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Ohio. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1873-1874, November 27, 1873, Image 2

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Q. ®ic&hio*
Das verrathene Geheimnis.
Ein MahrHen»
töatcrt einmal ein Schnhmacherge
^Z'^sell und ein Schneidergesell der
Erste hieß Peter und hatte Geld der
Zweite hieß Hans und,hatte keins. Peter
der Schuster wollte auf Reisen gehen und
Hans sollte mit. Da aber Hans kein
Geld hatte, so versprach ihm Peter, er
wolle überall für ihn bezahlen und solle
er mit ihm in gleiche Theile gehen, und
das schwur ihm Peter mit einem heiligen
Eide zu. Also wanderten sie fort. Sie
bekamen aber nirgend Arbeit, und als
Peter einmal recht nachsah da fand er,
daß sein Geld zur Neige ging. Da ge
reute es ihn, daß er den Hans mitgenom
inen und ihmgeschworen,sür ihn zn sorgen,
und eines Tages sagte der Verräther zu
Hans, als sie mitten im dichten Walde
waren und Hans großen Hunger hatte:
Wenn du mir nicht dein rechtes Auge
gibst, so gebe ich dir nichts zu essen. Was
sollte Hans thun Besser war es ein
Auge zu verlieren als Hungers zu sterben,
und Peter gab ihm etwas Weniges zu
essen und stach ihm dafür sein rechtes
Auge aus. Am andern Tage hatte
Hans wieder großen Hunger und Peter
sagte wieder zu ihm: Wenn du mir nicht
dein linkes Auge gibst, gebe ich dir auch
nichts zu essen. Da jammerte Hans gar
sehr und fluchte dem Verräther,_ der ihm
geschworen, wie ein Bruder mit ihm zu
theilen. Als aber der Hunger ihm den
Leib zerschnitt, da willigte er ein und ließ
sich auch das linke Auge ausstechen. Als
dies geschehen war, da ward Peter froh,
denn nun konnte er sich des lästigen Hans
ganz entledigen und er lief fort und ließ
den Armen mitten im Walde stehen. Da
wußte nun Hans nicht mehr, was er an
fangen sollte weil er aber bang« war, es
möchte ein Wagen kommen und ihm über
den Leib fahren, kroch er von dem Wege
ab und so lange fort, bis er einen großen
Baum vor sich fühlte. Inzwischen war
es duukle Nacht geworden und Hans
hörte von fern einen Bären brummen.
Dem muß ich aus dem Weg gehen, sprach
er, kletterte auf den Baum und legte sich
oben zwischen die Aeste. Es dauerte
nicht lange, so kam der Bär heran und
hatte noch den Wolf und den Fuchs bei
sich, und die drei kamen dein Baume
immer näher {und legte« sich endlich dar
unter nieder.
AI), ich weiß was, ich weiß was, hub
der Bär nun an, und der Fuchs sprach:
Ja und ich weiß auch was und der
Wolf sprach Meint ihr, iht wüßtet Alles?
Ich weiß auch was. Da sprach der Bär:
Höret, wollt ihr mir sagen, was ihr wisset',
so will ich euch sagen, was ich weiß, und
darüber habt ihr Freude, o, ich weiß nicht
wie! Ja, antwortete der Fuchs, aber
dann müssen wir uns erst untereinander
versprechen, keinem Menschen etwas da
von zn sagen denn wenn die Menschen
wüßten, was ich weiß, dann sprängen sie
vor Freude auf einem Beine herum. Das
ist bei mir auch der Fall, das ist bei mir
auch der Fall, sprachen die beiden Andern,
und der Fuchs sagte: Nun, dann fang'
du au, Bär, denn du hast uns zuerst ge
sagt, daß du etwas wüßtest. Nun gut,
sprach der Bär, aber wenn Einer von
euch etwas verräth, den fresse ich mit Haut
und Haar.
In der Stadt London ist große Was
sersnoth, tint) sic fangen schon an, das
Wasser mit Gläschen zu verkaufen, wie
ehedem den Branntwein. Wenn das
noch ein Bischen so dauert, dann sterben
die Menschen alle vor Durst und dann
haben wir einmal ein Sffcen, Juchhei!
All.' Tage so viel wir nieüeu
Ist der Noth denn nicht abzuhelfen?
fragte der Fuchs.
