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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, July 01, 1874, Image 7

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gegeben: „Gehet nicht den Weg zu den
Heiden, und ziehet nicht in die Städte
der Samariter." Dieses Gebot des
Herrn war auch wohl die Ursache, warum
gerade das Oberhaupt der Kirche nach.
Samaria ging. Er konnte ja am be*
sten die so widerspruchsvoll aussehende
Sache entscheiden. Als nun Petrus und
Johannes zu den von Philippus Getauf
ten nach Samaria kamen, ertheilten sie
diesen durch Auflegung der Hände und
Gebet das Sakrament der Firmung, wie
dieses im 8 Cap. der Apostelgeschichte er
zählt wird. Der h. Geist, der im Sak
ramente der Firmung in die Seele kommt
erschien aber damals in den ersten Zeiten
des Christenthums unter sichtbaren Zei
chen. Da nun Simon Magus sah, daß
die Apostel durch Auslegung der Hände
den h. Geist ertheilten, bot er ihnen Geld
an und wollte dafür die Gewalt kaufen,
das Sakrament der Firmung spenden zu
können. Petni8 aber antwortete ihm
„Dein Geld sei mit dir zum Verderben,
weil du meintest, die Gabe Gottes zu be
kommen für Geld. Du hast keinen An
theil noch Erbe an dieser Lehre, denn
dein Herz ist nicht ausrichtig vor Gott.
Darum thue Buße über diese deine Bos
heit. Aber er hat keine Buße gethan.
Nach der Abreise der Apostel nannte er
sich im Stolze seines Herzeus die große
o e s k a t, den Sohn Gottes,
das Wort Gottes, der Große, der All
mächtige. Den Heiden sagte er, er sei
ein Gott, den Juden aber, er sei der
Messias, er habe sich den Juden gezeigt
unter der Gestalt des Sohnes, nun zeige
er sich den Samaritanern unter der Ge
ft alt des Vaters. Ferner lehrte dieser
arge erste Apostat die Weibergemeinschast,
leugnete die Auferstehung der Todteu
und sagte, die Welt sei ein Bild Gottes.
Sein eigenes Bild ließ, er in der Gestalt
des Jnpiter von den Heiden anbeten und
das Bild seines Weibes unter der Gestalt
der Minerva. Dieser erste Apostat wird
auch der Asse Christi genannt. Wie
nämlich Christus aus eiuem Simon den
Petrus machte, das ist den Felsen, aus
welchen Er Seine heilige katholische Kir
che baute, so hat auch der Satan aus ei°
tte
111
Simon den ersten Widersacher der
Kirche gemacht, der von den Aposteln die
bischöfliche Würde kaufen wollte, es aber
nicht konnte, und der dann sich eine Ketz
erei ausdachte, durch welche er außer der
Kirche jene Herrschaft ausüben wollte,
die er in der Kirche nicht erlangen konnte.
Nach manchen Irrfahrten reiste dieser
erste Apostat nach Rom wo damals der
Kaiser Nero regierte. Dieser beschäftigte
sich selbst mit Magierkünsten und Zaube
rei, durch welche Mittel er vermeinte,
recht lange regieren zu können. Der
Apostat Simon fand daher am Hofe des
Nero eine günstige Aufnahme. Als nun
aber der Apostat zu Rom sein Unwesen
trieb, kam auch Petrus nach Rom, um
den Simon Magus zu bekämpfen. Der
Apostat nämlich suchte, wie auch alle
seine Nachfolger gethan haben, Verwir
rung in die schon früher von Petrus be
gründete katholische Gemeinde in Rom
zu verbreiten, und die neuen Christen
zum Abfalle zu bewegeu. Die Heiden
aber verblendete er durch seine Zauber
künste. So kündete er eines Tages an,
daß er vor allem Volke sichtbar sich in
die Luft erheben und zum Himmel fahren
wolle. Auf diese Nachricht versammelte
sich zur festgesetzten Zeit eine große
Menge Heiden, um dem Schauspiel zu
zusehen. Auch der Kaiser Nero hatte sich
dazu eingefunden. Der Apostel Petrus
aber befand sich in der Nähe des Thea
ters von welchem aus Simon in den
Himmel fliegen wollte und betete. Und
Simon erhob sich wirklich durch Hülfe
des Teufels in die Luft und die ganze
Menge des Valkes klatschte ihm Beifall.
