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Ohio. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1873-1874, January 15, 1874, Image 7

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tfccorbe, also auch die Gottheit ohne De
M'nitivn begreifen, da doch in dieser Rich
taug jede Definition zum Dogma wird
fb betrachtete man in den Zeiten der Ver
solgung die Religion tilts einem gqnz
anderen Gesichtspunkte, nämlich *l§. tine
göttliche Offenbarung, in der jedes
Wort ein Heiligthum ein unbegrenztes
Symbol war, dessen Theile mit einander
korrespondirten, von dem aber ebensowe
big eine Sylbe hiftinegschneiden durfte,
als einen Ton aus einer sanften Melo
die. Daher die Gebete der Gläubigen
und die Sorgfalt der Bischöfe, sobald
sich eine profane Hand an die heilige Ar
che wagte.
Außer den Anhängern der früheren
Sektierer, hatten der heilige Anicet ganz
besonders mit Montanus zu thun. Die
sc
1
trat 172 auf. Er war gebürtig aus
Ardaban in Mysien und um diese Zeit
Christ geworden. Er gab sich für einen
Propheten aus, gesellte sich zwei schwär
indische Frauen bei, die Prisca und
Waximilla die sich wie er rühmten
Eingebungen des heiligen Geistes zu ha
den yitb wohl wirklich daran glauben
mochten.
Während seines Pontificates ordinirte
Anicetus in fünf Weihungen 9 Bischöfe,
17 Priester und 4 Diakonen.
Nach allen Martyrologen erlangte er
die Palme des Sieges im Martyrium
unter dem Kaiser Marcus Aurelius und
wurde auf den Calixtinischen Kirchhof be
erdigt. Clemens VIII. erhob dort sei
nen Leichnam im Jahre 1604 und setzte
ilm den 18. Oktober in einer Kapelle des
Palastes Attemps, die zu diesem Zwecke
neu erbaüt worden, bei, bei welcher Ge
genheit Reliquien dieses Heiligen nach
Rom kamen.
e w ö e
Zur Gedächtnisübung für unsere jungt» Leser.
Abscindiren, (tat.) Abtrennen.
Abcission, (lot.) Abtrennung.
Absence, (fr.) Abwesenheit.
Absentia, (tat.) Abwesenheit. —Ab
solut, (lat.) unbedingt. Absolu
i
o n (lak.) Lossprechung. Abso
lut i 5 it s (lat.) unbeschränkte .Herr
schergewalt. Absolnti st, Freund
des Absolutismus. —-Absolutory
u in, (lat.) Lossprechungsurtheil. Ab
s olviren, (lat.) lossprechen.
Der hei!ige Bater und
Greußen.
Die kirchenfeindlichen Blätter beschäf
tigeu sich viel und einläßlicher, als es ih
nen rechtmäßiger Weise zukömmt, mit
der legten päpstlichen Encyclica und wol
Ten der Welt weiß machen, der greise
Papst habe Furcht vor dem gewaltigen
Deutschen Reich er bringe es nicht wei
ter, als bis zu kleinlichen Klagen. Das
wäre freilich etwas, was gewissen Leuten
eine unendliche Freude bereiten würde,
wenn es so wäre. Wir haben nicht nur
das materielle Papstthum besiegt, nicht
nur den Kirchenstaat, Rom die heilige
Stadt, genommen, nicht nur Rönnen
lind Mönche verjagt und ihre Güter ein
gesteckt nein, wir haben viel Größeres
geleistet, das e i st i e u n e i st i
chePapstthum haben wir vernichtet
was die alten Cäsaren nicht zu Stande
gebracht, was hunderte von Sekten nicht
vermocht, was selbst der großen Refor
»nation nichtgelungen,dasPapstthum auch
geistig zu tobten, wir haben es fertig ge
-Bracht!_ So würden sie schreien, wenn
der heilige Bater nicht die Sprache des
Helden, des Märtyrers spräche: „Furch*
tet nicht jene, die nur den Leib töbten
können sondern zittert vor Demjenigen
der Leib und Seele in die Hölle stürzen
kann Wenn er nicht selbst dem Kaiser
.ifr-llll lilillf in
kühn den Satz der heiligen Schrift zu
wiederholen wagte: „Man muß Gott
mehr gehorchen als den Renschen."
