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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, February 10, 1875, Image 1

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-Ein
Familienblatt
Wochenschau.
(Inland.)
Eine Washingtoner Zeitung, das
„Capitol" enthält Andeutungen, denen
zufolge eine Menge SJcten verbrannt oder
vernichtet werden sollen, damit der nächste
Kongreß keine Untersuchungen anstellen
könne ferner heißt es in dem genannten
Blatte, daß im Falle einer Untersuchung
im Ministerium des Innern Staats
Sekretär Delany aus dem Lande flüchten
würde. Auch wird behauptet, daß wichtige
Aktenstücke aus dem Schatzamt gestohlen
worden sind bei Beendigung des Krieges
seien noch für $850,000,000 Kriegsbe
stände vorhanden gewesen und Vieles
seither verkauft und das Geld in ungehö
riger Weise verausgabt worden.
a rr i s u Pa., 2. Febr. Im
hiesigen Repräsentantenhaus spielte sich
gestern Abend eine scandalöse Scene ab.
Kurz nach Eröffnung der Sitzung ward
von W. Cooper Talley die Berathung
einer Petition von Bürgern von Lancaster
County beantragt, worin sie den Sitz des
D. P. Rosenmiller, eines Republikaners
von jenem Distrikt für vakant erklärt
sehen wollen. Die Petition war am er
sten Tage der Session, ehe die Mitglie
der eingeschworen worden, eingebracht,
aber zurückgelegt worden. Die Republi
kaner erhoben den Einwand, die Petition
könne nicht in Erwägung gezogen werden,
wenn sie nicht von Neuem vorgelegt würde
Der Sprecher (Herv Patterson) wies den
Einwand zurück, und als gegen seine
Entscheidung appellirt wurde entspann
sich eine lebhafte Debatte. Schließlich
wurde die Entscheidung des Sprechers
mit 100 gegen 75 Stimmen gutgeheißen,
worauf der Republikaner Wolfe den Ord
nungsruf erhob daß eine Zweidrittcls
Majorität nöthig sei um die Petition
auszunehmen. Der Sprecher entschied
gegen diese Ansicht und als gegen seine
Entscheidung wieder appellirt wurde, ward
der Antrag auf Vertagung gestellt, den
der Sprecher für berechtigt erklärte. Herr
Wolfe sprang sofort auf und verlangte
gehört zu werden. Der Sprecher bemerkte
ihm, daß ein AntrcUauf Vertagung nicht
debattirbar sei und ersuchte ihn sich zu
setzen. Herr Wolfe rief: „Ich bin nicht
außer Ordnung und werde meinen Sitz
nicht einnehmen."
Der Sprecher: „Der Herr wird seinen
Sitz einnehmen, oder der Sergeant-at
Arms wird ihn aus der Halle entfernen."
Herr Wolfe: „Das wird er nicht."
(Rufe aus der republikanischen Seite des
Hauses von „Nein! Nein!")
Der Sprecher: „Der Sergeant-at
Arms wird den Herrn aus der Halle ent
fernen«"
Dieser Beamte ging sofort daran, seine
Pflicht zu thun, aber die republikanischen
Freunde des Herrn Wolfe traten ihm in
den Weg, und es entstand eine Scene,
die ihres Gleichen in legislativen Ver
sammlungen sucht. Sämmtliche Mitglie
der verließen ihre Sitze, die Republika
ner hielten dem Sergeant-at-Arms ihre
Revolver vor unh inmitten des Höllen
lärms vertagte der Sprecher das Haus.
$ e to $ ort, 3. Fctir, Der Dollar-

für
Wahrheit
Ja!
hrg. 2» Po:»eroy, den 1
und
Herausgegeben zum Besten des Pomeroy Waisenhauses. Erschein, wöchentlR^ Preis bei Poranobezahlnng und portofreier Zusendung für ein Ialir $ !.:.
Subscriptionsfond der „Tribüne" für die
durch die Verwüstungen der Heuschrecken
in Roth gerathenen Personen in Kansas
und Nebraska übersteigt jetzt $10,000
und wächst beständig an. Die Einnah
men betragen täglich durchschnittlich $200
Herr Reid sandte gestern $2600 nach
den obengenannten Staaten ab so daß
jetzt im Ganzen $10,100 von diesem Fond
abgesandt wurden.
e e a u e, Ind., 2. Febr. Im
Brasil-Distrikt haben heute 1500 Kohlen*
grüber die Arbeit eingestellt, weil die
Grubenbesitzer den Lohn von 85 aus 70
Cents per Tonne heruntersetzen wollten.
