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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, March 03, 1875, Image 7

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der sinnliche Menschenleib sticht und zit
tert. Und dennoch, eher als seiner Pflicht
und Ueberzengung untreu zu werden, läßt
ein rechtschaffener Mann den ganzen
Janhagel einer schlechten Partei über sich
fallen eher als ihre Tugend zu verletzen
und den Wünschen jenes Wüstlings
nachzugeben, duldet eine edle Juugfrau
Spott und Verachtung, sogar Miß
handlungen und läßt den vortheilhafte
sten Dienst fahren. Wie? ist dieser
Menschenleib ein gar so großer Liebha
ber zum Leiden, hingegen zeitlichen Vor-
theilen und Lebensgenüssen gar so spinne
feind? Ich glaube nicht! die edlere, weil
geistige und vernünftige Seele im Aten
schen ist es, welche lieber nach höheren,
nach himmlischen Gütern und Freuden
strebt, und die irdischen um Gottes Wil
ien fahren läßt.
Nicht mir im bigotten Mittelalter auch
noch im aufgeklärten 19. Jahrhundert
geschieht es sehr oft, daß da ein junger
Mann, der Sohn reicher und vornehmer
Eltern, auf alle Freuden, Ehren und
Reichthümer der Welt verzichtet, und da
für ein rauhes Ordenskleid, ein hartes
Lager und ein Leben voll Strengheiten
wählet, daß dort eine Jungfrau in der
Blüthe des Lebe«, der die herrlichsteZu
fünft offen steht, und die schönsten Hoff
mtngeit zulächelt, der Welt Adieu sagt,
und lieber eine arme barmherzige Schwe
ster wird Tag und Nacht atfjmct sie
NUN die verpestete Luft des Spitals ein,
scheut keine Mühe und Ansteckung, und
ist den armen Kranken ein wahrer Schutz
engel. Wie? ist es der Leib, das sinn
liehe Fleisch, das sich gar so herzlich nach
allen diesen Dingen sehnet? das
scheut, das fürchtet, das flieht der Leib,
das gibt jenen Edlen nicht Fleisch und
Blut ein. Gewiß! wenn der Mensch nur
Materie, nur Leib, nur Fleisch wäre,
und fein anderes, höheres Wissen, Erkeu
ttett und Wollen in sich hätte, so würde
und könnte er auch nur Materilles, Sinn
liches und Fleischliches anstreben, und
keine edle That und kein heiliges Opfer
der Liebe und Selbüberwindung wäre
für ihn möglich. Es muß daher noth
wendig im Menschen ein zweites, höhe
res, vernünftiges, sittliches Wesen existi
stiren, das über den Leib und über das
Fleisch wie ein König gebietet, und drin
neu i« Menschen den Meister und Hans
Herrn spielt. Und dieses mit dem Leibe
zwar enge verbundene, aber erhaben über
dem Leib stehende Wesen ist eben die Seele.
Das römische und das preußische.
Soldatenreich.
Man muß sich das alirömische Reich in
seiner Blüthezeit und bis gegen denUnter
gang der Republik als einen bloßen Sol
datenstaat denken. Die freien Einwoh
ner waren Soldaten, sie bildeten das
Heer. Sie fanden ihren Unterhalt auf
zweierlei Weise: durch den Krieg (Sold^
Beute), und durch Das, was der Staat
zum Unterhalte ihrer Familien hergeben
mußte. Rom, die Stadt, stellte vielleicht
100,600 Streiter. Man denke sich ein
stehendes Herr, welches jetzt über einLand
ausgebreitet ist, in einer Hauptstadt ver
einigt, als Herren des Landes, nicht etwa
als dienendes Organ einer Regierung,
das ganze Land übrigens diesem Heere
dienstbar und verpflichtet, es zu unter
halten außerdem im Besitze dieses Heers
große Striche des eroberten Landes und
dieses Heer die Früchte aller Siege zu
verhältnißmäßigen Theilen genießend,
und man hat ein Bild des römischen
Volkslebens zur Zeit der Republik. Alle
römischen Bürger waren Soldaten, nicht
gezwungene und geworbene, nein gebo
reite, berechtigte denn die Sache, die sie
verfochten, war dieSache Aller, ihr eigene,
die Sache der herrschenden Soldaten-Co
loiiie, Roms.
