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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, May 27, 1874, Image 1

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Jahrg. 2.
Wochenschau.
(Inland.)
W a s i n o n e a y o v o n
New Orleans erklärt in einem an einen
Herrn in der hiesigen totabt gerichteten
Briefe, baß viele Tansenbe in ben über
schwemmten Districten Hnngers sterben
müßten, wenn nicht Mittel zur Unterstü
tzung in irgenb einer Weise auf eine Mil
lion Dollars erhöht würben. Selbst bicse
Summe würbe nicht weiter reichen, als
bas Leben ber von ber Ueberschwemmung
Betroffenen so lange zu fristen, bis bas
Wasser zurück tritt unb bas Lanb wieber
bebaut werben kann.
Das schmähliche Schauspiel, baß
mitten im tiefsten Frieben in einer Stabt
ber Union sich bewaffnete«Bürger feinb
selig gegenüber stanben unb fich Tag für
Tag kleine Gefechte lieferten, ist enblich
beenbet worben, Brooks hat am letzten
Dienstag bei Tagesanbruch bas Capitol
bes Staates Arkansas geräumt.
Niemanb scheint zu wissen, wohin er
ging. Der Staats-Sekretär, Oberst
Johnson, begab sich in bas Staatshalts,
unb stellte eine Menge Leute au um in
bem Gebäube aufzuräumen. Gegen Mit
tag ritt General R. C. Newton ber bie
Baxter'sche Streitmacht commanbirt, von
seinem Stab unb zwei CompagnienTruP
pen begleitet, nach bem Staatshause. Er
ergriff Besitz von bemselben unb stellte
Schilbwachen in ben Umgebungen bes
Gebänbes aus. Nachbem General New
ton bas Staatshaus unb besten Umge
bungen besichtigt hatte, ließ er bem Gou
verneur Baxter melben, baß bas Gebäube
geräumt sei. Gouverneur Baxter, sein
Stab unb ber Staats-Sekretär stiege» in
zwei Kutschen, ben Kutschen folgten In
fanterie unb Artillerie unb bie Colonne
marschirte bie Markham Straße hinauf
nach bem Staatshaus. Vor bem Thore
hielt bie Colonne, unb ber Gouverneur
begab sich in sein Amtszimmer, wo er von
General Newton empfangen würbe. Der
große vier unb siebenzig Pfünber würbe
abgefeuert, unb der Donner von hunbert
Kanonenschüssen ans ben Parrot-Geschü
tzen verkündete den Bürgern vou Little
Rock den Einzug des Gouverneurs Bax
ter in das Staatshalts.
o u i a S 1 9 a i S e i
Cain von Orangeburg County prüfen
tirte heute dem Gouverneur Moses einen
Haftbefehl, der auf Grund einer von ben
Großgeschworenen gemachten Eingabe,
worin ber Gouverneur bes großen Dieb
stahls bezichtigt wirb, gemacht würbe.
Moses wollte sich inbessen nicht einsper
ren lassen und bot eine Abtheilung Mili
tär auf, um ihn gegen den Sheriff zu
schützen. In dem Palais der Executive
und vor der Wohnung des Gouverneurs
wurden Wachen aufgestellt Patrouillen
durchziehen bie Stadt unb allerwärts
herrscht die größte Aufregung.
e
Columbia, S.C. 20. Mai. Heute
ist hier Alles ruhig. Die Truppen wur
den heute Morgen entlassen. Gouver
neur Moses wurde nicht verhaftet, jeboch
heißt es, er werde sich zu seinem Prozesse
stellen.
Ein Samilienblatt für Wahrheit und Recht zur Belehrung untrttnterhaltuiig.
Herausgegeben zum Besten eines Waisenhauses für die Diözese Columbus, O. -^E^scheint wöchentlich. Preis bri Vorausbezahlung für ein Jahr: $1.50.
Staat werden. Wenigstens hat sich bas
Repräsentantenhaus mit 160~gegen 54
Stimmen für seine Zulassung in bie
Staatenfamilie entschieben. Bessere An
sprüche als Colorabo unb als jedes andere
Territorium hat New Mexico jedenfalls.
Betrug doch die Zahl seiner Einwohner
von den nicht seßhaften Indianern
ganz abgesehen bereits zur Zeit der
Aufnahme des letzten Census 91,875.
