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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, June 03, 1874, Image 6

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6
Ohio Wmsenfreund.
Gemeinnützige Kenntntsse.
Askalon,
eine der fünf philistäi-
schen Hauptstädte, am Mitelländischen
Meere, zwischen Gaza und Asdod, Sitz
des Dienstes der Derketoz in fruchtbarer
Umgegend namentlich waren die dorti
gen Schalotten berühmt. Askalou ward
von Josua dem Stamme Inda zugetheilt
scheint aber nie dauernd in dessen Besitz
gewesen zu sein. Hier erschlug Simson
30 Philister Jonathan eroberte die
Stadt zweimal. Die Feindseligkeit der
Askaloniten gegen die Juden dehnte sich
später auch ans die Christen aus, die hier
namentlich zur Zeit Juliaus vielfach den
Martertod fanden. Doch hatte das
Christenthum schon bald feste Wurzeln
gefaßt und auf den Synoden von Nicäa,
Constantinopel 381, Dispolis, Chalce
don, Jerusalem 536 waren auch Bischöfe
von Askalon. Am.12. August 1099 er
litten die Aegypier durch £bic Kreuzfahrer
unter Gottfried von Bouillon, Raimund
von Toulouse und Robert von der Nor
mandie eine vollständige Niederlage, doch
nahm erst Balduin Iii., König von Je
rusalem 1157 nach ^monatlicher Bela
gerung die Stadt in Besitz 30 Jahre
später wurde sie von den Sarazenen er
obert die ihre Festungswerke schleiften.
Richard Löwenherz stellt'sie 1192 wieder
her. 13. November 1239 erlitten hier
die Kreuzfahrer eilte Niederlage.
Aspcrges me, Gewöhnlich beginnt
der Gottesdienst an Sonntagen mit der
Aussprenguug des Weihwassers in der
ganzen Kirche, vor welcher der Priester
am Hochaltare dreimal den Altar und
dann sich selbst besprengt mit» dabei As
perges tue (Besprenge mich) singt, worauf
der Chor deu Gesang fortsetzt.
Assassinen',
eine mohamedanische
Geheimsekte, die aus den schiitischen Is
maeliden hervorging im6 noch gegenwär
tig im Libanongebirge, einige Hundert
Anhänger zählt. Ihr Stifter ist Has
san-ben-Sabbah (gest. 1124), Dam Dai
oder Häuptling der Jsmaeliden, der 1090
die Burg Alamut in Persien eroberte.
Hier sammelte er einen zahlreichen An
hang., namentlich von Jünglingen, um
sich, die ihn als deu rechten Stellvertreter
des Imam anerkannten und verehrten.
Durch eigenthnmliche Pflanzenprüparate
wußte er sie zum höchsten Fanatismus
aufzuregen und zu feilte» blind ergebenen
Werkzeugen zu machen. Den Menchel
mord im Dienste des Glaubens verübt,
erklärte er für die gottgefälligste Haud
lung, und utchte die Fedais, feilte Jüug
tingsgarde, so nachdrücklich und in so
ausgedehntem Maße dieser Lehre gemäß
ans daß er der Schrecken der mächtig
stett Herrscher des Orients wurde.
Aftdologie, der Wortbedeutung,
sowie der Geschichte nach so viel als
Sternenkuude. Schott frühzeitig ver
band sich aber damit das Deuten der Be
wegnngcn und Konstellationen der Ge
stirne ans die Menschen und ihre Ge
schichte, so daß Astrologie bald, aus
schließlich jedoch erst seit Lostrennung der
Astronomie v'n ihr, zur bloßen Stern
deuterei herabsank. Sie bildete sich aus
dem heinischen Sternenendienste heraus
und war die Wissenschaft, welche aus den
Sternen die Zukunft zu berechnen und
vorauszusagen verstand. Nach den Ast
rologen stand nämlich Alles ans Erden
unter dem Einflüsse der Sterne ganze
Reiche und Provinzen, Städte und Dör
fcr,. ebenso ganze Völker und Stände,
wie einzelne Personen. Eine geheime
Kraft strömt unaufhörlich votn Himmel
auf die Erde aus es findet ei» Zusam
menhang und ein Mitgefühl der Plane
ten und Himmelslichter mit der Erde und
den irdischen Wesen statt. Zuerst als
Wissenschast wurde die Astrologie bei den
Aegypten, betrieben, wenn überhaupt sich
die Hypothese bewahrheitet, daß von ih
iicit die Cultur und Civilisation der übri
gen Völker ausging. Dieser heidnische
Wahn zog sich selbst in die christlichen
Jahrhunderte herein und sollte auch hier
noch weit über ein. Jahrtausend seine
Herrschaft ausüben. Kirchliche Verbote
so wenig als die Bekämpfung der Theo
logen reichten zu seiner Ausrottung hin.
