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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 09, 1874, Image 1

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Wochenschau.
(Inland.)
o
I n (ui §, O., 1. Dez. Beide
Häuser der General-Assembly traten heute
Vormittag um 10 Uhr zusammen. Die
Botschaft des Gouverneurs wurde verle
sen, in welcher dieser erklärt, daß er die
Bestimmung der Staatsconstistution,
welche es der Legislatur zur Pflicht mache
für einen Amortisationsfond Sorge zu
tragen, für eine besonders wichtige halte.
DieWohlthätigkeits-Anstalten des Staa
tes hält er für sehr gut geleitet und ist
überzeugt, daß die Reorganisationsgesetze
des letzten Jahres viel Gutes gestiftet
haben. Die Unruhe», welche während
des letzten Sommers in den Minendistrik
ten stattfanden, berührt der Gouverneur
nur mit wenigen Worten und erklärt,
daß pünktliches Einschreiten von Seiten
der Staatsbehörden im kritischen Augen
blicke genügte, die Ruhe ohne Anwendung
ocm Waffengewalt wieder herzustellen.
o u u s 2 e z I
Senate wurde heute Morgen Bills ein
gereicht, um Section 7 den Adair-Gese
tzes zu widerrufen. Ebenso muß den
Spirituosen Verkäufern, Eigenthümern
oderPächtern vonHänsern, in denenspiri
tuöseGetränke verkauft werden, zuvor eine
Notiz gesandt werden, ehe sie auf Scha
denersatz verklagt werden können.
o u u s, 3. Dezbr. Im Senat
wurden heute Vormittag Bills eingereicht
um alle Gesetze in Bezug auf denVer
kauf von berauschenden Getränken zu
widerrufen und für den Verkauf solcher
Spirituosen ein System einzuführend
Diese Bill schlägt vor: Die Pläße, wo
Spirituosen verkauft werden, in fünf
Classen einzutheilen. Jede derselben
soll registrirt werden und die bestimmten
Abgaben von 100 bis 200 Dollars, je
nach der Classe. und der Verschiedenheit
der Getränke, welche an einem solchen
Platze verkauft werden, sollen jährlich be
zahlt werden. Den Verkäufern ist es
verboten,, an Minderjährige oder Trun
kenbolde Getränke zu verkaufen, oder
Raufbolden und Fanllenzern zu erlau
ben, in der Nähe ihrer Etablissements
sich herumzutreiben und sind sie für alle
in ihrer nächsten Umgebung von derarti
gen Personen durch Schlägereien u. s. w.
angerichtete Verwüstungen haftbar und
'dazu noch der Cancellirung ihrer Reg!-
ftririmg ausgesetzt.
Im Hause wurden Bills eingereicht,
wonach dieKriedensrichter ^Jurisdiction
erhalten sollen im Falle, wo eine auf
$300 lautende Klage eingebracht wird,
einen Rausch mit Geld- und Gefängniß
strafe zu belegen. Damit sich Jemand
vom Straßen-Frohndienst befreien könne
sollen jetzt tz2 statt der bis jetzt noch üb
Zichen $3 per Tag bezahlt werden.
Die Resolution, wonach der auf Lizen
strung des Spirituosen-Verkaufes bezug
nehmende Artikel der Constitution gestri
chen wird, wurde dem Drucke überwiesen.
Im Senat wurde eine Bill eingereicht
und auf den Tisch gelegt, wornach die
Lizensirungsfrage für den Spirituosen
Verkauf dem Volke zur Abstimmung, vor
gelegt werden solle. v,
Herr Worthington reichte eine Bill ein,
zufolge welcher das Schulgesetz eine totale
Umänderung erleidet.. Dieselbe erklärt,
daß das englische Alphabel, da5 Bnchsta
biren, Lesen, Schreiben, die Grammatik,
die Geographie n. s. w. die alleinigen
Unterrichtsgegenstände bilden sollen. Sie
bestimmt, baß die Kinder vom 7. bis zum
16. Jahre schulpflichtig sein sollen und
daß die vom Staate zu leistende pecuniäre
Unterstützung auf die verschiedenenStädte
und Counties, nicht nach der Bevölkerung
sondern nach der durchschnittlichen Fre
quenz der Schulkinder während der
Schulzeit vertheilt werden soll. Ferner
bestimmt sie, daß der tägliche Besuch der
Schulen genau notirt werden soll.
UnFämilienblattHrWahkheltündReWzÜrMlchrttugundUnterhaltUW.
Herausgegeben zum Besten eines Waisenhauses für die Diözese Colunibns, O. Erscheint wöchentlich. Preis bei Vorausbezahlung für ein 3ahr $1.60.
Aus dem Berichte des Minen-Su
perintendenten von Ohio für das letzte
Jahr geht hervor, daß während dieses
Zeitraums in den Minen des Staates
achtzig Unglücksfälle stattgefunden haben.
