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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, June 03, 1874, Image 3

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Die Geschichte der
Schöpfung.
Das Werk des zweiten SchopfungStageS.
Das Werk des ersten Tages hinterließ
uns die Natur als eine ungeheuer ausge
dehnte Fluth. Vermöge der Gravitation
oder Schwerkraft konnte sich die Masse
der Elementarstoffe nur in Gestalt einer
sehr großen Kugel ohne Unterbrechung
lagern. Durch das Hervorbrechen des
Urlichts, d. i. der Expansion, wurde noth
wendig die Urfluth verdünnt, so wie noch
jetzt alle Körper durch Wärme ausgedehnt
werden. Die so verdünnte Urfluth haben
wir uns eben darum nicht sowohl als eine
tropfbarflüssige, sondern mehr als eine
lustartige oder elastischflüssige Masse vor
zustellen, wenn nicht, was wohl am mei
steit Wahrscheinlichkeit für sich hat, diese
Urfluth in einem Zustande des Aufeinan
dergehänftseins sich befand, der jetzt in
der Natur nicht mehr vorkommt und den
die heilige Schrift nur im Gegensatz zu
fest als flüssig bezeichnet, oder als Ge
ivässer charakterisirt. Zu dieser kugelsör
migcn Urfluth sprach nun Gott der Herr
am zweiten Tage „Es werde eine Beste
(Firmament) in der Mitte der Wasser
und sondere Wasser von Wassern! Und
Gott machte die Beste uud sonderte die
Wasser, die unter der Beste waren von
denen, so ober der Beste waren. Und also
geschah es. Und Gott nannte die Beste
Himmel: und es ward Abend und Mor
gen, der zweite Tag" (1. Mos. 1, 6—8.)
Diese beiden Verse nun erklärt man fast
allgemein dahin, daß Gott am zweiten
Tage die die Erde, die doch noch gar nicht
geschaffen war, überfluthenden Gewässer
von den Wolken schied, und den über der
Erde ausgespannten Lnstkreis Himmel
nannte oder Firmament. Allein diese Er
klärung widerspricht offenbar jenen Stel
len der heiligen Schrift, die da ganz klar
bezeugen daß Gewölke und mit ihnen
Regen erst in Folge der Sündfluth ent
standen. So heißt es im zweiten Kapitel
der Genesis (2, 6—6.): „Gott der Herr
hatte noch nicht regnen lassen auf Erden,
sondern ein Brunnen stieg auf von der
-Erde uud befeuchtete die ganze Oberfläche
der Erde." Und im ueunten Kapitel heißt
es „Ich will meinen Bogen iit die Wol
ken setzen, und er wird das Zeichen des
Bundes zwischen mir und der Erde sein"
(g, 13.). Wer behauptet, es habe schon
vor der Sündfluth einen Regenbogen ge
geben, treibt mit den Worten der heiligen
Schrift ein muthwilliges Spiel. War
aber kein Regenbogen, so war auch kein
Regen, so gab es mich noch keine Wolken,
und obige Erklärung, nach welcher „die
Wasser über dem Firmamente" als Wol
ken Paradiren sollten, fällt in sich selbst
zusammen. Das, was wir mit dem aus
dem Lateinischen erborgten Wort Firma»
ment bezeichnen, der Luftkreis oder die
Athmosphäre, kann unmöglich hier ge
meint sein denn da steht ausdrücklich
entgegen der vierzehnte Vers, wo es heißt:
„Es sollen Lichter werden am Firmamente
des Himmelswäre Firmament der Luft
kreis, dann käme Sonne, Mond und
Sterne in unsere Wolkenregion ja, wenn
die Wasser über'm Firmament die Wolken
wären, sogar noch unter den Wolken zu
stehen, was eine pure Lächerlichkeit ist.
Also vom Firmamente als Luftkreis und
von Wolken, die von den Wassern ge
schieden worden wären, ist gar keine Rede.
