OCR Interpretation


Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, June 10, 1874, Image 7

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn91069201/1874-06-10/ed-1/seq-7/

What is OCR?


Thumbnail for

hört, gehorchen, und in demselben Chri
stum gleichsam als gegenwärtig erkennen
und verehren.. Alle Mitglieder sollen
eine beständige Armuth angeloben und
erklären, daß sie weder einzeln noch ge
meinschaftlich zur Unterhaltung des Or
dens liegende Gründe und Einkünfte er
werben, sondern mit dem zufrieden sein
sollen, was ihnen von Andern zu ihrer
Nothdurft geschenkt wird. Doch sollten
sie aus Universitäten Collegia mit dazu
gehörigen Einkünften jeder Art, die zum
Unterhalt der Studirendcn angewandt
würden, besitzen können, über welche ihr
Oberhaupt und der ganze Orden die
Aufsicht, Leitung und Prüfung der ange
henden Gelehrten führen soll. Jeder
Aufzunehmende soll erst nach langer
und sorgfältiger Prüfung zugelassen wer
den.
Alle diese Bestimmungen genehmigte
der Papst, sagte der Gesellschaft seineu
besonderen Schuh zu und erlaubte ihr
noch besonders für sich Gesehe zu entwer
fen, welche ihr und Anderen nützlich wä
ren.
Sehr weise war es auch,, daß Ignatius
in seiner Constitution nur die allgemei
neu Grnndzi'ige entwarf, und ihre Aus
bildung künftigen Zeiten überließ. So
wurde jeder Verknöcherung vorgebengt.
Anfangs theilten sich die Mitglieder nur
in Novizen und Professen später traten
noch die Coadjutoren hinzu. In den
später entworfenen Regeln war vortreff
lich für die Erhaltung der Sittenreinheit
gesorgt.
-e—
E i n e k u e s a i k K e y e
Besitzer eines Salons in Frontstreet, New
York, ist nicht ganz sechs Fuß hoch und
wiegt nicht über 200 Pfund er besitzt
aber ungewöhnlich breite Schultern und
außerordentlich muskulöse Arme und
Beine er ist sozusagen ganz Muskel
sein Arm mißt 17 Zoll im Umfang und
ist so hart wie Eiche. Er ist ein vor we
irigeit Jahren eingewanderter Jrländer
und sind beide seiner Eltern Personen
von außerordentlicher Körperstärke so
hob seine Mutter vor einigen Tagen in
Gegenwart des Berichterstatters ein Ge
wicht von 200 Pfund mit großer Leich
tigkeit während Herrn Kelly selbst das
selbe Gewicht ein Kinderspiel zu sein
schien, denn er brachte es ohne große An
strengung über den Kopf und ließ es da
selbst mit eleganter Leichtigkeit aus einer
Hand in die andere gleiten. Die Brü
derschaft der Preiskämpfer^hat sich schon
wiederholt um seine Mitgliedschaft be
worben, das Geschäft sagt ihm aber
durchaus nicht zu er findet aber zuwei
Ien Gelegenheit, seine Kraft an Klopf
fechter« zn erproben, wie das neulich an
Bord eines Hamiltonfährbootes geschah
wo er von vier solcher Raufbolde ange
griffen, dieselben im Umsehen mit einem
Schlag seiner Hand liors de combat
setzte.
Vor einer Reihe von Jahren trat eines
Tages um die Mittagszeit ein älterer
taffeehänser
err in eines der weniger eleganten
zu Paris, setzte sich an einen
Tisch und verlangte eine Tasse Milch und
ein kleines Weißbrod. Das Gesicht des
alten Herrn war bleich, mager und zeugte
von tiefer Traurigkeit, trug aber den un
verkennbaren Stempel angeborenenAdels
und flößte, verbunden mit seinem feinem,
edlen Wesen, so unwiderstehliche Achtung
ein, daß er trotz seiner abgetragenen Klei
dung und der unbedeutenden Bestellung
doch augenblicklich bedient wurde.
Er aß schnell, als gehorche er den An
forderungen des heftigstenHungers, stand,
nachdem er sein einfaches Mahl beendet,
langsam aps und näherte sich der Thür,
