OCR Interpretation


Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, May 20, 1874, Image 4

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn91069201/1874-05-20/ed-1/seq-4/

What is OCR?


Thumbnail for

4. Ohio Waisenfreund.
Herausgeber: Rev, ff. Jessing.
z
Bischöfliche Empfehlung.
Von ganzem Herzen billige ich die fortgesetz
te Herausgabe der „Ohio" mib die preiswnrdige
Älchcht, den Erlöö derselben zur Gründung ei
et# Waisenhauses für die Diözese zu verwenden.
S. H. Rosecrans,
Bischof von Columbus.
minder radikalen Temperenzler sind sich hier
«mander tu die Haare gerathen und bekämpfen
•sich mit Druckerschwärze in der hiesigen engl.
Zeitung. Dabei ist es merkwürdig daß jene
Menschen keinen Aufsatz schreiben können, ohne
mf die eine oder die andere Weise die katholische
Mrche «der eine Einrichtung derselben zu ent
stellen oder zu verspotten. So beliebt es einem
Urtüi'lschmJbrr in der letzten Nummer Oes „Tc
legrnH" Pch auszusprechen gegen „Beschränkt
heit, Mgotterie und Lieblosigkeit" der Tempe
renalente zu gleicher 3cft aber zeigt er diese.I
ben Fehler, die er bekämpft, indem er von
„p äpstäicher A n aß u n g" spricht. Der
Manu -hat offenbar niemals etwas Anderes
vom gehört, als was die Prediger ihm
gesagt 1)aWi oder was er aus katholiken
feindlichen Büchern und Zeitungen gelesen hat.
Aber diese-suchen Darstellungen hält er für
ai n,s en rc Wahrheiten, während er sich
in fernem Aufsätze gegen die Unfehlbarkeit der
Temperenzweiber ausspricht. Wenn Nichtka
tholikcn eS durchaus nicht lassen können über
die katholische Kirche zu schreiben so sollten sie
fcoch, ehe sie dieses thnn, auch die betreffend.'
K a e a u s k a o i s e n u e e n
lstuvrrrn und nicht ihre Prediger und Bücher
«allein für unfehlbar halten.
DaS heilige Pfingstfcft
ist eines der Hauptfeste im Kirchenjahre und
Z»a« Stiftungsfest der heiligen katholischen
Äirche, die am Psingsttage auf die Predigt des
-ersten Papstes Petrus in Jerusalem ihre erste
Ganeinde formirte, wie in der Apostelgeschichte
zu lesen ist. Seit den Zeiten der Apostel
tonrdc das Pfingstfest überall von den Christen
gefriert. Unsere Leser kennen den Vorgang am
Pffmgstfeste zu Jerusalem. Die Wirkung des
hl.
Geistes, der auf die Apostel herab kam, war
einer großen Menge sichtbar. Petrus, das
Oberhaupt der jungen Kirche, ergriff das Wort
wieS den Vorwurf der Trunkenheit zurück und
verkündete in erhabener Sprache den Aufer
standenen und zwar mit solcher Gewalt über
die Seelen, daß dreitausend an selbem Tage
fich taufen ließe« Dieser Erfolg war die Wir
Tung des hl. Geistes, tan die Apostel nnmlttel
bar empfingen, der sich aber von ihnen ans der
ganzen Kirche mitgetheilt hat, sie immer leitet
und the heiligendes Lebensprincip bildet. Was
die Apostel, vom hl. Geiste geleitet, lehrten,
blieb gleichmäßiger und unveränderter Glaube
der katholischen Kirche bis auf unsere Tage.
Ohne die immerwährende Einwirkung dos hlt
Geistes würde die katholische Kirche längst zu
Grunde gegangen und das ganze Chrtstenthum
zu einem bloßen Begriff herabgesunken sein.
Z e i a e n
Was unsere Zeit uud noch mehr unser
Land auszeichnet, ist die Profanirnng
des heiligen Ehestandes, welcher die
Grundlage der Gesellschaft ist. Bei kei
tier anderen Handlung Herden Gottes
Gesetze und die heilsamen Vorschriften
der Kirche so sehr ausser 91 cht gelassen, als
dieses von vielen Menschen beim Ab
schlich des Ehebündnisses geschieht. Ob
wohl nun jeder katholische Christ weiß,
was er in dieser Hinsicht zu thun hat, so
steht doch vielen Minderunterrichteten
fortwährend das böse Beispiel vor Augen
das ihnen von der großen Menge der
Andersgläubigen gegeben wird. Aus
dieser Ursache und weil sich über die beim
Abschlüsse von Ehen vorkommenden Ver