Da liegt der Haase im Pfeffer, ant
wortete der Bär, und das ist just, was
ich 'weiß. Aber der Schwarze hole cuch
weun Ihr es einem sagt, denn damit war'
unser aller Freude verdorben. Auf betjt
Markte liegt nämlich.ein Stein, und
wenn sie den aufhöben, so hatten sie
Wasser mehr als genug, denn unter dem
Steine springt die reichste Quelle, der
ganzen Welt.
Wolf, wenn du es Einem sagst sprach
der Fuchs.
Bist du toll, Fuchs! antwortete der
Wolf. Aber nun laß auch einmal hören,
was du weißt.
Nach dir! sprach der Fuchs, und der
Wolf begann
Ja, ja, wenn die Menschen wüßten,
was ich weiß, da könnte sich Einer guten
LolM-verdienen. Da ist des Königs von
England Tochter, die liegt schon sieben
Jahre krank und kein Arzt in der Welt
kann ihr helfen.
Wie so? fragte der Bär.
Ja da steckt der Knoten antwortete
der Wolf. Als sie zur ersten Communion
ging, da bekam sie ein Goldstück, um es
in den Opferkasten zu werfen. Statt
hinein, fiel es aber daneben, und so lange
das nicht darin ist, so lange kann sie nicht
genesen. Aber nun sage du uns auch,
Fuchs, was du weißt.
Wenn die Menschen wüßten was ich
weiß, sprach der Fuchs, so wäre manch
Einem geholfen und mancher Blinde
würde nicht länger blind sein.
Wie so? fragte der Bär.
Der Fuchs antwortete: Auf den Baum
hier fällt heute Nacht ein Thau wer sich
damit drei Mal die Augen wäscht, der
wird sehen, und hätte er selbst kein Auge
mehr im Kopfe.
Das ist ein wunderbar Ding, sprachen
der Wolf und der Bär, und alle Drei
gaben sich die Pfoten und versprachen sich
nochmals, nichts von den Geheimnissen
zu verrathen, und dann gingen sie aus
einander.
Hans ghattc sich aber Alles wohl ge
merkt und er reichte alsbald nach den
Blättern und wusch sich die Augen mit
dem Thau, und zur Stunde sah er wie
der so klar wie vorher. Dann stieg er
still nieder und eilte der Landstraße zu,
und daraus. ging er immer weiter und
weiter, bis er an die Stadt London kam.
Da ging er auf den Markt und zn der
Herberge, wo die Rathsherren jeden Mor
gen ein Gläschen Branntwein tranken,
und bat allda die Frau Wirthin um ein
Glas Waffer. Weg, du unverschämter
Kerl! schrie die Wirthin welche glaubte,
Hans hätte ihrer spotten wollen wie
kannst du dich unterstehen, ein Glas Was
ser zn fordern, da du noch nicht einmal
Geld haben magst für ein Glas Wein.
Ist das Wasser hier so rar? fragte
Hans das ist die Schuld eurer Raths
Herr», die könnten euch dessen wohlschaffen,
wenn sie nur wollten.
Das hörten die Rathsherrn nicht so
bald, als einer derselben aufsprang, Hans
beim Kragen faßte und rief: Das sollst
du mir beweisen, du Schurk wenn das
Volk das hörte, es hing uns alle an den
Galgen.
Darob lächelte Hans und sprach: Ja,
es ist eure Schuld denn es springt ein
Quell in der Stadt, der so reichlich
Wasser gibt als einer in der Welt. Gebt
mir nur zehntausend Thaler, dann will
ich euch denselben zeigen.
Der Rathsherr rief die anderen Raths-'
Herrn zu sich und sie versprachen dem Hans
die zehntausend Thaler. Aber Hans sagte:
Erst muß ich das Geld in der Tasche haben.
Da gaben sie ihm das Geld und er ging
mit ihnen auf den Markt und ließ den
Stein aufheben und da sprang so viel
Wasser heraus, daß man auf dein Markte
mit Nachen fahren konnte. -Nun war
Hans ein reicher Mann und er ging zu
einem Schneider und ließ sich da einen
neuen Anzug machen, gerade so toi» ihn
die Doctoren tragen. Als der fertig war,
ging er zum König und sagte, er wolle
seine Tochter curiren, und der König ver
sprach ihm seine Tochter zur Frau, wenn
er sie gesund mache. Darauf ließ sich
Hans zu der Prinzessin führen und fühlte
ihr den Puls und schüttelte den Ko^s da
zn. Die Krankheit ist übernatürlich,
sprach er, aber ich will sie doch vertreiben.
