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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, September 09, 1874, Image 5

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ßerhalb des Bereiches seiner Schläge.
Werden wir wohl nach diesem Leben ohne
Schmerz sein Ach nichts gibt uns
"hierüber Auskunft. Fast nlfeimsere Ver
fahren litten beim Mhen des Todes.
Sie litten gleichfalls noch,, als er schon
seine eisige Hand nach ihnen ausstreckte.
Als er sie berührte,' da hörten freilich mit
einem Male alle Anzeichen- der Empfin
dung ans aber du hatte zugleich auch je
des Mittel, sie zu bewirken, aufgehört.
Wir sahen den Mechanismus der Or
gane allerdings in Stockung geraten,
"dagegen aber nicht das kleinste Anzeichen
eines AufHörens der Leiden. Alles, was
-wir wissen, ist, bat)' unsere Väter, sobald
der Tod sich ihnen nahte, für"uns Bilder
der Trübsal und des Leidens waren.
Wohl eine düstere Aussicht für uus, die
mir, gleich ihnen, dem- Tode geweiht
sind. Und wären wir nur sicher, einmal
in der Zukunft erlöst zu' werden. Aber
auch hierin fehlt uns jede Andeutung.
Und es ist ja auch nicht einmal anzn
nehmen, daß Menschen, die etwa ein
Jahrhundert hindurch Schmerz erfragen
konnten, demselben, sobald sie ihn auch
noch andere Jahrhunderte erleiden müh
-ten, erliegen sollten. Welch ernste dro
hende Zukunft! (Sine schrecklichere Unge
wißheit gibt es wohl schwerlich, solche
Zweifelsschauer' können wahrlich das
Blut in den Adern gerinnen machen.
'Die Natur kann uns nicht rathen in die
sem Zweifel, die 'menschliche Wissenschaft
'.verstummt vor dieser Frage, nur die
edle Tochter des Himmels, die Reit
9 i o n allein kann uns Auskunft geben,
sie allein führt mit Sicherheit unseren
Blick über das Grab hinaus. Sie ladet
.alle Menschen 31t nichts Geringerein ein,
als zum Wählen zwischen ewigen Freu
"den und ewigen Leiden. Sie sagt der
Menschheit, daß der Ewige die Verach
tung ihrer Worte mit endlosen Qualen
bestrafen werde. Und dennoch bleiben
manche Menschen in der Ferne ganz un
-beweglich stehen: ob schon die Religion sie
mit lauter Stimme ruft. Die Religion
will Niemanden zwingen sie legt den
'Völkern zur freien Prüfung die. Beglau
bigung ihrer Sendung vor, sie allein er
klärt das Näthsel des menschlichen Da
seins, das Geheimnß, das so schander
voll, so beängstigend für jeden Erden
wanderer ist. Und Millionen haben
die Stimme der Religion vernommen,
große und weise Nationen, die ausge
zeichnetsten Gelehrten und. die scharfsiu
nigsten Menschen haben ihre Sendung
als eine echte anerkannt. Wäre es nun
nicht dumme Gleichgültigkeit, wenn ein
.'Erdensohn von diesen wichtigen, so feier
lid) als wahr aufgestellten Dingen, welche
.die Religion lehrt, nichts wissen wollte?
'Und ist nicht dies, wenn er sich dessen noch
rühmt, ein an Wahnsinn grenzender
-Hochmuth Und wenn ein solcher Mensch
noch dabei in einer üppigen und forglo
'sen Weise dahin lebt, so sollte man
wahrhaft bei ihm auf Symptome von
Blödsinn schließen. Der religionslose
'Mensch handelt in der That unvernünf
tig denn nach allem Gesagten ist die
Religion das,Wichtigste und Höchste, ja
einzig Notwendige auf dieser Erde. Wir
weroen davon das nächste Mal weiter
-reden.
Gottlose Schulen.
In einem „Eingesandt" des „Ein.
Volksfreundes" finden wirfolgendeSchil
derung der in den gottlosen Schulen er
zvgenen Jugend:
„Jetzt, wo unsere Schulen wieder an
fangen dürfte es wohl an der Zeit sein,
einmal ein ernstes und zwar sehr ernstes
Wort direkt an alle Eltern und Stellver-
Vertreter derselben zu richten, die es mit
-der Erziehung unserer Zög^nge und na
mentlich deren guten Sitten wohl meinen
»oder doch wohl meinen sollten..
