OCR Interpretation


Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, July 15, 1874, Image 7

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn91069201/1874-07-15/ed-1/seq-7/

What is OCR?


Thumbnail for

rer Ansicht wahre Gesetz Moses besaßen
sie aber nicht. Die Ossenier hiel
ten Salz, Wasser, Erde, Brod und den
Himmel für Götter sie haßten tUeJung
fräulichkeit, und lehrten, um der Verfol
gung zu entgehen, dürfe man in heuchle
rischer Weise Götzenbilder anbeten.
Die Herodianer nannten den König
Herodes den Messias, der von den Pro-
pheten vorherverkündet und von ihren
Vätern erwartet sei. J.
DaS Zeichen des Thieres und die nahe
Zukunft der kath. Kirche.
Betrachten wir die Größe und Stärke
des Thieres mit seinen gewaltigen Hör
nmi und Königen, die auf demselben
sitzen und demselben ihre legitime Gewalt
leihen, sowie mich die gräßlichen Zeichen,
in denen es arbeitet, und vergleichen wir
damit die, menschlich betrachtet, so ge
ringfügigen nichtsversprechenden Verthei
oigungsmittel, welche das Kreuz bietet, so
müsten wir billig erschrecken wenn wir
nicht wüßten, daß das Kreuz durch den
Tod zum Siege führt.
Von katholischen Staaten hat die
Kirche keine Hülfe zu erwarten, weil, wie
früher gezeigt, sie alle selbst auf dem
Thiere reiten. Aber warum stehen die
zweihundert' Millionen Katholiken der
Erde nicht zusammen wie Ein Mann, um
ihre Feinde zu erdrücken? Fürwahr, sie
hätten die Macht und das Zeug dazu,
den Bismarck und Victor Emanuel aus
dem Sattel zu heben, aber sie würden
aufhören Katholiken zu sein, sie würden
untergehen im Siege, wollten sie mit
denselben Waffen kämpfen, wie jene.
Sic würden von der Würde eines Ban
nerträgers des Kreuzes zu einer Modifi
cation des Thieres herabsinken. Darum
spricht Christus zu Petrus Stecke Dein
Schwert in seine Scheide! Könnte ich
denn nicht mehr denn 12 Legionen En
gel zu meinen Schutze aufbieten? aber
wo bleibe dann das Evangelium von ei
iier Erlösung der Liebe bis in den Tod
"flicht das Feuer der «'Zerstörung dürfen
wir vem Himmel herabrufen auf die
Feinde, die uns verfolgen sondern jenes
heilige Feuer der Wahrheit, Gerechtig
feit und Liebe, welches uusere Gegner
beschämt, ihre Herzen schmilzt und zur
Buße bekehrt. Darum, wenn sie uns
auf den linken Backen schlagen, sollen
wir auch den rechten darbieten und
wenn sie uns den Mantel nehmen, sollen
wir auch noch den Rock dazu geben.
Heißspornige irische Katholiken, denen die
Eardinaltugeuden der Demuth und Liebe
abhanden gekommen sind, deren Religion
in nationalem Patriotismus versteinert
ist, verhöhnen die deutschen, französischen
und italienischen Katholiken, in Reden u.
Schriften, weil sie sich solche Unterdrü
ckungen gefallen lassen. Man sagt uns,
in Irland würde alsobald das Volk auf
stehen und seine Bedränger mit den kräf
tigen irischen Fäusten zu Boden schlagen.
Würden sie das thuu, so würden sie
damit nur der Welt beweisen, das das,
dessen man sie verdächtigt, wahr ist, näm
lieh daß ihr Katholizismus schon halb
dem Thiere zum Opfer gefallen ist. Denn
der wahre Katholik appellirt nicht an
die rohe Gewalt.und die Revolution
er kämpft nicht gegen Goliath in der
schweren Rüstung des Saul, die ihn
zu Boden drücken würde und in welcher
er unfehlbar unterliegen müßte, sondern
er kommt im Namen des Herrn und
schleudert seinen Gegner zu Boden mit
der Kraft des Geistes. Seine Waffen
sind das Wort der Wahrheit, womit er
seine Sache vertheidigt und dem Gegner
sein Unrecht vorhält, vielmehr wünschend