Um den wahren und tiefen Sinn der
fraglichen Stelle zu ermitteln, kommt
Alles darauf an, daß man wisse, was
denn mit dem Worte Firmament eigent
lich gesagt sein solle. Das hebräische
Wort, welches im Lateinischen mit Firma
ment übersetzt wurde, und auch in's
Deutsche übergegangen ist,heißt ursprüng
lich stopfen und dicht machen. Es erge­
ben sich daraus die abgeleiteten Bedeu
tungen, wie: begründen, d. h. den Grund
fest machen treten, durch Stampfen dicht
machen, befestigen. Die richtige und ge
naue Uebersetzung des sechsten Verses ist
demnach Es entstehe eine Verdichtung
in den Gewässern und in der Elementar
masse, und hiedurch eine Scheidung.
Dieß ist die eben so einfache als klare und
bestimmte Erzählung von der Bildung
der Himmelskörper oder Gestirne aus der
Urfluth der Natur. Die erste Periode
war mit dem Hervorbrechen des Lichtes
abgelaufen, d, h. mit dem Vorherrschen
der Expansion, der Nusdehnnngskraft
die zweite beginnt wieder mit der Kon
traktion, der Zusammeuziehung. Die in
Gestalt einer ungeheuren Kugel ausge
dehnte, aber noch ununterbrochen zusam
menhängende Urfluth sängt an, sich zu
verdichten oder zusammenzuziehen, und
zwar, da nach dem heiligen Texte Thei
lung oder Scheidung entstand, nicht von
einem Punkte, sondern Den vielen Punk
ten aus. Die Eine große Kugel ver
schwindet also, und an ihrer Stelle er
scheinen kleinere von einander getrennte
oder gesonderte Kugeln. Einen ganz
gleichen Gang der Sternenbildung aus
den unermeßlichen Lichtnebeln in der Tiefe
der Himmelswölbung beobachten heutzu
tage alle Astronomen. Der sechste Vers
verkündet uns also, daß in jener kugel
förmig gelagerten Urfluth eine Verdich
tung eintrat, durch die jene Eine Kugel
in unzählig viele kleinere Kugeln und
Ballen sich theilte, oder, daß aus der von
Gott am ersten Tage wieder belebten
Masse von Elementarstoffen sich die gro
ßen Naturindividnen bildeten, genannt
Himmelskörper oder Gestirne. Und
Gott nannte nach Vers 8. diese Verdich
tung d. h. den Inbegriff aller verdichte
ten Punkte, Himmel, so wie wir noch
heute den Inbegriff aller Gestirne, auch
die Erde nicht ausgenommen, Himmel
nennen.
Der siebente Vers Und Gott schuf das
Firmament, d. h. er machte eine Verdich
tung in den Waffern, scheint nur eine
Wiederholung von Vers 6. zu sein, wo
es heißt: Es werde das Firmament! ist
es ccher nicht denn obgleich diese Worte
den sechsten Vers nur wiederholen, so ge
ben doch die folgenden Worte: „Und er
theilte die Wasser, die unter dem Firma
mente waren, von denen, die ober dem
selben warenein neues Faktum au.
Was sind das wohl für Wasser ober dem
Firmament und unter demselben? Wir
haben gesehen, daß jene „verdichteten
Wasser" nichts anders sind als die Ge
stirne. Gott schied also die untern Ge
stirne von den obern. Da alle Gestirne
bei ihrem Entstehen noch in jener großen
Kugel gelagert waren, in und aus der sie
sich eben gestalteten, so kann unter nur
den Mittelpunkt (Centrum), und oben
nur den Umkreis (Peripherie) bedeuten.
Der noch genauer bestimmte Sinn des
Satzes ist daher: Gott schied die centra
len Gestirne durch einen Zwischenraum
von denen am Umkreis. Wenn die un
ter den ausgezeichnetsten Astronomen Herr
schend gewordene Ansicht vom Bau des
Himmels die richtige ist: so können wir
wohl nicht zweifeln, daß unter den untern
Gewässern die Sonne sammt ihren Pla-
neten als die centralen Gestirne, unter den
obern aber die sogenannten Fixsterne als
die peripherischen zu verstehen seien.
