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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 16, 1874, Image 2

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2. Ohio Wtlisenfremld.
Heirath in die Stadt.'
Und ich -sage dir Nöse, es ist dein
Unglück, daß du den Schlosser nehmen
willst, sprach der Bauer Herbert Kronau
3U seiner vor ihm stehenden Tochter
„Und ich lcid's nicht!" fuhr er sort und
schlug dabei mit der Faust auf den Tisch
daß der Bierkrng mit dem silbernen De
ckel, der vor ihm stand, nur so klirrte
Nöse sagte nichts auf die Worte ihres
Vaters sie hielt sich den Zipfel ihrer
Schürze vor das eine Auge und zeichnete
mit dtm Zeigefinger der andern Hand
Kringel auf den Tisch, an welchem ihr
Vater saß aber ihre Unterlippe war tro
tzig aufgeworfen, und das eine Auge, das
man sah, schien eher vor Aerger zu fuukelu
als in Schmerz über das Verbot des
Vaters in Thränen zu schwimmen.
Hinten saß die Mutter in einem hohen
Lehnstuhle und hatte gesponnen, als
aber ihre Tochter ihr mittheilte, wie sie
gesonnen sei, den Franz zum Manne zu
nehmen und dazu den Segen ihrer El
lern erbat, hatte sie erstaunt das Spinn
rad zur Seite geseht doch schien sie über
die Gesinnung der Nöse nicht gerade är
gerlich zu.sein.
Dieser Franz hieß mit seinem Zniiamen
Bennig, und war aus Erfurt gebürtig.
Seinem Geschäfte nach ein Schlosser,
war er, als seine Lehrzeit um war, in der
Welt herllmgewandert, und endlich auch
in's Münstersche gekommen wo er in
einem Nachbarstädtchen Arbeit fand.
Sein Meister holte eine größere Arbeit
im Dorfe, woselbst Kronau geboren war,
übernommen, und so kam Franz dahin,
und verblieb mehüere Monate dort.
Es war ein schmucker Bursche, wußte
lustige Schwanke zu erzählen und mitzu
machen, an Sonntagen war er städtisch
gekleidet, und des Abends imWirthshnnsc
sang er Lieder aus Opern, bald lustig
und bald rührend, und wenn getan
wurde, war er ein unermüdlicher Tänzer
Die Nöse war ein schmuckes, jugend
frisches Mädchen, mit schalkhaften Augen
und kirschrothen Lippen, und der galante
Erfurter gefiel ihr, wenn sie ihn mit den
Bauernburschen des Dorfes verglich, recht
wohl. Der hatte das denn auch bald
herausgefunden, und rasch sehr reelle Ab
sichten gefaßt,. denn das Mädchen hatte
Batzen, sie war eine einzige Tochter,
und man schätzte den Bauen, Kronau
als einen Mann der seiner Nöse eine
hübsche Mitgift geben könne und werde
denn er hatte vier Pferde im Stalle,
zwölf Kühe und das dazu nöthige Ge
lande, das in anderu Gegenden der prcn
ßischen Monarchie schon ein Rittergut
hätte genannt werden können. Aber der
westphälische Bauer hält zäh/ an den
Überlieferungen seiner Väter die Kro
nan's waren Bauern gewesen seit Men
schengedenken, und ein wohlhabender
Bauer zu sein, der frei und stolz aus sei
nem Lande wirtschaftete, das war denn
auch das Streben Herbert Kronan's
Wesen, und er hatte denn auch das Erbe
seiner Väter nicht verschleudert, sondern
es durch seiner Hände Arbeit früh und
spat redlich gemehrt. Das prachtvolle
'Bauerngut einem Schwiegersohn zu über
geben, ,der seine Röse gern hatte, und
dachte wie.er, das wäre sein Höchstes ge
.Wesen, Er hätte sich dann mit angemes
senem Vorbehalte mit seinem Weibe in
die wohlverdiente Nnhe gesetzt, und wäre
im blauen Sonntagsrocke mit den lan
gen Schößen und aus der kurzen Pfeife
'mit dem Holzkopfe und schwerem Silber
Beschläge dampfend, hinausgegangen
auf das Feld, um den Arbeitern nachzu
fehch und zu sorgen, daß nichts versäumt
wurde. Das schien ihm das würdigste
Alter zu sein, nachdem er in seinen jun
gen und männlichen Jahren Fleiß und
Damit trank der Bauer sein felbstge
brautes Bier .aus, klopfte feine Pfeife
zum Fenster hinans, und erklärte mit
Entschiedenheit, es sei jetzt Zeit um Schla
fen zu gehen. Die Röse suchte ihre Kam
mer auf und die Eltern blieben noch bei
sammelt, um die Geschichte nochmals zu
besprechen denn die Mutter stimmte in
dieser Beziehung nicht so ganz mit beti
Ansichten ihres Mannes überein.
