtet,
welche auf Seiten der Centrumspartei
volle zwei Drittel der Abstimmenden er
gibt.
a i 1 6 N o v i e u s i e n
Gerüchte von einer in Folge der Virginius
Angelegenheit bevorstehenden Minister
crisis, doch wird deren Wahrheit in amt
lichen Kreisen desavouirt.
o n o n 1 4 N o v a S E
schießen der Bemannung und der Passa
giere des Dampfers „Virginius", wird
des Längeren von den hiesigen Morgen
zeitungen besprochen, und alle sprechen
sie die Hoffnung aus, daß die Ver. Staa-!
ten die' Hinrichtungen rächen werden.
COLUMBUS,
0.
a y o n n e 1 6 N o v e a r
listen-Chef Dorregarray hat mit seinem
Corps Los Arcos beseht, worauf sich der
republikanische General Moriones mit
seinen Truppen nach Logrono zurückzog,
um das Resultat der Ministerkrisis in
Madrid abzuwarten.
o n o n 2 5 O W o o w i
wurde gestern am frühen Nachmittag von
einem merkwürdigen Phänomen heimge-
sucht, das die Einwohner nicht wenig in
Schrecken sehte. Der Vormittag war
naß und düster, aber um 1 Uhr wurde es
plötzlich stockfinster. Es konnte diese
p?instent iß nicht einem der Nebel zuge
schrieben werden, wie sie so oft die Nach
Karstadt London heimsuchen. Es war
vielmehr eine Mitternachtsfinsterniß, denn
man sah in einer langen Entfernung den
Glanz der Lichter in den Fensters. Der
Himmel war wie von einem großen Feuer
röthlich gefärbt. Die Athmosphäre war
schwer und drückend, der Regen hatte auf
gehört und der Südostwind gänzlich nach
gelassen. Der Eindruck auf alles Lebende
war sehr bedeutend, sogar schrecklich.
Nervöse Leute wußten vor Angst nicht waA
anzufangen, ruhigere griffen nach den
Kalendern und glaubten da eine Sonnen
finsterniß angegeben zu finden, fanden
sich aber getäuscht. Tauben und Vögel
hielten im Flug an nnd kehrten schleunigst
zum nächsten Obdach zurück, die Hühner
suchten ihre Nachtquartiere u. s. w. Fünf
Minuten dauerte die dichteste Finsterniß,
dann schwand sie allmählig und machte
einer glänzend strahlenden Sonne Platz.
o n o n 1 4 N o v V o n ö n a n
sind erschreckende Berichte über die dort
in Folge des Fehlschlagens der diesjäh
rigen Fischerei ausgebrochene Hungers
noth eingelaufen. In einem einzigen
Dorfe sollen 150 Personen Hungers ge
storben sein.
K o n i k i e e e i e a r
stelle zu Grasdorf bei Hildesheim hat der
Bischof von Hillesheim den Seminar
Priester Krone zum Pfarradministrator
ernannt. Der Bischof hat nach dem
früheren Vorgange auch dies Mal keine
Anzeige bei der weltlichen Obrigkeit ge
macht und damit ist der zweite Conflict
ausgebrochen.
Z u K ö n w n e a 2 7 O k o e v o
der correctionellen Kammer des Landge
richtes gegen den Erzbischof wegen An
stellung von Geistlichen in. sechs Fällen
ohne die durch das Gesetzt vom 11. Mai
d. I. vorgeschriebene Anzeige bei dem
Ober Präsidenten in contiiamciam
verhandelt. Das Oeffentliche Mini
sterium, welches hervorhob, daß das
Strafmaß nicht auf das Minimum zu
beschränken sei, da der Beschuldigte mit
der Sache bekannt gewescn, daß zur Zeit
derselbe ferner, obgleich ihm bewußt ge
Wesen, daß zur Zeit der betreffenden An
stellungen hie Gesetze in Kraft getreten
waren, den Beamten erklärt habe, daß
daß er die Gesetze nicht anerkennen könne,
beantragte unter Anwendung der 1,3,
15 und 22 des Maigesetzes in jedem der
sechs Fälle eine Geldstrafe von 500 Thlr.
event. 4 Monaten Gesengniß. Das Urtheil
lautetet auf je 200 Thlr. Geldbuße event.
2 Monate Gefängniß.

Blutthaten auf Cuba.
TUE OHIO.
Published for the benefit of ail
Orphan Asylum
for the Diocese of
Will be issued every Thursday.
Pricejjper year $ 1.50.

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