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Ohio. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1873-1874, November 27, 1873, Image 3

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Kirche gehören auch Juden, Mohamme
daner, Heiden Eid und Krieg sind Ver
brechen.'
Von den Duchoborzen sind die Molo
k a n e n ausgegangen. Ihr Stifter war
Simeon Ufleht, ein Dorfschtteider, wel
cher mit großem Erfolge predigte: die von
Christus gestiftete Kirche habe nur bis
zum vierten Jahrhundert unserer Zeit
rech mm bestanden, seitdem sei sie durch
menschliche Zuthaten entartet, der wahre
Christ dürfe nur die Bibel anerkennen,
die Sacramente seien überflüssig. Die
Molokanen haben eine Wuth gegen die
Heiligenbilder wo es irgend augeht,
stechen sie denselben mit Nadeln die Augen
aus. Schweinefleisch darf nicht gegessen
werden,weil das dieheiligeSchriftverbietet.
Die S e lb st u e r, vom Bauern
Roman gestiftet, verfertigen ein korbar
tiges Geflecht, dieses muß mit Pech und
Lehm bestrichen und mit Regenwasser an
gefüllt werden dann legen sie sich hin
eiu das gilt ihnen als die vollkommenste
Taufe.
Die Theodosianer haltet die Ehe
für ein Verbrechen und meiden deßhalb
auch allen Verkehr mit Verheirateten.
Manche derselben halten den Kindermord
für erlaubt, andere Untersecten wandten
sich der Vielweiberei zu.
Die Philipps brüder schaft
preist den Selbstmord als eine tilgend
haste That. Ihr Stifter, ein entlaufener
Soldat, hat sich nebst einer Anzahl Glau
bigen den Flammentod gegeben. Sie
überreden einander, durch anhaltendes
Fasten dem Leben ein Ende zu machen.
Die e e s ch a t, von
dem Viehhüter Demissow gestiftet, hält
den Kaiser für den Antichristen, weßhalb
Niemand Geld oder eineu Paß bei sich
führt, da sich ein kaiserliches Abzeichen
daraus befindet. Der Haß gegen Nene-
rungcn geht soweit, daß sie uicht einmal
über Steinpflaster gehen.
Die e s ch a e u n d
aufsperrer strebt uach der höchsten
Heiligkeit wenn sie am Gründonnerstag
zum Gebet sich versammeln, stehen sie mit
weit geöffnetem Munde da, und warten
darauf, daß die Eugel ihnen das Abend
mahl reichen werden.
Und jetzt haben wir nur einige wenige
der zahlreichen alten russischen Secten
angedeutet gerade unter den Bauern
zeigte sich eine wahre Wuth, neue Reli
gionen zu stiften.
Zu-diesen altern Secten sind im Ver
lauf der Zeit unzählige andere gekommen
so z. B. entstanden in dem einen Jahre
1868 zwei bedeutende neue Gesellschaften,
die k e i
u e n i st e n und die a
111 a
Ii ft e n mit jedem Tage tritt mehr
jund mehr der Entwicklungsreichthum eines
Cadavers hervor. Wir haben hier die
Bestätigung der alten Thatsache, daß
wahres christliches Leben nur in der
Lebensgemeinschaft mit der so vielge
schmähtön sichtbaren Kirche zu finden ist,
mag man die abgerissenen Zweige auch
in das Wasser der Staatsunterstützung
setzen, mag man die abgestorbenen Glieder
einbalsamiren: das Leben kehrt darum
nicht zurück. Nur noch ein Wort. Ein
sehr verständiger Pope, mit welchem Hep
worth Dixon über den Gegenstand sich
unterhielt, äußerte, daß das Sectenwesen
Am so mehr um sich wuchere, je mehr der
Schulunterriche sich verbreite. „Ich kenne
keinen Vauer, der nicht sofort für sich sel
her denken will, sobald er lesen und
schreiben gelernt hat dann wird er sehr
bald ein Ketzer." „Bildung" ist also an
und für sich.kein Mittel gegen Abfall und
Auflösung pon ihr gilt das Wort
Göthe's: Alles, was unfern Geist befreit,
o n e u n s i e e s a e u n s
s e st zu geben, ist verderblich.
Menschen muß man nach ihren
Wünschen beurtheilen.