Der Superintendent hat zweihundert
Minen besucht und dabei achthundert
Meilen unter der Erde zu Fuß zurückgelegt.
Er macht die Bemerkung, daß die Venti
Kation in den meisten Minen nichtgehörig
eingerichtet ist. Das Gesetz, welches die
Anbringung von Sprachröhren und Si
cherheits-Apparaten vorschreibt,wird nicht
überall befolgt. Dagegen wird der gesetz
lichen Vorschrift, nach welcher Knaben un
ter zwölf Jahren nicht in den Minen
arbeiten sollen, allgemein Genüge gethan.
N e w o 3 0 N e u a y o a v e
meyer starb heute Morgen plötzlich in
seiner Office in der City Halle. Gestern
besuchte er Flushing, Long Island, und
reiste heute Morgen von dort ab. Zwei
Meilen von Hunters Point stieß dem
Zuge ein Unfall zu und der Mayor war
genöthigt, gegen einen heftigen Wind den
Weg nach Hunters Point zü Fuß zurück
zu legen. Sodann war er genöthigt,
von dort nach James Slip in einem Boote
überzusetzen, was niemals angenehm ist,
am allerwenigsten aber im Winter. Bei
seiner Ankunft in der City Hall begab er
sich sofort in das innere Zimmer der
Mayorsoffiee und begann seine Amtsge
schäfte zu erledigen, und während er an
seinem Pulte stand, taumelte er und siel
zu Boden. Einer der Clerks, welcher den
Sturz gehört hatte, lief sofort in das
Zimmer, jedoch ehe noch irgend etwas ge
schehen konnte, war Mayor Havemeyer
tobt. Die Arzte sagen er sei an einem
Schlaganfalle, die Folge feines langen.
Marsches in der kalten Margenluft, ge
storben.
a n o e 3 0 N o v i e i e s i e
St. Mary's Kirche, deren Einweihung
gestern stattgefunden, ist eines der größten
und schönsten kirchlichen Gebäude im
Staate.
Der Hochw. Dr. A. Rohling hat,
einer Nachricht aus Milwaukee zufolge,
einen Lehrstuhl im Salesinnum als Pro
fessor der Exegese und orientalischen
Sprachen angenommen..
i w a u k e e i s 1 e z e
Farmer Joh. Borcherdt, welcher in der
Nähe von Watertown wohnt, wurde in
voriger Nacht erschlagen. Seine Frau
und seine beiden Stieftöchter sind als an
gebliche Mörderinnen verhaftet worden.
Wochenschau.
(Ausland)., ...
N o in, 2. Dez. Erbischof Mann mg
erlangte gestern Audienz beim Papste,
welcher in der Unterredung seine vollste
Zuversicht auf die Fortschritte der Katho
liken in England aussprach, trotzdem
gegenwärtig die Politik der Kirche so
falsch dargegestellt wird.
N e w ö k 3 e z e e a
wird von seinem Korrespondenten in Rom
gemeldet, daß sich der Papst vollkommen
wohl befinde und es während der Erho
lungsstunden im Garten des Vatikans
jedem seiner Begleiter im Gehen zuvor
thue.
Nachdem Urteilsspruch des Ober
trihnnals zu Berlin wird der hochwür
digste Bischof von Trier von jetzt ab noch
etwa 2 Monate der Freiheit entbehren
müssen, da die für den hohenGefangenen
günstig lautendenUrtheile erster und zwei
ter Instanz beworfen worden sind. Der
Herr Erzbischof von Köln hat alsbald
nach seiner Freilassung eine Firmungs
reise angetreten. Herzlichen Empfang bot
ihm Aachen, wenngleich die dortige Re
gierung jede öffentliche Bewillkomm
nung, sogar Aushängen der Fahnen
und abendliche Illumination verboten
hatte.
e O e s i e n e
Rhein Provinz hat den Erzbischos
von Köln gleich nach seiner Entlassung
aus dem Gefängniß aufgefordert 590
Succursal-Pfarrstellen zu besetzen ^und
die damit zu betrauenden Geistlichen
schleunig zu bezeichnen, und hat sodann
diese Aufforderung nach Ablauf von 4
Wochen unter Androhung einer Strafe
von 50 Thlrn. für jede einzelne Stelle,
also in Summa von 29,500 Thlrn. wie
derholt Natürlich wird der Herr Erzbi
fchof dieser Aufforderung nicht nachge
kommen'
Eine V e u n g. des i n i
st e Dr. Falk verbietet für die hö
heren Lehranstalten derRheinprovinz den
ferneren Gebrauch des von Bischof Kon
rad verfaßten „Lehrbuches der katholischen
Religion für höhere Lehranstalten." Es ist
wahrscheinlich daß dieses Verbot auf alle
Provinzen des Staates ausgedehnt wird.
