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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, July 15, 1874, Image 6

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6. Ohis Waisenfreund.
Gemeinnützige Kenntnisse.
Aufgebot,
kirchliches öffentliche
Verkündigung eines stattgefundenen Ehe
Verlöbnisses vor versammelter Kirchenge
meinde, als Einleitung zur Abschließung
der Ehe durch die Aufgebote soll die
Schließung derselben nur desto öffentli
cher gemacht werden fie sind nach der
Kirchensprache eine publica propositio
futuri matrimonii. Nach der Ver
ordnung des Kirchenrathes von Trient
sollen die dreimaligen Proklamationen
von dem eigenen Pfarrer der Brautper
sonen geschehen, um desto leichter und si
cherer zu entdecken, ob der gültigen und
erlaubten Abschließung der Ehe kein Hin
derniß entgegenstehe. Die Unterlassung
dllsell'en macht zwar die abgeschlossene
Ehe nicht ungültig: allein der Pfarrer
welcher die Proklamationen unterlassen
bat, soll auf drei Jahre suspendirl werde»
und die Eheverlobte» sollen, bei einem
obwaltenden Eliehindernisse, die Hoffnung
zur Dispensation verlieren. Die Ehe
Verkündigungen sollen geschehen: 1) in
der Pfarrei, wo die Brantpersonen do
miciliren oder quasi doniicilium ha
ven 2) in der Pfarrei eines jeden Thei
lc§ wenn die (ylivverlobten aus verschie
dene» Pfarreien sind 3) an drei Tagen
in der Regel an drei auf einander fol
genden Sonn- oder Feiertage» jedoch
ist es in den meisten Diözesen herkömm
lich, das auch die Ausrufungen an jene»
Tagen in der Woche, an welchen Engel
oder Votivämter oder sonstige feierliche
Gottesdienste abgehalten werden, gleich
nach diesen geschehen 4) bei versammel
ter Pfarrgemeinde 5) müssen bei deu
Eheverkündigungen die Tans- und Fa
milien-Namen, der Wohnort und Stand
der Brautleute und deren Eltern genan
bezeichnet werden. Spuren eines ähnli
then Gebrauches findet man schon im 2.
Jahrhundert. Man hatte dabei vor
«eh nil
ich die Absicht, Ehen der Christen
mit Personen heidnischer oder jüdischer
Abiunst zu verhindern. Das Aufgebot
wie es jetzt noch besteht, wurde von Jn
niHcnz III. anf dem vierten lateranischen
Coneil ailgeordnet, vom tridenlinischen
Kirchenrathe bestätigt und näher bestimmt.
Das Recht, von den dreimaligen Ausru
fnngen zu dispensiren, steht dem Bischöfe
zu und lein Pfarrer darf hierin eigen
mächtig verfahren.
Aufklärung.
Aufklärung aufs Neue unter die Massen
gebracht wird, nachdem die Wissenschaft
ihre Blößen aufgedeckt hat.
Auflegung
e n e s e
alter Gebrauch bei religiösen oder sonst
feierlichen Handlungen. Die Griechen
gaben dadurch ihren Beamten die Weihe,
die Römer den Sclaven die Freiheit.
Der Patriarch Jakob legte den. Söhnen
Josephs die Hände auf, als er sie segnete.
Nach dem levitischen Gesetze war die
Handauflegung üblich: 1) bei Einwei
hung uud Opfern der Priester. 2) Bei
Brand-- und Frieda-Opfer». 3) Bei dem
eines tödlichen Lasters wegen Angeklag
ten wo die Kläger und die Zeugen die
Hand auf deu Kopf des Angeklagten leg
ten. Im Neuen Bunde war die Aufle
gllug der Hände ein Zeichen des Glück
und Segen-Wünschens. Der Heiland
legte d.en Kleinen die Hände auf. Er gab
den Aposteln die Wunderkraft der Hei
lung durch Auflegung der Hände (Mark.
10, 18). Die Apostel ertheilten durch
Auflegung der Heinde das hl. Sakrament
der Firmung (Apostelg. 8,14—18). Auch
legten sie die Hände auf bei Weihung
der Bischöfe und Priester (Apostelg. 6,
6. 8, 17. 1 Tim. 4, 14, 5, 22. 2 Tim.
1, 0. Vgl. Matth. 9,18. 1% 13. Luk.
