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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 23, 1874, Image 6

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6.. Ohio Wmseufrcuud^
Gemeinnützige Kenntnisse.
Bibelverbreitnng,
finbet durch
geschäftsmäßig organifine Bereine durch
Protestanten in heibnischen, protestanti
schen und katholischen Ländern statt. Die
Protestanten sollen durch das Lesen der
Bibel im Glauben und namentlich in
ihrem Widerspruche gegen bie katholische
Kirche bestärkt, die Katholiken zum Ab
falle von ihrer Kirche bewogen und die
Heiden für das Christenthum, oder besser
für den Protestantismus gewonnen wer
den. Der massenhaften Bibclvertheilting
soll der Gedanke zu Grnnbe liegen, das
Evangelium allen Völkern mitzntheilen
daß aber die angedeutenden Zwecke nicht
erreicht werden können, liegt in der Na
tur der Sache und ist durch die Ersah
rung bestätigt. Der tobte Buchstabe der
Bibel kann nie den in der Kirche lebenden
Geist Gottes ersehen das Wissen um das
Christenthum, wie es aus dem Lesen der
Bibel allenfalls gewonnen werden könnte,
erseht nie den Glauben, nie die sactische
Theilnahme au den Früchten der Erlö
suug, welche die Kirche vermittelt nicht
einmal die Sehnsucht nach den Hcilmit
telu kann geweckt wenden, weil frucht
bringendes Lesen und Verstehen der Bi
bel schon genaue Kenntniß über Gott, Of
feubarung, Ursprung der Bibel und deren
Bedeutsamkeit :c. voraussetzt. Wäre es
im Rathschlusse Gottes gelegen gewesen,
die Ausbreitung des Christenthums durch
Verbreitung der Bibel zu besorgen, so
Hütte vor Erfindung der Buchdrucker
kunst hierfür geradezu nichts geschehen
körnten und doch waren eben vorher die
Missionen allerwärts in voller Blüthe.
Die Täuschung, mit der sich selbst ausle
genden Bibel, oder das jeden Leser der h.
Geist zum Lohne dafür, daß er die Bibel
liest, zum richtigen Verständnisse leite, ist
längst durch die Thatsache der unzählba
ren Scctcn im Protestantismus widerlegt
die alle sich auf die Bibel berufen aber
stets nur ihre persönlichen Anschauungen
und Vornrtheile hineinlesen, und nicht
selten zu Verrücktheit und Wahnsinn fort
gerissen werden. Daß bei heidnischen
Lesern Bekehrungen zum Christenthume
erfolgen, wenigstens in dem Maße der
Anzahl verteilter Bibeln und der ent
sprechenden Opfer wagen selbst protestan
tische.Bibelcolporteure nicht zu sagen er
folgen Bekehrungen, dann haben sie stets
einen andern Grund, sei er gut ober
schlecht, als das Lesen der Bibel. Mil
lioncn Don Bibeln •,wurden bereits an
heidnische Bevölkerungen in Asien, Af
rika, Amerika, Neuseeland vertheilt, die
theiis gar keine Schriftsprache haben,
theils des Lesens unkundig sind, theils
nach ihrem sittlichen Standpunkte, nach
Cnltur und Lebensweise in einem ganzen
Menschenalter nicht im Stande sind, ein
so dickes Buch wie die Bibel ist zu durch
lesen, zu studireu und zu verstehen. Da
her kommt es, daß solche Bibelbeglückte
den Einband bewundern und dann die
Bücher zu ganz anderem Zwecke als zur
frommen Lektüre benützen und die ge
bildeten Mnhammedaner, Chinesen, Ja
panesen, welche ihre hl. Bücher mit eifer
süchtiger Hochschätzung bewahren, spotten
längst darüber, daß Christen ihre Bücher
für heilige Schriften erklären und sie sol
.cher Entheiligung preisgeben. Darum
kann die katholische Kirche nie so rück
sichtslos das Yeilige den Hunden und die
Perlen den Schweinen hingeben und sich
am allerwenigsten zu einer solchen Ver
stümmelung und Mißbehandlung herbei
lassen, wie sie die Bibelgesellschaften in
ihren lieber) etzungen vollziehen. Gegen
die Bestrebungen der Bibelgesellschaften
formte die katholische Kirche nicht nnthä
tig bleiben,- und schon am 3. Mai 1824
warnte Leo XII in seinem Rundschreiben
an die gestimmten Bischöfe-vor dem Trei
bet! der Bibelgesellschaften, ebenso Papst
.Pius VIII. um 24. Mai 18W desglei
chen Gregor XVI. unter -dem 8. Mai
1844 und Pius IX. am [). Nov., 3 846.