Da aber blickte auch Petrus auf den in
der Luft sich langsam erhebenden Aposta
ten und sprach zu ihm: Wenn ich ein
Mann Gottes, ein wahrer Apostel Jesu
Christi, ein Lehrer der Wahrheit und
nicht des Jrrthums bin, wie du Simon,
so befehle ich den teuflischen Mächten, die
den Simon Magus erheben, daß sie ihre
Gewalt verlieren und er zum Gespötte
derjenigen herabfalle, die er betrogen hat.
Nach diesen Worten des Apostelfürsten
fiel der Apostat mit heftigem Schlage
aus der Luft aus den Boden und zerbrach
das Hüftbeiu und die Fußgelenke. 'Die
zahlreichen Zuschauer erhoben beim An
blicke dieses göttlichen Strafgerichtes ein
großes Geschrei und es riefen viele Stim
men Es ist nur ein Gott, der von Pet
rus mit Recht verkündet wird. So
wurde der erste Apostat von dem ersten
Papste nicht blos bildlich, sondern buch
stäblich gestürzt. Und so ist es in der ei
nc 11 oder andern Weise noch allen Apo
staten ergangen, die es wagten, sich ge-
gen die heilige katholische Kirche zu erhe
den. Der neue Apostat ist der „altka
tholische" Bischof Reinkens in Bonn.
Er hat in der Thot eine gewisse Ähn
lichkeit mit Simon Magus. Dieser
wollte für Geld die Bischofswürde kau
feu, Reinkeus hat sich dieselbe von den
Jansenisten geholt, um von der prenßi
scheu Negierung Geld zu erhalten. Der
erste Apostat schleppte ein Weib mit sich
herum und Rein kens hatte kürzlich eilten
argen Skandalprozeß, der auf noch
Schlimmeres deutet. Simon Magus
war ein Feind des ersten Papstes, des h.
Petrus, und wurde beschützt von dem er
steit Verfolger, dem Kaiser Nero Rein
kens ist ein Feind des heiligmäßigen
Papstes Pius IX. und wird beschützt
von dem neusten Verfolger der katholi
schen Kirche, dem Kaiser Wilhelm. Dem
ersten Apostaten wurde Beifall geklatscht
von den alten Heiden, dem letzten Apo
staten Rein tens wird Beifall geklatscht
von unseren Neuheiten. Aber der erste
Apostat sammt seinem Anhang kam
schmählig zum Falle: und auch der
neuste Apostat Reinkens wird früher oder
später zum Falle kommen.
J.
Da Petrus betet, stürzt (Simon nieder,
O Neinkens! zittere, er betet wieder.
Das Zeichen des Thieres und die nahe
Zukunft der kath. Kir.che.
Portugal, schon seit Pombals Zeiten,
und Spanien, schon lange ehe eine Jsa
bella, ein Amadeus, ein Serrano sich der
Regierung bemächtigten, haben aufgehört
katholische Staaten zu sein, und ob auch
jetzt ehr edler Fürst, ein edles Volk mit
ritterlichem Muche sich erhebe: Umsonst!
zu schwer, zu groß sind jene Sünden» die
ans dem Bonrbonnenstamme lasten. Das
Heil der Kirche kommt von Spanien
nicht, von Frankreich nicht, von Irland
nicht, von England nicht. England
zwar scheint int pautheistischen Cnltur
kämpf ganz neutral zu feilt. Aber es
scheint nur so. Dort steckt der Götze der
Staatsomnipotenz in einem Parlament,!
einer dem Volke verantwortlichen Regie
ruitg und einer Königin, welche nebenher
Bischöfin der Landeskirche ist. Der
Schwerpunkt der Politik liegt dort weder
im Kopf, wie in Rußland, noch in den
Füßen wie in Amerika sondern in der
Mitte zwischen Beiden im Bauch und
im Geldbeutel. Daraus läßt sich ermes
seit, daß das Heil der Kirche nicht von
England kommen kann, und wenn dieses
Land auch vorderhand noch ruhig ist, fo
kommt es nur davon her, daß es das
Blut der Märtyrer, das es vor 200 und
300 Jahren mit vollen Zügen getrunken,'
noch nicht ganz verdaut hat. Es wird
nicht' mehr lange dauern bis es sich sei
tten Schwägern, den Kaifern von Ruß
land und Deutschland, gefälligst zur
Seite stellt. Hat auch der brittische
Staatslöwe noch nicht gebrüllt, so hat
doch der englische Privat John Bull be
reits gebellt. Die übrigen protestanti
scheu Staaten Europas, welche alle mehr
oder weniger Pilatusdienste verrichten,
können wir füglich übergehen, uttt in
Italien den modernen Herodes, Victor
Emanuel, zu bewundern, der seinen grau
samen Spott mit der katholischen Kirche
treibt und den hohen Rath der gehei
men Sekte zu hören, welche nicht müde
wird, ihr „Kreuzige ihn!" zu schreien.