ohne Miene zu machen, das Verzehrte zu
ezahlen, aber auch ohne den Anschein,
als beabsichtige er, sich seinerVerflichtung
durch die Flucht zu entziehen. Der Auf
Wärter wagte nicht ihn anzureden, son
dem ging zu der Besitzerin desKaffeehau
ses, sie von dem Vorgefallenen inKennt
niß zu setzen und Verhaltungsmaßregeln
einzuholen. Das Kaffeehaus war Eigen
thum einer armen Witlwe, der die Sorge
für eine zahlreiche Familie oblag den
noch sagte die Vortreffliche Frau, welche
selbst von ihrem Platze aus den ganzen
Vorgang beobachtet hatte: „Es ist gut
ich kenne den Herrn, lassen Sie ihn gehen
und mahnen Sie ihn nicht!" Am näch
sten Tage genau um dieselbe Stunde kam
der Fremde wieder, nahm an demselben
Tische, wie am Tag zuvor, Platz, tier
langte wieder eine Tasse Milch und ein
Weißbrod, verzehrte es und entfernte sich,
wie er es gestern gethan. An dem darauf
folgenden Tage wiederholte sich der Vor
fall kurz, zwei Monate hindurch verging
nicht ein Tag wo der alte Herr nicht ge
kommen wäre, fein ihm so großmiithigst
verabreichtes Frühstück zu genießen.
Die Wirthin hatte sich so an sein Er
scheincngewöhnt, daß sie ihn, als er endlich
ausblieb, am ersten Tage mit Ungeduld
erwartete, und als er am zweiten Tage
nicht kam, eine lebhafte Unruhe empfand.
„Mein Gott! was mag ihm nur begeg
net sein V fragte sie. „Er ist vielleicht zu
krank, um auszugehen und schmachtet in
Ii'fem Elend Er muß ein braver Mann
sein und Hot, in dem er zu mir kam, um
Das was er nothwendig zu seinem Lebens
unterhalte bedurfte, bei mir zu entnehmen,
mir ein Vertranen bewiesen, auf das ich
stolz bin. Ein unredlicher Mensch hätte
nicht in dieser Weise gehandelt die
Tasse Milch und das Weißbrod war viel
leicht seine einzige Nahrung für den gan
zen Tag! O, wenn ich ihn nur aufzufin
den wüßte!"
Dieser Wunsch war jedoch leichter aus
gesprochen, als erfüllt. Die Wittwe mußte
sich in Geduld fügen nach und nach kam
die Erinnerung an den alten Herrn der
Kaffeewirthin in Vergessenheit im Drang
ihrer vielen Geschäfte.
Ein Jahr mochte seit dein Erscheinen
und Verschwinden des alten Herrn mit
der Tasse Milch und dein Weißbrode ver
flossen sein, da ließ ein Notar die Wittwe
zu sich'bitten, da er Eröffnung bezüglich
eines ihr durch ein Vermächtniß zugefal
lenen Legtas zu machen habe. Die Frau
folgte unverzüglich der Aufforderung und
nahm, einen Jrrthnm fürchtend, alle für
solche Fälle notwendigen Papiere mit.
Der Notar prüfte dieselben und sagte,
nachdem er sich über zeugt hatte, daß die
Frau die vor ihm stand, die im Testa
mente Bezeichnete sei: „Hier sind 60,000
Francs, welche Ihnen, Madame, Ange
hören."
Die gute Frau starrte mit großen Au
gen den Notar an, ohne den Sinn seiner
Rede verstehen zu können. Um ihr das
Räthsel zu lösen, las der Rechtsgelehrte
ihr die Nachschrift eines in seinem Händen
befindlichen Testamentes vor, das folgen
dermaßen lautete:
„Ich vermache der Wittwe
Besitzerin eiucsKasseehauses in derStraße
.... Nr. die Summe von sechzig
tausend Francs, um sie zu belohnen für
den Edelmuth, mit welchem sie mir 2
Monate hindurch Frühstück verabreicht
hat, ohne je Bezahlung dafür zu Verlan
gen. Ein unglücklicher Prozeß hatte mich
zu jener Zeit aller meiner Einkünfte be
raubt das Geschick ist mir jedoch durch
Gottes gerechtes Walten, auf das ich
stets kindlich vertraute, wieder günstiger
geworden, ich habe mein Vermögen wie
der erlangt und halte es nun für Schul
digkeit, Capital nebst Zinsen jener sechzig
