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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, July 01, 1874, Image 5

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Das Lehrer-Seminar bei Milwaukee.
Am 1. Mai d. I. habe ich dem drin
genden Wunsche des sel. Dr. Salzmann
HomäH. die Stelle als Rector am Lehrer
das der Selige gegründet,
übernommen. Nach der Einsicht, die
ich seitdem in die Verhältnisse der An
statt gewonnen, erlaube ich mir folgende
Notizen 31t veröffentlichen, allen Freun
den der katholischen Schule und des Se
miliars zur Beruhigung und heilsamen
Anregung.
lk Das Lehrer-Seminar existirt wirk
lich und zählt 55 Zöglinge.
2.
Das Lehrer-Seminar berechtigt zu
Den schönsten Hoffnungen für die Zukunft.
3. Damit das Haus sich rentire, [t
vorläufig mit dem Seminar .ein Busineß
College verbunden, welches augenblicklich
41 Zöglinge zählt, alle .katholisch. Die
ses College soÄ eingehen, sobald Lehr
nints-Candidaten da sind.
4. Das Haus ist tfür 100 Zöglinge
eingerichtet. Sollte es da nicht möglich
sein, iii kurzer Zeit einhundert junge
Leute unter den deutschen Katholiken im
Westen allein für den Lehrerstand zu ge
nvinnen? Es ist möglich, denn wir haben
sie nöthig zur Rettung der Jugend. Ob
wir sie recht bald gewinnen, hängt zu
nächst viöi den Priestern und Lehrern in
bcn einzelnen Gemeinden ab. Zeigen
diese wahres Interesse für die Schule,
innige, christliche Liebe zur Jugend, so
wird es ihnen an Nachfolgern nicht feh
•Ich.
xJa,
meine Herren, vergessen wir
nicht den alten Spruch: „Wenn die
Kunst zu Grunde geht, so sind die Kunst
(er selbst Schuld daran! Ich wende
mich ferner an euch, christliche Eltern!
Lehret cure Kinder, daß es auch noch ei-,
neu höheren Verdienst gibt, als der all
•mächtige Dollar, die Rettung unsterbli
cher Seelen. Lehret sie, wie der Heiland
sagt: „Wer eins von diesen Kleinen in
Meinem Namen aufnimmt, der mimmt
Mich auf." Und, christliche Jünglinge
•sollte ich vergebens auf euer jugendliches,
won Natur aus schon großmüthiges und
•opferwilliges Herz rechnen? Nein ich
-kenne euch zu gut, als daß ich einstimmen
könnte in das unausgesetzte Klagen so
Mancher über die Verdorbenheit »ndRe
ligionslosigkeit der Jugend. Zeigt es,
'daß ich Recht habe, kommet
5. Weil das Seminar noch ziemlich
-tief in Schulden steckt, die Unterhaltung
desselben, namentlich für Mnsikinstrn
-mente und Musiklehrer sehr viel kostet,
-so muß vorläufig noch jeder Zöglinz Al
:l£§ in Allem $175 jährlich bezahlen. Es
ist Niemand, der bei dem Seminare
Geld zu machen sucht, darum soll jener
Preis heruntergesetzt werden sobald die
'Umstände es erlauben.
6. Deswegen möchte ich Vereine und
einzelne Personen, die bisher so treu und
opferwillig dem jungen Seminar zu Hilfe
-gekommen, bitten, demselben auch ferner
hin ihr Wohlwollen zu erhalten. Dieje
nigen aber, die bisher noch mit ihrer
Beisteuer zurückgehalten, weil sie immer
noch zweifelhaft waren an dem guten Er
folg des Seminars, mögen jetzt nur ge
trost hervorkommen und ihr Scherflein
beitragen, wo es noch Zeit ist. „Was
diese und jene gekonnt haben, warum
sonte ich das. nicht können?" sagte einst
der hl. Augustin.
.7. (Enthält die Ankündigung einer
Lotterie zum Besten des Seminars. Wir
Können dieselbe nicht abdrucken, da wir
mit den Gesetzen des Staates Ohio
nicht in Conflict gerathen wollen. Red.)
Schließlich mochte ich die H. H.
