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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, February 18, 1874, Image 2

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2. Ohio Waiseusreund.
Der RathGrr von Montauban.
Gegen Mitte des November kam ein
Reiter ganz mit Schmuz bedeckt und sich
nur tui'.fyfcftn in^ einem VOM Itegen aus
gewaschenen Hohlwege weiterschleppend,
in einem Dorfe an. Seine erste Sorge
war, ein Haus-zu suchen, vas ihn und
sein
keuchendes Pferd ausnehmen könnte
da er aber nur einige verfallene Hütten
bemerkte fo richtete er an
einen
Bauer,
den der Tritt des Pferdes an die Thür
gelockt hatte, die Frage: ob Montauban
noch sehr weit entfernt sei?
Vor zwei Stunden könnt Ihr da nicht
hinkommen.
Aber, sagte der Retter und sah nicht
ohne Schreck in das vonNachtund Regen
gleich verfinsterte Weite hinausgibt es
denn nicht eine Schenke hier, die Einen
für Geld aufnehmen könnte?
Nein, war die Antwort.
Aber ich kann doch in diesem Wetter
'nicht draußen bleiben, Ihr müßt mir Dach
iiitb Fach für diese Nacht schaffen.
Wir haben hier nur einen Bauer, der
Euch aufnehmen kann,
wenn
er sonst will
ich selbst bin zu arm. ...
Was, wenn er will? Das wird sich
finden. Rasch führe mich zu dem Manne.
tier Bauer gehorchte, und der Reisende
stand nach wenig Augenblicken vor einem
Hause, das, wenn auch einfachenAnsehens,
doch von einem gewissen Wohlstande
zeugte. Seinem Führer ein Trinkgeld
gebend,, das Pferd selbst in
den
Stall
bringen und die Thür aufmachen, ist für
ihn das Werk eines Augenblicks er geht
ohne Umstände in das Haus hinein,
kommt in ein Zimmer, wo ein lustiges
Feuer flackert und sagt, während er es sich
on dem Kamin bequem macht, zu einer
Frau, die seinem Treiben erstaunt zusah
Laßt Euch nicht
stören,
hübsches Frauchen,
fahrt nur immer fort, das Abendessen
zu bereiten ich bin ein Offizier desKönigs
Von Navarra habe mich auf der ^.agd
beriirt und bitte um EureGastfreundschaft.
Die junge Frau drückte einige Zweifel
über die Ansichten ihres Gatten aus als
die Thür sich plötzlich öffnete und dn Her
des Hauses eintrat. V
Es war ein ziemlich großer Mann von
ungefähr 45 Jahren, sein Aussehen trug
den Stempel des Freimuthes uud des
Verstandes. Als der Hausherr den Gast
ansichtig wurde, stutzte er und sagte, nach
dem er die rasche Erzählung seiner Frau
angehört hatte und die Büchse ablegte:
«Iiui das ist nicht übel! Diesen Margen
verlasse ich das Haus als Herr desselben,
wie es sich gebührt, und als ich zurück
komme, finde ich meinen Platz besetzt, tnei
Ken Stuhl eingenommen und meinen
Tisch für
einen
Andern gedeckt. Nun,
lieber Freund ich habe nichts dagegen
^nd versage Euch
ein
Obdach nicht, \a
in diesem W-tter jagte ich Euch nicht fort,
clier wenn Ihr mich ein wenig au mein
Feuer ließet, würde ich Euch in der That
dankbar sein. ,.
Das ist nicht mehr als billig versetzte
der Gast, besonders wenn Ihr so durch
näßt seid wie ich.ri,
Ja wahrhaftig Ihr seid mich emge.
•wässert He, Dringe Kleider- sur
uns Zwei wir sind ungefähr^ einerlei
Größe. 3 ....
Die Männer wechselten am Kamm die
Kinder, und als der angebliche Offizier
des Königs von Navarra des BaneK
Beinkleider, Lederkamaschen und. große
Weste angelegt hatte, gab'es unter den
Beiden keinen Unterschied mehrja ms
sie sich nun zusammen'an den Tisch setz
ten, hätte man glauben sollen, day sie sich
schon seit vielen Jahren kennten. Dn§
Abendessen war gut namentlich gad e§
ein Gericht, das
zwar
sorgfältig zugedeckt!
