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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 16, 1874, Image 5

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test ihm doch gegen seinen Kittel -deinen
Rock wuschen können
'Da klopfte es und der Bettler trat her
ein nnd sogleich fiel' dem Barmherzigen
ein Stein von der Brust, uud er rief:
»»Höre, Alter, du kommst mir gelegen
Wir wollen einen Tausch machen Mein
langer Nock hindert mich recht bei der Ar
beit ich will dir ihn gegen deine Jacke
geben Du kannst ihn besser brauchen als
ich
Der Bettler lächelte und sagte Schö
neu Dank für Euren guten Willen, ich
habe aber heute schon ein Rock geschenkt
bekommen. Wollt Ihr aber diese Nacht
über mich beherbergen, so thut Ihr mir
einen großen Gefallen!" :„,Geru,
gern,"" rief Jener, „„du bleibst bei mir,
ich will ans der Ofenbank schlafen, da
schlaf ich so am liebsten lege dich in mein
Bett
V"
Das liefe sich der Bettler' gesal-
len, und schlief sanft in dem weichen Bett,
während der Barmherzige auf der harten
Oseubänk schlief.
AmMorgen war der Bettler verschmun
den, und hatte nicht einmal „Gott ver
gelts" gesagt. Der Barmherzige aber
meinte:. „„Der arme Mannhat gewiß
noch einen weitenWeg vor sich, er dauert
mich, das ich ihmnicht erst eine Biorgen
snppe habe kochen können, ich hätte nicht
s o a u e s a e n s o e n
Wie er nun sein Bett machen wollte,
konnte er die Decke kaum aufheben, so
schwer war sie und als er schüttelte
klingelte es seltsam, uud auf einmal zer
riß sie, und lauter blanke Thaler rollten
auf den Boden.
Da machte der Barmherzige große Au
gen und rief „„Das war ein souderbare
Gast! Aber lieb ist mir's, daß er mir
das schöne Geschenk gemacht, denn meine
Arm
nth hat mich doch oft recht gedrückt!
Nun soll ein herrliches Leben geführt
werden Das herrliche Leben bestand
jedoch darin, daß der Barmherzige nicht
mehr wartete, bis ein Armer ihn um eine
Gabe ansprach, sondern die Armen in
ihren Hütten aufsuchte, um.ihren Hilfe zu
bringen.
Als der Hartherzige von dem unver
hofften Glücke seines Bruders hörte, be
suchte er ihn einmal wieder und ließ sich die
wunderbare Geschichte erzählen/ „Ei,"
dachte er, „wenn es Bettler gibt die so be
zahlen, da lohnt sich's schon, solch' Lum
pengcsindel zu beherbergen Mein Bruder
ist ein feiner Fuchs! Es freut mich, daß ich
hinter seine-Schliche gekommen bin
Als der Hartherzige nach Haus kam,
machte er seinem Plan und ließ ein großes
Haus bauen und und mit goldenenBuch
staben, die drei Ellen lang waren, daran
schreiben:
„Gasthaus für Bettler!
Alles umsonst!"
Das Haus aber lag vor der Stadt an
der Landstraße, und er dachte: „Den
Goldvogel will ich fangen! Hab' ich ihn
erst, dann muß er der Reihe nach in allen
hundert Betten schlafen! Dann bekomme
ich Gold Genug:"
In dem Gasthause wurde es bald le
bendig. Von allen Seiten kamen Arme
Und kehrten ein ließen sich speisen und
tränken, und schliefen in den weichenBet^
ten: „Alles umsonst!"—
Als aber die Kassen des steinreichen
Mannes leer waren, und er sich vor sei
neu Gläubigern kaum mehr treten konnte,
kam endlich der alte Bettler mit der zer
rissen ett Jacket
Da machte der Hartherzige einenFreu
densprung uud rief: „Nur herein guter
Freund Alles umsonst!"
Der alte Bettler aber schüttelte mit
dem Kops, und sagte: „Alles um
ion st!" und ging vorüber.—
am
Bei Erkältungen sollte immer sobald
sobald als möglich Dr. August Kö
nig' s a bu e u st e e an
gewendet werden.
Die katholische P.rcsse.
Die Zahl der deutschen katholischen Wochen
Matter wird mit dem Anfange des neuen Iah
wei wieder um eins vermehrt werden. Dasselbe
wird in Detroit, Mich., erscheinen und den
Titel:' „Die Stimme der Wahrheit" führen.
Die Heren I. B. Müller und ($. Andries sind
die Herausgeber und Eigenthüiner des neuen
Blattes. Wir wünschen dein neuen Unterneh
men Von ganzem Herzen den besten Erfolg.