Mahlzeiten zurückzuzahlen, welche mir
jener Zeit^das Leben gefristet. Meinen
Namen braucht die Erbin nicht zu ersah
ren, ich bleibe für sie der alte Herr der bei
ihr eine Tasse Milch und ein Weißbrod
verzehrte."
Die Wittwe hat diesen Gast niemals
vergessen.
0
Die Heilung der Tollwuth.
Fränzösische Aerzte behandeln, wie neu
lich bereits von uns erwähnt, die Toll
wüthigen in neuerer Zeit mit Dampfbä
dern und wollen in vielen Fällen ecla
tante^Erfolge damit erzielt haben. Doctor
Bnisson i\. A. hatte einen weiblichen
Patienten,*'der sich im letzten Stadium
der Tollwuth befand, und wischte sich un
vorsichtiger Weise die Hand mit einem
Handtuche, ab, das von dem Speichel der
Patientin durchdrungen war. Zufälliger
Weife hatte der Doctor sich am Zeigefin
ger der linken Hand etwas verletzt, wel
chen Umstand der Arzt aber nicht beach
fete, da er auf sein Heilsystem vertraute
und deshalb die Hand nur mit Wasser
wusch. Er war sich iiideß der Unvorsich
tigkeit, die er beging, völlig bewußt und
erstattet folgenden Bericht Über die spä
tern Folgen derselben
„Da ich der Ansicht war, daß sich die
Krankheit nicht vor dem vierzigsten
Tage zeigen würde und da ich mehrere
Patienten zu besuchen hatte, verschob ich
die Anwendung meines Heilmittels
nämlich den Gebrauch von Dampfbädern
von Tag zu Tag. Am neunten Tage
als ich mich in meinem Cabinet befand,
fühlte ich plötzlich einen Schmerz in den
Augen. Mein Körper dagegen fühlte zu
gleich so leicht, als ob ich hoch in die Luft
springen oder, wenn aus einem Fen
ster geworfen, mich in der Luft festhalten
könnte. Meine Haare waren so sensitiv,
daß es mir vorkam, als konnte ich jedes
einzelne zählen, ohne dasselbe zn sehen.
Es bildete sich fortwährend Speichel in
meinem Munde. Irgend ein Luftzug ver
ursachte mir große Schmerzen und ich
mußte mich von glänzenden Gegenständen
fern halten. Ich hatte ein Gefühl, als ob
ich fortwährend laufen und beißen möchte,
keine menschlichen Wesen, aber Thiere und
Alles, was in meiner Nähe war. Ich trank
mit Schwierigkeit und bemerkte, daß das
Ansehen von Wasser mir schrecklicher war,
als die Schmerzen in meinem Halse. Ich
glaube, daß Jemand, der von der Toll
wuth heimgesucht ist, stets Wasser trinken
kann, wenn er die Augen schließt. Die
Krämpfe stellten sich alle fünf Minuten
ein und ich fühlte, daß der Schmerz von
meinem Zeigefinger ausging und die Ner
hinauf bis zur Schulter lief. —In diesem
Zustande und von der Ansicht ausgehend,
daß mein Verfahren ein Präventativ
aber kein Heilmittel sei, nahm ich ein
Dampfbad, nicht in der Hoffnung geheilt
zu werdeu, sondern um mich zu erstärken.
Als das Bad eine Wärme von 52 Cen
tigraden (94.3. 5. Fahrenheit) hatte, ver
schwanden alle Symptome wie durch ei
nen Zauberschlag uud seit der Zeit habe
ich nichts mehr gefühlt.
Ich habe mehr als 80 Personen die
von tollen Thieren gebissen worden sind,
behandelt und habe keine einzige ver
loren."
Wenn eine Person von einem tollen
Hunde gebissen worden ist, so muß er sie
ben Tage hinter einander ein russisches
Dampfbad nehmen', von 57 bis 63 Gra
den. Dies ist das Präventativ-Mittel.
Ein Dampfbad kann ^hergestellt werden,
wenn man zwei oder drei heiße Ziegel
steine in einen Eimer oder?Zuber voll
Wasser wirst und der Patient sich 15
Minuten lang aus einem geflochtenen oder
Weidenstuhl, in eine wollene Decke einge
hüllt, darüber setzt. Wenn die Krankheit
.wirklich ausgebrochen ist so ist nur ein
Dampfbad nothwendig, das schnell auf