Präsident Grant hat einer Washing
toner Depesche nach sich für den Plan er
klärt, am Gräberschmückuugswge die
Ruhestätten der gefallenen Conförderirten
in gleicher Weise zu berücksichtigen, wie
bie ber Bunbessolbaten. Herr Grant ist,
wie er sagt, enblich zu bem Glauben ge
langt, baß wieber die Zeit zur Ermnthi
guitg aller Gefühle der Brüderlichkeit zwi
"scheu den verschiedenen Landestheilen ge
kommen sei und baß man fortan jebeGe
legenheit zur Beseitigung ber noch aus
bem Kriege herstammenben Gehässigkeiten
benützen sollte. Spät kommt er, boch er
kommt!
o u i s v i e K y 2 1 a i a n
berichtet bem „Courier-Journal" folgen
ben entsetzlichen heute in Frankfort, Ky.,
verübten Mord. F. Wolcott, ein lieber
licher Mann, kam heute morgen betrunken
in bas Wohnhaus seiner Eltern und fing
einen Wortwechsel mit seiner Mutter an,
worauf er ein Handbeil ergriff und mit
einem wuchtigen Hiebe den Kopf seiner
Mutter spaltete, welche nach einer Stunde
den Geist ausgab. Walcott stellte sich
als Arrestant und wurde ins Gesängniß
gebracht. Der ruchlose Mord hat hier
gewaltige Sensation erregt.
a i o e 1 1 a i i e n e
Convocation derBarmherzigenSchwestcrn
von Nord-Amerika, welche alle fünf Jahre
stattfindet, wurde gestern in St. Joseph's
Convent bei Emmellsburg in Fredericks
County, Maryland, in feierlicher Weife
eröffnet. Es haben sich dazu ungefähr 350
Schwestern, worunter die Superiorinnen
der Asyle, Hospitäler und sonstigen
Wohlthätigkeits-Anstalten vonSanFran
cisco, Boston, Buffalo, New Orleans und
anderen Städten, dazu eingefunden, so
daß fast jede Diözese der Ber. Staaten
vertreten ist. Hochwürden Pater Guedry
celebrirte die Messe. Die Convocation
wird am 19. Mai geschloffen werden.
o ch e st e r, N. ?). 24. Mai. Die
Convention der deutschen römisch-katho
tischen Wohlthätigkeits-Vereine trat heute
hier zusammen und hatten sich 200 Dele
gaten aus allen Theilen der Union einge
sunden. Die Convention wurde vom
Mayor Clarkson bewillkommet, woraus
Herr H. I. Spaunhorst, Präsident des
Central- Vereines, erwiederte.
Die deutsche Empfangsrede hielt Herr
Vay, Präsident eines der hiesigen Ver
eine.
In seiner mit vielem Beifall aufgenom
menen Rede sprach er über dieEntwicklung
und das Wachsthum des Centralvereins,
der vor 19 Jahren in Rochester das Licht
der Welt erbliclt hübe.
Rev. Schwenniger antwortete in wem
gen markigen Worten auf Bays Rede,
womit die Empfangsfeierlichkeiten ihren
Abschluß erhielten.
Wochenschau.
(Ausland.)
Der e u i s ch e a n a ist,
wie eine Kabeldepesche meldet vertagt
worden. Wahrscheinlich wohl bis znm
Herbste. Das Gesetz, .das die den Bis
thümern gehörigen Güter, der Kirche ent
reißt und in die Hände des Staates gibt,
scheint er darnach bereits angenommen
zu haben.
Ueber den gegenwärtigen Stand des
Kulturkampfs" in Berlin äußert sich
der dortige Correspondent der „Augsb.
Allg. Ztg." in folgender Weise: „Der
vom Abg. Gneist erstattete Bericht über
das Gesetz betreffend die Verwaltung der
erledigten katholischen Bisthümer ist zur
Vertheilung gelangt und wird voraus
sichtlich bald im Plenum des Abgeord
netenhauses berathen werden. Nach der
Stimmung in den Abgeorbnetenkreisen
zu schließen, bürsten bie Anträge der
Commission mit großer Mehrheit durch
gehen zumal sie das Wesen der Regie
rungsvorlage unberührt lassen und sich
deßhalb auch der vollen Billigung des
Ministeriums erfreuen. Damit ist die
Hauptaufgabe der Session als erledigt zu
betrachten und bie Annahme daß die
Schließung der Landtagssession noch vor
dem Pfingstfest erfolgen werde, gewiß eine
vollkommen berechtigte. Unmittelbar nach
der Promulgirung des Gesetzes über die
Verwaltung der erledigten Bisthümer
soll der Erzbischos von Gnesen und Posen
Graf Ledochowski, seiner Haft entlassen
und aus Grund des ihm bis jetzt Noch
nicht insinuirten kirchengerichtlichen Er
kenntniffes sowie des neuen Reichsgesetze
des Landes verwiesen werden. Inzwischen
sind die Domcapitel von Gnesen und Po
sen durch Tod und Einsperrung gewaltig
zusammengeschmolzen."
Wie die „Nordd. Allg. Ztg." ihre
Leute im Lande zu halten sucht. „Eine
Befreiung vom Militärdienste, sagt sie in
ihrer Nummer vom 3. Mai, finden Kolo
nisten jetzt nirgends, selbst in Nordame
rifa entgehen sie allenfalls dem Militär
dienste, aber nicht der Kricgsverpflichtnng
wie der letzte Krieg zwischen den Nord
und Südstaaten der Union bewiesen hat."