Dieses notwendige Einschreiten der
Päpste gegen die offenbare Entheiligung,
Mißhandlung und Fälschung der Bibel
wurde aber der Kirche, dieser von Gott
gesetzten Hüterin der hl. Schriften, von
den Protestanten als Bibelverbot ansge
legt. Man erging sich in Verdachtigun
gen, Vorwürfen, als ob die katholische
Kirche den Gläubigen, die Bibel verbiete,
um denselben ein Bildungsmittel zu ent
ziehen und sie desto.fester an die Autori
tät der Tradition zu fesseln, um dm Kle
rus in seinet. „Anmaßung" zu stützen, als
ob die Bibel nur für Geistliche und nicht
auch für Laien sei. Ja man gab vor,
die Hierarchie fürchte das Bekanntwerden
des Inhaltes der Bibel unter dem Volke,
und entziehe sich demselben. Würde aber
die katholische Kirche die Bibel nicht als
Gottes Wort ehren, sondern gleich den
Protestanten sie jeden heiligen und gött
lichen Charakters entkleiden, lind.sie in
Auslegung und Anwendung der Willkür
jedes Thoren preisgeben, so könnte sie
nicht mit so sorgsamer Ehrfurcht Aus
gaben und Uebersetzungen veranstalten
und sie würde ihrer Pflicht fehle«, wenn
sie nicht vor den Exporteuren der Bibel
gesellschaften warnte, welche nebst ihren
unvollständigen, durch Irrlehren gefälfch
teil Bibeln die wahnsinnigsten und auf
reizendsten Tractätlein -in ungezählter
Menge ausstreuen. v
«ff»
K e w ö e
Znr Gcdächtnisiübung fiit unsere jungen Leser
Blessur, (fr.)' Verwundung.'
echt b.c., (fr.) Einschließung.'
Bomb o st, Wortschwall. Bon
n e,
Wärterin. Bornirt, (fr.) buittm.
Botanik, (gr.) Pflanzenkunbe.
Aufgabe No, 45.
Ich ivar auf betn Markte und kaufte
Aepfel. Ein Freund begegnete mir imb
wollte von beit Aepfeln einen halben
mehr als die Hälfte. Ich gab sie ihm.
Da kam noch ein zweiter Freunb uub
wollte abermals einen halben mehr als
die Hälfte. Ich gab sie ihm. Doch das
sah et» Dritter, der auch tun einen hal
ben mehr als die Hälfte bat. Auch die
fem gab ich nach seinem Willen. Es
wurde dabei kein Apfel zerschnitten. Äm
Ende aber hatte ich noch einen Apfel für
mich zum Essen. Wie viele Aepfel hatte
ich, und wie viele bekam jeder der drei
Freunde?
Auflösung der 1. Preisaufgabe.
Eins
Vier
Acht
Achtzig
Drcihuudertundzwanzig
Achttausend
Millionen.
Daß Vcrzeichniß derjenigen, welche die
Auflösung einsandten und d»s Resultat der Ver
loosung der Preise.finde» die Leser auf Seite 8.
MO o -O»-
Irdisch und lieber irdisch.
4. E i n a tit i k a n if ch E i n
siebter.. Gregorio Lopez war geboren
in Madrid in Spanien im Jahre 1542
hatte in früher Jugend sechs Jahre bei
einem Einsiedler in Navarra zugebracht
dann fanden ihn seine Eltern wieder,
wurde noch Valladolid an den Hos ge
sendet, wo er mehrere Jahre als Page
diente. Als er 20 Jahre alt war, fuhr
er im Jahre 1562 über das Meer und
kam nach Mexico, von da ging er zur
Stadt Zacatecas und dann baute er sich
im Thale Am ajar, mitten unter wilden
uitb grausamen Eingeborenen, eine Hütte,
in welcher er tu großer Geduld und Ar
muth 3 bis 4 Jahre lebte worauf er
später nach dem Laube von Guasteca zog,
und von Kräutern uub Wurzeln, wie sie
bic Erbe hervortrieb, viele Jahre lebte.