Da ist Greuel der Verwüstung an heili
ger Stätte. Der Papst, seiner rechtmä
ßigen Besitzungen beraubt, ein Gefange
ner im eignen Hause Kirchen, Klöster
und wohlthätige Stiftungen eingezogen
und zu Pferdeställen gemacht, Ordens
leute verjagt und Prostitutionsleute an
ihre Stelle gesetzt, Schulen unterdrückt
und Theater nebst Ballet-Pädogogik fub
stiinirt, Bifchöfe und Priester dem Hun
ger und den Mißhandlungen des Pöbels
preisgegeben, aber Jung-Jtalien von
Staatswegcn mit Belustigungen ettnü
sirt. Italien, ist einem großen Theil
feines Volkes noch katholisch, aber in sei
ner ofsicielleit Montiir eine Behausung
des unreinen Geistes geworden, macht
wohl keine Ansprüche darauf, als retten
der Engel der katholischen Kirche sich
auszuzeichnen. In Brasilien, Mexiko,
Guatemala, Venezuela und den anderen
südamerikanischen Staaten, Ecuador
ausgenommen, erhebt sich gleichfalls die
weltlicheMacht über die geistliche Gewalt,
und wohin wir unseren Blick auch wen
den mögen vom fernen Osten bis zum
großen Westen, überall erhebt fich das
Thier aus dem Abgrunde und droht die
Errungenschaften eines 1800jährigen
Cultnrkampfes zu erringen.
Stille ist es uoch in den Vereinigten
Staaten aber es ist die Stille vor dem
Gewitter. Je langsamer sich die Wolken
zusammenziehen, desto gewaltiger wird
der Ausbruch des amerikanischen Torna
dos sein. Gutmüthige Menschen, die
von der angebornen Generosität des
amerikanischen Volkes faseln Einfalls
Pinsel, die den Firniß für Naturfarbe
halten bilden sich ein, Amerika werde
eine Beste des Katholicismus werden.
Wie kann ein Volk, das der Venns und
dem Mammon opfert das die Weiber,
den Dollar und die Mode die Eitelkeit,
den Ehrgeiz und Schwindel zu seinen
Göttern macht das die Unbotmäßigkeit
der Weiber gegen ihre Männer, der Kin
der gegen ihre Eltern, der Schüler gegen
ihre Lehrer, der Unterthanen gegen ihre
Obrigkeit zum Prinzipe macht das ein
Sammelsurium aller alten und neuen
Ketzereien und Uneinigkeiten ist wie
kann ein solches Volk, sage ich eine
Hoffnung der katholischen Kirche werden?
Vielmehr, nachdem das Thier ans dem
Abgrund feine Rolle in Europa als Vor
läufer abgespielt hat, wird die Jncarna
tion des Teufels, d. h. der Antichrist,
feine Rolle hier beginnen, uud nach den
Osten und dem Westen, nach dem Nor
den und dem Süden vom amerikanischen
Babylon seine Befehle ertheilen.
Vorläufig können wir Katholiken der
Vereinigten Staaten uns auf folgende
Süßigkeiten gefaßt machen': 1) die Pro
klamiruug eines methodistifchen Staats
götzcit von Washington 2) die Centra
lisation und Leitung des Schulwesens
von Bundeswegen 3) Schulzwang
4) Besteuerung des katholischen «Schul
und Kirchenetgenthunts 5) Unterdückung
vorerst des katholischen Schulwesens
6) obligatorische Civilehe 7) Koran des
Weiberstimmrechts, Temperenzzwang u.
Harems-Regierung 8) Omnipotent der
absoluten Volksmajorität und letztens,
Cremations-Oefen von Maine bis Ca
lifornien von Texas bis Minnesota.