Durchwandert man die Straßen un
ferer Stadt, so fällt es einem sehr betiti
auf, welche edle Sprache unsere Ju
gend führt. Es wird geflucht Und ge
schimpft^ daß jedem edeldenkendeu und,
noch von. besseren Gefühlen geleiteten
Menschen die Haare zu-Berge.. stehen,
wenn er es anhören muß. Hungens,
welche kaum 4,. 5 oder 6 Jahre alt sind
und die erften Worte lallen bedienen sich
der schrecklichsten Fluch- und Schimpf
Wörter und scheinen darin eine wahre
Uebuug erlangt zu haben'. Nicht allein
unter sich, sondern auch Erwachsenen ge
genüber, werden diese Schimpfwörter,
Spitznamen zc. in einer Weise gebraucht,
die zeigt, daß es unserer Jugend vor Al
lein an Respekt vor den erwachsenen uud
älteren Leuten fehlt ja sie glaubt. Letz
terett gegenüber erst recht frech auftrete a
zu müssen!'
Besonders übel sind aber unsere Leh
rer daran. Haben sie doch die' gewiß
schwere Pflicht, nicht nur unsere Jugend
in der Schule zu belehren uud zu ei-zie
hen, sondern auch ihre Sitten zn veredeln
uud erfüllen sie diese Aufgabe mit Lust
und Liebe, so wird ihnen dafür der Lohn
zu Theil, daß unsere lieben Juugens, die
kaum die Lehrer kennen, dieselben überall
wo sie dieselben nur eben sehen, mit ih
ren „Hallos" anrufen und verfolgen, ihre
rechten Namen iir einen verdrehten, ver
kürzten oder verlängerten Schimpfnamen
verwandeln und sich herausnehmen, die
Lehrer auf den Straßen begleiten, ja
verfolgen zn müssen wie es gewöhnlich
mit den Hunden geschieht. Dies findet
täglich bei unser« Lehrern uud Lehrerin
nen statt, selbst die besten sind nicht ans-
geuommen. Wer da glaubt, es sei das
eine Kleinigkeit, der denke sich selbst ein
mal an die Stelle der Lehrer, dann wirb
er das Gemeine und Straßenbubenmä
feige schon, herausfinden Finden wir doch
selbst jedes Jahr, daß Lehrer und Kinder
gerade deswegen gerichtlich belangt wer
den, weil eben Lehrer des.ewigen Schim
pfens von Seiten der Gassenbuben müde
werden und zu Mitteln greifen,, die den
zarten Gefühlen für ihre unschuldigen
Lieblinge zu strenge erscheinen. Nicht
wollen wir davon sprechen, dah manche
Lehrer ans diese Weise schon ihre Ehre
und Stelle verloren haben, ohne daß sie
selbst die geringste Schuld hatten. Wohl
mögen manche von unseren Eltern die
Hand auf's Herz legen und gestehen, daß
gerade sie selbst durch ihre Reden daheim
über andere uud über die Lehrer die erste
Ursache zu solchen betrübenden Ungebühr
lichkeiten gewesen sind!
Mögen solche aber sich nächstens besser,
in Acht nehmen und verbessern, was zu
bessern ist! Gewiß könnte dieser rohen
Unsitte bald gesteuert werden, wenn-die
einzelnen Eltern gerade bei ihren eigenen
Kindern anfangen und ihnen besseren
Respekt und edlere Sitten beibringen
wollten.
Sollten diese ernsten,' bittenden und
mahnenden Worte in den Wind verhal
len, so möchten wir es sehr bedauern,
wenn Lehrer und Lehrerinnen endlich ge
zwungen würden, zuweilen auf gefetzli
chem Wege sich Recht verschaffen zu müs
sen, um Ehre und Brod zu retten."
Das in dieser Einsendung Gesagte
und noch viel mehr mag richtig sein,
wenn aber der Einsender meint, durch ge
schliche Mittel der moralischen Verwilde
rung der Freischuljugend vorbeugen zu
können so ist das ein großer Jrrthum.
Nur die Religion hat die Macht, die
Jugend wahrhaft zw sittlichen Menschen
zu bilden, aber die Religion hat man ja
gerade ans den gottlosen Schulen ver
bannt.
i ,.
