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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, June 10, 1874, Image 5

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'Aberglaube das Heil der Welt sei al
les Das sind nur Abirrungen eines und
Sesselben!Uebels, der Dummheit, derNoh
heit und des jämmerlichen Aberglaubens,
:ber sich selbst frecher Weise „Religion"
Jiennt.
Man lege zuerst die Hand an die Ue
lbelstände im eignen Land, ehe man über
•die im fremden Land heult uud wehklagt.
Wer den Teusel in Bier und Schnapps
'wittert, ist auch im Stande, in Denen
'welche davon genießen, den Satan zu er
blicken. Und vom Beschwören desselben
durch Gebet und Gesang bis zum Schei
terhaufen ist für den blinden Fanatis
mus des rohen männlichen und weiblichen
Pöbels nur ein einziger Schritt.
Die Convention der Dunkards.
Die Dunkards, eine citriofc religöse
Sekte, hielten kürzlich in Gtrmb, III.,
ihre National-Convention ab und saßteu
•einige interessante Beschlüsse hinsichtlich
ihres Verhaltens im täglichen Leben.
Diesen Leuten ist durch den Telegraphen
eine großes Unrecht geschehen, in dem der
selbe beständig der Versammlung als die
National-Convention der Drunkards
(Trunkenbolde) bezeichnet, und manche
der hervorragendsten westlichen Blätter
brachten die Nachricht, daß zehntausend
„Trunkenbolde" nach Illinois gewandert
seien, mit eine Convention abzuhalten.
Die Dunkards sind aber nichts weniger
als Trunkenb,lde. Sie sind in Gegen
theil Abstinenzler vom reinsten Wasser,
trinken keine geistigen Getränke und essen
sehr einfache Speisen. Die weiblichen
Dunkards tragen weder Schmucksachen,
noch Federn, noch grelle Farben noch
Chignons, noch „Bustles", noch falsche
Zähne, noch Schminke, noch benützen sie
irgend ein anderes künstliches Toiletten
Mittel. Sie haben alle die nämliche
Tracht und Farbe in ihren Kleidern.
Die Freuden und die unsäglichen Qua
len der Putzsucht sind ihnen fremd. Da
giebtes keine hoffnungslosen Wünsche der
Eitelkeit und keinen Neid über das schöne
Kleid der Nachbarin. Die Männer tru
gen den Bart ganZ und voll und gehören
also nicht in die weil verbreitete Klasse der
Bartnarren. Auch in den Häusern ist al
les einfach: keine schwellenden Soph as,
keine weichen Teppiche, keineGeinülde, kein
Piano, u. s. w. Alles das ist weltlich.
Der Dunkard führte keine Prozesse und
spart damit viel Geld er trägt keine Waf
fen und besucht keine Gesellschaften.
Als Ersatz für alle diese weltlichenDin
ge hat er den keuschen Kuß als Gruß,
Männer, Weiber und Kinder grüßen sich
durch Küsse, ohne Rücksicht auf Alter und
Geschlecht. Aber auch dieser welttiche
Zug wird ihnen durch die Gleichberechti
guug der Neger vergällt. Es ist zwar in
der Civil-Nights-Bill darüber nichts vor
-gesehen aber die Thatsache, daß auch
Neger Dunkards geworden sind und noch
werden, hat die Kußfrage innerhalb der
Secte auf's Tapet gebracht. Die weißen
Männer sind gern bereit, weiße Frauen
zimmer in ihrer Weise zn grüßen und je
jünger, desto mehr geht's von Herzen.
Aber soll der südliche Dnnkard, oder
sein Weib, oder seine Braut, oder seine
Tochter angehalten werden, alte Neger
und Negerinnen zu küssen? Die Con
vention konnte und wollte darüber keine
allgemeinxnVorschriften machen und über
ließ die Entscheidung den einzelnen Kir
chen.
Die Sekte wurde im Jahre 1708 von
Alexander Mack in Schwarzenau,Deutsch
land, gegründet. Bei ihrem ersten Eut
stehen wurde sie nach Holland vertrieben
und wanderte zwischen 1719 und 1729
nach Amerika aus, wo sie neben vielen an
dern Sekten ihr Leben fristet.
