OCR Interpretation


Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, July 01, 1874, Image 4

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn91069201/1874-07-01/ed-1/seq-4/

What is OCR?


Thumbnail for

4. Ohio Waisenfreund.
Heransycber: Rcv. Z. Jefsinfl.
Pomervy den 1. JnlL 1874*
Bischöfliche Empfehlung.
Bon ganzem Herzen billige ich die fortgesetz
tr Herausgabe her „Ohio" und die preiswürdige
Abficht, den Erlös derselbe» zur Gründung ei
nes Waisenhauses für die Diözese zu verwenden.
S. H. Rosecrans,
Bischof von Colnrnbuö.
KM" £iiv Pomevoy ist bit Gvpcbiuoii bco „Ohio
äSaifcnfrttmbeo" bei yvvni Heinrich jl v u.h i n g,
Aiontftvapc.
SM" Einsendungen für die nächste Nummer utili
se» spätesten5 biö Monlng Morgen in der Office ein
treffen.
o in ero t). Der Entwurf zur neuen
Constitution fiti1 den.Staat Ohio wird jc[U in
den verschiedenen englischen und deutscheu 3ei*
tungen des Staates'publisirt. Dieser Uinstand
gibt' uns wiedn- Veranlassung, die Zerfahren
heit der Deutschen in Meigs Co. zu beklagen.
Nachdem Census von 18lu wohnten in diesen,
Counlh damals 1478 in Deutschland geborene
Personen. Wenn wir nun die seitdem hinzuge
kommenen Deutschen berechnen und auch die
hier gebornen Binder der Deutschen hinzuzäh
ieu, so wohnen in Meigs Counth 50(h) Deutsche
Und diese sind so zersabren, so zersplittert durch
allerlei Sekten, geheime Gesellschaften und po
litische Parteien das sie in der Politik gleich
Null sind. Während daher manche andere
Counties, wo weniger Deutsche sich befinden,
ihr eigenes 'Lokalblatt haben, um die Interessen
der Deutschen zu wahre», gibt eS in Meigs Co.
nichts Derartiges. Wir habe» den Persuch,
den wir grosnniithig mit der „Ohio" machten,
die Interessen des hiesigen deutschen Elements
zu vertreten ihener genug bezahlen müssen.
Jetzt ist nun wenn wir nicht irren, ein (Seseh
gemacht, das, der Entwurf der neuen Constitu
tion in jedem (5'ouiitt) in einer englischen und
tratschen Zeitung veröffentlicht werden solle,
aber in Meigs County wird die Constitution,
wie es scheint, nicht in deutscher Sprache ver
•effcnUidjt nnd keiner der 5000 Deutschen regt
Hand oder Fust darum obschon Nenn Zehntel
»aflev hiesigen Deutschen nicht englisch lesen
innn. Traurig, aber wahr!
Z e i a e
Außer den F-mmauicni, über welche
mir das letzte Mal sprachen, gibt es noch
jfine gm Zahl anderer geheimer Gesell
jchaften die alle mehr oder minder die
selben verderblichen Zwecke verfolgen, wie
bie Freimaurerei oder die dieser doch die
Wege fluuMi. Sie alle haben das ge
imeiit. bus sie daS Licht des Tages scheuen
itmb sich in geheime Schlupfwinkel ver
bergen. ES kann nun nicht unsere Ab
sicht sein, jeder dieser zahlreichen gehei
tuen Gesellschaften nachzuspüren und uns
über ihre Eigentümlichkeiten anszuspre
che« wir wollen aber doch uns den Or
den der Odd Fellows oder der souderba
ren Brüder ctituiü genauer aiisehen.
Diese haben doch wenigstens noch das
Gute, daß sie den rechten Namen führen,
denn während die Freimaurer weder
frei noch (iure v sind, und sohin ihr
Name selbst schon eine Lüge ist, sind die
Odd Fellows wirklich sonderbare Brüder.
Wie die Freimaurerei, so stammt auch
der Orden der Odd FellowS ans dem
nebligen England. Dort entsprang der
Odd Fellow Orden ans der Freimanrei
in de» Jahren 1809 bis 1813. Später
im Jahre 1819 führte Thomas Wildey
ein Grobschmied, den Odd Fellow Or
den in Amerika ein. Das Unkraut
wuchs hier unter den Sekten rasch em
por und im Jahre 1843 erklärte die Ver.
