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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, July 22, 1874, Image 7

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3780 Fuß entfernt. Die Kometen aber
wären in dem entferntesten Theile ihrer
Bahn in diesem Modell etwa 10 engl.
Meilen von der kleinen Sonnenscheibe zu
zeichnen. Wo aber würde nun nach
diesem Maßstabe der nächste Fixstern zu
suchen sein? Wenn die kleine 11 Zoll
Durchmesser haltende Sonnenscheibe, wie
gesagt, in Mitte des Staates Ohio ge
zeichnet wird, so dürfen wir uns densel
den nicht näher denken, als in der Mitte
von Deutschland! Die Milchstraße da
gegen würde man sich 6 Millionen Mei
len von jener kleinen Sonnenscheibe den
feil müssen, um das Modell zu vervoll
ständigen!
Daraus kann man sich nun ungefähr
eine Vorstellung von der unermeßlichen
Größe des Weltalls machen. Wie groß
muß aber nicht der Schöpfer und Lenker
dieser Welt sein! Er, der Allmächtige
und Allweise, der die Bahnen der Him
melskörper lenkt und ohne dessen Willen
kein Vogel vom Dache fällt. Ihn erken
nen wir im großen Weltall. Mag auch
eitle Menschenweisheit sich vermessen, den
allmächtigeu Gott hinweg zu disputiren,
wir erkennen Ihn, wenn wir hinaufbli
cken zu den Sternen, zu jenen Welten,
von fcienen blos ein Schimmer zu uns
drinA, aber ein Schimmer, der mit
Flümmenzügen spricht: Es ist ein Gott.
St. Bartholomäustag.
(Nach den Pfarrarchlvakten.)
Im Ausgange des vorigen Jahrhun
derts wohnte zu C. der sehr wohlhabende
Hofbesitzer R. Er war ein äußerst recht
licher, aber sehr jähzorniger Mann, pro
testantischer Confession. Der in der
Erntezeit des JahreS 17** häusig ein
tretende Gewitterregen hinderte die Land
ivirthe sehr, den Segen ihrer Fluren ein
zuheimsen, und man mußte, wie man so
auf dem Land zu sagen pflegt, das Korn
vom Felde stehlen, d. h. immer auf der
Wache stehen, tun, wenn einige trockene
Tage die Möglichkeit des Einholens ge
stattetes ., sofort bei der Hand zu sein.
Die Unbeständigkeit des Wetters hatte,
wie vielen andern, so auch unserm Land
wirth R. die gute Laune bereits gründ
lich verdorben denn schon war die Mitte
des Monats "August überschritten, und
noch kein Fuder Roggen, welcher dem
Auswachsen nahe in Stiegen auf dem
Felde stand, 'hatte er des unbeständigen
Wetters wegen einholen können. Seit
zwei Tagen jedoch hatte der Himmel ein
heiteres Gesicht gezeigt, und darum be
schloß R., sobald irgend möglich, den
Roggen einzufahren.
Auf dem Gehöfte des R. arbeitete täg
lich der zwar nicht mehr junge, aber noch
sehr kräftige und äußerst brave Taglöh
ner Caspar^G., katholischer Confession.
Er war seit seiner ersten heiligen Com
munion dort als dienstbarer Geist be
schästigt gewesen, zuerst als Pferdejunge
Enke —, dann als Knecht, und nach
dem er sich tierheirothet hatte, als stän
diger Taglöhner. Die Katholiken der
Ortschaft C. waren nach dem eine Stunde
entfernten P. eingepforrt, und Caspar
G. war einer der eifrigsten Externen
(Auswärtigen), die kein Wetter scheuen,
um an den Sonn- und Festtagen ihrer
Christenpflicht zu genügen, der hl.'Messe
und Predigt beizuwohnen und die oft
viele trägernJnsassen des Pfarrdorfes be
schämen. Der hl. Bartholomäus war
der Patron der Pfarrkirche und sein Ge
dachtnißtag, der 24. August, immer ein
sehr hoher Feiertag, an welchem sehr
viele Gemeindemitglieder, auch unser gute
Caspar G., es nie unterließen/ mit Frau
und Kindern sich am Tische des Herrn
einzusinden. Das Patronsfest fiel gerade
aus einen Montag, und da der gute
Caspar Tags zuvor am Sonntage,
nicht auf dem Hofe beschäftigt gewesen,
deshalb von dem Entschlüsse des Herrn,
am Montage einzufahren, keine Kunde
erhalten, zudem aber auch nie anf Bar
tholomäustag von seinem Brodherrn zu
irgend einer Arbeit gezwungen war, so
hatte er sich schon am Sonntage wohl
vorbereitet, um mit Frau und Tochter
am folgenden Festtage seinen Gott zu
empfangen. Herr R. hatte jedoch an
nichts weniger als an den hl. Bartholo
mäus, sehr viel aber, vielleicht allein, an
seinen vom Felde einzuholenden Roggen
gedacht. Als deshalb zur bestimmten
Arbeitsstunde am Montag Morgen sich
der Caspar nicht einfand, ward er sehr
zornig sandte sofort den Knecht nach
dessen Hause, um sich nach dem Grunde
der Zögeruug zu erkundigen und ihm den
Befehl zu bringen, sogleich aus dem Hofe
zu erscheinen, da man den Roggen ein
fahren wollte. Der Bote fand den Ge
suchten nicht mehr daheim und erfuhr
nur von dessen jüngster Tochter, welche
das Haus hütete, Vater, Mutter, und
Schwester feien so eben zur Kirche in P.
