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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, June 10, 1874, Image 1

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Wochenschau.
(Inland.)
S y a u s 0, N. $., 3. Juni. Etwa
300 Delegaten wohnten heute der Sitzung
der „Anti-Secret Society Association"
bei. Professor Blanchard berichtete eine
Jncorporationsacte unter den Gesetzen
von Illinois ein. Der Name, welcher
angenommen wurde, ist „National Chri
ft in ii Association", und als Zweck wurde
erklärt, allen geheimen Gesellschaften,
namentlich denFreimaurern und allenan-!
deren antichristlichen und anti-repnblika
nischen Vereinigungen Widerstand ent
flogen zu setzen, dieselben bloßzustellen
iinb zu vernichten. B. I. Roberts von
Illinois wurde zum Präsidenten erwählt.
Das 6omite für politische Handlungen
berichtete zu Gunsten der Organisirung
einer amerikanischen Partei, um die Zwecke
der Association mit Hilfe des Stimmka
fteiis durchzuführen.
S a n s e N 4 u n i i e
„Anti Secret Society" Convention nahm
heute Resolutionen an, in welchen alle
durch einen geheimen Eid verbundenen
Brüderschaften, die Granger und gehei
men Temperenzgesellschaften mit einge
schlössen, als Verschworene gegen alle die
jenigen, die nicht zu ihnen gehören und
als beständige Drohung gegen die christ
liche Religion erklären. Besondere Oppo
sition wird gegen die Freimaurer ausge
drückt und erklärt, daß kein Mitglied für
einen Freimaurer stimmen soll, welcher
sich mn ein Amt bewirbt. Es wird be
schlössen, einen Fond von $10,000 aufzu
bringen um einen Generalagenten und
Redner zu besolden. Der Beitrag für
Mitglieder'wird auf 2y Cents per Jahr,
oder auf $10 für lebenslängliche Mit
gliedschaft festgesetzt. Es wurde der Ent
wurf tines Briefes on den Präsidenten
angenommen, in welchem gegen die beab
fichtigte freinmurcrifche Einweihung der
Regierungsgebäude in Chicago protestirt
wird.
Bei der neulichen Prüfung von
Kandidaten zur Aufnahme in die Kriegs
schule von W e st o i n bestanden 95
unter 97 die körperliche Prüfung, die sehr
streng sein soll, während von diesen 95
nicht weniger als 82 zurückgewiesen wur
den, weil ihre geistigen Fähigkeiten und
Kenntnisse den Anforderungen nicht ent
sprachen welche die Regierung an ihre
künftigen Generäle und Feldherrn stellt.
Das spricht ttichfr sehr zu Gunsten unseres
•Erziehungssystems um so weniger als
man einnehmen muß, daß die Eltern der
betreffenden Knaben weil sie mit diesen
„große Dinge vor hatten", sich's Geld ge
mig kosten ließen, um die Söhnchen
möglichst klug und weise zu machen. Der
Mangel des jetzigen Unterrichtssystems
scheint der zu sein, daß zu Vielerlei und
nicht gründlich genug gelehrt wird. Von
.den farbigen Applikanten um Aufnahme
in West Point kam nicht ein einziger
durchs Examen.
a i s A 4 u n i E i n 1 7
Jahre alter junger Mann Namens Geo.
Cordes starb gestern an Trichinen, die sich
wahrscheinlich in einem vor einigen Wo
chen von ihm gegessenen Stück Schinken
vssmmssm
Herausgegeben zu in Besten eines Waisenhauses fnr die Diözese Columbus, O. Erscheint wöchentlich. Preis bei Vorausbezahlung für ein Jahr
befunden hatten. Eine seiner Schwestern
die damals mit ihm an dieser Mahlzeit
Theil genommen hatte, war bereits vor
acht Tagen an der nämlichen Krankheit
gestorben.
S N a n i s o 4 u n i E i n e
Depesche aus Austin', Nevada, meldet
Folgendes: Während der letzten Nacht
drangen 30 vermummte Männer in das
Gefängniß von Belmont, banden den
Sheriff und bemächtigten sich zweier Ge
sangenen, Namens MeJtyre und Walker,
welche sie-hängten.
A u st i n, Tex., 4. Juni Das Connty
Gefängniß von Georgetown ward vor
einigen Tagen von einer, über einhun
dert Köpfe zählenden bewaffneten Schaar
überfallen, Die Bürgerwache von fünf
Mann und der Sheriff konnten solcher
Anzahl keinen Widerstand entgegensetzen,
und nachdem dieselben vor der Hand un
schädlich gemacht, drangen jene in den
Kerker und erschossen neun der elf in
demselben befindlichen Gefangenen, meist
Mörder und Pferdediebe. Ein Gerücht,
daß die Anhänger der Gefangenen eilte
Befreiung derselben im Schilde führten,
soll die Veranlassung zu dem Uebersall
gegeben haben.