Dann hatte er im Hospital von Guaste
pec mehrere Jahre zugebracht bis ihn
eine gefährliche Krankheit nöthigte, nach
Mexico zurückzugehen, in dessen Nähe er
dann bei St. Foi eine neue Ein
siedelei bezog, in der er endlich 1596 ge
storben. In steter Durchübung, die ein
so lange fortgesetztes Stillleben möglich
machte, hatte dieser Mann es zu einer
wunderbaren Herrschaft über sich selbst
zu einer tiefen Innerlichkeit und zu einer
Ruhe und Heiterkeit und einfältigsten
Einfalt in Sammlung und Fassung al
ler Kräfte gebracht die ihren Ausdruck,
wie in Haltung, Wesen und Lebensart,
so auch in der gedrängtesten, epigramma
tischen und dabei immer treffendsten Kürze
seiner Rede gesunden. Er hatte, wie er
selbst gesagt, in seiner Jugend weder La
tein gelernt, noch einigen Unterricht in
den sogenannten liberalen Kenntnissen
genossen aber Alles wurde ihm in seiner
Einsamkeit reichlich ersetzt. Von Jugend
aus war große Begierde in ihm lebendig
gewesen, zum Verständnis der heiligen
Schriften zu gelangen um sich ituit da
zu seinerseits die nöthige Vorbereitung
zu geben, hatte er in Guasteca sich ent
schlössen, sie ganz auswendig zu lernen,
und verwendete min 4 Jahre lang jeden
Tag vier Stunden zur Ausführung die
ses Vorsatzes. In beständiger Einigung
mit Gott sich haltend, erhielt er von ihm
die dazu nöthige Kenntniß der lateini
schen Sprache und so gelang es ihm da
mit bis zu einem erstauitcitswürdigen
Grade. Wenn er irgend einen. Theil der
Schrift itn Spanischen deutete, dattp
schien es den Zuhörern, als sei sie in die
ser Sprache geschrieben er wußte sie
Wort vor Wort so auswendig, daß, wenn
von einer Stelle die Rede war, er sie
sogleich ans dem Gedächtnis citirte oder
ein Anderer irrthümltch etwas vorbrachte,
was in ihr sich finden sollte, aber in
Wahrheit nicht in ihr enthalten war,
oder auch etwas, was wirklich geschrieben
war, anders angab dann wußte er den
Jrrthmn ans der Stelle zu berichtigen.
Er hatte dabei ein solches Verständniß
ihres Inhaltes, daß er die schwierigsten
Stellen mit einer Klarheit und Einsicht
zu deuten wußte, daß seine Deutung so
gleich, durch schlagende Evidenz, als die
einzig richtige, den Zuhörern sich be
währte. Viele Theologen besuchten ihn
aus dieser Ursache, gelehrte Jesuiten, und
Andere. Alle gingen voll Erstaunens
von ihm und Manche unter ihnen, än
derten nachdem sie ihn gehört, lange
gehegte Ansichten. Dominik Scklazar,
später Erzbischos in den Philippinen,
sagte einst nach einem solchen Besuche zu
dreien seiner Gefährten: Was ist doch
dieses, doß wir, nachdem a.ll unser Leben
mit Studiren hingebracht worden, noch
lange nicht so viel wissen, als biefer
junge Weltliche, lieber bie Apocalypse
hatte er einem grünblichen Theologen so
viel Tiefes gesagt, baß bieser ihn bat,
ihm bas Gesagte aufzuschreiben. Er
that es in weniger als acht Tagen, ohne
baß er im Schreiben einen Buchstaben
geändert Alle, bie bie Schrift gesehen,
bewunderten sie und erkannten sie für ein
Werf eingegossener Wissenschaft.
Außer der Bibel aber hatte er auch
noch andere Bücher aus der Kirchen- und
Proscmgeschichte gelesen er liebte solche
Bücher sehr, uitb suchte sie sich von über
all her zu verschaffen man lieh sie ihm
gern unb er las bann in brei bis vier
Tagen ganze Bänbe burch. Seine Art
zu lesen war sehr so.nberbnr unb konnte
für übernatürlich gelten. Denn er las
wohl manchmal ein Buch in zehn Stnn
bett, wozu ein Aitbcrcr mehr als einen
Monat gebraucht hätte unb ber Gruitb
lag keineswegs allein itt seiner leichte,tt
Fässungsgabe u. itt seinem guten Gebäht
nisse. So las er bie Schriften ber hl.