24, 50 Hebr. G, 2). So blieb denn
auch in der katholischen Kirche die Auste
guug der Hände von Seiten des Bischofs
bei Ertheüinig der kirchlichen Weihen zum
Priesterthume in uniinterlur chenet Aus
übung.
Aufnahme
Wie jeder Begriff
seine» Inhalt nur in seiner Geschichte
offenbart, so erhellt mich die Bedeutung
dieses Wortes aus seiner Geschichte. An
sich ist es gleichbedeutend mit: Unterricht
Belehrung. Festgestellt ist der Begriff
der Aufklärung, wie er gegenwärtig gang
und gebe ist, erst seit dem Ende des vori
gen Jahrhunderts durch den deutschen
Philosophen Kant. Die Sache aber ist
eine sehr alte, so alt als das Christen
thnm im weitesten Sinne sx alt als das
menschliche Denken. Alle philosophi
scheu Systeme wollten nnd wollen der
Menschheit Erkenntnis Wissenschaft bie
ten. Seitdem das Christeuthum in die
Welt eingetreten ist, hat es mit zwei
Feinden zu kämpfen. Die ältesten An
griffe bezeichneten es als staatsgefährlich
und als bildungsfeindlich, als unver
nünftig. Seit dem Beginne der neuern
Zeit und besonders mit der Reformation
trat das übermächtige Streben der Gei
ster ein, sich von den drückenden Fesseln
positiver, von einer äußern Autorität ge
setzter Normen auf geistlichem und welt
lichem Gebiete frei zu machen. Offenbar
naiv gibt sich dieser Zug z.B. zu erkennen
in der Absicht Melanchthons der da ein
Backerjnnge werden wollte, um recht
gründlich der angeerbten Borurtheile le
dig zu werden. „Fortschritt" heißt heute
das Schiboleth, unter welchem die alte
ten in die K i ch e. Das römische
Pixitificule enthält einen eigenen Ritus,
nach welchem Apostaten, Schismatiker it.
Ketzer feierlich in den Schooß der Kirche
aufgenommen werden sollen. Der Bi
schof empfängt den Rceoneilianden vor
der Kirchthüre und fragt ihn, ob er den
Inhalt des apostolischen Glanbensbe
kenntnisses annehme. Hat der Reconei
liand alle Fragen mit „Credo" beant
wortet, so spricht der Bischof einen Exor
cismns über ihn, bezeichnet ihn mit dem
Kreuze uud führt ihn die Kirche bis zum
Hochaltaic. Der Bischof steigt zu dessen
Mitte ans, der Reconeiliand aber kniet
auf die unterste Stufe desselben. Noch
einmal werden dem Letzteren Fragen vor
gelegt und zwar sechs, welche anf die Ab
schwörung der Irrlehre uud die Vereiui
guug mit der Kirche Bezug haben.
Sind diese bejaht, so fleht der Bischof
miter Handanflegiiug daß der göttliche
Geist au dem eben Reconciliirten die
Wirkung seiner siebenfachen Gnadengabe
zeigen wolle, und bezeichnet ihn noch mit
dem hl. Kreuze. War aber der Reeon
eiliirte ein besonderer Gönner des Schis
lim oder einer Häresie, so muß er zuletzt
noch dem Schisma oder der Häresie seier
lich abschwören. In der Regel aber ge
schieht die Aufnahme der Protestanten
durch einen hiezu vom Ordinarius er
«nächtigten einfachen Priester, und zwar
entweder mit Ausschluß fast jeder Solen
nität so, daß der Protestant vor einigen
Zeugen das Trienter Glanbensbckennt
iiiß ablegt, sodann zur sakramentalen
Beicht zugelaffeu wird oder mit einiger
Solennität so, daß der Aufzunehmende,
welcher fchon vorher vor zwei Zeugen
das Glaubensbekenntnis abgelegt hat
und abfolvirt worden ist, in der Kirche
vor versammelter Gemeinde die Beschwö
rung des S^mbolums wiederholt, wobei
gewöhnlich die h. Messe gelesen, dem Re
coneiliirten die Eucharistie gereicht und
eine Predigt gehalten wird. In Anie
rika unterscheidet man eine dreifache Art
der Aufnahme eines Protestanten in die
katholische Kirche, nämlich: 1) die Auf-
nähme solcher, die gar nicht oder nicht
gültig getauft sind. Diese werden ein-
fach durch die Taufe in die Kirche aufge
nommen. 2) Die Aufnahme solcher, von
denen die Gültigkeit der Taufe noch im
i Zweifel ist. Diese müssen die Irrlehre
1 abschwören, werden dann bedingungs
weise getauft und darauf zur sakramen
teilen Beichte zugelassen. 3) Die Aus
nähme solcher, deren Taufe gewiß gültig
tofir. Diese werden aufgenommen, wie
oben gesagt wurde. Falls aber ein sol
(her wünscht, daß die bei seiner Taufe
früher unterlassenen Zeremonien vom
Priester nachgeholt werden, so kann die
ses geschehen.