N e w o k 3 u n i A n s e n
Eisenbergwerken zu Port Oran wurden
400 Leute entlassen und aus den Hiber
niett-Bergwerkeit sollen am nächsten Sam
stage 500 Seilte entlassen werden, während
der Lohn derjenigen, die behalten werden,
von $1.59 auf $1.25 reducirt wird. Ur
sache hiersür ist der geringe Begehr nach
Eisenerz.
Am Pfingstmontag wurde in a l
i
in ore die sechste deutsche Kirche ein
geweiht und dem Dienste des Allerhöch
sten übergeben. Es ist dies die Herz-Jesu
Kirche, an welcher der hochw. Redempto
ristenvater Pingel als Seelsorger wirkt.
I n S e v i e o n n y A k w i
man das reichste Lager Spießglas in den
Vor. Staaten aufgefunden haben. Die
betreffende Ader ist bereits hundert Fuß
weit verfolgt worden, und das gewonnene
Erz enthält 70 Prozent Spießglas nebst
einer kleinen Beimischung von Silber.
I n o u n V e n o n O a e n
die Temperenzlerinnen jetzt System in
ihr Werk gebracht. Das ewige Herum
mnrschiren in Koth und Staub wurde
ihnen nachgerade doch zu viel, und so ha
bett sie denn vor jeder Wirtschaft ein
Schilderhäuschen angebracht, wo sie re
gelmäßig Weiche stehen und sich auch re
gelmäßig einander ablösen. Der Name
eines Jeden dann, welcher in eine Schenke
eintritt, wird niedergeschrieben, und die
Meisten haben hiervor einen so heillosen
Respekt, daß sie sich doch lieber ferne
halten.
e v e a n O 7 u n i i e
Küferwerkstätten von Clark u. Payne an
Seeanton Avenue, brannten heute Nach
mittag ab. Verlust ungefähr $20,000.
Man glaubt, daß der Brand durch das
Einschlagen des Blitzes während eines
Gewitters verursacht wurde.
i a N. 7 Juni. Dem Verneh
men nach sind 20 Personen, welche sich
heute auf dem Oneida-See dem Vergnii-
gen des Fischens Hingaben, ertrunken.
Wochenschau.
(Ausland.)
Am 17. Mai ist in allen Kirchen der
letzte Hirtenbrief des Bischofs Conrad
Martin von Paderborn verlesen
worden er nimmt darin Abschied von
seinen Diöcesonett, da er jeden Augen
blick seilte Verhaftung erwartet und vom
Gefängnisse aus nicht mehr zu ihnen re
den kann. Geherrscht in dem Briefe ein
weicher, wehmüthiger Ton, der unter den
obwaltenden Verhältnissen leicht zu er
klären ist beim Abschiede von geliebten
Personen wird man ja leicht gerührt.
Der Bischaf fordert die Gläubigen auf,
mit dem Stuhle Petri unter allen Um
ständen, auch in den härtesten Bedräng
nissen, in der Gemeinschaft des Glaubens
und der Liebe verbunden zu bleiben. Es
geht aus dem Hirtenbriefe hervor, daß
der Hochw'ste Bischof namentlich durch
die Einwirkung der neuen Maigesetze von
diesem Jahre eine Ausdehnung der alt
tothotischen Sekte befürchtet. Darum
warnt er die Gläubigen eindringlich vor
den abgefallenen, schismatischen Priestern
und räth ihnen lieber ihre Kinder von
gläubigen Laien taufen zu lassen, ihre
Todten mit Gebet und Gesang für sich
allein zu bestatten, als die Hülfe eines
schismatischen Priesters dafür in Anspruch
zu nehmen über die kirchliche Einsegnung
von Ehen an Orten, wo kein katholischer
Pfarrer mehr ist, sollen nähere Weisun
gen vom päpstlichen Stuhle ergehen.