Theresia von Jesu in etwa zwanzig
Stunbeit uitbx von ba an wußte hernach
kaum irgend ein Anbercr so haarscharf
Alles, was sie enthielten. Las er etwas
Altbern vor,, bann geschah es mit solcher
Leichtigkeit uitb Anrnuth, baß nichts zu
wünschen übrig blieb. Mit weltliche»
Büchern gings noch schneller unb als ihn
einst ber Pater Hieronymus von Ocampo
fragte, wie es both zugehe, baß er mit sol
cher Geschwinbigkeit lese, emieberte er.:
Wenn er an ben Ueberfchristen ber Kapi
tel bemerke, baß sie etwas ihm noch Itn*
bekanntes enhielten, lese er sie ganz burch,
überschlage sie aber, wenn ber Inhalt
ihm schon bekannt sei.
Jnbem er bas Alles mit seinem inn ent
Lichte angeschaut, war ihm auch eine
große weit umfassende wissenschaftliche
Einsicht aufgegangen. Er kannte bie
alte Geschichte aufs gründlichste, so in
ihrer früheren Hälfte bis zur Flttth wie
in ihrer späteren bis Christi Geburt.
Alle Zeiten und Geschlechter, alle Vqlker
mit ihren Sekten, Gewohnheiten tli^d
Künsten, waren ihm stets gegenwärtig
er ersah ihre Bezüge auf das Volk Got
tes, und sprach no allemals ob es ge
genwärtig vor ihm stehe. Er kannte alle
Weissagungen der Sibyllen von dem Er
löser, das Leben der Apostel und ihrer
Jünger, so wie aller Päpste bis aus Cle
mens VIII., unter dessen Pontificat tfr
gestorben und wußte ebenso das Leben
aller Ordensstister, so wie auch aller Ha»,
tefiarchen zu erzählen unb bie Schicksale
ihrer Lehren auszulegen wie er beim
auch bie ganze Geschichte aller Kaiser
bis auf Carl ben Fünften vollkommen
inne hatte. Nicht utittber war er grünb
lich unterrichtet über Alles, was Maho.f
met betraf, bas Aufkommen unb bie Fort
schritte seiner Lehre unb das Wesen ber
Völker, bie sich bazu gehalten. Wieber
kannte er bis zum Grunbe bie alte Göt
ter- unb Heroenlehre, und wie es gekom
men, baß bie Völker zum Christenthuine
übergetreten unb er hatte sich kurze Chro
nologien ausgesetzt. In der Astronomie,
Cosmographie unb Erbkuitbe war er so
erfahren, baß es schien, er habe Himmel,
Erbe unb Meer ausgetnessen. Er hatte
mit eigener Hanb eine Erbkugel unb eine
große Erbkarte sich verfertigt, zierlich wie
gestochen geschrieben uitb so genau, daß
Kunstverständige sie bewundert und er
verbesserte mehr als einmal Fehler an
größeren. Nach einem Streite mit dem
Slenermanne eines Schiffes, der behaup
tet, der Polarstern stehe fest, hätte er die
sem ein Instrument gemacht, das ihn
klärlich seines Jrrthums überführt. Er
hatte eine so spezielle Kenntniß von den
Völkern und Provinzen, daß er von allen
ihre geographische Lage, Städte, Flüsse,
Bevölkerung, Produkte leicht angab.
Eben so gründlich war seine Einsicht in
den Bau des menschlichen Körpers%nb
et sagte seinem Lebensbeschretbers darüber
oft Dinge, die ihn in Erstaunen setzten.
Auch mit der Heilkunde war er ver
traut unb als er itn Kranken
hause von Gnastepee lebte, schrieb er
ein Buch, worin er eine Menge ein
facher Heilmittel für bic Armen auf
gezeichnet bas nach oorhanbett uitb nach
bessen Anleitung man in ber Folge an's
WÜinberbare greitzcnbc Heilungen ge
macht. Er hatte sich zu diesem Zwecke
mit ben Eigenschaften unb Heilkräften al
ler Pflanzen bekannt gemacht, unb wußte
sogar ihnen Kräfte mitzutheilen, bic sie
nicht an sich selbst gehabt. So. hatte er
in seinem kleinen Garten zu St. Foi ei
neu Boratsch, ganz weiß von Blüthen
unb int Stamme mit ber stärksten Bit
terkeit burchbruugen, sich gezogen, was
ihm gelungen, inbem er bic junge Pflanze
mit Engelwurz, Amber unb anbcrti Diu-.
gen begossen. Alles bas hinderte ihn in-

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