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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, February 03, 1875, Image 7

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bei Knabe ein Bildchen der seligsten
Jungfrau in selben ein, um seinem Blntt
Papier Glück zu sichern, dann fallet und
siegelt er ihn und.sendet ihn ab. Aber
ach zur selben Zeit empfing Graf So-
kolinski von unbekannter Hand ein
schmutziges Blatt Papier, anf dem die
Warte standen „Keine Hoffnung mehr!
Sie reist »achSibirien Ergebung Peter
will das Aeußerste wagen allein man
sagt beim erftenVersuche zur Flucht »verde
die Gräsin getödtet. Wir lieben Dich intii
bemitleiden Dich immer mehr."
Unterdessen kam der Tag der ersten hl.
Kommlinion des ffeinen Stanislaus im
mer näher. Er hatte von seinem Briefe
weder zu feinem Vater noch zu feinen
Lehrern etwas gesagt aber viel sprach
er darüber mit dem Herrn. Er hatte die
Tage und Stunden gezählt uud sagte
zu sich selbst: „Vor meiner ersten Kom
muuion werde ich der seligsten Jungfrau
eine neuntägige Andacht weihen und es
so einrichten, daß die Andacht zu Ende
ficht gerade in dem Augenblicke, da ich die
Absolution empfangen werde ich null
mit solcher Inbrunst beten, daß die Mut
ter Gottes sich gezwungen sehen wird, mir
meine Mutter wieder zu geben."
Mau war bereits am Vorabende des
großen Tages, und nach dem Gebrauche
umreit die Eltern eingeladen worden, ins
Sprechzimmer zu -kommen, um ihren
Söhnen den Segen zu geben. Der Graf
Sokolinski erschien dort, gleich den An
dein. Stanislaus siel ihm Vorrest
Li
jungen Sokolinski
Der Pförtner
IBcVi'VrViVtc,
11111
den Hals, dann aber kniete er andächtig
nieder und empfing den väterlichen Segen.
..Daß ist
nun
dein Segen", sagte daS
Kind, „aber ich hoffe auch den der Dtuttv
zu empfangen". Der Vater schwieg, und
Stanislaus fuhr fort: „Weißt du denn
nicht, daß die Mutter kommen muß
„Ach seuste der Graf. „Ja", erwiederte
der Sohn, „ich will, daß sie meiner ersten
Kommunion beiwohne, und sie wird da
bei sein. Ich will dir die ganze Sache er-
zählen, lieber Papa. Wisse, daß ich zur
zur seligsten Jungfrau eine neuntägige
Andacht gehalten habe, welche heute um
5 Uhr endet, und um 4 Uhr werde ich die
Abfolutiou empfangen da werde ich
dann so rein sein wie die Engtf, und in
diesem Zustande werde ich die liebe Mutter
Gottes bitten, mir die me in ige wieder zu
geben, diesen Abend oder spätestens Mor
gen frühe."
„Laß es nur gut feiu", unterbrach ihn
der Graf mit traurigem Lächeln, und da
er diese Reden nicht länger mehr ertragen
konnte, entfernte er sich.
Es war 5 Abends, uud Stanislaus
begab sich ebeu zum Zimmer des Pfört
tiers, als er einem seiner Vorgesehen be
gegnete, der ihn fragte: „Wohin gehst
du, mein Kind?"
„Ich will fehen, ob Niemand nach um
gefragt hat."
„Aber dein Vater war ja dieseuMorgen
hier."
„Ach, ja, mein Herr, ich erwarte noch
einen andern Besuch, den meiner Mutter."
„Aber, mein Kind, deine Mutter ist
nicht in Paris."
„Aber sie wird kommen, ich weiß es ge
wiß."
„Ich begreife deinen Wunsch und deine
Gebete' doch verbanne diesen Abend jede
Zerstreuung die Zeit der Besuche ist
vorüber, kehre nun zu deinen Gefährten
zurück."