„Sie sollen entscheiden, Herr Pfarrer,
sagte in einer Gesellschaft ein Ungläu
Hixer einem Priester, ist es nicht al­
bern, das zu glauben, was man nicht be
greift?" „Nein, mein Herr, erwiderte
dieser, „damit bin ich nicht einverstanden.
Begreifen Sie, wie dasselbe Feuer die
Butter schmilzt und die Eier hart macht,
2 einander entgegengesetzte Wirkun
gen die aus derselben Ursache entsprin
gen „Nein, erwiderte jener aber was
wollen Sie damit?" „Ich meine damit,
schloß der Priester, dtciß Sie, obgleich Sie
dieses nicht begreifen, nichtsdestoweniger
an die Eierkuchen glauben."
Jung Amerika.
Herr Johu Hofsmann in Chicago hatte
vor etwa Jahresfrist eine Fabrik künstli
cher Steine anf der Südseite der Stadt.
Eines Tages, als er in seiner Office saß,
fuhr ein Buggy vor, in welchem zwei
junge, sehr elegante und nebenbei be
werkt auch hübsche Damen saßen,
welche erklärten, sie seien beauftragt, für
das Half-Orphau-Asylum Gelder zu
sammelu. Herr Hoffmann gab sowohl
aus seiner Tasche als aus den Mitteln
der Firma einen Beitrag nnd gestattete,
daß die beiden jungen Damen auch unter
den Arbeitern eine Collecte anstellten.
Das Gesammtresultat im Hause war $90.
Aus ihr Ersuchen und um ihnen unnö
thige Wege zu ersparen, wurde dieser
Beitrag aus den Mitteln der Firma so
fort ausbezahlt und entfernten sie sich mit
vielen Worten des Dankes. Nicht lange
darauf stellte sich eine ältliche Dame in
der Office des Herrn Hoffmann vor und
theiltc demselben mit, daß sie eine der
Direktorinnen des Half-Orphan-Asylum
sei und vor zwei Schwindlerinnen war
nett wolle n.s.w. Die Warnung kam zu
spät.
Herrn Hoffmann's gegenwärtiges Ge
schüft ist in No. 317 North Marketstr.
Ain Samstag Nachmittag, als er in sei
ner Office saß, war er nicht wenig über
rascht, seine beiden alten Bekannten „von
dnnnemals" wieder im Buggy vorfahren
zu seheu. Das Erkennen, nachdem sie
eingetreten, war kein gegenseitiges. Die
beiden jungen Damen hatten kein gutes
Gedüchtniß. Sie erinnerten sich des
Herrn Hoffmann nicht, den sie noch weit
drunten auf der Südseite vermutheten,
und erzählten ihm abermals von der Roth
des Half-Orphan-Asylnm. Herr Hoff
mann war natürlich breit, seine milde
Hand auszuthun, sagte aber, er habe nur
drei Dollars in der Tasche und das sei
ihm für einen so edlen Zweck zu wenig.
Die Damen möchten daher so gut sein,
uud am Montag wieder kommen.
Inzwischen wurde die Polizei von der
Sache in Kenntniß gesetzt und Detectiv
Dargoe erhielt den Auftrag, in der wet
tern Entwickelung die Vorsehung zu spie
len. Am Montag Nachmittag stellten
sich die beiden Schönen richtig wieder bei
Herrn Hoffman ein. Sie wurden von
Dargoe verhaftet, in dem Augenblick, in
dem sie das erschwindelte Geld in Em
pfang nehmen wollten.
Auf der Polizeistation gaben die bei
den Frauenzimmer ihre Namen als Nellie
und Sadia Ayers an, wohnhast No.
103 Clybourne Ave. Nachts um 2 Uhr
wurden sie gegen Bürgschaft von je $400
entlassen.
Aus den seither ermittelten weiteren
Umständen ergibt sich, daß die Mädchen
außerordentlich viel Erfolg gehabt haben.
Die Höhe der von ihnen collektirten Gel
der ist noch nicht festzustellen, geht aber
in die Taufende hinein. Ihr Vater ist
einer der ältesten Aerzte Chicago's Dr.
Ayers. In jüngster Zeit soll die Fami
lie in schlechte Verhältnisse gekommen
sein.
Einem Bekannten gegenüber erwähn
ten die Mädchen gestern das und fügten
hinzu: Um ordentlich leben zu können,
hätten sie nur die Wahl gehabt, Prosti
tuirte oder Diebinnen werbe: Und
sie hätten sich zu dem letzteren Uebel, als
dent kleineren entschlossen.
