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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, May 19, 1875, Image 3

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Neue und alte Miinner-Bereine.
Der so große über das ganze Land ver
breitete deutsche-römisch-katholische Cen
tral-Verein hat in diesen Tagen in Ein
cinnati seine zwanzigste General
Versammlung gehalten. Dieser Verein,
oder vielmehr diese Vereinigung von Ver
einen, deren Mitgliederzahl nach Zehn
tausende» festgestellt wird zeigt {ich. mit
jedem Jahre lebenskräftiger und bringt
für die menschliche Gesellschaft, wie sür
die Kirche heisame Früchte. Die einzelnen
Vereine des Central-Bereins waren bis
her dem Namen und auch in den meisten
Fällen der
That nach
katholische Vereine.
Jetzt aber bei der gegenwärtigen
zwanzigsten Generalversammlung liegt
dem Central-Verein eine neue Constitu
tion vor, wodurch sich alle diese Vereine
formell der Kirche auf dasEngste anschlie
ßen. Wenn die gegenwärtige Nummer
unseres Blattes in die Oesseutlichkeit
kommt, ist der Beschluß zur Annahme
dieser neuen Constitution wahrscheinlich
mit großer Majorität vor sich gegangen.
Dieser engeAnschluß des Central-Vereins
an die Kirche kann für die Vereine selbst
nnr von Vt»rtheil sein. Dadurch tritt
der Centräl-Verein mit den alten Man
mrvereinen oder Innungen auf gleicher
Stufe, und wie diese, mag auch der
Central^VereinJahrhnnderie überdaueren,
wen» nur dieser Anschluß an die Kirche
niemals wieder gelockert wird.
Das sociale und politische Leben ist
jetzt ein ganz anderes als es vor 500
Jahren war. Darum haben auch die
alten Innungen sich überlebt. AlleinBer
einignngen katholischer Männer sind wie
damals, so auch jetzt vom größten Nutzen
es müssen aber die Einrichtungen solcher
Vereine den Zeitverhältnissen angepaßt
sein was beim Central-Verein ja der
Fall ist, dann müssen die Vereine als
solche streng kirchlich sein, waS d.r Cen
tral-Verein in dieser Woche ja werden
will.
Um nun zu zeigen, wie katholische
Männer-Vereine früherer Jahrhunderte
die Verbindung mit der Kirche betrach
teten, wollen wir einen Rückblick auf das
uralte katholische Jnnungswesen werfen.
Die Handwerkerinnungen das heißt
die Handwerkervereinigungen, auch
Aemter, Gilden, Gaffeln oder Eidgenos
senschaften genannt, sind sowohl ihrem
Ursprünge, als ihren Einrichtungen nach
kirchliche, christliche Vereine, religiöse
Bruderschaften. Wenn sie gleich bürger
liche Zwecke hatten, so war doch ihre Ein
richtung religiös, nach dem Vorbilde an
derer religiöser Vereine und Bruderschaf
ten. Man kann darum mit Recht auch
die altenHandwerkerinyungen eine Pfian
zung der christlichen Kirche nennen, da sie
alle ihre Einrichtungen, älle ihre Gefete
und Vorschriften, ja selbst ihre Gebräuche
und
Gewohnheiten aus der christlichen
Kirche, besonders aus dem kirchlichen
Bruderschafts-und Klosterleben entnom
men haben.
Die Entstehungszeit des christlichen
Jnnungswesens fällt, wenigstens (iuBe
zug aus unser deutsches Vaterland), in
das zehnte nnd elfte Jahrhundert. Aus
den Klöstern nahm dasselbe seinen Ur
sprung und seine Einrichtungen. So
lehrt es die Geschichte, die nns, wenn sie
nicht von schlechten glaubenslosen und
kirchenfeindlichenMenschen verfälscht wird,
unbestreitbar nachweiset daß zu jener
Zeit und schon durch mehrere Jahrhun
derte früher stets die Klöster die einzigen
Stätten waren wo Kunst und Wissen
schast und auch das Handwerk seiiicPflege
fand.
Als die erftenGlaubensprediger Deutsch
land durchzogen, da war selbes noch voll
Wüsten, Waldungen. Sümpfe und Ein
öden. Di« Einwohner führten ein wildes
Kriegs, und Jäg?rleben. Ihre Bedürfe
nifse waren gering. ihreWohnungen eilend.
