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Ohio. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1873-1874, December 11, 1873, Image 1

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Herausgegeben zum Besten eine« Waisenhause»
für die Diözese Columbus, O.
Die Ohio erscheint jeden Donnerstag.
Preis für ein Jahr $1.50.
Jahr
Wochenschau.
(Inland.)
N e w -Y o k 7 e z E i n e Z i e r
Depesche von Madrid sagt, daß die cu*
dänische Frage wieder eine ernste gewor
ben sei, denn der Ver. Staaten Gesandte
Sickles habe heute seine Resignation ein
gereicht, weil er in Bezug auf die Ver
Wicklungen mit Spanien mit der Regie
rung nicht übereinstimme. Diese Mei
nungsverschiedenheit datirt schon seit län
gerer Zeit und es verlautet, daß Sekretär
Fish in den nculichen Unterhandlungen
mit dem Präsidenten Castelar Sickles
gänzlich ignorirt und seinen besehlerischen
Ton mißbilligt habe. Die „Correspon
dencia" bemerkt zu dem Obigen, daß sie
schon früher nicht miteinander übereinge
stimmt haben, und daß es bei Gelegen
heit der Korrespondenz bezüglich der Aus
lieferung Bidwells von Havana und der
Houard-Angelegenheit beinahe zu einem
Bruch gekommen wäre, weil Fish den
Gesandten Sickles ignorirte und direkt
mit dem spanischen Minister der aus
wärtigen Angelegenheiten unterhandelte.
In diplomatischen Kreisen erzählt man
sich, daß der britische Gesandte die Schlich
tung der Angelegenheit vermittelt habe,
doch nun schlage Herr Fish weitere Con
eessionen vor und Sickles resignirt. Die
cubanischen Behörden verlangen, daß der
Dampfer „Virginius" in einem spanischen
Hafen oder in einem Hafen von Porto
Rico" ausgeliefert werde, wie es ier Colo
nial Minister bestimmt, und dort die Ent
scheidung des Schiedsrichters abwarten.
Die Opposition gegen Castelar wird
wahrscheinlich zu einer Kabinetskrisis
führen.
Die gesammte spanische Presse rümpft
die Nase über den Ton der Botschaft des
Präsidenten Grant und bezeichnet seine
Aeußerung als eine impertinente Einmi
schnngln die cubanischen Angelegenheiten
welche ihn durchaus nichts angehen.
Die Cabinetskrisis hat ihren Grund
darin, daß Castelar beschuldigt wird, den
Kuppler in Diensten der Ver. Staaten
zuspielen.
W a s i n o n 7 e z a s o
tokoll welches am 29. v. M. von Admiral
Polo und Secretär Fish unterzeichnet
wurde, erhielt nach reiflicher Ueberlegung
aller Folgen, die vollständige Genehmi
gung der spanischen Regierung und seit
kern hat dieselbe nicht die geringste Nei
gung zu erkennen gegeben, eine Aenderung
der Bedingungen desselben zu erlangen.
Die Aufregung auf der Insel Cuba und
die angeblichen Drohungen in Bezug auf
den „Virginius" haben vielen Personen
vernünftigen Grund zu der Befürchtung
gegeben, daß daS Schiff und die noch
lebenden Passagiere und Mannschaften
desselben nicht pünktlich in Uebereinstim
mung mit den Bedingungen desVertrages
an die Behörden der Ver. Staaten aus
geliefert werden würden. Jedoch solche
Befürchtungen wurden von unserer Re
gierung nicht getheilt, denn man kann
mit Bestimmtheit behaupten, daß ihr Ver-
!trauen in die Aufrichtigkeit der spanischen
Regierung ober die Fähigkeit derselben,
ihren Verpflichtungen nachzukommen,
durch nichts verringert wurde. Der Ver
zug in der Ausführung war unvermeidlich
und man ist erst vor Kurzem mit den
Anordnugen zur Vollziehung der Bedin
gungen zu Ende gekommen.
o u u s 7 e z E i n e
junge Tochter von John Matthews ver
brühte sich gestern dermaßen mitsiedendem
Schmalz, dap sie heute starb.
V e e u n e s i s e n
SamstagsausSonntag. Die
jüdische Resormgemeinde „Sinai" in
Chicago hat einstimmig beschlossen, den
jüdischen Sabbath auf Sonntag zu ver
legen um den Samstag ungetheilt dem
Geschäft und der Arbeit zu widmen. Der
wöchentliche Ruhetag ist von Moses ein
gesetzt worden und das sich selbst regie
rende jüdische Volk erlaubt 'sich z. B. in
Berlin und jetzt auch in Chicago, Sonn
tag mit seinen Landsleuten gemeinsam
zu feiern, statt Samstag ^nd Sonntag,
zwei Tage von sieben, zu feiern und nichts
zu verdienen. Für das jüdische Handels
Volk ist es zu kostspielig in der Christen
heit, am Samstag den Handel und Wan
del, die Arbeit und das Gewerbe einzu
stellen. Am Samstag werden die Syna
zogen eigentlich nur vom weiblichen Ge
schlecht besucht, die Männer sind fast
sämmtlich im Geschäft, an der Arbeit oder
beim Hausiren.