imnif.tn so Vieles sagen läßt, kommen
totr jetzt und auch wenn Gott will, in
Zutmist noch auf dieses Thema mehrmals
zurück. Die Ehe ist für die irdische, so
ciale Wohlfahrt der Menschen überhaupt
nothwendig, aber sie gereicht der niensch
lichen Gesellschaft nur dann zum Segen,
wenn fte in Übereinstimmung mit den
Lehren und Vorschriften der unfehlbaren
katholischen Kirche abgeschlossen wird.
Setzen sich aber Brautleute über die Vor-1
schriften der Kirche weg, heirathen sie, in
Fällen, wo die Kirche es abräth oder ver
bietet, so thun sie dieses immer zu ihrem
zeitlichen und ewigem Nachtheile, oft auch
zum Schaden ihrer ganzen Nachkommen
schast. Wir wollen das hier ein wenig
nachweisen. Die Kirche hat die Bluts
Verwandtschaft bis zum 4. Grade als Hin
er
Ii
iß zur Eingehung einer Ehe zwischen
zwei solchen Verwandten festgesetzt. Das
ist schon ein uraltes Verbot, und manche
haben sich gefragt, warum die Kirche ein
so sonderbares Verbot gegeben habe.
Jetzt aber, bei der fortgeschrittenen ärzt
lichen und statistischen Wissenschaft des
19. Jahrhunderts hat man klar ausge
funden, was die Kirche lange wußte, daß
nämlich die Ehen zwischen Verwandten
durchaus schädlich sind. Die berühmte
sten Aerzte unserer Zeit sagen als Resul
tat ihrer genauesten Nachforschungen:
„Die blutsverwandten Ehen bis zum 4..
Grade üben den übelsten Einfluß auf die
Nachkommenschaft ans, verderben das
Blut und lassen das Menschengeschlecht
entarten. Wo die blutsverwandten Ehen
sich öfters wiederholen da sinkt die Fa
milie in Bezug auf Schönheit, physische
Kraft und Intelligenz der einzelnen Glie
der herab, bis sie endlich ganz erlischt.
Ein Menge von Uebeln entsteht daraus,
wie Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten, Taub
stummheit 2c." Nach statistischen Fest
stellungen gab es im Jahre 1860 unter
10,000 Katholiken bei denen die bluts
verwandten Ehen am seltensten vorkom
men, etwa 3 Taubstumme unter 10,000
Protestanten, bei denen blutsverwandte
Ehen schon öfters vorkommen, 6 Taub
stumme unter 10,000 Juden, bei denen
blutsverwandte Ehen noch häufiger vor
kommen, 27 Taubstumme und endlich
unter 10,000 Negern, bei denen das Hei
rathen unter Blutsverwandte Sitte ist,
212 Taubstumme! Ferner gibt es auf
abgeschlossenen kleinen Inseln und in
entlegenen Thälern, wo wegen der gerin
gen Auswahl blutsverwandte Ehen häu
figcr vorkommen, als an anderen Orten
auch eine verhältnißmäßig größere An
zahl Taubstummer! Das sind nun That
fache», die man ihrer ganzen Bedeutung
nach erst in unserem Jahrhundert festge
stellt hat. Und im Angesichte dieser
Thatsachen haben berühmte Aerzte die
blutsverwandten Ehen „ein Verbrechen
am allgemeinen Menschenwohl und an
der Gesundheit des Volkes" genannt.
Leuchtet nun aus dem von Alters her be
stehenden Kirchengesetze, welches die bluts
verwandten Ehen verbietet, nicht die rüh
rende Sorgfalt der Kirche für das Wohl
der Menschheit hervor? Und wenn man
früher auf die Frage-, warum die Kirche
das in Rede stehende Gebot gegeben habe
keine andere Antwort geben konnte, als
das von Christus erhaltene Recht Gesetze
zu geben, so haben wir jetzt von der neu
sten Wissenschaft eine allseitig befriedi
gende Antwort auf diese Frage erhalten.
Fragen wir nun aber weiter,' wer denn
wohl der Kirche schon vor Jahrhunderten,
über die schädlichen Einflüsse blntsver
wandter Ehen belehrt habe, so können
wir nur hinweisen auf den Geist der
Wahrheit, der immer und allzeit bei der
einen heiligen von Christus dem Sohne
Gottes gestifteten katholischen Kirche ge
blieben ist, der sie bei dieser, wie bei allen
anderen Gelegenheiten auf den richtigen
Weg geleitet hat. Wir schließen heute
mit diesem einen Punkt, woraus der Kir
eind so glänzende Genugthuung für eines
ihrer Ehegesetze erwächst. Es liegt aber
