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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, July 22, 1874, Image 2

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2. Ohio Wmsenfreund.
Der alte Schmieds
(Schluß.)
Wie ich wieder in die Stadt kam, stand
Wheeler's Pferd dicht an der Fenz, in
des Squire Einfriedigung, ich sah genau
auf die Hufe der eine, den ich am
Abend vorher beschlagen hatte, war ohne
Eisen.- Jetzt wußte ich für meine Per
son, wer der Mörder sein mußte, da aber
andere Leute vielleicht mehr Beweise
haben wollten, so ging ich in das Wirths
haus und fragte in der Küche nach
Wheeler. Dort sagten sie mir, daß er
krank wäre und im Bette läge, er hätte
die ganze Nacht schreckliche Zahnschmer,
zen gehabt. Gleich darauf kam der Knecht
mit Wheelers feinen Stiefeln herunter
und stellte sie auf die Veranda er sah
mich nicht und ich nahm, als er fort war,
einen der Stiefeln auf und ging damit
zu Hanse.
Nun seht. Squire, noch an demselben
Abend spannte ich meinen Braunen ein
und holte Shaw aus der Kohlenhütte
cib meine Alte hier ist eine prächtige
Krankenpflegerin, die gab sich alle mög
liehe Mühe, und jetzt geht's schon wieder
ziemlich gut mit ihm freilich ist er noch
so schwach wie ein Kind und heute hat
er sich zum ersten mal wieder ein Bischen
aufrichten dürfen. Uebrigens habe ich
ihm weder ein Wort von Wheeler noch
von dem Vorgange hier gesagt, das hält'
ihn auf jeden Fall umgebracht, und dann
wollte ich doch auch gern sehen, was
ich für eine Art von Advocate« vorstellen
könnte.
Also nun Squire, daß wir einmal zu
Ende kommen ich habe vorneweg ge
schworen, daß dies das Eisen ist, mit dem
ich Abends, vor dem Sturme, Wheeler's
Pferd beschlagen, und daß ich es gleich
nach Tagesanbruch am andern Morgen
ganz dicht bei der Stelle, wo Isaak Shaw
verwundet wurde, wiedergefunden habe.
Nun seht einmal den Stiefel hier an
der Lehm d'ran ist roth solchen Lehm
gibt's hier gar nicht, aber wohl an der
Stelle dort und ein Stückchen
weiter oben auch wieder den Stie
fel habe ich eigenthümlich an mich
genommen und halb Dutzend Fuß
stapfen, die an Ort und Stelle in Masse
vorhanden waren, damit gemessen. Sie
paßten wie ein Handschuh, und hier.
Squire, ist auch noch zum Ucberfluß das
Stückchen Seide es kommt mir bei
nahe so vor als ob es ebenso aussehe
wie das Tuch, das Mr. William Wheeler
da um den Hals trägt. Meint Ihr nicht?
Jedes Auge richtete sich jetzt auf Wil
liam Wheeler, der schnell und wild den
Blick umher warf, als ob er den sichersten
Ausweg zur Flucht erforschen wollte die
Menge war aber auch nun in einem Zu
stande fürchterlicher Aufregung Kopf
drängte sich dicht an Kopf, und die sich
draußen befanden, wogten in Massen
gegen die Fenster heran lint wenigstens
so zu erfahren, was im Innern vorgehe.
Herunter mit dem Tuche vom Halse,
herunter damit, schrien verschiedene Stim
men aus allen Theilen des Zimmers. Der
Eonstabel näherte sich Wheeler dieser
stieß ihn zurück und wehrte sich gegen die
auf ihn Eindringenden, das Tuch wurde
ihm aber dennoch abgerissen und dem
Richter übergeben. Die Geschworenen
drängten sich jetzt dicht um die Bar, um
zu sehen, ob die Ecke daraus fehle, wenn
er es entfalte. Ein lauler Pusrus des
Staunens begleitete die Entdeckung das
gefundene Stück gehörte augenscheinlich
zu diesem Tuche. Als sie sich,hiervon
eben überzeugt kehrte der danach abge
schickte Schließer mit Wheeler's Mantel
sack zurück. Er wurde schnell aufgeschnallt
und ein zerissenes und durch Nässe fast
verdorbenes Jagdhemd daraus hervorge
zogen, an dem sich jedoch mchtsdestoweni
ger deutliche Blutflecken erkennen ließen.