ihn zu gewinnen, als ihn zu zerstören
die Geduld und Sanftmuth, kraft deren
er lieber Unrecht leidet, als Unrecht thnt
das Vertrauen auf Gott, kraft dessen,
wenn die rechte Zeit kommt, das Rothe
Meer einen Durchgang bietet und die
stnrmiewegten Wellen sich legen. An
genommen auch, der katholische Theil ef=
ncs unkatholischen Staates wäre in ei
nem gegebenen Falle in Donnerhaufen
oder thebaische Legionen organisirt, so
würden sie dennoch verschmähen, an die
Gewalt der Waffen und die Rebellion zu
appelliren. Jene Katholiken, welche in
compacten Massen beisammen wohnen u.
unter dem Drucke des Thieres seufzen,
wie einst die Israeliten im Lande Gosen
unter dem ägyptischen Pharao werden
warten, bis ein Moses aussteht, der die
Staats-Omnipotenz des Pharao im Na
ntett Gottes bricht, und seinem Volke die
Freiheit und Rückgabe der geraubten
Güter erzwingt, es Gott überlassend,
wann und wie die verstockten Häupter,
vom Rache-Engel geschlagen werden, und
die blinden Heeresmassen in den Finthen
nationaler Strafgerichte untergehen sol
len. Jene Katholiken aber, welche zer
streut wohnen in der Diaspora,, unter
Protestanten und Heiden, wie einst die
Juden unter Ahasverns und vor den
Mordanschlägen eines Haman zittern,
haben ihren Mardochai und die vielver
mögende Esther, welche zur rechten Zeit
d^ifür sorgen werden, daß der rechte
Mann an den Galgen kommt. Was die
deutschen Bischöfe in ihrem letzten Hir
tenbriefe ihren Gläubigen befohlen ha
ben: nicht über den passiven Widerstand
hinauszugehen festzuhalten am Glan
ben, an der Liebe und an der Hoffnung
am Gebet, an der Geduld, an guten Wer
ken, an Losschälnng von irdischem Dich
ten und Trachten an Bereitwilligkeit,
dem Kreuze zu Ehren zu leiden, und
wenn es sein muß, zu sterben dagegen
aber die Rache dem Herrn der Heer
schaaren zu überlassen das ist, trotz des
rabulistischen, irischen Glaubeusenthnsi
asmus der einzige richtige Grund und
Boden, aus welchem das Thier der
Staats-Omnivotenz, wie früher, so
jefet, bekämpft und besiegt werden wird.
(N.Y.Pr)
Der Schmied von Regenbach.
Im Fürstenthum Hohenlohe-Langen
bürg liegt ein Dorf, heißt Regenbach, wo
sich vor einigen Jahren die folgende herz
zerreißende, aber auch herzerhebende Ge
schichte zugetragen hat.
Es war des Nachmittags, da saßen in
der Wirthsstube zu Regenbach viele
Männer und Frauen aus dem Dorfe bei
einander in gemüthlicher Ruhe, uud ließ
sich Keiner von ihnen träumen was an
diesem Tage noch Schreckliches u. Furcht
bares geschehen sollte. Auch der Schmied
saß unter den fröhlichen Leuten, ein star
ker rüstiger Mann mit einem recht ent
schlossenen Gesicht und kühnem Blick,
aber auch mit einem so gnthmüthigem
Lächeln aus den Lippen, daß ein Jeder
ihn lieb haben mußte, wer ihn nur ansah.
Jeder schlimme Gesell mochte ihm ja aus
dem Wege gehen, denn der wackere
Schmied konnte kein Unrecht undBösthun
leiden nnd es war nicht gerathen mit
ihm anzubinden, außer im guten Sinne.
Seine Arme waren wie Eisenstangen und
seine Fäuste glichen Schmiedehämmern.
Nur wenige Menschen gab es, die es an
Körperkrast mit ihm aufnehmen konnten.
Der wackere Schmied saß nicht weit
von der Thür und plauderte mit einem
Nachbar, ich weiß nicht von was. Auf
einmal springt die Thür auf, nnd ein
großer Huud kommt in die Stube herein
geschwankt, ein großes, starkes, ^nächti
ges Thier, von grimmigem, schrecklichem
Aussehen. Den Kopf mit den rothglü
henden, schauerlichen Augen hielt er ge
streckt, das Maul stand ihm offen, die