Clemens und Origines von Alexandrien
in der orientalischen der hl. Augustinus
in der occidentalischen Kirche, waren die
einflußreichsten Gegner der Astrologie,
die ja in ihrer heidnischen Form den
christlichen Lehren von der göttlichen
Vorsehung, dem freien Willen des Men
schen k, widersprach. Allein die Astro
logen verstanden, als die christliche Reli
gion immer mehr zur Herrschaft gelang,
es bald, ihre Interesse in diesem Um
schwmige der Verhältnisse wahrzuneh
men. Jetzt lehrten sie, daß -die Sterne
mir den Willen Gottes verkündigten, ihr
Einfluß nicht so energisch und mtverän
derlich sei, daß nicht Gottes Wille ihn
ablenken und abändern könnte selbst
dem im Christenthnme zur Geltung ge
langten freien Willen trugen sie Rech
mnig, indem sie auch ihm die Macht zu
gestanden den durch die Sterne ange
zeigten Gefahren durch Gebet und Buße
vorbeugen zu können. So konnte es
kommen daß das Concil von Lac^icea
sogar verbieten mußte, daß höhere und
niedere Geistliche Mathematiker »der Ast
rologen sind.
Den Höhepunkt ihres Ansehens und
ihrer Macht hatte jedoch die Astrologie
im 15. Jahrhundert erreicht,. wo es uns
zugleich möglich wird, diese keineswegs
fingirte, sondern sehr reale Macht leichter
und zuverlässiger zu messen. Die Buch
druckerkuust, dieses neue Vehicle des Um
satzes geistiger Production welches das
15'. Jahrhundert erfand, war für die Ast
rologen von unberechenbarer Tragweite,
und eben sie waren es welche wohl den
ersten großartigen Erfolg mittelst der
Presse erzielten. Mit Hülfe der Such
drnckerkunst wissen sie Alles, auch das
Volk in all seinen Schichten unter ihre
Herrschaft zu beugen und nach ihrem
Willen zu einer gemeinsamen Action zu
lenken. Sie erscheinen nun als eine über
den Fürsten nnd Völkern stehende Macht,
denen allein Redefreiheit zustand selbst
die anscheinend revolutionärsten Geoan
ken nachgesehen wurden, da sie ja nur
den Willen Gottes, nicht ihre eigenen
Anschauungen verkündigten.
Von welchem Einflüsse sie auf den gro=
ßen Bauernkrieg waren, wie sehr die Re
formation Luthers davon abhing, ist nä
her in Friedrichs Schrift: Astrologie
und Reformation, oder die Astrlogen als
Prediger der Reformation und Urheber
des Bauernkeiegs, München 1864
auseinandergesetzt. Daß die in dieser
Schrift behauptete Benützung der Astro
logic durch Luther nicht unwahr und erst
vom Verfasser erfunden ist zeigt die Ein
reihnng Luthers und Melanchthons.we
gen ihrer Pamphlete „Mönchkalb" und
„Papstesel" unter die Astrologen in der
Bibliothek des Protestanten Thomasius.
Kurz fast sämmtliche in der Reformation
Luthers hervorragende Männer waren
der Astrologie ergeben Melanchthon
übte sie sogar selbst. Im 16. Jahrhun
dert beginnt jedoch der Kampf gegen die
Astrologie es findet sich schon in diesem
Jahrhundert eine zahlreiche polemische
Literatur vor. Den Hauptstoß erhielt
sie aber durch die exactere wissenschaftliche
Methode in der Astronomie, vollends
durch das kopernikanische System, und
in der Medicin, in welcher man endlich
aufhörte, die Astrologie als ihre Grund
lage zu betrachten, die man vielmehr von
jetzt an auf die Anatomie zu gründen be
gann.
Aremdwörter.