Und richtig, die Röse setzte es mit ihrer
Mutter durch. Vier Wochen hindurch
war Mordio in dem sonst so friedlichen
Hanse. Allabendlich gab es Zank und
Streit und der weibliche Theil der Haus
geiwssenschafl ging mit Thränen in den
Äugen, Herbert Kronau aber mit ärger
lichen Worten auf der Zunge, zu Bette.
Aber so heftig sich auch Kronau geberdete
und so wenig activen Widerstand Röse
und ihre Mutter ihm entgegenzusetzen
vermochten so furchtbar fest leisteten sie
passiven Widerstand, und wenn auch
Kronau fest dabei blieb daß der Mann
das Haupt sei, so bewies seine Frau, daß
am letzten Ende die Frau der Hals sei,
der ias Hanpt da und dorthin dreht.
Genug, Kronau ließ sich erweichen der
Schlosser Franz Bennig durfte seine
Sache vorbringen und nun war wieder»
Jubel im Hause,• nur der Bauer selbst
schüttelte den Kopf, nnd meinte, die Röse
solle sich wohl im Kopfe behalten, daß er
diese Heirath nicht gewollt sie habe zwar
seinen Segen, denn er fürchte, daß sie
ihn.nur zu .nolhwendig brauche, nnd sie
bleibe doch immer sein Kind aber ihm
solle sie nicht Schuld geben, wenn diese
Heirath ihr zum Uuheile gereiche und
die Röse sagte darauf fchitippig, sie wolle
das nicht vergessen und ihres eigenen
Glückes oder Unglückes Schmied sein.
Da brauche sie sich auch bei Niemanden
zu bedanken und habe Niemanden anzu
flogen
Seitdem waren fast zwei Jahre vor
übergegangen. Die Nöse war Frau
Bennig geworden, und mit ihrem Manne
nach Erfurt gezogen. Dieser hatte mit
dem Gelde der Nose sein Geschält ange
fangen, und da er fleißig und geschickt
war, und Überbein Geld hatte, so kam
auch sein Geschäft bald so weit' tu die
Höhe, daß es alles abwarf was man
zum Leben brauchte, und wenn es so fort
ging, wohl auch noch etwas mehr. Nöse
schwamm denn auch in einem Meer von
Freude nnd schrieb nach Hanse, wie es
ihr gefalle nnd wie es ihr so gut ginge.
Allmählig jedoch änderte sich der Ton,
es flössen dann und wann auch bittere
Bemerkungen.ein, wie einige Verwandten
ihr vorwerfen wollten, daß sie vom Lande
iet, und sich nicht .in der Stadl zn be
nehmen wisse, dann kam die Nachricht
daß ihr Mann das Geschäft vernachläf
jige und mit feinen Verwandten gegen sie
zusammen halte. Die Mutter holte dabei
einen tiefen Seufzer und der Vater klopfte
pot Aergers eine Pfeife in die Swbe aus.
Schweiß nicht gespart hatte. Hierauf kam lange gar feine Nachricht
Und jetzt wollte seine Tochter einen und endlich schrieb Be»mig, seine Frau
Mann aus der Stadt, sie wollte von'habe einen gesunken Buben bekommen.
ihrem Dörflein wegziehen, in Umgebun
gen, die sie nicht kannte,- unter Leute,
von denen sie nichts wußte. Das machte
deu Bauer ärgerlich und es ging ihm
nahe.
„Ich leid's nichtwiederholte er noch
einmal, „es thut' nicht cjitt, menu ein
Banerukind in die Stadt heirathet, sie
wird hililenangesetzl, und gekränkt und
weil sie nicht städtisch scherwenzeln kann,
so wird sie von ihren Sippen schimpsirt
und man schämt sich ihrer."
„Das thut aber der Franz iiicht!"
„Das thut er auch um die Thaler
thut er Dir schön, nnd wenn er diese hat,
dann ist's vorbei mit dem Schönthun.