Wild verrieth. '^luser Offizier und der
Bauer waren beide so ausgehungert daß
sie kräftig ans Essen gingen und feine
Wort sprachen. Als aber der
erste
Hunger
dem Durste Platz gemacht und nur noch
das Wildpret aus dem Tische war, holt?
der Wirth tief Athem, reichte feinem Gaste
ein Glas und sagte, nachdem, er: auf j^iiie
Gesundheit getrunken Nun Freund, wie
befindet Ihr Euch jetzt?
Beim Himmel, so wohl, wie sich ein
Mann nur befinden kann.
Und was denkt ihr hiervon fuhr der
Bauer fort, und winkte mit den Augen
auf das versteckte Gericht.
Ich denke daß das kein schlechter Bis
sen ist. rr cv
Das will ich ja nicht wissen Ihr
sagtet, Ihr wäret Jäger kennt Ihr dies
Wildpret?
Das ist Schweiuswildpret, da will ich
wer weiß was verwetten. ....... „,
Und Ihr würdet gewinnen ein prach
tiger Keiler, den ich gestern Abend hier
ganz in der Nähe erlegt habe.
Aber Ihr seid kühn, mein Freund.
Wäre es Euch lieber, er liefe noch tm
Dickichte herum?
Das will ich nicht sagen, aber das ^za
gen als Mauer bleibt immer eine gefähr
liche Sache.
Ei was, wir sind hier nicht auf Grund
und Boden des Königs von Navarra, der
einen Menschen eines Rebhuhns willen
wohl hängen läßt. Das Weichwild von
Montauban ist Überdem frei, und es müßte
doch nicht gut sein, wenn ein ehrlicher
Bauer, der keinem Menschen etwas thut,
nicht dann und wann ein Schwein in
seinem Holze schießen dürfte. Aber jetzt
kostet diesen Wein!
Brav, mein Freund, die Sorte ist gut
Dabei laßt uns bleiben!
Sic blieben lange dabei, bis eineFlasche
nach
der andern, eine immer besser wie
die andere getrunken ward und ihr Gehirn
erhitzte. Der Bauer, der in solchem Zu
stande aller. Welt dichte, brachte die Rede
wieder auf den König von Navarra.
Es ist eine Schande, rief er ans, eine
für einen Christen unanslöschlicheSchande
den armen Menschen 'zu. verbieten das
Stück Wild zu schießen, das der Himmel
einem schickt und das so nur die Felder
verwüstet.
Freund Ihr vergesset Euch, versetzte
der Offizier.
Schweig, weun du willst, daß wir tn
Frieden leben sollen.
Nun das ist stark, rief der Andere in
vollem Lachen, wenn ich nicht mehr den
König verteidigen foil.
Nein.
Und was wirfst du ihm denn vor, daß
er auf feine Rechte hält....
Ich werfe ihm alles vor.
Laßt uns abbrechen, Freund, ich höre
nicht gexn vom König von Navarra Ueb
les reden und habe Gründe dazu.
Bist du in seinem Dienste?
Ja, sagte der Ossizier, ich verlasse ihn
fast gär nicht.
Ah so und was für ein Geschäft hast
du denn bei ihm fragte der Bauer, ihm
wieder einschenkend.
Ich bin sein Stallmeister
Der Bauer betrachtete das Wams und
die Beinkleider von Büsfelleder, die zum
Trocknen am Feuer aufgehangen waren,
und als er sie an mehr als einem Orte
zerrissen fand, schüttelte er den Kopf
Da trink dies Glas, und dann sage
ohne Umstände, wer du bist?
Nun, Freund, ich will Euch nicht täu
schen, ich bin der mächtigste seiner Hof
leute.
Man behauptet, im Weine sei Wahr
heit, versetzte der Seiner, das Glas seinem
Gaste von neuem füllend und immer noch
die Augen auf die Kleider gerichtet, fage,
wer bist du wirklich?
Nun, wenn ihr es denn haben wollt.
ich bin der König böN Navarrq
selbst. ..