Eonfratres, die einen Lehrer vorn Semi
nar für nächsten Herbst wünschen, bitten,
sich möglichst bald zu melden und kurz
und bündig dabei anzugeben, ob die
Schule deutsch, oder englich, oder ge
mischt ist, welche Klasse, das feste Ge
Halt fur's Jahr, Nebeneinkünfte, Woh-
nunq zu welchem Preise Kost zu haben I griffen e§ entsteht eine Entzündung, die
ist. und —ob Ehoralgesang begünstigt das Gehirn affizirt und 'st em Sonnen
ri!X StA it xwiffiMt Ittrt
wird.
1
Durch Herrn I. 91. linger erhielten wir feie durch
Herrn 31. Kalus gefertigte richtige Auflösung unserer
Aufgabe No. 18.
i e a u
Mit der jetzt vor uns liegenden zwölf
ten Lieferung des rühmlich bekannten
Familienbuchs „derArzta s Hau s
freu n d" (bei Frdr. e ard, Post
Box 1001, in N e tv 9) 0 k) ist die sie
bente Auflage nun complett erschienen.
Einer Empfehlung bedarf dieses Buch
kaum mehr da schon der Umstand, daß
bereits sechs Auflagen davon verbreitet
sind, genügend für dessen große praktische
Brauchbarkeit spricht. Hervorzuheben
Der Sonnenstich.
Die große Hitze sollte Jedermann
mahnen, sich thunlichst gegen die Gefah
reu des Sonnenstiches vorzusehen. Mit
einiger Vorsicht und einem nassen Ta
schentuch ist es leicht, sich dagegen zu
schützen, hundertfach schwerer schon ist es,
einen davon Betroffenen Hilfe zu brin
gen um aber Jedermann in den Stand
zu setzen vorkommenden Falles auch in
diesem Betreff dasNöthige zu thun, th ei
len wir unseren Lesern nachstehende Vor
schristen mit, die sich vielfach bewährt
haben:
Ist Jemand vom Sonnenstich befallen
so schaffe man ihn in das nächstgelegene
Haus, entferne alle seine Kleider und
wasche ihn mit Eiswasser tüchtig von
Kopf bis zu Füßen. Von Zeit zu Zeit
lege man den Kopf des Kranken auf ein
Stück Eis.. Bis ein Arzt eingetroffen
ist, gebe man dem Kranken in ange
messenen Zwischenräumen Brandy oder
Ammonia. Dieses ist das -einfachste
und zugleich praktischste Verfahren.
Wird der Kranke aber von Krämpfen
befallen, so müssen selbstverständlich an
dere Methoden in Anwendung gebracht
werden. Eines dieser Mittel ist, daß
man dem Kranken 1|18 Gran Cvlobar
Bohne.Extract eingibt, was selten seinen
Zweck verfehlt. Ist die betreffende Per
son sehr kräftig gebaut, so muß natürlich
eine größere Dosis, in manchen Füllen
bis zu einem Gran angegeben werden.
Leidet der Patient aiich an Kopfweh, fo
sollte ihm etwas „Bromide of Potash"
gegeben werden. Ohne Hinzuziehung
eines Arztes, sollten diese Mittel nie oder
höchstens in- besonders dringlichen Fäl
len angewendet werden.
Arbeiter find am Meisten dem Son
nenstich ausgesetzt und werden sie auch
mehr davon betrogen, wie andere Per-
tonen, da sie, besonders die Maurer,
Backsteinleger zc. den ganzen Tag den
sengenden Sonnenstrahlen ausgesetzt
sind. Nach der Ansicht vieler Aerzte ent
stehe Sonnenstich auch' noch auf folgende
Weise: Schaut ein Fußgänger, ohne
daß die Hitze' besonders groß ist, fort
während auf ein von der Sonne beschie
neues Trottoir, so werden davon die
Nerven in ungewöhnlicher Weise ange«
stich dann die Folge. In Fallen, wo
Sonnenstiche tödtlichen Ausgang hatten,
hat sich diese Todesursache bei der Ob
bullion schon mehr wie einmal heraus
gestellt. Etwa zwanzig Prozent aller
Sonnenstiche nehmen einen tödtlichen
Ausgang, wenn aber gleich geeignete
Maßregeln getroffen würden, so können
in den meisten Fällen die Patienten ge
rettet werden.
