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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, May 19, 1875, Image 1

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^ahrg- 3.
Wochenschau.
(Inland.)
W et i
n fl o n, 10 Mai. Seit eini
ger Zeit wendeten der Schatzamtssecretär
und der Commissär der Binnensteuern
.ihre Aufmerksamkeit den ungesetzlichen
Brennereien in mehreren westlichen Städ
ten zu und machten alle möglichen An
strengungen, der ungesetzlichen Fabrika
tion des Branntweins ein Ende zu ma
chen. Beamten des Depateinenls, welche
besondere Instructionen vom Secretär
erhalten hatten, dem durch dieFabrikation
des Branntweins und demselben an der
Negierung verübten Betrug im Großen
ein Ende zu machen, gelang es Beweise
für sehr große Betrügereien iu Verbin
dung mit ungesetzlichen Brennereien, und
Mittel zur Verhinderung derselben zu
entdecken. Ihre Nachforschungen ergeben,
daß seit einiger Zeit ein wohlgeordnetes
und ungeheures System der Steuerde
sraudativn mit Erfolg betrieben wurde
und daß die Hauptquartiere bei Betrüger
in St. Louis, Chicago und Milwaukee
sich befinden.
i a o 1 1 a i i e i e s i e n
Brennereien befinden sich im Besitz derRe
gierungsbeamten, welche Jnventare auf
nehmen.
W a s i n o n 1 1 a i o i s
sär Douglaß wies heute die verschiedenen
Supervisoren, welche die Beschlagnahme
der ungesetzlichen Brennereien beauf-«
sichtigen, auf telegraphischem Wege
an, die Namen aller in den in Beschlag
genommenen Etablissements angestellten
Steuerbeamten einzusenden, damit diese
sofort abgesetzt und die verschiedenen Di
strictsanwälte mit deren gerichtlichen
Verfolgung beauftragt werden können.
Es sollen vierzig Prozent der Steuern,
um welche die Negierung betrogen wurde,
in die Taschen von Jrlandsteuerbeamten,
und ihrer Helfershelfer gewandert fein.
Dieselben sollen auf diese Weise seit
mehreren Jahren $400,000 jährlich ,-ver
dient" haben, und mit dem, was' die. Be
sitzer von Destillerien an untergeordnete
Beamte unter der Hand außerdem be
zahlten, soll sich diese Summe sogar- auf
eine halb* Million belaufen. Im Gan
zen soll die Regierung feit 1870 allein
im St. Louis um etwa $1,200,000 be
trogen worden fein.
Der Schatzamtssecretär hat angeor
net, daß in allen Orten, in denen De
fraudationen entdeckt wurden, gesetzliche
Schritte gethan, und Verhaftungen vor
genommen werden, wo dieselben genii
gend durch Beweise gerechtfertigt werden.
Die Beamten haben bereits ermittelt,
«aß große 'Quantitäten dieses unversteu
erten Branntweins im ganzen Lande ver
teilt sind, namentlich im Süden, jedoch
wurde in vielen Fällen die Originaloer
Packung geändert, so daß es unmöglich
sein wird viel davon zu entdecken.
W a in o it, 12. .Mai. Die Be
amten des Schatzamtsdepartements drin
gen auf cineUnterfuchung, um zu.ermit
teln ob sich der Whiskey:Ring nicht auf
mehrere Städte erstreckt, in denen noch
feine Brennereien in Beschlag genommen
worden find. Hn Solicitor Wilson's,
Office hieß es heute, man habe hinläng
liche Beweise erhalten, daß sich die Opera
itonen des Whisky-Ringes auch auf Cin
cinnati erstrecken und daß die Angaben so
positiv sind, daß die Beschlagnahme dor
tiger Brennereien gerechtfertigt erschein!.
o e o O i o 1 0 a i I n e
Dorfe Green Springs, Ohio, hat ge
ftern ein sürchzbarer Sturm gewiithet
I n e n ö e n i e n u
e n von N e wark wirb ber Unterricht
vorschriftsmäßig mit Gebet litib Verle
sung eines Kapitels aus ber Bibel von
beni betreffenbeii Lehrer begonnen. In
ber Sitzung bes ErziehMgsraths vom
Freitag Abenb nun kmffmigte einer ber
Schulkommissäre, daß jene Vorschrift ge
strichen werde. Der Antrag wurde jedoch
nach längerer Debatte mit achtzehn gegen
zwei Sitmmen verworfen. Den deutsch
amerikanischen „Culturkämpfern" ist das
schon recht. Sie finb zufrieden, wenn nur
das Kreuzzeichen und das Muttergottes
bild'aus den Schulen verbannt wird.