Eine eigentümliche Ueberraschung
wurde kürzlich den Geldherren in
New Uork bereitet. Es erschien eineFrau
Imi't'ß .Widern in Ver Wall Strafe'?',' Mi"
deneit jedesKind einPlakat solgendenJn
halts in großen Lettern trug: „Raub
von $5000 ausgeführt von ...
v,. Ban»
kiers Und Broker. ...Wall^Str. Ich
hatte $5000 in Baar bei denselben als
Garantiesumme hinterlegt, sie gaben mir
werthlo.se Bonds dafür, die nicht einen
Cent Von dem Betrage Werth sind.Spater
machten sie Bankerott/ überschrieben ihren
Besitz ihren Weibern und ließen mich
mit meinen sechs Kindern im Elende.
Mein Mann ist krank und kann uns nicht
ernähren, und sind wir in großer Noth.
Haben Sie Mitleid mit unserem Unglück."
Fonds- und Goldbörse wurden leer und
aus allen Comptoirs lief man herbei, um
das seltene Schauspiel zu genießen als
vor Jahresfrist die Paniqne ausbrach,
war das Gedränge in der Straße nicht
größer. Endlich brachte man lue Frau mit
ihren Kindern nach der Polizeistation.
Zum Bisniar? Humbug.
Immer mehr bestätigt es sich, daß die
ganze schreckliche Moritat von Kissingen,
wo der Küfergeselle Kallmann auf den
Bickmarck einenPapierpfropfen abschoß ei»
großartiger Humbug war. Die Sache
war schon lauge' abgekartet und ist, wie
sich jetzt herausstellte, nicht einmal voi
der Ausführung des Spe-ttakelstiicks recht
g. he
im gehalten worden.
Die „N. Jngolst. Zeitung" hatte die
Mitteilung gebracht, daß ein israeliti
scher Handelsmann in einem Jngolstädter
Gasthause am 8. Juli erzählt, daß aus
Bismarck geschlossen word'en sei, während
das Attentat bekanntlich erst am 13. Juli
staltfand auf Requisiou des' Uutersu
chuugsrichters vou Schweinfurt wurde
der Redateur der „Jng. Ztg.". über den
Vorfall bereits eidlich vernommen. Das
„Vaterland" ist in der Lage die betreffen
den Personen anzugeben der Israelit
heißt Hajmn und ist von Thalinessing,
und die oben citirte Aeußenmg soll im
Gasthause zu Gredling zum Stadtpfarrer
Forster uud zum Mehner Rauch vouMet
teudorf gemacht worden sein. Die Unter
suchung wird jedenfalls herausstellen was,
an der Sache ist. Man brauchte wohl
dem Zwischenfalle kein besonders Gewicht
beizulegen, wenn nicht auffallender Weife
auch von anderer Stelle dasselbe Vorans
bekanntsein des Attentats gemeldet
ivürde. Das „Frk. Vo'Ikslatt,, scheibt näm
lich
„Das Kissinger- „Attentat" ist nicht
bloß in Ingolstadt, sondern auch im im
tionalliberalen, protestantischen Schwein
furt als Thatfache erzählt worden, ehe es
stattgefunden. Wie wir nämlich ans
ganz sicherer Quelle erfahren, kam am 13.
Juli Vormittags ein Kaufmann ans
Ried (Meiningen) mit derEisenbahn von
Kissingen in Schweinfurt an und begab
sich bis zur Weiterfahrt in die Bahnhof
Restauration. Da nun erzählte Einer,
daß auf Bismarck geschossen worden sei,
Der Kaufmann aus Ried aber stellte dies
in Abrede, mit demBemerken, daß er eben
von Kissingen komme, und dort von ei
nein Attentat auf Bismarck nichts bekannt
sei. Zwei bis -drei Stunden nachher
wurde von Kullmann die Pistole mit dem
vielgenannten Papierpfropfe abgefeuert.
