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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 09, 1874, Image 6

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6. Ohio Wsiseufreund,
Ge»tteiMützige KeuntniOe.
Besessene,
iter "der schrecklichsten Zustände, in die
Adams Nachkommen gerathen können,
seitdem der Stammvater einmal mit dem
Fürsten der Finsterniß. angebunden, ist
der der Besessenheit. Man versteht unter
Besessenen nach biblischem und kirchlichem
Begriff solche Personen, in deren Leibern
der Satan vermöge einer geheimnisvollen
Jnnewohnung und tyrannischen Gewalt
wirkt, so daß er auch ihre Sinne zu sei
nen Absichten mißbrauchen, und sowohl
die natürlichen Verrichtungen des Kör
pers als auch die geistigen Handlungen
der Seele 311 verwirren und zu verhiu
dern, überhaupt wunderliche und seltsame
Wirkungen in denselben hervorzubringen
vermag. Man müßte der hl. Schrift of
sene Gewalt anthun. wenn man behaup
ten wollte, das sie die Besessenen irgend
wie mit den andern Kranken confundire,
oder nicht von dem angegebenen Begriff
der Besessenheit ausgehe, da sie das, was
die unreinen Geister in den Besessenen
und durch sie thun, unterscheidend her
vorhebt, und z. V. ausdrücklich sagt, daff
dieselben Jefum bekannt, mit ihm geredete
sich über ihn beklagt hätten, daß er sie
zu quälen gekommen sei. Die Erklärung
daß in diesem Punkte der Erlöser sich den
Zeitvorstellungen accomodirt habe, ver
dient vom Standpunkte des Glaubens
aus gar keine Wiederlegung zumal da
Christus seine Gewalt, böse Geister aus
zutreiben, ausdrücklich als Beweis seiner
göttlichen Sendung gebraucht. Die Kirche
aber bezeugt ihren Glauben an die Rea
lität der Obsession durch alle Jahrhun
derte durch die Anwendung der Exorcis
men und den Stand der Exorcisten auch
gtibt es keinen angesehenen katholischen
Theologen, der nicht die Möglichkeit und
Wirklichkeit solchen Zustandes behauptete.
Dar über viele Aerzre über die bed den
Theologen constante Erklärungsweise der
betreffenden Erscheinungen vornehm lä
cheln, kann den Gläubigen, um so wem
ger irre machen, als dieselben gar nichts
Genügendes darüber zu sagen wissen
oder vielleicht gar von materialistischen
Principien ausgehen,
Bes!^ ist derjenige Zustand eines un
mittelbaren Verhältnisses einer Sache zu
einer Person, welcher es dieser ermöglicht
auf jene nach Belieben physisch einzuwir
fcjj. Der Besih ist sonach ein sactisches
Innehaben einer körperlichen Sache oder
einer Sache im eigentlichen Sinn, ein
tatsächliches Gewalthaben über,dieselbe,
so daß m«n aus sie einwirken und Andere
von der EiiitoVviiing daraus ausschließen
?ann.
BefonueuHelt, Zustand der Seele,
in welchem diese sich sowohl ihrer selbst
als auch ihres Verhältnisses zur Außen
welt vollkommen bewußt ist und daher,
frei von Auslegungen, den Umstflfden
gemäß handeln kann. Der Ausdruck
Besonnenheit selbst ist in gewissem Sinne
ein negativer, indem er anzeigt, daß man
sich besannen, d. h. sich aus einem Zu
stände erhoben habe, in welchem das klare
"Bewußtsein unserer selbst und unserer
Beziehungen zu der Außenwelt getrübt
war.
Bethlehem,
Be'thlechem. "Dieser
Name bezeichnet zwei in Palästina lie
gende Städte, von denen jedoch nur die
Eine eine besonders wichtige Rolle in der
Geschichtetes Reiches Gottes spielte. Es
ist dies Bethlehem, die Stadt Davids,
der Geburtsort des Erlösers, um dessen
willen sie, obwohl sonst unbedeutend an
Größe, in die Reihe der großen Städte
Äer Welt trat. Schon als die Patriae
chen das Land Canaan bewohnten, stand
tot der Stelle, welche später die Stadt
Bethlehem einnahm, ein Ort, Namens
Ephrata, weshalb sie auch späterhin Beth
lehem Ephrata hieß und weil sie bei der
Verkeilung des Landes unter Josua
dem Stamme Inda zufiel, auch Bethle
Hein Inda, zum Unterschiede von Bethle
Hein in Zabulon genannt wurde. In
der Geschichte des Reiches Gottes tritt
Bethlehem mit Uebergehuug der unange
nehmen Erinnerung an Rieht. 17, 7—9.
