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Ohio. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1873-1874, January 22, 1874, Image 3

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Die "Reformation
i« England und Irland.
®em Protestanten William Cobbett
nacherzählt.
63) Ehe vier Jahre verflosien waren,
sah sich der König wieder so arm, als
hätte er nie ein einziges Kloster einge
zogen so heißhungrig waren die frommen
Reformatoren, und so begierig, „dem all
«tüchtigen Gott zu gefallen".. Als er sich
gegen Cromwell über die Unersättlichkeit
der Lehenswerber beklagte, sprach er:
„Bei der heiligen Jungfrau, nachdem die
Vielfraße den Braten verschluckt haben,
wollen sie auch noch die Schüssel tier*
schlingen". Cromwell erinnerte ihn dar
an, daß noch viel mehr zu haben sei. „Bei
meiner Seele," sagte der König, mein
ganzes Reich ist nicht genug, ihnen den
Wanst zu stopfen." Trotzdem machte er
bald den Versuch dazu durch den Raub
der größeren Klöster.
64) Man konnte gar keinen Vorwand
.auffinden, um das Eigenthum dieser grö
ßeren Klöster an sich zu reißen und des
halb bestürmte Cromwell und seine Ge
sellen die Obern jener Stifter sie droh
ten, versprachen logen und polterten.
Durch die niedrigsten Mittel erhielten sie
von einigen wenigen eine sogenannte
„freiwillige Uebergabe." Wo aber jene
blutgierigen und habsüchtigen Menschen
auf einen standhaften Widerspruch trafen,
nahmen sie ihre Zuflucht zu falschen An
klagen und bewirkten die Ermordung ihrer
Kegner unter dem Vorwand, sie hatten
Hochverrath begangen. Unter diesem
schändlichen Verwände wurde der Abt
lum Glastonbury gehängt, geviertheilt,
ihm der Bauch aufgeschlitzt, sein Körper
durch den Henker zerrissen, und Haupt
ynb Glieder an dem Thurme aufgehan
gen der die Abtei überragte. So war
denn diese Uebergabe, wo sie statt
fand gerade von der Art, wie die frei
willigen Uebergaben, welche die Leute von
ihrem Gelde machen, wenn sie den Revol
uer des Räubers vor ihrem Gesichte, oder
sein blutbeflecktes Messer an der Kehle
fühlen.
Gu) Doch auch diese Art Raub war den
habgierigen Bluthunden bald viel zu
mühsam. Es ging deshalb im 31. Re
gierungsjtthre Heinrichs VIII. ein Gesetz
durch, welches alle „übcrgebenen" Klöster
dem König, seinen Erben und Erbnehmern
z u s a u n e e n s o a u a e a n e
ttn Klöster sammt Kraukenhäusern
und kirchlichen Lehranstalten noch oben
drein. Nun kamen die heißhungrigen
Geier herbeigeflogen und sielen über die
Beute her. An manchen Orten erhob
sich das Volk gegen diese Tyrannei allein
was sollte das Volk ihun ohne Führer,
die sich größtenteils auf Seite der Ty
nmnei und Plünderung geschlagen hat
ten Bei diesem Raube wurde auch nicht
der Schein eines gesetzmäßigen Versah
rens beobachtet. Das niederträchtige
Parlament hatte nicht nur die Gebäude
und Säht)ereien dem Tyrannen überlassen,
sondern es hatte auch ebenso ohne Um
stände über alles unbewegliche Gut, alle
Vonäthe, die Ernte aus dem Felde, und
was noch viel wichtiger war über Gold
und Silber und Juwelen verfügt. Man
denke sich, was für ein Peutemachen nun
anfing. Das ärmste Kloster hatte einige
Statnen, Gefäße oder andere Dinge von
Gold oder Silbxx. Mehrere davon waren
sehr reich. Die Altäre in ihren Kirchen
juaren in der Regel mit edlen Metallen,
wo nicht gar mit kostbaren Edelsteinen
verziert, und in jenen Zeiten, her Herr
schaft der katholischen Kirche war das
Balk ehrlich genug alle diese Ding? ohne
stehendes Heer.und.vh.ne Polizei an ihrem
-Platze zu lassen..
_66) So lange die Welt steht wurde
.MwalK kine so reiche Beute gemacht.