Ich Hab' darin meh^Erfahrnng wie Du,
nnd ich leid's nicht!"
aber sie sei schwer front nnd das koste
Alles in der Stadt entsetzlich viel und
der Alte möchte doch mit einigen hundert
Thalern herausrücken.
Die Mntter machte sich dann auch mit
einem Säckchcn harter Thaler aus den
Weg, um selbst nach Erfurt zu gehen
allein als sie nach vierzehn Tagen zuriirN
fehrte, lauteten die Nachrichten die sie
mitbrachte, nach viel trostloser als die
Nöse geschrieben. Franz war ein com
pleter Lnmp geworden es war ihm von
Anfang nur um das Geld zu thun gewe
sen, und als er mit seiner Frau nach.Er
furt gekommen, brachten bald seme Ver
wandten ihm die Ansicht bei daß die
Bauerndirne /froh sein müsse, in die
Stadt zn ziehen und daß die Ehre der
städtischen Verwandtschaft nur dadurch
belohnt werden könne, daß sie mit ihre»
Thalern herausrücke., Die Nöse wollte
sich aber das Regiment In ihrem Hause
nicht nehmen lassen, und nun ging es
mit neuer Zungenfertigkeit' Über die
'dumme G«ns vom Lande her, daß Nöse
sich hundertmal nach ihrem stillen
che» zurücksehnte.
Herbert enthielt seinem Weibe durchaus
nicht seine Meinung vor,' daß sie Mit
schuld habe an dem Unglück Nose's und
seine Fran konnte ihm darin nicht wider
sprechen. Sie konnte nur weinen, wäh
rend der Bauer ziemlich vernehmlich
brnmmte. Es waren harte Tage.
Da klopfte es eines Abends spat an
der verschlossenen Hansthüre. Bauer lind
Bäuerin lagen schon zu Belle, und nur
die Viehmagd war noch ans und schaute
noch im Stalle nach den Kühen. Sie
hörte endlich das Klopsen- und schlurfte
in' ihren dicksohligen Schuhen mit der
Laterne in der Hand über de.n Hausflur
um zu sehen, wer da sei.
Darüber war auch Herbert erwacht,
lind hörte Plötzlich draußen laut rufen
„Ach du meine Güte, die
„Frau!" rief Herbert, sein Weib ab
stoßend, ,steh ouf. die Nöse ist da.!"
Hastig rafften sich die beiden" Leute
empor, und in der That, es wardie Nöse.
Aber wie sah sie ans.? ... .,
Todtbleich und matt vdn der kaum
ilberstandeneil Krankheit Tam^sie'^vänken
den Schrittes 'in das Zimmer ihrer be
stürzten Eltern. Sie war ans der Eisen
bahn bis nach Münster gefahren und
hatte die anderthalb Stunden, .die sie noch
voil ihrem Vaterhause entfernt war, zu
Fuße zurückgelegt. Sie war fast ärmlich
gekleidet, und mußte über de.» Weg viel
geweint haben, denn man sah ans ihrem
Gesichte noch die Spuren* der Thränen,
und das Haar hing ihr wirr lim den
Kops. In ihren Armen trug sie in ein alles
wollenes Halstuch eiligeschlagen, ihr Kind,
das an ihrer Brust eingeschlafen'lö.ä.r"
(Schluß folgt.)
E i n e e u e A o n n e i i n
3)o§: Londoner Journal „The Preß and
St. Jaines's Chronicle" besitzt eine Abon
neivtin, die wohl die constanteste Z^itungs
leserin nicht nnr Londons sondern der
ganzen Welt sein dürfte. Es ist dies eine
Dame, die bereits im Jahre 1794 a using,
das genannte Blatt zu lesen, und die es
seit jener Zeit mit Ausnahme eines ans
dem Kontinente'verbrachten Jahres regel
mäßig gelesen hat. „Aus zunehmender
Gesichtsschwäche laßt sie dem Heraus
geber melden kann ich Ihr Blatt jetzt
nicht mehr lesen ^-aber ich lasse mir den
größeren Theil einer jeden. Nummer des
selben vorlesen. Ein eigenthümlichesDing
meint die Presse" für Jemanden zu
schreibe!, der aufiug, Zeitungen zu lese»
in demselben Jahre, als Windham für
für das Kriegsdepartement in Pitt's Mi
nisterium eintrat, als Bonaparte eben
General geworden war, ualH Hivhespierre
guillotiiljrt wurde, Nelson-bei Kairo sein
rechtes Ange verlor. Arthur Wellesley
noch nichts für die Unsterblichkeit gethan
hatte,. Byron und Peel 6 Jahre und die
„Times" mit ihnen vom gleichem Aller
war, als Pins der Sechste Papst und
Hye Poeta laurealus und George, Prinz
von Wales nech nicht verheirnthet war
Das ,6t. James's Chronicle' bestand
1794 seil 33 Jahren,^ und sein berühmte
stör (nnd wahrscheinlich anch sein erster)
Herausgeber war Niemand Geringerer,
als Dr. Sam»iel Johnson, der gerade
10 Jahre vor dein Zeitpunkte starb, als
die älteste jetzt noch lebende Abonnentin
ihr Augenmerk ans die' Spalten seines
Blattes zn lenken begann.