in der im Buche Ruth erzählten Grün
dung des Davidischen Hauses durch Boas
und Ruth zuerst hervor, wird durch Da
vids Geburt daselbst und durch die von
Samuel dort an ihm vollzogene Salbung
zum
künftigen Könige gehoben, tritt durch
das prophetische Wort als Mitglied in
den Organismus der Erlösuugsthätigkeit
Gottes und, obwohl auch nach dem Exile
noch, seiner Unbedeutenheit wegen, kaum
genannt, erhält durch die Erfüllung der
Weissagung von der Geburt des Erlösers
in ihr die große welthistorische Bedeu
hing. Eusebius und Hieronymus bestim
nten ihre Lage südlich von Jerusalem in
einer Entfernung von 6 römischen Mei
len, womit auch die Reiseberichte der neu
stcit Reisenden und Topographen, welche
das noch bestehende Bethlehem in eine
Entfernung von 2 Stunden von Jerusa
lem setzen, übereinstimmen. Da die
Identität des heutigen Beit Lachm mit
dem alten Bethlehem hinlänglich sicher ist
so kann die topographische Lage des er
steren znr genauem Orientirnng über
letzteres dienen, wonach Bethlehem als
eine Bergstadt anzusehen ist, gelegen auf
einer felsigen, gegen Osten hin jäh ab
schießenden Anhöhe, jedoch umgeben von
einer sehr fruchtbaren Gegend, woher
denn auch die Namen Ephrata und Beth
lehem, welche beide auf die Fruchtbarkeit
hindeuten, zu erklären sind. Das jetzige
Beit Lachm liegt terassenmäßig an einem
Berge in zwei Partien getheilt, mit 3000
christlichen Einwohnern, welche sich mit
Ackerbau und Verfertigung von Rosen
kränzen, Crncifixen :c. beschäftigen. So
freundlich die Lage dieser Stadt von Au
ßeu ist, so nennt Russeger sie doch ein
scheußliches Nest. Oestlich von der Stadt
bei 200 Schritte Entfernung liegt ein
Kloster, welche die von der Kaiserin He
lena über der Geburtsstätte des Erlösers
erbaute Kirche enthält. Da Lucas un
zweifelhaft die Geburtsstätte des Erlösers
außerhalb der Stadt versetzt, so dürste um
so weniger die Aechtheit des durch obige
Kirche bezeichneten Ortes zu beanstanden
sein, als die Tradition des Alterthums
die Heiligkeit solch eines Ortes stets im
Auge und seine Lage in stets frischem Ge
dächtnisse hielt, wie auch das zu Hiero
nymus Zeit dort erbaute Kloster beweiset.
Die Kirche St. Maiire de prmsepio
dürfte wohl eine der ältesten des Orients
sein. Sie ist in Kreuzesform erbaut und
.das Schiff vom höher liegenden Chore
durch eine Scheidewand getrennt. Das
Schiff enthält in 4 Colonnade« 48 Säu
len, auf welchen der Dachstuhl ohne Decke
ruft. Unter dem Hochaltare befindet sich
die Geburtshöhle, zu welcher gewundene
Stiege führen. Die. Grotte selbst ist 30
Fuß lang, 12 Fuß breit und 9 Fuß hoch.
Ein in Marmor gefaßter Serpentinstein
und ein ehedem mit Edelsteinen besetzter
Stern mit der Aufschrift: Hie de vir
gine Maria Jesus Christus natus
est, bezeichnen die Geburtsstätte. Aus
der Haupthöhle führt ein Gang in meh
me_ besondere Grotten, von denen die
größte die ist, welche einst der hl. Hiero
nymus bewohnte und von der aus er die
hl. Schrift mit den Werken seines Gei
stes beleuchtete. Andere Grotten enthal
ten die Begräbnißstätten der Hl. Paula
und Eustachium, welche hier den Abend
ihres Lebens zubrachten. Das Kloster
selbst ist von Vätern aus dem Orden des
hl. Franciscns besetzt, doch halten sich in
zwei Abtheilungen desselben auch Griechen
uud Armenier auf.
Iremdwörter.
Zur Gedächtnißllbung für unsere jungen tzeser
Bestialisch, (lat.) viehisch.