bleifarbene Zunge hing ihm weit aus
dem Halse und den Schwanz hatte er
zwischen die Hinterbeine geklemmt. So
kam das Thier zur Stube herein, die kei-
nen Ausgang weiter hatte, als nur die
einzige Thür. Kaum hatte aber der
Nachbar des Schmieds, es war der Bader
vom Ort, das Thier gesehen, so wurde
der Mann todtblaß, wie der Kalk an der
Wand, und sprang anf und rief mit ent
setzter Stimme: „Herr Jesus Christus,
Leute, der Hund ist toll
Aber nun dieser Schrecken! Die
Stnbe war fast angefüllt von Männern
nnd Frauen, und das wüthende Thier
stand vor dem einzigen Ausgange und
konnte Niemand ins Freie, außer er
mußte an ihm vorbei. Die Bestie aber
schnappte wild nach rechts und links, und
Keiner vermochte an ihr vorüber zn kom
men, ohne gebissen zu werden. Das gab
ein Angstgekreisch zum Entsetzen! Alle
sprangen auf und wichen zurück und
schauten mit stieren Blicken voll Todes-
angst auf den tollen Hund. Wo gab es
Rettung vor ihm?
Da stand auch der Schmied auf, und
wie er die Todesangst der vielen Men
ich en sah und es ihm blitzschnell durch
den Sinn fuhr, wie viele der glücklichen
und zufriedenen Menschen durch den tol
len Hund könnten grenzenlos elend ge
macht werden, da faßte er einen Ent
schluß, wie es kaum seines Gleichen gibt
in der Geschichte der Menschheit an Hoch
Herzigkeit uud Edelsinn. Freilich erblaß
ten seine gebräunten Wangen ein wenig,
aber sein Auge funkelte in wahrhaft
göttlichem Feuer und mic erhabene Ent
schlossenheit leuchtete von der Stirn des
schlichten einfachen Mannes.
„Zurück Alle!" donnerte er mit seiner
tiefe» kräftigen Stimmt "Keiner rühre
sich, denn Keiner kann das Thiec zwiu
gen, außer ich! Ein Opfer muß fallen,
um Alle zu retten und dies Opfer will
ich sein! Ich bündige bas Thier und
während ich es thue entflieht ihr."
Und der Schmied hatte kaum diese
Worte gesprochen, so kam die Bestie von
tollem Hund heran, uud gerade auf den
kreischenden Menschenknäul zu. Kam
aber nicht weit. „Drauf mit Gott!" rief
der Schmied und drauf stürzte er ans
das wüthende Thier, packte es mit seinen
Riesenarmen und warf es zu Boden.
Ach, das war ein entsetzlicher, schvsckli
cher Kamps, der nun folgte! Grimmig
biß der Hund um sich uud sträubte sich
mit Stöhnen und dumpfem Geheul.
Seine zollangen Zähne zerrissen den
Arm, den Schenkel- des hochherzigen
Schmied's, aber der Schmied ließ ihn
nicht los. Nicht achtend des grimmigen
Schmerzes, nicht achtend den gewissen
schrecklichen Tod, der dem Kampfe folgen
mußte, hielt er mit Riesenkraft die bei-
ßende, schnappende, stöhnende Bestie nie
der, bis Alle entflohen, gerettet und in
Sicherheit waren, bis aus ihn. Da
schleuderte er die halberwürgte Bestie
von sich gegen die Wand, und blutrie
send mit giftigem Geifer besudelt, verließ
er das Zimmer und verschloß die Thüre
hinter sich. Durch das Fenster schoß
man den Hund tobt. Aber, o barmher
ziger Gott! was sollte aus dem unglückli
chen wackeren Schmied werden? Weinend
und wehklagend umringten ibn die Leute
die er gerettet hatte, gerettet auf Kosten
seines eigenen Lebens.
„Seid still, Männer, weint nicht um
mich, Frauen und Kinder," sagte er. „Ei
iter mußte sterben, um die Andern zu ret
teu. Dankt mir auch nicht, denn ich
habe nur eilte heilige Pflicht erfüllt.
Wenn ich tobt bin, so gedenkt meiner
in Liebe und betet für mich, daß mich Gott
nicht zn lange und zu sehr leiden läßt.
Daß aber kein weiterer Schaden durch
mich geschieht, da ich freilich auch toll
werden muß, dafür will ich sorgen!"