Städte waren nur wenige, und selbst diese
waren nur ehemalige Niederlassungen
der Römer, die unsern heutigen Begriffen
von einer Stadt nur wenig entsprechend
fein mochten. Unter solchen Umständen
konnte von Kunst und Handwerk keine
Rede sein.
Da kamen die Söhne de
Benedikts und gründeten ihre Klöster
Sie suchten sich zu ihren Niederlassungen
die verwildertsten nnd einsamsten Gegen
den auf. Bald lichtete sich durch ihrer
Hände Arbeit der dichte Wald, die
Sümpfe wurden ausgetrocknet und in
fruchtbares Ackerland umgewandelt. An
der Stelle, wo sonst nur wilde Thiere
hausten, erhoben sich die Zellen der
Mönche und das Gotteshaus, das Kloster.
Zur Herstellung eines Klosters war nun
das Handwerk in allen seinen Zweigen
unumgänglich nothwendig. Denn das
Kloster sollte eine dauerhafte Stätte wer
ben nicht blos für jene frommen Männer
die es gründeten sondern auch für jene,
die noch ihnen sich demselben heiligen Be
rufe weihen würden. Die Zellen der
Mönche sollten nicht sein, wie die Zelte
der Hirten oder der Krieger, wandelbar,
sondern beständig, fortdauernd nicht bloß
für den ersten Bewohner, sondern auch
für seine Nachfolger. Das Kloster sollte
eine feste Burg werden, aus welcher nicht
jbloß für heute sondern auch für foiiv
mende Zeiten, das Christenthum, chrisi
i liche Bildung und Gesittung über Nah
juttd F?rn sich verbreiten sollte. Die
Klöster waren ohne Widerrede die ersten
festen fortdauernden Ansiedlungen. Wer
baute denn nun die Klöster Wer übte
!die bei einem solchen auf eine längere
I Dauer bestimmten B(tue die nothwendigen
i Handwerksarbeiten? Die Mönche selbst.
jWer sich die Mühe gibt, nur einigerma
ßen die Geschichte der Ausbreitung des
Christenthums in Deutschland zu ersor
schen der wird das Gesagte tausendfach
bestätigt finden. Alle damals nothwen
digen und üblichen Handwerke wurden
von den Klosterbrüdern ausgeübt. Dar
um enthält jede alte Klosterregel eigene
Vorschriften über die Handwerke.
As man aber im zehnten Jahrhundert
unter König Heinrich dem Finkler anfing
Städte zu bauen, so genügten die Kloster
brüder als Handwerker nicht mehr. Der
Bau einer Stadt erfordert viele Hand
werker. Zudem mar den.Klosterbrüdern
verboten, bei rein weltlichen Bauten sich
zu betheiligen. So wurde denn nun
mit der Gründung der Städte ein welt
licher Handwerkerstand nothwendig, der
auch iii dieser Zeit wirklich entstanden
ist. Indessen Übten demungeachtet die
Mönche wie vorher ihre Handwerke aus.
Der Bau der Kirchen blieb noch Jahr
hunderte hindurch beinahe ausschließend
in ihren Händen. Zudem waren eben
die Mönche die Lehrer für die weltlichen
Handwerker. Von wem hätten sie sonst
auch die Handwerke erlerneit.töniitn So
waren denn die Klöster die Mütter auch
des weltlichen Handwerkerstandes. Der
neu entstandene weltliche Handwerker
stand verläugnete auch seine Mutter nicht.
So wie ein gutes Kind aus dem Eltern
hause die meisten Sitten, Gebräuche und
sei. Die Laien vorzüglich die Hand
werker ahmten das Klosterleben nach,
und nahmen die religiösen Einrichtungen
desselben, so viel es nur immer mit dem
Weltleben vereinbar war auf. Gleich
den geistlichen Bruderschaften bildeten die
Mitglieder desselbenHandwerls eine durch
einen Eid verpflichtete Eidgenossenschaft.
Sie ahmten selbst die mönchische Abge
-?^!schlossenheit nach indem in gar vielen
Städten die Mitglieder desselben Hand
Werkes dieselben Straßen oder Stadt
viertel bewohnten.