Einen heroischenAct führte vor eini
gen Tagen der 11jährige Sohn des Herrn
John HuSbead, welcher etwa 9 Meilen öst
lich von Anoka wohnt, aus. Die Eltern
waren für kurze Zeit zum Nachbar ge
gangen und hatten dem Knaben die Auf
ficht über feilte fechS jüngeren Geschwister
gegeben. Während der Abwesenheit der
Eltern brach ein Prairie-Fener aus, wel
ches für die Farm sehr gefährlich werden
konnte. DerJunge, der die Gefahr erkann
te, brachte dann zunächst feine Geschwister
auf ein frisch gepflügtes Stück Land,eilte
dann auf dasGehöft zurück, um das Vieh
aus den Stallungen zu lassen und sendete
dann seinen 8jährigen Bruder fort, um
die Eltern zu holen, diese erschienen noch
rechtzeitig, um das Gehöft zu retten.
gedruckt int fomttmi Waisenkause
O i i ö o e o y W a i s e n a u s e s E s e i n w ö e n i e i s e i o a ö z a u u n o o e i e Z u s e n u n e i n a $ 1 5 0
Drei Häuser wurden niedergerissen, zwei! genden Personen begrüßt. Eiue unzäh
Kinder gelobtet und alle Schornsteine
im Orte zerstört. Weiter nördlich wurden
ebenfalls mehrere Häuser atnb Scheunen
niedergerissen. Bäume entwurzelt und
Fenster zertrümmert. In Clyde wude das
FicholS House zwischen Clyde und Bette
vue viele ÄZohngebäude bedeutend beschä
digt. Längs der Lake Shore Eisenbahn
linie blieb auch nicht e i n Haus unver
sehrt. Der Sturm ttuhm die Richtung
von Süden gegen Norden.
—Die Ills. Staatsztg. schreibt: „Der
a e rik a u i ch e Carbi n al könnte,
wenn er wollte, jeden Tag Dutzende von
a u mi n vornehmen. Denn un
ter der New Yorker Shobby- Welt wirb
ber Drang, sich vom Cardinal trauen zu
lassen, initiier allgemeiner. Wenn's an
ginge, müßte er selbst eine Menge prote
stantischer Ehen bieser Art einsegnen.
Der „berühmte" New Porker Ex-Zollein
nehmer Tom Murphy ließ letzte Woche
seine Tochter burch ben Carbinal trauen.
Dann kam Ex-General Badean, Consul
ber 33er. Staaten in London und Bio
graph bes Gen. Grant, littb ließ sich mit
einem Fräulein Niles burch beu Cardinal
vermählen, und so fort. Wie New Por
ker Blätter behaupten, wollte auch Horace
Greeley's Weiteste, Ida, mit ihrem Ex
Oberst Smith von dem Cardinal getraut
fein, nahm aber schließlich mit einer Trau
ung durch einen einfachen Pater vorlieb.
Wochenschau.
(Ausland).
e i n 1 0 a i e u s s i s e K a i
ser traf heute hier ein und wurde am
Bahnhof vom Kaiser Wilhelm, von den
sämmtlichen Prinzen der preußischen Kö
nigsfamilie, von den Generälen Moltke
und Manteiiffcl und anderen herrvorra-
lige Menge Menschen hatte sich eingefnn
den und die gegenseitige Begrüßung der
beiden Monarchen war sehr herzlich. Die
Stadt war festlich decorirt. Bald nach
seiner Ankunft besuchte der Czar in Be
glcitung des Fürsten Gortfchakoff den
Reichskanzler Fürst Bismarck.
o n on, 11. Mai. Man melbet von
Berlin ber „Pall Mall Gazette, daß ber
katholische Verein von Mainz nach Rom
abgereist sei, um ben Papst an seinem 83.
Geburtstage (13. Mai) eineGlückwünsch
andresse zu überreichen. Die mit 1,000,
000 Namensnnterschristen versehene
Abresse ist in Ausbtiickeit ber tiefsten Er
gehung unb Verehrung abgefaßt.
2 o it o li, 5. Mai Die „Pall Mall
Gazette" sagte, baß in Brüssel eine frische
Note ber beutschen Regierung eingetrof
feit sei. Sie soll burch einen Hirtenbrief
bes Bischofs von Nitinur, in bem sehr
heftige Ausfälle gegen bie beutsche Re
gierung enthalten sinb, veranlaßt worben
sein.
Es wirb allgemach unbegreiflich, bafent
es nicht darauf abgesehen ist, einen an
berit Krieg an den Haaren herbeizuziehen,
wie man in Berlin nicht begreisen will,
daß diese Empfindlichkeit gegen die Aus*
laffiingen auswärtige Organe der Öf
fentlichkeit in unfern Tugen nur Lächer
lichwerdeit oder Blutvergießen im Gefolge
haben kann. So weit, wie Bismarck es
treibt, hat Napoleon es getrieben unb
Händel mit aller Welt, betten schließ
lich selbst sein Genie nicht mehr ge
wachsen war, sind ihm nicht geblie
ben, unb auch an Lachern unb Spöt
tern hat es nicht gefehlt. Zugegeben, baß
ben Bischof von Namur seine Sympa
thie für die verfolgte katholische Kirche in
Deutschland so weit hingerissen, von
dessen Regierung nicht mit der Rücksicht
zu reden, wie man in Berlin ein Recht
zu- haben glaubt, es zu fordern, hat
man denn gerade dort ein Recht, auf
solche Conventionalitäteti zu pochen, wo
man täglich iu den Kammerverhandlun
gen sogar jede Rücksichtsnahme auf das
verehrungswerthe Haupt der ganzen ka
o i s e n i s e n e i a u e A s e z
Soll am Ende gar ein fremder Bischof
von einer Regierung mitVerehrung reben
müssen, bie ohne Unterlaß Papst und 53U,
schöfc beschimpft?!