Das beste Mittel gegen Sonnenstich
ist, daß man an heißen Tagen ruhig in
einem kühlen Zimmer sitzen bleibt und
sich einem süßen clolce far niente hin
gibt. Allein da nicht Jedermann der
Art sitnirt ist, um das thun zu können'
so sollten Diejenigen, deren Beruf sie
zwingt, sich der Sonne auszusetzendie
Vorsicht gebrauchen, ein nasses Tuch im
j..., Hut zu tragen, und sich von Zeit zu Zeit
ist nur, daß diese Anfinge die Rccepteiden Kopf anzufeuchten. Mittel
nicht nur in deutscher, sondern auch in stet nichts und hat sich als äußerst probat
englischer Sprache enthält, so daß auch erwiesen.
amerikanische Apotheken in denen nicht!
deutsch gesprochen wird, nach diesem Buch Der Congre hatte am Tage
die Medicine« zubereiten können. Es ist in
or einer Vertagung eine in denn An
dies ein Buch, welches denen, die es be
sitzen, so manchen Dollar für ärztliche
Hülfe erspart und Leute in allen Staa
ten welche allein für dieses Buch reisen
möchten, würden sicher ein gutes Geschäft
machen. Erst kürzlich verkaufte davon
ein Reisender in einem Mittelort binnen
Monatsfrist gegen zweihundert Exem
plare.
I
n i s n soll am Sam-'
stag Abend der Jrländer Patrick Fallon
in seinemKosthanse dreiPint 25 his fei) ge
trunken haben Am SonntagMorgen fand
man ihn als Leiche auf dem Stubenboden.
W i
e i
e e e e n z a n a
if er den Namen Gottes und den Eid
schwur mißbrauchen, ergibt sich aus fol
gendem Vorfall, der sich in letzter Woche
iii Cincinnati zutrug. Von einem ge
wissen I. Robinson wurden gegen ein
DnkeIid Wirthc Vcrhaftsbefehle heraus
geschworen. Einer derselben lautete auf
den Namen I. Dodd, an Montgomery
Rod. Dieser Mann hatte ungefähr 18
Monate zurück wirklich eine Wirtschaft
dort, verließ aber Cincinnati im März
oder April 1873. Seit dieser Zeit ist er
nicht mehr hier gesehen worden und ist
der Saloon geschlossen. Weil aber das
Schild nicht abgenommen wurde, so
glaubten die Temperenzler jedenfalls,
daß Liquor dort verkauft werde, deshalb
schwor dieser Robinson einen heiligen
Eid beim Friedensrichter B. True, daß
er dort Liquor getrunken habe!
Vor 200 Jahren zählten Canada
und die Ver. Staaten 200 Katholiken.
Ver hundert Jahren gab es nördlich von
New Meriko einen Bischof und 2000
Katholiken in Canada und in den Staa
ten am Mississippi. Im Jahre 1790
wurde der erste Bischof in dgt Ver.
Staaten Erzbifchof Carrol von. Bal
timore ernannt auch zehn Jahre später
gab es in Canada und den Ver. Staa
ten nur einen Bischof. Im Jahre 1842
finden wir 9 Bischöfe in Canada und 16
in den Ver. Staaten, jetzt aber 26 in
Canada und 66 in den Ver. Staaten.
Die Katholiken in Amerika haben sich
mithin in verhältnismäßig kurzem Zeit
raum sehr beträchtlich vermehrt und wo
xs vor hundert Jahren einen Katholiken
gab, finden wir
heute
Taufende.
Im peruanischen Departement
u a Y a s find sehr ergiebige Kohlen­
Ohio Waiseufrenud. 7
lager aufgefunden worden man findet sie
achtzehn Fuß mächtig und die Kohle ist
schönster Anthracit. Sie sind sofort in
Angriff genommen worden und die Be
srachtuiig ist bequem, da die Gruben an
der im Bau begriffenen Bahn von Cham
bote nach Hnaraz liegen. An der südame
rikanischen Westküste war man bisher vor
zngswcise auf chilenische und englische
Kohlen angewiesen.
fo-
italcii des Congresses sehr ungewöhnliche
Frage in Verhandlung, nämlich eine
Geldbewilligung von $25,000 an eine
katholische milMhütigc Anstalt die
Heimath für gebrechliche Personen bei
derlei Geschlechtes in Washington, die
unter der Obhut der kleinen Schwester
der Armen steht. Obwohl Herr Garfield
als Vorsil',ender des CommiteeS für
Geldbewilligung entschieden gegen eine
solche Geldbewillign ng, zu Gunsten einer
reltQÖse-tt Genossenschaft auftrat, gelang
es ihm damit nicht, auf das Haus einen
sonderlichen Eindruck zu.machen, denn
nur 43 Mitglieder stimmten gegen die
Bewilligung, während 104 zu Gunsten
derselben stimmten.