Das Werk des zweiten T^ges oder der
zweiten UrPeriode stellen wir uns also im
Ganzen so vor: die Urfluth die, wie
schon bemerkt, mehr luftartig als tropf
bar flüssig zu denken ist, war in einer un
geheuren Kugel gelagert, in der nothwen
dig die an sich dichtem Stoffe dem Mit
telpunkte zustreben mußten während die
leichtern im Umkreis der Kugel ihrenRaum
fanden. Als nun außer dieser allgemei
nen Gravitation auch noch eine besondere
Concentration, eine Verdichtung der
Stoffe in sehr vielen Punkten durch die
ganze kugelförmige Fluth eintrat, ward
die Eine Kugel in unzählig viele kleinere
Kugeln, d. i. in Gestirne oder gesonderte
Himmelskörper zertheilt. Diese Bildung
der Gestirne, als der wahren Naturindi
vidueu (jedoch noch ohne alle organische
Entwicklung) war also die Wirkung der
im Anfange der zweiten Urperiode wieder
herrschend gewordenen Znsammenzieh
uugskraft oder der Kontraktion. Bei
der darauf folgenden Vorherrschaft der
mittleren Kraft, die wir Lebenskraft nen
nen, mag wohl mulhmaßlich die räderar
tige Bewegung der Gestirne begonnen
haben. Am Ende der zweiten Urperiode
scheint aber die Ausdehnungkraft, die Ex
pausten, wieder herrschend geworden zu
sein und ss die Scheidung der obern
und untern, der peripherischen und cen
tralen.Gestinte durch eine weite Kluft
hervorgerufen zu haben.
Daß unter den obern Gewässern ganz
gewiß die Gestirne, und zwar die von uns
entferntesten verstanden werden müssen/
hat überdieß noch seinen positiven Anhalt
in der heiligen Schrift. Es steht dieß
im Psalm 148., der mit den Worten be
ginnt „Lobet den Herrn vom Himmel
her (laudate dominum de coelis),
und nun bis zum siebenten Vers einzeln
anführt, was sowohl im unsichtbaren(oder
dritten) Himmel, als am sichtbaren Ster
nenhimmel den Herrn preisen soll. Im
ersten Himmel sollen ihn preisen „alle
seine Engel und Kräfte (angeli et vir
tutes), im zweiten Sonne, Mond und
alle Sterne (sol et luna, ornnes
stellte et lumen), dann kommt, offen
bar schärfer und näher den dritten Vers
erläuternd es lobe den Herrn die ganze
Fülle der Gestirne (laudate eum cceli
ccelorum), und nun kommen die merk
würdige Worte: „uud alle Wässer, die
über den Himmeln sind loben den Na
men des Herrn" (et aqnae omnes,
quae super ccelos euut, laudent
nomen Domini). Wer muß hier nicht
denken an die äußersten, entferntesten,
also respektive höchsten Fixsterne? Wer
kann dagegen sich hier noch einfallen
lassen, bei dem Ausdruck: „alle Wässer,
die ober den Himmeln sind," an Dunst
und Wolken in unserm Luftkreis zu den
ken? Der siebente Vers macht diese an
sich höchst seichte Auslegung völlig un
statthaft denn nun erst wendet sich der
Psalmist vom Himmel abwärts und ruft:
Lobet den Herrn von der Erde! im Ge
gensatze vom Himmel, und nun werden
Vers 8. alle Kreaturen aufgezählt, die
„von der Erde" Gott loben sollen, alle
atmosphärischen Erscheinungen: Feuer,
Hagel, Nacht, Eis, Stürme. Jene
„Wässer" müssen also doch wohl in einer
gar viel höheren Region gesucht werde»
ja es scheint sicher, dajj darunter die Ge
stirne und zwar die Fixsterne verstanden
werden müssen.
Vor einigen Jahren wurde ein
Abgeklärter in einKrankenhans der barm
herzigen Schwestern gebracht, weil er
unter Anderem auch an der fixen Idee litt,
in solchem Hanse noch einmal seine Braut
zu finden. Als er auf dem Wege der
Besserung war, verlangt er Bücher zum
Lesen, jedoch keine Legenden und Gebet
bücher. lieber den Inhalt solcher Bücher
dünkte er sich als Gelehrter erhaben, wie
über Kindermahrchen aus der Ammen
stube. „Schwester", entgegnete er d'rnm
seiner Pflegerin, die ihn zur Theilnahme
am gemeinschaftlichen Abendgebet in der
Hauskapelle einlud, „so dankbar ich Ihnen
auch für Alles bin aber mit Beten, das
nur für alte Weiber, wollen sie mich ver
schonen." „Das können Sie-nicht auf
richtig meinen," antwortet die Schwester
„Sic wollen gewiß nicht gemeinschaftlich
beten darum erlauben Sie mir, das
Ohio WaHmfretmb. 2.