Staaten Großloge der Odd Fellows,
daß fie die eiuzige Quelle und Vorraths
fainmer der unabhängigen sonderbaren
Brüderschaft auf Erden sei! Der Odd
Fellow Orden ist in den Ver. Staaten
überall verbreitet, sie haben Großlogen,
Logen und Lager mit allerlei Krimskrani
und Ceremonien. Die verblendeten
Menschen, die sich in d.en Orden aufneh
men lassen, müssen die rechte Hand auf
die linke Brust legen und ein Versprechen
machen, das in der That vom Eide nicht
verschieden ist. Dasselbe Spiel mit dem
Manneswort oder dein Eide wird wieder
holt, wenn Jemand ein sogenanntes Amt
im Orden erhält, wenn er z. B. Ober
rneister, Großmeister:c. wird. Der Eid
eines Obermeisters bei den Odd Fellows
fängt z. V. an, wie folgte „Ich, N. N.,
Obermeister verspreche und erkläre hier
mit feierlichst, daß ich keinen Theil oder
Theile des geheimen Werks des
Odd Fellow Ordens weder drucken noch
schreiben, noch drucken lassen oder schrei
den lassen will auch will ich im Beisein
einer Person weder einen Theil noch
Theile lesen,' noch wieder erzählen oder
auf irgend eine Weise verständlich ma
che» ausgenommen in Gegenwart von
Brüdern, welche gehörig qualificirt sind,
das geheime W e k in gesetzlicher
Form zu empfangen Wir ha
ben schon oft mit Odd Fellows gespro
chen und diese haben uns immer versi
chert, es gäbe in ihrem Orden keine an
deren Geheimnisse, als die Erkennungs
zeichen nnd Paßwörter. Diese Odd
Fellows haben nun entweder die Wahr
heit oder die Unwahrheit gesagt. Ha
den sie die Wahrheit gesagt, so ist es doch
sicher ein freventliches Spiel mit dem
Eidschwur, einen solchen Eid, wie wir ihn
anführten, zn leisten haben sie dagegen
die Unwahrheit gesagt, warum halten sie
denn ihr „Werk" mit so schrecklichen Be
theürnngen geheim Auf alle Fälle aber
ist das ganze Ding eine rechte Narrenko
möbie.. Vor 2 Jahren wurde Schreiber
dieses zu einem sterbenden Odd Fellow
gerufen, der das Glück hatte, sich vor sei
nein Tode noch zn bekehren. Dieser
Mann verwünschte unb verfluchte das
Sektenwesen der geheimen Gesellschaften
das ihn im Leben Jahre lang von Gott
nnd der Kirche getrennt habe, das ihm
weiter nichts eiugetrageu h.abe, als daß
er fortwährend regelmäßig seine sauer
verdienten Thaler habe in die Kasse des
Ordens einzahlen müssen, nnd nun in
seiner letzten Krankheit quäle ihn das Ge
wissen und seine Ordensbrüder hätten
ihn verlassen, mit dem Bedeuten, beiß er
ausgestoßen sei, wenn er ben Priester ho
len lasse. Was hat nun biesem armen
Menschen unb so tausenb inberen bas
Narrenwerk bes Odb Fellow Orbens ge
nützt? Und doch sind viele Menschen
so thoricht, sich durch den Orden in die
ärgsten Sklavenfesseln schlagen zu lassen
sich unbekannten Obern und Großlogen
blindlings zu unterwerfen und Geld und'
Gut und Namen für die Zwecke eines
Bundes herzugeben, bie sie nicht einmal
kennen! Unb diese Blindheit der Schaar
gewöhnlicher Odd Fellows ist so groß,
daß sie den Führern, der Großloge willig
durch Dick'und Dünn folgt nnd für die
ses Vergnügen noch regelmäßig und un
regelmäßig Gelb bezahlen, wovon sie
oder ihre Familien nicht den dritten Thei!
wieder erhalten. Solche Menschen, bie
sich znr sklavischen Unterwürfigkeit unter
bie Führer ber Großloge ber Obb Fel
lows feierlich verpflichtet haben, gibt es
in den Vev. Staaten über 300,000
Unb damit diese nicht abfallen, läßt man
sie auf allerlei eingebildete Grade hoffen,
die man ihnen für ein bestimmtes Geld
nach und nach ertheilt. Diese Grade
sind recht das Narrenseil, an bein bie
sonberbaren Brüder herumgeführt wer
den. Da ist der erste oder weiße Grad,
der zweite ober Bnnbesgrab, ber dritte
ober Königsblau Grab, ber vierte ober
Erinnernngsgrab, ber fünfte oder Schar
lachgrad, und nun kommt der patriarch
«tische Grad, ber golbene Regel Grab
unb endlich der königliche Purpurgrad.