o w a n a a o o a
2. Febr. Ein entsetzlicher Mord wurde
vor einigen Tagen in dem Orte Asylum
begangen. Dort stehen auf einer abge
legeneil Stelle sechs Häuser in welchen
Farmarbeiter wohnen. Eines dieser
Häuser gehörte einem alten Manne, Na
mens Egbert Sickler, bei dem seit Kur
zem Stanley Powers mit seiner Frau
wohnte. Powers ist ein wilder junger
Mensch, der von Allen die ihn kannten,
gefürchtet wurde. Gegenüber wohnte
sein Bruder „Jule" Powers dessen Ruf
nicht besser war. Am Donnerstag gingen
Sickler und Stanley Powers nach To
wanca und kehrten Abends um 7 Uhr
nach Hanse zurück. Dort wurde Powers
streitsüchtig. Er warf zunächst die Stühle
im Hause umher, zog dann das Bett in
die Mitte des Zimmers und tanzte auf
demselben, als wenn er es durchbrechen
wollte. Sickler wurde ärgerlich und be
fahl dem Tobenden sich ruhig zu ver
halten. Darüber aufgebrachj, schlug
Powers den alten Mann nieder, und als
dieser sich erhob und ein Messer ergriff,
warf er ihn auf das Bett und bearbeitete
ihn mit den Fäusten. Aus Sickler's
Hülfegeschrei kam „Jule" Powers herbei,
und als derselbe das Messer in den Häii
den des alten Mannes sah, rief er: „Ich
werde jeden Menschen umbringen, der
ein Messer gegen meinen Bruder zückt!"
Beide schlugen Sickler nun auf'sUnbarm
herzigste, und als er schon bewußtlos ge
worden war und aus vielen Wunden
blutete, zogen die Brüder ihm Schuhe
und Strümpfe aus, banden ihm ein Tau
um die Fußgelenke und zogen ihn aus
dem Hmise und durch den Schnee nach
Jule's Wohnung. Sickler jammerte und
die Nachbarn kamen aus ihren Häusern
aber als sie die beiden Raufbolde sahen,
wie sie ihr Opfer durch den Schnee zogen
flohen sie. 'Was sie in Jule's Hause
mit dem alten Manne thaten ist nicht
bekannt. Sie zogen ihn später nach einem
Holzhause, von dort durch den Schnee
um den Gartenzoiiii und dann zurück in
seine Wohnung. Dort haben sie ihn
aufgehängt und theilweise verbrannt,
wenn man nach dem Zustande, in Ivel
chem die Leiche gesunden wurde, urtheilen
darf. Die Mörder sind verhaftet wor
den.
A i n s o n K a n s a s 4 e S e i
drei Tagen herrschte hier eine heftige
Kälte, welche mnthmaßlich viel Elend im
Gefolge haben wird. In den Grenz
Counties sind 20 Personen erfroren und
viele Personen erfroren ihre Gliedmaßen.
(Ausland).
a s e i n e a e a
schreibt: „Samstag den 9teii Januar
war das Gerücht verbreitet, die hiesige
Polizei fahnde auf einen französischen
Geistlichen, der mit Attentatsabfichten
gegen Bismarck hierher gekommen sei.
In der That wurde das Innere und
Außere des Reichtagsgebäudes so wie die
Amtswohnung des Reichkanzlers von
zahlreichen Polizei-Agenten bewacht. Die
selben Vorsichtsmaßregeln wiederholten
sich auch am Montag, und zwar in noch
ausgedehnterem Maße. Es hieß denn auch,
es sei der Polizei abermals die Auskunft
zweier Mordgesellen aus dem Auslände
signalisirt worden, welche mit Orsini
stvmben und gar mit Dynamitkugeln
ausgerüstet seien, um dem Reichskanzler
nach dem Leben zu trachten. Wir können
kaum anders glauben, als daß die Poli
zei mit diesen Gerüchten mystificirt und."
Eine neue Gewaltmaßregel ist aus
Köln zu berichten. Als der Herr Erzbi
schos das am 1. Januar fällige Gehalt
von 3000 Thlrn, erheben lassen wollte,
verweigerte die Regierungshauptkassc die
Zahlung, weil ihr dies durch höhereWei
sung untersagt sei. Wenngleich Die Ver
muihnng nahe liegt, daß man mit diesem
Gelde einen Theil der wegen der Sue
eursalpsarreien dem Herrn Erzbischose be
vorstehende!' Strafsumme von 20,259
Thlrn. decken will, so ist dieses Versah
ren doch nicht zn rechtfertigen, da in die
ser Hinsicht noch keine Zahlungsaussor
derung ergangen ist und verdient des
halb eine solche Handlungsweise die Be
Zeichnung Gewaltmaßregel in der vollen
Bedeutung des Wortes. Anders liegt der
Fall in Trier, wo man von dem an den
Generalvikar de Lorenz! zn zahlenden Ge
halte die Summe von 200 Thlrn. zurück
behalten hat, welche ihm wegen Übertra
gung der Pfarrei Niederberg an den
Pfarrer Piesbach zn Ehrenbrietstein zuer
faniü worden war.