n st e r, 27. April. Unser Bischof
ist soeben,5£ Uhr, aus seiner mehrwöchi
genGefängnißhaft von Varendorf wieber
heimgekehrt, begleitet vom Grafen
Droste-Erbbroste, in bessen Equipage.
Obschon Se. Bischöflichen Gnaden sich
alle und jebe Empfangsfeierlichkeit ver
beten unb basDcnncapitel solches in einem
besonbern Erlasse gestern schon publicirt
hatte, obschon serner eine in großerFrac
tnr gedruckte Bekanntmachung unserer
nenben" Demonstrationen abmahnte, na
imentlich bas Aushängen der Fahnen ver^
bot: hatten sich doch Taufende vor dem
St. Mauritz-Thore, in den Straßen, ans
bem Do tu Hofe versammelt unb brachten
ihrem verehrten Oberhirten ein begeister
tes.Lebehoch zum Willkommen. Wie aus
ein gegebenes Zeichen waren in ben zum
bischöflichen Palais siihrettbett Straßen
bie Fenster mit Blnthen unb ©{räuchern
geschmückt,' bie Straßen selbst mit weißem
Sand bestreut bentt bas war in der Ne
gierungs-Verftignng nicht verboten. Ans
eigenften'Bcweggrünbeu sang bie Menge
mit Anbacht .bie Lieber: „Fest soll mein
Tanfbtind^imnter stehen", „Wahrer Gott,
Dir glauben wir" unb zerstreute sich bann
ruhig und friedlich, so daß die schleunig
veranlaßte Abordnung des Chefs unserer
Polizei in die bischöfliche, Wohnung als
eine überflüssige Maßregel sich barstellte.
Das Bcfinbeit bes Bischoses wirb als
bttrchatts zufriedenstellend gemeldet fer
nere Maßregeln dürften aber nicht lange
mehr auf sich warten lassen.
e i n 1 2 a i e z a s
Gortschakofi und Fürst Bismarck hatten
gestern eine lange Consultation.
Die katholischen Bischöfe in Preußen
haben beschlossen, lieber die bem Staate
geduldeten religiösen Orbett auszulösen,
als sie unter Aufsicht ber Regierung ge
stellt zu sehen.
Eine Wiener Specialbepeschc melbet,
baß Fürst Bismarck beabsichtigt, mit Hilfe
Rußlands eine öffentliche schriftliche Ga
I
retntie des durch den Fntnfurter Vertrag
creirten Status zu erlangen. Rußland
und Oesterreich haben ihre Unterstützung
zugesagt.
Die „Noiddcntfche Zeitung" sagt, daß
sie in ben Staub gesetzt worben sei zu
versichern, baß bie Beziehungen zwischen
Dentschlanb unb Frankreich seit bemBür
gerkriege befviebigenber geworben find.
Deutschland trachte nach dem Frieden.
Die Provincial (Korrespondenz, ein halb
ofsicielles Blatt, erklärt, daß Deutschland
sich nach Frieden sehnt und im Stande ist,
sich auf das Bündniß mit einem mächtigen
Nachbarn zu stützen'
Ein Schaar Frauenzimmer stürmte
gestern ein den Alt-Katholiken gehörendes
Schulhaus in Königshülte, Oberschlesien
und äußerte, daß sie niemals einwilligen
werden, daß die Alt-Katholikeu festen Fuß
fassen.
o n o n 1 0 a i I n a e n k a o
lischen Kirchen Englands ist gestern ein
Hirtenbrief des Cardinals Manning ver
lesen worden, in demselben wird gegen die
Verfolgungen der Kirche in Deutschland
und der Schweiz protestirt unb Fürst
Bismarck beschuldigt, er sei bestrebt, die
Feindschaft der Mächte gegen das nächste
Conclave wachzurufen.
o m, 13. Mai. Die Mainzer Pilger
besuchten heute den Papst und beglück
wünschten ihn zii seinem 83. Geburtstage.
2 o n o n, 14. Mai. Aus einer De
pesche von Pensance erhellt, daß ein Liver
pooler Dampfer an der Brockar Insel, ei
ner der Scilley Inseln gestrandet fei. Ein
Boot wurde von hier gesandt.

Psmeroy, D. de» KS. Mai1873. No. ioe
!Polizei-Direction von allen die Anord
nungen der königl. Negierung „verhöh-

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