Diese Einrichtungen nun welche die
Handwerker aus dem Klosterleben genom
m#.i fcnttim mnrfiten das eiaentliche We
inen hatten, machten das eigentliche We
sen, den Kern der Handwerkerinnungen
aus. Alle diese Einrichtungen der Hand
werkerinnungen sind streng, religiös,
kirchlich und haben das Christenthnm,
seine Glauben«- und Sittenlehre zur
Grundlage. Wir wollen nur einige die
ser Einrichtungen in Kürze vorführen.
Eine der vornehmsten, wahrhast christ
lichen Einrichtungen der alten Handwer
kerinnungen sind die Jahrtage.
JedeHandwerkerinnung hat ihrenJahr
tag. Der Jahrtag ist das Vereins- und
Bruderschaftsfest des Handwerkes und
seiner Mitglieder. Er entspricht dem
Ordensseste der Klosterbrüder. Der Mit
t?lpnnkt der Feier dieses Bruderschaftsfe
stes besteht in der Darbringung des heil
Meßopfers. Dadurch zeigt sich die In
nung als ein streng katholischer Verein.
Denn nur der Katholik betrachtet die
heilige Messe als Mittelpunkt aller Got
tesverehrnng. als das einzig wahre Bitt
und Dankopfer.
An
diesem
Jnnungsseste sollen, wie die
alten Jnnungsbüchcr strenge vorschreiben,
außer „Gottesgewalt." d. h. außer dem
Falle einer schweren Krankheit, alle Mit
glieder der Innung Theil nehmen. Nach
dem sich dieselben beim Handwerksvater
versammelt haben, wandeln alleJnnungs
brüder, Meister und Gesellen im feierli
che,, Zuge in die Kirche zu dem Bruder
schastsaltare. wo nach altem Brauche die
heilige Messe gefeiert wird. Dadurch
zeigen die Mitglieder ihren Glauben an
das Gehkimnitz des heiligen Meßopfers
an, sie drücken damit ihren Dank, aus
gegen Gott für die von ihm der Innung
und den einzelnenMitgliedern erwiesenen
Wohlthaten, und zugleich die Bitte um
fernem Schutz für die gesammte Innung
Und somit ist der Jnnungsjahrtag eint
rein kirchliche, katholische Einrichtung.
(Schluß folgt.)
Am letzten Samstag wurde in
South Bend, Indiana der kleine
Sohn des Herrn Karl Maurer vou zwei
unbekannten Männern in einem s. g.
Emigrantenwagcn gewaltsam entfuhrt.
Sie hielten das Kind in dem Wagen, mit
dem sie davon fuhren, versteckt. Aber
n
15 sie bei Einbruch der Nacht bis in die
Nähe von Elkhart. 16 Meilen von South
Bend gekommen waren, weinte und schrie
das so untröstliche Kind laut, daß sie nach
kurzer Berathung beschlossen, es lausen
zu lassen. Sie setzen es im Freien ans den
Boden und fuhren auf und davon. Der
Kleine übernachtete auf dem Felde und
am anderen Tage gelang es ihm, sich
nach South Bend zurück zu finden, wo
Ijauic UIC uin Uli tsuuil, VVluiuuu «. v n
Gewohnheiten mitnimmt, und im neuen er am Sonntag Abeni. be 1 9 Ö
Hause getreulich fortübt ja selbst der!stigteu Angehörigen einhas.
Nachkommenschaft dieselben gewissenhaft! —Die russische Regierung soll den
überliefert: eben so nahm auch der weit- sämmtlichen nach Sibirien verbrannten
liche Handwerkerstand aus feinem Gutter» fatljolifchen Bischöfen die Rüsikehr in die
Hause, dem Kloster, gar manche Einrich- ^Hejmath erlaubt haben. Nur der Erzbi
hingen mit in die Welt hinaus. Davon von Warschau, v. Felinski, soll das
überzeugt nns der Zeitgenosse Berthold! rasche Gebiet meiden.
n"" Konstanz. Nach seinem Berichte i
von Konstanz. Nach
bildete sich das Jnnungswesen kurz vor!
den Kreuzzügen, und er bemerkt tun das
Jahr 1091, daß in jenen Zeiten das ge-l
meinfchaftliche Leben nicht bloß unter!
Mönchen und Geistlichen, sondern auch i
in der Laienwelt in Schwung gekommen'
Wer bei den bösen Freundschaft sucht,
Mit ihnen bald auch wird verrucht.