Zur Gedächtnisübung für unsere jungen Leser
Anarchie, (gr.) Gesetzlosigkeit.
Anastasia, (gr.) Auferstehung.
Anathema, (gr.) Kirchenbann.
Anatom, (gr.) Zergliederer. An a*
tomie, (gr.) Zergliederung. An
dante, (ital.) schrittmäßig.
Aufgabe No. 16.
Der Orden der Gesellschaft Jesu wurde
vor vielen Jahren vom hl. Ignatius ge
stiftet. Nimmt man die Jahrzahl 5 mal
und zieht von dieser Zahl 6136 ab so
hat man die Jahrzahl. Wann wurde
der Jesuitenorden gestiftet?
Auflösung der Aufgabe No. 14.
Der Aelteste ist 29-| und der Jüngste
24£ Jahre alt.
Die Differenz des Alters (5|) multi
pticirt man mit der Zahl, mit welcher
das Alter des Aeltesten multiplicirt wer
den sott (also mit 6) das dadurch er
haltene Product ziehe man von der gege
benen Summe (301) ab und theile den
Rest durch die Summe der beiden Zahlen
mit welchen das unbekannte Alter mnlti
plicirt werden sollte (mithin 6 und 5
11), so gibt der Quotient das Alter des
jüngsten Sohnes an, und addirt man 5£
zu dem Quotienten so erhält mein auch
das Alter des ältesten Sohnes.
Aufgelöst durch 91. Schulte, Phila., Pcu
Häusliche Erziehung.
Eltern erhalten manchmal irgendwie
Kennntniß daß ihr Kind in der Schule
gestraft wurde, sei es, daß das Strafaus
maß verdient oder ein zu hartes gewesen.
Wie weit die bestehenden Gesetze Bestra
suugen der Schüler zulassen, wissen merk
würdigerweise alle Eltern auf das Ge
naueste dies hierzu erörtern, möchte als
Raumverfchwendnng erscheinen. Wie
schlimm aber oft die Kinder find, welche
Unarten, Unachtsamkeit oder Faulheit sie
in der Schule entfalten wie sie oft den
wiederholten Ermahnungen des Lehrers
gar kein Gehör schenken, wie groß „solch
liebenswürdigen" Schülern gegenüber die
Geduld des Lehrers sein müsse, das wol
teil wieder nicht alle Eltern einsehen und
berücksichtigen. Ja es finden sich Eltern,
aus deren Munde im Hause nur pol
ternde und schimpfende Worte hervor
sprudeln und mit deren wuchtiger Faust
Stöße und Schläge ans ihre Kinder her
niederregnen, die aber plötzlich ganz sein
und zartfühlend, ja im Innersten ihrer
Seele schmerzvoll berührt werden können
wenn er der Lehrer ihre Kinder
streng anblickt, sie mit einer leichten
Schulstrafe zur Orenung bringen will,
oder gar mit dem Stäbchen antupft!
Klar ist nun die Thatsache, daß die Kin
der bestraft werden müssen wenn sie es
verdienen und den Gesetzen zuwider han
deln. Ebenso einleuchtend muß es aber
doch allen verständigen Eltern fein daß
sie, sobald sie von der Bestrafung Kennt
niß erhalten darüber nicht grollen oder
bei Nachbarpartheien schimpfen oder
gleich zur Court laufen, am allerwenig
sten aber in Gegenwart der Kinder sich
über den Lehrer gröblich und unglimplich
äußern sollen.