bei allen Kirchengesetzen genau derselbe
Fall vor, wie bei diesem, wenn.es sich
auch jetzt noch nicht so evident. wie hier
geschehen, nachweisen läßt. Wem da
her an seiner eigenen Wohlfcchrt uud an
Gottes Segen gelegen ist, der folge bei
der Eheschließung, wie auch in allen an
deren Dingen den Vorschriften der heili
gen katholischen Kirche.
Todtenverbrennung.
Unsere Todtenverbrenner führen Nütz
lichkeitsgrunde für ihre Ansicht in's Feld
während ihre eigentliche Absicht dahin
geht, einen christlichen Gebrauch abzu
schaffen. Die Jndier und Persier ver
brannten und verbrennen ebenfalls ihre
Leichen, aber nicht ans Nützlichkeitsgrün
den, sondern weil sie den Erdboden durch
alles Todte verunreinigt glaubten. Das
Verbrennen eines Brahminen geschah in
der Weise, daß man einen Scheiterhaufen
aus 2000 Stücken getrockneten Kuhmi
stes baute, die Leiche darin legte und das
Ganze anzündete. Die nach dem Feuer
Übrig bleibenden verkohlten Gebeine wur
den dann in den Ahnengeisterwald begra
ben. In Bengalen duldet man keinen
Todten im Hause, sondern bricht ein
Loch in die Mauer und schiebt die Leiche
hinaus. Der Brahmine reinigt dann
das Haus mit Wasser und beschwört die
Gestirne. Vier Parias tragen die Leiche
unter gedämpfter Musik,, Klagen und
Lobliedern hinaus am Scheiterhaufen
opfert man den Luftgeistern der Vor
nehmste der Verwandten zündet den
Scheiterhaufen mit abgew.andtem Gesichte
an und eilt schnell hinweg, um sich im
fließenden Wasser zu reinigen. Wenn
die gesammelten Gebeine nicht beigesetzt
werden, so werden sie in einen heiligen
Fluß, z. B. in den Ganges geworfen, wo
durch der Verstorbene auf eilte Million
Jahre unendlicher Glückseligkeit theilhas
ttg wird. Die Schiwaiten aber überlas
sen ihre Todten den Raubthieren oder
werfen sie in einen Fluß. Bei den Per
sern laßt man die Leichen auf hohen Ge
rüsten verwesen oder von Hunden und
Raubvögeln verzehren die Gebeine wer
den dann gesammelt und in der Fami'
liengrust beigesetzt. So machen es die
alten Heiden wie unsere Neuheiden das
Velbrennen ihre Todten prakticiren wer
den, müssen wir noch abwarten.
i e a u
Bon I. Fischer & 33ro., Dayton O.,
wurde nnS zugesandt:
Maien Blüthen,
Vierstimmige Marienlicder für S. A. T.B.
namentlich zum Gebrauche bei Maiandachten
für kleinere Landchöre in leichtem Style compo
nirt von G. Eduard Stehle. Preis LS
Cents. Das Dutzend 2.25.
Vorliegendes Heft, das auch in den Vereins
katalog des allg. deutschen Cäcilien-Verems
Aufnahme gefunden hat, enthält 6 deutsche Ma
rienlieder und 1 Stabat Mater für Sopran,
Alt, Tenor und Baß, alle sehr leicht, gefällig
und innig fromm, No. 2, Ave Maria zart, ist
geradezu eine ausgezeichnete Composition, wo
von selbst Stehle gesagt haben soll: „So com
ponire ich nur der Mutter Gottes zu lieb In
der That fand auch dieses Lied bei der 1 Auf
führung des Amerikanischen Cärilien-Vereines
ungethcilte Anerkennung. Wen nn solches
Lied nicht zum Gebete stimmt, der versteht wohl
überhaupt nicht zu beten. Deshalb cm»
pfehlen wir die „Maien-Blüthen" allen Chören
für die Maiandachten, für Muttergottesandach
ten aufs innigste.
4
Rev. I. C. Goldschmidt ist von P»rtSmouth,
O., nach Delaware, O., versetzt worden.
o o i
9t. M. Str. Erhalten. Besten Dank, Nächste Woche.
«m
Preußische Chriftenverfolgung.
I e 2 2 A i e u e w u e
auch unsere Pfarre von den traurigen
Wirkungen der Maigesetze hart getroffen,
indem unser vielgeliebter Herr Pfarrer
Dernen zur Verbüßung der ihm zuerkann
ten Gefängnisstrafe nach Düsseldorf
zwangsweise abgeführt wurde. Gleich
nach dem am am 15. Oktober v. I. er
folgten Antritte seines Amtes wurde er
von Seiten der Regierung für „gesperrt"
erklärt. Weil er aber als treuer Diener
der Kirche und als sorgsamer Hirt seiner