Die unter den Farmern schon herrschen
de Ausregung wuchs jetzt von Minute zu
Minute. Drei oder vier Männer spran
gen noch durch das Fenster in die Stube
herein und vermehrten so die Verwirrung
dabei mußten, als es zu dunkeln an
sing, Lichter über die Köpfe der Menge,
von Hand zu Hand zur Bar hinüberge
reicht werden denn keine lebende Seele
hätte durch diesen Menschenknänl ge
konnt.
Gebt Raum gebt Raum! rief da
plötzlich in all dem Aufruhr und TI'
ve,i, das dem hohlen Kochen der stürm
durchwühlten See glich, eine weibliche
Stimme sie erstickt hier, gebt Raum!
und ihren Arm. um die schlanke'Gestalt
der Jungfrau geschlungen, erzwang sich
des Schmieds Frau einen Durchgang,
was sechs Männer nicht an ihrer Statt
erzweckt hätten. Wo sich auch immer
ihre Navarinohaube hob, gab die Menge
Raum und machte an Stellen Platz, wo
es die Leute selbst nicht für möglich ge
halten hätten.
Als sie durch die Thür schritt, flog
Wheeler ihr mit eiligen Sätzen nach und
wäre im nächsten Augenblick inmitten
der drängenden Volksmasse welche die
Halle füllte, sicher gewesen, der Constabel
sah aber die Bewegung gerade zu rechte»
Zeit und schleuderte ihn gegen die Bar
zurück.
Er will entwischen er wird sich noch
frei machen rief eine Stimme vom Fen
stet aus. Dem Rufe folgte eine augen
blickliche Pause, die Männer bogen aber
die Köpfe zusammen und flüsterten mit
einander und Reden wurden geäußert,
die den Richter erbleichen machten. Der
Angeschuldigte hörte sie ebenfalls, und
plötzlich zog er fein bis dahin verborgen
gehaltenes Messer heraus und rief den
Richter an ihn. zu beschützen. Seine
Stimme klang dabei so scharf und wild
wie der Todesruf eines gehetzten Thiers
seine Mütze war ihm abgefallen, sein Hals
bloß und'fein Athem ging so schnell und
schwer, als ob er hätte ersticken wollen.
Sein Antlitz bedeckte Leichenblässe, nur
zwei hektische Flecken brannten auf den
Wangen und verliehen dem ganzen Aus
drucke etwas entsetzlich Unheimliches.
Das gegen sie gezogene Messer erb it
terte aber die Menge auf's Aeußerste, nnd
Einzelne glaubten schon, er wolle den
Richter überfallen mit dem Zornruf auf
den Lippen preßte die Masse nach vorn
und das Geländer der Bar krachte von
dem plötzlichen Andrang ein Dutzend
Hände streckten sich nach dem Unglück*
lichen aus, ihn zuriickzureißen, er floh aber
hinter den Richter und machte hier einen
verzweifelten Versuch, die Angreifer mit
seiner Klinge zurückzuschrecken.
Ha, jetzt kenn' ich ihn, rief da plötzlich
der Mississippi-Bootsmann, der unter den
Vordersten stand jetzt, wo seine Wan
gen so aschenbleich sind, seine Augen wie
der so glühen. Er war zwischen denen,
in Vicksburg ein Spieler ein fal
scher Spieler von der schlimmsten Art
er gehörte mit zu jener verruchten Bande
von der ich Euch neulich erzählte. Ich
sah ihn damals mit einem Messer in der
Hand, gerade wie er jetzt aussieht. Der
Strick war schon fast um feinen Hals,
aber er erstach den Mann, der ihn hielt,
und entfloh.. Sie hingen feine Gefähr
ten, er war der Einzige, der damals ent
kam er wird sich auch jetzt wieder fort
machen.