Wenn auch' früher schon Stimmen laut gewor
den sind, welche die Befürchtung aussprachen,
das wir zu viele Wochenblätter bekommen wür
den, so sind wir diesen gegenüber ganz der
entgegengesehen Ansicht. Es ist nicht ujnthlucn«
big) daß einige wenige katholische Blätter den
ganzen immensen Raum der Bereinigten Stimm
ten bedecken, sondern wir halten es für besser,
daß das Terrain ans viele Zektungeu vertheilt
werde. Erst wenn jede Diözese im ganzen
Lande ihre eigene deutsche und ihre eigene eng
tische Zeitung besitzt, erst dann werden wir sa
gen,* es sei nun des Enten gei.ug gethan. Wir
Katholiken stehen noch immer hinter den Sekten
Zurück im Zeitnngswesen und wir begrüßen da
her jeden Fortschritt in dieser Richtung mit
.Freuden.
Außer dieser deutschen katholischen Zeitung
wird auch ein neues englisches katholischesBlatt
angekündigt, und zwar von der Hauptstadt un
seres Staates Ohio, von Columbus ans. Das
neue Blatt erhält, den Titel:
THE CATHOLIC COLUMBIAN
und wird pnblicirt van der Columbian Druck
Gesellschaft. Das Blatt wird zugleich das of
ficicllc Organ der Diözese Columbus. Wir
begrüßen dieses Unternehmen ebenfalls mit
Freuden und wünschen dem Blatte den besten
Erfolg.
—E i 11 o,,r i ii e e S ch w i n e
wurde kürzlich in Detroit, Michigan, ver
übt. Ein dortiger Kaufmann wurde näin
lich von einem Unbekannten ersucht, ihn
an das Sterbelager eines Herren zu be
gleiten, der ihm eine wichtige MitlHei
lung zu machen habe. Nur ungern will
fahrte der Kaufmann diesem Verlangen
und nahm von dem ausfallend munter
aussehenden Todes-Candidaten das Ge
ständniß entgegen, derselbe habe ihn in
St. Joseph. Mo., wo der betreffende
Kaufmann im Jahre 1857 ein Schuh
und Stiefel Geschäft besessen, um ein
Paar Stiefeln nnd eilte Mühe
zusammen im Werthe von ca. acht Dol
lars bestohlen. Nicht aber als bis er von
ihmVerzeihuug sür sein^Vergehen erlangt,
könne er ruhig sterben, jedensalls aber
müsse er fünfzehn Dollars, als Werth
der gestohlenen Sachen mit Zinseszins.
von dem Rcuiaeu annehmen. Der Kauf
mann konnte sich zwar nicht entsinnen,
jemals um ein Paar Stieseln und eine
Mütze bestohlen worden zu sein, war je
doch von der seltener Reumüthigkeit des
Sterbenden so gerühmt, daß er ihm vollste
Verzeihung zusicherte. Anfangs sträubte
er sich, die osferirten fünzehn Dollars an
zunehmen erst als der Sterbende mit
verhaltenem Schluchzen wiederholt er
klärte, er würde seinen Todeskampf durch
seine fortgesetzte Weigerung nur verlän
gern, ließ sich der bis zu Thräuen ge
rührte Kaufmann erweichen, eine ihm
vom Freund des Sterbenden präsentirte
$100^Note anzunehmen. Leider hatte der
Kaufmann nur $56 in de* Tasche, doch
erklärte der Freund sofort, er solle nur
die $100=Notc dem Sterbenden zu Liebe
nehmen er werde sich später den Rest
von $29 bei ihm abholen. —'Vergebens
wartender Kaufmann Stunde umStunde
auf die Rückkehr des Freundes und un
tersuchte, mißtrauisch geworden, endlich
die bewußte $100 Note, welche bei Em
pfang genau zu prüfen sein von Thränen
getrübtes Auge nicht vermocht hatte, um
zu entdecken.—daß dieselbe ein angezeich
netes Falsisicat sei. Sofortige polizeiliche
Nachforschungen ergaben,_ daß beide
Schwindler, nachdem selbe ihr Gewissen
und die Börse desKaufmannes erleichterte
spurlos verschwunden waren.