Darauf fragte er, wo die Prinzessin zum
ersten Male zur Commnmon gegangen
sei, und als man ihm das gesagt, hustete
Hans und sagte: Hm, hm bringt mir
doch die Prinzessin nach in die Kirche
und setzt sie an die Eommnnionbank. Und
als das geschehen war, fragte er sie, wo
hin sie das Goldstück geworfen, und er
ließ den Opferstock wegräumen und holte
das Goldstück aus einer Ritze und gab es
der Königstochter, und alsbald war sie
gesund. Der König aber war außer sich
vor Freude und Hans bekam die Prinzes
sin zur Frau und fuhr mit ihr alle Tage
spazieren. Da traf es sich eines Tages,
daß sie durch ein Dorf fuhren. Hier hörte
er von weitem einen Scheerenschleifer, der
rief: Scherenschleif! Scherenschleif! uud
die Stimme kam Hans ganz bekannt vor.
Als er schärfer hinfah, richtig da war es
Peter, der Schustergesell, der ihn so
schändlich verratheu. Hans aber hatte
ein gutes Herz und rief den Peter zu sich
und sagte:* Heda, Peter, wo kommst du
her? Als Peter sich verwundert umdrehte
und 'den großen Herrn im Wagen sah,
nahm er seine Mütze ab und sprach demü
thig Ach Herr, wie komme ich zu der gro
ßen Ehre, daß Ihr mich kennt? He, Narr,
ich bin Hans sprach der gute Hans, und
habe mir großes Glück geholt auf dem
Baume, gleich bei der Landstraße, wo du
mir die Augen ausgestochen hast. Und
dabei lachte Hans so recht herzlich und
schenkte Petent noch eine Börse voll Du
katen und fuhr weiter. Peter aber sprach
bei sich: Ei, wenn der dumme Hans sich
auf dem Baume sein Glück geholt hat,
dann kann ich es auch", und er ging hin,
und als er bald müde, setzte er sich auf den
Baum. Es dauerte nicht lange, da kanten
Bär, Fuchs und Wolf auch zu dem Baume
und ein jeder schimpfte auf's beste, daß
das Geheintmß verrathen. Das hast
du gethan, Rothhose, sprach der Wolf
aber der Bär nahm des Fuchses Partei
und sprach Nein, der ist zu klug dazu
aber du Wolf hast es sonder Zweifel ge
than, du bist so ein dummer Kerl. Ja, ja,
fiel der Fuchs ein, es ist nicht anders mög
lich, der Wolf hat es gethan und er muß
Hüngen darum. Ich hängen? schrie, der
Wolf ich sage noch einmal daß ich es
nicht gewesen bin, und hat der Fuchs es
uicht verrathen, dann hast du es gethan,
Bär. Was sagst du da? rief der Bär)'
und brummte einmal tüchtig Fuchs, wo
ist ein Seil, marsch an den Baum mit
dem Verräther. Der Fuchs hatte schnell
ein Seil bei der Hand und sie zogen den
Wolf dann aus den Baum. Wie der
aber oben zwischen den Zweigen stak, sah
er den falschen Peter sitzen und rief: Ach,
wie ist das Unrecht so groß auf dieser
Welt! Da sitzt der Verräther aus dem
Baume! Als Fuchs uud Bär das hör
ten ließen sie den armen Wolf schnell
nieder und holten den bösen Peter he run
tcr. Der Vertheidigte sich zwar auf's
beste und sprach immer: Hans hätte es
gethan und sie sollten sich erst überzeugen
aber die Drei waren einmal wild und
hörten nicht ans ihn und rissen ihn in
Stücke und fraßen ihn auf bis zum letzten
Knöchelchen.