A e w ö e
Zur Gedächtnisübung für unsere jungen Leser
A e V e s a u n s u
Appelliren, (Int.) ein höheres Ge
richt anrufen. Appetit, (lat.) Eß
lust. Applaus, (lat.) Beifalls
k a s e n A i k a i o n a
N u z a n w e n u n A o i e n
herbeibringen.
Ausgabe No. 22.
1
1
Unter 5 Personell soll ein Dollar so
Verth eilt werden daß jede folgende 1
Cent mehr erhält, als der Vorhergehende
wie viel bekommt Jeder?
Auflösung der Aufgabe No. 20.
Wir nennen die kleine Zahl X, die
große ist also 6 mal der Unterschied
zwischen beiden ist 6 mal weniger X,
5 mal -----10. Daher ist
2 6 mal ist dann 1^. Die bei
den gesuchten Zahlen sind daher 2 uud
12.
6 -e
A ii ii t. Im Jahre 1803
war es, als ein Juden-Mäkler das Gut
eines Bauern zu Bergheim gerne gehabt
Hütte. Endlich bot sich Gelegenheit. Der
Bauer war angetrunken im Wirthshause
der Mäkler war auch da, ein Wort gab
das andere bis endlich der Bauer dem
Mäkler seine Farm mit Allem, was dar
auf war, für einen höchst mäßigen Preis
verkaufte, sich aber die Extra-Kaufsumme
von einem halben Thaler für jedes le
bende Stück Nutzvieh uud Inventar aus
bedingte. Der Handel wurde rechtsgül
tig abgeschlossen uud große Freude
herrschte bei den Lenten des Mäklers.
Am andern Tage wird der Kaufkoutrakt
auf beut Gerichte eingereicht und die bal
dige gerichtliche Uebergabe beantragt.
Nach wenigen Tagen begaben sich Die
Gerichtsbeamten und der Mäkler hinaus
zu der Farm. Alle Nachbaren versam
mein sich ebenfalls'. Die Frau und die
Kinder des Bauern weinen, doch dieser ist
gutes Muthes. Er zeigt seine Felder,
seine Wiesen, seinen Garten, sein Haus
und seine Scheune. Alles wird dem
Mäkler übergeben. Die Nachbarn schüt
teln die Kopse und wissen nicht, was sie
davon sagen sollen. Dann geht es in
den Stall. Da stehen sechs schöne Pferde
Dieselben werden ausgeschrieben und das
Stück für einen Thaler, für 3 Thaler im
Ganzen abgelassen. Ebenso geht es mit
den Kühen, Kälbern, Schafen, Schwei
neu, alles Stück für Stück für etilen hal
ben Thaler. Die neugierigen Nachbarn
erschrecken, einige murren und machen
eine drohende Faust gegen den Mäkler.
Dieser schmunzelt bei dem ganzen Vor
gange, aber auch der Bauer, dessen Gut
so verschleudert wird, geht ganz zufrieden
einher und ist auf's Eifrigste beschäftigt,
all sein bisheriges Besitzthnm zu zeigen.
Nun gehts in den Hühnerhof, wo sich 60
Stück Geflügel sinden, die ebenfalls das
Stück für einen halben Thaler abgelassen
werden. Als der Mäkler nun glaubt,
daß Alles notirt sei und er im Geheimen
schon den ungeheuren Gewinn berechnet,
den ihm der Handel eintragen soll, da
sagt der Bauer: „Ihr habt noch nicht
Alles gesehen, da sind noch meine Bie
nenstöcke, die Bienen sind auch Nutzvieh."