„Und dennoch sagt der heilige Va
ter in seiner Encyclica vom 21. Novem
ber— lehrt der Glaube und sagt die
menschliche Vernunft', daß eine doppelte
Ordnung der Dinge bestehr und daß
man zwei Gewalten auf Erden unter
scheiden muß dine natürliche, beauftragt
über die Ruh«* bet' ntenschlichen Gesell
schaft und über tue weltlichen Angelegen
heiten zu wachen, unb eine zweite, bereit
Ursprung über den Staaten steht, die
an der Spitze des Reiches Gottes, näm
lich der Kirche Jesu Christi steht, die
von Gott eingesetzt ist für den Frieden
der Seelen uitb ihr ewiges Heil. Nun
siub aber bie Obligenheiten biejier hop
pelten Gewalt sehr weise geregelt in ber
Art, daß man Gottes geben soll, was
Gottes ist, und dem Kaiser, was des
Kaisers ist. In der That wenn der
Kaiser groß ist, ist er doch kleiner als der
Himmel, denn der Kaiser hängt von dem
ab, von dem der Himmel und jedes Ge
schöpf abhängt! Nun hat sich die Kirche
gewiß nie von dieser göttlichen Vorschrift
entfernt, sie, die überall und immer sich
Mühe gibt, den Geist ihrer Gläubigen
mit der Unterwerfung zu erfüllen, die sie
ihren Fürsten und den weltlichen Rechten
gegenüber unverbrüchlich zu bewahren
wünscht. Immer hat die Kirche mit dem
Apostel gelehrt, daß die Fürsten da sind
nicht zum Schrecken derer, die das Böse
thun, und sie befiehlt, daß die Gläubigen
nicht gehorchen sollen aus Furcht vor
dem Zorn des Fürsten und weil derselbe
das Schwert trägt, um zu bestrafen, wer
Böses thut, sondern auch des Gewissens
halber, und weil in seinemAmte der Fürst
der Diener Gottes ist. Aber diese Furcht
vor dem Fürsten hat die Kirche nur em
pfohlen in Bezug auf böse Thaten und
schließt sie vollständig aus von Allem,
was den Gehorsam des göttlichen Geset
zes betrifft. Denn sie erinnert sich dessen
was der hl. Petrus den Gläubigen lehrt:
„Niemand aber unter euch leide als ein
Mörder ober Dieb ober Uebelthäter,
ober als einer ber fremdes Gut ver
langt. Leidet er aber als ein Christ, so
schäme er sich nicht, ehre aber Gott in
solchem Falle."
Dieses ist die Lehre der Kirche und
wer sie läuguet, der lehnt sich gegen die
christliche Weltordnung auf. Preußen,
welches auch auf anderen Gebieten des
öffentlichen Lebens die christli^h-germani
sche Cultur bekämpft, als tiuidicirte sich
die slavonisch-deutsche Mischlings-Race
aus der die Hohenzollern ihre Waffen
geschmiedet haben, den Berus eines neu
artigen Attila, tritt auch ber christlichen
Weltorbniuug auf bent kirchlichen Gebiete
mit einem, wie es scheint, wohlbewußteu
uitb consequenten Haß entgegen. Denn
die preußische Regierung begnügt sich
nicht mehr damit, der theologisch condi
sicirten Auflehnung gegen die Kirche, dem
Protestantismus und der königlich-preu
ßisch befohlenen Union seiner verschieden
artigen Sekten, den staatlichen Schutz zu
verleihendem er allein seine bisherigeExi
stenz verdankt, sondern sie hat in neue
st er Zeit, ohne irgend einen ersichtlichen
Anlaß, die Vernichtung des Katholizis
mus nicht nur innerhalb Preußens, son
dern auch innerhalb des ganzen deutschen
Reiches offenbar mit vollem Bewußtsein
als ihr Staatsprogramm angenommen.