Indianer, Katholiken und
Puritaner.
(Aus der Illinois Staatszeitung.)
Nach der jetzigen Quäkerpolitik wird
die Controlle über die verschiedenen In
dianeragenturen unter den verschiedenen
christlichen Religionssecten vertheilt. Die
Aufsicht über die eine Agentur wird einem
Vertreter oder Vertrauensmann der
Methodisten, die Aufsicht über eine andere
einem Wiedertäufer, die Aufsicht über eine
dritte einem Presbyterianer übertragen
und so sort.
Wir wollen hier nicht untersuchen, ob
dies Verfahren ein wohlthütiges ist. Aber
da es einmal befolgt wird, so sollte es auch
gerecht und unparteiisch befolgt werden
man füllte nicht eine Religionsseete zum
Vortheil einer anderen zurücksetzen.
Nun werden aber gegenwärtig in der
spezifisch katholischen Presse der Ver.
Staaten bittere Klagen darüber geführt,
daß die katholische Kirche betreffs der In
dianernngelegenheiten auf's gehässigste
zurückgesetzt werde. Die meisten dieser
Blätter schreiben die Zurücksetzung nicht
etwa einem Uebelwollen des Präsidenten
oder des Chefs des Jndianerdepartements
zu, sondern nehmen (wohl mit Recht) an,
daß hauptsächlich der durch die sogenannte
Quäkerpylitik gestärkte Einfluß protestan
tischer Fanatiker an demselben schuld sei.
Am meisten empört sind katholische
Blatter darüber, daß nicht wenige alte
katholische Jndianermissionen mit Hun
derten von katholischen Indianern, welche
durch den Eifer uud die Beharrlichkeit
katholischer Missionäre zum Christenthum
bekehrt und civilisirt wurden, protestan
tischen Secten übergeben worden seien.
Und vom Stillen Meer her kommt die
Klage, daß die älteste der dortigen katho
tischen Indianer-Missionen, die von St.
James in Vancouver im Territorium
Washington sogar ihres Besitztitels auf
das vom Gesetz ihr garautirte Land be
raubt sei.
Kurz die Katholiken klagen, daß sie
nicht nur bei Vertheilung der Controlle
über die Jndiancragenturen unter den
verschiedenen Secten zu kurz kommen,
sondern daß man ihnen selbst ihre alten
Jndianermissionen entreiße, um die Auf
ficht über dieselben den Vertretern prote
stantischer Secten zu übertragen.
Weiter klagen die Katholiken darüber,
daß selbst iit den wenigen ihnen geblie
benen Jndianeragenturen Nichtkatholiken
oder gar Feinde der Katholiken als Agen
ten angestellt werden statt des von dem
katholischen Bischof vorgeschlagenen
Mannes werde häusig mit einer solchen
Stelle ein Politiker betraut, dessen einzi
ges Verdienst in Parteidiensten bestehe
man mache den katholischen Bischof ver
antwortlich für das Wohlbefinden und
den moralischen und den religiösen Fort
schritt der seiner Obhut übergebenen In
dianer, aber er habe nicht das Recht,
einen katholischen Agenten zu ernennen.
Und da, wo wirklich katholische Agenten
angestellt seien komme es uicht selten
vor, daß ein solcher Agent durch die oder
jene unabweisliche Rücksicht gcnöthigt
werde, als Unterbeamle Leute anzustellen,
welche nicht nur keine Katholiken sind,
sondern auch durch ihren Lebenswandel
den Indianern, unter denen sie wohnen,
großes Aergerniß geben, ohne daß die
Geistlichen ein Mittel dagegen haben.
Nun verträgt es sich schwerlich mit dem
Geiste der Verfassung, wenn kirchliche
Würdenträger Bundes- Beamte und
das sind ja denn doch die Jndianeragen
ten ernennen. Aber da die Regierung
in vielen Fällen die Vertreter oder Häup
ter protestantischer Secten ein solches Recht
ausüben ließ, so nimmt es sich allerdings
sehr schlecht aus, wenn sie, zumal in katho
lischen Jndianermissionen, der katholischen
Hierarchie einNechtnichtgönnt,dassienicht
kathol. Sekten mit Vergnügen einräumt.