Sprachloses Erstaunen ergreift den
Mäkler und die ganze Gesellschaft. Der
Mäkler protestirt, die Nachbarn lachen,
da sie mit einem Male den ganzen Trick
übersehen, aber es steht klar und deutlich
im Kanfkontrakte: jedes Stück Nutzvieh
für einen halben Thaler und die Bienen
sind doch Nutzvieh was auch die Ge
richtspersonen anerkannten. Wie soll
man aber die Bienen zählen? Es stehen
da 24 Bienenstöcke, alle umschwärmt von
dem summenden Volke. Der Bauer hat
aber schon Schwefel in Bereitschaft. Er
nimmt einen Bienenkorb und.hat, in knr-
I n n e a k w u e u n e
Christian IV. am 17. Mai 1646 die
folgende Verordnung erlassen Nachdem
wir in Erfahrung gebracht, daß das
Schlafen in den Kirchen allzusehr über
Hand nimmt, verordnen wir allergnädigft
daß in jeder Gemeinde einige Männer
herumgehen lind mit einer langen Klat
sche die Leute auf den Kopf schlagen, die
schlafen nnd auf diese Weise die Kirchen
gänger wach erhalten, damit sie fleißig
anf die Predigt hören." Das war vor
200 Jahren. Als der Herausgeber die
ses Blattes vor 10 Jahren i» Dänemark
war, da schlief Niemand in der Kirche,
denn an allen Orten, die er sah, besuch
ten unter 100 Personen keine zwei die
Kirchen.
E i n o e s a n i s e i s
sionär wollte einen seiner Bekehrten
in Nen-Seeland nöthigcn, eine seiner
beiden Frauen vor der Taufe zu entlas
sen. Einige Tage nachher kam der Mann
zu dem Prediger und sagte ihm, daß er
nur noch eine Frau habe. „Du wirst
also den Vortheil haben, die bessere dei
ner Frauen zu behalten," sagte ihm der
Prediger, um ihn in seinem Entschlüsse
zu befestigen. „Die andere war aber
sehr gut," erwiederte der Bekehrte. „Ohne
Zweifel," entgegnete der Prediger, „aber
wie hast du für ihren Unterhalt gesorgt?"
"„Wie? Hier, Hier!" sagte der Wilde, in
dem er sich den Bauch klatschte. Er hatte
seine Frau aufgefressen.
Jüdische Sekten zur Zeit der Apostel.
Unter den Juden gab es zur Zeit
Christi und der Apostel sieben verschie
dene Sekten. Diese waren die S a u
e r, welcher Name entweder von dem
Worte: Sedec, Gerechtigkeit, her
kommt, die sie zu haben vorgaben oder
sie wurden so genannt von ihrem Lehrer
S a o e. Diese Sekte läugnete die
Auferstehung der Todten und glaubte
weder an Engel noch an Geister. Die
Schriftgelehrten erklärten die
Bücher des alten Testamentes ihrem
wörtlichen Sinne nach, sie hielten viel
auf Kleinigkeiten, während sie wichtigere
Dinge vernachlässigten. Das öftere
Waschen der Hände war ihnen ein Zei
e n e e i i k e i i e a i s e
lehrten, daß Alles vom Zufalle abhänge
und Gott selbst dem Zufalle unterworfen
fei. Die emerobaptiste n sag
ten ein Mensch könne nicht recht leben,
wenn er nicht jeden Tag sich bade.
Die Nazaräe sagten, daß Gott dem
Moses ein Gesetz gegeben habe, aber es
sei nicht das im Pentateuch oder den
fünf Büchern Moses enthaltene, denn jene
Bücher seien unterschoben. Das nach ih-
e
zer Zeit alle darin befindlichen Bienen'
getödtet'nnd aus einen Tisch geschüttet.
Er will zufrieden sein, wenn man ihm
die noch vorhandenen Bienenkörbe be
zahlt und nach dem getödteten berechnet.
Und nun geht's am Zählen und Rech
neu und die noch vorhandenen lebenden
Körbe werden auf 30,000 Bienen taxirt.
„Macht 18,000 Thaler," fa]t der Bauer.
Nun erfolgt großes A menw von Seite
des Mäklers, das endlich mit einem Ver
gleiche endet, nach welchem der Bauer
feine Farm behält und vom Mäkler ein
Abstandsgeld von 5000 Thaler erhält !J.

e i e s o e s a n

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