Diesem Programme entsprechen jene
„härtesten und ungerechtesten" Gesetze,
wodurch die Erziehung und Bildung des
(Sl'erus in antikatholischem Sinne ange
strebt wird.' Die preußische Regierung
geht aber noch weiter unb verleiht der
Staatsgewalt das Recht, über die Ver
leihung der kirchlichen Aemter und Bene
ficien zu erkennen und zu urtheilen und
sogar die Seelsorger dieser Aemter und
Beneficien zu berauben. Um aber noch
schneller und vollständiger die kirchliche
Regierung und die Ordnung der hierar
chischen Untertänigkeit einzureißen, wel
che unser Herr Jesus Christus selbst sie
eingerichtet hat, stellen diese Gesetze mehr
fache Hindernisse dagegen auf, daß die
Bischöfe mit canonischen Gensuren und
Strafen, je nach Umständen für das
Heil der Seele oder die Reinheit des
Unterrichtes in den katholischen Schulen,
öder für den ihnen von den Geistlichen
geschuldeten Gehorsam sorgen. In Wahr
heit ist es kraft dieser Gesetze den Bischö
fen nicht erlaubt, anders diese ihrr Pflicht
zu erfüllen, als nach dem Gutdünken der
bürgerlichen Gewalt und in Gewißheit
der von eben derselben aufgestellten Re
geln. Damit endlich gar nichts an dieser
vollständigen Unterdrückung der katholi
scheu Kirche fehle, ist ein königlicher Ge
richtshof für kirchliche Dinge eingerichtet
worden, vor welchen die geheiligten Per
sonen ber Bischöfe und der Priester eben
so gut durch ihre Untergebenen, wie durch
die öffentlichen Magistrate gebracht wer
den können, so daß sie gleich Angeklagten
das Gericht über sich ergehen lassen müs
sen und daß sie in die Lage kommen kön
nett, Zwang zu erleiden in ber Ausübung
ihres geistlichen Amtes." Diese Gesetze
beabsichtigen, der Kirche bie Möglichkeit
der Existenz zu entziehen.
Während Preußen so den Vernich
tuttgSkampf gegen die Kirche erneuert,
welchen das römisch-heidnische Cäsaren
thum vor fast zweitausend Jahren ohne
Erfolg kämpfte, wird der katholischen Be
völkerung auch dieselbe Lage und das
gleiche Martyrium bereitet, wie damals.
„Es ist also nicht zu verwundern, daß in
diesem Reiche die frühere religiöse Ruhe
durch derartige Gesetze ebenso wie durch
bie übrigen Handlungen und Anschläge
der preußischen Regierung gegen die Kir
che schwer gestört ist. Denn wenn man
es den Katholike» als ein Verbrechen an
rechnen will, wenn sie sich dieses nicht
mit ruhigem Gewissen gefallen lassen
können, so muß man aus dem nämlichen
Grunde nnd auf dieselbe Art die Apostel
Jesu Christi und die Märtyrer anklagen,
die lieber die schlimmsten Martern und
selbst den Tod erduldeten als daß sie
ihre Pflichten verrathen und die Gesetze
ihrer heiligen Religion dnrch Gehorsam
gegen die gottlosen Befehle der die Kirche
verfolgenden Fürsten verletzt hätten. Ge
miß, ehrwürdige Brüder, wenn es keine
andere Gesetze gäbe, als diejenigen der
bürgerlichen Gewalt, und wenn diese Ge
setze einer höhern Ordnung angehörten,
so daß man sie anerkennen muß und es
untersagt wäre, sie zu verletzen, wenn
folgerichtig eben die^e bürgerlichen Gesetze
die höchste Regel des Gewissens bildeten
nach der abgeschntakten und gottlosen
Lehre einiger Leute, so wären die ersten
Märtyrer und Diejenigen, welche sie
nachgeahmt haben, eher Werth, getadelt,
als geehrt und gelobt zn werden dafür,
daß sie ihr Blut vergossen haben für den
Glauben Christi uud die Freiheit der
Kirche. Ja, noch mehr: es wäre gar
nicht gestattet gewesen, gegen die Gesetze
nnd den Fürsten zum Trotz die christliche
Religion zu verbreiten uud auszudehnen,
und mit einem Worte, die Kirche zu
gründen."