N e w -P o k 6 e z a s s a n i s e
Kriegsschiff „Aripiles" wird noch im Dry
dock des Schiffsbauhofes zurückgehalten,
da die Schleusen außer Ordnung sind.
Wie die Aussichten jetzt sind, wird er noch
ferner Verzug erleiden.
W a s i n o n s e z E s u n e r
liegt jetzt keinem Zweifel mehr, daß man
entschiedene Anstrengungen machen wird,
das Frankaturprivilegium wieder herzu
stellen, und die gegenwärtigen Aussichten
sind dem Erfolge auch günstig. Viele
prominente Republikaner sagen, sie wür
den nicht für die Aufhebung des Gehalts
erhöhuugsgesetzes stimmen, wenn sie nicht
dasFrankaturprivilegium wieder ergalten.
N e w- A o k, 7. Dez. Ein Spezial
Telegramm des „Herald" meldet von
Havana, daß das Ver. Staaten Konsulat
in aller Stille von den spanischen Trup
Pen bewacht wird. Donnerstag Nachts
versuchte man, den Dampfer „Virginius"
in Brand zu stecken, weshalb man ein
Detachement regulärer Soldaten zu seiner
Bewachung an Bord gesandt hat.
W a s i n o n 8 e z U n s e e
Beziehungen zu Spanien werden in of
ficiellen Kreisen, als kritisch betrachtet,
heute thatsächlich mehr als zu irgend ei
ner Zeit seit der Fortnahme des „Virgi
nius." Castelar hat sein Verlangen
nach einer Modification der Bedingun
gen des Protokolls erneut, jedoch Fish
antwortete, daß dem nicht statt gegeben
werden könne, und daß seine Antwort in
Bezug auf diesen-Punkt endgiltig sei.
8. Dez. In officiellen Kreisen ist
man zurückhaltend in Bezug auf die vor
ausgesetzte oder tatsächliche Resignation
des Gesandten Sickles aus Ursache der
Unterzeichnung der Protokolls.
8. Dez. Der Marinesecretär ver
langte vom Kongreß drei Mill. Dollars
zur Instandsetzung der Flotte.
Wochenschau.
.(Ausland.)
e z w e i e i e e s a i ­antragte
st es. Der Berliner Correspondent der
demokratischen Frankfurter Ztg. schreibt:
Seit Wochen drängelt die ultramontane
Presse die Regierung, doch auch den neuen
Brief des Papstes an den deutschen Kaiser
zu veröffentlichen. Aber die Regierung
hat nicht den Muth dazu, hauptsächlich
deßhalb, weil der Papst, wie ich aus guter
Quelle erfahren, in seinem neuen Schrei
ben sehr unliebsame Dinge berührt hat,
die man nicht gern dem profanen Volk
mittheilt. Sr. Heiligkeit soll sich nämlich
diesmal nicht damit begnügt haben, alle
Getauften für sich in Anspruch zu nehmen,
sondern soll sehr weltliche Dinge, als da
sind Steuerdruck und Militarismus, der
das Lebensmark der modernen Völker
aussauge, besprochen haben. Spötter
sagen, der Reichskanzler bewahre den
Brief nur bis zum Beginne der Reichs
tagswahlen auf, dann werde er ihn dazu
benutzen, die Wahlen für die Regierung
günstig zu machen.
e s e n W o i n e o e s a n i s
mus, selbst in dem Lande, das sich rühmt,
seine Wiege zu sein, bereits gekommen ist,
davon gibt folgendes Geschichtchen neuer
dings Zeugniß. Bei dem letzten Lehrerin
nen-Examen hatte der Religions-Exami
nator, Seminar-Direktor Kokel, zum
schriftlichen Aufsatz das The^na gegeben:
„Es ist schön, rechtgläubig, noch besser ist
es, recht gläubig zu sein". Kaum war
die Kunde hiervon in's Publikum ge
drunge'n, als auch die Tagesblätter dar
über herfielen und dem Ministerium wie
dem Examinator Vorwürfe darüber mach
ten, daß ein Thema gestellt worden sei,
welches in seinem wahren Sinn übersetzt
so viel heiße: „Besser als orthodox, ist
recht orthodox." Man tadelt also gerade
zu als etwas Ungeheuerliches, wenn ein
Protestant das Grundprinzip des Prote
stantismus von der alleinigen Nothwen
digkeit des Glaubens zur Geltung bringen
will, und kann es nicht mehr hören, daß
der rechte Glaube als etwas Gutes und
Tugendhaftes angesehen werde. Was
that aber die betreffende Behörde darauf?