Ueberbies haben bie Obb Fellows auch
noch einen Rebekka Grab für Weiber.
Unb wozu bieser ganze Apparat, biesen
inhaltslosen Blöbsinn? Um bie Leute,
bie bumin genug sinb, biesem Unsinn
Werth beizulegen, besser am Narrenseile
herumführen zu können. Wer baher bie
christliche Religion mit Füßen treten
will, wer sich sklavisch zu Zwecken herge
ben will, bie ihm unbekannt sinb, ber
gehe zn ben Obb Fellaws. Wer aber
ein Mann ist, ber die Freiheit liebt, wer
ein Christ ist, unb es bleiben will,_ ber
meibe alle Verbinbung mit ben geheimen
Gesellschaften, was für Namen sie auch
führen mögen.
i—:—
Coggia's Komet.
Weshalb bie Kometen seit Alters her
unter allen Himmelskörpern bie ganz
specielle Aufmerksamkeit uttb Theilnahme
des Menschengeschlechts erregt haben?
Weshalb man noch heute dem Heranna
hen eines Kometen mit größerem. Inte
reffe folgt, als.z.B. ber Entbeckung neuer
Planeten? Es muß eben das Ungebun
bene, Abenteuerliche, Geheimnißvolle ih
res Wesens sein, was den Menschen
reizt. Es steckt in jedem Einzelnen von
uns, auch im ordentlichsten und gesehte
sten, ein Stückchen Vagabunbenthum,
die Lust am Abeiiteurlichen ist eine all
gemein menschliche, nnd problematische
Existenzen beschäftigen uns mehr als so
lide nnd gesicherte. Wird ein neuer
Planet entdeckt,' so wissen wir zum Vor
aus, daß es ein Körper ist, ungefähr wie
unsere Erde, daß er ein sehr geordnetes
Leben führt, sich in gemessenen Bahnen
bewegt und nie über die Schnur haut.
Das sinben wir allerbiugs recht löblich,
aber es reizt unsere Neugier nicht. An
ders bei einem dieser rätselhaften himm
lifchen Wandervögel, Kometen genannt,
von denen
wir nicht wissen, von wannen
sie kommen und wohin sie gehen die, wie
uns schon die moderne Wissenschaft ver
sichert, schlechterdings nichts Solides sind
sondern ans eitel Dunst und Nebel be
stehen, deren Kern sogar nur aus Gasen
gebilbet wird. Das ist geheimnisvoll
und abenteuerlich solch ein Kometenva
gabnnd mit seinem leuchtenden Schweif
hat es, wenn er kaum am Firmament
sichtbar geworden, sofort aller Welt an
getban und wird zum Gegenstand des
lebhaftesten Interesses für. Jedermann.
So darf gewiß mich ber neuste derartige
Gast, ber mit raschen Schritten im An
züge, auf einen
wannen
Empfang rech-
nen, wozu er freilich wohl bas Seinige
beiträgt, denn
eine
Einwirkung auf un­
sere Atmosphäre, die sich hauptsächlich
durch hohe Temperatur äußer« soll, wirb
ja den Kometen selbst von manchen
Forschern zugeschrieben. Kometenjahre
sind gute Wein jähre, d. h. heiße Jahre
und so dürfen wir wohl auch den laufen
ben Sommer noch nicht zu voreilig we
gen seines milbeii Auftretens loben.
Am 17. April b. I. entdeckte ber Ast
ronom Coggia zu Marseille einen neuen
Kometen, ber bamals allerdings mir sehr
klein schien von bein er sich jeboch balb
Überzeugte, baß er in. feiner Annäherung
gegen bie Erbe begriffen sei, unb ver
muthlich, wenn berselbcn am nächsten,
sich als einer ber größeren unb Hellleu ch
teiibften seines Geschlechts erweisen werbe.
Am 30. Mai warb bieser Komet zuerst
von Bur ah am in Chicago entbeckt. Da
mals hatte ber Komet an Größe unb
Glanz schon so zugenommen', baß er sich
mit Hülfe eines scharfen Opernglases
erkennen ließ. Heute ist er bereits dem
bloßen Auge deutlich sichtbar und läßt
sich Morgens 1 Uhr am leichtesten unge
fähr in der Mitte zwischen dem Polar
stern und dem Horizont auffinden. Wäh
rend der nächsten Wochen wird er in den
frühen Abendstunden sichtbar werben.
Seine größte Erbnähe erreicht er am 3.