Bei den in Koblenz stattfindenden
Gerichtsverhandlungen erreignetc sich
einst folgender
komische Fall, EincmGuts-
besitzer waren 15 Hammel gestohlen wor
den* die er jedoch glücklicherweise noch,
lebend bei. einem dortigen Metzger wie
derfand, und da dieser den Verkäufer der- 1
selben tin ihn nachwies sich auch noch
mehre Anzeichen ergaben, so ließ das Ge
richt den nahmhaft gemachten Verkäufer
verhaften und die Hammel in gerichtlichen
Verwahr nehmen. Da der Angeklagte be
stritt daß diese fraglichen Hammel die
dem Gutbesitzer gestohlenen seien, so erbot
sich letzterer, den Beweis dafür sogleich zu
liefern. Unter den gestohlenen Hammeln
sei nämlich auch der sogenannte Leitham
mel, den sein Schäfer ausgezogen habe
und der Letzterem auf den Zuruf,, Kläs
chen" folge,' während er auf den Ruf je
des Dritten, selbst seines des Eigen
thinners, gar nicht höre. Er habe des
habe seinen Schäfer mitgebracht, nnd da
die Hammel vor dem Gerichtslocale im
Freien sich befänden, so möge der Ge
richlshof sich nur dahin begeben nnd
sich durch de
ii Augenschein überzeugen.
Auf Einladung des Präsidenten verfüg
ten sich nun Richter nebst Geschworenen,
Verteidigern und dem Angeklagten auf
den Schloßplatz, wo die Schafe waren
nnd der Präsident den Bestvhlenen sowie
noch andere Personen dem Hammel mit
dem erwähnten Namen zurufen ließ, ohne
daß sich einer der Wolleträger auf den
Ruf gerührt hätte: als nun aber der
Schäfer aufgefordert rief „Kläschen,
kennst dn mich nicht mehr! Kläschen,
komm doch, zu mir!" horchte der Hain
nie! sogleich auf und im Nu sprang er
auf den Schäfer zu, setzte ihm die Vor
dersiiße auf die Schultern und schmeichelte
und koste ihn wie einen alten Bekannten.
Wahrhaft komisch war nun der Anblick,
wie die übrigen Hammel, als Kläschen
nach dem Schäfer zulief, diesem in groß
ter Eile nachrannten. Nach geschlossener
Verhandlung sprachen die Geschworenen
das „Schuldig" aus und der Gerichtshof
vernrtheilte den Beklagten zu fünfjähriger
Zuchthausstrafe.
Eiu .Jüngling ging über Land, da
begegnet ihm ein Schiffsinann und sie
sprachen von allerhand Sachen. So ka
inen sie auf ihre Eltern und der Schiffs
mann erzählte: In diesem Jahre ist mir
mein Vater ertrunken und fünf Jahre
sind es, daß meim Großvater ertrank.
Der Jüngling sprach: so wollt' ich kein
Schiffsmann bleiben. Fürchtest du denn
nicht, tu eil n du in deinem Schiffe bleibst,
auch zu ertrinken? Der Schiffsmann
sprach: Sag' mir, wo ist dein Vater ge
starben Antwortet jener: er ist im Bett
gestorben.— Und wo ist dein Großvater
gestorben?— Er ist auch im Bett gestor
ben. „Also," sprach der Schiffsmann,
„fürchtest dn dich denn nicht, wenn duin's
Bett ge'st. auch zu sterben?" Das war
eine weise Frag', da wir weder Zeit
noch Ort wissen, wo uns der Tod findet.
Zu London kam zu Zeiten der ehe
maligen Katholikenverfolgung ein junger
Mensch in den Verdacht, daß er nicht al
lein katholisch sei, sondern auch heimliche
Zusammenkünfte undBetstunden in seiner
Wohnung verstattete. Der Friedensrichter
seines Viertels ließ ihn zu sich kommen,
verwies ihm seine Verwegenheit, und nach
einigem Wortwechsel legte er ihm auf,
daß er, um sich von diesem Verdachte zn
reinigen, kurzweg den Papst einen «Schur
ken heißen soÜte. Der Mann versetzte:
„Ich kenne den Papst nicht, wie kann ich
denn einen Menschen schimpfen, den ich
in meinen Leben nicht gesehen habe. Wäre
mir aber der Papst so gnt bekannt, als
Euere Herrlichkeit, so wollte ich ihn wohl
zehnmal einen Schurken heißen."
Keine Wohlthat ist größer, als die des Un
terrichts und der Bildung.
Es ist eine Schande, wenn der Mensch sich
seines Standes schämt.
Schwielen an den.Händen sind ehrenvoller,
als goldene dünge,
Ohio Waifeufrennd. 5
Die Nuinen von Strata Florida,
In wilder Zeit des Krieges führt'
Lord Worcester seine Schaar
Längs eines Klosters Mauern hin,
Das wüst und öde war.