Was sie erwarben, diese Soldaten, ge
fjörte ihnen, daher gehörte Alles, was.
tige Dynastie in Preußen an der
der Armee steht. Wenn man die Geschieht
Preußens, wie sich in den letzten 12 Jah
ren gestaltet hat, betrachtet wenn man
die großen Landerwerbiingen erwägt, die
die Preußen durch glückliche Kriege erwor
ben hat, so liegt nichts näher, als der
Gedanke, daß dieses Preußen auch nach
und nach die Weit erobern will. Ob eS
seine Fangarme nun beim nächsten
Kriege zuerst nach Dänemark, nach Hol
land, nach Belgien oder nach Oesterreich
ausstrecken wird, daß muß uns die Zu
tuns! uhreit. Aber nach Allem, was die
Vergangenheit gezeigt hat, ist es wohl I Greis,
außer i llem Zweifel, daß Preußen noch!der ein
weitere Vergrößerungsgelüste hegt.
tragen zu kaufen und den
diesem Dienste zu befreien.
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1
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aus eigene Rechnung führen wollten und: nteele gehen und ergriff die ^uicht. ^ei!
die vi)ii ihm auch die Vortheile genossen.! Löwe erkannte sogleich den Esel, lief zu
So hat das heidnische Rom die Welt er- ihm hin, faßte, wie er es früher gewohnt
obert und ans demselben Wege ist das Juuir, den Zaum zog ihn mit ben drei
preußische Soldatenreich. Der Unterschied Kameelen, die bei ihm waren, hinter pch
ist bis jetzt nur dieser, daß eine thatfräs-j nach
und
Spitze
Der dankbare Löwe.
Etwa eine Meile vom Jordan liegt ein
Kloster, das Kloster des Abtes Gerasi
intis genannt. Als. wi° in dies Kloster
kamen, erzählten uns die Greise, welche in! Brüllen an, daß er
demselben wohnten, von dem Gerasimns, nicht ertragen könne.
User des
daß, als er eines Cages am
Jordans sich erging, ein brüllender Löwe
ihm entgegen kam und den Fuß in die
Höhe hob, in welchem eiiiDorn sich fest ge
steckt hatte, so daß der Fuß davon an
geschwollen und die Wunde mit Eiter an
gefüllt war. Als er den Löwen an solcher
Noth leiden sah setzte er sich nieder, er
griff den Fuß, öffnete die Wunde, zog
den Dorn mit vielem Eiter heraus, rei
nigte die Wunde, verband sie und entließ
dann den Löwen. Als der Löwe sich ge
heilt sah, wollte er den Greis nicht ver
lassen, sondern folgte ihm, wie ein lieber
Schüler seinem Lehrer, derselbe mochte
hingehen, wohin er wollte, so daß der
Greis sich über die große Dankbarkeit
dieses Thieres wunderte. Von min an
nährte ihn der Greis, indem er ihm Brod
und schmackhafte Hülsenfrüchte hin
warf. Das Kloster aber hatte einen Esel,
um für das Bedürfnis der Brüder Was
ser aus dem Jordan zu holen. Der Greis
gewöhnte nun den Löwen daran, den
Esel auf der Weide zu hüten. Er ging
also mit demselben an dns Ufer des Jor
dans und gab acht auf ihn, während er
dort weidete. Eines Tages nun, als der
Esel wieder dort auf der Weide war, ent
fernte sich der Löwe etwas weiter als ge
wohnlich siehe da kam ein Kamelführer
ans Arabien, fing den Esel und führte
ihn mit sich fort. Der Löwe kehrte nach
dem Verlust des Esels traurig zurück und
kam mit gesenktem Haupte zu seinem
Abte. Der Abt Gerasimns meinte, der
Löwe hätte den Esel gefressen und sprach
zu ihm Wo ist der Esel Der Löwe
stand wie ein Mensch schweigend da und
blickte zur Erde. Nun sprach der Greis
Du hast ihn gefressen. Doch der Herr sei
gelobt, was der Esel bisher gethan, das
wirst künftig nun du thun. Auf Befehl
des Greifes trug nun der Löwe der Koiti,
der vier Eintet' enthielt, und brachte das
Wasser in das Kloster. Eines Tages aber
kam ein Ritter zu dem Greise, um seinen
Segen zu Empfangen. Als dieser den
Löwen Wasser tragen sah und die Ur
fache davon vernahm, erbarmte er sich
seiner und gab dem Greise drei Gold
stücke, sich einen andern Esel zum Wasser-
Löwen vonj
Nicht lange!
dem Staate zufiel, auch ihnen und ihren
Familien. Verkeilung von Brod, Oel
ii. s. w. waren mithin ein Recht dieser
letztem, nicht eine Gnade des Staat'
Sie hatten keinen andern Berns als den
Krieg, und der ernährte sie mit Allein
was er bedurfte und einbrachte, Sold und!
