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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, July 01, 1874, Image 2

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2. Ohio Waisenfreund.
Der alte Schmied.
(Fortsetzung.)
Wheeler hatte sich, seit wir ihn dem
Leser vorführten, keineswegs zu seinem
Vortheil verändert: er war magerer und
Weicher,*sein Blick fast noch nnstäter das
Jagdheiud hing ihm locker und unordent
lich auf den Schultern und sein ganzes
Wesen hatte etwas kaum zu beschreiben
des widerlich Scheues und doch wieder
trotzig Unabhängiges angenommen.
.Hallo Wheeler! sagte der Constabel
und seine Augen ruhten auf des jungen
Mannes Kleidung die heute wo möglich
noch nachlässiger war als sonst, bis sie
endlich hinab auf die landesüblich grob
gearbeiteten Stiefeln fielen Ihr seid
iins hier im Walde in letzter Zeit so ähn
lich geworden, daß ich Euch kaum gekannt
hätte freut mich daß Ihr Euch endlich
einmal in bcrt Wald findet wie ein Mann.
Ich weiß nicht, es war einem so unbehag
lich, mit Jemanden umzugehen, der an
Wochentagen ein seidenes Halstuch trug
und sich die kalbledernen Stiefeln jeden
Morgen blank putzen ließ. Ich will Euch
was sagen, das machNso einfache haus
backene Bursche, wie wir hier sind, mis
iranisch.
Wheeler hatte sich ihnen mit dem gan
zen Wesen eines Mannes genähert, der
seit mehreren Nächten keinen Schlaf ge
sehen und nun müde und todesmatt ist
als aber Johnson die letzten Worte sprach,
hob er die eingefallenen Augen, die tief
in den dunkeln Höhlen lagen, schnell zu
ihm auf und blickte erst ihn und dann den
Richter scharf an.
Mißtrauisch? fragte er mißtrauisch
gegen mich?
Jetzt wie gesagt nicht mehr, fuhr der
Constabel strt. Es thut einem auch or
deutlich wohl, daß Ihr Euch die Füße
nicht inebr-so aus aller natürlichen Form
herausquetscht was habt Ihr denn mit
den «„Rechts und Linksen" angefangen?
Gebt sie Brown, der kann sie als Aus
Hängeschild gebrauchen wahrhaftig, ich
will sie mitnehmen wenn ich vorbeireite.
Ihr könnt höchstens nur einen bekoin
.men, sagte Wheeler mit einem fast intim
türlichen Lachen. Der Pferdeknecht iitnß
das Putzen satt bekommen haben, obgleich
ich ihn gut genug dafür bezahlte.
Er hat sie doch nicht mit Talg einge
rieben und die Politur verdorb'en? lachte
der Constabel.
Nein, noch schlimmer: er hat einen
Stiefel ganz und gar verloren, der Holz
köpf, uim behauptet nun eine Katze oder
gar ein Wolf habe ihn weggeschleppt,
während sie die Nacht in der Veranda ge
standen. Jetzt muß ich wohl des alten
Brown Kunde werden, setzte er mit an ge
nommener Sorglosigkeit hinzu.
Schlauer Bursche, der Pferdeknecht!
meinte Johnson, bedeutsam dazu mit dem
Kopfe nickend steckt wahrscheinlich mit
dem alten Brown unter einer Decke
und schmunzelnd machte er den Zügel sei
lies Pferdes los.
Apropos Wheeler, sagte er plötzlich,
sich zu diesem wendend, Ihr verlangtet
neulich die Erlaubuiß, David Hunt ein
mal in dieser Woche besuchen zu dürfen.
Ich gehe jetzt in'S Gefänglich wenn Ihr
mitkommen wollt, so will ich Euch hin
einlassen.
Wheeler zögerte einen Augenblick. Ist
seine Tochter jetzt dort? fragte er.
Jo wohl das arme Mädchen verläßt
den alten Mann keinen Tag.
So wartet ein paar Secunden und ich
gehe mit Euch, erwieberte Wheeler und
stieg die Treppe des Wirthshauses hin
auf.
Ist er bekannt mit Hunt? fragte der
Richter den Constabel, sobald Jener sie
nicht mehr hören konnte.