Die neuntägige Andacht war zu Ende,
und das gute Kind bildete sick) ein,
daß die Himmelskönigin ihm seine Mut
ter also gleich zurückgeben sollte. Nicht an
die Pforte zn gehen, war für ihn ein
großesOpfcr jedoch er brachte: es groß
miithig, indem er zu sich selbst sprach
„Wenn meine Mutter .kommt, wird sie
mich ja rufen lassen." Es schlägt fi Uhr,
7 Uhr, 8 Uhr uud Niemand erscheint.
Man geht zum Abendtische, es kommt die
Zeit, schlafen zu geheu, uud Stanislaus I gebetet hast, lege dich schlafen, mein iw
btgauu nun beinahe mnthlos zu werden. mer Junge du mußt müde sein bist
Aber unterdessen tritt eine schlecht gc= jheute so viel herumgegangen. Gu
kleidete, bleich und leidend ansehende Abend denn, Ijcrz'icbc Mutier! rief
Frau beim Pf
boä Ki»d ran. Infi«! ober''end- -.".d |m,lc
Ii* »mild-, tum ilmv „»«WB
feit, erlaubt er der Gräfin (fie war
wirklich), fiel) dein Fenster
die Zöglinge, welche durch
aeit, vorüberziehen zu sehen. ..... ... ...
welcher m.s die Dhufielir der Hilter
Um
nete, entfernte sich etwas von den llebiv
gen, um einen Blick in das Pfortner-
zimmer zn werfen. Die Mutier Halle
nur die Zeit auszurufen „Hier ist ei1!" 'l j'j
Dann that sie einen hinten Schrei unb u
rrf,. Nl_|einer
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sonstige $!i„tl imrf) re.ch fhelja.b,: :,
ges zu ihrem then
Keine Hoffnung mehr, Mutter, keine
Hoffnung mehr für uns auf der ganzen
Welt! Niemand will mit einem Jungen
zu thuu haben, der noch nie im Geschäfte
war. Ich habe ans Herrn Clifant ge
baut, weil er einem guten Manne gleich
ficht sobald er aber einige Fragen an
mich stellte und hörte, daß ich katholifch
fei, war es vorbei. Sein Gesicht war
ganz verändert er ist ein Schottländer
imd ein Acüefter in der Kirche, wie du
weißt.
Dann fei uns Gott gnädig, mein ar
mes Kind! erwiderte Frau Jmnefon, denn
außer ihm haben wir keine Hoffnung.
Frau Jameson war eine Wittwe und
katholisch geworden Johannes ihr ein
ziges Kind. Ihr Religionswechsel hatte
die Verwandten ihres Gatten sowohl als
ihre eigenen tief verletzt uud das We
lüge, was er ihr hinterließ, hatte fie dazu
verwendet, ihrem Kinde eine einfache, gute
Erziehung zn geben, die steh ihm, wie fie
hoffte, nützlich erweisen sollte. Durch
Handarbeit hatte sie ihr gerings Ein^
kommen vermehrt nun aber lähmte ein
heftiger Rheumatismus ihre Kraft, be
raubte fie dieser Hülfsguelle und nöthigte
fie, Johannes gegen ihren Willen im
Alter von dreizehn Jahren ans der
Schule zurückzuziehen. Sein Lehi'er gab
ihm die besten Empfehlungen, und mit
diesen ausgerüstet hatte er eine Zeitlang
Beschäftigung in irgendeiner Eigenschaft
gesucht, aber bisher, wie wir gesehen ha
ben, ohne Erfolg.
Mutter uud Sohn schwiegen eine
Weile. Endlich sagte der Knabe: Ich
will "heute Abend den Rosenkranz beten,
liebe Mutter und die hl. Jungfrau wird
mir helfen.