Eroberungen. Eine große wohlorganisirte! E.iel bei sich. Als er über den .an.i ^tiiienft'euudes", ein armer katholischen
Kaserne war Rom, aber—.wohl
verstau-petzte,
begegnete er dem^owcn. Poster jn bern Wildnisse» Amerikas
dfn—von Soldaten, die den Krieg selber desselben ansichtig l'^u^de, lie^ ei i le Ma-1
nachher, als der ~.oive von sein et
Jiteitjjn
befreit nuirbeiniw, kam jeneiaiueeltvct=
voller Freude, daß er
loriien Esel wieder gefunden,
0
Greise. Hatte der Greis früher geglaubt,
daß der Löwe den Esel gefressen, so über
zeugte er sich jetzt, daß der Löwe mir hin
tergaitgen worden war. Er gab dem
Löwen den Namen Jordnn. Der Löwe
Als der
Schüler
Ab.t
des
'einer stimme uiiö Den Olict
und ich will dir sciflcn, !»o unser ©reiä
begraben ist. Nun führte er den Löwen
an den Ort, wo sie den Greis beerdigt
hatten. Der Ort war aber etwa fünf
Schritte von der.Kirche entfernt. Sabba
tius trat auf das Grabmahl des Abtes
Gerasimns und sprach zu dem Löwen:
Siehe, da ist unser Greis begraben, und
dabei beugte er die Knie auf dem Grabe
des edlen Greises. Als der Löwe dieses
hörte und den Abt Sabbatius auf dein
Grabe knien und weinen sah, da warf
auch er sich nieder, schlug den Kopf hef
tig gegen die Erde, heulte noch einmal
Ohio Waisenfreund.
i|ber, der den Esel mitgenommen liatte. mit ^lU- Besonders, wenn preußi
Getreide, um es in der heiligen ^tadt zil je Hit Deco rationen be
!verkamen. Er ha te aber dcn entwendeten.^, d« sogar der Editor des „Ohio
ii VIT nv iincc nrn iWml»
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lebte in dem Kloster bei den Brüdern wand.' Als Rabbi Meier nach Hause kam
mehr als fünf Jahre, ohne den Greis zu jfragte er:
verlassen. Als aber der Gerasimns gestor- ..Wo sind meine Söhne, bajj ich ihnen
ben und von den Brüdern zur Erde be-!den Segen geben kann?"
stattet worden war, fand man, durch1 „Sie sind in das Gotteshaus gegan
Fügung Gottes, den Löwen nicht mehr Igen", antwortete seine Frau.
im Kloster. Aber nicht lange nachher kam „Ich sah mich mehrere Male nach ihnen
er wieder ins Kloster und suchte feinen um", erwiederte der Rabbi, „konnte sie
aber nicht sehen."
Sabbatius Felix,
Abtes Gerasimns
gewesen, ihn sah, sprach er zu ihm Jor
dan unser Greis hat uns als Waisen
zurückgelassen und ist zum Herrn gegan
gen aber da nimm und iß. Der Löwe
aber wollte nicht essen, sondern blickte
nach allen Seiten umher, und suchte sei
neu Greis und deutele durch lautes! war die Antwort seiner Frau, als sie das
seine Abwesenheit
Der Abi Sabba-
tins und die übrigen Greise streichelten
seinen Nacken und sprach zu ihm Der
Herr ist von hier fortgegangen und hat leine Frage an dich zu richten", und als
uns als Waisen zurückgelassen. Aber! er es freundlich bejaht hatte, begann sie:
durch diese Worte konnten sie sein Brül-i jgpr einiger Zeit gab mir einer im
Ien nicht besänftigen 1 andern je mehr sie fcrev Nachbarn zvei111we
ihu durch öiifcden zu beruhigen und 5U .iuticmahreit jelU verlangt er sie wieder
trösten glaubten, desto mehr brüllte und _|0f( ich sie ihm geben
heulte er, ja er fügte zuletzt noch wehmü-
wchmiili-, nnb verschieb ans dem Gimte s°hl'ch onnen wir e6 n,ch znrnckgeben
bei ©reifes.