Cromwells Räubergesindel drang in die
Kloster riß die Altäre nieder, um das
Gold und Silber davon zu brechen plün
bette die Schränke und Kasten der Mön
che und Nonnen, und riß von den Büchern
die Einbände ab, die mit edlen Metallen
verziert waren. Diese Bücher waren
lauter Manuscripts. Ost hatte ein ein
ziges Buch ein halbes Menschenalter er-
fordert, um verfaßt und zierlich abge
schrieben zu werden. Ganze Bibliotheken,
welche zusammen zu bringen viele Men
schenalter und ungeheure Summen geko
stet hatten wurden durch diese höllischen
Diebe weggeworfen, nachdem sie die Ein
bände ihrer reichen Verzierungen beraubt
hatten. Das in den Klöstern vorräthige
Geld wurde bis auf den letzten Heller ge
stöhlen. Kurz, kein Räuber verfuhr jc
mit solcher Habgier, Schamlosigkeit und
Rohheit, wie jene Helden der protestanti
schen Reformation gegen wehrlose Män
ner und Frauen, die kein Verbrechen be
gangen, keines Verbrechens angeklagt
und zu ihrer Vertheidigung nicht gehört
worden waren.
67) Cromwell brachte oder schickte dem
Tyrannen den Raub theilweise einmal
zwanzig ein andermal fünfzig Unzen
Gold, einmal eine "Partie Edelsteine von
dieser Gattung) ein anderes Mal von
jener. In dem Waarenlager von ge
stohlenem Gute, das der Tyrann zu Lon
doti in seinem Palaste anlegte, befanden
sich Bilder von allen Arten*, Leuchter,
"Lichterstöcke, Krüge, Schalen, Becher,
Becken, Löffel., Diamanten, Saphiren,
Perlen, Fingerringe, Ohrringe, Münzen
von allen Werthen, Stücke Goldes und
Silbers die von Büchereinbänden abge
rissen oder von Altären abgehauen wor
den waren. War das Holzwerk der Al
täre oder Bildstöcke mit edlen Metallen
eingelegt, so wurde ost das Holz verbrannt
um das Metall zu bekommen. Keine
Räuber von denen wir jemals gehört
haben, kamen diesen Räubern der prote
stantischen Reformation gleich an Raub
gier, Verworfenheit und Frechheit.
68) Die Klöster waren nunmehr be
raubt, geplündert und ausgeweidet. Aber
das war noch nicht Alles. Die stolzen
Gebäude, erbaut für Jahrhunderte, die
herrlichen Klostergärten, diese Zierden des
Landes, dursten nicht bleiben, denn sie er
innerten das Volk unaufhörlich an die
Raubgier und Grausamkeit des Tyrau
nen. Die Gebäude mußten nieder. .Um
sich die Zerstörung zu erleichtern nahm
man in den.meisten Fällen seine Zuflucht
zu dem Schießpulver, und so wurden die
prachtvollsten Gebäude, deren Herstellung
viele Menschenalter erfordert hatte, bin
nen wenigen Stunden in Trümmerhaufen
verwandelt, so etwa wie viele derselben
bis aus den heutigen Tag geblieben sind.
In vielen Fällen ward denen, welche die
Güter bekamen, ausgetragen, die Gebäude
zu zerstören oder zum Theil niederzureißen
damit das Volk aller Hoffnung beraubt
werde, das, was es verloren, wieder auf
leben zu sehen. So war denn das Land
verwüstet, geplündert und entstellt.
69) Nach dem im Jahre 1537 einge
tretenen Tode der Johanna Seymour,
die unter allen Frauen des Tyrannen die
einzige war, die als Königin in ihrem
Bette starb, suchte er beinahe zwei Jahre
nach einer anderen Gattin. Im Jahre
1539 sand er endlich eine Näfrin in Anna
der Schwester de« Herzogs von Cleve,
die er heirathete. Im Juhre 1540, etwa
sechs oder sieben Monate nt-ch der Hoch
z e i i e e s i w i e e v n i s e i e n
denn diesmal wagte er t§ nicht, sie wieder
auf das Schrffot zu schleppen. Cramner,
der ihn schon früher von zwei Weibern,
geschieden hatte, brachte auch dieses Stück
Arbeit zu Stande. So waren also der
König und die Königin wieder ledige
Leute, aber der erstere dachte an
eine andere junge und schöne fjrau, Nä-
titenS 'Catharine Howard. Sie war eine
Nichte des Herzog« von Norfolk, der den
Cromwell haßte und für den eS jetzt eine
Gelegenheit gab sich zu rächen.