How is that for "Young Ame
rica?" Also ein Mädchen, das sich er
nähren will, hat nur die Wahl, eine Pro
stituirte zu werden oder zu stehlen Sie
kann weder als Verkäuferin, noch als
Lehrerin, Erzieherin oder Dienstmädchen
thätig sein. Der Gedanke macht schau
dern. Arbeiten Lieber Stehlen
Die Erklärung der beiden schönen
Schwindlerinnen ist nicht überraschend.
Sie haben nur ausgesprochen, was Tau
sende denken. Es ist leider Anschauung
unter dem jungen Volke, das nicht streng
genug erzogen wird, die landläufige Pro
stitution schändet nicht, wohl aber die
Arbeit. An letztere scheint überhaupt
gar nicht gedacht worden zu sein.
Im Uebrigen soll es uns gar nicht
wundern, wenn die geriebenen Mädchen
die eben erwähnte Bemerkung nicht ab
sichtslos gemacht haben. Es läßt sich
daraus bei manchen Leuten so viel Sym
pathie für sie schaffen. Vielleicht wer
den sie noch gar zu Heldinnen gestern
pclt: Zwei Jungfrauen, die lieber steh
len wollten, als ihre Ehre opfern Welch
leuchtendes Beispiel gäben sie damit der
Jugend.
Der 21jährige Clark Evans, wel
cher in Carrolton, III., im Gesüngniß
sitzt, weil er dringend verdächtig ist, in
der Nacht des 20. Aprtl einen fünf Mei
len von dort wohnenden alten Bürger,
Namens John W. Halbert ermordet zu
haben, hat jetzt ein Geständnis abgelegt,
aus welchem sich Folgendes ergibt: Er
ist aus Pike County, III., verließ seine
Eltern in seinem 16tc» Jahre, brach im
Jahre 1871 in die katholische Kirche in
Carlinville ein wurde verhaftet uud zu
zwei Jahren Zuchthaus verurtheilt, saß
diese tu Joliet ab und nährte sich seit sei
ner Freilassung vom Stehlen. Ende
Aprtl d. I. trieb er sich in der Kegend
von Carrolton tun
her, hörte, daß Halbert
fein Haus allein bewohne, .brach in der
Nacht durch die Küche daselbst ein, weckte
den alten Mann, setzte ihm den Revol
ver auf die Brust und verlangte Geld.
Halbert ließ sich aber nicht einschüchtern
da schoß ihn Evans in's Gesicht und
hämmerte dann, da der Alte nicht todt
war, auf feinen Kopf los. Weil die
Hunde in Folge des Schusses heftig bell
ten, ergriff Evans bald die Flucht, kehrte
übrigens nach Kurzem zurück, um das
Haus zu durchsuchen. Er nahm ein Licht
und suchte. während der Alte noch rö
chelte, nach Beute. Aber da er verschie
dene Thtirett nicht zu erbrechen vermochte
fand er nichts als ein altes Taschen
messer. Darauf wusch er sich, aß in der
Küche Fleisch nnd Brod, trank daselbst
kalten Kaffee und ging dann zu Ver
wandten in der Umgegend, wo er bald
verhaftet wurde. Er wünscht, wie er
sagt, daß man ihn öffentlich hänge zur
Warnung für die Jugend und besonders
für seinen kleinen Bruder, de» sein Va
ter doch ja als Zuschauer mitbringen
solle.
William Boorne, ein Bube von 15
fahren, der seinen Stiefvater mit einem
Beile in Steamburg, N. Y. in Stücke
hieb, bekannte sich des Mordes zweiten
Grades schuldig und wurde zu lebeus
länglicher Haft verurtheilt.
Die Ableitung des Wortes ist zweier
lei. Leitet man es ab aus dem Eugli
scheu, so ist die erste Sylbe (Pic) mit
dem Hussagewort to pick (auswählen,
als etwas Erlesenes Wünschens
wertes absondern) identisch, während
die zweite (nie) mit demDingwort „nick"
(ein glücklicher Zeitpunkt) identisch zu
sein scheint. Wir möchten daher behaup
ten, Picnic wurde so genannt, weil es ein
Zustiimueuitieffeii ist, bei welchem ut
Ohio Waffeufreullb. 7.
sprünglich die Erfrischungen beschafft
wurden von Persowew, welche für einen
bestimmten Zeitpunkt erlesen wurden.