®.V®«„3e
aber ist
habe, sondern weil Gott Jene. bie ihn!
„ngeiors.,,, war unb bie Frenben b„8
Generale werden die Zahl nach wie
folgend rangirt
deren 58
ovi,'
.. & a] Vn
7.
^jc jöunderte reichen. Darüber nun
)uun^fvn
sich die Zeitungen und es ist
preußische Dacorationcu besitzt,
Jüdische Legende.
Der bekannte Lehrer und Vi
be lau sie
ger Rabbi Meier saß einmal während
eines ganzen Sabbaths in der Syna
goge, um das Volk zu lehren. Inzwischen
starben seine beiden Söhne im elterlichen
5) a use. Beide waren von ungewöhnlicher
Schönheit und in der Bibel wohl be
wandert. Seine Frau legte sie auf ein
Bett und bedeckte sie mit feinster Lein
Dann brachte seine Frau Licht und ei
nen Krug mit We.n nachdem der Rab
bi Beides gesegnet hatte' trank er vom
Wein und fragte dann wieder: „Wo
sind meine Söhne, daß sie von dem ge
weihten Trank trinken
..Sie können nicht weit von hier sein".
Abendessen auf den Tisch setzte. Als das
Mahl vorüber war, und der Rabbi das
Dankgebet gesprochen hatte sagte
eine Frau „Lieber Rabbi, erlaube mir,
1
e11, titn sie anf-
w ft n
bie
seiner Augen die Traurigkeit die ihn er
griffen, weil er seinen Greis nicht sah.
Darauf sprach der AbtSabbatins zu ihm s"f2''/r,,,„
Komm mit mir,wenn du uns nicht glaubst, Jfl L.
emfachsw, Regeln der Rechtschaffen
heil lehren'? Du mußt das Anvertraute
nicht nur zurückgeben, sondern du mußt es
m:.

n a ihrem 4.0tie verherrlichen und uns ^i
n i vx er
zeig n will. wie bie Thier bent erste,, I wttd-rholle ber Z,abbt .aber anch qeteg
Menschen sich nnterwarsen, bevor er selbst "ct
Parabi.se-verlassen m„v.e^ IXMJ?
Sil!
'Irrv,
Ca(,"c
mu nll(i)
I««1' I«'"
Frau, und indent sie die Thiire deS
Schlafzimmers öffnete, fügte sie hinzu
„LieberRabbi! Ein Freund hat uns zwei
Juwelen anvertraut und jetzt hat er fie
zurückverlangt." Darauf zog sie die Lein
wand zurück, welche die beiden Tobten
bedeckte.
„Meine Söhne! Meine Söhne!" rief
der Rabbi ans und weinte und klagte
mit seiner Frau, sie ergriff die Hand ihres
Gatten und sagte: „Rabbi, sagtest du
mir nicht, das wir anvertrantes Gut wil
lig, nein fröhlich zurückgeben müßten
8e-:!'^V
schechen, nicht «13 [ollte «inrftlnu&en, bti !'r2.«»
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ber Lowe eine vernünftige Seele gehabt b« b« 0,bt nnb
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„©efegiiet [ei be, Name Herrn
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A0 lq e de S 0 ri i 11 e 11 e e such wurde
nnqirt Der Kronprinz befittt dieserTage dem Lehrer eine^Bcrlincr Goii.cinde
cv„!A„ii, ß,,f 0 schuleciesaiidt: „Ich erjuche^icfienndlich ineinei
r/f Sohn Julius im Rechnen etwas zu schone», in-
Punz Kail ^8, Blsinaick 40, Moltkc 3J,. de»! er mir die Nächte iiichtRuhe brrfchaft, und
R0011 39, Manntenffel 32, Treskow 32, nur von seinem Rechnen und Priiqel die erbe
Stosch 28, Wrangel 28, Bliinnmnthal! kommt fantafirt. Denn was das Rechnen nnbe.
27, Herwarth v. Bittenfeld 23, Göbeit »'eine 3ncicnl) auch luo
12, Fransecky, 21, Pohbielsky 21. Die
Zahl derjenigen höheren Offizier
mehr als 10 ^ecoraiioutn vesil
lere, welche
eschen, soll
ich nichts in .stopf vittbefam leider fand es sich
in älter Jahren von selber, wo ich jetzt die Buch
sührung mit Leichtigkeit vollbringe :c. nur Tcho
innig ic. A. V."

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BW«t I" der Name bo-S

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