70) Durch seine verschiedenen Äemter
und durch den Raub an der katholischen
Kirche und den Armen hatte Cromwell
ungeheure Reichthümer erworben. Er
hatte ungefähr dreißig Klöster erhalten
und sein Palast war gefüllt mit den Früch
ten des Raubes. Er war über alle Be
schreibung barbarisch gegen die unglück
lichen schuldlosen Mönche und Nonnen
gewesen ohne ein solches Werkzeug hätte
die großartige Plünderung nie zu Stande
kommen körnten aber man bedurfte seine»
nicht länger, der Räuber hatte schon zu
länge gelebt. Am Morgen des 10. Juni
1540 war er noch der Erste im Reiche,
den König ausgenommen am Abend
desselben Tages lag er im Gefängniß
als Hochverräter. Er überlebte seine
Verhaftung nur um 48 Tage, nicht zur
Hälfte lange genug nur allein zur Auf
zählung der unter seinen Befehlen be
gangenen Räubereien und Mordthaten.
Von allen niedrigen und verzagten Böse
wichtern, die jemals starben, war er viel
leicht der niedrigste und verzagteste. Er
hatte andere hinrichten lassen, um sich
ihres Eigenthums zu bemächtigen, und
ich wage zu behaupten, einer der Gründe,
ihn auf das Blutgerüst zu schicken, sei ge
wesen, ihm den Raub wieder abzu
nehmen.
71) Der feigherzige Cromwell scheint
von dem Augenblicke seiner Verhaftung
an keine anderen Gedanken gehabt zu
haben, als sein Leben zu retten. Er schrieb
wiederholt an den König, in der Hoff
nung begnadigt zu werden jedoch alles
ohne Erfolg er hatte getban, was man
von ihm verlangte die Plünderung war
beinahe zu Ende er hatte einen.großen
Theil der Beute bekommen, den man nicht
in seinen Händen lassen mochte und folg
lich war es nach den echten Reformations
grundsätzen an der Zeit, ihm das Leben
zu nehmen. In seinen Briefen an den
Tyrannen kriecht er vor ihm auf die eckel
haftesteWeise vergleicht sein Lächeln und
Zürnen mit jenem Gottes, und beschwört
ihn, ihm zu erlauben noch einmal seine
balsamische Hand zu küssen damit ihr
Dust ihn geeignet mache zum Himmel!
Der Nichtswürdige verdiente den Tod,
wäre eS auch nur dafür, diese Briese ge
schrieben zu haben. Cromivell war das
willige, geschäftige, eifrige, begierige
Werkzeug aller tyrannischen, gottesläster
lichen und blutigen Unternehmungen
Heinrichs und außerdem auch der Erste
gewesen, der den Gedanken hatte, Men
schen ohne gerichtliches Verfahren zum
Tode zu verurtheilen. Was konnte also
gerechter sein, als daß er auf dieselbe
Weise starb? Keine Thräne wurde über
seinen Tod vergossen, der auf die Zu
schauer den nämlichen Eindruck machte,
als wenn die verworfensten Räuber ihre
Verbrechen am Galgen büßen.
72) In den nun folgenden sieben
Jahren, die der Tyrann seinen grausamen
und feigherzigen Statthalter überlebte,
wurde er von Täuschungen, Kummer
und Qualen aller Art heimgesucht. Er
entdeckte nach wenigen Monaten, daß
seilte neue Königin gewesen wie Anna
Boleyn und noch immer so war. Ohne
viele Umstände schickte er sie nebst einem
ganzen Haufen ihrer Verwandten, An
teter und guten Bekannten auf das Blut
geriist. Er wüthete und tobte, wie ein
wildes Thier gab die blutigsten Gesetze,
um sich künftig gegen die Unzucht und
Untreue seiner Frauen zu sichern, und ern
tete für seine Mühe den Spott seines Vol
kes und ganz Europas.