Biblio graph, (gr.) Bücherkenner.—
Bibliothek, (lat.) Büchersammlung.
Bigamie, (gr.) Doppelehe. i
0 t, (fr.) abergläubisch. 53 it an z,
(it.) Schlußrechnung.
1. Preisaufgabe.
Ausgabe No. 42.
Schreibe mit Buchstaben sieben Zahlen unter
einander. Nachdem du die erste Zahl niederge
schrieben hast, nimm sie viermal, so Haft du
die zweite zu dieser addire vier, so hast du die
dritte, nimm diese zehnmal, so hast du die
vierte diese nimm viermal, so hast btt die
fünfte diese nimm fiinfundzwanjigiiial, so hast
du die sechste diese nimm Hundertfünfund
zwanzigmal, so hast du die siebente. Die An
fangsbuchstaben dieser Zahlen bilden die Namen
der ersten Menschen. Welches sind diese Zahlen?
LiM" Für die richtige Auflösung dieser Aufgabe
sind drei Preise ausgesetzt, nämlich drei Exemplare
e s e i n s i e v e s u e A u s o u n
e k a o i s e n e i i o n i n E n a n
Diese drei Preise werden am 18. Dezember unter die
Bewerber ausgeloset werben. Die Auflösungen mils
sen also bis dahin in unfern Händen sein.
Auflösung der Aufgabe No. 10.
Der jünaste.Sohn erhält $2,400 bit
älteste $2,700.
Richtige Auflösungen der obigen Aufgabe
wurden ««gesandt von George E. Stall, Tin»
cinnati, £., B. Gerwels, Dayton, £., I. A.
Sloneker, Trenton, O.
Irdisch uud Ueberirhisch.
2. Enthaltsamkeit. Rosa von
Lima hatte schon als Kind den Genuß
aller der Früchte, die in so großem Wohl
geschmack in Peru wachsen, sich unter
sagt sechsjährig pflegte sie dreimal in
der Woche nichts als Brod und Wasser
zu kosten seit ihrem fünfzehnten Jahre
aber hatte sie den Genuß des Fleisches
völlig aufgegeben. Sie kam bald dahin,
daß wenn man in Krankheiten sie mit ir
gend einer ausgesuchten Speise erquicken
wollte, man sie sogleich in Lebensgefahr
brachte während ein Bischen Arodes,
in Wasser getaucht, sie bisweilen plötzlich
wiederherstellte, Sie hatte, besonders in
ihrer späteren Lebenszeit, das Jahr also
sich eingeteilt, baß sie von Kreuzerhö
hung bis zur Auferstehung sieben Mo
natc hindurch nur einmal des Tages
Brod und Wasser zu sich nahm vorn
Beginne der Fasten an aber auch sich das
Brod entzog, und nur von Pomeranzen
ketnent, jeden Freitag sogar nur fünfen
an der Zahl spärlich lebte die übrige
Zeit aber so wenig aufbrauchte, daß, was
sie in acht Tagen verzehrte, kaum für Ei
iteit zureichend schien. Einst hatte sie
mit einem, und zwar ziemlich kleinen
Brode, und einer Flasche Wasser sich 15
Tage lang genügt ein andermal diesen
Zeitraum ohne einen Tropfen Wasser
zugebracht. In ihrer letzten Lebenszeit
pflegte sie Donnerstags in ihrem Betzim
mer sich einzuschließen, und verweilte in
ihm drei Tage lang bis zum Sonntage,
ohne zu essen, zu trinken oder zu schlafen,
in einem Winkel sich im Gebete haltend
unvermögend sich zu rühren, oder einen
Augenblick auszustehen. Nicht zufrieden
also aufs Einfachste und Spärlichste sich
gesetzt zu haben, war ihr auch noch die
Lust im Genüsse- dessen, was sie sich ge
gönnt, ein Anstoß und sie gebrauchte
daher bittere Kräuter aller Art, besonders
die Blatter der Passionsblume, um der
Speise diesen Reiz zu nehmen während
sie nicht kühles sondern meist heißes
Wasser trank. Und es war ein Wunder,
daß sie von dem Fasten mehr Kräfte zu
erhalten schien als voy der nahrhaftesten
Speise.