Besonders empört sind die katholischen
Blätter darüber, daß puritanische Fana
tiker, denen die Controlle über katholische
Indianer übertragen ist, nicht nur diese
der Kirche untreu zu machen suchen, son
dern in ihren Berichten das frühere Wir
ken katholischer Missionäre unter diesen
Indianern als ganz verderblich schildern.
Die katholischen Blätter stellen Giesen
boshaften Berichten die amtlichen Zeug
nisie gegenüber, die erst vor wenigen
Jahren, als die betreffenden Indianer
noch unter dem Einfluß katholischer Mis
sioneit standen, von protestantischen „Su
perintendenten" der Jndianerangelegen
heiten gerade diesen Indianer ausgestellt
worden sind. Wirklich rühmen solche un
parteiische Zeugnisse nicht nur die Geduld,
den Eifer und das Geschick katholischer
Missionäre in der Bekehrung und Civili
fining der Indianer, sondern sie erkennen
auch an, daß die unter dem Einfluß solcher
Missionäre stehenden Indianer im Allge
meinen fleißig, ehrlich, gehorsam und
ordnungsliebend sind.
Wenn also puritanische Fanatiker,
denen in den letzten Jahren die Aufsicht
über solche katholischeJndianer übertragen
wurde, diese jetzt als gänzlich verwahrlost
hinstellen, so konnte man hieraus ange
sichts bei eben eicirten amtlichen Zeugnisse
den Schluß ziehen, daß die Verwahrlosung
erst unter der Aussicht' der Puritaner
entstand.
Kein Unparteiischer wird leugnen, daß
katholische Jndianermissionäre bis in die
neueste Zeit hinein Großes unter den In
dianern geleistet haben. Man denke z. B.
nur an den vor einigen Monaten in St.
Louis gestorb.edlen Jesuitenpater deSmet.
So lange die s. g. Quäkerpolitik fort
dauert, ist es jedenfalls Pflicht der Re
gierung, dafür zu sorgen, daß diese Polt
tu kein puritanisches Monopol wird oder
bleibt.
«8»
Die Freimaurer.
LangeZeit ist es zwischen den Religiös
Gesinnten und Religionslosen in Europa
streitig gewesen, wer eigentlich die Con
flikte derletzten zweiJahre veranlaßt habe.
Jetzt, gibt das in Worms erscheinende
Organ der Freimaurer, der „Rheinische
Herold" darüber unter dem 25steit Okto
ber die folgende ausführliche Auskunft
„Unsere Absicht ist —so heißt es da—in
wenigen Worten auf das Weltgericht hin
zudeuten, das sich an den schwarzen Co
Ionen, den willenlosen Werkzeugen eines
auf mittelalterlichen Grundlagen organi
sirten religiösen Instituts jenseits der
Berge, jetzt vollzieht das Weltgericht,
welchem der Geist der Freimaurerei als
Richter gesessen hat. Sie waren nicht im
Jrrthuni, die Vasallen der Nacht, als sie
nach der Rückkehr unserers Kaisers aus
dem siegreichen Kriege und der Eröffnung
des ersten deutschen Reichstages bange,
wie die Raben krächzend ihr Nest um
flatternd,der Zukunft entgegen sahen. Sie
haben ihren Feind richtig erkannt, als
sie in ihren Blättern die Freimaurerei
und ihre Jünger zu schmähen begannen
.. Wir glauben mit Recht behaupten
zu können, daß es der Geist der Freimau
rer ist, der dem Weltgericht, das über
denUltramontanismus ergeht, durch den
ewigen denkwürdigen Brief unseres Kai
sers an den Papst seinen Urteilsspruch
gefällt hat. Die Ideen Kaiser Wihelm's,
der bekanntlich demFreimaurerbunde an
gehört, sind nicht neue, nicht erst von sei
nen jetztigen Rüthen ihm eingeflößt, wie
die Feinde desReiches so gern behaupten.
Er hat sie schon als noch rüstiger Mann
dem Bunde gegenüber ausgesprochen in
einer Zeit, da die Welt noch anders von
ihm dachte. Aber er hat damals Fürsten
und Mannesworte gesprochen und hat sie
gehalten denn heute vollzieht sie der
Kaiser, das wird noch nach Jahrtausen
den die Geschichte bezeugen,"
Eltern und Kinder.