Der Name des Kaufmannes (der, neben
bei bemerkt, der liberalen Partei ange
hört), welcher obige. Aeußerung in der
Schweinsurter Restauration mit anhörte
und wiederlegte ist uns genannt worden,
und hat unser Gewährsmann sich bereit
erklärt, für die volle Richtigkeit seiner
Aussage einzustehen."
w
Fahrende Eisenbahn-Restauration
en. Nach dem allgemeinen Erfolg der
Pullman'schen Schlaswoggons, welche
erst kürzlich auch in Europa Eingang ge-
01| m"38 ri ffcii ffailf5r 5.
s«nden'habcn,find unsereEisenbahn-Ma
tadore bemüht, dem reifenden Publikum
derartige weitere Bequemlichleiien zu bie
ten, daß es uns nicht wundern soll, wenn
Leute, die gut und angenehm leben wol
len, Eisenbahnen zu ihrem beständigen
Aufenthalt wählen, statt, wie bisher, dem
Comfort eines guten Hotels den Vorzug
zu geben. Der vor Kurzem eingeführte
Versuch, Passagiere ohne die früher übli
chen zehn Minuten Anfenhalt mit Mahl
zeiten.zu versehen-, ist besonders von der
Burlington und Missouri RiverEisenbahn
Gesellschaft zu einem System gebracht
worden, welches hauptsächlich für Dieje
nigen Werth hat, welche die Reife vom
Pacific nach dem Osten auf demLandwege
milche». Ju Om'fihci, wo die genannte
33flh.ii sich mit den verschiedenen westlichen
Bahnen, die nach San Francisco führen,
verbindet, schloßt sich dem Zuge ein Eß
wagen an welcher auf eine Strecke von 70
Meilen östlich mit fährt, um von dort aus
mit dem nächsten Zuge wieder nach Oma
ha zurückzugehen. Der Wagen ist auf die
geschmackvollste und zugleich praktischste
Weise eingerichtet. In drei Theile einge
teilt, bietet die erste, größere Abteilung
dem Auge des Eintretenden den angeneh
meii Anblick einer Reihe elegant und mit
allen ZutHilten einer regelmäßigen Mahl
Zeit bedeckter Tisch, welche je für vier Per
souen Raum haben und an den mit Spie
gelschreiben versehenen Fenster angebracht
den Inhabern erlauben, den Genuß der
vorüberfliegenden Landschaft mit dem für
unsere westlichenReisenden selteneren eine*
schmackhaften Diners zn verbinden. Die
Bedienung wird durch aufmerksame Kell
ner besorgt, welche mit einer verführeri
schen, an Auswahl reichen Weinkarte ver
sehen sind. Wer sich von der Frischheik
uud reichlichen Zubreitiuig der Speisen
überzeugen will, darf nur einen Blick in
die zweite Abtheilung des Wagens werfen,
welche die Küche-ausmacht, während die
dritte zum Rauchsaion und Kasse in der
selben Weise wie der Eßsalon eingerichtet
ist. Das ganzeAcra.ngement ist eine durch
aus bequemes und dürfte binnen Kurzem
allgemeine Aufnahme finden.
—.Diplomatische Gebräuche in Afrika
Eine gräuliche Geschichte wird aus Afrika
gemeldet. Zwischen demKönig von®rennt)
nnd dem von Ap.opo wurde kürzlich eilt
Vertrag geschlossen. Die Ratifikation ge
schal) nach althergebrachter Weise durch
Abschlachten einesSklaven auf eigentüm
liche Art. Von der Spitze des Kopfes bis
über den Oberkörper wurde ein tiefer
Schnitt iii senkrechter Richtung zur ge
nauen Halbirung herabgeführt, und
sodann diesem Schnitte nach, während
mehrere handfeste Burschen das Opfer
hielten, der Körper mit Aexten in Stücke
gehauen. Ein Stück warf König Breinigs
Vertreter in die zurücktretende Flut, das
andere der Gesandte von Apapo. Her
nach galt der Vertrag als unwiderruf
lich besiegelt. König Georg von Brennt)
gab sich alle erdenklicheMühe, das unnütze
und grausame Opfer zu verhüten jedoch
die Afrikaner ließen sich von dieser heilig
gehaltenen Sitte nicht abbringen. Der
abgeschlachtete Sklave selbst scheint sich
ans dem Tode nicht viel gemacht zn ha
ben,wenigstens bis die Opferstunde schlug.
Er soll durchaus gleichmütig geblieben
sein. Sein Trost war, daß er in der an
dern Welt seinen Schlächtern mit gleicher
Münze werde auszahlen können.
-Na chlässigkeit. Nach dem
Berichte des englischen Geral-Postmeisters
wurden'verflossenes Jahr 18,700 Briefe
ohne irgend welche Adresse aufgegeben,
wovon 500 Baargeld oder Anweisungen
im Betrag von 13,000 Pfund Stert, ent
hielten.

Frau E. Goldberg,
37 Lewis St., N. Y.

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