Nicht daß ich wüßte, war die Antwort,
aber er ist sehr vertraut mit dem Staats
anwalt und ich glaube nicht, das es gut
gethan wäre, ihm den Eintritt zu ver
weigern.
Nein, nein, meinte der Richter ettoos
ängstlich, gebt aber dem Gefangenen wo
möglich einen Wink, ehe Ihr hineingeht
hört Ihr? Der Bursche ist so seidenweich
wie ein junger Maiskolben, ich trau ihm
aber nicht er kann von den Advokaten
geradezu angestellt sein, um den Alten
mit irgend einer Rede in die Falle zu
locken warnt Hunt davor, versteht Ihr
wohl
Ja gewiß das werd' ich thun aber
aber hört einmal, dann tuöcht1 ich lieber
vorneweg reiten und dem Schließer sagen,
er soll ihn einlassen, wenn er kommt ich
habe ja sonst keine Gelegenheit, mit.Hunt
zu sprechen.
Gut, so macht nur, daß Ihr fortkommt,
ermunterte ihn der Richter ich werbe
Wheeler nachher sagen, daß Ihr dort anf
ihn warten wollt.
Und mit traulichem Händeschütteln
schieden Richter undConstabel von einan
der.
Nach kurzer Zeit kam Wheeler aus sei
nein Zimmer zurück, wo er seine Kleidung
ein wenig in Ordnung gebracht hatte,
wechselte einige flüchtige Worte mit dem
Richter und schritt dann schnell die Straße
hinunter dem Gefängniß zu.
Das Gefängniß war von Stämmen
und in der sonst gewöhnlichen Art der
Blockhäuser erbaut, nur vor dem kleinen
Fenster befanden sich starke Eisenstäbe,
und die ungeheuern Bäume, aus denen er
bestand hatte die geschickte aber etwas
plumpe Hand des Schmieds mit gewal
tigen Haspen unzertrennlich gemacht, so
daß sie eine kaum zerstörbare feste Wand
bildete. Auch die Thür, mit großköpfi
gen Nägeln dicht beschlagen, schien jedem
Angriff von innen sowohl wie, außen tro
tzen zu wollen. Ueberhanpt war das so
genannte „Bend-Gefängniß" ein zwar et
was uubehülflich und roh gebautes, aber
sicherer Platz, und ein Verzweifelter hätte
es sein müssen der, einmal im Innern,
auch nur zu versuchen wagte, ihm zu ent
fliehen.
Der alte Farmer jedoch der jetzt der
einzige Gefangene hier war, dachte wenig
an Flucht. Ja, wenn auch die Wände
seines Gefängnisses zu Staub zerfallen
wären David Hunt würde mit keinem
Schritt von der Stelle gewichen sein, auf
der ihn feine Nachbarn und Freunde fest
hielten. Gefangenschaft blieb aber den
noch ein schrecklich Ding für einen Mann
der sein ganzes Leben lang frei den Wald
durchstreift und den Boden, ein fleißiger,
thiitiper Farmer, bearbeitet hatte. Es
war ihm, als ob ihm die Brust zugeschnürt
wäre er konnte nicht frei athmen und
kam sich, wie er oft wehmüthig zu seiner
Tochter sagte, wie ein Haushuhn vor,
das man in eine Wolssfalle gesperrt hätte.
Gar oft auch saß er stundenlang in dum
pfem Brüten da und starrte mit Thränen
im Auge vor sich nieder. Ach er fühlte
unschuldig wie er an des jungen Man
nes Tode war ja er theilte den Schmerz
der das jetzt verwaiste Herz seines armen
Kindes zerriß.
Manchmal brach er dann in ärgerli
chen Zorn ans gegen Die, die ihn hier
gefangen hielten, dann aber gestand er
auch wieder in feiner rechtschaffenen Her
zenseinfalt zn, daß der Schein gegen ihn
wäre und er Die nicht tadeln fönire, die
bei so starken Verdachtsgründen ihn aus
seiner friedlichen Heimat geschleppt und
hier zu einer schweren
•Unterfuchiing wegen
Mord und Raub an einem Manne einge
sperrt hatten, den er wie einen eigenen
Sohn geliebt.