Meint z. B. ein Vater, es sei seinem
Kinde Unrecht geschehen, nun wohlan, so
gehe er hin zum Lehrer, erkuudige sich
auße rhal des Schulzimmers über
die Ursache in höflicher und bescheidener
Weije, nicht mit krebsrothem Gesichte,
funkelnden Augen und zornbebender
Stimme, der Lehrer wird ihm nun
den Vorfall erzählen. Hat der Lehrer
nun recht gehandelt und nach Gewis
senspflicht die Strafe verhängt, dann
möge der Vater beruhigt nach Hause ge
hen, sein Kind, wenn auch nicht so
strenge, wie in der Schule gestrast wer-
deu mußte, nochmals strafen, und ihm
^dadurch die heilsame Lehre beibringen,
daß es zu Hause kein Recht finde, wenn
es verdienter Weise in der Schule abge
straft wurde. Sollte der Lehrer aber
wirklich zu strenge.gestraft haben, so sol
ten Eltern bedenken, was das heiße, 60,
100 und noch mehr Kinder vor sich zu
haben, Ruhe mit ihnen zu erhalten sie
zu unterrichten, zu ermahnen, in mancher
Schulstunde sie zehnmal anreden oder
tadeln zu müssen was für eine Geduld
erforderlich sei, diese Schaar Kinder und
deren Schwächen oder Fehler in der ersten
zweiten und dritten Schulstunde Bormit
tag, in der ersten zweiten und dritten
Schulstunde Nachmittags vor Augen zu
haben DieEltern, die oft bei zwei bis drei
Kindern, ja oft bei einem Kinde schon un
säglicheGeduld aufwenden müssen,mögen
sich doch nicht wundern, wenn dieser, leider
sehr erschöpfliche Schatz der Geduld dem
Lehrer manchmal abhanden kommt. Läßt
es sich nun nicht ableugnen, daß der Leh
rer durch das Uebermaß der Strafe ge
fehlt hat, so ist es ebenso nicht in Abrede
zu stellen, datz Eltern dieses Benehmen
nicht in Gegenwart der Kinder besprechen
oder betadeln dürfen sondern wenn sie
durchaus Genugthuung haben wollen,
sich mit dem Lehrer oder der Lehrerin in
der Wohnung allein besprechen sollen,
wo diese Angelegenheit recht liebevoll
und schonend zur beiderseitigen Zusrie
denheit wieder ausgeglichen werden kann.
Dadurch wird das vor den Kindern so
nothwendige Ansehen des Lehrers nicht
geschmälert, und das Ansehen der Eltern
in den Augen der Kinder gehoben. Ue
berhanpt dürfen Kinder im Lehrer keines
falls selbst in dem Falle als der Lehrer
in der ersten Zornesaufwallung in seiner
Strafe zu weit gegangen wäre, etwas
Anderes erblicken als ihren Wohlthäter,
der nur saure Mühe mit ihnen hat!
0
Der Bauer im Dovn.
Es war einmal ein junger Knechk, der
hatte nichts als ein Paar starke Arme
und seinen ehrlichen Namen Hans, als er
beim Bauer Velten in Dienst trat. Da
hatte er keinen Lohn aber viel Arbeit,
bekam wenig zu essen aber desto mehr
Rippenstöße doch weil er ein guter, ein
fältiger Mensch war, auch seine Mutter
ihn oftmals zur Geduld ermahnte, so ließ
er sich's drei Jahre lang gefallen. Nach
dieserZeit starb dieMutter, derDienst und
das Dorf wurden dem Hans verleidet,
und er verlangte von seinem Dienstherrn
den Lohn weil er gehen wolle. Dieser
aber fuhr ihn grob an und sagte: „Habe
ich nicht all die Zeit Herdich faulen Bauch
ernähren müssen um die geringe Arbeit,
die du gethan hast? Was unterstehst du
dich von Lohn zu reden? Du magst froh
sein, wenn ich dir., dein Wams am Leibe
lasse!" Und als der Hans von seiner Be
täubung über diese Reden sich erholt
hatte und bei all seiner Lammsgeduld ihm
doch die Galle dermaßen stieg, daß er zu
schimpfen anhub da nahm ihn der Velten
beim Kragen, seine halbgewachsenen Bu
ben halsen dazu, und warfen den armen
Kerl zum Hof hinaus.
Darauf zog der Hans aus den Dör
fern herum, diente bald da, bald dort
und kam doch aus keinen grünen Zweig.
Mit der Zeit vergaß er auch der gnten
Lehren seiner alten Mutter ergab sich
dem Trunk und Spiel und gerieth dabei
immer tiefer ins Elend, so daß er nach
einer Weile gar des Lebens überdrüssig
wurde. Da kam er eines Tages in ei
nen Wald, und es war ihm beinahe, als
müßte er sich einen Baum aufsuchen, um
sich daran aufzuhängen. Indem er so
traurig dahin schlich, hörte er ein klägli
ches Jammern und Schreien. Er ging
nach der Stelle und kam an eine tiefe
Grube darin hockte ein armer, kleiner
Mann hatte ein Geiglein in der ein

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