Wenn nun,aber die preußische Regie*
rung der Meinung sein sollte, daß der
Kirche heute ihre damalige Festigkeit,
Treue und Opserwilligkeit fehle, so wird
diese Annahme sowohl durch den uner
schütterlichen Muth des beraubten, in
quälender Gefangenschaft gehaltenen und
brutal verletzten Nachfolgers des heiligen
Petrus, als durch die neuerdings von
Ihm anerkannte und verherrlichte Hal
tung des. katholischen Clerus und Laien
standes in Preußen vollkommen wider
legt. Man wird vielleicht noch die Bi-
schüfe dem physischen Martyrium unter
werfen, nachdem man ihnen den über*
schäumenden Becher geistiger Leiden aus
zuleeren gegeben. Aber es fehlt schon
heute selbst in den Reihen der Kirchett
feinde keineswegs an Stimmen, welche
voraussagen, daß die katholische Festig
keit auch diese Prüfung siegreich bestehen
wird. WaS bleibt dann der preußischen
Regierung alsdann noch zu versuchen üb
tig Wodurch hofft sie zu erreichen, was
weder ein Diocletian, noch in geringerem
Umfang ein Barbarossa vermochte? Kai
ser Wilhelm I. kann Bischöfe einkerkern
nnd Hofbischöfe ernennen er kann mit
Hülfe seines Proconsuls Papst Pius IX.
auch aus dem Vatican vertreiben, ob
schon es ihm schwerlich gelingen wird,
einen Gegenpapst zu ernennen. Aber
was dann? Diese Frage, auf welche ei
uerseits der göttliche Schutz, dessen sich
die Kirche seit zweitausend Jahren erfreut
jrnd das Scheitern auch der mächtigsten
Staatskolosse im Kampfe gegen die Kir
che eine verständliche Antwort ertheilen
während die preußischen Staatsmänner
wahrscheinlich schon heute an einer ihnen
günstigen Lösung dieser Frage vergeblich
ihren Scharfsinn aufwenden muß allen
Anzeichen nach sehr bald zum Austrag
kommen. Sie wäre vielleicht schon ge
löst, wenn die Zustände in den übrigen
katholischen Staaten nicht theils in di
recter, theils in indirect« Weise den
preußischen Vernichtungskampf ermuthig
ten. Barbarossa bemühte sich vergebens,
Frankreich in seine kirchenstürmenden
Pläne zu verwickeln, und heute sehen wir
Frankreich aus der Seite des 61. Stuh
les. Aber Spanien ist politisch zerrüttet,
und in Italien herrscht bisher ausschließ
lich die ghibelliuische Politik. Oesterreich
wäre unter solchen Umständen berufen,
wiederum als versöhnendes Element in
dem Kampfe mit der Kirche aufzutreten,
eine Mission, welche vor 600 Jahren
Rudolph von Habsburg nach dem wohl
verdienten Untergange der Hohenstaufen
mit so großem Ruhm und Glück erfüllt
hat. Die gegenwärtig herrschende Par
tei in Oesterreich befolgt, schwerlich zum
Heile des Reiches und der Dynastie, die
entgegengesetzte Politik.
Indessen bedarf das Papstthum und
die Kirche weber Oesterreichs noch Spa
nieus, ber greife hl. Vater vertraut dem
jenigen, ber gesagt hat: „Du bist Petrus,
eilt Fels, uud auf diesem Felsen will Ich
Meine Kirche bauen, und die Pforten
der Hölle sollen sie nicht überwältigen."
Die Kirche hat schon gewaltigere Stürme
ausgehalten, als Klerus und Volk, hoher
und niederer Klerus nicht ein Herz und
eine Seele waren wie heute, zu Zeiten,
wo weniger mit den Wissenschaften ge
waffnete Streiter auf das Kampffei!) tra
ten. Darum wird die Kirche, zum gro
ßen Aerger ihrer Feinde, auch diesmal
siegreich aus dem Kampfe hervorgehen,
den die Kraft dessen ist mit ihr der bei
ihr zu bleiben versprach bis a
it's Ende
ber Welt. (N.Y.Presse.)
Confesionsloses Gebet.
Das Wiener Vaterland erhält nachste
hende Zuschrift
„Ait mehrere Lehrer hat der Herr
Bezirks-Schulinspektor die Anforde
rung gestellt, sie mögen mit den Schul
kindern (Bezirk Jägerndorf) confessi
onslose Gebete verrichten. Sind solche
irgendwo zu bekommen?"
Vielleicht ertheilt der Herr Kultusmi
nister Auskunft!
Deutsche Sprichwörter.
Adler fangen keine Fliegen.
Der Bär kann keinen Fuchs fangen.
Wie der Baum, so die Frucht.
Eine Blume macht keine« Kranz.

Die Ohio.

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