Das Ziel der Menge war bis dahin
nur gewesen, den Mörder zu ergreifen
und in sichern Gewahrsam zu schaffen
die Aufregung in der sich die heißköpfi
gen Hinterwäldler aber jetzt befanden,
nahm mit jeder Secunde mehr und mehr
zu. Ihr Gerechtigkeitsgefühl war empört
dieser Bube hatte einen ehrlichen und
geachteten Nachbar und Freund von ihnen
bis fast unter den Galgen gebracht und
stand jetzt inmitten ihres Gerichtes mit
blanker Waffe. All die Elemente, die
schon je zu wilder Rachgier und ungezü
gelter unbezähmbarer Wuth führten, wa
ren erregt, und die Worte des Boots^
manns gaben endlich bei der vielleicht
noch immer unschlüssigen Menge den
Ausschlag. Das Geschrei verstummte,
aber die wilden drohenden Blicke der
Männer begegneten sich sie wußten was
sie wollten, und ein leises Flüstern flog
von Mund zu Mund.
Damals ist er dem Gesetz entflohen,
er will sich jetzt wieder dem Gesetz ent
ziehen.
Näher und näher rückten die Rächer,
fester und undurchdringlicher umgaben sie,
eine lebende Wand, den zitternden Mör
der das Holzgitter, das fie bis jetzt noch
verhinderte, ihn zu greifen, knickte vor
dem andrängenden Gewichte zusammen,
die dunkel drohenden Augen waren fest
und unerbittlich auf ihn geheftet und
wohin er entsetzt den Blick warf, wohin
er sich Rettung suchend wandte, glänzten
ihm überall jene falten vernichtenden
Augen entgegen.
Es war zu viel für den Einzelnen, das
Messer entsank seiner zitternden Hand,
die Knie brachen unter ihm zusammen,
und aufheulend warf er sich neben dem
Richter zu Boden, der die Arme ausbrei
tete und ihn zu schützen versuchte. Es
war umsonst, Alles umsonst der gute
Mann schob die Vordem zurück, bat sie,
das Gesetz zu achten, schrie Denen in der
Straße zu, hereinzukommen und ihre
Nachbarn von einem großen Verbrechen
zurückzuhalten dichter und dichter schloß
sich die Masse um ihn her schweigend
und finster drängten sie herbei, und fühl
ten. ein Verlangen nach Blut, wie es wohl
noch Keiner von Allen vor diesem Au
genblicke empfunden.
Die VordersteiWissen nun den Elenden
hinter seinem Schützer vor und Über ihren
Köpfen hinweg reichten und schoben sie
ihn dem Fenster zu, und durch das hin
aus auf die Straße.
Der Schmied war, als er sah welche
Wendung die Sache nahm wieder zu
seiner Arbeit zurückgekehrt, und der rothe
Schein seines Feuers glühte über die
wildep nnd festentschlossenen Züge der
Versammelten.
Das Tuch das Tuch lief es jetzt von
Mund zu Mund, und gleich darauf wurde
dasselbe vom Tisch genommen, wo es noch
neben dem Stiefel und Hufeisen lag, und
flog über die Köpfe hinweg, dem seinem
Geschick Verfallenen nach. Der grellrothe
Schein durchleuchtete es und ein drohen
des Murmeln war sein Begleiter.
Als -DoDid Hunt ans der Betäubung
erwachte, in die ihn der noch jetzt kaum
geahnte Wechsel seines Geschicks gebracht,
denn nur so viel begriff er etwa, daß
seine Unschuld nicht länger mehr bezwei
felt werden konnte, saß er inmitten des
Gerichtszimmers, und ganz allein,
nur ein wogendes murmelndes Geräusch
drang zum Fenster herein. Er stand auf
'taumelte ein paar Schritte vor und sah
sich verwundert um, was denn so plötzlich
aus seinem Kinde geworden. Vor dem
Fenster aber erblickte er eine empörte
Volksmenge, gar phantastisch von dem
Feuer der gegenüberliegenden^ Schmiede
beschienen, und all die bleichen Gesichter
waren mit wildem Schauder einer mensch
lichen Gestalt zugewandt die da wo
eine viereckige Oesfnung die Stelle des
Fensters in einem Nachbarhause vertrat,
an dem quer darüber wegführenden Bal
ken hing. Hunt warf nur einen scheuen
Blick hinüber nach dem Körper dessen
Umrisse durch den feurigen Hintergrund
scharf und grell hervorgehoben wurden
und er erkannte Wheeler das
entsetzliche Lynchgesetz hatte sein Opfer.