Wenige Tage nachher brachten die „Dres
dener Nachrichten" eine von competenter
Seite ihnen zugegangene Berichtigung,
worin nicht etwa die Nothwendigkeit des
Glaubens in Schutz genommen, sondern
im Gegentheil erklärt wurde, ein Mal,
daß das (Kultusministerium für dieses
Thema nicht verantwortlich gemacht wer
den könne, und sodann, daß der wahre
Sinn des in Frage stehenden Themas
nicht der angegebene sei, sondern daß es
vielmehr so viel heißen solle als: „Besser
als orthodox sein, ist recht fromm sein"
womit die „Dresdener Nachrichten"
und damit das große Publikum höchst zu
frieden waren. Gewiß ein frappanter
Beweis, wie tief die zersetzenden Tenden
zen des Protestantenvereins bereits in die
Volksschichten und die öffentliche Meinung
eingedrungen sind. Daß man in solchen
Verhältnissen reif für den „großen Cultur
kampf" des Fürsten Bismarck ist, bedarf
nicht erst der Versicherung.
TU" OHIO.
V e s a i e s, 6. Dez. Im Prozesse
gegen Bazaine schloß heute Herr Pourcet
mit seiner Rede für die Anklage und be
zuerst die Degradation und dann
die Hinrichtung von Bazaine.
o m, 7. Dez. Es heißt, daß in dem
Consistorium, welches am 22. d. M. ge
halten werden soll, 11 Cardinäle creirt,
und Nuncien für Madrid, Lissabon, Wien
und Paris ernannt werden sollen.
E i n e s e n k e o n o n e
Correspondent des „Scotsman" hört aus.
zuverlässiger Quelle, daß der bekannte
Brauerei-Besitzer Mathew d'Arcy, Paria
mentsmitglied für Wexford, dem Cardinal
Kütten 100,000 Pfund Sterling (650,000
Dollars) für die Erbauung einer neuen
katholischen Kathedrale in Dublin zur
Verfügung gestellt hat.
Die „Evening Post" meldet das
Einlausen bedeutenderZeichnungen seitens
des hohen Adels Großbritanniens zur Do
tirung der in Aussicht genommenen kath.
Universität, und sei deren Errichtung als
gesichert zu betrachten.
i e K a i s e o k e i e K V
Ztg." vom 14. Nov. berichtet: Wie wir
aus sichererQuette vernehmen, hat auch der
gestern vorgenommene Guß der Kaiser
glocke ein günstiges Resultat nichtgcliefcrt.
o n o n e z i e e a n n u n
des Schiffes „Loch Erne", welches den
Dampfer „Bitte de Havre" in den Grund
boherte, ist in Plymouth angekommen.
Die Leute wurden von dem Schiffe „Bri
tish Queen," welches sie am 29. v. M.
als der „Loch Erne" sich im sinkenden Zu
stände befand, aufnahm, in dem Hafen
gebracht. Nach den Berichten der Beman
nung des „Loch Erne" kamen der Capi
tän und der zweite Steuermann des
Dampfers kurz nach dem Zusammenstoße
an Bord des Segelschiffes und leisteten
bei der Rettung der Passagiere keinen
Beistand. Der größte Theil der sranzö
fischen Matrosen zeigte jämmerliche Feig
heit.
N a i o n a e i u n E i n e
Prügelei zwischen Knaben wie sie in
solcher Ausdehnung und Brutalität wohl
selten dagewesen ist, trug sich diesen Tage
in B.erlin in der Chausseestraße, zwischen
der Kessel- und Jnvalidenstraße, zu
Schüler der dortigen Privatschulen so wie
der 48. Gemeindeschule, sogar Gymna
siasten und Realschüler aus der Friedrich
straße bildeten die Kämpfer und fochten
wie die „Staatsb.-Ztg." berichtet, mit
eisenbeschlagenen Stöcken, mit Knuten
in welche Bleikugeln geknüft waren, sogar
mit Messern, so daß mehrfache nicht un
bedeutende Verletzungen vorkamen. Be
sonders schlecht kam ein Knabe weg der
dermaßen mit Stöcken über den Kopf ge
schlagen wurde, daß er, mit Blut über
strömt, weggschleppt werden mußte. Die
Schutzleute, welche dem Kampfe ein Ende
machen sollten, kamen wie immer zu
spät. V
e e v a n e i s e e k a n v
i ch ist vom Bezirksstrafgerichte Gießen
in eine Strafe von 10 Thalern verfällt,
weil er den in Butzbach erscheinenden
national- liberalen „Wetterauer Boten"
bei Gelegenheit einer Kirchenvisitation
ein Schandblatt genannt hatte.

Die Ohio.
Poineroy, K. den 11. De ember 1873
Published for the benefit of a»
Orphan Asylum
for the Diocese of COLUMBUS, 0«
Will be issued every^Thursday.
Price per year $1.50.

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