Welche Gelehrte werden am unhöf
lichsten behandelt? Die A e z't e, denn
man sireckt gegen sie die Zunge heraus.
u s s i s e S
In welchen Abgrund von Thorheit und
Aberglauben auch ein christliches Volk
mit der Zeit geräth, wenn es den leben
digen Zusammenhang mit der von Chri
stus eingesetzten Kirchengewalt verliert,
dazu liefert der religiöse Zustand Ruß
lauds eittett traurigen Beleg. Für jetzt
wollen wir die Aufmerksamkeit unserer
Leser nur auf die sogenannten „Ketzer"
hinlenken. Nach dem neuesten Staats
almanach beträgt ihreZahl imeuropäischen
Rußland 926,631 und in Sibirien 166,^
985, während die Zahl der Orthodoxen
in Enropa auf 53,169,179 und in Asien
aus 4,936,917 angegeben ist. Diese
Zahlenangaben sind aber bekanntlich ganz
unzutreffend. Der Engländer Hepworth
Dixon, welcher die religiösen Behältnisse
eingehend untersucht hat, spricht seine
Ueberzeugung dahin aus, daß die söge
nannten „Ketzer" das eigentliche wahre
russische Volk' sind, während die Ortho
doxen nur eine Secte bilden, zu welcher
die Edellente und Geistlichen gehören.
Den eigentlichen Stamm der Ketzer bilden
die a s k o n i k s d. h. die Altgläubi
gen sie datiren aus der Mitte des sieb
zehnten Jahrhunderts und stammen ans
dem Widerspruch her, den die damals ein
geführte „orthodoxe Staatskirche" überall
im Volke wach rief. Das Festhängen
am Alten ist bei ihnen in krankhafter
Weise ausgeartet sie essen keine Kartoffel,
nehmen keinen Zucker zum Thee, wollen
nichts wissen vonGas,Eisenbahnen u.f.lv.,
weil das Alles Neuerungen sind dabei
sind sie dem regierenden Hanse ebenso
femlich gesinnt, wie der Staatskirche.
Aus diesen Altgläubigen hat sich uim
ein Schwärm der sonderbarsten Secten
gebildet. Ausführlicheres berichtet dar
über Philareth, Erzbischof von Tscherni
gow, in der „Geschichte der Kirche Ruß
lands" worauf sich auch die Zeitschrift
„Globus" Nr.* 6 bezieht. Hier müssen
wir uns auf einige wenige Mittheilungen
beschränken.
Die y st i oder u ck e s ri n
er stammen ans den Zeiten Peters des
Großen. Sie regen sich durch Tanzen
und Springen auf, schlenkern mit den
Armen, „wie es'die Engel mit den Flügeln
thun", manchmal schlagen sie sich gegen
seitig mit den Stöcken, toben sich so lange
in Raserei hinein, bis sie sich von „gött
Itcher Begeisterung" ergriffen fühlen, dann
gelten sie als Propheten sie feiern scheuß
liche Orgien die Sacramente verwerfen
sie. Diese Secte ist in eine Anzahl von
Unter- und Nebenseeten zerfallen, unter
denen die o s k o w'fche Secte sich durch
Fanatismus hervorthat. Die Bekenner
derselben mußten die Bewegung eines
Schiffes nachahmen und soviel als mög-
lich sich im Kreise bewegen.
Die S k o z e n oder Selbstverstümm
ler sind eher im Zu- als Abnehmen be
griffen. Vor etwa 100 Jahren gaben
zwei Bauern den Anstoß zur Bildung die
ser Secte, Die abscheulichen Ausschwei
fungen der Chlysti waren ihnen ein
Gräuel um sich gegen jede Versuchung
sicher zu stellen, verstümmelten sie sich und
beriefen sich dabei auf Bibelverse als
Erkennungszeichen trugen sie früher auf
dem rechten Knie ein Stück rotheu Tuches.
Christus ist ihrer Ansicht gemäß bereits
wiedergekommen unter der Gestalt des
Czaren Peters des Dritten, er hält sich
aber noch verborgen, bis der geeignete
Zeitpunkt zum Gericht gekommen ist
dann beginnt das Reich der Skopzen.
Bei den Geisteskämpsern Ducho
o z e n, kommt Alles auf innere Voll
kammenheit des Geistes an. Christus war
ein bloßer Meusch nttch dem Tode wan
dern die Seelen guter Menschen in an
dere Menschen, die Seelen der Bösen da
gegen wandern in Thiere über. Alle
Menschen sind gleich, eine Autorität gibt
es nicht, eine Priesterschaft ist unnütz zur

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