Ephen umschlang dou Hochaltar,
Und wo einst fromm die Mönch gekniet,
Den scheuen Hasen, das slücht'ge Reh
Man sorglos schweifen sieht.
Zum Himmel hob er seinen Blick
Als er zurück ihn wandt,
Sah er ein Weib vor Alter grau
Än der zersall'uen Wand.
„Wohl hundert Jahr die Frau schon lebt,"
Ihm flüstert mau iu's Ohr,
Und wie noch so der Krieger sprach,
Schon wankte sie hervor.
Lord Worcester auf dem edlen Roh
Zum Sattel mild sich neigt,
Zu hören die Stimme der alten Frau,
Die Zeit und Gram gebeugt
Er lauscht' voll Lieb' dem leisen Wort
Verwundert empor er blickt':
„Bewahrtet den alten Glauben ihr?"
Fragt staunend er entzückt.
„Nur ihn bewahrt' ich," sanft sie sprach,
„Von allem, was Gott einst gab,
Durch unsere liebe Frau ich hoff'
Zu wahren ihn bis an's Grab."
„Wo hörtet ihr Mesf', saht Priesterihv,
Die dem alten Glauben treu?
Welch kühner Mönch, welch Jesuit
Stand euch denn tröstend bei?"
„Keine Mess' ich hört', als nur im Traum,
Kein einziger Priester ließ sich sehn
Seit sechzig Jahr und länger noch
In meiner Heimath Höhn.
Doch sprach ich bei Tag und bei Nacht
Die Gebete der alten Zeit
Und kniet' im Gemach, wenn die Glocke klang,
War leer gleich ihr Geläut'.
Ich hoffte, daß irgend Messe war'
Auf weitem Erdenrund
Und schwieg, als des Glaubens köstlich Gut
Verlängnet der Anderen Muntv
Vom neuen Glauben ich keinen sah,
Dess' Leben heilig und rein,
Ihre Lieb' erkaltete schnell, für Gott
Litt Keiner die mindeste Pein.
Und ich hielt meinen Glauben fest.
An die sechzig Jahre und mehr,
Und wie ich gelebt, hoff' zu sterben ich
Im Glauben von Alters her
Vielleicht, daß von der Erd er schon
Und aus jeglichem Herzen schwand.
Doch dies ich weiss, daß ich sicher ihn
Bald finde im bessern Laud."
Lord Worcester seufzt, als er faßt ihre Hand,
Tief fühlend ruft er aus:
„O kommt nach Nagland, meinem alten Schloß
Und rastet in meinem Hans.
Ein Priester der alten Kirche bringt
Das heilige Opfer dar,
Und Ostern hoff' ich euch zu sehn
Dort knieen am Altar."
Die Hand, die er hielt, zittert' lciS,
Ihr Antlitz war todtenbleich,
Und sie neigte das Haupt vor Freude stumm,
Schon jetzt in der Hoffnung reich.
Gar bald sie weilt' in den Hallen der Burg
Andern Morgens war Mess' allhie.
Doch des Priesters Meßgewand war schwarz
Eine Todtenmesse war sie.
Zu groß war die Freude, die Hoffnung zu jah,.
Daß plötzlich die Saite sprang,
Die an's Leben gefesselt den freien Geist,
Der nun zuut 'Himmel sich schwang.
Die Seel', die den Glauben so treu bewahrt,
Sucht irdischen Tempel nicht mehr,
Doch der Frommen Leib, die vor Freude starb,
Bracht' zum Altare man her.
Und knicend dort bei der starren Gestalt
Lord Worcester sprach voll Schmerz:
„Starb dann vor Freud', dies theure Weib,
Und hub-sie sich himmelwärts
Als eben Gott zu dienen sie kommt
Im armen ErdenhanS,
Wie froh wird fein ihr Gottesdienst,
Wo naht kein Todesgraus!
9
A n s i e s e i i n w i e
gemeldet :°„Der Verkauf der dem Bischöfe
neulich abgepfändeten Gegenstände ist bis
auf Weiteres ausgesetzt. Diese? Tage er
hielt der Bischof die Aufforderung, die
wegen Nichtbesetzung der Pfarre Goslar
über ihn verhängte Geldstrafe von 400
Thlru. bei Verimidung von Exekution zu
bezahlen, sowie, die genannte Pfarre bei
Vermeidung einer weiteren Geldstrafe von
600 Thlrn bis zum 1. Dezember dauernd
wieder zu besetzen."
Wer nicht fremde Länder gesehen hat, weiß
feine Heimath nicht zu schätzen.

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