August b. I., unb um biese Zeit wirb
er eine 245 Mal größere Helligkeit be
sitzen als zur Zeit, ba matt seiner zuerst
ansichtig würbe, während er bis jetzt mir
mit sieben Mal heller geworden ist. An
Glanz wird dieser Komet vielleicht alle
anderen, die im Laufe des Jahrhundert
sichtbar geworden, Übertreffen. Schon
jetzt soll feilt cnißerorbcittlich heller Kern
auffallen. Zur genannten Zeit wirb er
ungefähr 5° von Denabola, dem hellsten
Stern des Löwen, stehen und da ber.
Monb bann nicht sichtbar ist fo werben
sich spektroskopische Analyse» unter gün
stigeren Umständen ausführen lassen, als
bies in langer Zeit wieder ber Fall sein
mag. Man hofft, baß bieser Umstand
die Gelehrten befähigen werde, das noch
immer sehr lückenhafte Kapitel über bas
Wesen der Kometen beträchtlich zu ver
vollständigen unb uns endlich mit Be
stimmtheit zu sagen was'wir von diesen
wunderlichen Patronen eigentlich zu hal
ten haben. Newton hielt die Kerne der
Kometen für solide Körper, weil sie sich
sonst durch die ungeheure Hitze, der sie in
der Nähe der Sonne ausgesetzt sein mö
gen, sehr bald verflüchtigen würden.
Nach neueren Forschern soll auch der
Kern lediglich aus «Gasen bestehen denn
wäre er wirklich fest, so müßten die Ko
meten in den Bahnen der Planeten mit
unter gefährliche Revolutionen hervor
rufen. Die Hitze, welcher Kometen in
der Sonnennähe ausgefetzt find, über
steigt allerdings fast unsere Vorstellung.
Newton berechnete, daß der Komet von
1680 in seiner Sonnennähe eine Hitze zu
ertragen hatte, die 2000 mal großer als
die des rothglühenden Eisens. Der Ko
in et von 1843, der sich der Sonne sogar
bis ans eine Entfernung von 47,500
Meilen näherte, muß eine noch ungleich
beträchtlichere Hitze ausgehalten haben.
Daß der Schweif der Kometen lediglich
aus Dnnstmaffen besteht, ist Wissenschaft
lieh erwiesen. Am 27. November 1872
ging unsere Erde mitten durch den
Schweif des Bila'schen Kometen hindurch
ohne daß wir ein anderes bemerkenswer
thes Phänomen wahrgenommen hätten,
als einen starken Sternschnnppenfall, der
namentlich in England und in einigen
Ländern des europäischen Continents be
otiachtetet wurde. Die größte Ausdeh
nung hatte der Schweif des Kometen von
1843 der 150 Millionen Meilen maß.
Zunächst kam der Komet von 1811, mit
einem Schweife von 100 Millionen Mei
len dann der von 1680 mit 96 Millio
nen Meilen. Der alte Aberglaube, daß
das Erscheinen von Kometen Krieg nnd
verheerende Krankheiten bedeute, wird
hoffentlich heute nicht mehr viele Anhän
ger sinben. Int Falle des Kometen von
1858 hatte er sich freilich bestätigt, beim
balb nach beffen Verschwinden war ber
französisch-österreichische Krieg in Italien
ausgebrochen. Seitdem sinb aber fo
viele utib schwere Kriege ohne Kometen
geführt worbeit, baß ber alte Volksglaube
boch ein starkes Loch bekommen. Der
Coggia'sche Komet wirb nns vollenbs
keinen Krieg bringen, benn alle Welt
führt ja heilt zu Tag bie Erhaltung des
Friedens als höchstes Desiderium im
Munde.
E o u n e i n e s i n
en durch einen 93 Ii it e 11. Die
„Unita Italian«" von Neapel schreibt:
„Demnächst wird vor dem hiesigen Assi
senhof ein Prozeß wegen -Mordes zur
Verhandlung kommen, bei dem nicht mir
der Mörder, sondern auch sämmtliche
Zeugen Blinde sein werden, und auch
der Ermordete war blind. In dem blin
den-Hospiz zu Massa Lubrense lebten
nämlich zwei Personen, die von Haß ge
gen einanber erfüllt waren. Alle Ver
söhnungsmittel mißlangen, ba ber Mör
der sich vorgenommen hatte, seine Rache
in dem Blute seines Gegners zn kühlen.
Eines Tages, als Ersterer ben Letzteren
im Hofe allein anwesenb wußte, stellte er
sich mit gezogenem Messer vor bie Haus
thüre, unb als sein Opfer derselben nahe
war, stürzte er sich auf dasselbe unb er
stach es.

xml | txt