Das gedachte Lehrbuch, welches 1845 in
zwei Bänden zum ersten Male erschien,
ist jetzt mit seinen Separatausgaben für
Oesterreich und mit seinen mehrfachen
Übersetzungen wohl das am weitesten
verbreitete aller ähnlichen Handbücher.
Wie ver „T a gesboteaus h»
e n" meldet, ist der Olmützer Erzbischof
Mit der preußischen Regierung: in einem
acuten Conflict gerathen. Der Kirchenfürst
fuhr nämlich ohneRücksicht aus die preußi
schen Mai-Gesetze fort, in dem Preußischen
Antiheil seiner Erzdiöcese erledigte Pfrün
den zu besetzen, ohne die Anzeige an die
Behörde zu erstatten. Er war deshalb vor
das Kreisgericht in Ratibor geladen, und
da er, wie natürlich, nicht erschien, in con
tumaciam zu einigen Tausend Thalern
Strafe oder eventuell zum Kerker in.der
entsprechenden Dauer verurtheilt und. die
.österreichische Regierung um dessen Au§«
lieferung ersucht.- Die letztere erkannte
in dem Vorgehen des Erzbischoss keine
Gesetzübertretung uud wies das Ansinnen
zurück. Jetzt erließ das preußische Kreis
gericht einen Steckbrief gegen den Kirchen
surften und wies den Pächter des erzbi
((höflichen Gutes in Stoltzmütz an, den
Pachtschilling nicht an den Erzbischof,
sondern an das Kreisgericht in Nätibor
abzuführen. Daß der Pächter dieser Wei
sung gehorchen wird, ist nicht zu bezwei
feln. Es ist sehr leicht Möglich, daß die
Angelegenheit sich noch weiter verwickelt.
o n o n 3 0 N o v I n e i n e a u s
Berlin eingelanfenemSpecial-Telegramm
heißt es daß nach aus verschiedenen Thei
len Deutschlands eingelaufenen Nachrich
ten in kurzer Zeit eine systematische, inas
senhaste Auswanderung aus Deutschland
zu erwarten ist. Die große Masse des
Volkes sieht das neue Landsturm-Gesetz
als eine äußerst drückende Maßregel an,
während die, Geschäftskreise durch ein Ar
mebubged von $80,000,000 zti emerZeit
wo in Deutschland allgemeiner Friede
herrscht, sehr beunruhigt sind.
Aus Dres e n meldet dasmtliche
Dresd. I.: „Jw neuester Zeit ist von dem
Ministirium des Innern inZ zwei Fällen
die nachgesuchte Erlanbniß zur Verbren
nnng von menschlichen Leichnamen aus
nahmsweise ertheilt worden. Es ist dies
geschehen, um die gewünschte Gelegenheit
zurAnstelluug wisseuschastlicherForschun
geu zubieten. Wie uns mitgetheiltwor
den ist, besteht aber die Absicht/ künftig
eine gleiche Erlaubniß nicht weiter zü er
theilen."
a s o u a n s i i
München wurde wieder geschlossen,
aber nicht etwas weil das Bier ausgegan
gen,' sondern weil man sich nachgerade
genirte, den Plempel weiter als „Bier"
zu verzapfen. Das „B Vtrld." hörte daß
dasHofbräuhaus auf Sr, Majestät aller
höchsten Befehl geschlossen werden mußte.
Nachdem der König ein Glas davon ver
sucht habe, wollte er nicht dulden da)
das Volk solches „Bier" weiter trinken
solle. Das Bräuhaus müsse geschlossen
bleiben, bis besseres Bier da sei. So
erzählt man—Im Hofbräuhaus hat man
das alte Recept verloren, arbeitet mitMa^
ichinen und noch den neuesten Resultaten
der Forschungen der sogenannten „beut-.
schen Wissenschaft."
I
n a s e i e k a e n a 1 0
November mit dem Dampfer von Algier
72 junge Araber an, die nach Rom Ze
hen, woifie in ein Kloster einzutreten be
absichtigen.
i o I a n e i o 2 9 N o v i e e i
giöse Aufregung, welche durch den Streit
zwischen der katholischen Geistlichkeit nnd
den Civilbehörden entstand, erreichte
heute in ernstlichen Ruhestörungen in den
Provinzen Pernambuco und Parahiba
ihren Höhepunkt. Die Anhänger der vor
Kurzem wegen Verletzung der Reichsge
gesetze verurteilten Bischöfe -von Para
und Pernambuco machten Mfrührerische
Demonstrationen. Ihr Ruf lautete:
„Nieder mit den Freimaurern." Sie grif
fen mehrere Freimaurerlogen an und bo
ten den Ortsbehörden.Trotz. Es, wutden
Truppen und Schiffe nach den unruhigen
Districten abgesandt.

Jshrg. 2. PomeVSp, O. ben K. De emberI87A. No. 8S.
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