Abendgebet lant in Ihrem Zimmer »er
richten zu dürfen." „Das werdtich Ihnen
nicht verbieten, wenn es Ihnen Bergnü
gen macht doch verzeihen Sie, wenn ich
davon keine Notiz nehme," sagt Höstich
der Aufgeklärte. Die Schwester kommt
täglich und betet das Abendgebet und
schließlich das „Gedenke o gütigste Jung
frau ," jenes wunderthätige von allen
Kranken des Hauses für einen grauen
Sünder verrichtete Gebet. Der Aufge
klärte schlägt die Beine übereinander,
kreuzt die Arme, Bedauert im Stillen die
Geistesfinsterniß der Schwester, und bläßt
vornehm feiner Cigarre Ranch in kurzwei
ligen Figuren nach der Zimmerdecke, durch
die das: „Gedenke" zum Throne des
Himmels dringt. Einige Tage schon
betet die Schwester in dieser Weise: da
auf einmal legt der Patient die Cigarre
bei Seite, läßt sich langsam auf die Kniee
nieder und stützt den Kopf in seine Hände
vertieft in Gedanken, vielleicht im Gebet.*,
Die Schwester hat geendet und geht von
(innen. Des andern Tages betet sie
wieder, und auch der Aufgeklärte thut
desgleichen darum sie schließlich demsel
ben sagt daß er nunmehr allein beten
könnte. „Nein", entgegnete dieser, „ich
will nicht allein für mich beten sondern,
wenn Sie's erlauben Sie beim gemein
schaftlichen Abendgebet der Mühe des
Vorbetens überhebenwas er denn nun
auch zu Aller Auferbauung von an
gethan. Das Gebet hatte ihm zugleich
seine Braut im verlornen Glauben zuge
führt. So geschehen im Jahre 1865.
—"N ewPork. Der „Sportsman"
Hugh Nielly brachte dieser Tage in Er
fahrung daß von einem Theilhaber der
Firma Powers u. Kerns, in deren Lokal
er wie andere Sportsmen viel zu verkeh
ren pflegte, 16 junge Alligatoren ans
Florida, wo er sich jetzt befindet. einge
gangen seien.
Nichts schien nuu Hugh Wünschens
werther, als der Besitz eines solch interes»
santen Thierchens. Er verfügte sich so
fort zn Powers u. Kerns und frug um
welchen Preis man ihm eins ablassen
wolle. „Umsonst", entgegnete Herr Po
wers „wenn Sie sich eins aus dem Ka
sten dort herausholen wollen". Dazu
war unser Sportsman, ein professioneller
Athlete, nur zu bereit. Er langte hinein
und'packte den größten unter der schlim
men Brut mit eisernem Griff. Auch
würde er ihn ohne Mühe hervorgezogen
haben, hätte ein kleineres Individuum
dieGelegenheit nicht benutzt, dem Sports
mann einen halben Kubikzoll Fleisch aus
dem Arme zu beißen, so daß er sich mit
Znrücklassung des Alligators und eines
Stückes seines eigenen Fleisches schleunigst
zu einem Wundärzte verfügen mußte.
ner Machthaber ist: alle Staaten Euro
pas zu nöthigen, ihre beim päpstlichen
Stuhle beglaubigten Gesandten abzube
rufen dies ersieht man aus folgendem
hochosficiösen „Mitgetheilt" in der neue
sten Nummer der Kölnerinn: „Dürfen
die Staaten sich ein solches Benehmen,
eine solche Sprache, die stete Aufreizung
die' offene Revolutionirung gefallen las
sen? Ist es nicht an der Zeit den Schritt
zu thun, der längst hätte geschehen fol
len, die Gesandtschaften bei der römi
schen Curie auszuheben? Sie sind un
nöthig, stärken dieselben nur in ihrem
Widerstände gegen Italien, bestärken die
Curie in der Ansicht ihrer Suprematie
und schädigen den Staat. Will der
Papste Rechte in einem Staate üben so
erkenne er besten Gesetze offen an. Wo
nicht, ignorire man ihn, wenigstens von
Staats wegen."

e n e n st e a n der Berli­

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