Thue das, mein Kind, sagte Frau
Jameson, aber nimm zuerst dein Abend
brod, das ich für dich auf dem Tische
ließ. Ich muß in die Kapelle, die noch
offen ist ich habe mit Vater Reilly zu
sprechen. Mein Gebet werde ich dort
verrichten, weil ich mich wohl einige Zeit
dort werde aufhalten müssen warte also
nicht auf mich, mein Kind und wenn du
örtucr ein und verlangt den Hannes sie umarmend: aber nicht gule ^iion recht sehr verpflichtet, und etc
linsti z» sehen. Nacht. Versprich mir, daß bu nueber- Glissen mir erlauben, mich Ihnen amt
ier
ber sie für cineBefrüge--, |oinil,cn und mir Weihwasser geben, mich [,av y
iesem späten Besuche keines' segnen willst fürchte nicht, mich zu we- ^cgenmiiilige t'iige, damit ich erfahre wie
re"fct «""l
wieder mtjclihricii. ich
Als Frau Jameson die Kapelle.erreichte §a'rv
'a ,,, u-ar Vater iKeilli) zu einem Krauten ge=1
n "imihl n"*1rufen wm-fcen, und Niemand konnte die wol.,chcr tau,mann au. ancr m.ge
S.mfteiir fiemu,n,uelun.
geistlichen Abwesenheit
1
fiel olinmiichtiii niobev. SSie fonni, «''KL hv il U"d Stole
(Gräfin so jn der vom finibr fetlgtlctiltii
3
Stunbe kommen Sie war den vniuden "ul! on)pnrt)in, uui |u )ii Katholik gestorben
derer, die sie noch 5iMri„,
w erscheine. Mi..
ichM'it. m.d verkleide,. ol,ne OSelb oder!
u'k^Siivei,"e^iL
6 ln
ein Gedanke gekommen
»?er,.n»ei. und
Ach, Herr! könnte sie nur morgen ge
lesen werden, zum Heil irgend einer ar
men Seele, die vielleicht nur mehr dieser
Messe bedarf, um von ihren Leiden erlöst
zu werden im Vertrauen, daß sie, zur
ewigen Herrlichkeit gelangt, meiner uud
der Meinigen gedenken werde.
Es wird geschehen, gute Frau, nun
gute Nacht, Gott segne Sie!
Frau Jameson ging mit freudigem,
hoffnungsvollem Herzen nach Haufe. £tc:
trat an dnv Bett ihie»
ihn und betete die lauretanische Litanei
und das De profundi's mit ihm. Fürchte
dich nicht, mein Kind, sagte sie, indem
sie ihn küßte und ihm gute Nacht
wünschte, ich bin überzeugt, daß Alles
gut gehen wird. Unsere Freunde sind
mächtiger, als die blos irdischen.
Aut andern Morgen stand Frau
Jameson in der Absicht auf, Johannes
zu wecken, damit er sie zur Messe begleite,
aber sie glaubte zu bemerken, daß fein
Geficht ungewöhnlich erhitzt, fein Athent
schwer sei dabei erinnerte sie sieh tut
seine große gestrige Ermüdung und be
schloß ihn schlafen zu lassen. Sie selbst
aber ging zur Kapelle und flehte während
der Messe inständig für die arme Seele,
die, zur Seligkeit gelangt, im Himmel
derjenigen gedenken möge, die ihr dazu
Verl) olfen.
Bei ihrer Rückkehr fand die arme Mut
ter Johannes unwohl fie veranlaßt? ihn,
fein Frühstück im Bette zu nehmen.
Sie hatte ihm eben dasselbe gereicht,
als sie an der Thüre pochen hörte. Sie
öffnete und zwei Herren traten ein. Den
einen erkannte fie als Herrn Vincent, der
andere war ihr fremd.
Es ist fo, wie ich es vermuth et, sagte
Herr Vincent zum Fremden es ist die
arme Wittwe, die mich gestern morgen
ersuchte, eine hl. Messe für die Verstor
beneii zu lesen.
Ohio Waiseufrennd.