Frau 5ies hier der Bauer, räume tm
Flaschen weg und du, leg' dich zu Bette,
denn wenn du noch ein Glas trinkst, wirst
du gar zum ewigen Juden oder zum
Drachen. Gute Nacht!
Der Offizier mochte hoch. theüet
versichern, er .fei König Heinrich der
Bauer wollte bei jeder Betheurung vor
Lachen-berften und stieß ihn in das Zim
mer, das man für ihn bereitet und wor
in er ihn zu mehrerer Sicherheit ein
schloß..
Am andern Morgev wollte der Bauer
feinen Gast nicht eher abreisen lassen, als
bis er ein reichlich?s Frühstück genossen
und er ihm mit. einem gewissen Stolze
feine Felder, Weinberge und einen Theil
feines Holzes gezeigt. Der Offizier, der
sich des Gelags vom vorigen Abend gar
nicht mehr zu erinnern schien, drückte ihm
herzlich die Hand und sagte, indem er
seine Blicke auf die Geräucherte Decke der
Stube richtete, wo er fo herzlichen Em
pfang und fo sanften Schlaf gefunden
hatte: Adieu Freund, ich danke Euch für
eure Gastfreundschaft. Ihr seht und ich
gestehe es ohne Erröthen, ich bin jetzt arm
und nicht im Stande, Euch meine Er
kenntlichkeit zu beweisen, aber ich habe
einen Verwandten, der mir vielleicht ein
mal ein schönes Erbe hinterläßt, und dann
will ich Euer gedenken. Wenn übrigens
der ©earner je König von Frankreich
wird, so kommt in den Louvre, fragt nach
Heinrich dem Jäger und Ihr follt zufrie
den sein.
Jahre vergingen seit jenem Abend, der
Bauer hatte seinen Gast völlig vergessen,
als eines Tages das Körnchen Ehrgeiz,
das jedem Erdensohne innewohnt, in sei
nein Kopfe zu keimen begann. Er wollte
Rathsherr von Montauban werden und
bewarb sich um die Stimmen der Land
schaft, doch zum Unglück für feine Plane
glaubten die Bürger von Montauban, es
nicht dulden zu dürfen und der Bauer
wurde abgewiesen. Dieser Fall rief ihm
den Offizier des Königs von Navarra
ins Gedächtniß zurück, und da die Stan
darten von Bearn seitdem gesiegt und die
Glascogner den Louvre inne hatten, schloß
er sehr richtig daß sein Gast etwas ge
worden sein müsse und ihm helfen könne,
an den Bürgern von Montauban Rache
zu nehmen. Er steckte einige Thaler in
den Gürtel, zog seine Lederkamaschen an
und wanderte nach Paris. Dort war er
einigermaßen in Verlegenheit, wo er sei
nen Mann finden sollte nachdem er je
doch lange den Louvre umkreist und alle
Wachen nach Heinrich dem Jäger gefragt
hatte, stieß er endlich auf einen Hofbeam
ten, der ihn aufmerksam anhörte und ihn
dann warten hieß. Kurze Zeit darauf
kam ein Page und führte den Bauer
durch die reichen Säle des Louvre, die
mit Herren und Damen angefüllt waren,
zu der Thür eines Cabinets, wo er ihm
zu warten empfahl nnd sich zurückzog.
Der Bauer war in Verwirrung diese
Pracht der königlichen Wohnung welche
er soeben durchschritten, hatte ihn so ge
blendet, daß er sich eben ernstlich prüfen
wollte, ob er träume, als er Den, welchen
er
suchte, eintreten sah.
Er war sehr verändert, Und obgleich
nur einfach gekleidet, hatte er doch ein so
imponirendes Ansehen, das den Bauer
verlegen gemacht haben würde, wenn er
ihm nicht zu seiner Beruhigung läHelnd
die ^and gereicht hätte. Dieses Zeichen
von Freundschaft gab dem Bauer einiger
maßen seinenMuth zurück und er wünschte
seinem Freunde Glück
zu.
dem.Wechsel
seines Schicklals.
Ja ich wohne besser, als Ihr war die
Antwort.
Das versteht sich hier ist ja kein Zun*
mer, das nicht fo viel Werth wäre wie
unser ganzes Dorf.