Nicht so viel würde ich mir daraus ma
chen, hier zu sitzen sagte der alte Hunt
ein jenem Morgen zu seiner Tochter, als
der Constabel bei ihm gewesen war und
ihn vor Wheeler's Besuch gewarnt hatte,
nicht so viel, wenn ich nicht gezwungen
wäre, den.Besuch jedes Schuftes, dem es
einfällt, mich mit unverschämten Fragen
zu quälen, anzunehmen. S'ist schlimm
genug, wenn man daran denkt, daß der
arme Eik hin sein sollte weine nicht so,
Anna weine nicht so. Du, Kind, du
heist's doch gewiß nie geglaubt, daß ich
ein Mörder, daß ich sein Mörder werden
könnte.
Nein, mein Vater, lieber, thenrer Va
ter, o frage mich das nie, nie wieder, rief
Anna, schlang ihre Arme um des alten
Mannes Nacken und küßte seine Stirn,
seine Wangen während sie zitternd an
seiner Brust lag aber er ist tobt,
tobt —sür immer für mich verloren und
ach wie unendlich habe ich ihn geliebt!
Ich weife es ich weiß es Kind, sagte
der Vater, schob ihr das Köpfchen zurück
und küßte ihre Stirn ich weiß, du hast
ihn geliebt und er war auch ein so braver
rechtschaffener Bursche wie je. einer lebte,
aber wenn er jetzt im Himmel ist, Anna
und warum nicht er war brav genug,
dahin zu kommen wenn er jetzt auf
uns von da oben herunter niederblickt,
so weiß er mich daß ich nicht sein Mör
der bin. Ach Anna, ich habe ihn ja fast
so lieb als du gehabt.
David Hunt sank auf die Bank nieder,
die an der einen Seite seines Gefängnis
ses hinlief, bedeckte das Gesicht mit beiden
Händen und schluchzte laut, obgleich er
sich seiner Bewegung schämte und ficht
bar scharf dagegen anarbeitete. Anna
glitt an seine Seite und suchte ihn, wäh
rend sie itint leise und zärtlich das wirre
Haar aus der Stirn strich, zu trösten.
Ja ja, Kind, sagte er endlich, sie. mö
gens thun, wenn sie wollen meine al
ten Nachbarn und Freunde noch dazu
sie mögen mich hängen, sie mögen's aber
du gehst mit mir hinaus, nicht wahr?
Wir gehen zusammen, denn es bräche dir
doch auch das Herz, wenn du sie deinen
alten Vater so fortführen sähest. Ja es
bräche dir das Herz, und dann können
sie uns zusammen in ein Grab, dicht ne
ben deine arme Mutter legen. O weine
nicht so, Anna, weine nicht so, wir finden
sie Beide in der andern Welt Wiedel', den
armen Eik und deine gute Mutter aber
du mußt bei mir sein, denn das Erste,
wonach sie mich früge, wäre das kleine
Mädchen das sie in meinem Schutze zu
rückgelassen, und ich dürfte ihr doch nicht
sagen, ich wäre von dir fortgegangen und
duallein, hüls- nnd vaterlos in einer
Welt zurückgeblieben, wo sie einen alten
ehrlichen Mann unschuldig aufhängen.
Ja, Vater, wir wollen zusammengehen
keiner von uns.hat jetzt mehr für irgend
etwas zu leben, sagte Anna und hob sich
weit genug ans ihres Vaters Armen, mit
die bleiche, thränenfeuchte Wange auf seine
Schulter legen zu können ich freue mich,
Vater, daß ich mit dir gehen darf. Die
Welt wäre nachher doch für mich nur ein
Grab.
Vater und Tochter hatten sich so meh
rere Minuten schweigend umfangen ge
halten und der gewaltige Schmerz begann
einer milden Weh
ninth Raum zu geben,
als die Thür aufgeschlossen wurde und
William Wheeler eintrat.
David Hunt sprang empor und. strich
sich mit schneller Hand die verräterischen
Thrazien aus den Augen, schritt dann zu
dem der Thür entgegengesetzten Theile
des Zimmers, wandte sich hier wie ein ge
stelltet Bär und erwartete schweigend des
Eintretenden Anrede.