Und dann wird die Liebe in Vielen er
kalten, weil die Ungerechtigkeit überhand
nehmen wird und wenn Gott jene Tage
Ohio Waisensrennd^ 7.
nicht abkürzen würde, so könnte- Ntcrnnrnb
selig werden. Dies sind die Aiissichtera
für die nahe Zukunft der biholifcheTS
Kirche am Ende des neunzehnten Jahr-
Hunderts.'
Geben ist seliger denn Nehmen»
Ein junger Engländer ging einesTages
mit seinem Lehrer spazieren. Sie sahen!
neben dem Wege ein paar schimizige
Schuhe stehen die wie sie vermutheten«,
eiuem auf einem nahen Felde arbei tenders
Manne gehörten, welcher, wie es schietr.,
bald mit seiner Arbeit zu Ende war. Detr
Engländer machte dem Lehrer den Vor
schlag, sich einen Spaß zu machen, iiidens
sie die Schuhe versteckten und seitwärts
im Gebüsche abwarten, um über die Ver
legenheit des Bauers sich zu belustigen,,
weint er feine Schuhe nicht mehr finde..
Er fand aber natürlich nicht die Zu
stimmung des Lehrers, der vielmehr zix
ihm sagte: „Man titiiß« sich nie aus Ui
kosten der Armen lustig machen. Sic
sind reich und daher im Stande, sich mtb
dem (inneit Manne zugleich eine viel
schönere Freude zn machen. Legen Si£
itt jeden dieser Schuhe einen Thaler uitfr
dann wollen wir uns verstecken und afr
warten." Der junge Engländer that e§
und verbarg sich mit dem Lehrer in das
nahe Gebüsche. Bald hatte der Bauer
seilte Arbeit vollendet und ging den Ackev
entlang zur Stelle wo er die Schuhe hin
gelegt hatte. Während er das Wams an-
zog, fuhr er auch mit dem einen Fuße int
ernen Schuh zog ihn aber rasch wieder
zurück, als er etwas Hartes darin fühlte.
Er bückte sich und fand den Thaler. Er
staunen und Verwunderung malte sich)
auf seinem Gesicht er besah den Thaler
wandte in um und besah ihn nochmals
und wieder. Er blickte sich nach aftr..S.ä-'
ten unt, sah aber Niemanden. Nun scho5
er den Thaler in die Tasche, zog Sere
Schuh an und auch den andern. Abetr
wie wuchs fei» Erstaunen, als er auch iir
diesem einen Thaler fand! Da ütierosi'^
tigte ihn das Gefühl, er siel auf bieKniec
uud rief: „O Herr, fo ist's doch wahr^
daß du die Deiniaen nicht verfassest, fcre
auf dich bauen. Du wußtest, daß mein
Weib krank daheim liegt, meint Ktirber
keiit Brot haben lind daß ich ohne Nach
tut Hülfe war. Da hast du mir, du lieber
himmlischer Vater, durch ein wohlthäti-
ges Herz dieses Geld zugesendet damit
mir geholfen würde. O segne das Werk
zeug deiner Güte!"
Tief gerührt, das Auge thränenfeucht,
stand der junge Engländer da. „Nun",
sagte der Lehrer, „sind Sie jetzt nicht ver
gitügtcr, als wenn SieJhren Streich aus
geführt hätten?" „Ach, mein theurcr
Freund", erwiderte der Student, „Sie
haben mir hier eine Lehre gegeben, die
ich nimmer vergessen werde. Jetzt fühle
ich die Wahrheit der schönen, bisher aber
nie verstandenen Worte: Geben ist seli
ger denn Nehmen."
Eine W i o n i n e i n hat so
eben ihren achten Ehemann begraben las»
sen, und ihre Nachbarn fordern ans Be^
forgniß, es möchte, wenn dies fo fort
ginge, ihnen schließlich fein Platz zu ihrem
eigenen Grabe übrig bleiben, das Weib?
min aits, daß sie sich jetzt einmal ein paar
Jahre anders wohin begeben oder sich, ei
nen Privatkirchhof anschaffen möge,
—n Ein kluger Mann erklärte eurem
Agenten des Bostoner Journals gegen
über er ließe deshalb keine Anzeige in
die Zeitung einrücken, weil ja doch Nie
mand sie dort sehen würde. Später atier
gerieth der Herr einmal in „Schwnlitä
ten„ mit der Polizei und rückte mar aus
eigenen Antrieb hin mit fünf Dollars an
dasselbe Blatt heraus, damit man feinen:
Namen darin nicht an den Pranger stelle.

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