Und das Alles gehört dem dnrchlöcher
ten Wamse, das Alles ist mein
Aber großer Gott, wer seid Hhr denn?
Der
Bauer siel wortlos zur Erde, und
als er endlich zu «sprechen vermochte, hörte
man ihn doch nur die unzufamme»
hängendsten. Entschuldigungen stamAM
er glaubte sich des MajestütsveMechens
schuldig, weil er dem Könige fo vertraut
begegnet war.
Der König lächelte überfeine Verlegen
heit, dann sagte er mit seinem freündli-^
chen Tone: Wahrhaftig Freund Ihr
[cid gewaltig schüchtern geworden, feit
wir uns nicht gesehen haben. Etwa, weil
ich nun auch reich bin Sprecht doch Ihr
habt mir noch nicht den Zweck Eurer Reise
genannt.
Der Bauer stand langsam auf stützte
[ich auf feinen Stock und erkfä'Vte nicht
ohne Zögern warum er fein Dorf ver
lassen habe und nach Paris gekommen sei.
Aha Die Herren i
n MoMaubanwol
len nicht, daß ein Bauer ihres Gleichen
[ei. Wartet, wartet.
Heinrich IV. nahm cin6 Feder und
ichrieb eilig einige Worte. Dann sah et
den Bauer an: Während ich schreibe,
bittet Euch eine Gnade aus, was Ihr
wollt, Freund!
Sire, versetzte der Bauer nun ganz be
ruhigt, behaltet die Gnadenbezeugungen
für Solche, die sie brauchen, um Euch zu
lieben.
Das war gut. Etwas mußt Ihr aber
doch annehmen.
Nun gut, wenn Ihr mir mit Gewalt
eine Gnade bezeugen wollt, fer wÄ ich
Euch drei Bitten vorlegen.
Die sind Euch im voraus gewährt.
Bewilligt mir zuerst die Erlaubniß,
meine Weinlese zu halten, wann «6 mir
gut dünkt.
Dann, Sire, sagte der Bauer leifer,
schreibt mit auf, daß wenn die wilden
Schweine meine Felder verwüsten, ich d.'is
Recht haben foll, dann und wann eins
zu schießen, ohne dafür gehängt zu wer
den.
Heinrich IV. schrieb lächelnd.
Und drittens Sire, wenn Ihr dies
unterschreibt, setzt noch mit hinzu, daß Ihr
mich Eitern Freund genannt hat.
Wahrlich, rief der König, bis ju Thro
nen gerührt, Alles fei Euch gewährt. Lebt
wohl, mein Freund, denn Ihr seid es in
That und Wahrheit.
Der Bauer ergriff die Hand welche
ihm Heinrich IV. reichte und drückte sie
herzlich strich sich dann mit der Hand
über die Augen, durchschritt den Louvre
so freien Geistes, so stolz wie nur immer
in seinem Hause, und kehrte nach seinem
Dorse zurück.
Als er durch Montauban ging, gab er
den Brief des Königs an den Senefchall
ab. Drei Tage darauf wurde das Land
durch einen ungewöhnlichen uudfeierlichen
Reiterzug in Bewegung gesetzt. Es war
der Herr Seneschall an der Spitze von
fünf Rathsherren, majestätisch in lange
Gewänder mit sehr weiten Aermeln von
rothein Zeug und schwarzem Futter ge
kleidet, und denen sechs Stadtdiener in
rothen Mänteln folgten, welche das blau?
Panier, mit goldenen Linien besäet, tni
gen sie wollten, von einer Menge Volks
umgxben,bei Pfeifen und Trompeteuschatt
den Bauer holen und auf das Rathhaus
führen.
Heinrich IV. hatte Wort gehalten.
Sein Freund war Rathsherr von Mon
tauban, und er konnte feine Weinlese hat
ten, wenn er wollte, sich auch ein Stück,
Wild schießen, wenn es in seinem Felde
und Walde sich fand.
Deutsche Sprichwörter.. ?1
Zum Rath weile, zur That eile.
Wenig regieren macht guten.Frieden, i
"Grobe Säcke näht man nicht mit Seide.

war, sich aver dutch semen ©auch als!
Der Könch Heinrich.

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