37 Centrigrade und dann langsam auf 53
gebracht werden muß, und der Patient
muß das Zimmer hüten, bis die Kur vol
lendet ist.
SEK
Ohio Waisenfmmd. 7,
Treffliches Mittel.
Eine Hausfrau hatte eine Magd, flei
ßig und anstellig, und wäre Alles recht
und gut gewesen, wenn nicht manchmal,
gerade wenn sie ihren alten Vater be
suchte, im Hause etliche Kleinigkeiten
fehlten, die anderswo auch zn gebrauchen
waren wo sie aber hingekommen waren,
konnte man nicht sagen. So ging es
eine Weile und der Hansfrau lag es gar
schwer auf dem Herzen erst der Verdacht
und dann wenn, der Verdacht wahr wäre
wie schade es um das Mädchen sei und
endlich, wie man's ihr wohl aus die beste
Weise abgewöhnen könne.
Einstmals nun fiel ihr Auge ungesucht
auf einen Korb in der Magd kam met und
wie sie näher hinsah, so war darin etwas
gemahlener Kaffee und Zucker. Das
war aber um die Zeit, da die Riecte wie
der einen Besuch daheim zu machen
pflegte, und die Frau dachte sich gleich
den Zusammenhang, denn es fehlte ihr
seit einigen Tagen etwas am Kassee und
in der Zuckerbüchse, und es that ihr leid
das Mädchen unehrlich zu finden denn
unehrlich ist's eben, sei's im Kleinen oder
im Großen. Aber sie war ein verständi
ges Weib und ließ nichts merken. Als
aber die Magd wieder kam und um Ur
laub bat, sagte die Frau: „Nicht wahr,
Riccke, du hast einen alten Vater da
heim
„Ja Madame, den wollte ich eben be
suchen."
„Nun, der alte Mann wird Manches
brauchen können, was er nicht hat so
nimm dies Geld und ein Pfund Zucker,.,
und bring's deinem Vater als Gruß vou
mir, auch kannst du ihm meines Mannes
Hausrock und Winterschuhe mitnehmen,"
und damit gab sie ihr das nöthige Geld.
Da ward das Mädchen Über und über
roth und es war, als ob sie noch etwas
Mehreres sagen wollte, als einen bloßere
erschrockenen Dank. Am andern Tage
aber war der Hausfrau ihre Kaffeebüchsen
und Zuckerdose wieder gerade so Volk, olf
sie sein sollte, nnd es hat seitdem nie wie
der etwas im Hause gefehlt. Ja treuer
ist ihr noch keine Magd geblieben, wie
sie oftmals gesagt hat, und darum rniis
sen wir diese Geschichte, die wohl gefallen
hat, hier wieder erzählen anderen Hans
franen zur Nachricht.
Iin A n a n e des Jahrhunderts
gab es in ganz Australien nur zwei Mis
sionspriester, heute gibt es dort 13 Diö
zesen, die sich an-ftzwei Kirchenprov inzen,
die frühere von Sidney und die neu er
richtete von Melbourne, vertheilen. Die
letztere Provinz umfaßt Victoria u ud an
dere Theile des australischen Continents.
Die Katholiken in Victoria zählen nun
170,620 Personen. Im Jahre 1871
waren ihrer erst 18,014. Nen-Südwales
zählt 147,627 Katholiken, Süd-Austra
lien 27,668 uud Queensland 31,822.
In West-Australien sind 7168 in Neu
seeland 35,608 und in Tasmania 22,081
Katholiken So sehr ist die katholische
Kirche in einem Lande gewachsen, wo vor
einem halben Jahrhundert kaum 30.000
Personen sich zu ihr bekannten.
W e s i e N I V e s e i n e e
Leiche. Beim Versetzen von Leichnamen
nach einem neuen Begräbnißplatze zeigte
sich, daß die Leiche der in nassem Erd
reiche vor 15 Jahren begrabenen Frau
Westfield sich versteinert hatte selbst der
Schleier tzsr ihrem Gesichte hatte eine
mineralische Konsistenz angenommen, die
Augen hatten ganz ihren natürlichen
Ausdruck beibehalten.
Guter Rath ist Goldes Werth.
Was Recht ist, gefallt Jedermann.
Der Schein betrügt, der Spiegel lügt.
Wer länger schläft wie sieben Stund',
Verschlaft sein Leben, wie ein Hund.

Milch und Brod.

xml | txt