Eben so war es um Lidwina von
Schiedam bestellt. Sie erkrankte 1395
zuerst an dem Uebel, das sie 33 Jahre all
die übrige Zeit ihres Lebens getragen,
und in den ersten neunzehn Jahren die
ser Krankheit war all ihre Nahrung etwa
ein Apfelschnitz, von der Dicke einer Hd
stie, wie man damals sifzu backen pflegte
öder etwas weniges Brod mit einem
Schlucke Bier bisweilen etwas weniges
süßer Milch. Als sie bei zunehmender
Schwäche dergleichen nicht nehr genie
ßen konnte, gebrauchte sie sich während
einiget- Jahre des Weines, bis zum vier
ten Thcifc einer holländischen Quarte
anfangs ohne Beimischung, später mit
Zusatz von Wasser. Bisweilen nahm sie
etwas Zucker, Zimmet, Datteln oder
Mnscaten. Als ihr später auch das
versagt war, nahm sie statt Speise und
Trank, bloßes Wasser den vierten Theil
einer Maaß die Woche über und zwar
aus der vorüberfließenden Maaß ujjd
so fein und rege war ihr Geschmack, daß
sie unterschied, ob der Strom im Vor
gang ober der Fluth wegen im Rückfluß
sei bieser feine Geschmack aber schien
ihr bett bes besten Weines zu übertreffen.
Vom ueuzehnten Jahre ihrer Krankheit
an nahm sie keinerlei Art von Speise
mehr zu sich sie selbst hatte im Jahre
1422 gegen einige sie besuchende Brüder
geäußert, wie sie nun seit acht Jahren
aller Nahrung sich enthalten und seit
zwanzig weder Sonne noch Mond ihrer
Krankheit wegen gesehen, oder die Erde
mit einem Fuße berührt.
Joseph Eopertino hatte als Priester
fünf Jahre lang kein Brod gegessen und
zehn Jahre hindurch keinen Wein getrun
ken, sondern sich mit Kräutern, gedörrten
Früchten oder Bohnen begnügt, die er
zuvor mit dem bittersten Pulver bestreut.
Das Kraut, das ihm an den Freitagen
zur Speise diente, war so übelschme
ckend und eckelhaft, daß einem seiner Mit
brüder, der es nur mit dem äußersten sei
ner Znng berührte, sogleich der Magen
sich umkehrte, so daß er mehrere Tage
lang ohne Grausen nichts zu sich nehmen
konnnte. Seine Fasten waren beinahe
immerwährend, weil er zur Nachfolge fei
nes Ordensstifters, des heiligen Francis
cits, sieben verschiedene vierzigtägige Fa
sten hielt mit solcher Strenge, daß er,
die Sonntage und.Donnerstage ausge
nommen, selbst oft ohne die geringste Er
quickung vorübergehen ließ. Daher
konnte sein geschwächter Magen die
Fleischspeisen, von denen er einmal ans
Gehorsam genossen, nicht bei sich behalt
ten ja sein Schlund zag sich bisweilen
so enge zusammen, daß er schwerlich was
immer für eine Speise zu sich zu nehmen
vermochte.
Man darf nichtglauben, wie der Dün
kel der gegenwärtigen Zeit sich einbil
bet, der Zweifel an solche Erscheinungen
sei, beider übergroßen Leichtgläubigkeit
früherer Geschlechter, einemkommenden
in Aufklärung überklugen aufbehalten ge
blieben. Zu aller Zeit hat der Verstund
gefühlt, daß durch dergleichen der sichere
Boden, den er vorher unter sich gewußt,
wankend geworden und hat daher, bei-,
embringenben Unverstänblichkeit so lange
als möglich sich ertvehrenb, alle Mittel,
die ihm Gott gegeben, aufgeboten um
möglicher Täuschung auf den Grund zu
sehen, und Inur der Evidenz und selbst
dieser oft untuillig hat er sich zuletzt ge
fügt. So hatte der Bischof Hugo von
Lincoln im Jphre 1225, als die Nachricht
an ihn gekommen in Leicester lebe eine
Nonne, die seit sieben Jahren keine Speise
zu sich genommen und nur durch jene
höhere Speisung, die sie alle Sonntage
genossen, das Leben sich gefristet, der Er
Zählung keinen Glauben beigemessen, und
ihr fünfzehn Eleriker gesendet, die fünf
zehn Tage lang unablässig sie im Auge
hielten, und wie sie in all dieser Zeit ohne
irgend eine andere Nahrung zu genießen
-doch immer bei Kräften sich erhalten, und
ihr Antlitz lilienweiß mit Rosenröthe
Überflossen geblieben, da hatte er erst sich
überzeugt erklärt, beides wie es einem

e s e s s e n e i t. Ei-

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