Letten wir aber d«s Wort atr§ dem
Französischen ab, fo iff die Urbedeutung
eine gänzlich verschiedene. Da nämlich
das Französische piquer „stechen" be-
i
m£uet
(eine Kleinigkeit
auch N.ckel) in beiden Sprachen eine
kleine Kupfermünze bezeichnet, so hatte
Piculc anfangs die Bedeutung „Aus«
slug „Landpartie", wobei jeder Theil»
nehmer, nachdem er die schuldig Kleinia.
tfrKupfermünze in die gemein
schastliche Kasse einbezahlt, das Recht
hatte, mit seiner Gabel in die gemein
schaftliche Schüssel zu stechen.
Rom. im Mai 1874. In Civita
Castellana kam ein Fall vor, den ich Jh
nen mittheile, da er ein Factum ist, das
wir von sehr glaubwürdiger Seite er
zählt worden ist. Ein Tambour des
dort garnisonirenden königlichen Jitfan
teiie-Rcgiments ging den letztvergange
nen Sonntag vor das Stadtthor hinaus
um ein Kassenbillet zu suchen, das er ver
loren hatte. Er suchte und suchte, fand
jedoch nichts. In demselben Augenblicke
kam auch eine Bäuerin aus dem Thore
die sich einem Kreuze näherte, das, wie
vor allen Städten des Kirchenstaate^ un
mittelbar vor dein Thore stand. Chri-
üar
,nuf dem Kreuze angebracht,
-i-ie Bäutiu kniet nieder, verrichtete ein
kutzes Gebet nnd küßte dann den gefreit
gigtiii Hciland. Als dies der Soldat
sah ging er auf die Frau zu und sagte
zu ihr: „Du einfältiges Weib, was machst
Du denn da? Dn küssest ja ein Götzen
bild. Warte, ich will es auch küssen,
aber mit den Zählten." Den Worten
sollte die That folge». Er zeigte feine
Zahne tn einer häßlichen Weise, öffnete
den Mund und wollte in der That den
aus Holz geschnitzten Christus beschädi
gen. Wie wurde aber die Vauerssrau
vor Schrecken starr, als sie den Gottes
lästerer todt gegen das Kreuz hinfallen
sah den Mund geöffnet mit grinsen
den Zähnen und verzerrten Gesichtszü
gen. Er war vom Schlage getroffen
worden.
53et Iefferfonville in In
diana ertrank am vorigen Samstag ein
Knabe, Namens Charlie Cole, im Ohio*
flitsje. Seine Leiche soll auf folgende
ibetse aufgefunden worden sein. Ein
alter Dampfbootinaun gab den Lehten
den Rath, ein Kleidungsstück des Jun
gen, das er zuletzt getragen, ins Wasser
zu werfen und dann au der Stelle wo
dasselbe untersinke, ihre Haken hinabzu
senken. Man that fo und fand richtig
auf der Stelle, wo das ins Wasser qe'
worfene Kleidungsstück sank, die Leiche.
^jut votigen Jahre wurden zwei ganz
gleiche Fälle berichtet. Der eine ereiq
mte sich hier in Pomeroy, der andere bei
Jronton. Es wäre der Mühe Werth,
die Ursache dieser Erscheinung zu erfor
scheu.
1
Für Zeitungen werden in N e w
for k neueren statistischen Angaben zu
olge 9 Millionen, für Theater 7 und
für religiöfeZwecke 3 Mill. Dollars aus
gegeben. Kirchen gibt es 470, Schenken
8403 in New York. Die Ausgaben für
geistige Getränke berechnet man für das
Jahr auf 50 Millionen.
Die katholische Kirche zählte am 1.
^anuar 1874 in allen Theilen der Weih
54 Kardinäle, 12 Patriarchen, 713 Erz
bischöse und Bischöfe des lateinischen Ri
tus, 52 Erzbischöse und Bischöfe in par
ibus infidelium, 32 Patriarchen,
Erzbischöfe und Bischöfe ohne Titel also
zusammen 1109 höhere kirchliche Wür
denträger.

Das Wort Picnic.

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