73) Er nahm nun nochmals eine an
dere Frau, aber diesmal wollte es keine
mit seilten Gesetzen wagen, als eine Witt
we, und sie entging nur mit Mühe dem
''Die
y*
Schicksal dek Uebrigen. Einige Jährt
vor jeiitem Tode wurde der Tyrann itt
Folge seiner- Völlerei und seiner Aus
sckweisun gen eine tröge eckelhaft'e Fleischt
masse,-welche durch Maschinen bewegt
werden müßte. Doch behiel 'er nach im
mer seine Wildheit und Blutgier.' Sei»
vorzügliches (Geschäft war bieflimrbmtng
von Anklagen', Hinrichtuwgen und Con
fiscatioiien. Als er tiitfp&i&otfitnbeitc
lag, scheute sich JcbernranlT.
4
ihn vtm der
Gefahr zu benachrichtigen, *eriti'ber £ob
dessen, der es gethan, wäre die Folge da?
von gewesen. So starb er denn, ehe er
seine Lage recht inne geworden, und ließ
mehr als ein Todesurtheil zurück, welches
er aus Mangel an Zeit nicht mehr unter
schrieben hatte.
74) So verschied im Jahre 1547, iyl
sechsiindfünfzigsten seines Alters Und im
achtunddreißigsten seiner. Regierung der
ungerechteste, hartherzigste und blutdüt
stigste Tyrann, den die Welt unter Chri-
sten und Heiden jemals gesehen hat. Eng
land, welches er in Friede und Einigkeit,
wohlhabend und glücklich gefunden lieh
er zurück zerrissen durch Parteien und
Schismen, seine Bewohner in Bettelei uNd
Elend. Er legte den Grund zu der Un
sittlichfeit, Unehrlichkeit uud Armuth, die
so auffallend hervortraten unter den Re
gierungen seiner unglücklichen, unfrucht
baren, bösartigen nnd elenden Kind«?
mit denen nach wenigen Jahren sein
Haus und sein Name für immer verlosch.
Und die Folgen der Theten dieses könig
lichen Ungeheuers waren so schrecklich,
daß unter allen Geißeln, mit denen Eng
land jemals heimgesucht wurde, keine mit
der protestantischen Reformation vergli
chen werden kann.
7ö) Die letzte Verfügung des roheil
Tyrannen Heinrich VIII. war ein Testa
ment,- nach welchem sein unmündiger
Sohn sein Nachfolger werden sollte mit
der Anwartschaft für feine Tochter Maria,
falls derselbe ohne Nachkommenschaft
sterbe, und dann bei abermaliger Er
mangelung von Nachkommenschaft für
feine Tochter Elisabeth, obwohl beide
Töchter durch eine Parlamentsakte als
unehelich erklärt worden waren und die
letztere von der hingerichteten Anna Bo
leyn geboren wurde, als des Königs erste
und rechtmäßige Frau, Märiens Mutter
noch lebte.
76) Heinrich hatte sechszehn Testament
Vollstrecker
ernannt, welche das König
reich regieren sollten bis Eduard, der da
mals 10 Jahre zählte, achtzehn Jahre alt
sein würde. Unter diesen Testaments
Vollstreckern
war Seymour, Graf von
Hartford und der „ehrliche Cramner". Die
ehrwürdigenTestamentsvollstrecker begcm
nen damit, einen feierlichen Eid zu schwe
ren, den letzten Willen ihres Herrn zu voll
ziehen und aufrecht zu erhalten. Ihre
zweite Handlung war, diesen Eid zn bre
chen, indem sie Hartford zum „Protector*
machten, obwohl das Testament allen
Vollstreckern gleiche Gewalt gab. Jh*
nächstfolgender Schritt war, einige unter
sich zu Pairs zu machen. Ihr vierter,
den neuen Pairs Güter aus dem Staat?
schätze zu verleihen. Ihr fünfter, den
alten englischen Gebrauch zu beseitigen,
nach welchem das Volk gefragt wurde,
ob es bereit sei den König anzuerkennen
und ihm zu gehorchen. Ihr sechster,
einem feierlichen Hochamte beizuwohiien.
Und der siebente, eine Reihe von Unter
suchungen zu beginnen, um alles gänzlich
umzustürzen, was noch von der katholi
schen Religion in England übrig gehlie
ben war, und alles zu nehmen, was der
alte Heinrich noch nicht geraubt hatte.
Viele Streiche fället! die Eiche.
Der Tod hat keinen Kalender.
llndank ist der Welt Lohn.

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