meine Z e i u n g", das verbissene
Leiborgan Bismarck's, stellte kürzlich ein
mal der vielgeschniähten katholischen
Geistlichkeit ein gutes Zeugnis ans. In
einem Artikel über die Sterblichkeit der
Geistlichen schreibt sie wörtlich: „Viel
stärker ist aber die Sterblichkeit der ka
tholischen Priester. Cölibate weisen im
Allgemeinen eine größere Sterblichkeit
ans, als verheirathete Männer. Dies ist
indes nicht der Hauptgrund, denn die
verheirateten griechisch-kath. Geistlichen
haben eine noch viel stärkere Mortalität
als die römischen. Der Hauptgrund ist
nach Mr. Nelson in den Mühen und
Beschwerden und Gefahren zn suchen,
mit welchem das Amt des katholischen
Priesters verbunden ist. Es läßt sich in
dieser Beziehung der katholische Geistliche
wohl mit dem Arzte vergleichen^ So
weiiig wie dieser darf er sich nm stnnn
und Wetter kümmern, wenn ihn seine
Pflicht ruft weder eigenes Unwohlsein
noch die Gefahr der Ansteckung darf ihn
abhalten, dem Sterbenden den letzten
Trost zu bringen." Und da glaubt man
noch mit den Maigesetzen etwas ansrich
ten zu können?
Nach einem Telegramm der Wiene
„N. Fr, Presse" aus Paris, verlautet da
selbst, Prinz Napoleon werde sich jnU ber
Tochter MacMahou's verloben, schüch
terne Andentungen dieses merkwürdigen
Ehebündnisses sind letzter Tage an ver
schiedeiicit Stellen aufgetreten doch nie
mals so bestimmt,wie in diesemTelegramm
der „N. Fr. Presse". Die Geneigtheit
des Sohnes Napoleon's 111., sich durch
die Verlobung mit einer Tochter Mac
Mahou's auf den französischen Thron zn
schwingen, kann schwerlich ans Zweisei
stoßen. Auch wird eine solche Ehe von der
Kaiserin Engenie offenbar um so mehr
begünstigt werden, als auch sie aus keiner
souveraiuen Familie stammt, und die
Theorie, welche Napoleon III. anläßlich
seiner Vermählung mit der schönen Grä
fin von Theba ausstellte und öffentlich be
kauiü machte, durch eine solche Ehe seines
Sohnes neuerdings bekräftigt würde. Daß
MacMahon unter anderen Verhältnisftn
nichts dagegen haben würde, läßt sich
denken. Allein im vorliegenden Falle
würde seine Zustimmung zugleich den
Entschluß enthalten müssen, die Wieder
herstellung des Kaiserthums durch einen
Staatsstreich zu unternehmen.
Nun hat man zwar bisher keine znver
lässigen und unzweifelhaften Beweise für
die Annahme, das MacMahon Legitimist
oder Republikaner ist. Er hat im Gegen
theil aus seinen Sympathien für dasKai
)erreich nie ein Hehl
gemacht. Allein er hat
stets vor Allem als
ein
loyaler Mann, als
ein moderner Bayard betrachtet seilt wol
len. Und da dürfte es denn doch zweifel
Haft sein ob seiiieTugend an der Lockung,
kaiserlicherSchwiegerpapa zu werden,schei
fern sollte. Denn aus legalem W ege läßt,
sich, wie heute die Dinge in Frankreich lie
gen dasKaiserlich nicht wieder herstellen.Es
bedarf des Staatsstreiches. Uebrigens ist
die Tochter des Marschalls, wenn nicht
irren, kaum 10 Jahre alt. Die angckün
bigte Verlobung würde daher' wenigstens
keine augenblickliche Gefahr mit sich brin'
gen.

Ad
reffe: Rev. Th. n er,
St. Francis, Milwaukee Co., Wis.
S t. Fr a n is im Juni 1874.
i e „N o e n s ch e A ll e-

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