Am 1. Mai schimpfte in Aschbach
(Niederösterreich) ein Finanz-Oberans
feher vonAmstetten in einem Wirthshcmse
lästerlich über Gott, Religion und Chri
stenthum, so daß ihn ein Anderer sonst
gerade nicht der sittenreinste, zurecht wies,
und ihn vor der Strafe eines solchen
Frevels warnte. Abends um 9 Uhr wurde
der Lästerer von einem Frachtzuge Über
fahren und war, in 2 Hälften zerspalten,
augenblicklich tobt.
8 o n o n, 19. Mai. Graf Schuwa
loff gab heute bie Versicherung, baß alle
verbannten Polen, mit Aullnahme von
2 bis 3 Mördern, ohne Furcht vor Be
lästigungen in ihre Heimath zurückkehren
bürsten.
a i 2 0 a i e s e n a n e n
in der Nähe von Bilbao mehrere Schar
mützel zwischen Regierungstruppen und
Carlisten.statt. Die Carlisten griffen an
und wurden zurückgeschlagen, wobei sie
schwere Perluste erlitten. Dreißig ber
Letzteren würben gefangen. Die Regier
rnngstruppen verloren 100 Mann an
Tobten unb Verwundeten.
o n o n 2 0 a i N a e i e n
der Carlisten verloren die Regierungs
truppeu in dem gestrigen Gefechte, welches
bei Canabieja stattfand, 500 Mann an
Todten und Verwundeten.
a i 2 1 a i e u i k a n i s e
Truppen hatten heute mit einer Abthei
lung Carlisten in der Provinz Tarragona
ein Gefecht, welches mit der Niederlage
ber Letzteren endigte und ihnen einen
Verlust von sechzig Todten und vielen
Verwundeten verursachte. Die Republi
kaner verloren dagegen fünf Todte und 90
Verwunbete. In Catalonien erlitten die
Carlisten ebenfalls eine Nieberlage.
„Vater" Y ein the hält gegen
wärtig Prebigten in Holland in Ley
ben gegen ein Honorar von 1000 fl. und
gegen ein solches von 1500 fl. in Am
sterbam.
Die Universitäten von Genu
Mobena Siena, Maccerata, Messina^
Catania, Sasseri unb Parma sollen we
gen Mangel an Stubenten undUeberfluß
an Professoren geschlossen werben.
o e O e e V o k s e u n
schreibt man „Der italienischen Regie
rung gefällt es ein Mal, mihatlem aufzu
räumen, was von ben Päpsten gestiftet
ober gegrünbet wurde daher müssen die
drei Bibliotheken Alessandrina bei de-r'
Universität, Casanateme beider Minerw
und Angelica bei St. mtpfllh auch un
ter italienische Administration alle übn
genKlosterbibliotheken, die gegen 600,000
Bände besitzen, werden aufgehoben, d. h.
zerstückelt. Die Alessandrina erhält da
von 100,000 Bände, die Casanatense
auch 100,000 unb die Angelica 60,000.
Die noch restirenben 340,000 Bänbe
werben bem Municipium überlassen, bas,
wie man sagt, nur alle jene Werke unb
Manuscripts behalten will, welche sich auf
bie Stabt Rom beziehen. Die anbereu
werben veraiictionirt werben. Abermals
ein großer Profit für Italien bann
wanbern bie kostbaren Schätze in bas
Auslaub. Die Nachrichten, welche aus
ben Provinzen einlaufen sind wahrlich
trostlos. Der „Puttgolo" von Mailand
schreibt über große llnorbnungen in Pa
lermo wo sich ber Pöbel in brohenber
Weise vor bem Municipium sammelte und
schrie: „Gebt uns Brob! Wir wollen
Brob!" über eine Strike in Bussew,
über eine Demonstration in Reggio-Emi
lia, in welcher von ben Bauern in unge
stümer Weise Arbeit verlangt würbe, und
über einen Strike in Bologna. Alle an
beren Journale sprechen von Tumulten
in der Provinz Brescia. Das ist das Ge
mälde, das uns Ober- und Mittel-Jta
lien vorzeigt. Von Süd-Jtalien will ich
gar nicht sprechen. Dort ist das Chaos
in Permanenz.
o 2 4 a i e a s e i e a n
einem von Erkältung herrührendenFieber
onfall, weshalb der Empfang Besuchender
im Vatikan vorläufig suspendirt wurde.
Rom, 24. Mai. Eine Minister-Kri«
sis herrscht hier zur Zeit, weil das Par
lament ben vom Finanzminister bean
tragten Gesetzentwurf verworfen hat.

N e w e i o s o n u n w i k i e i n
Pomeroy, D. den 27. Mai 1874. No. 87.

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