Auch den Franziskanern zu Düsseldorf
ist es untersagt worden, milde Gaben zu
sammeln. Sie befürchten, daß die Aus
weisung mich ans sie ausgedehnt werde.—
Als neulich ihrem Brauche gemäß die für
die Krankenpflege bestimmten Fr-anziskan
essen auf dem Gemüsemarkte erschienen,
um die Spenden der wohlthätigen Lands
Tente für ihr Haus entgegenzunehmen,
verkündete der Marktmeister in höherem
Auftrage, daß fortan dasEinsammeln von
Gaben verboten sei. Es entstand unter
den Käufern und Verkäufern eine solche
Unzufriedenheit, daß man einen großen
Tumult befürchtete. Einige Bauern er
klärten darauf mit lauter Stimme, daß sie
bereG wären, die Gaben in Empfang zu
nehmen und zum Krankeuhause zn besor
gen, nnd es bildete sich eine förmliche
Prozession von Menschen, welche mit Le
bensmitteln aller Art beladen zn denPfor
ten des Klosters pilgerten. Seitdem ist
die Wohthätigkeit gestiegen und den guten
Schwestern viel Zeit erspart. Sogar
dem Dainenverein, welcher arme Frauen
aller Confessionen liebevoll unterstützt, ist
das Verbot des Collections zugestellt
mms
Recht zur Belehrung und Unterhaltung,
Wochenschau.
O. Februar IS7S. &0.0-ÜI.
worden, obwohl der Verein in seiner gan
zen Einrichtung staatlich genehmigt war
nnd Corporationsrechte besitzt. Leider
schien es gewissen Herren am Steuerruder
der Regierung nicht zn gefallen, daß der
Verein sich katholisch nennt. Nach der
Versicherung einer hochgestellten Dame
aber, welche sich bisher in hervorragender
Weise an diesem Liebeswerke betheiligte,
hat man Mittel nnd Wege gefunden, auch
feener der bedrängten Lage der armen
Frauen zu Hülfe zn kommen den die
christliche Liebe ist erfinderisch.
a e o it, 7. Jan. „Der Wests.
Volks-Ztg." wird gemeldet: Lebte unser
unvergeßlicher Vorkämpfer Hermann von
Mallinckrodt noch, so würde ihm jetzt die
Vätersreude beschiedeu sein, ein gesundes
Söhnchen zn begrüßen, dessen seine Ge
mahlin, die schwer geprüfte Frau Thekla
von Mallinckrodt, geb. Freiin von Bern
hard, zn Nordborchen in der letztverflosse
it eilNacht genesen ist.
A u s S a s e n w i e o e s
apostolischenViskars, des Bischofs Ludwig
Vorwerk, gemeldet. Der Entseelte war
1810 zu Dresden geboren, wurde lS.'V.i
znm Priester ordinirt, 1851 zum Bischof
consecrirt nnd bald darauf zum Throuaf
sistenten des Papstes ernannt. Anfangs
der vierziger Jahre war er Jnstruttor
der königlichenPrinzen. Auf dem üfnnieiü
schen Coneil zu Rom im Jahre 1870 ge
hörte er zur Minorität, die gegen das
Unfehlbarkeitsdogma ankämpfte. 9tach
dessen Proclamirnng suchte er um das
königliche Placet zur Veröffentlichung
nach, erhielt aber von der Regierung
eine abschlägige Antwort. Darauf hin
ordnete Forwerk bei Gelegenheit des
päpstlichen Jubiläums die Verlesung
der Fnldaer Denkschrift von den katholi
schen Kanzeln Sachsens an, nnd diese er
folgte am 11. Inui 1873. Die Beinerknng
des Katholischen Kirchenblattes, diese hir
tenamentliche Verlesung genüge zur Ver
kündigung des Unfehlbarkeitsdoginas, die
Verweigerung des Placets sei völlig be
deutungslos gab dem Abg. Ludwig Ver
anlassung zn seiner Interpellation die
Staatsregiernng zn ersuchen, daß sie das
apostolische Vicariat wegen seines eigen
mächtigen und gesehwidrigen Verfahrens
zur Rechenschaft ziehe. Eine Folge dieses
Antrages war das Eingehen des „Katho
tischen Wochenblattes" oder vielmehr des
sen Umwandlung in das „Katholische
Volksblatt." Forwerks Hinscheiden hat
in den weitesten Kreisen allgemeines Be
dauern hervorgerufen, da er wegen seiner
Toleranz nnd Rechtlichkeit von allen Par
teien gleich geachtet wurde.
i e a z e e e a 1 1
berichtet, daß der Bischof von «Vantan
der, welcher mit den Carlisten fympa
thisirt, sich geweigert hat, in der Kathe
drale eine Dankmesse gelegentlich der
Thronbesteigung des Don Alfonso feiern
zn lassen. Im Folge dessen fand die Fei
erlichkeit ans dem „Platze der Freiheit"
an einem improvisirten Altare statt.
Derselbe Bischof hatte die gleiche Wei
geruug gelegentlich der Thronbesteigung
Amadeo's und der Proclamation der
publik ausgesprochen.
Re--

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