Vielleicht zu ersten mal in seinem Leben
fehlte es Wheeler an Worten erst floh
das Blut aus seinen bleichen W.angen
und dann schoß es plötzlich in wilden
Strömen wieder zurück. Den unheim
lichen Schauer endlich bekämpfend, der
ihn bei dein festen Blick des Gefangenen
erfaßt hatte, trat er vor und nahm aus
der Bank dicht neben Anna Platz. Hunt
machte eine Bewegung, als ob er auf ihn
zukommen wolle. Die Tochter verließ
jedoch ohne weiteres zögern die Seite des
so unwillkommenen Gastes und schmiegte
sich, bleich und zitternd, aber jeden
Schmerz aus ihren Zügen verbannt, an
des Vaters Seite.
Der alte ehrliche Hunt hatte den Frem
den dessen ganzes verschlossenes Wesen
seiner offenen Natur überhaupt nicht zu
sagte nie leiden mögen er traute ihm.
nicht und ein gewisfes*Gefühl hielt ihn
von dem Manne zurück, den er, er wußte
selbst kaum warum, für einen Schurken
hielt.
Nu
it, Sir, was wünscht Ihr sagte er
endlich, als Wheeler, seinen heimlichen.
Aeroer über den Empfang verbeißend,
aufstand und ihm näher treten wollte.—
was führt Euch zu einem Manne her
der Euern Besuch weder abweisen noch
annehmen kann?
Warum behandelt Ihr mich so kalt nnd
abstoßend Sir, sagte Wheeler ruhig
ja fast freundlich Ihr mögt es mir' nun
glauben ober nicht, ich komme einzig und
allein Euretwegen und in guter Abficht,,
mit dem Wunsche, Euch zu helfen, hierher..
Das Verhör ist morgen.
Morgen? stöhnte Anna und schmiegte
sich fester an den Vater an.
Die Verdachtsgründe sind stark genug,,
selbst einen Bruder zu verdammen, fuhr
Wheeler fort und näherte sich mehr und
mehr dem unglücklichen jungen Mädchen
das Volk ist gegen Euch aufgebracht,
Hunt, und es gibt nur einen Ausweg,
Euer Leben zu retten, denn nach dem Ver
hör glaub' ich nicht wie ich die Leute
hier kenne, daß Ihr noch eine Viertel
stunde lebt.
Aber wie wie kann er gerettet wer
den fragte Anna mit einer Stimme, in
der ängstliche Hoffnung jedes andere Ge
fühl übertäubte.
Durch die Flucht, Miß Anna, durch
die Flucht, erwiderte Wheeler, indem er
neben sie trat. Leicht wird es fein, das.
Gefängniß zn erbrechen wenn Ener Va
ter einen Freund draußen hat ich will
der Fremiö sein und morgen früh kann
er, trotz allen Constabeln des ganzen
County, sicher sein. Ich habe Geld genug
für uns Alle, vertraut mir nur!
(Forts, folgt.)
etwas fo Gewöhnliches und zur Erleich
terung des schriftlichen Verkehrs Unent
behrliches, daß man kaum begreift, wie
die Welt jemals ohne diese Bequeinlich
keit existiren konnte. Und dochsind es jetzt
erst 34 Jahre, daß man Marken zur
Frankirung von Briefen und anderen
Postsendungen benutzt. Als Erfinder
der Briefmarken gilt der Engländer Sir
Rowland Hill, auf deffen Betrieb sie nebst
dem sogenannten Penny-Porto zuerst in
Großbritannien ain 10. Jtimtar 1840
zur Einführung gelangten. Von den
übrigen europäischen Staaten wendete
sich zuerst Belgien (1847) der neuen Ein
richtung zu, welchem nacheinande Frank
reich, Baiern Oesterreich, Preußen und
seitdem alle übrigen Staaten Europas,
zuletzt selbst die Türkei gefolgt sind. Auch
in fcinuntlicheu englischen französischen
und spanischen Kolonien, in den Staaten
Nordamerikas und Südamerikas, selbst
auf den Sandwichinseln sind jetzt Brief
marken für den Postverkehr eingeführt.
a w e n e N n y i n S a n
Francisco hielt unlängst von einem Fen
ster seines Kosthauses aus einer ziemlich
zahlreichen Menge einen Vortrag über
den Selbstmord. Nachdem er mehrere
Methoden desselben des Näheren erörtert.,
hatte, schnitt er zur praktischen Beleuch
tinig seines Themas mit einem Rasirmcs
ser sich die Kehle ab.

i e a k e n s i n u n s e u e

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