gegangen, weil heute das Kirchenpa
tronssest, das Fest des hl. Bartholomäus
sei. Diese Nachricht brachte der Knecht
dem auf dem Hofe wartenden Herrn, und
sie entflammte dessen Zorn zum höchsten
Grade. Schimpfend und fluchend ging
er ins Haus, kam jedoch augenblicklich
wieder zurück, befahl dem Knechte, sofort
ein Pferd zu besteigen, den Caspar ein
zuholen, und ihm zu sagen, wenn er nicht
augenblicklich zurückkehre zur Arbeit, so
solle er ihm nie wieder auf den Hof kom
men und der Patron Bartholomäus, zu
dem er jetzt laufe, möge dann ihm und
den Seinigen in Zuknuft den Unterhalt
geben. Dabei svrach er in seinem Zorn
die schrecklichsten Flüche und Gottesläste
rnngen aus.
Der Knecht hatte den Caspar, der mit
Frau und Tochter den Rosenkranz betend
noch nicht sehr fern von C. war, mit dem
schnellen Pferde bald eingeholt, machte
ihm die Bestellung seines Herrn und
sagte ihm auch» wie der Herr ganz rasend
und toll sei und Hans und Hof verfluche.
Der Caspar hörte ruhig die Botschaft
an dann sprach er zu der Frau und
Tochter: „Ich will umkehre» gehe du
und Trincheu in Gottes Namen zur Kirche
und opfert eure hl. Kommunion dem
lieben Heiland für mich auf. Der gute
Gott wird's mir verzeihen, wenn ich ge
zwungen auf diesen Tag arbeite, um dich
und unsere Kinder nicht in Elend und
Noth zu bringen. Zudem nimmt mir
der Gedanke an das grausige Fluchen u.
die um mich gethanen schrecklichen Got
teslästerungen alle Andacht zu Gott aus
dem Herzen." Darauf wandte er sich um
und ging mit dem Knechte nach C. zu
rück. Rasch hatte er sich im Hause um
gekleidet und der Knecht noch nicht die
Pferde vor den Wagen gespannt, als er
auf den Hof trat und hier vom Herrn
mit einer ganzen Fluth von Flüchen und
Donnenvettern empfangen wurde. Mit
größter Ruhe hörte er eine Zeitlang den
Zornerguß des Herrn an, dann aber bat
er ihn, doch von so grausigem Fluchen
abzulassen, da ja noch nichts versäumt
sei und wenn es dennoch der Fall wäre,
er gern eine Stunde über die Arbeits
zeit hinaus thätig sein wolle. Doch
Herr R. hatte sich nun einmal in seinem
blinden Zorn äerrant und gab dem mit
dem Knechte vom Hose fahrenden Cas
par noch eine tüchtige Ladung mit auf
den Weg ins Feld. Rüstig arbeiteten
die beiden Männer, da der liebe Himmel
auch für heute kein beständiges Wetter
verkündete, und mit schwer beladenem
Wagen kam man bald zur Scheuer zu
rück. Doch man hatte des Guten zu
viel gethan, denn der zu hoch beladene
Wagen wollte durchaus nicht das Scheu
erthor passiren, sondern klemmte sich in
demselben fest und der noch Limmer nicht
kalt gewordene Herr R. befahl, die'
Pferde vorn abzuhängen und mit noch
zwei andern im Stalle befindlichen an
den Hinterwagen zu ketten, so den Wa
gen auf den Hof zurückzubringen und
dort erst einiges abzuladen, welche Wei
sung er mit Schimpf- und Fluchworten
begleitete. Nach mühevoller Anstren
gung von Menschen und Thieren gelang
es endlich, den Wagen aus dem Scheuer
thore zurückzubringen: aber kaum stand
derselbe im Hofe und der Knecht im Be
griffe hinaufzusteigen, als ans einmal aus
einer g,ar nicht drohend aussehenden
Wolke ein Blitzstrahl herniederfuhr der
zwei Pferde tödtete, die Männer be
täubte und die Frucht auf dem Wagen
in helle Flammen versetzte, die diese und
den Wogen bis auf's Eisenwerk daran
verzehrten.