Ein zahmer Baum int wilden Wald
Die gute Art verlieret bald.
Wo Gott nicht muß da straft Er nie,
Wer selbst sich straft, spart Ihm die Muh.
Ohio Waisenfreund. 3.
Schach.
ftiit Anfänger zeigten wir schon frnher btld
licii, hitc die Figuren beim Beginn des Spieles
stchc» müssen. Wir erklären dieses letzt genauer
wörtlich. Zwei Spieler sitzen sich gegenüber
und nehmen tv-is Schachbrett so zwischen sich,
daß jeder ei.x schwarzes Eckfeld zur Linken hat.
Von den Offizieren kommen die e auf
die beiden Eckplätze, neben diese kommen die
S i n e a n n i e u e K ö n i
und die Dame kommen auf die beiden Mit»
telfelder, dabei gilt als Regel, daß die helle Kö
nigin auf ein Helles, die dunkle auf ein bunte
lee Feld gestellt wird. (Regina servat
coloreni.) Die Bauern werden in einer
Reihe auf die acht Felder vor den Offizieren
«.stellt.
Siehe die Stellung in 9!o. 106 dieses Blattes.
Wir geben jetzt, die einfachen Regeln des
Spiele» und lassen Alles außer Acht, was nicht
unbedingt nöthig zn sagen ist.
Da« Spiel wird geführt, indem beide Spie
ler abwechselnd eine Figur ziehen. Jede Fi
gur hat eine besondere Richtung, tn weiche sie
gezogen werden muß.
Die Dauern rücken ch i w e ij-c e
rabc ein Feld vor, schlagen aber^auf bei zu
n s i e e n e e e u n i n k s s
Nur vom ersten Platze aus dürfen die Bauern
auch zwei Felder gerade vorrücken.
Die Läufer gehen nur schräg so weit die
Linie frei ist und schlagen auch schräg.
$ic Springer springen über zwe: Felder
schräg und gerade, so daß das einzu
nehmende Feld eine andere Farbe hat als da»
verlassene. Sie schlagen auch auf dieselbe
Weife.
Die hü rm e ziehen und schlagen nur
geraden Linien in gleicher Richtung mit den
Seiten de« Schachbretts.
Die Königin oder Dame zieht und
schlägt wie
alle
Figuren mit Ausnahme der
Springer, sie leitet daher da! Spiel.
Der König ist die Hauptperson, erzieht
und schlägt gerade und schräg rund um sich
herum, aber nur auf dfiS ihm nächste Feld.
Die Bauern ziehen und schlagen in der
angegebenen Weise nur vorwärts, die übrigen
Figuren in der bestimmten Weise nach allen
Seiten.
v r.
Die Absicht beider Spieler geht nun dahin,
den feindlichen König matt zu machen, indem
man ihn gefangen nimmt, oder völlig ein
schließt. Alle Figuren sind daher nur zum
Schutze deS Königs da und jeder Zug muß dar
auf gerichtet sein, den Feind matt zu machen.
Wir lassen hier jetzt den Anfang einer Schach
partie folgen, die Anfänger durchspielen kön
nen, um daraus die Züge und die An des
Spieles zu lernen. Auch für geübtere Spieler
wird diese Partie von Interesse sein. Man
achte aber genau auf die bezeichneten Felder:
Partie 9td. 1.
W e i
WW
""'ix
S w a z
1) E 7 Eö
2) 5 nimmt 4
3 7 ö
4) GZ 4
5) 7 HS
6) 8 —H 7
7) 7 6
4 5
S) 8 6
10) S 8-66
11) @6 67
12) FS —D7
1 6 2 4
2) 2 4
3) 1 F3
4) 2 4
5) 3 E 5
6) 1 E 4
7) 2 4
8) E 5 3
9) 2 —G 3
10) öl 6 3
11) 3 F4
12) E 1 2
Jetzt steht die Partie, wie folgt:
Weiß ist am Zuge.
Schwarz.
1
MW
MW
WZ*
§§t§
AiSlil
IM
W/Zfö.
mm
Weiß.
Die Fortschung dieser Partie folgt in der
nächsten Nummer.
S n u i W e i S a s v e i e e n e n o
sollte alle Nummern unsers Blaues, die »cha ch eut
halten, aufbewahren.

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