Der alte Mann aber bedeckte sich das
Antlitz mit den Händen und zitterte wie
ein Kind.
Doch fort fort von diesem schreck-'
lichen Bilde zu freundlichem', traulichem
Seenen.
Es sind zwei Monate seit jenem Tage
verflossen an dem das Volk feine «gew.
Kraft geltend machte und da firafmfc ein*
griff, wo es fürchtete, die Gefetze wurden!
nicht ausreichend fein. Shaw ist wieder.'
vollkommen hergestellt von feiner Wunde
und steht nur ein wenig bleich und ange
griffen aus, sein treues Weib aber pflegt
ihn in des Vaters Hütte, wo fein Bett
gerade unter dem Fenster steht, von dem
aus sich die grünen Laubranken zu vollen
lieblichen Guirlanden darüber hingezogen
haben. Dicht neben dem frühem Feltie
hat der alte Hunt begonnen ein zweites-'
urbar zu machen und alle Nachbarn
mehrere Meilen in der Runde waren zu
fammengekommen, um drei Tage mit
Axt und Hacke da zu arbeiten, daß es
eine wahre Lust und Freude war. Alle
hatten ja auch an dein alten warfen*
Hunt gut zu machen, daß sie, und wenn
es nur einen Augenblick gewesen dem
Herzen des Greises mißtrauen konnten..
Wohl Mancher näherte sich ihm im An
fange beschämt nnd reuig dieser fühlte
sich aber jetzt im Besitze seiner lieben
Kinder zu froh, zu glücklich als daß er
Einem von Denen, die ihn einst verkannt^,
hätte känger zürnen können die Freude
ihn unschuldig und gerechtfertigt zu fehenr
leuchtete ja auch klar und deutlich aus
Aller Augen das Vergangene war.
vergessen.
Es gab von der Zeit an wohl keinen
glücklichern Familienkreis im ganzen We
sten als den unsers eilten Hunt mit seinen
beiden lieben Kindern, *-unb still unt
freundlich lebten und wirkten sie in ihrer
friedlichen Waldeinsamkeit.
Jeder Tag war ein Festtag, am freu
digsten aber wurde der gefeiert tue un
der alte ehrliche Schmied die Frau
mit ihrem gewaltigen Navarino hinten,
auf dem Pferde, die Lichtung betrat und
alle in ihm ihren Retter, David Hunt"
aber noch ganz besonders seinen lieben-:
wackern „Advoeaten" begrüßte.
wurde ein Priester gefragt, welches ioohl-_
die merkwürdigste Sache fei, die in der
Bibel vorkomme. Das fei eine gar zu
allgemeine Frage, entgegnete der Prie
ster, er wage nicht, sie zu beantworten..
Was mich betrifft, fiel ein Freund des
Fragender! ein, mir scheint das Aller
merkwürdigste, daß der Prophet Elias irr-:
einem feurigen Wagen gefahren, ohne
sich die Hose zu verbrennen. Das habe,
er, antwortete rasch der Priester, in der
Bibel nicht gelesen, eine andere Sache
aber, die er darin gelesen, sei jedenfalls
viel merkwürdiger, sie finde sich in der
Geschichte des Propheten Balaam, wo
ein Esel das Wort ergriffe», ohne auch
nur gefragten sein.
Als jüngst bei Gelegenheit einer
Hoftafel zuBerli n dasGespräch auf ei
uen Todesfall kam, sagte Kaiser Wilhelm
zu dem ihm gegenübersitzenden General*
Feldmarschall Wrangel: „Nun lieber
Wrangel, jetzt werden wir Beide wohl auch
bald daran glauben muffen, das heißt,Sie
doch eigentlich vor mir." Wrangel re
plizirte darauf ?,Majestät wissen, ich sterbe
nicht nur gern für Ihnen, sondern auch
vor Sie/'
Sich atiifl! sagte ein vier jährt*
ges UankeCfMädchen, indem es eine alte
Schublade umkramte. Da ist Großpapa
in den Himmel gegangen und hat feine
Brille vergessen

I n e i n e e e s a

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