Als der Caspar von der Betäubung
und dem Schreck sich in Etwas erholt
hatte, sah er sich noch dem Herrn um,
allein dieser war auf dem Hose nicht zu
finden. Wo aber war er In seiner
Stube fand endlich Caspar den jähzor
nigen Mann auf die Kniee hingeworfen
und iii Thränen gebadet. Auf die Frage
Caspars, ob er Schaden genommen, er
wieherte er: „Nein, Gott hat meiner ge
schont, obgleich ich es nicht verdiente mei
nes grauenhaften Fluchens und wahn
sinnigen Zornes Jwegcn. Von heute an,
Caspar, sollst du auf Bartholomäustag
nie wieder einen Handschlag Arbeit aus
meinem Hofe thiin, aber zur Kirche sollst
du gehen und auch für mich Ruchlosen
beten daß Gott mir meine Sünde ver
zeihe, und unverkürzt sollst du für die
volle Woche den Tagelohn erhalten. Zu
gleich bitte ich dich, daß du noch auf den
Nachmittag zur Kirche und zum Pfarrer
in P. gehst und den Letztern in meinem
Namen bittest, eine Stunde zu bestim
men, wo ich ihn sprechen kann, ich habe
Notwendiges mit ihm zu reden." Mit
Fre'ud'e führte Caspar den Auftrag aus.
Die Unterredung des Hrrrn R. mit dem
Pfarrer fand schon am andern Tage statt
und das Resultat derselben war, daß R.
eine Stiftung bei der Kirche in P. machte
nach welcher notariell festgesetzt war, daß
alljährlich am Tage vor dem Feste St.
Barthalomä vom Hose des R. in C. 12
Pfund Wachslichter, Altarkerzen, gelie
fert werden sollen und zwar so gewiß,
als sofern solche nicht am besagten Tage
vor 12 Uhr Nachts in den Händen des
Pfarrers sind der Hof Eigenthum der
Kirche fein soll. Herr R. aber soll in
seinem ganzen Leben nie wiederum ein
Fluchwort ausgesprochen haben.
Ehestandsgeschichte.
Ein junger Ehemann stand im Geruch,
daß er unter dem Pantoffel seines Wei
bes stehe, und es nicht einmal wagen
dürste, einen guten Freund zu sich ins
Haus zu laden. Einst in einer lustigen
Gesellschaft, wo es wieder nicht an Sti
chelreden fehlte, und keine Widerrede
half, ging er zur Zurückweisung dieses
Vorwurfes mit den Anwesenden die Wette
ein „Geraden Wegs nach Hanse zu ge
hen und seine Frau noch am selben Tage
ohne Musik zum Tanz mit sich zu bewe
gen!" Die Wette ward angenommen u.
seine Genossen gingen ihm nach, dem
Tanze zuzuschauen! Der Mann kommt
vor das Haus: da stürzt ihm schon eine
Fluth von Schimpfworten entgegen:
„Saumagen, auf der Gaffe, im Stall ist
deine Herberge!" Der Anfang ist gut,
dachten die Genossen und freuten sich im
Stillen. Der Mann tritt mit starkem
Schritt ins Haus und in sein Zimmer:
die Frau blöckt die Zähne, wie ihr Haus
Hund und lärmt: „Ob denn der Flegel
den Fußboden zertreten wolle?" Der
Mann befiehlt: „Weib, geschwind den
Tisch gedeckt und das Beste aufgesetzt,
denn wir bekommen Gäste!" Das Weib
wird außer sich: „Ob Er von Sinnen?