Und er ging gerade den Weg zu seiner
Schmiedewerkstatt und da suchte er
schwere Ketten heraus, die schwersten und
festesten aus seinem ganzen Vorrath, und
Ohio Waismfreund. 7.
dann fachte er ein Kohlenfeuer an, ein
mächtiges, nnd handhabte den Blasbalg,
und dann glühte er die Ketten und mit
eigener Hand schmiedete er sie um Hand
und Fuß uud um den Amboß, den keine
Menschenkrast aus der Erde reißen konnte
wie keine Menschenkrast im Stande war,
die eisernen Ketten zu breche«. „So,
nnn ist's geschehen," sagte er nach schwei
gend und ernstlich vollbrachtem Werke,
„nun seid Ihr sicher und ich bin un
schädlich. So lange ich lebe, bringt mir
meine Kost, das Ändere füge Gott. In
Seine Hände empfehle ich meinen Geist!"
Nichts konnte den braven Schmied
retten, nicht Weinen, nicht Jammern,
nicht Gebet. Die Wnth ergriff ihn und
nach neun Tagen mußte er sterben
aber wahrlich, er starb nur, um an Got
tes Thron zn einem schöneren, zu dem
herrlichsten Leben zn erwachen. Er starb,
aber sein Andenken lebt fort von Ge
schlecht zu Geschlecht, von Kind zu Kind,
und gesegnet sei es bis an der Welten
Ende.
Distelfütterung der Pferde.
Im Frühjahr pflegt man in Ländern,
wo die Cultur schon etwas vorangeschrit
ten ist, vornehmlich in Sachsen, England
im nördlichen Frankreich, den Pferden
eine Abwechslung im Futter zu bieten,
welche denselben ungemein zuträglich ist.
Sie erhalten it cimlich die von den Aeckern
ausgestochenen jungen Disteln, welche sie
trotz ihrer Stacheln mit der größten Be
gierde zu sich nehmen, da dieselben, na
mentlich bic Wurzeln reich an Zucker sind
itnb ben Thieren außerordentlich lvohfi
bekommen. Es ist gewissermaßen eine
Art von Frühlingscur, welche man sie
damit durchmache» läßt, indem das Di
ftclsutter gelinde abführt, jedoch nur,
wenn es in hinreichender Quantität ver^
abreicht wird. Es wird aber nicht blos
auf dem Lande von ben Oekonomen, son
berit auch in ben Städten für Reit- uttfo
Kiitfchpferbe :c. Uerwenbet, so daß- die.'
Disteln eilten Preis erlangen, ber die
Mühe des Ausstechen» hinlänglich be
zahlt. Daraus resultirt aber gleichzeitig
der andere Vortheil, daß die Aecker von
dem lästigen Unkraut' ohne Unkosten ge
reinigt werden, ein Vortheil, der nicht
hoch genug anzuschlagen ist. Wer daher
Distelfütterung für Pferde noch nicht
versucht hat, der mache damit die Probe
und lasse sich dadurch nicht abhalten, daß
etwa seine Thiere lebenslang nur Tro
ckenf utter erhalten haben wird mit Ver
gil iifiett wahrnehmen, mit welchem Appe
tit sie das nnbekannte Futter verzehren
und welche wohlthätige Wirkungen die
ses auf ihr Befinden hat.
n deutscher Namen in Amerika hat
oft sehr üble Folgen. Jetzt ist in Ohio
eilte Familie „Stonebraker" in großer
Verlegenheit, weil man dem Familien
Haupte die ihm als Steinbrecher zuge
fallene Erbschaft von 120,000 Gulden
vorenthält. Die Behörden in Baiern
verweigern die Anerkennung des „Mor
ris Stonebraker" als des in dem Testa
mente des Oheims Michael Steinbrecher
benannten Moriz Steinbrecher. Ohne
Erlaubnis der Behörde sollte Niemand
seinen Namen verändern. Zuweilen
hat übrigens eine solche Namensände
rung mich gute Folgen. So hat der
Gouverneur von Minnesota die Verhaf
tung des flüchtigen Mainzer Cassirers
Wilhelm Steinbrenner verweigert, weil
ein Mann dieses Namens in St. Peter
nicht existirt und er den William Stone
burner, der seit zwei Jahren dort lebt,
nicht als „Steinbrenner" anerkennen will
oder kann.

a s ö i e A n i s i-

xml | txt