Heerde in der gewissenhaften Erfüllung
seiner Amtspflichten beharrte, so wurde er
zu wiederholten Malen vor Gericht gezo
gen und bis heute zu der Summe von
400 Thlr. criirtheilt.
Am 10. Mörz erfolgte die Pfändung,
am 24. März der Zwangsverkauf am
11. April. dem Tage vor der Feier der
ersten Kindercommunion erging an ihm
die Aufforderung, sich freiwillig zur Ver
büßung seiner ersten Gefängnißhaft zu
stellen. Nachdem die festgesetzte Frist er
folglos abgelaufen, erschien heute der
Herr Bürgermeister von Benrath in dem
Pfarrhause, um ihn zum Antritt seiner
ersten Gefängnißhaft abzuführen. Er
schütternd war der Abschied von seiner
80jährigen Mutter und rührend die
Theilnahme und der Schmerz der Pfarr
Angehörigen die, noch im letzten Mo
mente von dem betrübenden Vorgange
unterrichtet, sich zum Abschied von ihrem
thenren Seelsorger eingefunden hatten.
—. Wie die tyrannische preußische Re
gierung die moderne sogenannte „altka
thotische" Ketzerei den Leuten aufdringen
will, wird berichtet ans Köln. Es ge
hört zum guten Ton, bei Einladungen
zum Thee oder Diner oder bei Visiten,
welche dem Hausherrn und seiner Ehe
Hälfte zugleich gelten, die Einladungs
ober Visitenkarten doppelt, an Mann
und Frau auszufertigen. Ein ähnlicher
Modus wird in Köln beobachtet, wo
durch Polizeibeamten Einladungen an
Personen die irgendwie im Gerüche des
„Altkatholizismus" stehen, in die Häuser
geschickt und nur gegen Quittung abge
geben werden. Die „Köln. Vztg." be
richtete jüngst, wie in einem solchrn Falle
eine Einladung zum Anschluß an die Ge°
meinöe Reinkens an Mann und Fran be
sonders quittirt» werden mußte. Die
Einladung lautete:
„Sofern Sie gesonnen sind, der hier
zu bildenden altkatholischen Parochie, mit
dem Sitze des Pfarrers in Köln, förmlich
beizutreten, ersuche ich Sie, im Austrage
der königlichen Regierung, sich von 9 Uhr
Morgens an, am 14., 15. und 16. Apr.
d. I. im Hansasaale des hiesigen Rath
Hauses vordem königlichen Polizeiassessor
Herrn Kettner einzufinden, um Folgendes
zu Protokoll zu erklären: „Indem ich
der altkatholischen Organisation mit al
len daraus fließenden Rechten und Pflich
ten beitrete, unterwerfe ich mich hierdurch
der Jurisdiktion des Bischofs Reinkens
als meinem geistlichen Obern und erkläre
mich mit meiner Einpfarrung in die ans
Grund einer von Seiten der königlichen
Staatsregiernng und des Bischofs Rein-
kens zu vollziehenden Erectionsurkunde
zu bildende Parochie mit dem Sitze des
Pfarrers in Köln einverstanden." Köln,
ben 31. März 1874. Der königliche
Polizeipräsident Devens."
Vor Kurzem ist vom Vorstande der
hiesigen „Altkatholiken" der Beschluß ge
saßt worden, nach vollzogener Bildung
der hiesigen Gemeinde durch ihren „Bi
fchof" Reinkens die Einweisung in den
Besitz der.Minoritenkirche von Neuem
verlangen zu lassen und außerdem ein
Gesuch zu stellen (natürlich nicht an die
geistliche Behörde) um Überlassung des
Domes zu einem alle vier Wochen abzu-
haltenden musikalischen Hochamte.
Der Erzbischof von Köln wird
wie der B. G. unter dem 22. April ge
schrieben wird in den nächsten Tagen
bie bisher von ihm bewohnten Zimmer
im Arresthause verlassen und andere weit
unfreundlichere Räume beziehen müssen.
Während die bisherigen Wohnräume we
nigstens einen freien Blick aus den Fen
stern gestatten, liegen diese letzteren in
den neu hergerichteten Zimmern überaus
hoch und machen einen Ausblick unmög
lich. Fast unglaublich klingt die gleich
wohl verbürgte Nachricht, daß dem Rechts
beistand des Herrn Erzbischofs von den
Inspektoren bc§ Gefängnisses nicht ge
stattet wurde, seinen gefangenen C-lienten
zu besuchen. Man verlangte ausdrück
lich specielle Instruktion von der königli
chen Regierung.

Pomeroy, ben 1874.
o e o i e a i k a e n n i i e

xml | txt