Durch das neulich im Kantern
Genf angenommene Protestantische
Kirchengesetz hat man dort nicht blos die
.Kirche Calvin's, sondern überhaupt alles
Christenthum abgeschafft. Die Blätter
führen zum Beleg dafür einige Bestim
mungen dieses neuen Kirchengesetzes an:
„Erstens haben die Prediger kein beson
deres Glaubensbekenntniß abzulegen,
sind an keine Dogmen, keine Liturgie ge
bunden, können frei lehren und predigen
und sind nur ihrem Gewissen und ihren
Wählern-verantwortlich, und endlich ist
die Ordination der Geistlichen aufgeho
ben dagegen muß sich jeder Candidal
bei der Universität Genf über feine Stu
dien ausweisen."
a n k u 1 8 a i K s k a n n
nicht genug darauf aufmerksam gemacht
werden", heißt es in dem „Franks. Volks
blatt" welche furchtbare Veränderung
zum Schlechteren in dem sittlichen Leben
des Volkes vor sichfgeht. Während früher
em schweres Verbrechen hier in Frank
fürt Monate lang alles in Spannung
hielt, weil ein solches nur selten vorkam,
folgt jetzt eines auf das andere Mord,
Straßenraub, Brandstiftung und dergl.
wechseln in trauriger Reihenfolge mit ein
ander ab. Dazu mehren sich die Selbst
morde in schrecklicher Weise..."
e z u n e i n s o e n e e e
versprachen einst die geheimen Gesell
schastenVenedig und den übrigen italiem
schon Städten wenn sie sich der Regie
rung des Hauses Savoyen und der ihn
gen unterwürfen. Und jetzt? Ein Na
tionalliberaler, A. Wellmer, ist gegen
wärtig in Venedig und schreibt von dort
an die „Augsb. Allg. Ztg."
Rs. r$9.
„Halb Venedig bettelt! Und ein volles
Viertel der ganzen Einwohnerschaft
mehr als 25,000 Menschen erhalten
jahraus jahrein vom Staate und von
der Gemeinde Armenunterstützung, um
nicht zn verhungern. In dieser kurzen
statistischen Notiz liegt das ganze heutige
Elend der einst so prächtigen Lagunen
stadt!"
Aus o in wird gemeldet, daß der
Geburtstag des Papstes dieses Mal mit
außerordentlicher Betheiligung der Gläu
bigen gefeiert worden fei. Mehr als
20,000 Gratu
la tionssch rciben waren ans
allen Theileu Italiens im Vatican ein
gelaufen, und bilden eine wahrhaft impo
sante Liebesmanifestation.
Aus Trier bringen Berliner Zei
tungen die folgende Notiz Das mili
tärische Provianthans am De.utfchthor
in Trier wird mit Lebensmitteln gefüllt.
Ein Lehrer einer höheren Unterrichtsan
stalt in Trier ertheilt 40 Unteroffizieren
Unterricht im Französischen.
Wie wir den uns zugegangenen
Postnachrichten entnehmen bespricht die
Londoner „Times" in ihrer Nittum
er vom
3. Mai die bereits mit dem Kabel gemel
dete Rede Rüssels und erzählt hierbei, daß
Fürst Bismarck bei Gelegenheit der An
wesenheit des Königs von Italien in
Berlin das Bedanern ausgedrückt habe,
Frankreich nicht noch mehr geschwächt zu
haben. Um einen Kriegsvorwaud zu
finden, forderte erden König von Italien:
auf, Nizza und Savoytli zuriickzuver
langen.
Die „Times" sagt: Ohne die Weis
heit des Königs von Italien hätten wir
feit dieser Begegnung eilten neuen Krieg
in Europa.
Schließlich coustatirt die „Times", daß
keine ernsten Gründe zn einem Konflikte
zwische-tt Deutschland und Frankreich exi
stiren, da beideMächte keinenKrieg wollen.
o n o n 4 u n i e i e a u s
Spanien melden, daß die Hafenstadt Le
guitas an der Bai von Biscaya von einem
zn der republikanischen Marine gehören
den Schooner bombardirt worden sei,
weil ein mit Kriegseontrebande befrach
tetes Fahrzeug in den Hafen eingelassen
worden war.
Der Unterrichtsminister v o n o n r
o u hat in der französischen National
versammlung einen Gesetzentwurf einge
bracht demzufolge dem Naturforscher
Pasteur, Mitglied *i)er Akademie der
Wissenschaften und Professor an der Pa
riser Fakultät, eine Nationalbelohnung
in Form einer Leibrente von 12,000 Fr.
zuerkannt werden soll. In den Motiven
wird geltend gemacht, Herr Pasteur habe
siegreich den Nachweis geführt, daß der
Grundsatz: „Nur das Leben könne das
Leben erzeugen", auch auf die kleinsten,
nur durch das Mikroskop erkennbaren
Wesen seine Anwendung finde. Außer
dem wird geltend, gemacht, daß die Ar
beiten des Herrn Pasteur der Wein-,
Essig- Bier- und Seidenwürmer-Kultur
werthvolle Dienste geleistet hätten.
a y o n n e, 7. Juni. Don Carlos
hat mittelst eines Decretes die von seinen
Truppen occupirten Provinzen autorifirt,
Rathsmitglieder zu wählen.
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Zshrg. 2. Pomeroy, D. den KG. J«n» 187Ä.

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