(Muten In diesem Falle, sagte der fremde,
Frau Jameson* -Hand fassend, bin ich
1
.IM
fumlis für die armen Seelen zu beten, ^^enlung^ diese, Auslrittc. ett.üren
Q,it ^,'irftvhv iiiMiiin nnnrhn, Di.' snhr .)() Meilen von o. ennevinca etnd
Il,crfc«"tc
schnell erhobj
sie gerade:.:
Öcci^- xt. .x .. sie sich, kehrte in das Kapellenhans zn-1 Mr. Mordaunt, über diesen ^raiiiu
^ci Guif uni OioT i y riief und begehrte mit .Herrn Vincent, höchst verwundert uud ergriffen, verfügte
der »ert.nt oh i.ch ^lden. Psorrer.zn sprechen. Isich nach der 1,1. Messe i„ die Solrislei,
e.minder der i |,e .- v V i i |chiilLiio,en On.er -S^ochnuirtiei., das !um sich mit Herrn Vineent. de., ei iieinu.
ich 'iie belästige ich wiinfchte, daß eine kannte, über diesen Gegenstand zu be
kleinen Stanislaus, ihres einzigen Sohn'5
bei und sagten ^.esu und ))unia innigenofio gelesen werde. Das ist aber! sprechen. Herr Vineent erinnerte sieh des
iAlles, was ich dafür geben kann, fuhr fie ihm vor zwei Tagen vorgekommenen
fort und legte 20 Eents hin. Es genügt Falles, erzählte ihn feinem Freunde und
Dnö Ec^er^eitt bev
nicht, das weiß ich wohl, aber ich habe schlug ihm vor, ihn nach der im Traume
nicht mehr.
Haben Sie keine Sorge, gute Frau,
Ihre Meffe wird gelesen werden. In
welcher Meinung und wann soll es ge
schchcn
7.
enueifen. Entdecken Sie mir
xMire
deslen dienen tonn,
Vorher ober muß ich meinem Leser die
b0,v. UU1*1 1.
ll.e-"ilei'0lC' vai.ult l0",a
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selbst am vorhergehenden Abende an it
:')iadit
Iriiiimli' tili ie.n
SmiIoiv
in-v
I («Bf«- ich tl* «cht selig und
lnc.ncr Sel.gke.« einer im.ien
der
bezeichneten Richtung hin zu begleiten,
um fich zu überzeugen, ob die Person die
nämliche sei, welche bei ihm die Messe be
stellte. Wir haben den Erfolg ihre« Be
suches gesehen.
Herr Mordaunt versprach Johann»?
die Aufnahme in seinem Geschäfte, liebst
etilem reichen, nach Verdienst zu erhöhen
den Lohne, und machte der glücklichen
Mutter das Anerbieten, sich in der Nach
barschaft ihres SohneS anzusiedeln. E?
bedarf kaum der Erwähnung, daß Jo
hanne* Heilung bei der guten Hülfe, die
Herr Vincent ihm verschaffte, und der
'Ausficht auf eine glückliche Zukunft rasch
v.,!t
!^ohiu\,
gtntten ging
fegnete Johanne« erwarb fich durch fein gutes
Betragen die Gunst feines Beschützer-?,
ward feiner ^Mutter zum Segen und zur
Freude und vergalt ihr Alles, was sie für
ihn get ha ii vnd gelitten hatte, durch feine
kindliche Liebe und Ergebenheit. Viele
Jahre später, als er verheirathet und mit
einer zahlreichen Familie gesegnet war,
erzählte er ihnen die Geschichte ihrer
Großmutter und ihres Vaters und schloß
mit den Worten: „Es ist ein heiliger
und heilsamer Gedanke, für die Verstor
benen zu beten, damit sie von ihren Sün
den erlöset werden."
Die Janseniste», eine von der ka
tholifchen Kirche getrennte Sekte»mit gül
tig geweihten aber fchismatifche» Bischö
fen und Priestern, ist ihrer Mitglieder«
zahl auf Holland beschränkt. Sie haben
drei Bischöfe, etwn 30 rieft er und 0,000
Mitgl. in ^Gemeinden. Von dieferSekte
holte fich der abgefallene Priester Rein
kens, der jetzt das im Dienste Bisinarks
stehende Oberhaupt der deutschen Ka It til
th olikeit ist, seine Bischossweihe. Gegen
über der winzigen Janfenistenfefte giclit
es in Holland fünf römisch katholische
Diözesen mit 1900 Priestern. Jede Diö
zese hat ein großes unb ein kleines Semi
nar mit über 1:200 Studenten, die Prie
ster werden wollen. Die Zahl der Katho
liken in Holland aber beträgt 1,300,000.

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