Ohio Waismfreund. 7.
Sie wird ihn jagen mit all sei mem Ga
sten!" Der Mann gebietet: „SchweiA
du Plaudertasche, Schnattergans, -de«»
ich bin Herr im Haus!" „Was?
da
Herr im Haus?" schreit sie dagegen,
„ein Narr bist du im Haus!" Suf
diesen Vorwurf spreitzt der Mann beide
Hände in die Seite, tanzt in der Stube
auf und ab und singt: „Ich allein fei»
Herr im Haus :c." Da laufte de»
Weib die Galle über, nicht läng«
weiß sie sich zu halten setzt gleichfalls
beide Hände in die Seite und hüpft unb
springt wie ein Grashooper auf grüner
Kleewiefe herum: „Du Mann allem
bleibst Narr im Haus bleibst Narr im
Haus!" Und siehe da! die Wette ivar
gewonnen' Unter lautem Gelächter
traten ein des Mannes Freunde, die bis«
her unsichtbaren Zuschauer, und das
Weib ward also beschämt ob ihres 'ITH
zorns daß sie, um ihre Schande nicht
noch mehr zu vergrößern, die schönstes
Worte gab und in der zuvorkommendste»
Freundlichkeit die ganze Gesellschaft
mit
dem Besten des Hauses 'bediente.
E i n e n e n e E v a. Georg Walm*
bold, wohnhaft in Philadelphia ist
Besitze von neun Hunden und zwci Affen,
mit denen er Vorstellungen gibt. Der
größte dieser Affen ist unter dem Nanten
„Jerry" bekannt und soll ein sehr bösar
tiges Thier sein. Vor einigen Tagen tvci
Herr Walmbold nach Canada gcgaitgea
und hatte seiner Frau strenge verboten,
dje Affen aus ihrem Käfig zu nehmen.
Äm Freitag Nachmittag waren einige
Gäste in dem Hause und wünschten eine
Vorstellung der Thiers zu sehen. Fra«
Walmbolde nahm Jerry aus seinen!
Käfig, um ihn einige seiner Kunststücke
machen zu lassen. Jerry schien jedoch nicht
in guter Laune zu sein, denn anstatt dec
Knnsiücke machte er cinettAngriff aufFra»
Walmbold. Dies erregte bedeutende Ver
wirrung, die Frauen schrieen laut auf
und der kleine Knabe des Hemt Wattn*
bold lief auf die Straße. Wm. Buckley
und zwei Manner, die in der Nachbar
schaft wohnen, liefen in's Haus uralt
einem harten Kampfe, der tiiua 16 Mi
nuten dauerte, gelang es ihnen, den Affen
in feinen Käfige zu bringen. Mittlerweile
hatten sich auch die Hunde an dem'Kampfe
betheiligt und wurden die Männer in
die Beine gebissen. Frau Walmbold
wurde ait den Händen und Armen schwer
verletzt. Buckley war ebenfalls von de«
Affen gebissen worden und ein kleiner
Knabe, der in dasZimmmcr gelaufen war,
um den Spaß mit anzusehen, erhielt eines
Biß über dem Auge.
In einigen Theilen von Schwe
den ist es Sitte, daß sich ein neuver
mähltes Brautpaar nach der Trauung»
die dort Abends um 6 Uhr vorgenommen
wird, mit einer Anzahl brennender Ker
zen an ein offenes Fenster setzen muß, uat
sich von der davor versammelten Menge
bis 11 Uhr begaffen zu lassen. DaZ
Anrecht der Volksmenge auf diese fett*
same Gefälligkeit der Brautleute ist so
groß, daß man, wenn sich Braut odec
Bräutigam länger vom Fenster entfer*
nen als man es draußen für schicklich
hält, durch anhaltendes Rufen sie förm
lich vorfordert. Vornehme so wenig wie
Geringe dürfen sich von diesem Brauch
ausschließen.
Der Neufundländer eines
Herrn Barber in Liverpool litt im Juli
1873 mit feinem Herrn auf dem Bark
schiff Rebecca an der afrikanischen Küste
Schiffbruch.Man mußteihn auf demWrack
lassen und hielt ihn für tobt. Da ist er
vor drei Wochen plötzlich frisch And gesund
wieder bei seinem Herrn in South Castle
Street Liverpool eingetroffen. Weiß der
Kuckuck auf welchen Wegen.

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