Der Ernst und die Milde des VaterS
vermögen über die Kinder sehr viel,
und ihr Schicksal bestimmt sich' nicht
selten durch die Freundlichkeit, Würde
und Klugheit, die er in seinem Beneh
men gegen sie beobachtet.Nicht stürmische
Leidenschaften, nicht hastige Affecte bes
sern die Kinder, sondern Festigkeit deS
Charakters, Ruhedes Gemüthes und Be
sonnenheit des Verstandes. Wer sich so
viel als möglich immer gleich bleibt und
die Vorschriften unserer heiligen ka
tholischen Religion selbst erfüllt und
sich in seinem Thun und Lasten von der
Religion und den Forderung der Ver
it im ft unwandelbar leiten läßt der
gründet seiner Kinder Glück er macht
sie zu praktischen Katholiken, d. h. zu
frommen und sittlich guten Menschen.
Allein einen ganz verzüglichen Ein
fluß» besonders auf die Söhne haben
die Mütter. Sind sie fromm, freundlich,
edeldenkend, pflichteifrig, sittlich gut und
Wohlgemuth, so nehmen die Söhne viele
4)on diesen Tugenden in früher Jugend
an, und übensie durch ihre ganzeLebens
zeit. Die Mütter veredeln durch ihre
Milde und Güte das Herz ihrer Söhne,
pflanzen religiöse Grundsätze in dasselbe
und flößen ihnen den Entschluß ein, im
mer gut und redlich zu handeln. Die
Mütter mögen nie vergessen, wie
viel ihr frommer Lebenswandel,* ihr
Fleiß, ihre Ordnungsliebe, ihre Reinheit
und Sparsamkeit bei ihren Kindern, ver
züglich den Söhnen, Gutes stiftet denn
der Sohn hängt mehr an der Mutter
als am Vater ihre milde Art spricht
mehr zu seinem raschen Sinne und be
zwingt die Leidenschaften, die ihn ins
Leben hinausstoßen ihr Rath, ihr Trost,
ihrcWarnung senkt sich tief in sein Herz,
und er bewahrt getreulich darin, was sie
zu seinem Wohle sagt und thut.
Die Zuvorkommenheit des Nestaura
tenrs auf dem Bahnhofe zu K ö s e n sucht
in der That ihres Gleichen. Sie liefert
als Umschlagpapier für jedes Butterbrod,
das der Reisende in aller Eile mitnimmt,
wenn wir dem Korrespondenten der
„Magd. Ztg." glauben können, eine Actio,
auf welche in Wirklichkeit 100 Thaler voll
gezahlt sind. Es sind dies Actieu der
Dortmunder Bergbau- und Hüttenbau
Gesellschaft ausgefertigt nnter'm 17. Nov.
1855, auf Grund des Gesetzes vom 9.Nov.
1843, wie dies in der auf der Hinterseite
abgedruckten Concessions- Urkunde vom
4. April 1856 vermerkt ist. Wahre
Prachtexemplare, die Actie, und von dem
glänzendsten Papier. Ein einziger, und
zwar höchst unvorsichtiger Privatmann
hat sein durch Rastlosen Fleiß erworbenes
Vermögen von 25,000 Thaler zum An
kaufe dieses Papirees verwandt. Eine
Actie, seiner Zeit mit 100 Thlr. bezahlt,
und die ganze Coupon-Serie dazu als
Beilage zu einem Butterbrode: mehr läßt
sich kaum verlangen.
E i n a u e a e i n e a n k
von,Glasgow Application, um eine An
weyung, zahlbar nach 3 Monaten uud
17 Tagen, discontirt zu erhalten. Der
Präsident s agte ihm, daß die Bank nur
für 3 Mouate discontirte. Worauf der
Bauer ganz ruhig erwiederte: „Aber die
Tage sind jetzt sehr kurz, und Sie können
wohl die 17 Tage eingehen lassen."
-M
Aus Bern. Nach einer von der Regie
rung erlassenen Verfügung sollen auch
die Pfarreivicare welche mit den 69 Geist
lichen des Berner Jura gegen die Beschlüsse
der Regierung in derAngelegenheit desBi
'schofs Lachat protestirt haben, die betreff.
Pfarrhäuser zu Ende dieses Ms.verlaffen.

Die Ohio. 3.

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