V o e i n e n a e n k a e i n
kleines Mädchen in einen Barbierladen in
Georgetown bei Washington, und wollte
dem Barbier, ihr schönes langes Haar
verkaufen, um durch den Erlös in den
Stand gesetzt zn werden, Nahrungsmittel
für ihre kranke Mutter zu kaufen. Der
Barbier bot ihr PI0 und sie war gerade
im Begriffe, sein Anerbien anzunehmen,
als ein Herr, der zufällig anwesend war,
ihr $100 bot. Das Mädchen hüpfte
vor Freude, als der Herr ihr das Geld
einhändigte dieser nahm die S cheer e und
schnitt eine einzige Locke ab. Die Freude
des Kindes über die seiner Mutter gewor
dene Hülse ist nur übertroffen durch das
Bewußtsein einer edlen Thal, das dem
Wohlthäter in diesem Falle stets.bleiben
wird.
fr
S e s i n 0 i n e n V e S a a
ten. In der letzten Zusammenkunft des
New Porker Vereins für gerichtliche Me
dian machte D. Q'Dea die Mitteilung,
daß die Zahl der Selbstmorde hierzulande
in den vergangenen zehn Jahren um 50
Prozent zugenommen hat. Als besondere
Ursachen des Selbstmords führt er auf
erbliche Einflüsse, Erziehung-, Liebeskum
mer, Literatur, häuslicher Zwist, Trun
kenheit, finanzielle Verluste und Verle
genheiten, Beschäftigungsweise, Wohn
yxt, Nachahmung, Nasse, Nationalität!
und endlich atmosphärische. Einflüsse.u v(:
I
n N
i s i n Sun ^Jnd., ereig-'
it etc sich dieser Tage eine komische Scene.
Ein Mitglied der' dortigen Methodisten
kirche ließ während! des. Gottesdienstes
sein Gebetbuch fallen und als er sich
bückte, um.dasselbe auszuheben, siel'ans
seiner Seitentasche eine noch zu zwei
Drittheilen gestillte Pintflasche mit
Whisky klirrend zur Erde und das „Cru
sade Wasser" floß über den „geweihten
Boden." Der Mann war als'entschiede
ner Temperenzler bekannt. Ersuchte sich
durch die Behauptung zu- rechtfertigen,'
daß er öfter an.Kolik leide. ,]
e n e k ö n V i o
E a n u e hat seit 1873 ans seinen Pri
v a i e n 5 0 0 0 0 0 a n k e n w i e
i e e und für 45, sage fünsundvier
zig Franken Bücher gekauft, Das ist'
jedenfalls traurig^ für -den armen Hof-/
buchhändler. V"'''
I n i i e n k e i n e n o i e
fand vor Kurzem Schnlexamen statt. Der
Lehrer bespricht mit den Kleinen die von
den, Heilande an de» Gebrechlichen getha
neuen Heilwunder. Nachdem er bemerkt
hat, daß der Herr Jesus die Lohnten ge
hend und die Blinden sehend gemacht
habe, fragte er einen Knaben „Und was
hat er denn mit den Tauben gethan
„Die ließ er stiegen/' antwortete -Nr
Knabe. i
e i s e n e n A e n e
einer 5t. Louiser Zeitung, der kürzlich
nach Kansas ging um rückständige Süb
scriptionsgebühren einzutreiben, offerirte
ein Abonnent auf Abschlag zwei geräu
cherte.Heuschrecken-Schmken. Zum Mit
tagessen wurde ihm eine Heuschrecken-Fri
kassee vorgesetzt. Der Agent meint, Ka#
sas sei für Leute feines Schlages in die-
sem Zahre iein sehr ergiebiges Feld.

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